Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 12. MĂ€rz 2017 bis 18. MĂ€rz 2017

Zweite Woche in der Fastenzeit

Br. Mathias Reimer LC

Sehnsucht und EhrfurchtSonntag
Die Dynamik der LiebeMontag
Ein Christ, ein WortDienstag
Licht und SchattenMittwoch
Der Reichtum der ArmenDonnerstag
Die Kelter der BekehrungFreitag
PubertÀre Söhne und ein liebevoller VaterSamstag


Sehnsucht und Ehrfurcht

12. MĂ€rz 2017

Zweiter Fastensonntag
Reminiscere

Br. Mathias Reimer LC

Mt 17,1-9
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und fĂŒhrte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei HĂŒtten bauen, eine fĂŒr dich, eine fĂŒr Mose und eine fĂŒr Elija. Noch wĂ€hrend er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die JĂŒnger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. WĂ€hrend sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: ErzĂ€hlt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du nimmst mich jetzt beiseite und fĂŒhrst mich auf einen hohen Berg, um Zeit mit mir zu verbringen und mir eine besondere Erfahrung deiner Schönheit, deiner NĂ€he, deiner Liebe zu schenken. Ich will mich jetzt ganz in deine Gegenwart versetzen und dir mein Herz öffnen.

Bitte: Jesus, lass mich erfahren, wie gut es ist, hier bei dir zu sein, stĂ€rke meinen Glauben und schenke mir eine neue und tiefere Erfahrung deiner Liebe.

1. Neues Feuer fĂŒr den Glauben. Ein Einkehrtag, ein Familienwochenende, Exerzitien, ein christliches Ferienangebot oder Festival, eine besonders feierliche Messe
 Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, nach solchen oder Ă€hnlichen Veranstaltungen voll Feuer und Flamme nach Hause zurĂŒckzukehren? Wie gut tut es, ab und zu Gott und den Glauben auf eine neue, attraktive und bestĂ€rkende Art und Weise zu erfahren! So etwas Ähnliches mĂŒssen die drei JĂŒnger auf dem Berg erlebt haben. Sie hatten schon viele Wunder erlebt, sie hatten schon einen langen Weg mit Jesus zurĂŒckgelegt, sie hatten sich tagtĂ€glich mit ihm unterhalten und dennoch: so etwas Schönes und ÜberwĂ€ltigendes hatten sie noch nie gesehen. Jesus offenbart ihnen etwas von seiner ganzen GrĂ¶ĂŸe, von seiner Gottheit. Petrus wĂŒrde diesen Moment gerne festhalten, aber er weiß gar nicht so recht, was er sagen soll. Die JĂŒnger bekommen Angst und mĂŒssen sich niederwerfen. Dank des Glaubens darf auch ich Gott immer mehr als die ErfĂŒllung all meiner SehnsĂŒchte erfahren. Auf der anderen Seite wĂŒrde uns Menschen der Anblick seiner Allgewalt und Transzendenz schier ĂŒberfordern und zu Boden werfen. Deswegen ist Jesus Mensch geworden, um mir nahe zu sein, auf mich zuzugehen, mich anzufassen und um mir zu versichern: „Steh auf! Hab keine Angst! Es ist gut. Ich bin bei dir.“Dankbar fĂŒr diese Erfahrung und BestĂ€rkung im Glauben mĂŒssen die JĂŒnger auch wieder den Berg mit Jesus hinabsteigen und in die Schlichtheit des Alltags zurĂŒckkehren. Hoffentlich sind die Sonntage in der Fastenzeit auch fĂŒr uns besondere Zeiten mit Gott, die uns im Glauben stĂ€rken und uns die GrĂ¶ĂŸe des Geschenks, ein Leben mit Gott zu fĂŒhren, erkennen lassen.

2. Machen oder Sein. â€žDas ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Mit welch einem liebevollen, gĂŒtigen, freudigen Blick schaut Gott Vater auf seinen Sohn! Aufgrund des Glaubens haben wir die Gewissheit, dass Gott Vater mit demselben Blick auf mich schaut, mich liebt und Gefallen an mir hat. Durch Jesus dĂŒrfen wir „Söhne im Sohn sein“ (vgl. Gal 4, 4-7). Ich bin ein Kind Gottes. Im Blick Gottes darf ich einfach sein, ohne etwas machen, etwas leisten zu mĂŒssen. Gott kommt uns immer zuvor, er ĂŒbernimmt die Initiative in der Beziehung zu den Menschen, indem er einen jeden bedingungslos, ganz und gar und ohne Ende liebt. Durch das Geschenk seiner Liebe lĂ€dt er auch mich ein, ein/e Liebende/r zu werden. Gott befreit mich davon, mich durch mein Machen definieren zu mĂŒssen, und schenkt mir die Möglichkeit, ihm in meinem Tun, Beten, Fasten eine liebevolle Antwort zu geben.

3. Per crucem ad lucem. Zusammen mit Jesus waren auch Mose und Elija in dem strahlenden Licht zu sehen. Die beiden stehen jeweils fĂŒr das Gesetz und die Propheten, deren ErfĂŒllung Jesus ist, der Messias, der Erlöser. Durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus mich erlöst. Und auf diesen Moment wollte er seine JĂŒnger durch die besondere Erfahrung seines Lichts und seiner GrĂ¶ĂŸe vorbereiten. Er wollte ihnen und möchte auch mir die Sicherheit geben, dass sein und mein Weg nicht im Kreuz, im Opfer, im Tod endet. „ErzĂ€hlt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“ Als Christ darf ich mein Kreuz immer im Licht der Auferstehung sehen, annehmen und tragen. So können und sollen auch meine Opfer und MĂŒhen in der Fastenzeit eine Vorbereitung auf Ostern sein, um an Jesu Leid und an seiner Auferstehung teilzuhaben. Per crucem ad lucem – zum Licht durch das Kreuz.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott, dankbar fĂŒr die gemeinsame Zeit mit dir, möchte ich dich jetzt bitten, mit mir vom Berg herabzusteigen, um mich im tĂ€glichen Ringen mit deiner Kraft, NĂ€he und Liebe zu begleiten.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich Gott einmal danken, dass er mich so liebt, wie ich bin.


Die Dynamik der Liebe

13. MĂ€rz 2017

Montag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Paulina OSB
Hl. Leander, Erzbischof

Br. Mathias Reimer LC

Lk 6,36-38
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehĂ€uftem, ĂŒberfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, mein Schöpfer und Erlöser, du lĂ€dst deine JĂŒnger ein, so zu lieben wie du. Du bist das Maß aller Dinge. Bilde mein Herz nach deinem Herzen.

Bitte: Jesus, verwandle mein Herz durch die Erfahrung deiner grenzenlosen Liebe.

1. Das richtige Maß erfahren. Gott hat in der Beziehung Schöpfer-Geschöpf immer die Initiative. Deshalb können wir nicht geben, was wir nicht von ihm vorher empfangen haben. So lĂ€dt uns Jesus in diesem Evangelium zu allererst ein, die Liebe, die Barmherzigkeit, die GroßzĂŒgigkeit, die Freigiebigkeit des Vaters zu erfahren. „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ Zu glauben heißt, das eigene Herz vertrauensvoll der göttlichen Gabe zu öffnen. Wie wichtig ist es, diesen Glauben immer wieder im Alltag zu erneuern, Gott zu erkennen, wenn er auf mich zukommt: in der Messe, im Gebet, in der Beichte, in den konkreten UmstĂ€nden des Lebens. Nur die Erfahrung und der Glaube daran, von Gott beschenkt zu sein, kann uns den anderen gegenĂŒber öffnen und uns selber zum Geschenk werden lassen. Und wie wichtig ist es, in unserer individualistischen Gesellschaft die Erfahrung zu machen, dass man sich die wichtigsten Dinge im Leben nicht selber erarbeiten oder verdienen kann und muss.

2. Das Maß der Liebe ist es, ohne Maßen zu lieben. Die Gewissheit geliebt zu sein, macht uns frei, um unseren Blick von uns weg hin zu den anderen zu richten. Das Geschenk, das man selber erhalten hat, möchte man gerne an andere weitergeben. Die anderen und ihre Nöte rĂŒcken mehr und mehr ins Blickfeld. Sie werden wichtiger als unsere eigenen BedĂŒrfnisse, Interessen und WĂŒnsche, gerade weil in uns der Drang entsteht, zu lieben. Und die Liebe ist nicht kleinlich. Jesus selbst stellt uns das Ideal der Liebe vor Augen. Wenn wir ihn nachahmen wollen, dann sollen wir in „reichem, vollem, gehĂ€uftem, ĂŒberfließendem Maß“ lieben. Das Evangelium von heute macht uns einige konkrete VorschlĂ€ge, wie wir uns in der Fastenzeit in der Liebe ĂŒben können: barmherzig mit anderen sein; d.h. die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit leben. Nicht richten und verurteilen, sondern Fehler entschuldigen, das Gute im Mitmenschen sehen, fördern und verbreiten. Vergeben und um Vergebung bitten. Gerne etwas von meiner Zeit, meiner Aufmerksamkeit, meiner Freude geben. All diese Taten der Liebe setzen Loslösung voraus und sind so eine ideale Art und Weise, die Fastenzeit zu leben.

3. Die Belohnung der Liebe. Auf dem Weg der Liebe oder zur Liebe gibt es keine AbkĂŒrzungen oder Tricks. Man kann sich nicht vornehmen: „Ich werde mal so tun, als ob ich lieben wĂŒrde, und will schauen, wie sich das anfĂŒhlt.“ Wahre Liebe ist selbstlos und hat kein anderes Ziel als das Wohl des Geliebten. Somit ist der Lohn des Liebenden die Liebe selbst, die Freude der Hingabe, der Friede eines reinen Herzens. Deswegen ist die christliche Liebe nicht einfach eine stoische Haltung oder ein kategorischer Imperativ. Gott weiß, dass wir Menschen keine Maschinen sind, nicht immer nur geben können und eine StĂ€rkung brauchen. Gott lĂ€sst sich nie an Liebe, GroßzĂŒgigkeit und Freude ĂŒbertreffen. So dĂŒrfen wir immer wieder bei ihm auftanken. Er will uns fĂŒr unsere Taten der Liebe belohnen, indem er selber in unser Herz einzieht, uns mit seinen Gaben beschenkt und indem wir seine Dynamik der Liebe in unserem eigenen Herzen spĂŒren und verwirklichen dĂŒrfen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, mein Herz hat einen unersĂ€ttlichen Durst nach ewiger Liebe. Doch so oft lasse ich zu, dass ich selbst oder andere Geschöpfe das Maß meines Herzens, meiner Hingabe, meiner Barmherzigkeit bestimmen. Sprenge die Fesseln meines Herzens und mache es frei, sich zu verschenken und zu lieben.

Möglicher Vorsatz: Jesus selbst schlĂ€gt in diesem Evangelium einige konkrete VorsĂ€tze vor, von denen mich vielleicht einer besonders angesprochen hat: ein Werk der Barmherzigkeit; nicht richten, sondern gut ĂŒber andere denken; vergeben, sei es in meinem Herzen, sei es im direkten Kontakt mit einer anderen Person; etwas geben, mich verschenken



Ein Christ, ein Wort

14. MĂ€rz 2017

Dienstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mathilda
Hl. Konrad MĂŒller OFM, MĂ€rtyrer

Br. Mathias Reimer LC

Mt 23,1-12
In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine JĂŒnger und sagte: Die Schriftgelehrten und die PharisĂ€er haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnĂŒren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rĂŒhren, um die Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren GewĂ€ndern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und PlĂ€tzen lassen sie sich gern grĂŒĂŸen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid BrĂŒder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der GrĂ¶ĂŸte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Vater, ich komme jetzt zu dir und ich will mir in Erinnerung rufen, dass ich dein Kind bin. Sei du der Meister, dem ich folge, der Lehrer, von dem ich lerne und der einzige Herr, dem ich diene.

Bitte: Jesus, lass mich die Schönheit einer ungeteilten Person erkennen und schenke mir die Gnade, dir und meinen Mitmenschen als solche zu dienen.

1. Das Ideal der AuthentizitĂ€t. Manchmal fĂ€llt es uns vielleicht schwer, uns Jesus in seiner Menschheit als ein Beispiel vorzustellen, dem wir wirklich nacheifern können. Doch etwas, was ihn sicherlich auszeichnete, und was ihn deutlich von den PharisĂ€ern unterschied, war seine AuthentizitĂ€t, seine IntegritĂ€t und innere Einheit. Er kam auf die Erde, um die Menschen zu erlösen und seinem Vater zu dienen. Alles, was er lehrte, vorschrieb, als Ideal vorstellte, war ein Ausdruck von dem, was er war und selber lebte. Wie schön ist es, wenn man sich auf jemandem verlassen kann. Wenn man weiß, dass seine Handlungen mit seinen Worten ĂŒbereinstimmen. Wie schön, wenn man selber eine zuverlĂ€ssige StĂŒtze fĂŒr andere ist. Jesus möchte uns immer mehr zu seinen authentischen JĂŒngern machen. Mit seiner Hilfe können und sollen wir nach und nach alle inneren Spaltungen und Ă€ußeren Fassaden abwerfen; in der Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind und in seiner Freiheit handeln dĂŒrfen und sollen.

