Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 24. Dezember 2017 bis Samstag 30. Dezember 2017

Weihnachtsoktav

Mathias Reimer

Das Wunder der DemutSonntag
O admirabile commercium – Oh wunderbarer TauschMontag
Wie weit bin ich bereit zu gehen?Dienstag
Unruhig ist unser HerzMittwoch
Kleine große ZeugenDonnerstag
Die Rettung IsraelsFreitag
Außer-Gewöhnliche GottesbegegnungenSamstag


Das Wunder der Demut

24. Dezember 2017

Vierter Adventssonntag
(Zur Abendmesse wird genommen: Weihnachten – Am Heiligen Abend)

Mathias Reimer

Lk 1,26-38
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in GalilĂ€a namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrĂŒĂŸt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak ĂŒber die Anrede und ĂŒberlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: FĂŒrchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebĂ€ren: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird ĂŒber das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird ĂŒber dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich ĂŒberschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn fĂŒr Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, an diesem Weihnachtsfest möchtest du wirklich in mir Wohnung nehmen und bezeugst mir deine Liebe und NĂ€he. Ich will dir mein Herz öffnen. Komm, Herr Jesus!

Bitte: Mir geschehe nach deinem Wort! Hilf mir, ganz und gar auf dich zu vertrauen.

1. Die Demut Gottes. Gott ist so groß, dass er sich im Jesuskind ganz klein machen kann. Gott ist so mĂ€chtig und so souverĂ€n, dass er Menschen wie Maria, wie mich, um Hilfe fĂŒr sein Erlösungswerk bittet. Gott liebt so sehr, dass er lieber das Risiko eingeht, von den Menschen abgelehnt zu werden, als unsere Freiheit einzuschrĂ€nken. Diese Bibelstelle und das Weihnachtsgeschehen ĂŒberhaupt sprechen zu uns von einem Gott, der unablĂ€ssig und ganz demĂŒtig, geduldig, barmherzig an die TĂŒr der Menschenherzen klopft und sie zu einer befreienden, heilenden, erlösenden Liebesbeziehung mit ihm einlĂ€dt.

2. Die Demut Mariens. Gott widersteht den „Obercheckern“. Er sehnt sich dahingegen nach Menschen, die ihn aufrichtig suchen, die ihn in ihr Herz einlassen und ihm mit ihrem ganzen Dasein dienen wollen. Mit welch liebevollem Blick schaut Gott auf die Jungfrau aus Nazareth! Er schaut auf die Niedrigkeit seiner Magd und zerstreut die, die im Herzen voll Hochmut sind (vgl. Lk 1, 48.51). Marias Frage und endgĂŒltige Antwort spiegeln ihre Demut wider. Zum einen drĂŒckt sie ihre Bereitschaft aus, Gott zu dienen und sich fĂŒr seinen Plan in Aktion zu bringen. Zum anderen vertraut sie dabei nicht auf sich selbst, sondern voll und ganz auf das Wirken Gottes. „Fiat – Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

3. Meine Haltung gegenĂŒber der Demut Gottes. Heute Abend feiern wir die Ankunft unseres Erlösers. Auch wir sind „begnadet“, denn der Herr ist mit uns. Auch an uns ergeht eine große Verheißung. Nehme ich die kleinen Botschaften, die er mir tagtĂ€glich schickt, wahr? Erkenne ich die GrĂ¶ĂŸe des Geschenks seiner Geburt? Wie antworte ich darauf? Wie habe ich mich auf seine Ankunft vorbereitet? In diesen letzten Stunden vor Heiligabend will ich wie Maria und zusammen mit ihr demĂŒtig ĂŒber die GrĂ¶ĂŸe Gottes staunen. Im Bewusstsein meiner SchwĂ€chen und Fehler „will ich wenigstens wollen“: Ich will ihm mein Herz ganz öffnen. Ich will ihm als seine Magd, als sein Knecht, dienen. Und vor allem will ich auf seine demĂŒtige Liebe, die er mir an Weihnachten offenbart, vertrauen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du bist sanft und demĂŒtig von Herzen. Du wohnst gerne unter uns Menschen, weil du uns so sehr liebst und mit deinem göttlichen Leben beschenken möchtest. Bilde mein Herz nach deinem Herzen, mach es demĂŒtig und rein, damit du darin Platz hast, es leitest und sein Herr bist.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich mir im Laufe des Tages einige Minuten der Ruhe und des Gebets nehmen, um Jesus erneut und bewusst mein Herz zu öffnen.


