Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. Juni 2017 bis 17. Juni 2017

Zehnte Woche im Jahreskreis

Br. Peter Hemm LC

Eine Liebe, die sich hingibtSonntag
Eine Liebe, die mitfĂŒhltMontag
Eine Liebe, die ĂŒberfließtDienstag
Eine treue LiebeMittwoch
Eine Liebe, die sich verstecktDonnerstag
Eine selbstlose LiebeFreitag
Die Liebe im MittelpunktSamstag


Eine Liebe, die sich hingibt

11. Juni 2017

Dreifaltigkeitssonntag
Hl. Barnabas, Apostel

Br. Peter Hemm LC

Joh 3,16-18
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, heute möchte ich betrachten, wie hingebungsvoll deine Liebe ist. In deiner Liebe weiß ich mich sicher, in deiner Liebe fĂŒhle ich mich geborgen, von deiner Liebe bin ich erfĂŒllt. Du gibst mir ein Beispiel, damit auch ich deine Liebe nachahme. Hilf mir, dass ich in diesen Momenten des Gebets deiner Liebe begegne, sie erfahre und wĂ€hrend des Tages mit ihr verbunden bleibe.

Bitte: Herr, hilf mir, mich zu besinnen und dankbar auf dein Wirken in meinem Leben zu blicken.

1. Gott schenkt uns das Leben. Gott hat die Welt so sehr geliebt. Diese Liebe Gottes ist der Grund unseres Lebens. Er ist nicht ein sich selbst genĂŒgender Gott, weit entfernt von uns. Er ist kein Schöpfer, der zwar allmĂ€chtig ist, sich aber nicht fĂŒr seine Geschöpfe interessiert. Nein! Unser Gott ist ein Gott der Liebe. Er möchte mit uns in Beziehung treten, möchte uns seine Liebe schenken. Wie groß ist dieser Gott, der uns Menschen aus Liebe erschafft!

2. Gott schenkt uns immer wieder neu das Leben. Doch die Liebe Gottes bleibt nicht dabei stehen, uns zu erschaffen und uns dieses wunderbare Geschenk zu machen: unser Leben. Sie geht noch einen Schritt weiter. Trotz unserer SĂŒnde und SchwĂ€che vergibt Gott uns mit unendlicher Barmherzigkeit. Nach jedem Sturz schenkt er uns neues Leben, wenn wir zu ihm zurĂŒckkehren. Er schenkt uns wirklich ein neues Leben. Und so wie sich eine Mutter besonders zu dem Kind, das sie am meisten braucht, hingezogen fĂŒhlt, so liebt Gott auch uns, gerade weil wir schwach sind und ihn benötigen. Er selbst wird Mensch und gibt sich hin, um uns aufzurichten, um unsere SchwĂ€che selbst zu erfahren, um uns so begleiten zu können, um uns ein neues und ewiges Leben zu schenken.

3. Gott schenkt uns sein Leben. Wie unerhört klingt dieser Liebesbeweis Gottes in den Ohren der Menschen, die ihn nicht kennen: Gott stirbt fĂŒr uns alle! Gott gibt sich ganz hin fĂŒr uns, bis zum Tod am Kreuz! Gott lĂ€sst uns dadurch an seinem ewigen Leben teilhaben! Was können wir anderes tun, als staunend, dankbar und anbetend diese Liebe erwidern? Wie könnten wir etwas anderes empfinden als tiefe Dankbarkeit angesichts des neuen Lebens, das Gott uns schenkt? Christus zeigt uns mit seinem Tod am Kreuz, dass unser irdisches Leben nicht alles ist, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass es sich lohnt, sich ganz fĂŒr dieses jenseitige Leben hinzugeben. Das Leben, das Gott uns nach unserem Tod schenken möchte, ist gekennzeichnet von der Freude, Geborgenheit und Liebe, die ihn als Gott auszeichnen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du bist einfach großartig. Du bist ein unbeschreiblich wunderbarer Gott. Ich danke dir von Herzen fĂŒr so viele Dinge, die du mir geschenkt hast: fĂŒr mein Leben, meine Familie, meinen Glauben, meine Freunde und Lieben. Am meisten aber danke ich dir fĂŒr deine Liebe, die sich mir immer wieder zeigt: in verschiedenen Situationen des Lebens, in der Schönheit der Natur, in Augenblicken des Gebets. Hilf mir, mich zu besinnen und dankbar auf dein Wirken in meinem Leben zu blicken.

Möglicher Vorsatz: Ich verspreche dir, Jesus, heute ein paar Minuten innezuhalten, um dir zu danken. Denn ich möchte nicht alles als selbstverstĂ€ndlich ansehen, sondern als bewusstes Geschenk deiner Liebe.


Eine Liebe, die mitfĂŒhlt

12. Juni 2017

Montag der zehnten Woche im Jahreskreis
Leo III, Papst
Hl. Eskil, MĂ€rtyrer

Br. Peter Hemm LC

Mt 5,1-12
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine JĂŒnger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dĂŒrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr Jesus Christus, komm in mein Herz und sprich zu mir. Lehre mich, wie du einst mit den JĂŒngern geredet und sie gelehrt hast. Ich habe mir diese Zeit genommen, um dir zu begegnen und möchte auch in dieser Zeit jetzt an nichts anderes denken. Hilf mir, mein Herz allein auf dich auszurichten und es zu öffnen fĂŒr dich. Alles, was mich bewegt, lege ich vertrauensvoll vor dich hin.

