Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 20. August 2017 bis 26. August 2017

Zwanzigste Woche im Jahreskreis

Br. Jonathan Fuhr LC

Der Glaube lÀsst uns niemals im StichSonntag
Ein Ruf zur Liebe ohne GrenzenMontag
Maria, die perfekte KöniginDienstag
Gott Vater, der gerechte GutsbesitzerMittwoch
Jesus braucht Zeugen seiner LiebeDonnerstag
Gott lieben, doch wie geht das?Freitag
HerzensbildungSamstag


Der Glaube lÀsst uns niemals im Stich

20. August 2017

Zwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Br. Jonathan Fuhr LC

Mt 15,21-28
In jener Zeit zog Jesus sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurĂŒck. Da kam eine kanaanĂ€ische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem DĂ€mon gequĂ€lt. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine JĂŒnger zu ihm und baten: Befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast Recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr ich danke dir, dass ich jetzt bei dir sein darf. Die nĂ€chsten Momente möchte ich ganz dir widmen. Komm du jetzt in mein Herz und forme es nach deinem Willen. Heute lĂ€dst du mich ein, meinen Glauben zu erneuern. Hilf mir, fest auf dich zu vertrauen, damit du in meinem Leben wirken kannst.

Bitte: Herr, schenk mir einen tiefen Glauben.

1. Die Kanaaniterin glaubt und lĂ€sst sich nicht beirren. Diese Frau ist uns ein Vorbild im Vertrauen und im Glauben an die GrĂ¶ĂŸe und Kraft Gottes. Denn, obwohl sie keine JĂŒdin ist und noch nicht an den einen Gott glaubt, obwohl sie wahrscheinlich niemals in Jerusalem Gott angerufen hat, setzt sie ihre ganze Hoffnung auf Jesus. Sie glaubt an seine GrĂ¶ĂŸe. Wenn jemand ihrer Tochter helfen kann, dann ist es Jesus. Sie kennt Gott noch nicht, doch sie kennt das Herz Christi und weiß, dass er ihr nichts vorenthalten wird, wenn sie ihn voll Vertrauen darum bittet. Deshalb bleibt sie beharrlich, auch wenn Jesus sie zuerst zurĂŒckweist.

2. Der Glaube baut die BrĂŒcke fĂŒr die Liebe Christi. Wir wollen nun unseren Blick auf das Herz Jesu richten. Was passiert in dem Herzen Jesu? Eine Frau kommt, die ihn um einen Gefallen bittet. Wie so viele andere Menschen. Doch es gibt eine Barriere, die er anscheinend nicht ĂŒberwinden kann: Sie ist eine Heidin. Deshalb scheint es, dass Christus zuerst sein Herz fĂŒr diese Bittstellerin verschließt, aber in Wirklichkeit kann seine Liebe nicht bis zu ihrem Herz gelangen, weil sie nicht mit dem wahren Gott verbunden ist. Doch der Glaube ermöglicht auch das, dass ein Brotkrumen der Liebe Gottes bis zu dieser Frau gelangen kann. Wie Jesus nicht in unserm Leben wirken kann, wenn wir durch die SĂŒnde unser Herz vor ihm verschließen, so kann auch seine Gnade nicht ohne Weiteres zu dieser Frau gelangen. Doch der Glaube baut dann die BrĂŒcke fĂŒr die Liebe Christi. Obwohl sie keine JĂŒdin ist, glaubt diese Frau an die Kraft Christi und so kann er auch bis zu ihrem Herzen gelangen. Durch ihren entschiedenen Glauben öffnet sie ihr Herz fĂŒr die Liebe Gottes. Wenn wir uns durch die SĂŒnde von Gott entfernt haben, dann kann Christus erst wieder in unserem Herzen wirken, wenn wir uns ihm im Glauben und im Vertrauen wieder entschlossen genĂ€hert haben. Christus möchte in unserm Herzen wirken, doch wir mĂŒssen die BrĂŒcke zu ihm aufrichten.

3. Christus wirkt in unserm Leben, wenn wir an seine Gegenwart glauben. Der Glaube schlĂ€gt die BrĂŒcke zu Christus. Mit dem Glauben an seine Gegenwart, seine Macht kann sein Wirken in uns beginnen. Das lehrt uns diese Kanaaniterin: Ihr Glaube an Jesus, ihre bestĂ€ndige Bitte bewirkt, dass sich ihr Leben Ă€ndert. Wie kann man diese BrĂŒcke des Glaubens zu Christus schlagen? Durch den bewussten Akt des Glaubens, durch die Bitte in einem besonderen Anliegen, durch das Vertrauen, dass Christus das Steuer in der Hand hat, auch wenn wir meinen, dass wir allein sind. Christus ist immer bei uns. Er verlĂ€sst uns niemals.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂŒr diese Zeit mit dir. FĂŒr das Wort, dass du mir heute an diesem Sonntag geschenkt hast. Ich lege jetzt alle meine Sorgen und Ängste in deine HĂ€nde, du weißt was mich in meinem Herzen bewegt. Hilf mir, die BrĂŒcke zu deinem Herzen zu schlagen, damit deine Gnade wirklich in mein Herz gelangen kann.

