Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. Mai 2017 bis 13. Mai 2017

Vierte Woche in der Osterzeit

Br. Gabriel Wendt LC

ärz
Die Tür zum GewissenSonntag
Zwischen Herde und Wolf getretenMontag
Showdown im TempelDienstag
Die Moral im SpotlightMittwoch
Groß und KleinDonnerstag
Der Weg JesuFreitag
Wer Jesus kennt, ahmt ihn nachSamstag


Die Tür zum Gewissen

7. Mai 2017

Vierter Sonntag der Osterzeit

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 10,1-10
In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Einführendes Gebet: Gott, in diesem meinem Gebet möchte ich in meinem Inneren für deine Gnade Raum schaffen. Durch die Taufe wohnst du in mir – das glaube ich fest. Für ein paar Minuten will ich deshalb den Blick nach innen richten und gewahr werden, wo du bist und was du sagst.

Bitte: Herr und Gott, schärfe mein Gehör und gib mir in meinem Gewissen die Fähigkeit, deine Stimme von anderen Stimmen zu unterscheiden.

1. Die Rollen im Gleichnis. Der Evangelist Johannes malt das Bild vom Geschehen im und um den Schafstall reichlich aus: Neben den Schafen selbst verteilt er nicht nur die Rolle des Hirten; auch Diebe, Räuber und ein Türsteher kommen vor. Das Gleichnis stellt letztlich die Frage: Was ist für die Schafe – die Menschheit – das Beste? Wer ist der Beste für sie? Wer führt sie zum „Leben in Fülle“? Die Antwort scheint offensichtlich; Jesus gibt sie dennoch erneut, und zwar mit einer Vehemenz, die uns vom Herz Gottes spricht. Denn wie oft muss Gott zusehen, wie sich der Zweifel daran, ob Gott es gut mit uns meint, ins Menschenherz schleicht! „Gott will nicht, dass ich glücklich bin,“ hört er den Menschen dann munkeln. „Er weiß nicht, wie gut mir dies oder jenes tun würde. Sein Gebot ist so lästig.“

2. Die Szene an der Stalltür. Vieles dringt Tag für Tag auf uns herein: Bilder, Stimmen, Lärm, Ideen, Neuigkeiten, Fragen, Anschuldigungen und vieles mehr. Und nicht immer ist so deutlich zu erkennen, ob das, was da an mein Herz klopft, gut oder schlecht ist. Christus ist die Tür. So wie die Schafe gelernt haben, von wem sie Gutes erwarten können, so muss das Herz des Christen einen Instinkt entwickeln, durch den es erkennt, ob ein Gedanke, eine Tat oder eine Situation Gutes birgt oder nicht. Denn was immer sich sträubt, vor Christus hinzutreten, was seinem Blick nicht standhält oder seinen Worten widerspricht, das ist „diebisch“, das will mir nicht Leben schenken, sondern es mir nehmen.

3. Der Instinkt der Schafe. Jesus ruft einen jeden „einzeln beim Namen“. Das instinktive Erkennen, was „christlich“ ist, bildet sich nicht allein durch das Erlernen von Normen und das Studieren des Glaubensgutes aus. Zentral ist der persönliche Bezug zu Christus, die Christozentrik. Nur der häufige Umgang mit ihm – im Gebet, im Sakrament, im Lesen des Evangeliums und in der werktätigen Nächstenliebe – kann uns dazu bringen, ihn so leicht und eindeutig zu erkennen, wie ein Schaf seinen Hirten erkennt.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich kenne dich. Immer wieder einmal mache ich die Erfahrung, dass du tatsächlich in meinem Leben stehst. Bitte begleite mich auch heute, sei an meiner Seite und wache über alles, was auf mich zuströmt.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte bei einer Entscheidung bewusst innehalten und prüfen, was Christus über die Optionen denkt, die zur Auswahl stehen.