Bitte: Jesus, ich bitte dich um ein Herz, das dir inmitten der StĂŒrme des Lebens vertraut.

1. Meine Nöte sind deine Nöte. Jesus zeichnet in diesem Evangelium, einem Teil der so genannten Bergpredigt, verschiedene Situationen auf, in denen sich der Mensch befinden kann. Wer fĂŒhlt sich nicht auch manchmal traurig, hungernd nach Gerechtigkeit oder gar verfolgt? Jesus spricht all diese Situationen an, er kennt sie und ist sich sehr bewusst, wie wir uns dabei fĂŒhlen. Denn er selbst war, als Mensch auf dieser Erde, „in allem uns gleich außer der SĂŒnde“ (Hebr 4,15). Eine beeindruckende Stelle des Evangeliums zeigt uns Jesus, wie er beim Anblick des Grabes seines toten Freundes Lazarus die TrĂ€nen nicht zurĂŒckhalten kann (Joh 11,35). Jesus wusste schon bevor Lazarus gestorben war, dass er ihn auferwecken wĂŒrde; warum also weint er? Er weint, weil er mit den Hinterbliebenen, mit seinen Freunden mitfĂŒhlt. Jesus hat kein Herz aus Stein, sondern ein menschliches Herz, das unsere GefĂŒhle kennt und selbst erlebt hat. Doch außerdem hat er ein göttliches Herz, das uns durch und durch versteht und mit uns leidet, wenn wir traurig sind. Wir sind also selig, weil Jesus bei uns ist, gerade in diesen Momenten, in denen wir seine Liebe brauchen.

2. Die Freude des Kreuzes. Im ersten Punkt haben wir betrachtet, wie Jesus unser Herz und seine inneren Regungen kennt und versteht. Doch er beschrĂ€nkt sich nicht nur darauf, uns dabei zu begleiten und uns beim Tragen dieser Lasten zu helfen. Er selbst trug schon sein Kreuz und in diesem Kreuz hat er ja auch alle unsere Kreuze getragen! Er trug damals – und das wird bei jeder heiligen Messe vergegenwĂ€rtigt – auch mein Kreuz und mein Herz hinauf nach Golgota. Gerade in Leid, Traurigkeit und Verfolgung sind wir also Jesus am nĂ€chsten. Insofern erinnert uns der heilige Paulus daran, dass auch wir unseren Herrn begleiten mĂŒssen. „FĂŒr den Leib Christi, die Kirche, ergĂ€nze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24). Jesus lĂ€sst unser Leid zu, damit wir ihm helfen beim Tragen seines Kreuzes (das das Unsrige und das aller Menschen miteinschließt). So können wir eine echte Erfahrung seiner Liebe machen und von der Freude, die seine Liebe mit sich bringt. Denn „es gibt keine grĂ¶ĂŸere Liebe, als wenn einer sein Leben fĂŒr seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13).

3. Mit Jesus zum Himmel. Wie traurig und sinnlos wĂ€re das Leben, wenn mit unserem Tod alles aus wĂ€re! Das Evangelium von heute zeigt uns allerdings, dass danach durchaus nicht alles vorbei ist, dass es etwas nach diesem Leben gibt, dass wir auf etwas GrĂ¶ĂŸeres, Schöneres und ErfĂŒllenderes hoffen können. Jesus möchte unseren Blick weiten, damit wir auf ein anderes Ziel hinleben. Er möchte, dass wir an seiner Vision teilhaben. Er, der mit uns fĂŒhlt, möchte, dass wir mit ihm fĂŒhlen. StĂ€ndig lebt er erfĂŒllt von der Liebe des Vaters und er weiß, dass diese Liebe auch unser Herz und unsere tiefsten SehnsĂŒchte erfĂŒllen kann. Deswegen kann er sagen: „Selig die arm sind vor Gott; Selig die Trauernden; Selig, die keine Gewalt anwenden; Selig, die hungern und dĂŒrsten nach der Gerechtigkeit; Selig die Barmherzigen; Selig, die ein reines Herz haben“ usw.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott, obwohl ich dich oft nicht spĂŒre und es viele schwere Momente gibt, weiß ich dich doch in meiner NĂ€he. Ich weiß, dass du dich fĂŒr mich hingegeben hast und mich gerade in den Momenten des Leids und vieler Schwierigkeiten begleitest. Du fĂŒhlst mit mir, denn du weißt, was in mir vorgeht. Ich danke dir fĂŒr diese Begleitung, diese NĂ€he. StĂ€rke mein Vertrauen auf dich und gib, dass ich alles in deine HĂ€nde legen kann. Sei du meine Hoffnung im Leben. Lass mich dich auf deinem Kreuzweg begleiten, weil auch ich auf diese Weise mit dir mitfĂŒhlen kann: die Freude eines sich verschenkenden Gottes.

Möglicher Vorsatz: Ich verspreche dir, Jesus, heute einem Mitmenschen beim Tragen seines Kreuzes zu helfen, indem ich mir Zeit nehme fĂŒr meine Familie oder indem ich einen kranken oder einsamen Menschen besuche.