Möglicher Vorsatz: Heute dem Herrn ein Anliegen ĂŒbergeben, was ich schon lange auf dem Herzen habe. (Es aufschreiben; es bei einem Besuch in einer Kirche benennen; Jesus in diesem Anliegen bitten)


Ein Ruf zur Liebe ohne Grenzen

21. August 2017

Gedenktag
Hl. Pius X., Papst
Hl. Gratia Ocist, MĂ€rtyrerin
Hl. Balduin Ocist, Abt

Br. Jonathan Fuhr LC

Mt 19,16-22
In jener Zeit kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen NĂ€chsten lieben wie dich selbst! Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus ich danke dir, dass ich dir jetzt in dieser Zeit des Gebets begegnen darf. In den nĂ€chsten Momenten gibt es nichts anderes, was ich tun möchte. Ich glaube fest daran, dass du jetzt hier gegenwĂ€rtig bist und dass du zu meinem Herzen sprechen möchtest. Dir öffne ich mein Herz, damit du jetzt in mir wirken kannst. Ich komme zu dir mit meiner Freude und meinen Erfolgen, mit der Sehnsucht, die ich im Herzen trage, und auch mit meinen Sorgen und Ängsten. Nimm du mich an deine Hand und fĂŒhre mich heute dorthin, wo du mich haben möchtest.

Bitte: Jesus, gewĂ€hre mir die Gnade, mich fĂŒr deine Liebe zu entscheiden.

1. Gebote sind die unterste Grenze. Betrachten wir den reichen JĂŒngling: Der JĂŒngling ist ein glĂ€ubiger Jude, der all das tut, was das Gesetz vorschreibt. Er ist ein treuer Jude und niemand kann ihm vorwerfen, etwas zu tun, was Anstoß erregt. Doch was bewegt diesen JĂŒngling, den Herrn zu fragen, was er noch weiter tun kann? Er hat eine tiefe Sehnsucht, die ĂŒber das einfache Gebot hinausgeht, er spĂŒrt in seinem Inneren, dass er an eine Grenze kommt, die ihn in seinem Herzen einschrĂ€nkt. Worin besteht diese Grenze? Es ist die Grenze, die man erreicht, wenn man ein Gebot erfĂŒllt hat, der Mindeststandard des Einfachen. Es ist ein Stehenbleiben bei der ErfĂŒllung der Ă€ußeren Pflicht, bei dem, was sichtbar ist. Eine PflichterfĂŒllung allein fĂŒllt das Herz nicht bis zum Rand. Wo erfĂŒlle ich einfach meine Pflicht und setze in meinem Herzen eine Grenze, die meine LiebesfĂ€higkeit einschrĂ€nkt?

2. Christus lĂ€dt uns ein, die Vollkommenheit zu suchen, die keine Grenze kennt. â€žDa schaute ihn Jesus an und weil er Ihn liebte sagt er zu ihm: Eines fehlt Dir noch, geh verkaufe alles und gib das Geld den Armen, dann komm und folge mir nach.“ Zu diesem Schritt lĂ€dt uns Christus ein, innerlich, ganz persönlich, aus und in der Liebe. Denn wer ĂŒber die Grenze der Pflicht hinausgeht bzw. das Gesetz nicht nur aus PflichterfĂŒllung lebt, der macht das Herz weit fĂŒr die Liebe des Herrn. Ja, die radikale Entscheidung, zu der Christus einlĂ€dt, macht das Herz frei. Dieser Ruf, unsere Komfortzone zu verlassen, entspricht nicht etwa dem Wunsch Christi, uns etwas zu nehmen, sondern er möchte uns etwas schenken. Er möchte unser Herz mit seiner Liebe erfĂŒllen. Die Suche nach der Vollkommenheit kennt keine Grenze. Wir können sie allerdings selbst nicht erreichen, sondern uns nur von den Dingen freimachen, die uns daran hindern, uns ganz fĂŒr die Liebe Christi zu öffnen. Hier kann jeder darĂŒber nachdenken, in welchem Bereich Christus ihn einlĂ€dt, alles zu verkaufen, und ihm nachzufolgen. Es kann bedeuten, Gott sein ganzes Leben zu weihen, aber das muss nicht sein. Wir können auch jeden Tag aufs Neue etwas von uns verkaufen, um unser Herz weit zu machen. Es kann der Verkauf meiner eigenen Meinung sein, der Verkauf des Urteils ĂŒber einen Mitmenschen oder der Verkauf des Egoismus, der immerzu den eigenen Vorteil sucht. Jeder kennt einen Bereich, in dem er dem Herrn sein Herz ein StĂŒck weiter öffnen kann. Legen wir ihm diese Dinge nun in die HĂ€nde. Herr du kennst mich und du weißt, dass ich mich immer wieder bemĂŒhe. Doch ich stecke mir selbst immer wieder Grenzen, die dich daran hindern, mein Herz mit deiner Liebe zu erfĂŒllen.