Zwischen Herde und Wolf getreten

8. Mai 2017

Montag in der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Friederich OSB
Hl. Klara Fey, Generaloberin
Hl. Ulrike Nisch

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 10,11-18
In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Einführendes Gebet: Herr und Gott, ich komme in diesem Gebet vor dich – mit all meinen Gedanken, Sorgen und Ideen. Blicke auf mich, stärke mich, und sprich zu meinem Herzen.

Bitte: Heiliger Geist, stärke mein Inneres durch deine Gnade und hilf mir, die Stimme meines Hirten zu erkennen.

1. Das Bild des Hirten. Das Bild von einem Hirten und seiner Herde ist meistens geprägt von einem gewissen Frieden; die vielen kleinen Bewegungen in und um die Herde herum nehmen dem Gesamtbild nicht seine Ruhe. Auch der Hirte selbst ist Teil dieser Ruhe, ja, sein Blick ist Garant dieser Ruhe. So ist auch Christus, der gute Hirte, der Garant für den Frieden im Herzen des Christen. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, aber er ist da und ist wachsam.

2. Schreck und Bedrohung. Je größer die beschriebene Ruhe, desto größer ist auch der Schreck und die Unruhe in der Herde, die plötzlich eintreten, wenn Gefahr gewittert wird. Der Hirte richtet sich auf, sucht mit scharfem Blick die Umgebung ab und macht sich daran, den Feind zu stellen. Die Ruhe ist dahin, der Friede scheint in Gefahr. Eine verwirrte, von Raubtieren umschlichene Herde ist der Inbegriff der Hilfslosigkeit. In solcher Hilflosigkeit befand sich die Menschheit vor Ostern, wie eine „Herde ohne Hirten“. Wenn Christus sich Hirte nennt, dann hat er dieses Szenario im Sinn. Er ist zwischen die Wölfe und ihre Beute getreten. Und damit machte er sich zum Ziel der wütenden Raubtiere. So traf Christus, den Hirten, denn auch die ganze Wucht des Feindes, der grausame Tod am Kreuz. Er gab sein Leben hin für die Schafe.

3. Ein Hirte auch im Alltag. Diese österliche Heilstat begründet das christliche Leben auch heute – denn der Herr ist auferstanden. Sei es der wachende Blick in den Momenten der Ruhe, sei es das schützende Eingreifen in der Not: Christus ist der gute Hirte. Immer wieder einmal gibt der Hirte Signale, damit die Herde in seinem Blickfeld bleibt. So muss auch der Christ sich immer wieder an der Gegenwart Jesu orientieren, um im Wirkungskreis seiner Gnade zu bleiben.

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist zwischen mich und meine Angreifer getreten und hast mich so gerettet. Damit ist mir deine Liebe so gewiss, wie nichts sonst. Darauf vertraue ich, Herr, und höre auf deine Stimme.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte inmitten des Tages bewusst innehalten und die „Signalrufe“ meines Hirten aufnehmen: in meinem Gewissen, in der Heiligen Schrift oder in den Sakramenten.


Showdown im Tempel

9. Mai 2017

Dienstag in der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Beatus
Hl. Theresia Gerhardinger, SSND
Hl. Adalgar OSB
Hl. Volkmar OSB

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 10,22-30
In Jerusalem fand das Tempelweihfest statt. Es war Winter, und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange noch willst du uns hinhalten? Wenn du der Messias bist, sag es uns offen! Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab; ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

Einführendes Gebet: Großer Gott, du hast mich in der Taufe zu einem Tempel gemacht, in dem du lebst, wirkst und sprichst. Ich glaube, dass du hier und jetzt gegenwärtig bist und bete dich an.

Bitte: Hilf mir, dir jetzt in der Halle meines Gewissens zu begegnen und dein Wort für den heutigen Tag zu hören.

