Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 18. Juni 2017 bis 24. Juni 2017

Elfte Woche im Jahreskreis

Michaela Weimann, Gottgeweihte Frau des Regnum Christi, und P. Hubert Reiner LC

Bittet also den Herrn der Ernte!Sonntag
Auge um Auge, Zahn um Zahn!Montag
Ihr sollt also vollkommen seinDienstag
Dein Vater sieht auch das VerborgeneMittwoch
„Vater unser im Himmel...“Donnerstag
„Ich erwĂ€hle dich, heiligstes Herz Jesu, zu meiner Liebe.“Freitag
Der VorlÀufer und Wegbereiter des HerrnSamstag


Bittet also den Herrn der Ernte!

18. Juni 2017

Elfter Sonntag im Jahreskreis

Michaela Weimann

Mt 9,36-10,8
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren mĂŒde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen JĂŒngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter fĂŒr seine Ernte auszusenden. Dann rief er seine zwölf JĂŒnger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des ZebedĂ€us, und sein Bruder Johannes, Philippus und BartholomĂ€us, Thomas und MatthĂ€us, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des AlphĂ€us, und ThaddĂ€us, Simon KananĂ€us und Judas Iskariot, der ihn spĂ€ter verraten hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden, und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. geht und verkĂŒndet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht AussĂ€tzige rein, treibt DĂ€monen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr, Jesus Christus, danke, dass du erneut so fĂŒr mich da bist und mich in dieser Zeit des Gebets an dein Herz ziehen möchtest. Ich möchte mich jetzt ganz fĂŒr dich und deinen Willen öffnen.

Bitte: Dieses Gebet möchte ich dir fĂŒr alle Priester und gottgeweihten Personen aufopfern und dich, den Herrn der Ernte, um gute, heilige und zahlreiche Priester- und Ordensberufungen bitten.

1. â€žBittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter fĂŒr seine Ernte auszusenden.“ Herr, sieh doch auf die Nöte dieser Zeit. Wir brauchen Arbeiter fĂŒr deinen Weinberg. Wir brauchen MĂ€nner und Frauen, die Zeugnis von dir geben, die uns den Weg weisen, die uns das „Leben in FĂŒlle“ zeigen. Ja, schau auf uns und habe Mitleid. Erweise uns deine GĂŒte und sende uns MĂ€nner und Frauen, die sich dir ganz hinschenken, die ihr Leben ganz dir weihen. – Mit diesen oder Ă€hnlichen Worten klopfen wir an die TĂŒr des Herzens Gottes. Doch kann es nicht auch sein, dass Gott mit der gleichen Bitte an uns herantritt und an unser Herz klopft?

2. â€žâ€Šaber es gibt nur wenig Arbeiter.“ Herr, willst du mich? Ist das nicht viel zu groß fĂŒr mich? Du kennst doch all meine UnzulĂ€nglichkeiten. Der Engel des Herrn sagte zu Maria: „FĂŒrchte Dich nicht, Maria.“ (Lk 1,30) Beim Profeten Jesaja (43,1) heißt es: „FĂŒrchte dich nicht, (
) ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.“ Gott ruft auch heute noch in seine Nachfolge. Er ruft und gleichzeitig respektiert er die Freiheit eines jeden. Das wohl schönste Geschenk, das der Mensch Gott machen kann, ist, ihm seine Freiheit zu schenken. Ermuntern, bestĂ€rken und beten wir doch vor allem fĂŒr diejenigen, die ĂŒber eine Berufung in der direkten Nachfolge Christi nachdenken oder bereits auf diesem Weg der Hingabe gehen.

3. â€žDann rief er seine zwölf JĂŒnger zu sich.“ Christus beruft seine JĂŒnger, damit sie bei ihm sind und dann den Menschen entgegengehen. „Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann aussenden wollte, damit sie predigten.“ (Mk 3,14) Nur, wenn man wahrlich bei ihm und mit ihm ist, lernt man ihn immer besser kennen, und möchte ihn dann auch anderen weitergeben. Diese zwei Dinge gehören zusammen und sind untrennbar. Sie gelten fĂŒr jeden, nicht nur fĂŒr die, die einer geistlichen Berufung nachgehen. Seien wir diese JĂŒnger, die unsere Gesellschaft so sehr braucht. Seien wir MĂ€nner und Frauen, die sich dem Gebet in Tiefe, dem „Mit – IHM – sein“ widmen und die dann mit einem ĂŒbervollen Herzen seine Botschaft in diese Welt tragen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich bitte dich, lass mich ganz still vor dir werden. Ich möchte in meine innere Kammer einkehren und mich dort nur mit dir treffen, alles, was jetzt nicht mit dir zu tun hat, lasse ich draußen. Ich möchte auf dich und dein Wort fĂŒr mich hören. Sprich Herr, dein Diener hört (vgl. 1 Sam 3,10).