Eine Liebe, die ĂŒberfließt

13. Juni 2017

Gedenktag
Hl. Antonius von Padua OFM

Br. Peter Hemm LC

Mt 5,13-16
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zĂŒndet auch nicht ein Licht an und stĂŒlpt ein GefĂ€ĂŸ darĂŒber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Heiliger Geist, komm herab, der du die finstere Nacht vertreibst. Strahle Licht in diese Welt, der du jedes Herz erhellst. Ich brauche dein Licht, das mir Orientierung schenkt und mich zu dir erhebt. Inmitten der Dunkelheit der Welt und der vielen Dinge um mich herum, die meinen Blick trĂŒben, möchte ich meine Augen nur auf dich richten. Komm, du Geist des Lebens, und hilf mir, ganz offen fĂŒr dich zu sein.

Bitte: Jesus, schenke mir deine Freude. Ich möchte Licht in der Welt sein und dich ausstrahlen.

1. Jesus, das wahre Licht. Wir selbst können uns kein Licht spenden. Wie eine Kerze sich nicht selbst anzĂŒnden kann, so mĂŒssen auch wir das Licht empfangen. Doch wie schwer fĂ€llt es uns oft, uns fĂŒr dieses Licht, das wir doch in so vielen Lebenssituationen brauchen, zu öffnen. Und weil wir es uns nicht selbst geben können, suchen wir es in ganz verschiedenen Orten: im Erfolg bei der Arbeit und in der Familie, mit Freunden, in Urlaubs- und Freizeitangeboten. Doch es gibt nur eine Sache, die uns wirklich Orientierung schenken kann. Es gibt nur eine Person, die uns den richtigen Weg zeigen kann. Nur Jesus weist uns den Weg zur Freude, den Weg hinein ins Licht. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12) Inmitten der Dunkelheiten, Verwirrungen und Verunsicherungen in unserem Leben gibt es nur eine wahre Orientierung und einen sicheren Halt. Jesus möchte uns erleuchten, er möchte das einzige Licht sein, das in unserem Herzen scheint und uns von innen heraus erfĂŒllt.

2. Zum Licht der Welt gemacht. Jesus sagt uns aber im heutigen Evangelium: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“ Er schickt uns hinaus in die Welt, zu den Personen um uns herum, um selbst Licht zu sein. Doch können wir das? Können wir aus uns heraus Licht sein? Können wir andere Menschen so erfĂŒllen, wie Gott uns erfĂŒllt? Die Antwort könnte uns im ersten Moment entmutigen, denn aus eigener Kraft ist es uns unmöglich, dieser Weisung des Herrn zu folgen. Doch vielleicht kann uns ein alltĂ€gliches Beispiel helfen. Jesus ist wie die Sonne, wir sind der Mond. Der Mond schenkt nicht sein eigenes Licht, sondern empfĂ€ngt das Licht der Sonne und strahlt es in das Universum ab. Wer erfĂ€hrt, wie sehr Gott sein Herz erleuchtet, der kann dieses Licht nicht in sich einsperren. So können auch wir fĂŒr die anderen Menschen zum Spiegel des wahren Lichtes werden. Jesus möchte unsere Sonne sein, die uns zu Licht fĂŒr die Welt macht, indem wir vor der Welt bezeugen, was wir empfangen haben.

3. Christ sein, heißt froh sein. Wie bezeugen wir nun, dass Jesus das Licht ist, das alle Menschen erleuchtet? Wie tragen wir das empfangene Licht hinaus? Wenn wir die Nachrichten einschalten oder die Zeitung aufschlagen, werden wir direkt mit vielen negativen Neuigkeiten konfrontiert. UnfĂ€lle, Attentate, TodesfĂ€lle, internationale Konflikte usw. stehen im Mittelpunkt. Niemand will das leugnen. Doch die Menschen in unserem Umfeld sehnen sich nach guten Botschaften, nach positiven Erfahrungen, nach aufbauenden Zeugnissen. Die Welt braucht Zeugen der Freude inmitten der vielen Trauerboten und -botschaften. Und wir als Christen haben die frohe Botschaft schlechthin. Wir haben den Glauben als Geschenk empfangen, wir haben Gott selbst so oft in unserem Herzen aufgenommen. Wir haben erfahren, dass er froh, glĂŒcklich und frei macht. Diese Freude in die Welt hinauszutragen, ist das beste und ĂŒberzeugendste Zeugnis fĂŒr die Echtheit der Frohen Botschaft: Jesus ist kein guter Mensch der vor 2000 Jahren gestorben ist; er ist Gott, der mich erschaffen hat, Mensch wird, fĂŒr mich stirbt und aufersteht, um mich in allem mit seinem Licht zu begleiten. In der Freude, die dieser Erfahrung entspringt, zu leben, heißt Licht zu sein fĂŒr meine NĂ€chsten.

GesprĂ€ch mit Christus: Vater, du hast mich erschaffen, weil du mich liebst. Du hast mich so gemacht, wie ich bin, weil du mich genau so liebst. Du kennst mein Herz besser als ich. Und deshalb möchtest du mir begegnen, möchtest mein Herz frei und froh machen, möchtest mich mit einem LĂ€cheln auf meinem Gesicht sehen. Du hĂ€ltst mich in deinen HĂ€nden, weil du mich liebst. Vater, wie unbeschreiblich ist diese Liebe! Deine Liebe bleibt nicht verschlossen, sondern fließt ĂŒber und kommt auch zu mir. Hilf du mir, dass diese deine Liebe die Freude meines Lebens ist. Hilf mir, dass ich froh sein kann, weil ich weiß, dass du mich liebst, auch wenn ich dich nicht spĂŒre. Schenke mir deine Freude, damit auch mein Herz ĂŒberfließt und ich deine Liebe und dein Licht in die Welt tragen kann.