1. Gewissheit im Tempel. „Jetzt rede doch endlich Klartext!“ Jedem, der einmal versucht hat, eine große Entscheidung von Gottes Weisung abhängig zu machen, sind diese Worte wohl einmal in den Sinn oder gar über die Lippen gekommen. Ist man schon einmal so weit, Gott das Kommando in einer Entscheidung zu überlassen, so erwartet man immerhin, dass er sich auch deutlich dazu äußert, was Sache ist. So auch die Juden, die Jesus im Tempel zur Rede stellen wollen. Ihre Absicht scheint mustergültig: Sie sind bereit, ihm als dem Messias zu folgen; aber etwas Gewissheit dürfen sie wohl erwarten – insbesondere, weil eine Volksbewegung um einen ausgerufenen, aber so umstrittenen Messias für jeden von ihnen riskant wäre. So drängen sie Jesus in einer Seitengalerie des Tempels buchstäblich in die Ecke und nageln ihn mit einer knappen Frage fest: Bist du der Messias?

2. Eine Ecke im Tempel des Gewissens. Nicht zum ersten Mal gelangt die Schilderung des Evangeliums an einen solchen Punkt, an dem man meint, die sich angestaute Spannung werde nunmehr endlich im Showdown einer gleißenden Offenbarung gipfeln. Doch Jesus überrascht mit einer ausweichenden Antwort, die nur auf den zweiten Blick kraftvoll und entwaffnend ist. „Meine Schafe hören auf meine Stimme,“ sagt Jesus. Er belehrt sie, dass die Nachfolge nicht durch große Bekanntmachungen einsetzt, sondern durch das Vernehmen des vertrauten Rufs Gottes im eigenen Gewissen. Jener Instinkt der Schafe, die ihren Hirten erkennen; jene Feinheit im Gewissen, die Gottes leises Rufen entziffert: Das ist es, worauf wir horchen müssen, wenn wir eine Gewissensentscheidung von Gott her treffen wollen. Wenn wir hingegen, wie in dieser Szene, Gott in eine Ecke im Tempel unseres Gewissens treiben, beweist das nur, dass wir letztlich die eigenen Vorstellungen „auf höchster Ebene“ rechtfertigen wollen.

3. Das Gewissen als Tempel. Was wir Christen ohne zu zögern annehmen, nämlich, dass Jesus den Anspruch stellt, im Tempel des Gewissens seiner Zuhörer zu reden – also in jenem inneren Heiligtum, in dem der Mensch Gottes Stimme hört und nicht bloß in einem steinernen Tempel – dieser Anspruch beschwört bei jenem Gespräch im Tempel einen Eklat herauf. „Ich und der Vater sind eins,“ sagt dieser Rabbi und macht sich somit Gott gleich. Sie waren gekommen, um ihm die Messiaswürde ein für alle Mal zuzugestehen, sofern er sich nach ihren Vorstellungen verhalten würde; stattdessen offenbart er sich ihnen als Gottes Sohn, dem Vater gleichgestellt. Wenn wir bei einer Entscheidung auf die Stimme in unserem Gewissen hören wollen, dürfen wir diese also nicht verdrehen und nach dem Mund unserer eigenen Vorstellungen reden lassen. Gott das Kommando bei einer Entscheidung zu geben, bedeutet also, ihn als den eigentlichen Herrn des Tempels und sein Wort als die eigentliche Autorität des Gewissens zu verehren.

Gespräch mit Christus: Herr, oft dringt dein Wort an mein Ohr. Häufig scheint es mir jedoch zu unbequem. „Das kann Gott doch nicht verlangen!“ sage ich dann. Verzeih mir. Ich glaube an dich und weiß, dass du nie etwas von mir verlangen würdest, was nicht zu meinem Glück beiträgt.

Möglicher Vorsatz: In einer Gewissenserforschung möchte ich ganz einfach nachsehen, wo meine eigenen Vorstellungen der Stimme Gottes eine Grenze ziehen.


