Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. April 2017 bis 15. April 2017

Karwoche

P. Benoît Terrenoir LC

├Ąrz
Der Triumphzug JesuSonntag
Die Salbung in BetanienMontag
Hinein in den AbendmahlssaalDienstag
Der Verrat des JudasMittwoch
Das gr├Â├čte Zeichen der LiebeDonnerstag
Zu F├╝├čen des KreuzesFreitag
Die ErwartungSamstag


Der Triumphzug Jesu

9. April 2017

Palmsonntag

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 21, 1-11
Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem n├Ąherte und nach Betfage am ├ľlberg kam, schickte er zwei J├╝nger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er l├Ąsst sie aber bald zur├╝ckbringen. Das ist geschehen, damit sich erf├╝llte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein K├Ânig kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die J├╝nger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Stra├če aus, andere schnitten Zweige von den B├Ąumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der H├Âhe! Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galil├Ąa.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, heute f├Ąngt die Woche an, die Dreh- und Angelpunkt des Jahres ist. Vielleicht wird diese Karwoche an meinem Leben nichts ├Ąndern. Oder vielleicht doch? Herr, hilf mir, gut aufzupassen, um die Gnaden dieser heiligen Tage nicht ungenutzt vorbeiziehen zu lassen! Lass mich reiche Fr├╝chte bringen!

Bitte: Herr, lass mich dich so eng wie m├Âglich begleiten!

1. Die Erwartungen der J├╝nger. Am Anfang verstehen die J├╝nger vielleicht nicht, warum Jesus um eine Eselin und ihr Fohlen bittet. Aber als die Gef├Ąhrten oben auf dem ├ľlberg ankommen und auf einmal vom Glanz des gegen├╝berliegenden Tempels geblendet werden, als sie den Jubel der Menschenmengen und die erhobenen Palmzweige sehen, f├Ąngt ihr Herz wie wild zu schlagen an. Vielleicht w├╝rde Petrus sogar gern nach vorne laufen und ÔÇ×Macht Platz f├╝r den Sohn Davids!ÔÇť rufen. Aber es ist gar nicht n├Âtig. Die Menschen selbst, die von Lazarus und all den anderen Wundern geh├Ârt haben, hei├čen Jesus in triumphaler Weise willkommen. Die alte Prophezeiung ist endlich erf├╝llt: ÔÇ×Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein K├Ânig kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist dem├╝tig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. [...] seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der ErdeÔÇť (Sach 9,9-10).

2. Die Gedanken Jesu. Was denkst du, Herr, mitten in diesem Jubel? Vielleicht erinnerst du dich an die Prophezeiungen ├╝ber den Messias, die gerade erf├╝llt werden. Jetzt bekennst du offen und klar, dass du der Messias bist, denn du wei├čt, dass deine Stunde gekommen ist. Der wahre Triumphzug ist ganz nah, aber er f├╝hrt zum Kreuz hin. Du siehst: Die gr├╝nen Zweige tragen die H├Ąnde, die dich bald verpr├╝geln werden, und der Jubel wird bald in Geschrei und Hass umschlagen; du wei├čt, hinter dem Stadttor liegt der Eingang zum Grab. Und w├Ąhrend du die fr├Âhlichen ÔÇ×HosannaÔÇť-Rufe h├Ârst, denkst du wohl an die urspr├╝ngliche Bedeutung dieses Wortes: ÔÇ×Gib das HeilÔÇť. Aber wem? ÔÇ×dem Sohn DavidsÔÇť. ÔÇ×Ja, Vater, gib mir das Heil! Und du wirst sagen: Wenn es m├Âglich ist, gehe dieser Kelch an mir vor├╝ber...ÔÇť So tief ist deine Seele betr├╝bt, Herr!

3. Was soll ich tun? Nachdem der Herr sich innerhalb der Mauern befindet, ger├Ąt die ganze Stadt in Aufregung. Jesus bleibt nicht unbemerkt, weder damals noch heute, 2017. Auf alle, die ihm irgendwie begegnen, wirkt Christus faszinierend. Ich muss mich ihm einfach auf den Weg stellen und von ihm ansprechen lassen. Aber nicht nur das, ich muss ihn auch begleiten. Jeden Morgen tritt die Kirche durch den Psalm des Invitatoriums wie durch ein Tor in den neuen Tag ein. Am Anfang dieser Karwoche will auch ich den Palmsonntag wie eine T├╝re benutzen und durch ihn in diese heiligen Tage eintreten. Am besten begleite ich Jesus aus n├Ąchster N├Ąhe, so nah wie m├Âglich. Ich werde nicht von seiner Seite weichen! Ich will mit ihm ins Pascha-Mysterium eintreten.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, hilf mir, in dieser Karwoche deine enorme Liebe zu mir mehr und mehr zu erfahren. Als du in Jerusalem in triumphaler Weise eingezogen bist, hast du nicht aufgeh├Ârt, an mich zu denken. Hilf mir, stets an dich zu denken!