Möglicher Vorsatz: Ich verspreche dir, Jesus, heute einem Menschen in meinem Umfeld ein aufbauendes Wort, ein Wort der Freude zu schenken.


Eine treue Liebe

14. Juni

Mittwoch der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Burchard v. Meißen, Bischöfe
Hl. Meinrad Eugster OSB

Br. Peter Hemm LC

Mt 5,17-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfĂŒllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hĂ€lt und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr Jesus Christus, wieder will ich mir jetzt einige Momente nehmen, um bei dir zu sein. StĂ€rke meinen Glauben, damit ich erkenne, dass ich in deiner Gegenwart bin. Schenke mir einen felsenfesten Glauben, da ich oft nicht fĂ€hig bin, ĂŒber mein eigenes Ich hinauszusehen und dich zu entdecken. Festige meine Hoffnung auf dich am Anfang dieses Gebets. Ich möchte auf nichts anderes mein Vertrauen setzen als auf dich. Hilf mir, dich als sicheren Bezugspunkt meines Lebens zu erfahren und in dir meine Zuflucht zu suchen. Und schenke mir eine brennende Liebe. Eine Liebe, die nicht sich selbst sucht, sondern dich. Entflamme meine Liebe, damit ich in diesen Augenblicken nicht abgelenkt werde, sondern ganz auf dich fokussiert bleibe. GewĂ€hre mir eine bestĂ€ndige, eine treue Liebe, damit die Liebe zu dir der Motor meines Lebens sei.

Bitte: Herr, steh mir bei, damit ich deiner Liebe treu sein kann.

1. Gott hĂ€lt sich an den Vertrag. Die Bibel zeigt uns von Anfang an einen Gott, der in Beziehung zum Menschen tritt. Bei der Erschaffung Adams haucht er diesem seinen Atem ein (schenkt ihm seinen eigenen Geist), er geht mit ihm im Garten spazieren und unterhĂ€lt sich mit ihm. Gott sucht zum Menschen ein VerhĂ€ltnis der Freundschaft, der Vertrautheit und der Gemeinschaft. Nach der ErbsĂŒnde, der Abkehr des Menschen von Gott und der daraus folgenden Sintflut, schließt Gott wiederum einen Bund mit Noah. Die ErzĂ€hlungen von Abraham, Mose und David zeigen ebenfalls, wie Gott immer wieder den Menschen zu sich zurĂŒckholt, nachdem dieser sich von seinem Schöpfer entfernt hat. Er ergreift die Initiative, geht einen Bund mit den Menschen ein und sehnt sich danach, sie zu beschenken. Die Worte Gottes zu Mose zeigen die Selbstlosigkeit Gottes in dieser Beziehung zu uns Menschen: „Ich nehme euch als mein Volk an und werde euer Gott sein. Und ihr sollt wissen, dass ich Jahwe bin, euer Gott, der euch aus dem Frondienst in Ägypten herausfĂŒhrt.“ (Ex 6,7) So sehen wir in der gesamten Heilsgeschichte, dass die Gebote und Vorschriften – unsere Seite des Bundes mit Gott – dazu dienen, mit ihm verbunden zu bleiben, damit er uns mit seiner Liebe beschenken kann. Diese Liebe ist eine treue Liebe, die jedes Mal erneut verzeiht, auf den Menschen zugeht und ihn trotz vieler Vergehen niemals fallen lĂ€sst. Auch wenn wir wieder und wieder fallen, so bleibt Gott seinem gegebenen Wort doch treu.

2. Es ist vollbracht! Mit Jesus bekommt dieser Bund Gottes mit uns Menschen nun eine ganz neue Dimension. Gott wird einer von uns. Er kommt, um uns wieder mit sich zu versöhnen und den Bund wiederherzustellen. Deswegen sagt Jesus: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfĂŒllen“. Er wird Mensch, um als einer von uns unseren Teil zu erfĂŒllen, stellvertretend fĂŒr uns. Wie bestĂ€ndig, ausdauernd und treu ist diese Liebe Gottes! Wie unbegreiflich fĂŒr unseren menschlichen Verstand! Und wie schade ist es, dass wir uns so oft an diese Liebe gewöhnen. Das Alte Testament erzĂ€hlt, wie Gott uns unsere Fehler dauernd und immer wieder vergibt. Der Mensch ist schwach und fĂ€llt, Gott verzeiht und schenkt einen Neuanfang. Wieder lehnt sich Israel gegen Gott auf und wieder schenkt er einen Neuanfang. Doch um all diese Fehler wiedergutzumachen, wird er Mensch, unterstellt sich bis ins kleinste Detail den Gesetzen und stirbt am Kreuz als unschuldiges Opferlamm, das unsere SĂŒnden sĂŒhnt. So weit gehen die Treue und die Liebe Gottes. Bitten wir den Herrn, dass wir niemals aufhören, ĂŒber diese Liebe zu staunen, dass wir uns niemals an diese Liebe gewöhnen.