Die Moral im Spotlight

10. Mai

Mittwoch in der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Damian de Veuster SSCC, Lepraapostel
Hl. Johannes von Avila, Priester

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 12,44-50
In jener Zeit rief Jesus aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat, und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag. Denn was ich gesagt habe, habe ich nicht aus mir selbst, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll. Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Einführendes Gebet: Allmächtiger Gott, ich glaube an dich, ich hoffe auf dich, ich liebe dich. Schenk mir deine Gnade.

Bitte: Heiliger Damian de Veuster, erbitte für mich Gottes Gnade, damit ich das Gute tue. Du hast in deiner Seelsorge nicht nur das Nötigste getan, sondern Jesus nachgeahmt und dich ganz hingegeben im Dienst an den Kranken. Hilf mir, Gutes zu tun.

1. Ein Spotlight auf das wahre Glück. Richter sollen im Konfliktfall eine unabhängige und gerechte Entscheidung treffen. In dieser Hinsicht kann einem das eigene Gewissen wie ein Gerichtssaal vorkommen, in dem zwischen Gut und Böse unterschieden wird. Der Richter steht für das Recht ein; er muss aber auch das Unrecht benennen. „Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten,“ sagt Jesus heute. Wenn auch sein Wort zur Stimme in unserem Gewissen werden soll, so möchte er dennoch von uns nicht vor der Zeit als Richter wahrgenommen werden. Denn der Richter kommt zum Einsatz, wenn die Handlung bereits verübt oder der Konflikt schon in vollem Gang ist. Bei seiner ersten Ankunft ist Jesus aber gekommen, um die Welt zu retten. Seine Stimme in unserem Gewissen ist keine uns fremde Instanz. Vielmehr ist sie ein Licht, das uns aufzeigt, was uns glücklich macht; welche Handlungen im Blick auf die Zukunft gut für uns sind und welche nicht; und welche im Blick auf die Vergangenheit etwas in uns oder in anderen aufgebaut oder aber kaputt gemacht haben. Das Licht Jesu in unserem Gewissen zeigt uns den Weg zum wahren Glück.

2. Ein Spotlight auf das echte Gut. Die christliche Moral besteht also nicht in erster Linie aus Geboten und Normen. Wäre dem so, dann wäre Jesus einfach nur ein erbarmungsloser Richter, der gekommen ist, um das Gesetz durchzusetzen. Häufig wird ihm oder seiner Kirche genau das vorgeworfen. Stattdessen zeigt die christliche Moral mit dem Licht Christi den wahren Weg zur Fülle des Lebens. Die Sünde macht den Menschen unglücklich; darüber hinaus trübt sie seinen Blick für das, was ihn glücklich macht. Jesus ist nicht nur gekommen, um die Sünde für uns zu tragen, sondern auch, um uns den Blick für das Gute zu schärfen. „Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.“ Das Licht Jesu in unserem Gewissen zeigt uns auf, was wirklich gut ist.

3. Das Gute kommt von selbst ans Licht. „Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter.“ Wenn Unrecht geschieht, hat das Folgen. Jesus unterstreicht, dass diese Folgen nicht erst von einem Richter benannt werden müssen; vielmehr bereitet sich der Übeltäter selbst seine Misere. Demnach ist die „Moral des Glücklich-Werdens“ keineswegs subjektiv. Jesus ist nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen und zur Vollendung zu bringen. Damit bleiben die Gebote gültig, aber nicht wegen eines strafenden Richterspruchs, sondern weil Jesus selbst vorgelebt hat, dass der Weg zum Glück die Treue ist. Das Evangelium wirft Licht auf das menschliche Leben und zeigt, wie es wirklich ist. Wer sündigt, bestraft sich selbst und meidet dieses Licht. Wer treu ist, den zieht es zu diesem Licht und er wird wahrhaft glücklich.

Gespräch mit Christus: Jesus, in meinem Gewissen kann ich häufig nicht absehen, wohin bestimmte Entscheidungen führen. Danke für dein Licht, mit dem du meine Zeit von der Ewigkeit her beleuchtest. Ich vertraue auf dein Licht und möchte mein Gewissen davon durchfluten lassen.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte eine Gewissenserforschung machen, die mich auf eine versöhnende Begegnung mit Christus vorbereitet.


Groß und Klein

11. Mai 2017

Donnerstag in der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Gangolf, Märtyrer,
Hl. Mamertus, Bischof
Hl. Joachim Tabernitz OSB, Märtyrer

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 13,16-20
Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, sprach er zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr, und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt. Ich sage das nicht von euch allen. Ich weiß wohl, welche ich erwählt habe, aber das Schriftwort muss sich erfüllen: Einer, der mein Brot aß, hat mich hintergangen. Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt: Ich bin es. Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Einführendes Gebet: Allmächtiger Gott, mit meinem Gebet möchte ich mich dir öffnen: deinem Wort, deiner Weisung und deiner Gnade. Sprich in meinem Herzen dein Wort und lass es mich in all seiner Fülle hören.

Bitte: Heiliger Geist, öffne mein Herz für diesen heiligen Austausch im Gebet und erleuchte meinen Verstand und Willen für ein christliches Leben.

1. Glanz und Bescheidenheit. Drei Jahre waren die Jünger nun schon bei Jesus. In dieser Zeit hat er ihnen Schritt für Schritt offenbart, wer er ist. Hier, im Abendmahlssaal, wo Jesus soeben vor ihnen niederkniete und jedem einzeln die Füße wusch, kommt einmal mehr jene bedrückende Ratlosigkeit auf, welche die Jünger wieder und wieder quälte. Dass Jesus der Messias ist, mehr noch, dass er Gottes eingeborener Sohn ist, verlangt bereits einen gewagten Schritt im Glauben; dass Jesus diesen Anspruch aber verbindet mit der eigenen Erniedrigung, das muss für die Jünger völlig unbegreiflich gewesen sein. Er tat große Wunder, entzog sich aber dem Volk, das ihn zum König machen wollte. Er offenbarte ihnen, dass er vom Himmel herabgekommen war, doch gebot, niemandem von dieser ungeheuren Wahrheit zu erzählen. Ja, und gerade eben sprach er beim Abendmahl noch von seiner Sendung, die ganze Menschheit zu erlösen und nun wäscht er ihnen die Füße. Wie passt der Glanz und die Bescheidenheit zusammen?

2. Je größer, desto kleiner. Die Jünger wissen allerdings noch nichts davon, dass Jesu Erniedrigung noch tiefer gehen wird. Seine Lebensjahre, in denen er unter den Menschen weilt, um sich ihnen zu offenbaren, enden mit seiner äußersten Hingabe und dem Tod am Kreuz. Liest man die Evangelien aufmerksam, so kann man sogar sagen, dass Jesu Erniedrigung in dem Maß zunimmt, in dem offenbar wird, dass er Gott ist. Je größer er wird und je mehr er sich offenbart, desto kleiner gibt er sich. Zum einen liegt das wohl an der aggressiven Reaktion des Menschen ohne Christus gegenüber Gott; eine Reaktion der Sünde gegenüber der Liebe; des Bösen gegenüber dem Licht. Zum anderen sagt diese Erniedrigung aber viel über das Herz Jesu aus. Das alles bezeugt uns, dass Gott nicht viel an bombastischer Größe liegt; er schätzt offensichtlich die kleinen Dinge. Im Kleinen liegt die wahre Größe.