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute ein GesĂ€tz des Rosenkranzes fĂŒr die geistlichen Berufe aufopfern. Möge Maria, die Mutter eines jeden Berufenen, ihm/ihr nahe stehen und GroßzĂŒgigkeit verleihen, um den Schritt zu machen, um den Gott bittet. „Herr, sende uns Arbeiter fĂŒr deine Ernte.“


Auge um Auge, Zahn um Zahn!

19. Juni 2017

Montag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Romuald OSBCam
Hl. Elisabeth von Schönau OSB
Hl. Hildegrim, Bischof

P. Hubert Reiner LC

Mt 5,38-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge fĂŒr Auge und Zahn fĂŒr Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlĂ€gt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, höre mein Flehen, vernimm die Worte meines Mundes! Denn es erheben sich gegen mich stolze Menschen, freche Leute trachten mir nach dem Leben; sie haben Gott nicht vor Augen. Doch Gott ist mein Helfer, der Herr beschĂŒtzt mein Leben. (Ps 54,4-6)

Bitte: Herr, vergib mir meine Schuld, wie auch ich meinen Schuldnern vergebe.

1. Andere Menschen fĂŒgen mir immer wieder Leid zu.  Es ist eine schmerzhafte Erfahrung, wenn andere mich immer wieder verletzen. Das kann viele GrĂŒnde haben. Manchmal geschieht es aus Unachtsamkeit, Egoismus, Habsucht, aber oft sogar unabsichtlich oder aus der Sicht dieser Person aus gerechtfertigtem Grund.Meine erste Reaktion ist oft impulsiv, defensiv und drĂ€ngt dazu, unter dem Vorwand ausgleichender Gerechtigkeit „Rache“ zu ĂŒben. Damit keine Rache ohne Maß geĂŒbt wird und sie nicht ausufert, gab Gott seinem Volk das Gebot „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, und nicht darĂŒber hinaus.

2. Auch Gott wird von seinem Volk Leid zugefĂŒgt. Die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel ist geprĂ€gt von der wiederholten Untreue Israels, dem wiederholten Bruch des Bundes mit Gott. Die Heilige Schrift vergleicht dies oft mit der Untreue in der Ehe, vielleicht eine von jenen Erfahrungen, die den Menschen am tiefsten verletzen.

3. Gottes Reaktion ĂŒberrascht. Wie reagiert Jahwe auf diese Verletzung? ZunĂ€chst scheinbar mit der allen bekannten menschlichen Reaktion: EnttĂ€uschung, Abwendung und sogar mit der Drohung, sein Volk auszulöschen.Doch sogleich kĂŒndigt Jahwe einen neuen, grĂ¶ĂŸeren Bund an, der ĂŒber den gebrochenen hinausgeht. So als wĂŒrde er sagen: „Anscheinend war dir meine Liebe nicht genug, denn du bist zu Ägyptens Fleischtöpfen zurĂŒckgekehrt und hast mich verlassen. Nun denn, ich werde dir meine Liebe noch intensiver und deutlicher zu verstehen geben, bis du diese Liebe annimmst.“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, hilf mir, den Menschen entgegenzugehen, und stets eine liebevolle Antwort zu finden.

Möglicher Vorsatz: Einem Menschen, der mich verletzt hat, aufrichtig und von Herzen vergeben.


Ihr sollt also vollkommen sein

20. Juni 2017

Dienstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Adalbert von Magdeburg, Bischof
Hl. Margarete Ebner OP

Michaela Weimann

Mt 5,43-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen NĂ€chsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet fĂŒr die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lĂ€sst seine Sonne aufgehen ĂŒber Bösen und Guten, und er lĂ€sst regnen ĂŒber Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nĂ€mlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafĂŒr erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure BrĂŒder grĂŒĂŸt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, gleich zu Beginn dieses Gebetes empfehle ich mich dir ganz und gar an. Lehre mich, deinem fordernden Auftrag nachzukommen. Du kennst meine schwache Natur und weißt, wie sehr ich dich brauche. So ĂŒberlasse ich mich dir vertrauensvoll, lehre mich!