3. Alle Gebote in einem einzigen. Jesus ist unser Vorbild. Er hat uns vorgelebt, wie wir hier auf der Erde unserer Beziehung zu Gott treu sein können. Und er befolgte das Gesetz und die Propheten, war den vielen Geboten und Vorschriften des Alten Testaments treu und fordert im heutigen Evangelium, dass wir ihn darin nachahmen. Doch zeigt er uns auch den Geist, in dem wir das Gesetz erfĂŒllen sollen. Auf die Frage eines PharisĂ€ers hin, welches Gebot denn das wichtigste sei, antwortet Jesus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen NĂ€chsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hĂ€ngt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ (Mt 22,37-40) Wie können wir also der Liebe Gottes und seinem Bund mit uns treu bleiben? Indem wir ihn ĂŒber alles lieben und den NĂ€chsten wie uns selbst. Das ganze Gesetz und alle Propheten hĂ€ngen an diesem Hauptgebot der Liebe. Immer wenn es uns gelingt, daraus den Grundsatz unseres Lebens zu machen, ist die ErfĂŒllung aller anderen Gebote nur der Ă€ußere Ausdruck unseres liebenden Herzens und keine untragbare Last mehr. Versuchen wir also immer wieder, das Joch Jesu auf uns zu nehmen (Mt 11,29), denn es ist ein Joch der Liebe, das uns in diesen Bund mit Gott aufnimmt.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Gott, ich staune, wenn ich deine Liebe betrachte, wenn ich betrachte, wie treu du bist. Du hĂ€ltst, was du einmal versprochen hast und du hast mir deine ewige Liebe zugesagt. Ich danke dir, dass du mir stets neu aufhilfst, mir vergibst und deine Gnade schenkst. Ich danke dir, dass du Mensch geworden bist, fĂŒr mich gelitten hast und gestorben bist. Ich danke dir, dass du mich fĂ€hig machst, selbst zu lieben. Doch dazu brauche ich deine Hilfe. Ja, ich möchte dich ĂŒber alles lieben und meinen NĂ€chsten wie mich selbst, aber du weißt um meine Schwachheit. Ich bin entschlossen, deinem Bund mit mir treu zu sein und immer wieder zu dir zurĂŒckzukehren. Steh mir bei, damit ich deiner Liebe treu sein kann.

Möglicher Vorsatz: Ich verspreche dir, Jesus, im Laufe dieser Woche das Sakrament der Versöhnung aufzusuchen, um deine Liebe neu in mir aufzunehmen.


Eine Liebe, die sich versteckt

15. Juni 2017

Hochfest des Leibes und Blutes Christi
Fronleichnam

Br. Peter Hemm LC

Joh 6,51-58
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin fĂŒr das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die VĂ€ter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

EinfĂŒhrendes Gebet: Gott, ich danke dir fĂŒr diesen Tag, den du mir geschenkt hast. Ich danke dir, dass du jetzt auf mich zukommst und mir begegnen willst. Danke fĂŒr deine NĂ€he, die sich nicht aufzwingt, sondern sanft Raum gewinnen möchte in meinem Herzen. Du sehnst dich danach, zu mir zu kommen, mich zu erfĂŒllen und bei mir zu bleiben. Jetzt möchte ich dir mein Herz schenken und ganz deine Gegenwart aufnehmen. Doch ich weiß, dass ich das nicht alleine schaffe. Schenke mir also bitte die Gnade, ganz offen fĂŒr dich zu sein.

Bitte: Jesus, schenke mir die Gnade, ĂŒber das Geschenk der Eucharistie zu staunen.

1. So innig wie möglich. WĂ€hrend seines öffentlichen Wirkens war sich Jesus von Anfang an bewusst, dass er nicht ewig als Mensch hier auf Erden bleiben wĂŒrde. Er wusste, dass er fĂŒr uns leiden, sterben und am dritten Tag wieder auferstehen wĂŒrde. Doch genauso bewusst war ihm auch, dass die von ihm gegrĂŒndete Kirche, dass jeder von uns ihn hier und jetzt brauchen wĂŒrde. Und Jesus wollte uns auf keinen Fall alleine lassen. Er wollte bei uns bleiben bis zum Ende der Welt (Mt 28,10). Und deshalb ĂŒberlegte er sich, wie er uns am besten begleiten könnte und so schenkte er uns den Heiligen Geist. Doch das war ihm noch nicht genug. Er sehnte sich nach einer noch innigeren Vereinigung und setzte deswegen die Heilige Eucharistie ein. Auch heute noch wartet er in jedem Tabernakel dieser Welt auf einen Menschen, der ihn dort besucht, der zu ihm kommt in der heiligen Messe und der sich in der Kommunion von ihm besuchen lĂ€sst. Er kommt in unser Herz, er wird Teil unseres Körpers, indem wir ihn empfangen, er wird Teil von uns selbst und wir werden Teil seines Leibes. Wie könnte er sich noch inniger mit jedem von uns vereinigen? Wie könnte er uns noch nĂ€her kommen? Wie könnte er uns noch enger begleiten?