3. Ein christlicher Maßstab. So ruft Jesus dazu auf, die Kinder nachzuahmen, den letzten Platz am Tisch einzunehmen und ebenso demütig zu dienen, wie er es tut. Angesichts dieses Maßstabs sind wir mitunter wohl ebenso ratlos wie die Jünger damals. Es handelt sich hier um einen wirklich neuen Maßstab, wie man ihn in dieser Konsequenz nur bei Jesus findet. Er erniedrigt sich bis zum Äußersten und Kleinsten, blickt dabei seinen Jüngern in die Augen und spricht: „Als einer meiner Jünger kannst du dich unmöglich größer geben, als ich, dein Herr, es tue.“ Dieses Wort setzt einen neuen Maßstab im Gewissen des Christen.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich scheue mich davor, klein zu sein. Ich scheue mich davor, anderen zu dienen. Ich scheue mich davor, mich verwundbar zu machen. Lass mein Gewissen deine Maßstäbe übernehmen.

Möglicher Vorsatz: Christus stellt mir den Dienst und die Bescheidenheit als Maßstab vor Augen. Ich möchte mich heute bewusst einmal durch einen kleinen Dienst an meinem Nächsten erniedrigen.


Der Weg Jesu

12. Mai 2017

Freitag in der vierten Woche der Osterzeit
Hl. Pankratius
Hl. Achilleus, Märtyrer

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 14,1-6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Einführendes Gebet: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist: ich komme zum Beten und möchte mich besinnen, anbeten und loben.

Bitte: Schenke mir die Gnaden, die ich für den heutigen Tag brauche. Lass mich auf deine Stimme hören und ihr folgen.

1. Eine Wegbeschreibung. In Jesu Rede von den Wohnungen richtet sich sein Blick in die Zukunft. Die lange gemeinsame Zeit mit seinen Jüngern wird nun enden. Er weiß, wie wichtig seine Gegenwart für sie geworden ist und sieht die Krise voraus, die sein Tod für sie bedeuten wird. Er liebt seine Freunde und ruft sich angesichts seines bevorstehenden Todes auch selbst ins Bewusstsein, dass sie eines Tages wieder in vertrauter Runde beisammen sein werden, im Haus des Vaters, im Himmel. Dieselbe Aussicht gibt er ihnen mit auf den Weg für die Momente, in denen sie ihn vermissen werden. Er geht ihnen voraus und beschreibt ihnen den Weg, um ihm zu folgen, den Weg zum Himmel.

2. Ein irdischer Weg, der zum Himmel führt. Die Jünger haben natürlich keinerlei Vorstellung von dem, was nun kommt. Sicher ist ihnen die Brisanz der Lage bewusst; sie verstehen auch, dass Jesus sich irgendwie entfernen wird. Aber, so zeigt Thomas‘ Reaktion, sie denken weniger an ein Wiedersehen im Himmel, als an irdische Wegbeschreibungen. Umso mysteriöser wirkt diese Beschreibung dann letztlich auf sie: Jesus selbst ist der Weg? In dieser Beschreibung antwortet Jesus auf doppelte Weise: Seine Nachfolge ist nicht nur der beste Weg, den man auf Erden einschlagen kann, sondern auch der direkteste Weg zum Himmel.

3. Gewissensbildung. Die Jünger haben genug Zeit bei Jesus verbracht, um ihn nachahmen zu können. Wir sind in einer anderen Lage als sie. Aber letztlich müssen auch wir lernen, die Lehren aus Jesu Alltag mit den Jüngern auf unseren Lebensweg zu übertragen – so, wie wir sie im Evangelium nachlesen können. Wie Jesus gebetet, gehandelt, gesprochen und geliebt hat: darin besteht sein Weg. Unser Gewissen vom Evangelium her zu formen, bedeutet somit, Jesu Lebensweise in diesem inneren Tempel betrachtend widerhallen zu lassen und sie zum Maßstab und Muster für das eigene Leben zu nehmen. So ist Jesus der Weg, weil uns sein Wort im Gewissen die Richtung weist; er ist die Wahrheit, weil im Gewissensentscheid sein Wort ausschlaggebend ist; und er ist das Leben, wenn ich sein Wort in meinem Gewissen nicht nur höre, sondern es befolge und in die Tat umsetze.