M├Âglicher Vorsatz: Heute werde ich den gesegneten Palmzweig nach Hause bringen und hinter das Wandkreuz stecken, und jedes Mal wenn ich einen Blick darauf werfe, werde ich daran denken, Jesus in seiner Karwoche zu begleiten.


Die Salbung in Betanien

10. April 2017

Montag in der Karwoche
Hl. Engelbert OSB, Abt
Magdalena Gabriela von Canossa FDC

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Narden├Âl, salbte Jesus die F├╝├če und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des ├ľls erf├╝llt. Doch einer von seinen J├╝ngern, Judas Iskariot, der ihn sp├Ąter verriet, sagte: Warum hat man dieses ├ľl nicht f├╝r dreihundert Denare verkauft und den Erl├Âs den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz f├╝r die Armen gehabt h├Ątte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte n├Ąmlich die Kasse und veruntreute die Eink├╝nfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es f├╝r den Tag meines Begr├Ąbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu t├Âten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, ich m├Âchte an deinen letzten Tagen vor deinem Leiden teilnehmen. Hilf mir, deine Gef├╝hle besser zu verstehen und dir enger nachzufolgen! Lass nicht zu, dass ich dich jemals verlasse!

Bitte: Herr, lass meine Liebe wie einen angenehmen Duft zu dir aufsteigen!

1. Die Gastfreundschaft zu Betanien. Betanien liegt nur 2,5 km von Jerusalem entfernt. Dort wohnen Maria, Martha und Lazarus. Sie sind eng mit Jesus befreundet. In diesen Tagen des Paschafests, in denen Jerusalem voller Pilger und das Herz Jesu voller Sorge ist, begibt sich der Herr mit seinen J├╝ngern gern nach Betanien, um dort die Ruhe und die Gastfreundschaft der drei Geschwister zu genie├čen. Herr, in dieser Karwoche, in der du so viel leidest, will ich dich bei mir willkommen hei├čen. Lass mich Zeit zum Gebet und zum Besuch der heiligen Messe finden, um dir Gastfreundschaft zu gew├Ąhren!

2. Die reinste Verschwendung. Aber diesmal l├Ąuft das Essen nicht wie ├╝blich ab. Wahrscheinlich war den J├╝ngern die Szene mit der Salbung ein bisschen peinlich. Es war eine Menge Narden├Âl! Judas, der sich damit auskannte, sch├Ątzte es auf 300 Denare, also 300 Tagel├Âhne. Das entspricht fast einem Jahr Arbeit, das in weniger als einer Minute verloren geht! Niemals sollte man so eine Verschwendung zulassen! Aber es sieht so aus, als n├Ąhme Jesus diese Geste gerne an. Und au├čerdem, warum spricht der Herr mit besonderem Nachdruck von seinem Tod? W├Ąre es nicht passender, wenn er von seinem triumphalen Einzug in Jerusalem erz├Ąhlen w├╝rde? Vielleicht sp├╝re ich auch dieses peinliche Gef├╝hl wie die J├╝nger. In diesem Fall h├Ątte ich wohl etwas Wichtiges ├╝bersehen...

3. Der feine Duft der Liebe. Warum handelt Maria so ungew├Âhnlich? Vielleicht hat sie das verstanden, was die Apostel und ich noch nicht begriffen haben. Und zwar, dass der Herr um meinetwillen am Kreuz sterben will. Sie wei├č intuitiv, dass Christus kurz davor steht, ihr und allen Menschen seine unendliche Liebe zu zeigen. Angesichts einer solchen Liebe muss sie unbedingt etwas tun. Und so verbreitet sich der s├╝├če Duft ihres Narden├Âls im ganzen Haus. Herr, lass meine Liebe wie Weihrauchduft zu dir emporsteigen!

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, was f├╝hle ich, wenn du von deinem Tod sprichst? Bin ich gleichg├╝ltig? Emp├Ârt? Oder verstehe ich, dass du mir deine Liebe zeigen willst? Herr, hilf mir, deiner Liebe zu entsprechen!

M├Âglicher Vorsatz: Heute werde ich mich dem Herrn f├╝r l├Ąngere Zeit als ├╝blich widmen, um ihm meine Liebe ganz einfach zum Ausdruck zu bringen.


Hinein in den Abendmahlssaal

11. April 2017

Dienstag in der Karwoche
Hl. Stanislaus von Krakau, Bischof
Gemma Galgani, Mystikerin

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 13,21-33.36-38
In jener Zeit, als Jesus mit seinen J├╝ngern bei Tisch war, wurde er im Innersten ersch├╝ttert und bekr├Ąftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die J├╝nger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den J├╝ngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zur├╝ck an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht. Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin k├Ânnt ihr nicht gelangen. Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber sp├Ąter folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich f├╝r dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst f├╝r mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kr├Ąht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute will ich mit dir in den Abendmahlssaal eintreten, meinen Kopf an deine Brust legen und die Gef├╝hle deines Herzens aufmerksam wahrnehmen. Lass mich sp├╝ren, mit welch gl├╝hender Sehnsucht du mich retten willst! Lass mich deine Angst vor dem Tod und deine Liebe zu deinen J├╝ngern erfahren! Lass mich dich begleiten!

Bitte: Herr, in dieser Stunde deines inneren Leidens, lass mich dich tr├Âsten!

1. An der Brust Jesu. Diese Stelle des Evangeliums f├╝hrt uns direkt in den Abendmahlssaal hinein, wo Jesus und seine J├╝nger das Paschamahl beginnen. Die Sonne ist kaum untergegangen und man h├Ârt noch etwas den L├Ąrm der vielen Pilger, welche die Heilige Stadt f├╝llen. Aber drinnen sieht es ruhiger aus. Die schummrigen Tonlampen erleuchten das gebratene Lamm und die Bitterkr├Ąuter. Um den Tisch liegen Jesus und die Zw├Âlf auf speziellen Speisesofas, den griechisch-r├Âmischen Sitten entsprechend, so dass der Kopf des Johannes ganz nah am Herzen des Herrn zu liegen kommt. Als J├╝ngster unter den Aposteln muss er die zum Pascha-Ritus geh├Ârende Frage stellen: ÔÇ×Warum ist diese Nacht anders als alle anderen?ÔÇť In seiner unmittelbaren N├Ąhe sp├╝rte er aber schon, dass das Herz Jesu noch tiefer ersch├╝ttert war, als es seine Stimme offenbarte. Johannes sp├╝rt, dass die Stunde gekommen ist.

2. Die Stunde der Verherrlichung. Nachdem Judas die T├╝r hinter sich geschlossen hat und verschwunden ist, wei├č Jesus, dass sein Leidensweg beginnt. Warum spricht er dann unverz├╝glich von der Verherrlichung, die er vom Vater empfangen wird? Und worin besteht diese Verherrlichung? Sie besteht nicht aus Ger├╝chten, die sich um seine Person ranken, wie es bei den Gro├čen der Geschichte oft der Fall ist. Nein, die Verherrlichung Gottes beginnt von innen her, denn sie hat ihren Ursprung in der gegenseitigen Liebe zwischen Vater und Sohn. Christus verherrlicht den Vater, indem er als Sohn handelt. Und wie k├Ânnte er diese kindliche und vertrauensvolle Liebe besser zeigen, als indem er sich dem Vater bis zum Tod am Kreuz hingibt?

3. Die Schw├Ąche des Petrus. Auch Petrus sp├╝rt, dass Jesus bald leiden wird. Er vermutet, dass ein Abschied bevorsteht, der eine schmerzhafte Trennung mit sich bringt. So schreibt Pater Augustin Guillerand:ÔÇ×Trotz seiner Schw├Ąche liebt der heilige Petrus den Herrn aufrichtig. Er kann eine Trennung nicht ertragen, er akzeptiert sie nicht. Das ist dem Herzen Jesu ein s├╝├čer Trost, der ihn ├╝ber alles erquickt. Die Schw├Ąche des Apostels ist ihm gleich, ihr Ursprung liegt nicht im Willen; die Liebe aber liegt im Willen [...] Petrus gibt ihm derzeit sein zerbrechliches, unvollendetes Wesen; aber er gibt ihm alles, was er hat. Wenn er einmal mehr haben wird, dann wird er dieses Mehr auch geben. Er wird mehr haben, sobald Gott ihm das gew├Ąhrt.ÔÇť

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, warum ist diese Nacht anders als alle anderen? Warum unterwirfst du dich aus freiem Willen dem Leiden? Warum der Verrat und der Tod? Herr, auch wenn ich nicht alles verstehe, hilf mir, deine Liebe zu erfahren. Schau nicht auf meine Schw├Ąche, und lass mich mit Petrus sagen: ÔÇ×Mein Leben will ich f├╝r dich hingebenÔÇť!

M├Âglicher Vorsatz: Heute werde ich die schmerzhaften Geheimnisse des Rosenkranzes beten, um Jesus bei seinem Leiden zu begleiten.


Der Verrat des Judas

12. April 2017

Mittwoch in der Karwoche
Hl. Julius I. Papst
Hl. Herta, M├Ąrtyrerin
Hl. Zeno, Bischof

Br. Benoît Terrenoir LC

Mt 26,14-25
In jener Zeit ging einer der Zw├Âlf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm drei├čig Silberst├╝cke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. Am ersten Tag des Festes der Unges├Ąuerten Brote gingen die J├╝nger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl f├╝r dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister l├Ąsst dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen J├╝ngern das Paschamahl feiern. Die J├╝nger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, begab er sich mit den zw├Âlf J├╝ngern zu Tisch. Und w├Ąhrend sie a├čen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Sch├╝ssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift ├╝ber ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. F├╝r ihn w├Ąre es besser, wenn er nie geboren w├Ąre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus, die Stunde deines Leidens und Sterbens kommt schon sehr bald. Lass mich heute sp├╝ren, wie traurig und entt├Ąuscht du ├╝ber den Verrat des Judas bist!

Bitte: Herr, lass nicht zu, dass ich mich je von dir trenne!

1. Der Verrat eines Freundes. Judas ist einer von den Zw├Âlf. Er hat die Liebe Christi pers├Ânlich erfahren, und zwar noch mehr als der reiche J├╝ngling, dem Jesus liebevoll gesagt hatte: ÔÇ×Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!ÔÇť (Mk 10,21) Es ist Judas gelungen, drei Jahre lang dem Herrn nachzufolgen. Im Gegenzug hat ihm Jesus so viel Vertrauen geschenkt. Und jetzt... verkauft er den Herrn f├╝r drei├čig Silberm├╝nzen. Der Psalm lautet: ÔÇ×Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot a├č, hat gegen mich geprahltÔÇť (Ps 41, 10). Ich bin dein Freund, Herr. Aber ich bin auch Judas, wenn ich deine gl├╝hende Liebe stets erfahren habe und dich trotzdem immer wieder durch meine S├╝nden verrate.

2. Der Fall in die S├╝nde. Am Anfang des Paschamahls l├Ąsst Jesus ohne vorherige Ank├╝ndigung eine Bombe platzen: ÔÇ×Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.ÔÇť Die J├╝nger schauen sich schweigend und ersch├╝ttert an, dann beginnen sie, an sich selbst zu zweifeln: ÔÇ×Bin ich es etwa, Herr?ÔÇť Aber Judas n├╝tzt die Gelegenheit nicht, um seine Schuld zu bereuen. Im Gegenteil, er verstrickt sich tiefer in die S├╝nde. So beschreibt ihn der heilige Hieronymus: ÔÇ×W├Ąhrend alle Apostel traurig werden und keinen Gedanken ans Essen hegen, taucht Judas die Hand in die Sch├╝ssel, um durch eine k├╝hne L├╝ge ein reines Gewissen vorzut├Ąuschen. [...] Wie die Anderen sagt er: ÔÇ×Bin ich es etwa?ÔÇť, um in der Masse unterzutauchen.ÔÇť Herr, rette mich vor jeder Heuchelei!

3. Die letzte Chance. Das Verhalten Jesu kann verwirren. Er h├Ątte Judas ganz offen als Verr├Ąter blo├čstellen k├Ânnen. Im Gegenteil sorgt er aber daf├╝r, dass niemand Judas verd├Ąchtigt. Er gibt zwar einen Hinweis, aber so diskret, dass keiner der Apostel au├čer dem T├Ąter ihn versteht. Jesus verurteilt ihn auch nicht, verflucht ihn nicht, sondern bemitleidet ihn. Er will ihm stets eine letzte Chance geben. Selbst im Moment der Verhaftung in Getsemani wird ihn Jesus noch als ÔÇ×FreundÔÇť ansprechen, und damit einen letzten Appell an ihn richten. Herr, du l├Ąsst niemanden im Stich. Du suchst das verlorene Schaf, solange es noch die geringste Spur Hoffnung gibt. Herr, lass mich deinen Appell immer vernehmen, wenn du ihn an mich richtest. Lass nicht zu, dass ich die Chance verpasse, die du mir mit jedem Moment anbietest!

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, danke, dass du mich so gesch├╝tzt und geliebt hast! Danke, dass du mir immer wieder eine Chance gibst, um meine Untreue zu bereuen und zu dir zu zur├╝ckzukommen!

M├Âglicher Vorsatz: Heute werde ich Christus ein kleines Opfer darbringen, um ihn bei seinem Leiden zu begleiten.


Das gr├Â├čte Zeichen der Liebe

13. April 2017

Gr├╝ndonnerstag
Hl. Martin I. Papst
Ida von L├Âwen, Mystikerin

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hin├╝berzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zur├╝ckkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umg├╝rtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Sch├╝ssel und begann, den J├╝ngern die F├╝├če zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umg├╝rtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die F├╝├če waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch sp├Ąter wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die F├╝├če waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine F├╝├če, sondern auch die H├Ąnde und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die F├╝├če zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste n├Ąmlich, wer ihn verraten w├╝rde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die F├╝├če gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die F├╝├če gewaschen habe, dann m├╝sst auch ihr einander die F├╝├če waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr, heute Abend will ich dich besonders begleiten, da du uns deinen Leib und dein Blut anvertraust, und deinen Leidensweg in Getsemani beginnst. Auch wenn ich nicht wei├č, was ich dir sagen soll, m├Âchte ich einfach bei dir sein. Lass nicht zu, dass ich dich im Stich lasse!

Bitte: Herr, lass mich deine Liebe annehmen!

1. Die Liebe zu den Seinen.  Der Anfang dieser Stelle des Evangeliums klingt besonders feierlich. Der ewige Sohn Gottes steht kurz davor, den Menschen die atemberaubende Liebe des Vaters mehr denn je zu offenbaren. Jetzt kommt die wichtigste Stunde der Menschheitsgeschichte. Aber es ist auch die wichtigste Stunde meines eigenen Lebens. Denn Christus denkt nicht nur an die anwesenden Zw├Âlf, sondern an all ÔÇ×die Seinen, die in der Welt [sind]ÔÇť. Ich geh├Âre dazu. Bin ich mir bewusst, dass Jesus mich mehr liebt, als ich mich selber liebe?

2. Das Startsignal f├╝r die Erl├Âsung. Der Herr h├Ątte den J├╝ngern einfach sagen k├Ânnen, er w├╝rde in den n├Ąchsten 24 Stunden verhaftet, verurteilt und gekreuzigt. Aber stattdessen nimmt er ein Tuch und eine Sch├╝ssel Wasser, und f├Ąngt an, ihnen die F├╝├če zu waschen. Die Fu├čwaschung ist ja eine Geste der Demut und ein Beispiel an N├Ąchstenliebe. W├╝rde ihr aber nicht das Leiden und der Tod Christi folgen, w├Ąre sie nur eine fromme Kom├Âdie. Vielleicht erinnern ihn die nassen H├Ąnde an das Blut, das er bald bis zum letzten Tropfen vergie├čen wird, um die S├╝nde von uns abzuwaschen. Vielleicht erinnert ihn das Tuch an die Tr├Ąnen aller Menschen, die er auf ewig abwischen wird. Die Fu├čwaschung ist das Startsignal f├╝r das Leiden Jesu. ÔÇ×Ja, ich komme, um deinen Willen zu tunÔÇť (Heb 10,9).

3. Mein dem├╝tiges ÔÇ×JaÔÇť. Petrus widersetzt sich der Fu├čwaschung. Und ich, was w├╝rde ich tun? K├Ânnte ich es ertragen, dass mein Herr sich vor mir niederkniet? Nein, das kann doch nicht sein! Aber die Ursache f├╝r eine solche Weigerung w├Ąre der Hochmut. Weil ich nicht bereit bin, meine Werteskala zu ver├Ąndern. Ich bin nicht bereit, an Christus Anteil zu haben. H├Ątte ich doch die Demut, mich vom ihm lieben zu lassen, so wie sich ein kleines Kind von seiner Mutter lieben l├Ąsst, dann w├╝rde ich Anteil an der Erl├Âsung erhalten. In diesen entscheidenden Tagen der Geschichte stehen die T├╝ren zum Himmel weit offen. Christus kniet vor meiner Freiheit nieder. Es h├Ąngt nur von mir ab, ob ich seine Liebe annehme und mit ihm eintrete.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr, heute Abend zeigst du mir, dass du mich bis zur Vollendung liebst. Ich bitte dich, nimm mir meinen Hochmut, der es mir nicht erlaubt, mich von dir lieben zu lassen! Lass mich an dir und am seligen Leben Anteil haben!

M├Âglicher Vorsatz: Heute Nacht werde ich Jesus eine Zeitlang in einer Gebetswache begleiten (ÔÇ×Nicht einmal eine Stunde konntet ihr mit mir wachen?ÔÇť).


Zu F├╝├čen des Kreuzes

14. April 2017

Karfreitag

Br. Benoît Terrenoir LC

Joh 18,1-19,42
Die Verhaftung

Jesus ging mit seinen J├╝ngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen J├╝ngern hinein. Auch Judas, der Verr├Ąter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen J├╝ngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharis├Ąer, und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verr├Ąter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zur├╝ck und st├╝rzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erf├╝llen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hie├č Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat soll ich ihn nicht trinken?

Das Verh├Âr vor Hannas und die Verleugnung durch Petrus

Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und f├╝hrten ihn zuerst zu Hannas; er war n├Ąmlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch f├╝r das Volk stirbt. Simon Petrus und ein anderer J├╝nger folgten Jesus. Dieser J├╝nger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb drau├čen am Tor stehen. Da kam der andere J├╝nger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pf├Ârtnerin und f├╝hrte Petrus hinein. Da sagte die Pf├Ârtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den J├╝ngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein. Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angez├╝ndet und standen dabei, um sich zu w├Ąrmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und w├Ąrmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus ├╝ber seine J├╝nger und ├╝ber seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich geh├Ârt haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schl├Ągst du mich? Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas. Simon Petrus aber stand am Feuer und w├Ąrmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen J├╝ngern? Er leugnete und sagte: Nein. Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus, und gleich darauf kr├Ąhte ein Hahn.

Das Verh├Âr und die Verurteilung durch Pilatus.

Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Pr├Ątorium; es war fr├╝h am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Geb├Ąude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu k├Ânnen. Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? Sie antworteten ihm: Wenn er kein ├ťbelt├Ąter w├Ąre, h├Ątten wir ihn dir nicht ausgeliefert. Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch, und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzurichten. So sollte sich das Wort Jesu erf├╝llen, mit dem er angedeutet hatte, auf welche Weise er sterben werde. Pilatus ging wieder in das Pr├Ątorium hinein, lie├č Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der K├Ânig der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere ├╝ber mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein K├Ânigtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt w├Ąre, w├╝rden meine Leute k├Ąmpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert w├╝rde. Aber mein K├Ânigtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein K├Ânig? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein K├Ânig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich f├╝r die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, h├Ârt auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Ihr seid gewohnt, dass ich euch am Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den K├Ânig der Juden freilassen. Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Stra├čenr├Ąuber. Darauf lie├č Pilatus Jesus gei├čeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, K├Ânig der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen. Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch! Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn, und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen. Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat. Als Pilatus das h├Ârte, wurde er noch ├Ąngstlicher. Er ging wieder in das Pr├Ątorium hinein und fragte Jesus: Woher stammst du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Wei├čt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du h├Ąttest keine Macht ├╝ber mich, wenn es dir nicht von oben gegeben w├Ąre; darum liegt gr├Â├čere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat. Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du ihn freil├Ąsst, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als K├Ânig ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf. Auf diese Worte hin lie├č Pilatus Jesus herausf├╝hren, und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf hebr├Ąisch Gabbata, hei├čt. Es war am R├╝sttag des Paschafestes, ungef├Ąhr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Da ist euer K├Ânig! Sie aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren K├Ânig soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen K├Ânig au├čer dem Kaiser. Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt w├╝rde.

Die Hinrichtung Jesu

Sie ├╝bernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Sch├Ądelh├Âhe, die auf hebr├Ąisch Golgota hei├čt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Pilatus lie├č auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der K├Ânig der Juden. Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebr├Ąisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der K├Ânig der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der K├Ânig der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, f├╝r jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es geh├Âren soll. So sollte sich das Schriftwort erf├╝llen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies f├╝hrten die Soldaten aus. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den J├╝nger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem J├╝nger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der J├╝nger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erf├╝llte: Mich d├╝rstet. Ein Gef├Ą├č mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

Die Bestattung des Leichnams

Weil R├╝sttag war und die K├Ârper w├Ąhrend des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man m├Âge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein gro├čer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stie├č mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er wei├č, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erf├╝llte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Josef aus Arimath├Ąa war ein J├╝nger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu d├╝rfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der fr├╝her einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim j├╝dischen Begr├Ąbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des R├╝sttages der Juden und weil das Grab in der N├Ąhe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Einf├╝hrendes Gebet: Herr Jesus Christus, heute will ich dich einfach auf deinem Leidensweg begleiten. Wie der heilige Johannes will ich bei dir sein, sei es in Getsemani, im Hause der Hohenpriesters, im Pr├Ątorium, oder auf Golgota. Ich begleite auch deine Mutter, die unter dem Kreuz steht. Mit ihr will ich deine letzten Worte vernehmen. Mit ihr bete ich dich, meinen Heiland, an.

Bitte: Leiden Christi, st├Ąrke mich,

o guter Jesus, erh├Âre mich.

Birg in deinen Wunden mich,

von dir lass nimmer scheiden mich.

1. Frau, siehe, dein Sohn! Was f├╝r ein Trost ist es f├╝r Jesus, unter dem Kreuz seine Mutter zu sehen! Auch wenn sie vor Schmerzen zittert, bleibt sie trotzdem bei ihrem Sohn stehen. Als er drei├čig Jahre vorher ein wehrloses Kind war, hatte ihm Maria nat├╝rlich stets beigestanden. Am Anfang seines ├Âffentlichen Lebens war sie auch dabei gewesen, als er in Kana gesagt hatte, seine Stunde sei noch nicht da. Aber jetzt ist die Stunde gekommen. Jesus will, dass die J├╝nger nach seinem Tod nicht allein bleiben. Er vertraut den treuen Johannes ÔÇô und mit ihm auch mich ÔÇô den H├Ąnden seiner Mutter an. Maria, in dieser Stunde der Finsternis, steh mir bei! Lass mich deinem Sohn treu bleiben!

2. Mich d├╝rstet. Seit dem letzten Abendmahl hat Jesus nichts getrunken. Er hat innerhalb der letzten 12 Stunden so viel Blut und Schwei├č vergossen, dass ihn der Durst sehr qu├Ąlt. Aber noch intensiver ist der Durst seiner Seele. Er, die Quelle des lebendigen Wassers, der gesagt hat: ÔÇ×Wer Durst hat, komme zu mirÔÇť (Joh 7,37), scheint jetzt v├Âllig versiegt zu sein, ersch├Âpft. Der Vater selbst scheint abwesend. Christus f├╝hlt nichts Anderes mehr als nur seinen Durst, einen riesigen Durst nach Liebe. Herr, wie kann ich deinen Durst stillen? Lass nicht zu, dass ich dir Essig zu trinken gebe!

3. Es ist vollbracht! K├Ąlte und Tod dringen schleichend durch die Glieder Jesu ein. Schwarze Wolken ziehen auf, schnell verdunkelt sich der Kalvarienberg ganz. Die Engel im Himmel schweigen und betrachten. Der Teufel freut sich ├╝ber seinen ÔÇô wie er meint ÔÇô bevorstehenden Sieg. Nur Maria senkt den Kopf nicht. Auf einmal st├╝tzt sich Jesus auf den Nagel, der seine F├╝├če durchbohrt, nimmt einen letzten Atemzug und sagt: ÔÇ×Es ist vollbracht!ÔÇť. Dann neigt er sein Haupt und gibt seinen Geist auf. Maria betrachtet den Leichnam, den man vom Kreuz abnimmt und in ihren Scho├č legt. Doch ganz tief in ihrem leidensvollen Herz gl├╝ht ein kleiner Funke der Hoffnung. Sie hat Wasser und Blut, die aus dem Herzen Jesu entstr├Âmt sind, auf ihrer Haut gesp├╝rt. Sie wei├č, dass seine v├Âllige Hingabe (bis zum letzten Tropfen) nicht vergebens sein wird.

Gespr├Ąch mit Christus: Herr Jesus Christus, du hast mich so geliebt, dass du f├╝r mich am Kreuz gestorben bist. Ich bin nicht dazu f├Ąhig, f├╝r dich mein Leben hinzugeben. Nimm doch die winzige Liebe an, die ich dir zu geben vermag. Lass mich dich mit Liebe betrachten.

M├Âglicher Vorsatz: Heute werde ich den Kreuzweg beten, um f├╝r eine arme Seele einen vollkommenen Ablass zu gewinnen.


Die Erwartung

15. April 2017

Karsamstag
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, ohne liturgische Feier. Nur die Tagzeiten werden gebetet.

Br. Benoît Terrenoir LC


Einf├╝hrendes Gebet: Maria, meine Mutter, heute m├Âchte ich dich begleiten und an deinen Schmerzen teilnehmen. Ich brauche nicht vieles zu sagen. Ich bitte dich nur darum, dass ich die Liebe deines Sohnes tiefer wahrnehme.

Bitte: Maria, Mutter der Hoffnung, lass meine Hoffnung wachsen!

1. Der letzte Sabbat. Heute ist es ruhig in Jerusalem. Es ist der Tag des Paschafests, der dieses Jahr auf den Sabbat f├Ąllt. Die Juden bleiben zu Hause. Ebenso die J├╝nger, die es noch nicht glauben k├Ânnen, dass alle ihre Hoffnungen zerronnen sind. Au├čerhalb der Stadtmauern, auf der Flanke des H├╝gels zum Kalvarienberg, befindet sich der Garten, wo Jesus begraben ist. Hier ist auch alles still. Die Soldaten halten Wache vor dem riesigen Stein, der den Eingang zum Grab versperrt. Heute ist ein Tag der Stille, damit ich mich an alles erinnere, was Jesus f├╝r mich getan und gelitten hat.

2. Der Abstieg in die Unterwelt. Was aber die J├╝nger und die Wachen nicht sehen, ist der Abstieg Christi in die Unterwelt. So steht es in der antiken Predigt, die heute w├Ąhrend der Lesehore (Teil des Stundengebetes) gelesen wird: ÔÇ×Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der K├Ânig ruht. Furcht packt die Erde, und sie verstummt, weil Gott - als Mensch - in Schlaf gesunken ist und Menschen auferweckt hat, die seit unvordenklicher Zeit schlafen. Gott ist - als Mensch - gestorben, und die Unterwelt erbebt. [ÔÇŽ] Er geht auf die Suche nach dem erstgeschaffenen Menschen wie nach dem verlorenen Schaf. Besuchen will er, die v├Âllig in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes. Er kommt, um den gefangenen Adam und die mitgefangene Eva von ihren Schmerzen zu erl├Âsen, er, zugleich Gott und der Eva SohnÔÇť.

3. Die Stille Marias. Nach der Grablegung hat Maria vielleicht die Apostel zur├╝ck zum Abendmahlssaal begleitet. Oder vielleicht hat sie sich nach Betanien zu Martha und Maria begeben, denn es war ruhiger dort. Sie leidet jedes Mal, wenn sie an ihren Sohn denkt. Aber sie kann einfach nichts Anderes tun. Sie beklagt sich jedoch nicht, sie gibt sich v├Âllig dem Willen Gottes hin. Sie hat keine Vorstellung, wie es weitergehen wird. Aber sie ist sich ganz sicher, dass nicht alles verloren ist. Sie leidet. Aber sie wartet.

Gespr├Ąch mit Christus: Maria, Mutter der Hoffnung, hilf mir, mich an alles zu erinnern, was dein Sohn f├╝r mich getan und gelitten hat. Leite meine Gedanken, lass mich in der Stille des Gebets durchhalten. Lass mich mit dir auf die Auferstehung deines Sohnes warten!

M├Âglicher Vorsatz: Heute werde ich f├╝nf Geheimnisse des Rosenkranzes mit Maria beten.