2. Unscheinbar und klein. Von der Krippe in Bethlehem ĂŒber das verborgene Leben in Nazareth, das erste Wunder auf der Hochzeit zu Kana, sein öffentliches Leben bis hin zu seinem Tod am Kreuz wĂ€hlt Jesus immer wieder das Unscheinbare, das Wirken im Hintergrund, ohne großes Aufsehen zu erregen. So zeigt er einen ganz neuen Aspekt der Liebe Gottes, der im Alten Testament nur sehr selten hervortrat, wie zum Beispiel in der Bibelstelle, in der der Prophet Elija Gott nicht im Sturm, Erdbeben oder Feuer, sondern im leisen SĂ€useln des Windes begegnet (1 Kön 19,8-13). Und wo zeigt sich diese verborgene Liebe mehr als in der Eucharistie? Wo tritt Jesus deutlicher in den Hintergrund als in diesem Sakrament der Liebe? Wo macht er sich verwundbarer als verborgen in einem StĂŒcklein Brot? In der Eucharistie setzt sich Jesus ganz aus, um zu zeigen, wie weit er sich selbst zurĂŒcknimmt, um uns in den Vordergrund zu stellen. Die Liebe Gottes, verborgen in den Gestalten von Brot und Wein. Wie sehr sollten wir staunen, jedes Mal, wenn wir eine Kirche betreten: Hier ist Gott gegenwĂ€rtig, hier ist Jesus, gestorben und auferstanden fĂŒr mich, unscheinbar und klein im Tabernakel!

3. Geheimnis des Glaubens. Wie schön wĂ€re es, einen Zeitsprung machen zu können, Jesus zu sehen, ihn zu begleiten, ihm zuzuhören und ihm unsere Fragen und Sorgen darzulegen. Wer von uns wĂŒrde nicht gerne an der Seite Jesu am See Genezareth entlang spazieren gehen, sich wie mit einem guten Freund mit ihm unterhalten, ihn beobachten, wie er mit der Menge umgeht und sie lehrt? Wer von uns wĂŒrde nicht gerne dabei sein, wenn Jesus Lazarus von den Toten auferweckt, und ihn in den Stunden seines Leidens, Sterbens und seiner Auferstehung begleiten? Denken wir nicht manchmal bei uns: „Wenn mir Jesus erscheinen wĂŒrde wie so vielen Heiligen, dann wĂŒrde sich einiges in meinem Leben Ă€ndern“? Und inmitten dieser Gedanken vergessen wir, dass wir ihn tatsĂ€chlich bei uns haben. Ja, er ist genauso Mensch und Gott in jedem Tabernakel wie er Mensch und Gott war beim letzten Abendmahl. Jesus ist mitten unter uns, lebendig, gestorben und auferstanden; das bezeugen wir nach der Wandlung bei jeder heiligen Messe im Geheimnis des Glaubens. Die Eucharistie lĂ€sst uns tatsĂ€chlich in unmittelbaren Kontakt mit Jesus treten, lĂ€sst uns sogar sein Fleisch und sein Blut empfangen, lĂ€sst uns teilhaben an seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, verborgen in der Hostie, wie groß ist deine Liebe, dass sie sich so klein macht. Du schenkst mir in der Eucharistie dich selber, dein Fleisch und dein Blut, damit ich lebe. Du gibst dich mir zur Speise, damit ich dort das wahre Leben empfange. Du sprichst auch zu mir diese Worte: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.“ Schenke mir dieses Leben, frei von SĂŒnde und voll von deiner Liebe. GewĂ€hre mir die Gnade, mich niemals an dieses Geschenk der Eucharistie zu gewöhnen, sondern stets neu darĂŒber zu staunen: Jesus, du bist da!

Möglicher Vorsatz: Falls ich heute nicht an der Eucharistie teilnehmen kann, verspreche ich dir, Jesus, dich in einer Kirche oder Kapelle kurz zu besuchen oder dir wenigstens fĂŒr das Geschenk der Eucharistie mit einer geistigen Kommunion zu danken.


Eine selbstlose Liebe

16. Juni 2017

Freitag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Benno von Meißen, Bischof

Br. Peter Hemm LC

Mt 5,27-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lĂŒstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verfĂŒhrt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser fĂŒr dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verfĂŒhrt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser fĂŒr dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlĂ€sst, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlĂ€sst, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, wieder wende ich mich im Gebet an dich. Auch wenn ich dich nicht sehen kann, weiß ich doch, dass du gegenwĂ€rtig bist. Du bist immer bereit, mir in deiner Liebe zu begegnen. Deine Gegenwart gibt mir Hoffnung, denn du bist der große Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde. Du bist die Quelle fĂŒr all das Gute in meinem Leben. Nichts geschieht mit mir ohne dein Wissen und deine Zustimmung. Diese Hoffnung fĂŒhrt mich zu deiner Liebe. Ich möchte eins mit dir sein in meinem Herzen. Schenke mir die Gnade, dir jetzt zu begegnen.

Bitte: Jesus, lass mich deine bedingungslose Liebe zu mir erfahren und hilf mir, damit auch ich selbstlos lieben kann.