2. Feinde der IntegritĂ€t. Wie schwer ist es hingegen, wenn sich jemand von anderen bedienen lĂ€sst, sich alles zurechtlegt, die Wirklichkeit so verbiegt, wie er es gerade braucht. In uns selber erfahren wir auch immer wieder eine Schwerkraft, die uns nach unten zieht, verschiedene Pole, die uns anziehen. Wie die PharisĂ€er verfallen wir manchmal der Eitelkeit, wollen gesehen werden, gut dastehen und machen uns selber zum Ziel von allem. Oder unser Stolz verleitet uns, ein idealistisches Bild von uns selbst zu haben, uns zum Richter ĂŒber andere zu machen, zum einzig gĂŒltigen und absoluten Kriterium. Andere Male verleitet uns unsere Sinnlichkeit, das Leichte und Einfachste zu suchen, faul zu sein und den maximalen Genuss zu erhaschen. Warum stellt uns Jesus im Evangelium diese drei Haltungen als Feinde der IntegritĂ€t vor? Weil sie uns davon abhalten, zu sein und zu tun wofĂŒr wir erschaffen worden sind: unseren Meister, Gott, zu ehren und unseren BrĂŒdern zu dienen.

3. SchlĂŒssel zur IntegritĂ€t. â€žWer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Diese Worte, auch wenn sie noch so paradox und abstoßend fĂŒr unsere menschliche Natur klingen, sind eigentlich ein wunderbares Versprechen, das uns Jesus macht. Man muss sie allerdings richtig verstehen, denn es handelt sich hier weder um eine falsche, gespielte Demut, noch geht es darum, uns selber schlecht und allen unterwĂŒrfig zu machen oder dass Gott uns kleinkriegen möchte. Vielmehr geht es darum, so zu leben wie Jesus, der sich entĂ€ußert und erniedrigt hat, auf die Erde gekommen und ein Mensch geworden ist, am Kreuz fĂŒr uns gestorben ist, um uns von der SĂŒnde zu erlösen. Wenn wir uns mit ihm „erniedrigen“, werden wir auch mit ihm „erhöht“ werden, an seinem göttlichen Leben teilnehmen. Auf diesem Wege werden mir mehr und mehr zu einer inneren Einheit gelangen, in der wir Gott als Vater, Meister und Lehrer anerkennen und uns in den Dienst der anderen stellen. Nur in der Liebe können wir unsere eigene IdentitĂ€t, den Sinn unseres Lebens völlig entdecken und authentisch leben.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du weißt, wie zerrissen ich oft bin und wie viele Dinge, die nichts mit dir zu tun haben, mich anziehen. Lass mich deine Schönheit und GrĂ¶ĂŸe erkennen, um auch in den Momenten des Dienstes zu dir zu stehen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde in meiner Familie, Schule, UniversitĂ€t oder an meinem Arbeitsplatz eine ehrliche Antwort oder ein authentisches Zeugnis des Glaubens geben.


Licht und Schatten

15. MĂ€rz 2017

Mittwoch der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Klemens Maria Hofbauer CSsR, Apostel von Wien
Hl. Louise de Marillac FdC

Br. Mathias Reimer LC

Mt 20,17-28
In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem hinaufzog, nahm er unterwegs die zwölf JĂŒnger beiseite und sagte zu ihnen: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden ĂŒbergeben, damit er verspottet, gegeißelt und gekreuzigt wird; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Damals kam die Frau des ZebedĂ€us mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten wollte. Er fragte sie: Was willst du? Sie antwortete: Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dĂŒrfen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagten zu ihm: Wir können es. Da antwortete er ihnen: Ihr werdet meinen Kelch trinken; doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, fĂŒr die mein Vater diese PlĂ€tze bestimmt hat. Als die zehn anderen JĂŒnger das hörten, wurden sie sehr Ă€rgerlich ĂŒber die beiden BrĂŒder. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrĂŒcken und die MĂ€chtigen ihre Macht ĂŒber die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld fĂŒr viele.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, hier bin ich, um mit deinen Augen zu sehen, auf deinem Weg zu gehen und in deiner Wahrheit zu leben.

Bitte: Jesus, lehre mich, mich so zu sehen und anzunehmen, wie du es tust.