Bitte: Du rufst mich zur Vollkommenheit. So bitte ich dich, nimm du die FĂŒhrung auf diesem Weg fest in deine Hand. Dir allein möchte ich in allem gefallen.

1. Liebt eure Feinde. Jesus fordert uns auf, die eigenen Feinde zu lieben. Dieser Auftrag ist klar und radikal. Er bittet um eine Liebe, die ĂŒber die menschlichen FĂ€higkeiten hinausgeht. Dieser Auftrag ist jedoch realistisch, gerade dann, wenn wir bei einem Blick in unsere Welt feststellen, dass Ungerechtigkeiten, Gewalt und Verfolgung immer mehr um sich greifen. Die Lösung hierfĂŒr besteht nur in einem grĂ¶ĂŸeren Maß an Liebe, Barmherzigkeit und GĂŒte. Wo finden wir diese Tugenden? Bei Gott, der die Liebe ist, der uns in Jesus Christus seine Barmherzigkeit und GĂŒte offenbart. Er wendet alles zum Guten. Indem wir beginnen, sein Vorbild getreuer nachzuahmen und wie er zu lieben, können wir unsere Welt, die in unserem eigenen Herzen ihren Anfang nimmt, verĂ€ndern.

2. Die christliche Revolution. Papst Benedikt sagte einmal, dass die Feindesliebe den Kern der »christlichen Revolution« bilden wĂŒrde. Diese Revolution grĂŒndet nicht auf wirtschaftlicher und politischer Macht oder etwa auf der Macht der Medien, nicht auf menschlichem KalkĂŒl oder Strategien (wie wir fĂ€lschlicherweise meinen könnten). Worin besteht die Revolution der Liebe denn dann? Es handelt sich um ein Geschenk Gottes, das nicht auf unseren menschlichen Ressourcen beruht. Nur indem wir seiner barmherzigen GĂŒte vorbehaltlos vertrauen, machen wir uns bereit fĂŒr den Empfang dieses Geschenkes. Darin besteht die Neuheit des Evangeliums, die die Welt verĂ€ndert, ohne großen LĂ€rm zu machen. Das ist das Heldentum der „Kleinen“, die an die Liebe Gottes glauben und sie auch verbreiten. Gehöre ich zu diesen „Kleinen“?

3. Ihr sollt also vollkommen sein. So lĂ€dt Gott uns ein, ihm immer Ă€hnlicher zu werden, denn schließlich hat er uns nach seinem Abbild erschaffen (vgl. Gen 1,27). Doch worin besteht diese Vollkommenheit, zu der er uns beruft? Besteht sie nicht darin, demĂŒtig als Kind Gottes zu leben?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich danke dir fĂŒr diesen klaren, herausfordernden und radikalen Auftrag, den ich mit diesem Evangelium empfange. Hilf mir, die „Revolution der Liebe“ zu leben, damit immer mehr Menschen zum Glauben an dich kommen.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute fĂŒr jemanden, mit dem mir das Miteinander schwerfĂ€llt, beten. Durch einen Akt der NĂ€chstenliebe werde ich die Echtheit meines Gebets bezeugen.


Dein Vater sieht auch das Verborgene

21. Juni 2017

Gedenktag
Hl. Aloisius Gonzaga SJ
Hl. Alban, MĂ€rtyrer
Hl. Radulf, Bischof

Michaela Weimann

Mt 6,1-6.16-18
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: HĂŒtet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die TĂŒr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trĂŒbseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Guter Gott, lass uns, neben dem Gebet vor dem Allerheiligsten, neben dem gemeinschaftlichen Gebet, bei dem du unter den Versammelten zugegen bist, jeden Tag auch das persönliche, allein verrichtete Gebet lieben und praktizieren. Dieses Gebet, bei dem uns ja niemand außer dir sieht, wo wir wirklich absolut allein sind mit dir, wo niemand weiß, dass wir zu dir beten, weit weg von allen Zuschauern... so möchte ich mich jetzt an dich wenden.

Bitte: Herr, hilf mir, dich mehr und mehr im einsamen, persönlichen Gebet, im Austausch von Herz zu Herz zu suchen und zu finden. Ich möchte in dieses Gebet alle einschließen, die dich noch nicht kennen, die dir noch nicht begegnet sind.

1. Der Vater sieht das Verborgene. Man kann sich vor den Mitmenschen zur Schau stellen, weil man bedacht darauf ist, einen guten Eindruck zu machen, weil man gesehen und gelobt werden möchte, weil man etwas auf sich hĂ€lt. Oder genau umgekehrt: Man kann sich vor den Mitmenschen verbergen, weil man zu feige ist, weil man sich nicht traut, die Wahrheit zu bezeugen, weil man Angst vor den Reaktionen und den Kommentaren der anderen hat. Doch Gott sieht, was in uns vorgeht. Er kennt jeden meiner Gedanken, er sieht, was sich in meinem Herzen tut. FĂŒr ihn brauche ich mich weder großartig zu prĂ€sentieren und mich zur Schau zu stellen, noch brauche ich vor ihm zu fliehen. Er weiß ganz genau, wo ich mich Ă€ußerlich und innerlich befinde, er kennt mich durch und durch. Er sieht das Gute und das Schlechte, das in mir verborgen ist. Ich werde versuchen, bewusster vor seinem Angesicht zu leben.

2. Sich selbst verbergen. Allerdings lĂ€dt er mich dazu ein, mich zu verbergen, die TĂŒr meiner Kammer hinter mir zu schließen, um ihm allein begegnen zu können. Versuchen wir von allen Nichtigkeiten Abstand zu nehmen, um uns dem Wesentlichen zu widmen. Was bedeutet es im Sinne des Evangeliums sich selbst zu verbergen? Es geht darum, sich klein zu machen, von sich selber immer mehr loszulassen, damit Christus in uns immer mehr wachsen und groß sein kann. Nicht ich stelle mich in den Mittelpunkt, sondern Christus soll zum Mittelpunkt meines ganzen Wesens werden. So möchte ich mich verbergen, ihn wirken lassen und ihn instĂ€ndig um die Gnade bitten, mich in ihm zu verbergen.

3. Er wird es uns vergelten. Das heutige Evangelium fordert uns ganz schön heraus. Der Herr bittet uns, vor seinem Angesicht zu leben. Das verlangt Reinheit in unseren Absichten und in unserem Tun. Sein Blick ruht auf uns. Nur mit Demut vermögen wir uns mehr und mehr in ihm zu verbergen. Er sieht unseren inneren Kampf, unseren Sturz und unser erneutes, mĂŒhevolles Uns-Aufrichten. Er weiß um jeden Einsatz unserer schwachen Natur. Welch‘ ein Trost zu wissen, dass ihm nichts verborgen ist, und er uns alles vergelten wird.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, du kennst mich, du siehst stets auf mich und nach mir. Dankend möchte ich vor dir in Stille verweilen.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute ganz bewusst vor Gottes Angesicht leben und ihm durch wiederholte Stoßgebete sagen: „Dir, Herr, sei alle Ehre, Lob und Preis.“, „FĂŒr dich, Herr, tue ich es gern.“


„Vater unser im Himmel...“

22. Juni 2017

Donnerstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Thomas Morus
Hl. John Fischer, Bischof
Hl. Paulinus von Nola,Bischof

P. Hubert Reiner LC

Mt 6,7-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

EinfĂŒhrendes Gebet: â€žVater unser im Himmel...“ (langsam beten)

Bitte: Herr, lehre mich beten, wie du deine JĂŒnger beten gelehrt hast.

1. Vater unser... Das Herrengebet fasst in seinen sieben Bitten alle religiöse Erfahrung der Menschheit zusammen: Vertrauen, Anbetung, Lobpreis, Bitte, Vergebung und Suche. DarĂŒber hinaus erschließt es uns den Horizont auf eine neue Sicht Gottes als unseren Vater.Wir lernen, mit dem Vertrauen und der Neugierde eines Kindes zu beten.Wir sind nicht Gottes Marionetten, sondern seine Kinder. Kinder haben das Recht, zu fragen: „Warum? Warum ich? Warum geschieht dies oder jenes? Warum Leid? Warum tust du nichts?“Gleichzeitig nehmen Kinder Gottes Antwort glĂ€ubig an.

2. Unser tĂ€glich Brot... Diese Bitte ruft uns in Erinnerung, auf welch existenzielle Weise wir von Gott abhĂ€ngen. „An Gottes Segen ist alles gelegen,“ ganz besonders unser tĂ€glicher Lebensunterhalt. Segnen wir das Essen, und erbitten wir auch Gottes Segen fĂŒr unsere Arbeit, durch die er uns unser tĂ€glich Brot gibt.Manche lateinische Übersetzung benutzt in Bezug auf das Brot das Wort „supersubstantialem“. Es bedeutet „das Brot fĂŒr unsere Existenz“, aber auch „das Brot, das mehr ist als Brot“. Es deutet auf die Eucharistie hin, unser tĂ€glich Brot fĂŒr das Leben unserer Seele.

3. Vergib... Auch die Beziehung Vater – Kind ist belastet von persönlichen Verfehlungen und mangelnder Entsprechung gegenĂŒber der empfangenen Liebe. „Vergib mir,“ von Herzen gesprochen, zeugt vom wirklichem und festen Vertrauen eines Kindes, und ist zugleich ein Zeichen fĂŒr die Lebendigkeit der Beziehung.Diese Vergebung wird konkret gegenĂŒber unseren Mitmenschen.

GesprĂ€ch mit Christus: â€žVater unser im Himmel...“

Möglicher Vorsatz: Das Vater Unser bewusst betrachtend beten.


„Ich erwĂ€hle dich, heiligstes Herz Jesu, zu meiner Liebe.“

23. Juni 2017

Hochfest
Heiligstes Herz Jesu

Michaela Weimann

Mt 11,25-30
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den UnmĂŒndigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles ĂŒbergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gĂŒtig und von Herzen demĂŒtig; so werdet ihr Ruhe finden fĂŒr eure Seele. Denn mein Joch drĂŒckt nicht und meine Last ist leicht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mit den Worten der hl. Margareta-Maria Alacoque wollen wir uns an diesem Hochfest Jesu Herz weihen:

Ich 
 weihe und ĂŒbergebe dem Herzen unseres Herrn Jesus Christus meine Person, mein Leben, meine Handlungen und Leiden, und will in aller Zukunft ganz seiner Liebe und Verherrlichung geweiht sein. Es ist mein fester, unwiderruflicher Entschluss, ihm ganz anzugehören, alles aus Liebe zu ihm zu vollbringen und von ganzem Herzen allem zu entsagen, was ihm missfallen könnte. So erwĂ€hle ich dich also, heiligstes Herz Jesu, zu meiner einzigen Liebe.

Bitte: Herr Jesus, ich bitte dich, gib mir die Gnade, dein heiligstes Herz anbetend und lobend ein wenig trösten zu können.

1. â€žKommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.“ Jesus lĂ€dt uns ein, zu ihm zu kommen. Sein verstĂ€ndnisvoller Blick ruht auf so vielen Menschen, die von schwierigen LebensumstĂ€nden bedrĂ€ngt sind, die einen Sinn und ein Ziel in ihrem Leben suchen, die nicht weiter wissen... Erschöpfte Menschenmengen finden sich in allen LĂ€ndern der Welt. Menschen, die unter Armut, Verfolgung, Druck, Ungerechtigkeit, Einsamkeit, Krankheit, Tod, usw. leiden. Der Blick des Herrn ruht auf all diesen Menschen, ja auf jedem einzelnen von uns, und er wiederholt voll Sanftmut die Worte: „Kommt alle zu mir
“

2. â€žNehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gĂŒtig und von Herzen demĂŒtig.“ Ja, wir wollen von Christus lernen, gĂŒtig und von Herzen demĂŒtig zu sein. Da kommt doch gleich die Frage nach dem „Joch“ auf. Was ist das? Es soll, statt zu drĂŒcken, die Last leichter machen, es erdrĂŒckt also nicht, sondern es entlastet. Das Joch Christi scheint ein wahres Heilmittel fĂŒr die Wunden der Menschheit zu sein (seien diese materieller, seelischer oder moralischer Natur). Es ist das Gesetz der Liebe, es ist sein Gebot, es ist eine Lebensregel, die in der Liebe zum NĂ€chsten grĂŒndet, die ihre Quelle in der Liebe Gottes hat. Lernen wir, besonders in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen sein Joch auf uns zu nehmen.

3. â€žSo werdet ihr Ruhe finden fĂŒr eure Seele.“ Der Herr kennt die MĂŒhsal und Last unseres Lebens und will uns Ruhe verschaffen. Auf uns allein gestellt können wir die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht stillen. Christus aber zeigt uns den Weg zum wahren, zum glĂŒckerfĂŒllten Leben, denn schließlich ist er ja selbst der Weg. Von ihm können wir das rechte Menschsein lernen. Er schenkt innere Freude fĂŒr Geist und Seele. Bei Jesus zu sein, ist das wahre GlĂŒck des Menschen.

GesprĂ€ch mit Christus: Oh guter Herrgott, ich danke dir fĂŒr diese Zeit, in der ich an deinem Herzen ruhen darf. Ich will heute in deinem Herzen wohnen, durch dein Herz will ich lieben, in deinem Herzen will ich leben. Schenke mir deine Gnade dazu.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte dem Heiligen Herzen Jesu Trost schenken, indem ich heute durch ein mehrmals wiederholtes Aufopferungsgebet so oder mit eigenen Worten bete: Heiliges Herz Jesu! Vereinige mein Herz so innig und fest mit dir, dass mich bis zum Ende meines Lebens nichts mehr von dir trennen kann. Herz Jesu, ich vertraue auf dich!


Der VorlÀufer und Wegbereiter des Herrn

24. Juni 2017

Hochfest
Geburt Johannes des TĂ€ufers
Hl. Theodulf OSB
Hl. Rumold, MĂ€rtyrer

Michaela Weimann

Lk 1,57-66.80
FĂŒr Elisabet kam die Zeit der Niederkunft und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen. Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein SchreibtĂ€felchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes. Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott. Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von JudĂ€a. Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darĂŒber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war. Das Kind wuchs heran und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der WĂŒste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, Johannes der TĂ€ufer ist dein Wegbereiter. Sein Name bedeutet: „Gott ist gnĂ€dig.“ Seine Geburt ist fĂŒr die Verwandten und Nachbarn Grund zur Freude und Anlass, dich, den Herrn zu preisen. So soll heute mein Gebet in diesen Lobpreis einstimmen.

Bitte: Ich möchte deinen VorlĂ€ufer um seine FĂŒrsprache bitten, damit auch wir mitwirken können, dich, Herr, anzukĂŒndigen, dir den Weg zu bereiten und dein Erbarmen in dieser Welt sichtbar zu machen.

1. Das demĂŒtige Vorbild des VorlĂ€ufers und Wegbereiters. Johannes der TĂ€ufer ist VorlĂ€ufer und Wegbereiter Jesu. Seine besondere Verbindung zum Herrn zeigt sich auch darin, dass Johannes der einzige Heilige ist (abgesehen von Maria, der Mutter Gottes), dessen Geburt die katholische Kirche eigens gedenkt. Der Heilige hat Jesus mit großer Demut und prophetischem Eifer als Sohn Gottes angekĂŒndigt, er wusste, wie er sich vor ihm demĂŒtig zurĂŒckzunehmen hatte.

2. Einladung zur Umkehr. Bereits fĂŒr Elisabeth und Zacharias kam alles anders, als sie gedacht hatten. Gottes mysteriöser Plan sollte sich an ihnen erfĂŒllen. Sie legten Zeugnis ab. Ein paar Jahre spĂ€ter legte dann auch Johannes Zeugnis fĂŒr Christus ab. Sein Beispiel ist uns konkrete Einladung zur Umkehr. Sei es nun gelegen oder ungelegen, auch wir sind berufen, wie er die Stimme zu sein, die in der WĂŒste ruft, und dies bis zur Hingabe unseres Lebens. In welchen WĂŒsten meines Alltags möchte er, dass ich meine Stimme erhebe?

3. Zeuge fĂŒr Christus. Die Gestalt des heiligen Johannes stellt gewissermaßen den Übergang vom Alten zum Neuen Testament dar: Johannes kĂŒndigte den Messias an und wurde selbst Zeuge der Wahrheit fĂŒr Christus, das Lamm Gottes. Er bezahlte das mit seinem Leben und mit diesem Martyrium besiegelte er seinen Dienst an Christus. Möge dieser große Heilige FĂŒrsprache fĂŒr uns einlegen, damit auch wir Christus erkennen und seinen Weisungen in unserem Leben stets folgen, koste es uns, was es wolle.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich danke dir fĂŒr das so authentische Zeugnis des heiligen Johannes des TĂ€ufers. Ich möchte ihn und die allerseligste Jungfrau Maria um ihre FĂŒrsprache bitten, damit die Kirche auch in unseren Tagen Christus immer treu bleibt und voller Mut seine Wahrheit und seine Liebe vor allen bezeugt.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute in einem ganz bewusst gelebten Akt der Demut Zeugnis fĂŒr Christus geben.