1. Der Mensch sehnt sich nach ErgĂ€nzung. Jeder Mensch wird mit einem „Loch“ im Herzen geboren. Jeder von uns hat eine Sehnsucht nach mehr, ein Verlangen nach FĂŒlle. Das erfahren wir tĂ€glich in unserem eigenen Leben und sehen es auch im Leben unserer Freunde, Verwandten und Bekannten. Der Mensch hat von Geburt an einen Bereich in seinem Herzen, den er selbst nicht fĂŒllen kann: er sehnt sich deshalb nach etwas oder jemandem, der genau in diese Leere seines Herzens passt und es ganz erfĂŒllt. Schon bei Adam begegnen wir dieser inneren Einsamkeit, woraufhin Gott ihm die Frau zufĂŒhrt und Mann und Frau aufeinander hin erschafft: „Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ (Gen 2,18) Doch wird selbst in dieser Beziehung von Mann und Frau die innere Sehnsucht nicht ganz gestillt. Wir wissen durch die Worte Jesu und aus eigener Erfahrung, dass unser Herz nur von Gott ganz erfĂŒllt werden kann. Doch Gott wĂ€hlt gerade die Ehe, um als Dritter im Bunde in dieser Ehe die Herzen von Mann und Frau zu erfĂŒllen. Deshalb ist die Ehe ein so großes Geschenk. Es ist die Antwort auf das tiefe Verlangen des Menschen nach mehr, nach etwas, das ihn selbst ĂŒbersteigt. Es ist ein erfĂŒllender Bund der Liebe zwischen den Ehepartnern und Gott.

2. Vom Ich zum Du. Im ersten Punkt haben wir betrachtet, wie die Ehe einer tiefen Sehnsucht nach Gemeinschaft in uns entspricht. Doch dient die Beziehung von Mann und Frau keineswegs bloß der Befriedigung eines inneren Verlangens. Liebe geht weit darĂŒber hinaus. Liebe macht den Schritt vom Ich zum Du. Liebe vergisst sich selbst und stellt den Geliebten in den Mittelpunkt. Das ist die Botschaft, die Jesus uns im heutigen Evangelium mitteilen möchte: ein Verlangen, das etwas fĂŒr sich selbst begehrt, ist oft alles andere als Liebe. FĂŒr sich selbst begehren, sich in den Mittelpunkt stellen, ist gerade das Gegenteil von Hingabe, von Opferbereitschaft, von Liebe, nĂ€mlich Egoismus. Und dieser Egoismus versteckt sich letzten Endes hinter jeder SĂŒnde. In jeder SĂŒnde möchten wir etwas fĂŒr uns selbst, ohne an die anderen, an Gott, an das Wahre und Gute zu denken. Jesus lĂ€dt uns ein, heute diesen Schritt zu wagen, einen Schritt aus uns heraus zu tun, weg von uns und auf die anderen zu, auf Gott zu.

3. Der Wert des Mitmenschen. Das heutige Evangelium besitzt eine unglaubliche AktualitĂ€t: heutzutage besteht vielmals die Gefahr, den Menschen nur als Objekt anzusehen, insofern er mir nĂŒtzlich ist, mich glĂŒcklich macht. Wie leicht scheint es, die WĂŒrde des Menschen und den Wert einer Person zu vergessen. Besonders extrem zeigt sich diese Gefahr im Bereich der Liebe und der SexualitĂ€t. Papst Benedikt schreibt in seiner Enzyklika „Deus Caritas est“: „Der zum „Sex“ degradierte Eros wird zur Ware, zur bloßen Sache; man kann ihn kaufen und verkaufen, ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware. (
) Ja, Eros will uns zum Göttlichen hinreißen, uns ĂŒber uns selbst hinausfĂŒhren, aber gerade darum verlangt er einen Weg des Aufstiegs, der Verzichte, der Reinigungen und Heilungen.“ (Deus caritas est, 5) Die radikale Sprache, die Jesus im heutigen Evangelium wĂ€hlt, zeigt eben die GrĂ¶ĂŸe der nötigen Verzichte, Reinigungen und Heilungen, von denen Papst Benedikt redet. Gerade unsere Welt von heute braucht wieder die Sicht Jesu: mein GegenĂŒber als Person ansehen und sie/ihn mit all ihrer/seiner WĂŒrde lieben. Jesus lĂ€dt uns ein, aus Liebe zu leben, um die anderen glĂŒcklich zu machen und sie in den Mittelpunkt zu stellen.

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Schöpfer und mein Vater, du hast mich geschaffen. Du hast mir das Leben geschenkt und du möchtest mich glĂŒcklich sehen. Doch nur du kannst mich wirklich erfĂŒllen. Hilf mir, mich fĂŒr dich zu öffnen und mein GlĂŒck nicht in den Geschöpfen zu suchen. Schenke mir diese Gnade, damit ich wie du meinen Mitmenschen helfen, ihnen dienen und mich ihnen selbstlos hingeben kann.

Möglicher Vorsatz: Ich verspreche dir, Jesus, heute den Menschen um mich herum zu danken – im Bewusstsein, dass ich von mir aus nichts verdient habe.


Die Liebe im Mittelpunkt

17. Juni 2017

Samstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Euphemia OSB,Äbtissin
Hl. Fulko von Reims Erzbischof

Br. Peter Hemm LC

Mt 5,33-37
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört ĂŒberhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel fĂŒr seine FĂŒĂŸe, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Muttergottes, heute ist Samstag, dein Tag. Deswegen möchte ich bei allem, was ich heute erledige, besonders mit dir verbunden sein. Vor allem aber möchte ich gemeinsam mit dir beten. Dein ganzes Leben war ein Gebet, ein Opfer der Liebe zum Vater, da du alles aus Liebe zu ihm getan hast. Hilf mir, aus diesen Momenten nun ein Gebet zu machen, das Gott gefĂ€llt. Dir vertraue ich alles an, was ich jetzt auf dem Herzen habe, damit ich frei von allem Gott begegnen kann. Erneuere in mir, o Maria, die göttlichen Tugenden, den Glauben, die Hoffnung und die Liebe, damit ich in diesem Gebet Gottes Liebe erfahre.