1. Der Realismus Jesu. Das Erste, was bei diesem Evangelium ins Auge sticht, ist, wie offen Jesus ĂŒber alles spricht, nichts verheimlicht oder schönredet. Er kĂŒndigt den JĂŒngern sein Leiden an. Er kĂŒndigt denen, die ihm nachfolgen wollen, ihr Leiden an: „Könnt ihr den Kelch trinken
?“ Er weiß um den Machtmissbrauch, den es in der Welt gibt. Er blickt der RealitĂ€t ins Auge. In der Fastenzeit, in der wir versuchen, manches Opfer zu bringen, an uns zu arbeiten, uns mit Jesus auf sein Leiden vorzubereiten, können wir die ein oder andere schlechte Neigung entdecken, AbhĂ€ngigkeiten, unseren Hang zu SĂŒnde
 Jesus weiß schon um unsere SchwĂ€che. Gehen wir also zu ihm, um uns unserer RealitĂ€t zu stellen, denn: „Die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8, 32).

2. Das VerstĂ€ndnis Jesu. Obwohl oder gerade weil Jesus die Schattenseiten im Menschen, in der Welt, in uns sieht, blickt er mit einem wohlwollenden, liebenden, barmherzigen Auge auf uns. Sein Realismus ist nicht hart, kalt und herzlos. Vielmehr zeigt er VerstĂ€ndnis fĂŒr die fĂŒrsorgliche Frage der Mutter. Seine Frage „Was willst du?“ ist Zeichen seiner Hilfsbereitschaft, nicht etwa ein abstoßender Vorwurf: „Was willst du denn schon wieder?!“ Wir dĂŒrfen mit unseren kleinen und großen Sorgen immer zu ihm kommen. Er lĂ€sst seinen JĂŒngern die Freiheit, sich fĂŒr das Kreuz in der Nachfolge zu entscheiden: „Könnt ihr den Kelch trinken? Wollt ihr bei mir in guten und schlechten Zeiten bleiben?“ Er zeigt VerstĂ€ndnis fĂŒr den Ärger der anderen JĂŒnger und geht darauf ein. Noch einmal: Wie wichtig ist es, im Gebet mit Vertrauen zu Jesus zu kommen, so wie wir sind, so wie wir uns gerade befinden, ihm alles zu sagen und dann seine Antwort abzuwarten.

3. Die Antwort Jesu. Jesus hat seine Reaktion, seine Antwort auf unsere Probleme, SchwĂ€chen, unsere gefallene Natur schon gegeben: Liebe, die sich erniedrigt, die dient, um zu erlösen. Er hat den Kelch des Leidens nicht an sich vorĂŒbergehen lassen, sondern getrunken und ihn uns als StĂ€rkung und Gnadengeschenk hinterlassen. Gott ist Mensch geworden, um uns zu vergöttlichen, d.h. zu reinigen, zu heiligen, uns an seinem Leben teilhaben zu lassen. Er lĂ€dt uns ein, diesen Weg mit ihm zu gehen: „Bei euch soll es nicht so sein
 Ihr sollt nicht einfach mit dem Strom mitschwimmen. Ihr sollt mit Hoffnung auf die Wirklichkeit schauen. Es ist ein Weg des Dienens, mit Leid verbunden. Doch dadurch könnt ihr zum Lösegeld, zum Segen, zur Hilfe fĂŒr viele Menschen werden.“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht Ă€ndern kann. Gib mir den Mut, die Dinge zu Ă€ndern, die ich Ă€ndern kann. Und gib mir die Klugheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. (Reinhold Niebuhr zugeschrieben)

Möglicher Vorsatz: Am Abend will ich einen TagesrĂŒckblick halten und mich darin ĂŒben, mich mit dem Blick Gottes zu sehen, und ihm fĂŒr seine Gegenwart in meinem Leben danken.


Der Reichtum der Armen

16. MĂ€rz 2017

Donnerstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Heribert von Köln, Erzbischof
Hl. Eusebia, Äbtissin

Br. Mathias Reimer LC

Lk 16,19-31
In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag fĂŒr Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der TĂŒr des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller GeschwĂŒre war. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen GeschwĂŒren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kĂŒhlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafĂŒr getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unĂŒberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fĂŒnf BrĂŒder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht ĂŒberzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du hast dich fĂŒr mich arm gemacht, um mich mit deinem Reichtum zu beschenken. Ich will arm sein vor dir und mich von dir beschenken lassen.

Bitte: Gib mir ein offenes und großzĂŒgiges Herz, das deinen Reichtum nicht fĂŒr sich behĂ€lt, sondern freigiebig teilt.

1. Der Himmel.  Diese Bibelstelle stellt uns ganz klar vor Augen, dass es einen Zusammenhang zwischen unserem jetzigen Lebensstil und dem jenseitigen Leben gibt. „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Lazarus musste viele Entbehrungen und Leiden erdulden und ging so durch die harte Schule der Armut vor Gott, der Selbsthingabe, des Sich-Gott-Anvertrauens. In den schweren UmstĂ€nden seines Alltags musste er immer wieder wiederholen: „Dein Wille geschehe!“ Nach den Worten eines christlichen Autors aus dem zwanzigsten Jahrhundert ist gerade das der Himmel; dort sagt der Mensch zu Gott: „Dein Wille geschehe!“ Wie schön und wichtig ist es zu betrachten, dass der Wille Gottes fĂŒr uns die NĂ€he zu ihm, die Ruhe in ihm, die Freude ĂŒber ihn ist. Engel haben Lazarus in den Schoß Abrahams getragen, dort wurde er fĂŒr seinen Glauben, seine Beharrlichkeit im Leiden, sein Lebenszeugnis belohnt.

2. Die Hölle. Der reiche Mann hatte schon zu Lebzeiten seinen Anteil an Gutem erhalten. Damit will uns Jesus nicht sagen, es sei schlecht, hier auf Erden schon Gutes zu besitzen. Nein! Die Frage lautet eher: Welches Gut suche ich und woran hĂ€ngt mein Herz? Verliere ich mich in den materiellen GenĂŒssen und ReichtĂŒmern? Oder gibt es einen weiteren Horizont in meinem Leben, den mir die Begegnung mit Jesus eröffnet? Ist mein Herz durch Egozentrismus und Egoismus gefesselt? Oder ist es frei, zu lieben und sich zu verschenken? Der Reiche kann es sogar nach seinem Tod nicht lassen, zuerst an seine BedĂŒrfnisse zu denken und andere herumzukommandieren. Ein „unĂŒberwindlicher Graben“ trennt die menschliche Freiheit, die gelernt hat, sich mit Gottes Willen zu identifizieren von jener, die immer nur den eigenen Willen zum Zentrum hatte und hat. Gott respektiert beide freiheitlichen Entscheidungen ganz und gar. Denn in der Hölle sagt Gott zum Menschen: „Dein Wille geschehe!“

3. Der Weg des Glaubens. Das letzte Gericht, so heißt es in der Enzyklika Spe Salvi von Papst em. Benedikt, ist ein Grund zur Hoffnung, da wir in Jesus einen barmherzigen Richter haben. So soll uns diese Bibelstelle keine Angst machen, sondern uns ermutigen, das Zeugnis Mose, der Propheten und die Auferstehung Jesu glĂ€ubig anzunehmen. Sie soll uns ermutigen, Tag fĂŒr Tag Gott zu sagen: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Es geht nicht so sehr darum, viel Gutes zu besitzen, sondern viel Gutes zu tun. Unsere Entscheidung und unser Weg zum Himmel beginnt heute. Denn, wenn du nicht so lebst, wie du glaubst, wirst du so glauben, wie du lebst. Nutzen wir die Gelegenheit der Fastenzeit, unser Leben wieder mehr vom Glauben leiten und durchdringen zu lassen.

GesprĂ€ch mit Christus: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe!

Möglicher Vorsatz: Heute will ich einmal das Vaterunser bewusst beten.


Die Kelter der Bekehrung

17. MĂ€rz 2017

Freitag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Gertrud von Nivelles OSB,
Hl. Patrick von Irland, Bischof und Glaubensbote

Br. Mathias Reimer LC

Mt 21,33-43.45-46
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den FrĂŒchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prĂŒgelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die FrĂŒchte abliefern, wenn es Zeit dafĂŒr ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten FrĂŒchte bringt. Als die Hohenpriester und die PharisĂ€er seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach. Sie hĂ€tten ihn gern verhaften lassen; aber sie fĂŒrchteten sich vor den Leuten, weil alle ihn fĂŒr einen Propheten hielten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, in deiner Gegenwart will ich erkennen, wie sehr du mich beschenkt hast und beschenkst. StĂ€rke meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe, die mich dich erkennen und verehren lassen.

Bitte: Jesus, gib mir ein Herz, das fĂŒr die stĂ€ndige Bekehrung zu dir offen ist und allein dich sucht.

1. Unser Weinberg. Auch uns hat Gott einen Weinberg anvertraut, den er mit allem Nötigen ausgestattet hat, Zaun, Kelter, Turm, um darin gut und sicher leben und FrĂŒchte bringen zu können. Wie schön, vielfĂ€ltig und reich ist Gottes Schöpfung! Wie besonders ist unsere Existenz als Menschen hier auf der Erde: Gott hat uns als sein Abbild geschaffen! Was fĂŒr ein Geschenk der Gnade ist unsere Berufung zur Beziehung mit ihm, in der Gemeinschaft seiner Kirche, durch die Sakramente
 Ganz zu schweigen von all den persönlichen Geschenken und Gaben, die Gott einem jeden einzelnen Menschen gewĂ€hrt: Familie, Talente, Temperament, Herkunft, Freunde
 Gott ist ein liebevoller und fĂŒrsorglicher Vater, der seinen Kindern gibt, was sie brauchen, sich nicht an GroßzĂŒgigkeit ĂŒbertreffen lĂ€sst und uns einlĂ€dt, reiche Frucht zu bringen.

2. Bekehrung. Wie schlau und doch wie bemitleidenswert sind doch die PharisĂ€er! Sie wissen die Antwort auf Jesu Fragen und lassen sich dennoch nicht auf ein echtes GesprĂ€ch, eine Beziehung, geschweige denn eine Freundschaft mit ihm ein. Noch weniger wollen sie ihn als ihren verheißenen Gott anerkennen und sich zu ihm bekehren. Wie oft gibt es auch in uns diesen PharisĂ€er! Wie oft wĂŒssten wir nur zu gut, was zu Ă€ndern wĂ€re, was man theoretisch alles in Ordnung bringen mĂŒsste. Doch sobald man persönlich angesprochen oder aufgefordert wird, „darum sage ich euch“, verschließt man sich, schiebt die Schuld auf andere. Anstatt sich selber zu bekehren, weiß man ganz genau, dass und inwiefern die anderen sich Ă€ndern mĂŒssen; selbst wenn der andere Gott ist. Bekehrung hingegen heißt, Gottes Geschenke anzuerkennen und anzunehmen und seiner Liebe in allem entsprechen zu wollen.

3. Das Los Gottes. â€žEr kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1, 11). Jesus, der in die Welt kam, um allen Gottes Liebe zu offenbaren, tritt die kalte Verschlossenheit und die schroffe Abweisung der SĂŒnde entgegen. Jesus ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben“ und der „zum Eckstein geworden“ ist. Er ist der Sohn, den der Winzer in seinen Weinberg sendet. Er nimmt dieses Los freiwillig auf sich. Niemand nimmt ihm sein Leben, sondern er gibt es aus Liebe zu uns hin. Durch seinen gewaltsamen Tod am Kreuz schenkt er uns sein Leben. So wollen wir ihn nicht aus unserem Weinberg vertreiben, ihn nicht verwerfen, sondern ihn hereinlassen und aufnehmen. Er ist der Sohn! So können wir auch die erwarteten „FrĂŒchte bringen“, indem wir ihm das mit Zins und Zinseszinsen zurĂŒckerstatten, was er selbst uns geschenkt hat.

GesprĂ€ch mit Christus: Alle meine Hoffnung ruht nur in deinem reichen Erbarmen (
). So gib denn, was du befiehlst, und befiel, was du willst. Oh Liebe, du immer brennende und immer erlöschende Liebe, die du mein Gott bist, entzĂŒnde mich! (Augustinus, „Bekenntnisse“, 10, 29)

Möglicher Vorsatz: Heute will ich das Opfer bringen, jemanden in meinen Gedanken zu entschuldigen und ihm eine Freude zu machen.


PubertÀre Söhne und ein liebevoller Vater

18. MĂ€rz 2017

Samstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Cyrill von Jerusalem, Bischof
Eduard von England

Br. Mathias Reimer LC

Lk 15,1-3.11-32
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Er gibt sich mit SĂŒndern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jĂŒngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jĂŒngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort fĂŒhrte er ein zĂŒgelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot ĂŒber das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem BĂŒrger des Landes und drĂ€ngte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum SchweinehĂŒten. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und kĂŒsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein Ă€lterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die NĂ€he des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du fĂŒr ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt mĂŒssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Vater, mit ewiger Liebe liebst du deinen eingeborenen Sohn Jesus. In ihm nimmst du auch mich als dein Kind an. Danke, dass ich jetzt in diese liebevolle Beziehung eintauchen darf.

Bitte: Vater, lass mich deine bedingungslose, grenzenlose und persönliche Liebe zu mir erkennen und annehmen.

1. Der jĂŒngere Sohn in mir. Wahrscheinlich fĂ€llt es uns recht leicht, uns mit dem jĂŒngeren Sohn zu identifizieren. Wie vertraut klingen uns die Leere, die Einsamkeit und die Traurigkeit, die der Sohn empfindet; nicht nur körperlich, sondern vor allem innerlich, weit entfernt vom Vater. Im Leben eines jeden Menschen gibt es kleine und eventuell auch grĂ¶ĂŸere SĂŒnden, weil wir meinen, etwas Großes, Schönes, Gutes zu verpassen, wenn wir ein Leben mit Gott fĂŒhren. Weil wir meinen, dass uns der Vater etwas vorenthĂ€lt, das wir fĂŒr unser GlĂŒck brauchen. Die gefallene Natur, der Kampf gegen die SĂŒnde und der Mangel an Vertrauen gegenĂŒber Gott begleiten uns auf unserem Weg zur Heiligkeit. Genauso vertraut ist uns aber hoffentlich auch die Freude der Umkehr, die innige und heilende Begegnung mit Gott in der Beichte, die Gewissheit, wieder im Vaterhaus angelangt zu sein, das Vertrauen darauf, dass Gott auch aus etwas Schlechtem Gutes hervorbringen kann. Deswegen ist es nicht so wichtig, wie oft wir fallen, sondern, dass wir immer wieder aufstehen und mit Vertrauen und Reue zum barmherzigen Vater zurĂŒckkehren. Jesus ist gekommen, „die SĂŒnder zu berufen, nicht die Gerechten“ (vgl. Lk 5, 32).

2. Der Ă€ltere Sohn in mir. Es ist bei weitem schwieriger, den Ă€lteren Sohn in uns zu entdecken: denn er macht allem Anschein nach seine Arbeit, macht sie gut, geht zur Messe, lebt so einige Tugenden, engagiert sich
 Doch er ist nicht wirklich frei, sondern lebt aus einem gewissen Zwang oder einer Gewohnheit heraus. „Das gehört sich halt so. Gott erwartet das von mir. Ich muss mehr beten. Ich muss mir diese Gnade erst verdienen
“ Auch der Ă€ltere Sohn ist innerlich weit weg vom Vater, ist unzufrieden, weil er die GĂŒte, die ZĂ€rtlichkeit, die Liebe des Vaters nicht wirklich erfahren hat. Deswegen richtet er auch seinen jĂŒngeren Bruder, anstatt sich fĂŒr ihn zu freuen. Er zĂ€hlt mehr auf seine Verdienste und Anstrengungen als auf die maßlose GroßzĂŒgigkeit des Vaters. Er hat noch nicht wirklich angenommen, dass Gott uns zu nichts zwingt und dass auch wir nichts von ihm erzwingen können. Denn Gott sehnt sich nach einer Beziehung der Liebe. Und Liebe kann man nicht erzwingen, sie ist frei. „Alles, was mein ist, ist dein.“ Wir sind die geliebten Kinder Gottes und in der Freiheit der Kinder Gottes sind wir berufen, Gott zu lieben und Zeugnis zu geben von seiner Liebe.

3. Einen Schritt auf Gott zugehen. Papst Franziskus legt uns immer wieder ans Herz, heute einen kleinen Schritt in Gottes Richtung zu gehen. Egal, wo wir gerade stehen, wie wir uns gerade befinden, machen wir einen Schritt auf Gott zu, und wir werden merken, dass er uns schon mit offenen Armen entgegenkommt. Wenn Gott ein so liebevoller Vater ist, nach seinen Söhnen Ausschau hĂ€lt, auf sie wartet, auf alle zugeht, ihnen das Beste gibt, wie können wir dann Angst, Misstrauen oder Zwang in unserem Herzen zulassen?! Beide Söhne im Gleichnis mĂŒssen ihre Lektion lernen: Der JĂŒngere hat die Erfahrung gemacht, dass es ihm allein beim Vater wirklich gut, am besten, geht, dass allein Gott ganz gut ist. Der Ă€ltere Sohn wird eingeladen, seinen Vater nicht als Arbeitgeber zu sehen, fĂŒr den er stĂ€ndig schuften und bei dem er sich etwas verdienen muss, sondern als den, der er wirklich ist: ein liebevoller Vater eben, bei dem er sein darf, ihn vertrauensvoll um alles bitten darf, der unser Herz wirklich erfĂŒllt und uns glĂŒcklich macht. Jesus lĂ€sst die Entscheidung des Ă€lteren Sohnes im Gleichnis offen. Wie antworten wir auf die Einladung des Vaters?

GesprĂ€ch mit Christus: Vater, bei dir bin ich zu Hause.

Vater, bei dir berge ich mich.

Vater, bei dir finde ich Ruhe.

Oh, mein Vater, ich liebe dich.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich in einem Gebet Gott Vater anlĂ€cheln und ihm sagen, wie gerne ich bei ihm bin
 oder zumindest um diese Gnade bitten.