O admirabile commercium – Oh wunderbarer Tausch

25. Dezember 2017

Weihnachten
Hochfest der Geburt des Herrn

Mathias Reimer

Joh 1, 1-18
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen fĂŒr das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen fĂŒr das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis fĂŒr ihn ab und rief: Dieser war es, ĂŒber den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner FĂŒlle haben wir alle empfangen, Gnade ĂŒber Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich möchte meine Ohren und mein Herz öffnen, damit ich dein Wort des Lebens, des Lichtes und der Liebe in mir aufnehmen und in der Freiheit der Kinder Gottes leben kann.

Bitte: Jesus, erleuchte mein Leben mit deinem Licht! Vertreib all die Finsternis in mir und erfĂŒlle mich mit deiner Gnade und deiner Wahrheit.

1. Das Wort, das von Anfang an war. Betrachten wir zunĂ€chst Jesus im Schoß der Dreifaltigkeit. Vollkommenheit, GlĂŒck, Licht, Wahrheit, göttliches Leben... Nichts fehlt ihm. Niemand könnte ihm etwas geben, das er zu seiner GlĂŒckseligkeit brauchte. Gott ist in sich vollkommen und vollkommen glĂŒcklich. Und dennoch spricht er in die Finsternis des Nichts hinein sein allmĂ€chtiges Wort. Er erschafft Himmel und Erde. Er erschafft uns Menschen, einzig und allein um uns an seinem GlĂŒck und an seiner Liebe teilhaben zu lassen. Gott ist einfach nur gut! Glaube ich das?

2. Das Wort, das Fleisch geworden ist. Oh wunderbarer Tausch! In die Finsternis der menschlichen Schwachheit und SĂŒnde hat Gott erneut sein Wort gesprochen. Jesus „ist Fleisch geworden“, hat unsere Menschennatur angenommen, um uns zu erlösen. Jesus ist Mensch geworden, damit wir Kinder Gottes werden können. Gott macht seine Liebe in Jesus ganz konkret, menschlich, erreichbar, nahbar. Er ruht am Herzen des Vaters und bringt uns Kunde davon. Keine abstrakten Begriffe! Das Jesuskind liegt mit seinem kleinen, lebendigen Körperchen in einer Krippe im Stall von Betlehem. Ich will das Jesuskind in meine Arme nehmen und betrachten. Mich von ihm anlĂ€cheln lassen. Die Liebe Gottes berĂŒhren. Gott ist einfach nur gut! Glaube ich das?

3. Er kam in sein Eigentum. â€žAber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Wie traurig macht das Gott. Wie unvernĂŒnftig und innerlich kalt erscheint uns diese Reaktion angesichts seiner Liebe und GĂŒte. Dennoch respektiert Gott die Freiheit jedes Einzelnen. Denn die Antwort auf seine Liebe kann und will er nicht erzwingen. Umso mehr freut sich Gott ĂŒber seine Kinder, die ihn aufnehmen, die sich ihm als ihrem EigentĂŒmer ĂŒbergeben. Umso mehr wirkt er in ihnen. Umso mehr lĂ€sst er sein Licht in ihnen und durch sie erstrahlen, damit alle durch sie zum Glauben kommen. Das ist die Grunddynamik im Leben jedes Menschen, der wie Johannes Zeugnis gibt: Jesus aufnehmen, in seiner Gnade wachsen, ihn auf andere ausstrahlen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du hast dich erniedrigt, um uns zu erhöhen. Ganz ohne Angst möchte ich zu dir in der Krippe kommen und dich bitten, dass du mich zu deinem Eigentum machst, damit ich dir ganz gehöre. Lass mich heute zu deinem Zeugen werden.

Möglicher Vorsatz: Heute gehe ich in der Kirche oder Zuhause kurz zur Krippe hin und lade das Jesuskind in mein Herz ein. Oder: Heute will ich durch eine kleine aber bewusste Geste, ein LĂ€cheln, ein aufmunterndes Wort, einen Dienst, Jesus in mir fĂŒr andere aufscheinen lassen.


Wie weit bin ich bereit zu gehen?

26. Dezember. 2017

Hl. Stephanus, ErzmÀrtyrer
Fest

Mathias Reimer

Mt 10,17-22
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige gefĂŒhrt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt. Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden. BrĂŒder werden einander dem Tod ausliefern und VĂ€ter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du schenkst mir jetzt die Gelegenheit, aus dem Trubel der Feierlichkeiten heraus und zu dir zu kommen. Ich will mein Herz ruhig werden lassen in deiner Gegenwart.

Bitte: Vater, sende mir deinen Geist! Hilf mir, mir keine Sorgen zu machen, sondern mich voll und ganz auf dich einzulassen, dich in mir und durch mich wirken zu lassen.

1. Eine grundlegende Entscheidung. Die klaren und mahnenden Worte Jesu scheinen uns in einem ersten Moment aus der weihnachtlichen Familienharmonie herauszureißen. Hass, Mord und Totschlag?! In der Familie?! Um seines Namens willen?! Muss das denn alles sein, Jesus? Diese verstĂ€ndlichen EinwĂ€nde werden erst durch die Antwort auf eine andere Frage ins rechte Licht gerĂŒckt: Nehmen wir die Erlösung, die Gott uns schenken möchte, eigentlich voll und ganz an? Er zeigt uns gerade an Weihnachten wie sehr er auf uns zugeht. Jesus macht sich arm, um uns reich zu machen. Es gibt viele Menschen, die Jesus ablehnen. Wie weit bin ich bereit, mit ihm zu gehen? Bin ich bereit, die Widrigkeiten, Spannungen und Konflikte, die sich aus seiner Nachfolge in der Welt ergeben, zu ertragen? Bin ich bereit, schwierige Situationen zu erdulden und diese mit seiner Botschaft zu prĂ€gen?

2. â€žDamit ihr vor ihnen Zeugnis ablegt.“ Die Kirche hĂ€lt uns heute das Beispiel des heiligen Stephanus vor Augen. Er hat die Wahrheit, dass wir nur in Jesus erlöst sind, mit seinem Blut bezeugt. Seine Verurteilung und seine Todesart waren Frucht des Hasses und reiner WillkĂŒr. Dennoch hat er diese Situation genutzt, um sie mit dem Licht des Evangeliums zu erleuchten, um Zeugnis zu geben. Und wir wissen, dass sein Zeugnis Frucht getragen hat. Saulus, der wohl fĂŒr die Steinigung mitverantwortlich war, ist zum Paulus geworden. Jesus braucht heute Menschen wie Stephanus. Er will mich vor den Institutionen und Heiden unserer heutigen Welt zum Sprachrohr seiner Botschaft machen, um auch die Menschen zu erreichen, die ihn noch nicht kennen gelernt und angenommen haben.

3. Zwei Zusagen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie schwer es sein kann und wie viel Überwindung es kostet, ein authentischer Zeuge Jesu zu sein. Deswegen macht uns Jesus hier zwei sehr tröstliche Zusagen. Der Geist des Vaters wird durch uns reden, wirken, lieben. Wir können und mĂŒssen nicht aus eigener Kraft Menschen ĂŒberzeugen. Es ist auch der Geist Gottes, der uns letztendlich hilft, beharrlich zu bleiben und somit gerettet zu werden. Das heißt, er hilft und befĂ€higt uns, unsere grundlegende Entscheidung fĂŒr Jesus zu verwirklichen. Und wir wissen auch aus eigener Erfahrung: Wer sich fĂŒr Gott einsetzt, den lĂ€sst er auch nicht fallen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du weißt wie schwach ich bin, wie oft ich mich nicht traue, zu dir zu stehen. Vertreibe die Angst in mir, die mich lĂ€hmt. Lass mich mehr auf dein Wirken vertrauen und auf deinen Ruf, dein Zeuge zu sein.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich einem Bekannten telefonisch oder schriftlich einen christlichen Weihnachtsgruß ĂŒberbringen.


Unruhig ist unser Herz

27. Dezember 2017

Hl. Johannes, Apostel und Evangelist
Fest

Mathias Reimer

Joh 20,2-8
Am ersten Tag der Woche lief Maria von Magdala schnell zu Simon Petrus und dem JĂŒnger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere JĂŒnger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere JĂŒnger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere JĂŒnger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du hast mich auf dich hin geschaffen. Mein Herz ist unruhig, bis es in dir ruht. Jetzt will ich in deine Gegenwart treten. Bringe du mein Herz zur Ruhe.

Bitte: Jesus, ziehe mich zu dir hin. Schenke mir eine echte, tiefe, persönliche Erfahrung deiner Liebe.

1. Die Unruhe vorher. Immer dann, wenn uns das Evangelium von einer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet, können wir einen Wandel in den Zeugen der Auferstehung erkennen. Es gibt ein Vorher und ein Nachher. Auch hier ist Maria noch völlig ratlos und traurig. Die zwei JĂŒnger laufen, getrieben von Angst, Zweifel, Ungewissheit, zum Grab. Auch wir kennen diese Unruhe, wenn unser Glaube wankt und wir Gott aus den Augen verlieren. Wenn unser Gebet im Stress des Alltags untergeht. Unruhig ist unser Herz bis es in Gott selber ruht.

2. So nahe und doch so weit. Gott setzt sich in Bewegung, um uns durch seine Menschwerdung, seinen Kreuzestod und seine Auferstehung zu erlösen. Er zieht uns an sich, damit wir bei ihm Ruhe finden. So wie er uns an Weihnachten auf besondere Weise zeigt, wie nah und nahbar er fĂŒr uns Menschen sein möchte, so will er uns an Ostern zeigen, wie weit seine Liebe (Kreuzestod) und seine Macht (Auferstehung) reichen. Weihnachten und Ostern sind die zwei Höhepunkte unserer Erlösung. Derselbe Jesus, der uns in Betlehem in der Krippe anlĂ€chelt und fĂŒr uns am Kreuz seine Arme ausbreitet, möchte uns durch seine Auferstehung schließlich auch innerlich verwandeln.

3. Die Unruhe danach. Nachdem Menschen dem Auferstandenen begegnet sind, gibt es in ihnen durchaus noch eine gewisse Unruhe. Doch ist es eine Unruhe anderer Art. Es ist eine andere Maria von Magdala, die nach Ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen am Grab zu den JĂŒngern lĂ€uft, um ihnen die Botschaft zu verkĂŒnden! Wie anders verhalten sich die JĂŒnger, nachdem sie Jesus sehen durften und so im Glauben gestĂ€rkt wurden. Die Menschen, die in ihrem Leben eine echte Erfahrung von Gott gemacht haben, tragen ein gewisses „Etwas“ in sich, das sie zu Zeugen seiner Liebe macht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, nimm von mir die Unruhe, die mich in den Dingen dieser Welt ErfĂŒllung suchen lĂ€sst. Schenke mir die Unruhe, die vom Ruhen meines Herzens in dir herrĂŒhrt und mich andere zu dir bringen lĂ€sst.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich mir wĂ€hrend des Tages einen kurzen Augenblick nehmen und mir Jesu Geburt, Tod und Auferstehung bildlich vor Augen fĂŒhren. „Danke, Jesus, dass du das fĂŒr mich getan hast!“


Kleine große Zeugen

28. Dezember 2017

Unschuldige Kinder
Fest

Mathias Reimer

Mt 2,13-18
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfĂŒllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getĂ€uscht hatten, wurde er sehr zornig, und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfĂŒllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren dahin.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du fĂŒhrst die Menschen, die sich dir öffnen, auf deinen Wegen. Ich möchte ein Hörender werden und deiner Stimme folgen.

Bitte: Jesus, nimm mir alles, was mich von dir trennt. Gib mir alles, was mich mit dir verbindet. Löse mich von mir selbst, um ganz dir zu gehören.

1. Die MĂ€chtigen dieser Welt. Herodes ist als König nicht um das Wohl seines Volkes bemĂŒht. Macht, Reichtum und Ansehen können uns Menschen ganz leicht versklaven. Deswegen sieht er sich gezwungen, die ZĂŒgel in die Hand zu nehmen und selber Geschichte zu schreiben. Und so verschließt er sich der Erlösung Gottes. Dabei vergisst er zweierlei. Zum einen hat Gott die FĂ€den der Geschichte in der Hand. Er fĂŒhrt sein Volk mit Vorsehung und Weisheit wie wir es an den Prophezeiungen sehen können. Zum anderen ist Gott doch gar nicht an einer Übernahme der weltlichen Macht interessiert. Es geht ihm um viel mehr. In seiner Versklavung an die GĂŒter dieser Welt versucht Herodes mit Gewalt an diesen GĂŒtern festzuhalten.

2. Die kleinen Großen. Ăœberall dort, wo Gott aus dem Blickfeld gerĂ€t, wird Politik auf Kosten der Kleinen, Unschuldigen und Wehrlosen gemacht. Schon kurz nach seiner Geburt wurde Jesus verfolgt. Und da nur Jesus der Grund war, weswegen die Kinder aus Betlehem sterben mussten und sie dies an seiner Stelle taten, hat die Kirche sie immer schon als MĂ€rtyrer bezeichnet. Gott erniedrigt sich nĂ€mlich auch, um seine „SolidaritĂ€t“ gerade mit den Kleinen zu bezeigen. So wie er sich damals der Obhut Josefs und Mariens anvertraut hat, so vertraut er heute sich selbst und vieler Menschen Leben uns an.

3. Die Menschen, die auf Gott hören. Josef und Maria geben uns ein Beispiel dafĂŒr, was es heißt, Jesus nicht nur in das eigene Leben eintreten zu lassen, sondern es ganz und gar auf ihn auszurichten. Wie beeindruckend ist die Aufmerksamkeit und die Bereitschaft Josefs, die Stimme Gottes zu vernehmen und ihr Folge zu leisten. Die Menschen, die auf Gott hören, prĂ€gen wirklich ihre Umgebung. Die Heiligen, die Gottes FĂŒhrung in ihrem Leben zulassen, schreiben tatsĂ€chlich Geschichte. Ganz unscheinbar und doch so bedeutend ist das Leben der Heiligen Familie.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, fĂŒhre mich in die Freiheit der Kinder Gottes. Ich möchte im Bewusstsein und im Vertrauen darauf leben, dass du mich liebst. Schenke mir die Kraft, deiner Stimme Gehör zu schenken und ihr Folge zu leisten.

Möglicher Vorsatz: Vor dem Mittagessen möchte ich kurz mein Gewissen erforschen. Wo hat Gott heute Vormittag zu mir gesprochen? Wo hat er mir gesagt, dass er mich liebt? Wo habe ich ihm gesagt, dass ich ihn liebe? Was will ich heute Nachmittag fĂŒr ihn tun?


Die Rettung Israels

29. Dezember 2017

5. Tag der Weihnachtsoktav
Hl. Thomas Becket, Erzbischof und MĂ€rtyrer
Hl. Lothar, Mönch

Mathias Reimer

Lk 2,22-35
Es kam fĂŒr die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemĂ€ĂŸ dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede mĂ€nnliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel gefĂŒhrt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfĂŒllen, was nach dem Gesetz ĂŒblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lĂ€sst du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit fĂŒr dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten ĂŒber die Worte, die ĂŒber Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Heiliger Geist, du lenkst mein Leben und schenkst ihm FĂŒlle. Ich danke dir fĂŒr deine Gegenwart in meiner Seele. GewĂ€hre mir die Gabe einer echten Frömmigkeit.

Bitte: Herr, lass mich dein Heil sehen! Schenke mir eine persönliche und tiefe Begegnung mit dir!

1. Das Opfer, das kein Mensch bringen kann. Josef und Maria erfĂŒllen das Gesetz und gehen deswegen zum Tempel. Jesus IST die ErfĂŒllung des Gesetzes und selbst der neue Tempel. Im Tempel brachten die Priester Gott Brand- und Schlachtopfer dar zur SĂŒhne fĂŒr die SĂŒnden des Volkes Israel. Jesus ist Priester und Opferlamm zugleich: Er tritt fĂŒr die Menschen vor Gott Vater ein und bewirkt durch sein Opfer die Vergebung der SĂŒnden. Er, der Sohn des ewigen Vaters, vollzieht seine Weihe, indem er dem Vater ganz gehorsam ist, bis zum Tod. In seinem Fleisch gibt sich Jesus selbst als wohlgefĂ€lliges und vollkommenes SĂŒhneopfer fĂŒr uns Menschen hin.

2. Der Segen eines frommen Lebens. Der greise Simeon gibt uns ein wunderbares Beispiel fĂŒr ein durch und durch frommes Leben. Er ist vom Heiligen Geist erfĂŒllt und lĂ€sst sich von ihm fĂŒhren. Mit welchem Wohlwollen und welcher Freude muss Gott auf diesen Mann schauen! Denn er erfĂŒllt Simeon seinen grĂ¶ĂŸten Wunsch: Er darf den Messias in seinen HĂ€nden halten. Die Antwort auf das grĂ¶ĂŸte und schönste Geschenk seines Lebens ist ein wunderbares Gebet, das bis heute tagtĂ€glich im Nachtgebet (der Komplet) der Kirche widerklingt. Was ist mein grĂ¶ĂŸtes Geschenk an Weihnachten? Worauf habe ich gewartet? Wie lange habe ich meine Freude daran? Wie bedanke ich mich bei Gott dafĂŒr?

3. Israels Rettung. Zu Beginn preist Simeon das Kind in seinen HĂ€nden als das Heil, das Licht und die Rettung des Volkes Israel. Doch dann findet er auch ganz klare Worte, in denen er voraussagt, dass viele Menschen Jesus widersprechen und an ihm zu Fall kommen werden. Wie der heilige Augustinus sagt, wird Gott, der den Menschen ohne dessen Zutun geschaffen hat, ihn nicht ohne dessen Zutun erlösen. Es gilt also, die Erlösung anzunehmen, ein frommes Leben zu fĂŒhren, nach Jesu Kriterien zu leben. Die Gedanken werden so oder so vor Gott offenbar werden. Deswegen möchte und darf ich ganz ehrlich zu ihm sein. Vor ihm kann ich meine SchwĂ€chen aber auch meinen guten Willen offenlegen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du bist das grĂ¶ĂŸte Geschenk, das mir an diesem Weihnachtsfest in die HĂ€nde gelegt worden ist. Hilf mir, dieses Geschenk in meinen Alltag mitzunehmen und ein frommes Leben zu fĂŒhren.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich durch einen bewussten Akt der NĂ€chstenliebe Gott fĂŒr das Geschenk seiner selbst danken, das er uns durch seine Menschwerdung gemacht hat.


Außer-Gewöhnliche Gottesbegegnungen

30. Dezember 2017

6. Tag der Weihnachtsoktav
Hl. Felix I, Papst
Hl. Sabinus, MĂ€rtyrer
Hl. Germar OSB, Abt

Mathias Reimer

Lk 2,36-40
In jener Zeit lebte eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter PĂ©nuĂ«ls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges MĂ€dchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich stĂ€ndig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach ĂŒber das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach GalilĂ€a in ihre Stadt Nazaret zurĂŒck. Das Kind wuchs heran und wurde krĂ€ftig; Gott erfĂŒllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich möchte mich ganz in deine Gegenwart versetzen. Du bist jetzt hier und schenkst mir die Möglichkeit, dir zu begegnen.

Bitte: Komm in mein Leben, Herr! Schenke mir eine tiefe, persönliche, Erfahrung von dir.

1. Fasten und Beten als Gottesdienst. In Hanna haben wir ein weiteres Beispiel eines Menschen, der mit seinem ganzen Leben Gott dient. Beeindruckend ist in ihrem Gottesdienst nicht nur die Zeit, die sie ihm widmet. Interessant ist auch die Art und Weise: durch Fasten und Beten. Das mag zunĂ€chst ganz unauffĂ€llig klingen, aber Jesus misst dem Fasten und Beten spĂ€ter im Evangelium eine große StĂ€rke zu (vgl. Mk 9,29; Mt 17,21). Wie sehr pflege ich diese beiden Arten des Gottesdienstes? Das Fasten ist viel mehr als nur eine willkommene Art des Abspeckens nach der Weihnachtszeit oder eine bloße Selbstdisziplin. Das Fasten ist eine Ausrichtung unserer selbst auf das Wesentliche, auf das wirklich Wichtige hin: auf Gott selbst. Diese BeschrĂ€nkung auf das Wesentliche kann auch zur Reinigung der Seele und zur FĂŒrbitte fĂŒr andere werden. Und mein Gebet? Durch das regelmĂ€ĂŸige Gebet geben wir Gott bestĂ€ndig genĂŒgend Raum in unserem Leben. Durch das persönliche und intime Gebet können wir Gott preisen.

2. Ăœber Gott sprechen. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Hanna war so von Gott erfĂŒllt, dass sie gar nicht anders konnte, als den anderen von Gott zu erzĂ€hlen. Sie brannte so sehr fĂŒr Gott und seine befreiende Botschaft, dass sie „allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten,“ in Jesus den Messias verkĂŒndete. Sie betrieb keinen Proselytismus, sondern strahlte auf andere aus und teilte ihnen die Wahrheit mit. Hanna sprach zu denen, die ein offenes Ohr fĂŒr Gottes Botschaft hatten, und solche Menschen öffneten ihre Herzen. Die Worte, mit denen wir ĂŒber Gott zu anderen sprechen, stoßen immer auf ein offenes oder verstecktes Verlangen nach Gott.

3. Gott im Alltag entdecken. Nicht nur Hanna hat Gott in ihrem Alltag Raum gegeben. Auch die Heilige Familie ist, wie Lukas berichtet, nach diesen besonderen Begegnungen im Tempel wieder nach Hause, nach Nazaret, zurĂŒckgekehrt und fĂŒhrte dort ihr „normales“ Leben weiter. Das Evangelium schweigt weitgehend ĂŒber diese Zeit, denn schließlich war sie ja auch alltĂ€glich. So sehr, dass die Einwohner von Nazaret eines Tages an diesem ihnen wohlbekannten Jesus irrewerden sollten. Und dennoch heißt es in diesem einen Satz ĂŒber das verborgene Leben Jesu, dass er heranwuchs, krĂ€ftig und von Weisheit erfĂŒllt wurde und Gottes Gnade auf ihm ruhte. Wie segensreich kann unser Alltag also sein! Wie unscheinbar und doch so stetig arbeitet Gott an uns! Versetzen wir uns in den konkreten Alltag der Heiligen Familie und lernen wir von ihr; wie wir Gott im Alltag begegnen können: indem wir die gewöhnlichen Dinge mit außergewöhnlicher Liebe tun.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂŒr diese besondere Zeit des Gebets. Hilf mir, deine Gegenwart in meinem Leben zu entdecken. StĂ€rke in mir den Willen, dir in Zukunft auch tiefer in meinem Alltag zu begegnen.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich mir ĂŒberlegen und aufschreiben, welche konkreten Momente in meinem Alltag ich der Begegnung mit Gott widmen will.