Bitte: Jesus, ich möchte dir nachfolgen. Steh mir bei, damit ich dich ein bisschen mehr in den Mittelpunkt meines Lebens stelle.

1. Die Revolution Jesu. Das heutige Evangelium ist Teil der Bergpredigt, in der Jesus seinen die Hauptpunkte seiner Lehre erklĂ€rt. Inmitten dieser Rede scheint Jesus einige Gebote des Alten Bundes aufzuheben und zu ersetzen. So spricht er mehrmals „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist (
) Ich aber sage euch.“ TatsĂ€chlich erwarteten die Juden vom Messias eine erneuerte Thora. Ist dies nun die neue Thora Jesu? Eine Thora, die alles Bisherige aufhebt? Ist dies etwas völlig Neues, das „Gesetz Christi“? In gewisser Weise ja. Doch Jesus betreibt hier keineswegs eine Revolution im Sinne einer Abschaffung der Gesetze und Gebote Gottes. Er erklĂ€rt vielmehr, was Sinn und Mittelpunkt dieser Gebote ist. Jesus kehrt zurĂŒck zum HerzstĂŒck. Die durch viele Interpretationen und ZusĂ€tze gleichsam verschĂŒttete Lehre holt Jesus wieder hervor, reinigt sie und stellt die beiden grundsĂ€tzlichen Optionen vor Augen: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ Jesus kommt, um das Wesentliche wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Er kommt, um in uns das Bewusstsein zu erneuern, worum es im Glauben eigentlich geht.

2. Jesus im Zentrum.ss In jeder heiligen Messe bekrĂ€ftigen wir nach der Lesung und nach dem Evangelium, dass es sich um das Wort Gottes, um eine Botschaft von ihm an uns Menschen handelt. Auch die Juden hielten die Heilige Schrift fĂŒr das Wort Gottes, dem Volk ĂŒberliefert durch Mose und die Propheten. Worin besteht also die große Revolution Jesu? Um was hat er die Gebote bereichert? Was hat Jesus dem Alten Testament hinzugefĂŒgt? Was hat uns Jesus hinterlassen? Die Antwort lautet schlicht und einfach: sich selbst. Jesus offenbart sich hier in diesem Evangelium als jemand, der die gleiche Macht besitzt wie Gott, von dem die Gebote stammen. Jesus bringt sich selbst den Menschen, er ist die Liebe Gottes zu uns und dies ist seine Botschaft. Allein in diesem fĂŒnften Kapitel des MatthĂ€usevangeliums benutzt Jesus elfmal mit Nachdruck das Wort „ich“. Er kommt, um uns die Liebe Gottes zu offenbaren, aber auch um uns zu zeigen, wie wir zu Gott gelangen können. Der Weg zur Heiligkeit besteht nun nicht mehr in erster Linie im Befolgen der Gebote des Alten Bundes, sondern in der Nachfolge Jesu Christi. Er ist der Weg zum Vater, er ist der Mittelpunkt unseres Glaubens.

3. Beharrlich in der Nachfolge. Die letzten Worte Jesu im heutigen Evangelium sind eine Ermutigung und gleichzeitig eine Ermahnung auf diesem Weg der Nachfolge. Jesus legt uns mit diesen Worten die Beharrlichkeit ans Herz. Er ist sich sehr bewusst, dass es oft nicht leicht ist und viele Anfechtungen kommen werden, doch verlangt er ein entschiedenes Ja inmitten dieser Schwierigkeiten. Er selbst lebte es uns vor in Verfolgung, Leiden und Tod. Doch auch im Leben Mariens sehen wir dieses beharrliche Ja zu Jesus und zumm Willen Gottes sowie ein entschiedenes Nein zu allem, was sie von diesem Willen Gottes trennen könnte. So ist uns Maria ein vortreffliches Vorbild auf dem Weg der Nachfolge Jesu. Wenn wir wirklich Jesus ins Zentrum unseres Lebens stellen wollen, dann fĂŒhrt uns die Hand unserer Mutter den kĂŒrzesten und sichersten Weg in die Fußspuren Jesu.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, ich danke dir, dass du uns den Weg zum Vater vorausgegangen bist, damit ich immer weiß, wohin der Weg entlang fĂŒhrt. Du verlangst nicht viele Dinge von mir; du möchtest meine Liebe, du möchtest, dass ich alles aus Liebe zu dir tue. Im Alltag fĂ€llt mir das inmitten der Aufgaben, der Verantwortungen und Probleme oft nicht leicht. Danke, dass du mir fĂŒr diese Situationen deine Mutter als Hilfe geschenkt hast. Danke, dass du sie auch mir zur Mutter gegeben hast. Danke, dass sie ein so wunderschönes Vorbild fĂŒr mich ist. Maria, hilf du mir, Jesus in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen und alles aus Liebe zu ihm zu tun.

Möglicher Vorsatz: Ich verspreche dir, Jesus, heute ein GesĂ€tz des Rosenkranzes zu beten und Maria um die Gnade zu bitten, dich in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen.