Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 2. Juli 2017 bis 8. Juli 2017

Dreizehnte Woche im Jahreskreis

Ellen Charlotte Petermann

Ă€rz
Keine faulen KompromisseSonntag
Ich glaube, hilf meinem UnglaubenMontag
Angst und GelassenheitDienstag
SeelensturmMittwoch
Unsichtbares sichtbar machenDonnerstag
Barmherzigkeit siegtFreitag
Gott gestern, heute und immerdarSamstag


Keine faulen Kompromisse

2. Juli 2017

Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis

Ellen Charlotte Petermann

Mt 10,37-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wĂŒrdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wĂŒrdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mit nachfolgt, ist meiner nicht wĂŒrdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein JĂŒnger ist - amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist mein Erlöser, und ich möchte meinen Weg nicht nur zusammen mit dir gehen, ich möchte dir auch nachfolgen, unbedingt! Ich möchte die Freude ĂŒber meinen Glauben allen Menschen mitteilen, und ich möchte lieben, lieben wie du liebst. Reine, absichtslose Liebe geht immer mit Schmerz, mit Kreuz einher. Manchmal ist es sehr schwer, und ich laufe vor meinem Kreuz davon, möchte es nicht tragen. Aber du bist grĂ¶ĂŸer als unser Herz.

Bitte: Jesus, hilf mir in meiner Schwachheit, mein Kreuz anzunehmen, es aus Liebe zu dir zu tragen. Mach mich in meiner Schwachheit stark!

1. Gott an die erste Stelle setzen! Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem und predigt. Er hat viele AnhĂ€nger, die ihn begleiten, ihm nachfolgen möchten. Die junge Kirche beginnt zu wachsen, denn es sind nicht mehr nur wenige auserwĂ€hlte JĂŒnger, sondern eine große Menschenmenge aus allen Bevölkerungsschichten, die mit ihm geht. Jesus stellt dann mit scheinbar harten Worten ganz klar dar, wie er sich die rechte JĂŒngerschaft vorstellt. Er stellt Bedingungen, und man könnte meinen, dass diese Bedingungen der Liebe widersprechen, denn wer verlĂ€sst so einfach seine Frau, sein Kind, seine Eltern? Was Jesus sagen will, ist, dass „JĂŒnger sein“ den ganzen Menschen fordert und nicht nur einen Teil seines Lebens. Rechtes JĂŒngersein erfordert kategorische Entschiedenheit. Man legt sich fest, unwiderruflich. Es darf keine Halbheit geben. Ebenso erfordert rechtes JĂŒngersein auch die innere LosschĂ€lung von allem, von weltlichen GĂŒtern und von Menschen in ausschließlicher Bindung. Denn nur so ist wahre Nachfolge möglich!

2. Vom rechten Umgang mit den legitimierten Boten. Nachdem Jesus die Bedingungen der Nachfolge geklĂ€rt hat, folgt nun eine Art Mahnung, wie die legitimierten Boten aufzunehmen und zu behandeln sind, und es ergibt sich eine Art VerknĂŒpfung, die im Ursprung endet, nĂ€mlich in Gott. Wer die JĂŒnger Jesu aufnimmt, der nimmt Jesus auf und damit wiederum den eigentlichen Absender der Botschaft: Gott! Dann wird der Kreis erweitert um Propheten und Gerechte, die ebenfalls autorisiert sind, Gottes Botschaft zu bringen. Dabei könnte es sich um sog. Wanderprediger handeln. Interessant wird es besonders danach, denn der Kreis der Boten wird anschließend differenziert: Es ist von den „Kleinen“ die Rede und davon, dass man ihnen ein Glas Wasser reicht. Das lĂ€sst vermuten, dass Boten unterwegs sind, die hilfsbedĂŒrftig sind und UnterstĂŒtzung brauchen. Boten, die sich auf die UnterstĂŒtzung der Gemeindemitglieder verlassen mĂŒssen!

3. Das Glas Wasser. Vielleicht habe ich schon mutig beschlossen, mein persönliches, von Gott ausgesuchtes Kreuz, auf mich zu nehmen, aus Liebe zu ihm, um ihm nachzufolgen, ihn an die erste Stelle zu setzen, auch wenn das öfter einmal nicht gelingt. Vielleicht lebe ich schon solch ein Leben und finde, dass ich ein toller Christ bin. Aber wie sieht es aus, wenn dann jemand, den ich vielleicht gar nicht kenne, oder eventuell sogar ablehne, kommt und mich um ein Glas Wasser bittet? Im ĂŒbertragenen Sinne natĂŒrlich. Klarer ausgedrĂŒckt: „Hilf mir, ich brauche Dich.“ Und wenn er das in Christi Namen tut, dann kann ich nicht antworten: „Tut mir leid, ich trage gerade schon mein Kreuz, denn ich versuche, mit meinen Kindern geduldig umzugehen.“ Denn wer bittet denn dann um Hilfe? Gott, persönlich. Wer ist Gott fĂŒr mich? Jeder, jeder Bettler, DrogenabhĂ€ngige, ehemals unfreundliche Nachbar
 Man könnte das ins Unendliche weiterfĂŒhren. Aber in diesem Moment am allerwenigsten ich selber!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, hilf mir, dich in jedem Menschen zu sehen. Nimm mir meine Eigenliebe. Lass mich jeden unnötigen Gedanken an meine Befindlichkeiten vergessen, damit ich ein authentischer, hingebungsvoller Bote deiner Liebe sein kann.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich das Magnifikat beten.


Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

3. Juli 2017

Fest
Hl. Apostel Thomas
Hl. Joseph Lenzel, Priester

Ellen Charlotte Petermann

Joh 20,24-29
Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen JĂŒnger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der NĂ€gel an seinen HĂ€nden sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der NĂ€gel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine JĂŒnger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die TĂŒren waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine HĂ€nde! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht unglĂ€ubig, sondern glĂ€ubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich komme zu dir, so wie ich bin, mit den ganzen Problemen meines Lebens, im Glauben an dich und deine Liebe. Mit kindlicher Aufrichtigkeit möchte ich dir alles erzĂ€hlen, was meinen Glauben an dich schwĂ€cht und mich immer wieder zweifeln lĂ€sst.

Bitte: Jesus, bitte stĂ€rke meinen Glauben. Hilfe mir, nicht stĂ€ndig nach Beweisen zu suchen, sondern in aller Einfachheit und Demut zu vertrauen.

1. Der „Thomas“ in mir. Liest man diese Bibelstelle, findet man sich vielleicht selber darin wieder. Wie oft, in seligen Zeiten, wenn es mir gut geht, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass mein Glaube unerschĂŒtterlich ist, dass mich nichts und niemand davon abbringen kann, an Gottes Plan fĂŒr mich zu glauben. Und wie schnell ereilt mich dann dennoch das gleiche Schicksal wie den Apostel Thomas hier in dieser Evangeliumsstelle. Vielleicht sind es die großen Herausforderungen, vor denen ich stehen, die mich Beweise einfordern lassen. Vielleicht summieren sich auch Probleme, Verletzungen, Traurigkeiten, die irgendwann das Fass zum Überlaufen bringen und mich wie Thomas sagen lassen: „Wenn nicht
, dann glaube ich nicht.“

2. Jesus wird (be)greifbar. Was passiert hier eigentlich? Thomas trifft seine Freunde, die ĂŒbrigen Apostel, und diese erzĂ€hlen ihm von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Thomas war nicht dabei gewesen und glaubt ihnen deshalb nicht. Ja, er fordert sogar regelrecht Beweise fĂŒr die Echtheit dieser Begegnung. Acht Tage spĂ€ter trifft Thomas selber auf Jesus. Dieser liefert ihm die geforderten Beweise, in dem er sich von Thomas anfassen lĂ€sst und somit fĂŒr ihn (be)greifbar macht. Jesus liebt Thomas, und gerade deshalb spricht er auffordernd, im Imperativ, zu Thomas: „Streck deine HĂ€nde aus
.und sei nicht unglĂ€ubig, sondern glĂ€ubig.“ Zugleich sagt er ihm aber im nĂ€chsten Satz, dass sein Glaube unvollkommen ist.

3. Mein Herr und mein Gott! Man kann sich vorstellen, dass Thomas nicht nur voller Einsicht und Erkenntnis, sondern auch mit BeschĂ€mung ausruft: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesu Antwort zeigt dann Thomas‘ ganze KleinglĂ€ubigkeit auf, die darin besteht, dass er seinen Glauben auf sichtbare Beweise aufbaut. Vielleicht sollten wir uns diesen wunderbaren Satz des Thomas: „Mein Herr und mein Gott“ als kleines Stoßgebet bereithalten, wenn uns wieder einmal der Unglaube befĂ€llt. Es gibt noch einen interessanten Zusammenhang zur JungfrĂ€ulichkeit Mariens und dieser Evangeliumsstelle: Jesus muss keine TĂŒr passieren, um einen Raum zu betreten. Er wird von der Jungfrau Maria geboren, tritt in sie ein, ohne ihre Unversehrtheit als Frau anzutasten. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke. Du hast mir nicht nur zugehört, du hast mir Antworten gegeben. Antworten der Liebe, die mir und meinem kleinen Glauben Sicherheit schenken. Bei der Begegnung mit dir hast du meine Scham ĂŒber meine Zweifel in dein barmherziges Herz hineingenommen und verwandelt.

Möglicher Vorsatz: Heute bemĂŒhe ich mich, Zweifeln mit einem Stoßgebet zu begegnen und ihnen so das Wasser abzugraben.


Angst und Gelassenheit

4. Juli 2017

Dienstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Ulrich von Augsburg, Bischof
Hl. Isabella von AragĂłn
Hl. Berta OSB, Äbtissin

Ellen Charlotte Petermann

Mt 8,23-27
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, und seine JĂŒnger folgten ihm. Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, so dass das Boot von den Wellen ĂŒberflutet wurde. Jesus aber schlief. Da traten die JĂŒnger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde! Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr KleinglĂ€ubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille ein. Die Leute aber staunten und sagten: Was ist das fĂŒr ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, vielleicht habe ich heute den Mut, dir meine Ängste anzuvertrauen. Vielleicht gibt es etwas ganz Besonderes, was ich schon lange mit mir herumtrage. Eine Angst, die mein Leben beeintrĂ€chtigt, die mich nachts nicht schlafen lĂ€sst. Jesus, ich schaue auf dich am Kreuz und weiß, dass du jetzt bei mir bist, ganz nah, und dich ĂŒber mein Vertrauen freust.

Bitte: Jesus, bitte heile mich von meinen Ängsten!

1. Die JĂŒnger in Angst. Betrachtet man die Szene, kann man sich sehr gut in die Situation der JĂŒnger hineinversetzten und ihre Angst nachvollziehen. JĂ€h auftretende Unwetter auf einem großen See können einen schon in Angst und Schrecken versetzen. Ja, es heißt sogar, der Sturm war gewaltig und das Boot wurde von den Wellen ĂŒberflutet. Die JĂŒnger sind angesichts der Gewalt des Sturmes machtlos und in ihre Ohnmacht mischt sich UnverstĂ€ndnis gegenĂŒber dem Schlafenden, Tadel und beinahe Verzweiflung. Aber auch ein Schimmer Hoffnung ist in ihnen, denn sie wecken ihn. Wenn jemand helfen kann, dann er!

2. Jesus, rette mich, meine Angst verschlingt mich! Wie oft und wie lange habe auch ich schon einmal Ängste gehabt und diese Angst mit mir herum getragen. Morgens vielleicht als Erstes daran gedacht und abends als Letztes. Es gibt Menschen, die diese Angst auch gar nicht richtig schlafen lĂ€sst, ja sie beherrscht sie sozusagen. Angst quĂ€lt, ja, sie kann regelrecht verschlingen. Manche Ängste kann man aus dem Weg rĂ€umen, andere nicht. Man schĂ€mt sich vielleicht seiner Angst, mag sie niemandem anvertrauen. Vielleicht ist es auch eine schwere SĂŒnde, oder eine Schuld, die man auf sich geladen hat, und die Angst vor der Beichte ist riesengroß.

3. Angst und Gott. Derjenige, der sich am allermeisten ĂŒber unsere unausgesprochenen Ängste freut, ist der Teufel. Angst schwĂ€cht nĂ€mlich zunĂ€chst unsere Beziehung zu Gott, lĂ€sst uns an seiner Allmacht und unendlichen Liebe zweifeln. Wir sollten dann dem Teufel die rote Karte zeigen und so schnell wie möglich zu Jesus rennen und alle unsere Ängste in seine HĂ€nde legen. Wie Jesus in der Evangeliumsstelle den Sturm bezwungen hat, so ist es fĂŒr ihn eine Leichtigkeit, unsere Ängste in Luft aufzulösen. Der SchlĂŒssel dazu ist unser Vertrauen auf ihn und seine Allmacht. An seiner Hand und mit ihm im Herzen brauchen wir uns vor nichts und niemandem zu fĂŒrchten! Ich kann allen Herausforderungen in meinem Leben mit Gelassenheit entgegensehen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich bin froh, mit dir ĂŒber meine Ängste gesprochen zu haben. Meine Ängste sind jetzt bei dir, du hast sie mir genommen. Ich bin nicht nur erleichtert, nein, ich empfinde tiefe Dankbarkeit. Jesus, ich liebe dich sehr dafĂŒr.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich jemandem erzĂ€hlen, dass Angst ĂŒberwunden werden kann, wenn man Gott in sein Leben lĂ€sst.


Seelensturm

5. Juli 2017

Mittwoch der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Antonius Maria Zacharia CRSP
Hl. Kyrilla, MĂ€rtyrerin

Ellen Charlotte Petermann

Mt 8,28-34
Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet von Gadara, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefĂ€hrlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeifĂŒhrte. Sofort begannen sie zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quĂ€len? In einiger Entfernung weidete gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die DĂ€monen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde! Er sagte zu ihnen: Geht! Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. Und die ganze Herde stĂŒrzte sich den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um. Die Hirten flohen, liefen in die Stadt und erzĂ€hlten dort alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war. Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, was immer auch mit mir passiert – ich weiß – du bist meine Rettung, mein Fels, meine Geborgenheit. FĂŒr dich gibt es keine unlösbaren Probleme und keine hoffnungslosen FĂ€lle. Wer sich dir anvertraut, ist immer auf der sicheren Seite. Ich danke dir fĂŒr diese Sicherheit in meinem Leben.

Bitte: Jesus, schenke mir den Mut, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben, sondern immer wieder neu zu vertrauen. Jesus, heile mich!

1. Der DĂ€mon – eine Krise im einzelnen Menschen? Im gestrigen Evangelium haben wir von einem Sturm gehört. Die JĂŒnger fĂŒhlten sich bedroht und hatten Angst. Sie waren einer Naturgewalt ausgeliefert, die sie in keiner Weise mehr im Griff hatten. Im heutigen Evangelium hören wir von zwei Besessenen, von Menschen, die von einem DĂ€mon besessen sind. Hier sind es also innere MĂ€chte, die in den Seelen der Menschen wĂŒten, denen man hilflos ausgeliefert sein kann. Eine solche innerliche Zerrissenheit kann zu einer existentiellen Bedrohung werden.

2. Die DĂ€monen von heute. Wir hören weiter, dass die Besessenen aus Grabeshöhlen kamen. Heute könnte man das bildlich deuten und darin Menschen sehen, die durch ZwĂ€nge, innere Nöte oder Drogen gefesselt sind und sich vielleicht wie lebendig begraben fĂŒhlen. Die DĂ€monen erkennen denjenigen, der vor ihnen steht, Jesus, den Sohn Gottes, und es gibt keine Diskussionen, keinen Kampf mehr. Die Schlacht ist fĂŒr sie sozusagen schon verloren, und es gibt auch keine billige Vertröstung auf das Jenseits; es geschieht das, was am Ende fĂŒr alle gelten wird: Jede Macht muss Jesus gehorchen. Und wir werden alle geheilt sein, frei von DĂ€monen, wenn wir uns ihm nur ganz unterstellen.

3. Was bin ich bereit, zu investieren? Interessant ist, dass die Menschen Jesus bitten, die Stadt zu verlassen. Eigentlich mĂŒssten sie doch froh sein, jemanden zu haben, der solche Heilungen vollbringen kann. Warum machen sie das? Sie mussten einen Preis bezahlen, denn sie verloren eine ganze Schweineherde und das war ein hoher Preis, es konnte fĂŒr sie eine existentielle Bedrohung darstellen. Was bin ich bereit, zu investieren, wenn jemand eine Depression hat, oder eine Sucht, die sein Leben zerstört? Schaue ich weg, oder investiere ich vielleicht Zeit fĂŒr ein GesprĂ€ch, leiste Hilfestellung bei der Suche nach Ă€rztlicher Betreuung. Bin ich bereit, auf eine schwierige Situation, die mich Kraft kostet, einzugehen: Bin ich wirklich bereit, alles zu geben, um dieser Seele zu helfen, auch wenn ich an meine Grenzen gelange?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke fĂŒr die fruchtbare Zeit mit dir in deinem Licht. Auch in meiner Seele ist es manchmal dunkel. Ich weiß, dass ich immer zu dir kommen kann, damit du die Dunkelheit vertreibst und mir das Licht der Hoffnung schenkst.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich jemandem, der keine Hoffnung mehr hat, Mut zusprechen und fĂŒr ihn beten.


Unsichtbares sichtbar machen

6. Juli 2017

Donnerstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maria Goretti, MĂ€rtyrerin
Hl. Maria Theresia LedĂłchowska

Ellen Charlotte Petermann

Mt 9,1-8
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, fuhr ĂŒber den See und kam in seine Stadt. Da brachte man auf einer Tragbahre einen GelĂ€hmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem GelĂ€hmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine SĂŒnden sind dir vergeben! Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lĂ€stert Gott. Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine SĂŒnden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde SĂŒnden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem GelĂ€hmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Und der Mann stand auf und ging heim. Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, es ist leicht an dich und deine Wunder zu glauben, wenn diese sichtbar sind. Ich weiß, dass du alles vollbringen kannst, auch an mir. Diese Gewissheit trĂ€gt mich durch mein Leben, meinen Alltag und gibt mir Sicherheit.

Bitte: Jesus, bitte, lass mich niemals den Glauben an deine Wunder verlieren!

1. Glaube wird belohnt. Es ist der Glaube dieser MĂ€nner, und vor allem auch der Glaube des GelĂ€hmten, der zu diesem „Krankentransport“ zu Jesus fĂŒhrt. Dieser Mann leidet unter zwei Krankheiten: Zum einen unter seinen SĂŒnden und zum anderen unter seiner LĂ€hmung. Der Kranke glaubt, und Jesus belohnt diesen Glauben, indem er zuerst die unsichtbare Krankheit heilt und ihn von seinen SĂŒnden befreit. Jesus heilt zuerst die Ursache, bevor er die Symptome behandelt, und das ist der grĂ¶ĂŸere Segen.

2. Böse Gedanken im Herzen. Als einige Schriftgelehrte hören, was da geschieht, hegen sie böse Gedanken in ihren Herzen, sprechen sogar von GotteslĂ€sterung, denn nur Gott könne SĂŒnden vergeben. Jesus liest ihre Gedanken und tadelt sie. Was leichter zu sagen sei: „Deine SĂŒnden sind dir vergeben.“ oder: „Steh auf und geh umher.“ Beides ist nach rein menschlichem Ermessen unmöglich. Ob die erste Zusicherung Jesu zu einem Resultat gefĂŒhrt hat, ist unsichtbar, aber die Aufforderung, aufzustehen und seine Tragbahre zu nehmen und nach Hause zu gehen und die Wirkung seiner Worte sind sofort wahrnehmbar. Um sich als Sohn Gottes zu offenbaren und somit auch zu beweisen, dass er die Vollmacht hat, SĂŒnden zu vergeben, vollbringt Jesus an diesem kranken Mann ein fĂŒr alle sichtbares Wunder. Gerettet hatte er ihn aber durch die Gnade vorher schon.

3. Sie erkannten ihn nicht. In dem Moment, in dem die Menschen sehen, dass der GelĂ€hmte aufsteht und nach Hause geht, sind sie voller Verwunderung und vielleicht auch Furcht. Aber die Bedeutung des Wunders wird ihnen nicht klar. Sie verherrlichen Gott, weil er einem Menschen derartige Vollmacht gegeben hat, dass er einen GelĂ€hmten heilen kann. Doch die sichtbare Heilung geschieht, um die Gegenwart Gottes in Gestalt unseres Herrn Jesus Christus zu bestĂ€tigen, der eben auf unsichtbare Weise SĂŒnden vergibt. Doch sie verstanden es nicht und erkannten ihn nicht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wie oft begegnest du mir, und ich erkenne dich nicht.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich mir in einem freien Moment ĂŒberlegen, wann Jesus in mein Leben eingegriffen hat und es aufschreiben.


Barmherzigkeit siegt

7. Juli 2017

Freitag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Willibald OSB, Bischof
Hl. Ethelburga von Faremoutier OSB, Äbtissin
Hl. Waltfried OSB

Ellen Charlotte Petermann

Mt 9,9-13
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens MatthĂ€us am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand MatthĂ€us auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und SĂŒnder und aßen zusammen mit ihm und seinen JĂŒngern. Als die PharisĂ€er das sahen, sagten sie zu seinen JĂŒngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und SĂŒndern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die SĂŒnder zu rufen, nicht die Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, manchmal fĂŒhle ich mich diskriminiert, ausgeschlossen von anderen. Ob meiner SchwĂ€chen traue ich mich vielleicht nicht, mich anderen Menschen anzuschließen. Doch ich weiß, dass du mich nicht verurteilst, dass du mich heilen möchtest.

Bitte: Jesus, schenke mir die tiefe Sehnsucht, dir noch eifriger nachzufolgen.

1. MatthĂ€us fĂŒhlt sich von Jesus geliebt. MatthĂ€us ist Zöllner. In der damaligen Zeit wurden die Zollstellen von den Römern verpachtet und manch ein Zöllner stand in dem Verdacht, auch in die eigene Tasche zu wirtschaften. Zöllner wurden als SĂŒnder betrachtet und von der Kultgemeinschaft ausgeschlossen. Man hielt sie fĂŒr unglĂ€ubig, nicht vertrauenswĂŒrdig und unrein. Vermutlich hatte sich MatthĂ€us damit abgefunden und sein Leben dementsprechend eingerichtet. Dann kommt Jesus und spricht ihn an: „Folge mir nach!“ Das muss MatthĂ€us tief ins Herz getroffen haben, und die Mauer, die er um sich und sein Innerstes gezogen hatte, stĂŒrzte ein. Da war jemand, der sich fĂŒr ihn interessierte, ihn aufforderte, ihm nachzufolgen. MatthĂ€us fĂŒhlte sich angenommen, von Jesus geliebt und folgte ihm auf der Stelle nach.

2. Wer braucht den Arzt? Viele Menschen, andere Zöllner und SĂŒnder, trafen sich im Hause des MatthĂ€us zum Essen. Das reizte die PharisĂ€er sehr und war fĂŒr sie absolut nicht akzeptierbar. Wie konnte sich Jesus nur mit diesen Menschen abgeben? Sie beschwerten sich darĂŒber bei den JĂŒngern. Sicherlich waren sie eifersĂŒchtig und Opfer ihrer Eitelkeit. Vielleicht sahen sie auch ihre Glaubensgewissheiten in Gefahr. Jesus belehrte sie mit seiner Aussage ĂŒber die Kranken und die Gesunden. Allerdings dreht er dabei den Spieß um und fragt, ob nicht vielleicht die gesetzestreuen PharisĂ€er mit ihrem störrischen Festhalten an Sicherheiten nicht diejenigen sind, die den Arzt brauchen.

3. Gott will nicht durch Opfer versöhnt werden. Jesus heilt nicht nur, sondern er ermutigt auch zum gerechten Handeln. Barmherzigkeit kann die Welt verĂ€ndern, in der die Götzen Mammon, Egoismus und Macht zerstörerisch wirken. Barmherzigkeit ist nicht gleichzusetzen mit SchwĂ€che oder SentimentalitĂ€t. Barmherzigkeit ist Liebe, und Liebe ist stark; sie gibt und sie fordert auch heraus. Sie lebt aus dem, was ihr gewĂ€hrt wird, nĂ€mlich aus dem großen DU. Und das ist fĂŒr uns Christen Gott, unser Schöpfer und Erlöser.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, barmherziger Jesus: Ich vertraue auf dich.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich einen Barmherzigkeitsrosenkranz beten.


Gott gestern, heute und immerdar!

8. Juli 2017

Samstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Kilian, Kolonat und Totnan, MĂ€rtyrer
Hl. Edgar

Ellen Charlotte Petermann

Mt 9,14-17
In jener Zeit kamen die JĂŒnger Johannes‘ des TĂ€ufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine JĂŒnger nicht, wĂ€hrend wir und die PharisĂ€er fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die HochzeitsgĂ€ste trauern, solange der BrĂ€utigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein; dann werden sie fasten. Niemand setzt ein StĂŒck neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab, und es entsteht ein noch grĂ¶ĂŸerer Riss. Auch fĂŒllt man nicht neuen Wein in alte SchlĂ€uche. Sonst reißen die SchlĂ€uche, der Wein lĂ€uft aus, und die SchlĂ€uche sind unbrauchbar. Neuen Wein fĂŒllt man in neue SchlĂ€uche, dann bleibt beides erhalten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, die Zeit, die ich mit dir im Gebet verbringe, ist sehr kostbar. Ich werde mich bemĂŒhen, alle Zerstreuungen fern zu halten und dir meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Das, was du mir heute zu sagen hast, möchte ich den ganzen Tag im Herzen tragen und mich immer wieder daran erinnern.

Bitte: Herr, schenke mir den Geist der rechten Unterscheidung!

1. Alte Zöpfe abschneiden? Auch die JĂŒnger Jesu sind, genauso wie die PharisĂ€er und alle Juden, in der jĂŒdischen Tradition mit all ihren Gesetzten und Riten groß geworden. Damit haben sie bisher gelebt. Jetzt werden sie in der Nachfolge Jesu auf einen neuen Weg gefĂŒhrt, was auch Spannungen oder Konflikte bei ihnen verursachen kann. Wir lesen, dass man neuen Wein nicht in alte SchlĂ€uche fĂŒllt bzw. auf ein altes Kleid kein neues StĂŒck Stoff setzt. Was bedeutet das jetzt? Soll man einen radikalen Schnitt machen und die alten Zöpfe abschneiden? Die alten Traditionen alle ĂŒber Bord werfen?

2. Neuorientierung ist nötig. Es geht vielmehr darum, dafĂŒr Sorge zu tragen, dass der innerste Kern vom Alten erhalten und neben dem Neuen bestehen bleiben. Es geht hier also nicht um eine simple Revolution, bei der alles ĂŒber Bord geworfen wird, sondern um eine Neuausrichtung auf den wesentlichen Kern. Jesus macht das am Beispiel des Fastens klar, was ja auch der Anlass dieses GesprĂ€chs ist: Jesus schafft das Fasten nicht wie einen alten Zopf einfach ab, sondern er deckt einen wahrhaft „neuen“ Sinn darin auf. Ein Fasten, das nur eine Befolgung von Regeln oder eine Art Selbstkasteiung ist, bei der man sich selber sucht, wird nicht gebraucht. Jesus gibt dem Fasten einen neuen Sinn, indem er den Fokus darauf legt, dass das Fasten helfen soll, sich neu auf ihn, Jesus, auszurichten. Man soll im Fasten nicht sich selber finden, sondern ihn, den BrĂ€utigam, der weggenommen wurde.

3. Altes bewahren und zu Neuem aufbrechen. Bezieht man diese Gedanken auf die heutige Zeit, in der sich unsere Kirche befindet, in der wir uns alle auch mit herber Kritik und vielen neuen AufbrĂŒchen zurechtfinden mĂŒssen, könnte man sich fragen: Welche alten Zöpfe muss man abschneiden, welche neuen Wege muss man gehen? Das Wichtige ist wohl, dass man keine falschen GegensĂ€tze konstruiert, sondern versucht, zwischen Alt und Neu ein Miteinander zu schaffen. Behaltet die Tradition und prĂŒft das Neue. Nicht alles, was neu ist, ist gut! Aber auch: „Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen“(Hos 10,12).

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du bist ewig. An deinen Geboten gibt es nichts zu rĂŒtteln, aber auch an deiner Liebe nicht. Schenke mir die Gabe der Unterscheidung, damit ich stets den wahren Weg gehe und dich in allem suche!

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich ganz bewusst das Glaubensbekenntnis beten und dabei meine Haltung in Bezug auf Bleibendes und die Tradition prĂŒfen!