Gespräch mit Christus: Jesus, auch ich sehne mich danach, in vertrauter Runde bei dir zu sein. Ich möchte den direktesten Weg wählen, um im Haus des Vaters mit dir zusammen zu kommen.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte die Faustformel „Was würde Jesus jetzt tun?“ heute im Sinn haben und versuchen, ihn nachzuahmen.


Wer Jesus kennt, ahmt ihn nach

13. Mai 2017

Samstag in der vierten Woche der Osterzeit
Unsere Liebe Frau in Fatima
Hl. Servatius, Bischof

Br. Gabriel Wendt LC

Joh 14,7-14
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

Einführendes Gebet: Jesus, mein Herr und mein Gott. Ich glaube dir. Ich möchte dich sehen in diesem Gebet und in dir den Vater.

Bitte: Sende mir deinen heiligen Geist, damit meine Augen dich im Glauben sehen.

1. Jesus ansehen. „Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus?“ Man kann sich den Gesichtsausdruck, mit dem Jesus diese Frage stellt, dank der Worte des Evangeliums deutlich vorstellen. Er lässt jene Kombination aus Enttäuschung und Verständnis erkennen, die Jesu Inneres oft geplagt haben muss. Diese Gemütslage kennt die Mutter, wenn sie ihr Kind loslässt, damit es laufen lernt; oder der Ratgeber, der seinen Schützling nicht zu seinem Glück zwingen will. Gott möchte zwar, dass wir ihn anerkennen und seinen Willen tun; aber nicht mechanisch, sondern überzeugt und frei. Jesus will erkannt und geliebt werden; noch dazu weiß er, wie viel Mühe uns das abverlangt. Und dennoch drängt er sich nie auf, sondern wiederholt immer wieder sein „Glaubt mir doch!“.

2. Schon so lange… Jesus war „schon so lange“ bei den Jüngern, dass es ihm immer schwerer fällt, ihre Kurzsichtigkeit zu entschuldigen. Er hat sie geduldig an das Geheimnis seiner Gottessohnschaft herangeführt und hofft, dass die Zwölf dies nun, am Vorabend seines Todes, begriffen haben. Eine Person war aber noch viel länger bei Jesus als die Jünger: Maria, seine Mutter. Auch sie hatte auf dem Gesicht ihres zwölfjährigen Sohnes einmal diesen verwunderten Ausdruck gesehen und lange darüber nachgedacht. Von dem Tag an, an dem der Engel ihr die Geburt des Sohnes Gottes verkündet hatte, hat sie in ihrem Herzen über die Identität ihres Sohnes meditiert. Inzwischen war ihr Glaube fest und sicher. Bei ihr wusste Jesus sich ganz erkannt.

3. Maria nachahmen, heißt Jesus nachahmen. Die Tatsache, dass Marias Glaube so fest war, hat später einen ähnlichen Ausdruck auf ihr Gesicht gemalt. Als die verunsicherten Jünger sich um sie scharten, weil Jesus gestorben war, kamen ihr Jesu Worte wohl genauso über die Lippen: „Glaubt mir doch!“ Maria ist den Weg des Glaubens selbst gegangen und wurde dadurch zur besten Lehrerin darin. In Fatima sagte sie zu den Kindern, dass Gott die Andacht zu ihrem unbefleckten Herzen begründen will, um die Sünder zu bekehren. Das zeigt, dass Maria ein direkter Weg zu Christus und zum Heil ist. Denn „wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen.“ Maria glaubte als Erste an Jesus und hat ihn besser als alle nachgeahmt. Von ihr zu lernen und sie nachzuahmen, sind somit Haltungen, die für das christliche Gewissen echte Richtlinien darstellen.

Gespräch mit Christus: Maria, bitte begleite mich auf meinem Glaubensweg. Dein Vorbild und deine mütterliche Nähe sollen mir helfen, mein Gewissen nach Jesu Weisung auszurichten.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte mich heute fragen, wie Maria in einer bestimmten Situation handeln würde und sie nachahmen.