3. Die Vollkommenheit kommt aus der Liebe. Dieser Ruf Christi ist ein Ruf zur Vollkommenheit. Wir alle sind dazu berufen und Tag fĂŒr Tag geladen, auf diesem Weg zu gehen. Doch allein können wir sie nicht erreichen. Wir können uns dazu entscheiden, den Weg einzuschlagen und unsere eigenen Bequemlichkeiten verkaufen und damit dem Herrn das Herz öffnen, doch der eigentliche Baumeister heiliger Menschen ist Christus. Wir geben unser „fast nichts“, der Verkauf unserer AnhĂ€nglichkeiten und unserer Anstrengung, doch Gott gibt sein „fast alles“. Wieso ein „fast alles“? - Weil er unsere Freiheit braucht, um zu wirken. Unser Ja, unserer Zustimmung, die ihm ermöglicht, unser Herz StĂŒck fĂŒr StĂŒck mit seiner Weisheit und seiner Liebe umzuwandeln. Die Vollkommenheit ist lediglich die Frucht des Wirkens der Liebe Gottes in unserem Leben. Heute lĂ€dt uns Christus dazu ein, Ja zu ihm zu sagen, oder unser Ja zu seinem Weg zu erneuern. Denn seine Einladung geht von seiner Liebe aus. Vertrauen wir auf sein Wort, denn Gott nimmt nichts, sondern gibt alles. Maria, in deine HĂ€nde lege ich jetzt diese Zeit des Gebets. Hilf mir, nahe bei deinem Sohn zu sein und schenke mir die Kraft, Ja zu sagen zu dem Weg, den Jesus, heute fĂŒr mich bereitet hat.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du berufst uns Menschen zur Liebe. Dein Herz quillt ĂŒber vor Liebe. Ich möchte dich am Ende dieser Gebetszeit bitten: Komm du in mein Herz und erfĂŒlle es mit deiner Liebe. Nimm von mir, was mich hindert, ganz bei dir zu sein.

Möglicher Vorsatz: Jesus heute in der Eucharistie besuchen und ihn fragen: Herr, wo setze ich deinem Wirken in meinem Herzen Grenzen?


Maria, die perfekte Königin

22. August 2017

Gedenktag
Maria Königin (Regina)
Hl. Maurus, MĂ€rtyrer
Hl. Sigfrid OSB

Br. Jonathan Fuhr LC

Lk 1,26-38
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in GalilĂ€a namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrĂŒĂŸt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak ĂŒber die Anrede und ĂŒberlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: FĂŒrchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebĂ€ren: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird ĂŒber das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird ĂŒber dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich ĂŒberschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn fĂŒr Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, heute an diesem Fest deiner Mutter Maria, komme ich zu dir. Ich möchte dir dafĂŒr danken, dass du uns Maria als Mutter und Königin hinterlassen hast. Maria ist unsere gute Mutter, die uns immer nĂ€her zu dir fĂŒhrt. Ich komme zu dir auch mit all meinen Freuden und Sorgen, du kennst sie. Ich möchte sie nun in deine HĂ€nde und in die HĂ€nde Mariens legen.

Bitte: GewĂ€hre mir die Gnade, meine Liebe und Verehrung fĂŒr Maria zu vertiefen.

1. Maria, eine demĂŒtige Königin. Heute feiern wir Maria als unsere Königin. Sie wurde von Christus in den Himmel aufgenommen und zur Königin des Universums gekrönt. Eine Königin ist in gewisser Weise immer ein Vorbild und Maria in besonderem Maße. Deshalb betrachten wir heute die Haupttugenden unserer Königin. Bitten wir Maria, dass sie uns hilft, ihr immer Ă€hnlicher zu werden. Denn wenn wir so sind wie Maria, dann leben wir in besonderer NĂ€he zu ihrem Sohn Jesus Christus. Betrachten wir Maria zunĂ€chst in ihrer Demut, in ihrer GrĂ¶ĂŸe vor den Menschen und ihrer Kleinheit vor der Unendlichkeit Gottes. Sie befindet sich in ihrem Haus in Nazareth und als der Engel eintritt, sehen wir ganz besonders ihre Demut. Der Gruß des Engels verwundert sie. Sie wundert sich darĂŒber, dass der Engel sie mit diesem Ehrentitel anspricht. Sie sieht sich nicht wĂŒrdig. Weiß nicht, was es bedeuten soll. Ihre ganze Haltung ist demĂŒtig. Maria möchte Gott gehorchen, ihr Einwand ist kein Zweifel, sondern eine Nachfrage. Sie fragt etwa in diesem Sinn: Ich bin bereit, doch ich weiß nicht wie es funktionieren soll. Sag mir den Weg, damit ich ihm folgen kann. Maria kennt ihre Situation, kennt ihr Leben, hat sich so angenommen, wie sie ist. Maria ist das vollkommene Beispiel der Demut.

2. Maria, eine verfĂŒgbare Königin. Das zweite Merkmal Marias ist ihre VerfĂŒgbarkeit fĂŒr das Wirken Gottes in ihrem Leben. Maria ist vollkommen offen fĂŒr den Ruf Gottes. Es scheint fĂŒr Maria fast selbstverstĂ€ndlich zu sein, dass sie dem Ruf Gottes folgt. Sie bringt keine EinwĂ€nde vor, sondern fragt demĂŒtig, wie Gott sich seinen Plan in der Praxis vorstellt. Sie zweifelt nicht an der GrĂ¶ĂŸe Gottes. So schaut sie auch nicht auf ihre eigenen PlĂ€ne, sie möchte Gott dienen. Das ist ihr Plan und Gott hat diese spezielle Mission fĂŒr Maria. So wagt Maria einen Sprung ins kalte Wasser, denn sie weiß nicht, was auf sie zukommt. Als sie ihr „Fiat“ gibt, weiß Maria nicht, wie der Rest ihres Lebens aussehen wird, sie kann nicht fassen, was es bedeutet, Mutter Gottes zu sein. Aber sie ist verfĂŒgbar, weil sie ein Herz hat, das liebt.

3. Maria, eine dienende Königin.  Die dritte Eigenschaft, die Maria besitzt und die wir heute betrachten wollen, ist die Dienstbereitschaft. Eine Königin dient normalerweise durch ihre Regentschaft, durch ihre NĂ€he zum Volk und das Suchen des Allgemeinwohls. Maria dient auf diese Art und Weise. Sie hört dem Engel zu und bemerkt, was ihre Cousine nun braucht, deshalb eilt sie bald darauf zu ihrer Verwandten. Das heißt, dass Maria selbstlos dient, das Wohl ihrer Cousine steht ĂŒber ihrem eigenen Wohl. Maria ist glĂŒcklich und erfĂŒllt, wenn die anderen versorgt sind. Dieser Dienst kommt nicht von ungefĂ€hr. Maria ist erfĂŒllt von Christus, sie trĂ€gt ihn schon in ihrem Schoß, aber vor allem in ihrem Herzen.Nun haben wir die verschiedenen Eigenschaften Marias, unserer Königin, betrachtet. Doch was bedeutet das nun fĂŒr unser Leben? Die schönste Art und Weise der Marienverehrung ist die Nachahmung ihrer Tugenden. Maria ist das beste Vorbild, dem wir folgen können, denn sie ist, wie wir, ein Mensch. Maria hat die Gnade Gottes in ihrem Herzen wirken lassen und deshalb ist sie zu unserer Mutter und Königin geworden. Doch am Beginn dieses Wegs stand das Ja, das sie dem Engel gegeben hat. So können wir uns nun fragen: Welche dieser Tugenden brauche ich am nötigsten und wie kann ich Maria in meinem Alltag nachahmen?

GesprĂ€ch mit Christus: Maria, heute am Ende dieser Gebetszeit, komme ich voll vertrauen zu dir. Danke, dass ich dich in dieser Gebetszeit besser kennenlernen durfte. Danke fĂŒr deine Demut, VerfĂŒgbarkeit und fĂŒr deine Dienstbereitschaft. Ich bitte dich aus ganzem Herzen, fĂŒhre mich zu deinem Sohn und hilf mir, ihm immer Ă€hnlicher zu werden.

Möglicher Vorsatz: Heute einen Akt der NĂ€chstenliebe tun.


Gott Vater, der gerechte Gutsbesitzer

23. August

Mittwoch der zwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Rosa von Lima
Hl. Richildis,

Br. Jonathan Fuhr LC

Mt 20,1-16a
In jener Zeit erzĂ€hlte Jesus seinen JĂŒngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der frĂŒh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter fĂŒr seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar fĂŒr den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untĂ€tig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten. Da kamen die MĂ€nner, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, ĂŒber den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag ĂŒber die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gĂŒtig bin? So werden die Letzten die Ersten sein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich danke dir, dass du jetzt hier gegenwĂ€rtig bist. Ich lege meinen Tag in deine HĂ€nde und vertraue darauf, dass du mich heute auf meinem Weg begleitest. Ich lade dich ein, Teil meines Lebens zu sein. Du mein Freund und Begleiter. Danke, dass du mich kennst und so liebst, wie ich bin, schenke mir die Gnade einer tiefen Erfahrung deiner Liebe zu mir. Auf dich setze ich meine Hoffnung. Denn du kennst mein Leben, du kennst die Situation, in der ich mich befinde, ich vertraue auf deine StĂ€rke, Weisheit und Liebe. Maria, du meine Mutter, nimm du mich an die Hand und fĂŒhre mich nĂ€her zu deinem Sohn.

Bitte: Jesus, gewĂ€hre mir die Gnade deine GĂŒte und Liebe zu erfahren.

1. Gott wirbt um den Menschen. Zuerst betrachten wir den Gutsbesitzer. Dieser geht am Morgen auf den Markt und sucht einige Tagelöhner, die er anwirbt. Eine alltĂ€gliche TĂ€tigkeit der Gutsbesitzer. Sie haben viel Land und benötigen Arbeiter, die ihnen zur Hand gehen. Am Morgen werden natĂŒrlich die MĂ€nner bevorzugt, die auf den ersten Blick den Anschein erregen, die Last des Tages tragen und in der Hitze die schweren Arbeiten verrichten zu können. Unser Gutsbesitzer ist sonderbar, denn er geht nicht nur einmal auf den Markt, sondern mehrere Male, und kurz vor Schluss der Arbeitszeit wirbt er auch noch MĂ€nner an, die wahrscheinlich nicht ohne Grund noch auf dem Markt sind: eigene Faulheit, schlechter Ruf oder eine EinschrĂ€nkung, die Einfluss auf die QualitĂ€t der Arbeit hat. Dieser Gutsbesitzer ist anders. Er macht sich auf die Suche und möchte diese MĂ€nner in seinem Weinberg haben. Ganz gleich, ob sie hoch qualifiziert sind oder nicht. Er schaut nicht auf die QualitĂ€t, sondern er schaut auf den Menschen, der eine Aufgabe braucht, um seine Familie zu ernĂ€hren. Dieser Gutsbesitzer ist Gott Vater, der uns Christen dazu einlĂ€dt, in seinem Weinberg zu arbeiten. Es ist ihm gleich, ob wir schlau oder dumm, dick oder dĂŒnn, hĂŒbsch oder hĂ€sslich sind. Er schaut auf unser Herz, er sieht die Seele und möchte, dass wir fĂŒr ihn arbeiten, damit wir einen gerechten Lohn erhalten. Lassen wir uns vom Herrn einladen, in seinem Weinberg zu arbeiten. Lassen wir zu, dass er uns mit seinem Blick der Liebe anschaut. So wie wir sind, werden wir von ihm angeworben.

2. FĂŒr den Gutsbesitzer arbeiten, bedeutet, an seinem Reich mitzuarbeiten. Der Weinberg Gottes, ist die Welt, in der wir leben, und die Frucht, die es zu pflanzen, kultivieren und zu ernten gilt, ist das Reich seiner Liebe. Wir sollen fĂŒr ihn arbeiten und das bedeutet, dass wir in unserem konkreten Alltag die Liebe leben sollen. Dort, wo wir sind, dĂŒrfen wir Zeugnis ablegen fĂŒr sein Wirken in der Welt. Das bedeutet ganz konkret, die NĂ€chstenliebe zu leben, in der Schule, auf der Uni, dem Arbeitsplatz, in der Familie, mit den Freunden und Nachbarn. Den NĂ€chsten mit den Augen Christi anzuschauen. Denen zu vergeben, die uns Unrecht getan haben und um Verzeihung zu bitten, wenn wir gefehlt haben. Den Tag mit Gott zu beginnen und zu beenden. Wir sind von Gott berufen, Arbeiter in seinem Weinberg zu sein, jeden Tag aufs Neue. So, wie wir sind, und dort, wo wir sind.

3. Der Lohn ist das ewige Leben. Am Ende des Tages und vor allem am Ende unseres Lebens, werden wir vor den Gutsbesitzer treten und er wird uns seinen Lohn geben: das ewige Leben und in dieser Welt schon einen Vorgeschmack davon. Denn worin besteht die GlĂŒckseligkeit in dieser Welt und im ewigen Leben? Im Empfangen der Liebe Gottes in unserem Herzen. Wenn wir mit ihm in Kontakt sind, wenn wir unser Leben in seinen Dienst stellen, dann sind wir dafĂŒr offen, seine Liebe zu empfangen. Jeder in dem Maße, in dem er dazu fĂ€hig ist. Machen wir unser Herz weit fĂŒr die Liebe des Herrn, der unser Herz heute und jeden Tag unseres Lebens mit seiner Liebe erfĂŒllen möchte.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott Vater, du lĂ€dst mich ein, in deinem Weinberg zu arbeiten. Danke, dass du mich liebst und annimmst, wie ich bin, dass du mich als dein Werkzeug gebrauchen möchtest, auch wenn ich durch meine SĂŒnden und SchwĂ€chen eingeschrĂ€nkt bin. Hilf mir, meine Schwierigkeiten zu ĂŒberwinden, damit ich in deinen HĂ€nden ein besseres Werkzeug sein kann – dass alle Menschen, denen ich begegne, durch dein Wirken in mir ein wenig nĂ€her zu dir kommen.

Möglicher Vorsatz: Heute auf meine Mitmenschen aufmerksam sein und jemandem in einem Detail in der Liebe dienen.


Jesus braucht Zeugen seiner Liebe

24. August 2017

Fest
Hl. Apostel BartholomÀus
Hl. Isolde OSB
Hl. Jeanne-Antide Thourtix
Hl. Karl von Borango SJ

Br. Jonathan Fuhr LC

Joh 1,45-51
In jener Zeit traf Philippus NatanaĂ«l und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, ĂŒber den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. Da sagte NatanaĂ«l zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh! Jesus sah NatanaĂ«l auf sich zukommen und sagte ĂŒber ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit. NatanaĂ«l fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. NatanaĂ«l antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel! Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch GrĂ¶ĂŸeres sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen ĂŒber dem Menschensohn.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist nun hier bei mir, und du hast heute eine Botschaft fĂŒr mich. Hilf mir, nun ruhig zu werden und die Ohren meines Herzens zu öffnen, damit ich deine Stimme vernehmen kann. Danke, dass du mich in meinem Leben Tag fĂŒr Tag begleitest. Ich erneuere mein Vertrauen in deine Weisheit und Liebe.

Bitte: Herr, erobere du mein Herz, durch deine Liebe.

1. Ein Zeugnis bringt uns zu Jesus. NatanaĂ«l kommt in Kontakt mit Jesus, weil ein Bekannter die Erfahrung Christi gemacht hat. Hier wird deutlich, wie wichtig das Zeugnis ist. Denn durch das Bekenntnis des Philippus kommt NatanaĂ«l mit dem Herrn in Kontakt. Wenn wir das erste Mal in Kontakt mit Christus treten, dann ist das normalerweise, durch das Zeugnis eines Dritten eingeleitet worden. Es können die Eltern gewesen sein, die uns von klein auf den Glauben vermittelt haben, aber auch ein Freund oder Bekannter, der uns durch sein Zeugnis aufmerksam gemacht hat. Einerseits dĂŒrfen wir dankbar sein fĂŒr diese Mittlerschaft, und auf der anderen Seite sind wir selbst dazu berufen, Mittler zu werden. Wenn wir dem Herrn begegnet sind, haben wir die Aufgabe, seine Botschaft in die Welt zu tragen und durch unser Zeugnis andere Menschen zu ihm zu bringen, damit auch sie die Erfahrung seiner Liebe machen.

2. Jesus kennt uns durch und durch, noch bevor wir auch nur ein Wort mit ihm gesprochen haben. Es ist verblĂŒffend, mit welcher Klarheit und Offenheit der Herr NatanaĂ«l empfĂ€ngt: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit.“ Mit diesen Worten zeigt der Herr, das er NatanaĂ«l schon durch und durch kennt. Jesus schaut nicht auf das Äußerliche, sondern er schaut dem Menschen direkt in die Seele, er sieht alles. Die Talente, die SchwĂ€chen, die Sicherheiten und Ängste. Vor ihm stehen wir so wie wir sind. Doch dass Christus uns innerlich kennt, stellt uns nicht bloß, sondern Christus strahlt eine Liebe und WĂ€rme aus, die uns gleich in seinen Bann zieht. Er kennt uns, aber das hindert ihn nicht daran, uns von ganzem Herzen zu lieben und uns diese Liebe durch seine GĂŒte und NĂ€he zu zeigen.

3. In seiner Liebe möchte er uns zu seinem Vater fĂŒhren. Christus lĂ€dt NatanaĂ«l zu einer Reise ein, die ihn in neue LĂ€nder fĂŒhren wird. Heraus aus seinem Schema, aus seinem Umfeld. Jesus Christus möchte uns auf den Gipfel der Liebe zum Vater fĂŒhren. Die Bestimmung unseres Lebens ist es, bei Gott Vater zu sein, und Jesus kennt den Weg dorthin. Doch er lĂ€sst uns die Freiheit, ihm zu folgen. Er verspricht uns, dass wir die GrĂ¶ĂŸe Gottes erfahren werden, doch er braucht unsere Zustimmung, unser Ja. Unser „Ja, Herr ich möchte dir nachfolgen, dort wo du mich haben möchtest.“

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke fĂŒr deine Liebe. Danke fĂŒr deine Einladung, dich immer nĂ€her kennen zu lernen, Tag fĂŒr Tag mit dir an der Seite durch dieses Leben zu gehen. Du kennst mein Herz, du hast einen Weg zum Vater fĂŒr mich vorbereitet. Ich bitte dich heute, begleite mich weiterhin auf diesem Weg und hilf mir, mich jeden Tag einen Schritt weiter dem Vater anzunĂ€hern.

Möglicher Vorsatz: Heute einen Besuch in der Pfarrkirche oder einer Kapelle machen und mich dort vom Herrn anschauen lassen. Heute einer Person von Christus erzĂ€hlen.


Gott lieben, doch wie geht das?

25. August 2017

Freitag der zwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Josef v. Calasanz SP
Hl. Elvira von Perigord, MĂ€rtyrerin

Br. Jonathan Fuhr LC

Mt 22,34-40
In jener Zeit, als die PharisÀer hörten, dass Jesus die SadduzÀer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen NÀchsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hÀngt das ganze Gesetz samt den Propheten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, danke fĂŒr die Möglichkeit, dir heute hier zu begegnen. Ich glaube an deine Gegenwart in meinem Leben und ganz besonders in diesem Moment des Gebets. Ich danke dir fĂŒr deine Liebe zu mir und möchte jetzt meine Liebe zu dir erneuern. Du kennst mein Herz, du weißt, was meine Liebe zu dir einschrĂ€nkt. Ich bitte dich, hilf mir, dich heute ein StĂŒck inniger zu lieben.

Bitte: Herr, lass mich tiefer verstehen, was es bedeutet, dich zu lieben.

1. Gott lieben im Gebet. Im Evangelium lesen wir heute, wie ein SadduzĂ€er Jesus auf die Probe stellt. Welches ist das wichtigste Gebot? Jesus antwortet mit seiner ganzen Weisheit und vor allem mit einem liebenden Herzen. Er kennt das Herz dieses SadduzĂ€ers und er möchte ihm helfen, nĂ€her bei Gott zu sein. Wenn uns jemand auf der Straße fragt: „Liebst Du Gott?“ antworten wir mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem dick unterstrichenen Ja. NatĂŒrlich liebe ich Gott! Er hat mich erschaffen, er liebt mich, begleitet mich. Das alles kann diese Antwort beinhalten. Doch wie zeigt sich diese Liebe in meinen Alltag? Ist Gott hier wirklich an erster Stelle oder sind andere Dinge wichtiger? In dieser Meditation werden wir drei Wege betrachten, um Gott zu lieben.Wie kann sich nun unsere Liebe zu Gott Vater ausdrĂŒcken? Zum einen durch unser Gebet, indem wir also Zeit mit ihm verbringen. Das bedeutet nicht, dass wir Gott gebrauchen möchten wie einen „Wunschautomaten“, sondern dass wir ihm fĂŒr seine Liebe danken. Gott hat sich durch Jesus Christus in der Eucharistie ganz klein fĂŒr uns gemacht. Er ist bei uns geblieben, um uns persönlich zu begegnen. Diese Möglichkeit der Begegnung dĂŒrfen wir nicht ungenutzt lassen. Das Gebet besteht aus zwei Grundhaltungen, dem Hinhören und dem Sprechen, denn es ist ein aktiver Dialog mit Gott. Das Sprechen fĂ€llt uns normalerweise leichter. Das Bitten, das Danken. Das Hinhören in der Stille unseres Herzens ist aber mindestens genauso wichtig wie das Sprechen mit Gott, wenn nicht sogar wichtiger. Denn was können wir Gott schon sagen, er ist allmĂ€chtig, er kennt unser Herz. Es ist viel wichtiger, hinzuhören und zu erfahren, was er uns sagen möchte. Nutzen wir jetzt einige Momente der Stille, um hinzuhören auf die Stimme Gottes in unserem Herzen.

2. Gott lieben im NĂ€chsten. Das zweitwichtigste Gebot, das uns Christus mit auf den Weg gibt, ist die NĂ€chstenliebe. Dieses Gebot ist zugleich eine Hilfe, um Gott mehr zu lieben. Denn der Evangelist Johannes schreibt uns in einem seiner Briefe: „Wer sagt, dass er Gott liebt, aber seinen Bruder hasst, ist ein LĂŒgner.“ Denn unser NĂ€chster ist ein Ebenbild Gottes und Gott wohnt in ihm. Jeder Mensch ist ein potentieller Tempel des Heiligen Geistes. Wie können wir also unseren NĂ€chsten schlecht behandeln? Denn alles, was wir ihm an Liebe schenken, schenken wir Christus. Dieser Blick auf die NĂ€chstenliebe lĂ€sst sie in einem anderen Licht erscheinen und macht sie in gewisser Weise auch noch wertvoller, denn wenn wir den NĂ€chsten aus Liebe zu Gott lieben, dann empfangen wir einen ewigen Lohn, nicht einen irdischen, der immer vergĂ€nglich sein wird. In einem kurzen Moment der Reflexion können wir hierĂŒber nachdenken: Wie liebe ich meine NĂ€chsten, aus Liebe zu Gott oder aus Eigenliebe oder Eitelkeit?

3. Gott lieben um seiner selbst willen. Diese Eigenschaft unserer Liebe zu Gott ist sehr wichtig. Sie ist auch der höchste Grad der Liebe, den wir zu Gott erreichen können. Es bedeutet, Gott nicht aus eigenem Interesse zu lieben, weil er mir etwas gibt, oder weil ich etwas von ihm erwarte, sondern es ist eine Liebe, die Gott liebt, weil er ist, wer er ist: der Schöpfer, unser Vater und Begleiter. Liebe bedeutet, sich hinzugeben und so können wir Gott vor allem durch unsere tĂ€gliche Hingabe unsere Liebe bezeigen, dort wo wir sind, in der Familie, auf der Arbeit, im Freundeskreis. Denn Gott schickt uns all diese Gelegenheiten zur NĂ€chstenliebe, damit wir ihn wahrhaftiger lieben.

GesprĂ€ch mit Christus: Danke fĂŒr diese Zeit mit dir. Danke, fĂŒr diese Einladung zur Liebe. Jesus, du zeigst uns den Weg zum Vater in den Geboten. Begleite uns auf dem Weg in dieser Welt, damit wir dir treu bleiben und das, was unsere Liebe behindert, mit deinem Beistand ĂŒberwinden können.

Möglicher Vorsatz: Heute einen Akt der Liebe setzen, sei es in Dankbarkeit fĂŒr die Liebe Gottes, fĂŒr die mir entgegengebrachte NĂ€chstenliebe oder fĂŒr den Besuch der heiligen Messe.


Herzensbildung

26. August 2017

Samstag der zwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Gregor v. Utrecht OSB, Abt
Hl. Teresa Jornet (Teresia von Jesus), OSCI

Br. Jonathan Fuhr LC

Mt 23,1-12
In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine JĂŒnger und sprach: Die Schriftgelehrten und die PharisĂ€er haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnĂŒren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rĂŒhren, um die Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren GewĂ€ndern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und PlĂ€tzen lassen sie sich gern grĂŒĂŸen und von den Leuten Rabbi - Meister – nennen. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid BrĂŒder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der GrĂ¶ĂŸte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus danke, dass wir heute wieder zu dir kommen dĂŒrfen. Diese Zeit ist nun fĂŒr dich. Du kennst unsere Herzen und weißt, was wir heute brauchen. Stehe uns heute bei auf dem Weg durch unser Leben und hilf uns heute, an diesem Tag, damit wir am Abend mit Aufrichtigkeit sagen können, ich habe den guten Kampf gekĂ€mpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Maria heute am dir geweihten Tag, möchte ich dich besonders um deinen Schutz und FĂŒrsprache bei deinem Sohn bitten.

Bitte: Jesus, sanft und demĂŒtig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen.

1. Das Herz eines Sohnes. Was trennt die PharisĂ€er vom Reich Gottes? - Ihr verstocktes Herz. Der Zugang zum Herzen der PharisĂ€er ist versperrt durch ihre Eitelkeit und Anmaßung, durch ihren Stolz und ihren Egoismus. Jesus lĂ€dt uns offen ein, nach den Geboten zu leben, nicht aber das Beispiel der PharisĂ€er nachzuahmen. Wir sollen das Herz weit machen fĂŒr die Liebe Gottes. Deshalb betrachten wir heute drei Eigenschaften, die unser Herz braucht, damit Gott in diesem Herzen Frucht bringen kann und wir unseren Glauben wirklich und authentisch leben, weil Gott unser Herz mit Liebe erfĂŒllt hat.Vor allem Anderen sind wir Söhne und Töchter eines Vaters im Himmel. Was macht das Herz eines Sohnes aus? - Dass es seinen Vater liebt und offen ist fĂŒr das, was der Vater ihm mitgeben möchte. Ein Sohn oder eine Tochter sind zunĂ€chst einmal in der Position des Hörens. Gott Vater möchte nĂ€mlich das Gute fĂŒr uns und deshalb begleitet er uns durch unser Leben und hilft uns, die Schwierigkeiten zu meistern und in der Liebe zu wachsen. Manchmal kann es sein, dass wir seine FĂŒgungen und FĂŒhrungen nicht verstehen, doch wir können darauf vertrauen, dass er das Ruder nicht aus der Hand gibt und uns immer nĂ€her zu sich fĂŒhrt. Ein Kind liebt seinen Vater, weil es von ihm Liebe empfangen hat. Die Liebe zum Vater ist sehr speziell und sehr tief. Der Vater zeigt seine Liebe durch seine Sorge und sein Handeln, die zum Wohl des Kindes fĂŒhren. Durch ein Lob, eine Ermunterung oder auch durch eine Bestrafung. Denn er möchte, dass das Kind zum Guten erzogen wird. Genauso ist Gott Vater, nur dass er der perfekte Vater ist.

2. Ein brĂŒderliches Herz. Jesus lĂ€dt uns dazu ein, uns nicht ĂŒber die anderen zu erheben, sondern uns mit unseren Mitmenschen auf dieselbe Stufe zu stellen. Wir sind nicht besser oder schlechter als unsere Mitmenschen, denn jeder ist, so wie er ist, von Gott geliebt. Wir sind BrĂŒder und Schwestern ein und desselben Vaters. Jeder Mitmensch kann uns etwas geben, eine Lehre, einen Rat, ein gutes Wort. Denn wir sind alle verschieden und jeder hat ein eigenes Talent, das einem andern von Nutzen sein kann. Deshalb sollen wir nicht voll Neid auf den NĂ€chsten schauen, weil er vielleicht ein schöneres Auto oder mehr Erfolg am Arbeitsplatz oder im Studium hat, sondern dafĂŒr danken, dass er ein Talent hat, mit dem er uns und sein Umfeld bereichert. Genauso sollen wir nicht von oben herab auf unseren NĂ€chsten schauen, weil er vielleicht mit einer SchwĂ€che kĂ€mpft. Es ist nicht unserer Aufgabe, ĂŒber den NĂ€chsten zu richten, sondern wir sollen ihm, wenn es in unserer Macht steht, helfen, die Schwierigkeit zu ĂŒberwinden. Und wenn wir nicht dazu in der Lage sind, dann können wir immer wenigstens fĂŒr ihn beten.

3. Ein dienendes Herz. Zum Dritten lĂ€dt uns Christus dazu ein, ein dienendes und liebendes Herz zu formen. Das heißt, das Wohl des NĂ€chsten zu suchen und nicht den eigenen Gewinn. Christus spricht sehr klar ĂŒber diese Eigenschaft des Herzens. Wer der Erste sein möchte, der soll der Diener aller sein. Christus selbst geht uns beim letzten Abendmahl, wĂ€hrend der Fußwaschung mit gutem Beispiel voran. Christus macht sich ganz klein, er macht sich zum „Sklaven“ seiner JĂŒnger. Jetzt können wir uns fragen: Habe ich ein offenes Auge fĂŒr meine Mitmenschen, kenne ich ihre Vorlieben und BedĂŒrfnisse? Oder bin ich voll und ganz auf mich konzentriert? Der Dienst am NĂ€chsten macht das Herz weit und schafft Platz fĂŒr die Liebe Gottes, denn was ich dem geringsten meiner BrĂŒder getan habe, das habe ich Christus getan. Wenn wir Jesus Christus im NĂ€chsten dienen, kann er unser Herz immer mehr mit seiner Liebe erfĂŒllen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus du, vereinst alle diese Eigenschaften in deinem Herzen und zeigst uns, wie wir leben sollen. Du hast uns ein Beispiel gegeben. Danke fĂŒr dieses Beispiel. Du weißt, was mir fehlt in meinem Herzen, um so zu lieben wie du geliebt hast. Ich bitte dich, komm du in mein Herz und forme mein Herz nach deinem Bilde.

Möglicher Vorsatz: Heute dem Herrn in einem Moment der Stille besonders fĂŒr das Talent eines Mitmenschen danken, der etwas besser kann als ich.