Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 22. Januar 2017 bis 28. Januar 2017

Dritte Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Kleine AnfÀngeSonntag
Verdrehte WeltMontag
Familie mal andersDienstag
Kommen wir dem Missionsbefehl nach?Mittwoch
Über Messbecher und MaßstĂ€beDonnerstag
Eile mit WeileFreitag
Schwacher Mensch, starker GottSamstag


Kleine AnfÀnge

22. Januar 2017

Dritter Sonntag im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mt 4,12-23
Als Jesus hörte, dass man Johannes ins GefĂ€ngnis geworfen hatte, zog er sich nach GalilĂ€a zurĂŒck. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfĂŒllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische GalilĂ€a: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkĂŒnden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von GalilĂ€a entlangging, sah er zwei BrĂŒder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere BrĂŒder, Jakobus, den Sohn des ZebedĂ€us, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater ZebedĂ€us im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz GalilĂ€a umher, lehrte in den Synagogen, verkĂŒndete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich möchte diese Zeit des Gebets nutzen, um meine Beziehung zu dir zu vertiefen, damit ich auf deinen Ruf so antworten kann, wie du es dir wĂŒnschst.

Bitte: Jesus, hilf mir zu erkennen, was du heute ganz konkret von mir möchtest!

1. Wohnortwechsel.  Nach der Verhaftung des TĂ€ufers kehrt Jesus wieder in seine Heimat GalilĂ€a zurĂŒck; jedoch zieht er nicht wieder zu Hause in Nazaret ein, sondern verlegt seinen Wohnort nach Kafarnaum. Warum? Nazaret war ideal gewesen fĂŒr sein verborgenes Leben in den ersten 30 Jahren; nun wollte Jesus zu den Menschen gehen, fĂŒr die er gekommen war. Kafarnaum, direkt am See Genezareth und an einer großen Handelsstraße gelegen, mit einer Zollstation ausgestattet, war ideal, um „unters Volk zu gehen“. Das bedeutete fĂŒr Jesus, Abschied zu nehmen von seiner Mutter und der ihm vertrauten Umgebung. Menschlich gesehen ist ihm das sicher nicht leichtgefallen. Aber Gottes Wille stand fĂŒr ihn höher als seine persönlichen WĂŒnsche. Dieser Umzug ist der erste Schritt zur ErfĂŒllung seiner Sendung im Rahmen seines öffentlichen Wirkens. Aus kleinen AnfĂ€ngen entwickelt sich die grĂ¶ĂŸte Tat in der Geschichte der Menschheit


2. Glaube wirkt sich nicht nur im Geist aus. Durch diesen Umzug geht eine Prophezeiung in ErfĂŒllung, die wir bei Jesaja finden und die von den Juden auf den kommenden Messias hingedeutet wurde. MatthĂ€us zeigt Schritt fĂŒr Schritt auf, dass Jesus die ErfĂŒllung der alttestamentlichen MessiasankĂŒndigungen ist. Das geht bis hin zu ganz praktischen Details wie der Wahl seines Wohnorts! Gott wurde Mensch - und das bedeutete: er musste essen, trinken, schlafen, irgendwo wohnen und seinen Lebensunterhalt verdienen. Ganz gewöhnliche Alltagsdinge musste Jesus in seinem Menschendasein, das sich auf eine konkrete Zeit und auf konkrete Orte festlegen lĂ€sst, erledigen. Unser Glaube stĂŒtzt sich also weder auf einen Mythos (d.h. eine Idee, aus der man eine Geschichte gemacht hat), noch ist Jesus ein himmlisches Wesen ohne Bezug zur irdischen RealitĂ€t! Der „ganzheitliche Gehorsam“, dem er unterworfen war, gerade in Bezug auf das rein Menschliche, wird auch von uns erwartet. Wir sollen deswegen natĂŒrlich keine „Couchpotatoes“ werden – aber doch auch auf unsere Grenzen achten. Und die BegleitumstĂ€nde unseres Alltags (meine Arbeitsstelle, die Menschen, mit denen ich zusammen wohne etc.) genauso als Mittel zur Heiligung wertschĂ€tzen wie Exerzitien und geistliche LektĂŒre. Wir meinen nĂ€mlich oft, wenn es uns an letzteren mangele, hĂ€tten wir keine Chance, heilig zu werden. Aber nein: Wir sollen nicht in erster Linie VortrĂ€ge hören und BĂŒcher lesen, sondern lieben lernen – in jeder Situation!

3. Sofort und ganz. Jesus hatte nicht vor, alleine loszuziehen. Kaum an seinem neuen Wohnort angekommen, beruft er vier MĂ€nner, sein Leben zu teilen und seine JĂŒnger zu werden. Nur die Besten der Besten unter den ThoraschĂŒlern hatten damals im Judentum die Chance, von einem Rabbi den Satz zu hören: „Folge mir nach!“ und in seinen Kreis aufgenommen zu werden. Leute, die ihr Leben mit einfachen TĂ€tigkeiten wie Fischfang bestritten, kamen von vornherein dafĂŒr gar nicht in Frage. Warum wĂ€hlt also Jesus gerade diese MĂ€nner aus? Er scheint die Gebildeten und Intelligenten gar nicht zu wollen
 Wie stolz muss es die Vier gemacht haben, von Jesus eingeladen zu werden! Dass sie ihn vorher gar nicht kannten, ist unwahrscheinlich. Auf den Ruf eines völlig Fremden hin gibt niemand alles auf – das verlangt Gott auch heute von niemandem, den er zu einem gottgeweihten Leben beruft. Laut dem Johannesevangelium (Joh 1,35 ff) hatten Andreas und Johannes bereits als JĂŒnger des TĂ€ufers mit Jesus Bekanntschaft gemacht und auch ihren BrĂŒdern von ihm erzĂ€hlt. Vermutlich hatten sie ihn danach öfter getroffen und verbanden eine Zeitlang die JĂŒngerschaft mit ihrem bisherigen Familienleben. Doch nun kam der Moment, wo Jesus sie ganz fĂŒr sich haben wollte, um sie in seine Sendung mit einzubeziehen. Vielleicht traf sie der Ruf nicht ganz unvorbereitet – vielleicht hatten sie aber auch mit einem solchen Angebot gar nicht gerechnet. Wichtig ist nur eins: Sie ĂŒberlegten nicht lange, wogen nicht das FĂŒr und Wider ab, und fragten gar nicht erst nach, ob auch alle Verwandten damit einverstanden seien. Sie folgten Jesus – sofort und ganz! Wie reagiere ich, wenn Gott mich ruft – sei es zu einem kleinen Akt der NĂ€chstenliebe, oder zu dem großen Akt der Ganzhingabe? Ist er fĂŒr mich ein Fremder - oder ein Freund, dem ich vertraue? Davon wird meine Antwort ganz wesentlich abhĂ€ngen


GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hĂ€ttest unsere Erlösung ganz alleine bewerkstelligen können, sogar ohne deinen Platz im Himmel aufzugeben! Aber du wolltest uns nicht ohne unsere Beteiligung erlösen, so dĂŒrftig diese Beteiligung auch oft ausfallen wĂŒrde. Daher bist du auf diese Erde gekommen - unter Bedingungen, die man sich durchaus deiner Stellung angemessener hĂ€tte vorstellen können. Du hast dir Menschen ausgesucht, die dir helfen sollten, das Reich Gottes aufzubauen. Viele sind deinem Ruf gefolgt, andere hatten scheinbar Besseres zu tun. Du nimmst nur, was wir dir geben, und entreißt uns nicht das, was wir nicht geben möchten – selbst wenn es objektiv gesehen sehr hilfreich wĂ€re. Gib, dass immer mehr Menschen großzĂŒgig ihre Zeit, ihre Talente und sich selbst geben, um dein Reich aufzubauen!

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir in den nĂ€chsten Tagen Zeit nehmen, um mit Jesus darĂŒber zu sprechen, wie sein Auftrag fĂŒr mich ganz persönlich aussieht.


Verdrehte Welt

23. Januar 2017

Montag der dritten Woche im Jahreskreis
Hl. Heinrich Seuse OP
Hl. Hartmut OSB, Abt

Beate Scheilen

Mk 3,22-30
In jener Zeit sagten die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des AnfĂŒhrers der DĂ€monen treibt er die DĂ€monen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plĂŒndern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und LĂ€sterungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lĂ€stern mögen; wer aber den Heiligen Geist lĂ€stert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine SĂŒnde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nĂ€mlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich glaube, dass du der Heilige bist. Deine Heiligkeit ist eine Herausforderung fĂŒr mich, denn oft genug denke ich in den MaßstĂ€ben dieser Welt. Du hast den Kampf gegen das Böse bereits gewonnen. Gib mir die feste Hoffnung, mit dir gemeinsam den Sieg davonzutragen!

Bitte: Herr, hilf mir, auf deine StĂ€rke zu vertrauen!

1. Ablehnung des Heiligen. Wieder einmal suchen Schriftgelehrte die NĂ€he zu Jesus. Allerdings nicht, um sich zu bekehren – im Gegenteil! Ihre Aufgabe ist es, Jesus beim Volk, das ihm in Scharen zulĂ€uft, in Misskredit zu bringen. Dazu fahren sie das stĂ€rkste GeschĂŒtz auf: Sie unterstellen ihm, vom obersten Teufel persönlich geschickt zu sein. Dass er ausschließlich Gutes tut, weist ihn lediglich als besonders gerissen und hinterhĂ€ltig aus. Vor so jemandem muss man sich ganz besonders in Acht nehmen! 
 Die Art wie Gott in der Welt in Erscheinung tritt, nĂ€mlich meist unsichtbar und verborgen, lĂ€sst eine solche Verdrehung der Tatsachen („leider“) zu und es gibt sie tatsĂ€chlich. Von den Schriftgelehrten der damaligen Zeit bis hin zu Philosophen der Neuzeit – man denke nur an Nietzsche – zeigt sich immer wieder diese Ablehnung des Heiligen. Denken wir nicht, wir seien immun dagegen, nur weil wir weder Theologen noch Philosophen sind! Es gibt wohl keinen unter uns, der noch nie diese Ablehnung in sich gespĂŒrt hat. Der Mensch erwartet einfach, dass jemand, der AutoritĂ€t hat, auch „groß“ und machtvoll auftritt. Dass er StĂ€rke zeigt, seine Gegner besiegt, die Massen beeindruckt
 Wie viel mehr muss das fĂŒr Gott, den Herrn des Universums, gelten! Ein Gott, der Mensch wird? – Niemals! (sagt der Islam). Ein Messias, der am Kreuz endet? – Geht gar nicht! (sagen die Juden). Und wir? Macht uns diese anscheinende SchwĂ€che Gottes nicht manchmal auch zu schaffen? Als Christ immer demĂŒtig sein, immer nur an die anderen denken, geduldig, nachgiebig, opferbereit... Keine allzu lustige Angelegenheit. Eher anstrengend. Könnte Gott uns nicht auch mal ein bisschen Überlegenheit erlauben? Ein bisschen davon zeigen, dass wir die Besten sind? Warum mĂŒssen wir uns immer ausnutzen lassen? – Wem von uns noch nie solch ein Rest stolzer Gedanken im Kopf herumging, der ist vermutlich kein Mensch, sondern ein Engel


2. Jesus ist der StĂ€rkere. Trotzdem: Jesus gibt hier nicht klein bei. ZunĂ€chst erklĂ€rt er die These seiner Gegner fĂŒr unlogisch. Selbst wenn der Teufel zum Schein seine eigenen Truppen dezimieren wĂŒrde – was hĂ€tte er letzten Endes davon? Noch wichtiger aber ist: Jeder, der Jesus live erlebte, musste eigentlich erkennen, dass er Liebe und Freiheit ausstrahlte und nicht Bosheit und Vernichtungswillen – wenn er ehrlich war, und nicht schon eine vorgefasste Meinung hatte. Dass die DĂ€monen verschwinden mĂŒssen und die Macht Satans ins Wanken gerĂ€t, kann nur daran liegen, dass hier „der StĂ€rkere“ gekommen ist. Er kann den Satan fesseln und „sein Haus ausrauben“, d.h. die Menschen, die der Teufel seit dem SĂŒndenfall in der Gewalt hat, befreien und zu sich holen. Jesus ist nicht schwach! Man muss die Sache nur aus der richtigen Perspektive sehen


3. Gott vergibt alles, wenn er in Demut darum gebeten wird! Alles kann vergeben werden – dieses Jesuswort macht Hoffnung. Wer seine Fehler und SĂŒnden ehrlich bereut, dem wird von Gott immer Vergebung zuteil. Bis auf einen Punkt, mit dem Gott offenbar ein solches Problem hat, dass er diese SĂŒnde nicht vergeben will. Oder wie ist der Satz von der SĂŒnde wider den Heiligen Geist zu verstehen? Vielleicht so: Hier geht es um QualitĂ€t, nicht um QuantitĂ€t. FĂŒr Gott ist nicht irgendwann Schluss mit der Vergebung, weil es ihm zu viel wird. Nein, diese unvergebbare SĂŒnde ist von ganz anderer Art als Mord, Diebstahl, Ehebruch und was sonst in der Welt so alles vorkommt. Gibt uns dieses Evangelium nun Aufschluss ĂŒber die Art dieser SĂŒnde? Warum steht dieser Satz wohl genau hier? Weil die Haltung der Schriftgelehrten exakt wiedergibt, was mit der SĂŒnde wider den Heiligen Geist gemeint ist: Wenn ich den Einzigen, der mir vergeben könnte, als BetrĂŒger darstelle – woher will ich dann Vergebung erhalten? Ich glaube ja selbst nicht daran, dass diese Vergebung echt ist! Und genau darum kann Gott mir nicht vergeben – nicht, weil ER nicht will, sondern weil ICH nicht will! Gott nimmt meine Freiheit so ernst, dass er mich nicht zwingt, Jesus als Erlöser anzuerkennen
. Dann muss ich aber auch die Konsequenzen tragen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hast unter den Angriffen der Menschen viel zu leiden gehabt. Lass mich erkennen, wie viel es dich gekostet hat, mich aus der Herrschaft des Teufels zu befreien. Hilf mir, dass ich deine Freundschaft immer mehr wertschĂ€tze und sie mit anderen teile.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir heute ĂŒberlegen, welchen Punkt oder welche Zone es in meinem Leben gibt, in denen Jesus noch nicht herrscht, und ihm diesen Bereich in der nĂ€chsten Beichte ĂŒbergeben, damit er dort einzieht.


Familie mal anders

24. Januar 2017

Gedenktag
Hl. Franz von Sales

Beate Scheilen

Mk 3,31-35
In jener Zeit kamen die Mutter Jesu und seine BrĂŒder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen Jesus herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine BrĂŒder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine BrĂŒder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine BrĂŒder. Wer den Willen Gottes erfĂŒllt, der ist fĂŒr mich Bruder und Schwester und Mutter.

EinfĂŒhrendes Gebet: Heute, Jesus, will ich dir als Freund und Bruder begegnen. Danke, dass du mich in deine Familie berufen hast! Danke, dass deine Mutter nun auch meine Mutter sein darf. Hilf mir, meine Mitmenschen als meine BrĂŒder und Schwestern zu erkennen und zu behandeln.

Bitte: Herr, ich möchte wirklich mein Leben an dir, meinem Gott, ausrichten und deinen Willen erfĂŒllen. Bitte hilf mir dabei.

1. Familienbande anno 30. Jesus hat Nazareth seit einiger Zeit verlassen und zieht als Wanderprediger durchs Land. Viele Menschen fĂŒhlen sich von ihm angezogen – aber es gibt auch Gegner, und die finden sich leider in den Reihen derer, die als religiöse AutoritĂ€t anerkannt waren. Das konnte auf Dauer gefĂ€hrlich werden. Schon vor der Episode mit den Schriftgelehrten hatte Jesu Familie sich aufgemacht, um ihn „mit Gewalt zurĂŒckzuholen, denn sie sagten: Er ist von Sinnen.“ Nun sind sie noch einmal da – vielleicht auch aus Sorge um den eigenen guten Ruf? Als Familie eines religiösen SchwĂ€rmers dazustehen, ist nicht sonderlich angenehm; heute nicht, und damals erst recht nicht. Gut möglich, dass Jesu Angehörige ihn (und sich) retten wollten, indem sie ihn wieder nach Hause holten – in den sicheren Hafen von Tradition, Familienehre und RechtglĂ€ubigkeit.

2. Mangelndes Entgegenkommen. Leider misslingt das Unternehmen vollstĂ€ndig. Jesus denkt gar nicht daran, seiner draußen wartenden Verwandtschaft (warum sind sie wohl nicht direkt zu ihm gegangen?) „entgegenzukommen“, weder im wörtlichen noch im ĂŒbertragenen Sinne. Stattdessen bezeichnet er die um ihn sitzenden Menschen – seine JĂŒnger – als „meine Mutter und meine BrĂŒder“. Dieses Verhalten wĂ€re selbst heute ein Affront – wie viel mehr damals, gegenĂŒber einer orientalischen Großfamilie
 Warum tut er seiner Mutter das an? Hat er aus der Geschichte im Tempel, zwanzig Jahre vorher, nichts gelernt? Oder sollte man eher sagen, seine Familie hat nichts gelernt? Damals blieb Jesus (von seinen Eltern unerkannt) im Tempel zurĂŒck, um bei seinem himmlischen Vater zu bleiben. Jetzt baut er seine „himmlische Familie“ auf, ohne RĂŒcksicht auf Blutsverwandtschaft. Familie ist wichtig, Jesus leugnet das nicht. Aber er definiert Familie neu, ĂŒber die biologischen Beziehungen hinaus. Wichtiger als die gemeinsame DNA ist der gemeinsame Glaube! Die daraus entstehende Familie - die Kirche - entwickelt das natĂŒrliche Familienkonzept weiter in eine weltumspannende Dimension – und löst dabei die klassische Familie nicht auf! Jesus ist weder ein Kibbuznik der ersten Stunde, noch propagiert er eine christliche Form von Sozialismus, bei dem die biologische Familie ĂŒberflĂŒssig wird, weil kirchliche Institutionen die Erziehungsaufgaben ĂŒbernehmen. Aber fĂŒr ihn ist die Rangordnung klar: An erster Stelle steht das Reich Gottes – und eine Verwandtschaft, die da nicht mitmacht, bleibt vorerst draußen vor der TĂŒr.

3. Der Kreis um Jesus. Die JĂŒnger sitzen im Kreis um Jesus und hören ihm zu. Er ist ihr Mittelpunkt. Das Zentrum unseres Glaubens ist ER – nicht ein Buch, eine Lehre oder eine Aufgabe! Christus ist in diese Welt gekommen, um den Willen Gottes zu erfĂŒllen – und jeder, der ihm darin nachfolgen möchte, gehört zu seiner Familie – ist fĂŒr ihn Mutter, Bruder, Schwester
 nur nicht Vater, denn diese Stelle kann nur Gott Vater einnehmen. Dabei verstĂ¶ĂŸt Jesus in keiner Weise gegen das 4. Gebot, denn sein Angebot bezieht auch seine Angehörigen mit ein. SpĂ€ter werden sie mit zur ersten Gemeinde gehören. Und Maria wird vom Karfreitag an die Mutter aller sein, die an Christus glauben. Louis Evely schreibt dazu: „Ich stelle mir vor, dass die Umstehenden das Bewusstsein großer Freude hatten. Dass sie stolz waren und sich gegenseitig beglĂŒckwĂŒnscht haben: ‚Ich bin der Bruder, die Schwester, die Mutter des Messias!‘ Maria, die offenkundig im Stich gelassen wurde, hat dieses Wort aufgenommen und in ihrem Herzen wohl ĂŒberlegt. Aber auf Kalvaria war nur jene da, der dieses Wort weh getan hatte, war nur sie allein da. Und alle anderen waren verschwunden, die in diesem Wort ihren Ruhm gesucht hatten!“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hast deine Familie in Nazareth zurĂŒckgelassen, um gegen alle WiderstĂ€nde den Auftrag deines Vaters zu erfĂŒllen. Du schenkst mir dieses kurze Leben, um deinem Ruf zu folgen und bietest mir an, Teil deiner Familie zu werden. Hilf mir, das Reich Gottes ĂŒber alles andere zu stellen und das zu entfalten, was du in mich hineingelegt hast.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich auch demjenigen in NĂ€chstenliebe begegnen, der mir rein menschlich unsympathisch ist.


Kommen wir dem Missionsbefehl nach?

25. Januar 2017

Fest
Bekehrung des Apostels Paulus
Hl. Wolfram OPraem

Beate Scheilen und P. Thomas Fox LC

Mk 16,15-18
In jener Zeit erschien Jesus den Elf und sprach zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkĂŒndet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lĂ€sst, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie DĂ€monen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die HĂ€nde auflegen, werden gesund werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich möchte diese Zeit nahe bei dir verbringen, ich glaube, dass du hier bei mir bist. Lass mich erkennen, was du mir mit diesem Evangelium sagen möchtest. Herr, ich vertraue auf dich.

Bitte: Jesus, hilf mir, eine echte innere Beziehung mit dir aufzubauen!

1. Warum machen wir das nicht einfach? Vor einiger Zeit besuchte ich die Messe in einer Krankenhauskapelle. Dort wurde das obige Evangelium vorgetragen. Bei dem Satz: „
die Kranken, denen sie die HĂ€nde auflegen, werden gesund werden“ kam mir schlagartig der Gedanke: Warum machen wir das denn nicht einfach? Wir könnten doch jetzt das ganze Krankenhaus leeren, indem wir von Zimmer zu Zimmer gehen und die Kranken heilen! Oder nehmen wir nicht ernst, was Jesus gesagt hat? Anscheinend nicht, denn keiner machte Anstalten, den Text wörtlich zu nehmen. Ich habe mich ĂŒbrigens auch nicht getraut... Dem Katechismus entnehme ich, dass der Heilige Geist handelt in den Sakramenten, ferner in einem tugendhaften Leben sowie im Gebet. Mit anderen Worten: Das Wirken des Heiligen Geistes hat ziemlich geregelt abzulaufen. Gibt es die von Jesus beschriebenen PhĂ€nomene also nur noch bei Charismatikern und Evangelikalen? Einerseits kann ich ja schon verstehen, dass nicht jeder herumlaufen und Kranke heilen oder gar DĂ€monen austreiben soll. Ich schließe ja zu Hause meinen E-Herd auch nicht selber an, sondern hole den Starkstrom-Elektriker. Andererseits: Wie viel seelisches und leibliches Elend könnte gelindert werden, wenn dazu befĂ€higte Menschen diesen Heilungsdienst wahrnehmen wĂŒrden? 

2. Gottes Wort ist wirksam, aber nicht nach Art einer Keule. Meine Fragen könnten einen dazu veranlassen, zu meinen, es genĂŒge, das Wort Gottes wie eine „Keule“ in die Hand zu nehmen, den Verstand auszuschalten und loszulegen, um zum gewĂŒnschten Erfolg zu gelangen
 Doch kann man dem Wort Gottes gemĂ€ĂŸ handeln, ohne sich selbst vom Geist, der es erfĂŒllt, wirklich tief durchdringen zu lassen? Jesus Christus, selbst „das Wort“, hat viele Menschen geheilt und viele von DĂ€monen befreit. Er hat aber bei weitem nicht alle Kranken geheilt, die es damals in PalĂ€stina gab. Kam er deshalb seiner Sendung nicht nach? Antwort: Er hat uns alle geheilt – am Kreuz. Aber die Zuwendung dieser Gnade geschieht eben geschichtlich, durch Vermittlung und Stellvertretung, in organischem Wachstum und durch selbstlose Liebe, nicht per Knopfdruck und nicht maschinell, manchmal sichtbar, manchmal unsichtbar. Sicher hat der Herr seiner frĂŒhen Kirche diese Charismen (Sprachen, Heilungen, Erscheinungen, Teufelsaustreibungen) in besonderem Maße geschenkt, weil sonst die Verbreitung des Christentums unendlich viel mehr Zeit erfordert hĂ€tte. Auch treten diese PhĂ€nomene gehĂ€uft in einem gesellschaftlichen Kontext auf, in dem Menschen offener gegenĂŒber der Gnade sind, mit allem spontaner umgehen; wo sie zwischen religiösem und profanem Bereich keine klaren Trennungslinien ziehen


3. Heilung geschieht auch in geordneten Bahnen. Die Kirche bietet in vielen Teilen Europas praktisch noch immer flĂ€chendeckend die Sakramente an. Und sind nicht die Sakramente die Charismen „par excellence“? Fließt nicht gerade ĂŒber sie jede Gnade zu den Menschen? Treiben die Priester nicht DĂ€monen aus, wenn sie die Beichte abnehmen und dem Beichtenden dabei die Hand auflegen und ĂŒber ihn das Kreuzzeichen machen? Trinken wir nicht tĂ€glich das Gift aggressiver Medienlandschaften und sonstiger Strukturen des Bösen, ohne dass es uns schadet? Und denken wir nach: Die meisten Errungenschaften, die wahrhaft im Dienst des Menschen stehen (im Bereich der Medizin und Ă€rztlichen Versorgung, der Erziehung und Wohlfahrt) sind oft Frucht christlich-jĂŒdischen Ideenguts. Der Heilungsdienst, den die Kirche zu leisten gerufen ist, wird tatsĂ€chlich – aber grĂ¶ĂŸtenteils unerkannt – in unserer Gesellschaft geleistet. Christus ist ĂŒberall unterwegs, wo Menschen anderen Menschen zur Seite stehen, auch wenn es nicht mehr ausdrĂŒcklich unter der AutoritĂ€t oder im Namen der Kirche geschieht. Es sind mit christlichem Gedankengut durchwirkte Strukturen – wenn auch oft wie nach Art des Feldes, auf dem Weizen und Unkraut nebeneinanderstehen. Als Christen können wir im Alltag miterlösen - nicht nur, wenn glamouröse Gesten geschehen 
 Wo Liebe praktiziert wird, passieren jeden Tag Wunder!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich danke dir fĂŒr diese Gedanken! Du hast mir gezeigt, dass Heilung auf vielerlei Weise geschehen kann – und dass sie nur dann echt und wirksam ist, wenn wird dir dabei die Ehre geben! Bewahre uns alle vor der Versuchung, dein Wort und deine Gaben ohne innere Beziehung zu dir und deinem Geist zu gebrauchen, und hilf uns, den Wert der „kleinen Wunder im Alltag“ zu schĂ€tzen.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich mir bewusstmachen, dass ich durch meine kleinen Opfer und Gebete tatsĂ€chlich am Erlösungswerk Christi mitarbeiten kann, und ich möchte auch eine Gelegenheit nutzen, diese Erkenntnis anzuwenden.


Über Messbecher und MaßstĂ€be

26. Januar 2017

Gedenktag
Hl. Timotheus und Titus, Bischöfe

Beate Scheilen

Mk 4,21-25
In jener Zeit sprach Jesus: ZĂŒndet man etwa ein Licht an und stĂŒlpt ein GefĂ€ĂŸ darĂŒber oder stellt es unter das Bett? Stellt man es nicht auf den Leuchter? Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommt. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du hast Licht in mein Leben gebracht. Ich darf ein Kind deiner Kirche sein. Durch die Eucharistie, die Beichte und auf viele andere Weise erhellst du immer wieder meine Dunkelheit. Ich danke dir fĂŒr so viel Geduld und Liebe! Bitte lass meinen Maßstab dir gegenĂŒber immer großzĂŒgiger werden.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir zu sehen, wo ich Licht fĂŒr andere sein kann und soll. Gib mir den Willen und den Mut, sie zu dir zu fĂŒhren.

1. Das Licht kommt in die Welt. â€žKommt etwa die Lampe“, heißt es in einer anderen BibelĂŒbersetzung, „damit sie unter das MaßgefĂ€ĂŸ gestellt werde
?“. Normalerweise kommen Lampen nicht von selbst in dunkle RĂ€ume. Hier wird klar, dass Jesus mit dem Licht sich selbst meinen könnte. Er kommt in unsere dunkle Welt – und er kommt nicht zu dem Zweck, „sein Licht unter den Scheffel zu stellen“! Im Gegenteil, es soll auf einem Leuchter stehen, damit alle es sehen! Wurde das Geheimnis des Reiches Gottes im direkt vorhergehenden Text noch vor denen verborgen, die es nicht erkennen wollten, so kĂŒndigt Jesus nun an, dass eines Tages auch dieses Verborgene fĂŒr alle klar sichtbar werden wird. Wie ist das gemeint?

2. Die Kirche ist der Leuchter. Zur Zeit Jesu kursierten im Römischen Reich viele esoterische Geheimlehren. Die Mitglieder dieser exklusiven Zirkel waren unter Strafe dazu verpflichtet, ihre Kenntnis der Lehren und Riten, die dort praktiziert wurden, keinem Außenstehenden mitzuteilen. Hier macht Jesus unter anderem klar, dass er nicht einfach einen weiteren esoterischen Zirkel zu grĂŒnden gedenkt, bei dem es dauerhaft Mitglieder „drinnen“ und Nichtmitglieder „draußen“ gibt. Die Frohbotschaft ist fĂŒr alle bestimmt. Alles soll offenbar werden – d.h. jeder soll Kenntnis vom Geheimnis Gottes erlangen können. Der Weg dorthin sollte aber ĂŒber die Verbreitung dieses ersten Lichts fĂŒhren, das Jesus war. Es sollte zunĂ€chst ĂŒbergreifen auf die Apostel. Ihnen wurde die Botschaft vom Reich Gottes zur Verbreitung anvertraut. Das Ergebnis ist: die Kirche. Sie ist der „Leuchter“ fĂŒr das Licht. „Auf Zion hoch gegrĂŒndet steht Gottes heilige Stadt, dass sie der Welt verkĂŒndet, was Gott gesprochen hat“, heißt es in einem bekannten Kirchenlied.

3. Das Maß bestimme ich. Als Glieder der Kirche haben wir Teil an Gottes großem Geschenk fĂŒr die Welt. Aber eine Gabe ist ja bekanntlich auch eine Aufgabe! Gott möchte, dass das Evangelium in unserem Leben Frucht bringt, und er möchte auch, dass wir Zeugen fĂŒr das Licht werden, das unser eigenes Leben hell gemacht hat! Jetzt kommt es also auf meine Initiative an. Mache ich den Glauben zur PrioritĂ€t in meinem Leben und teile ihn großzĂŒgig mit anderen, dann wird Gott mir auch seinerseits viel geben – nicht nur jetzt, sondern auch im nĂ€chsten Leben!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, unser Leben ist nicht einfach nur fĂŒr uns da. Wir sollen ein Geschenk sein fĂŒr andere, ein Geschenk, das sie zu Gott fĂŒhrt. Wir helfen anderen zum Licht zu gelangen, indem wir selbst darauf zugehen und anderen die Wahrheit zeigen. Herr, hilf mir, auf die Kraft deines Lichtes zu vertrauen und gib, dass ich mutig genug bin, dein Licht anderen weiterzugeben.

Möglicher Vorsatz: Ich will ĂŒberlegen, wo ich im Glauben noch wachsen kann. In den nĂ€chsten Tagen möchte ich mich dieser Frage durch die Betrachtung meines Lebens, das Nachlesen im Katechismus oder ein GesprĂ€ch mit einem Priester stellen und fĂŒr die Konsequenzen offen sein.


Eile mit Weile

27. Januar 2017

Freitag der dritten Woche im Jahreskreis
Hl. Angela Merici OSU
Hl. Julian von Le Mans, Bischof

Beate Scheilen

Mt 4,26-34
In jener Zeit sprach Jesus: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sĂ€t; dann schlĂ€ft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wĂ€chst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da. Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sĂ€t. Ist es aber gesĂ€t, dann geht es auf und wird grĂ¶ĂŸer als alle anderen GewĂ€chse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. Durch viele solche Gleichnisse verkĂŒndete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen JĂŒngern aber erklĂ€rte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich komme zu dir mit einem Senfkorn an Glauben und vertraue darauf, dass du durch diese Zeit, die ich mit dir verbringe, nach und nach einen Baum daraus machen möchtest, unter dem viele andere Menschen Platz haben. Bitte lass meinen Glauben wachsen und Frucht bringen.

Bitte: Herr, hilf mir zu erkennen, wann ich im Apostolat tĂ€tig werden und wann ich den Samen einfach reifen lassen soll.

1. Wachstum braucht Zeit.  Gott sĂ€t den Samen der Gnade großzĂŒgig aus. Er erwartet aber nicht sofort Ergebnisse. Auch die Natur hat er so angelegt, dass es seine Zeit braucht, bis der Same keimt und eine Pflanze entsteht, die FrĂŒchte trĂ€gt. Unsichtbar fĂŒr uns arbeitet es in der Erde, und eines Tages ist ein Keimling da. Er wĂ€chst jeden Tag ein wenig mehr, und irgendwann steht an dieser Stelle ein Baum. Damit der Baum wĂ€chst, braucht niemand daneben zu stehen und an dem Keimling zu ziehen, oder ihn permanent zu beobachten. Auch dass man von einem Tag auf den anderen mit bloßem Auge keinen GrĂ¶ĂŸenunterschied sehen kann, heißt nicht, dass dieser Tag nutzlos gewesen ist. Jeder Tag ist wichtig!

2. Schritt fĂŒr Schritt zur Heiligkeit.  Eine Seele, die von Gott berĂŒhrt wurde, verĂ€ndert sich normalerweise nach und nach. Ausnahmen wie der heilige Paulus („vom Saulus zum Paulus“) bestĂ€tigen die Regel. Ich werde in der Regel nicht von einem Gebet, einer Kommunion, einer Predigt und einer Beichte heilig, sondern von der bestĂ€ndigen Wiederholung jeden Tag, jede Woche, jeden Monat... Deswegen ist die einzelne Handlung aber nicht ĂŒberflĂŒssig! Eine einzelne Treppenstufe ist nicht viel - aber ohne die Stufen komme ich nicht oben an, denn wer kann schon vom Erdgeschoss in die erste Etage springen? Das bedeutet auch: Ich muss nicht „mit der Brechstange“ Leute bekehren, um meine Existenz als Apostel zu rechtfertigen. Angesichts der Resonanz, die Jesus damals auf seine LehrtĂ€tigkeit bekam, wĂ€re es auch seltsam zu erwarten, dass seine Nachfolger von Erfolg zu Erfolg eilen
 Es genĂŒgt, AnstĂ¶ĂŸe zu geben, ein Samenkorn in ein Herz zu legen, und abzuwarten. Voreilig ernten zu wollen, ist eher kontraproduktiv. Durch die Zeitspanne zwischen „Aussaat“ und „Ernte“ kann ich lernen, dass es nicht mein Verdienst ist, wenn Menschen zum Glauben finden. Wir pflĂŒgen den Acker und sĂ€en einen Samen aus. Dass der Same wĂ€chst, liegt in Gottes Hand. Allerdings kann ich durch mein Gebet die Bedingungen fĂŒr das Gedeihen der Pflanze wesentlich verbessern!

3. Ăœberproportionale Kraft. Das Reich Gottes auf Erden hat als armseliges Senfkorn mit einer Handvoll Leute begonnen und ist zu einem großen Baum herangewachsen, in dem mehrere Milliarden Menschen ihre geistige Heimat gefunden haben. Wer das vor 2000 Jahren vorausgesagt hĂ€tte, wĂ€re fĂŒr einen Phantasten gehalten worden (manche hielten Paulus dafĂŒr)! Aber Gott hat die Kraft, aus einem Samenkorn einen Baum zu machen, aus SĂŒndern Heilige, und aus zwölf Aposteln eine weltweite Kirche. Er hat in jede Zelle eine arteigene DNA gelegt (sein „Wort“), die bewirkt, dass ein Same sich zu einer Pflanze entwickelt, im Ei ein KĂŒken entsteht und aus Ei- und Samenzelle ein Mensch wird. Diese Dinge geschehen, ohne dass wir etwas dazu tun mĂŒssen. Vielleicht sollten wir bei allem apostolischen Eifer auch einmal innehalten und bedenken, dass nicht wir die Kirche retten, sondern die Kirche uns. Schauen wir uns nochmal den Bauern im Gleichnis an: er war durchaus nicht untĂ€tig, hat gepflĂŒgt und gesĂ€t - aber was das Wachsen seiner Saat betraf, hatte er „die Ruhe weg“. Ein Vorbild fĂŒr uns?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich danke dir fĂŒr das Wirken deiner Gnade in der Welt, ĂŒber die Jahrhunderte hindurch. Irgendwann wird die Welt fĂŒr die Ernte reif sein. Bitte lass bis dahin den Samen deines Wortes in vielen Herzen keimen und Frucht bringen.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich mir Zeit nehmen, um meine AktivitĂ€ten fĂŒr die Verbreitung des Glaubens zu ĂŒberdenken.


Schwacher Mensch, starker Gott

28. Januar 2017

Gedenktag
Hl. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer

Beate Scheilen

Mk 4,35-41
An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen JĂŒngern: Wir wollen ans andere Ufer hinĂŒberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu fĂŒllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kĂŒmmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das fĂŒr ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist Gott, aber auch ein echter Mensch und hattest zu deiner Erdenzeit auch Schlaf nötig. Wenn du schon nicht pausenlos arbeiten konntest, so kann ich es sicher auch nicht. Hilf mir, meine Grenzen, die ich als Mensch habe, zu erkennen und zu berĂŒcksichtigen.

Bitte: Herr, hilf mir, in allen StĂŒrmen dieses Lebens darauf zu vertrauen, dass du immer mit im Boot bist.

1. Jesus ist Mensch. Hier beginnt eine Serie von Erlebnisberichten, die Jesus als den Herrn zeigen: Er ist der Herr ĂŒber die MĂ€chte der Natur, ĂŒber DĂ€monen, ĂŒber Krankheiten und selbst ĂŒber den Tod! Aber zunĂ€chst einmal erleben wir ihn als Menschen. Was geschieht? Die JĂŒnger fahren mit Jesus im Boot ĂŒber den See, und wĂ€hrend der Überfahrt schlĂ€ft er ein. Sein Schlaf ist so tief, dass er noch nicht einmal bemerkt, dass sich ein Sturm aufgeworfen hat und das Boot kurz davor ist, unterzugehen. Jesus schlĂ€ft sicher nicht, um seinen JĂŒngern eine pĂ€dagogische Lektion in Gottvertrauen zu geben. Er schlĂ€ft, weil er sich in seiner LehrtĂ€tigkeit restlos fĂŒr seine Mitmenschen verausgabt hat und nun völlig erschöpft ist. Gott ist als Mensch auf der Erde erschienen, „in allem uns gleich, außer der SĂŒnde“, wie es in einem Hochgebet heißt. Dazu gehört auch, dass er essen und schlafen muss. Von beidem bekam er wĂ€hrend seiner drei Wanderjahre wenig genug. Die Menschen, die ihn umdrĂ€ngten, und denen zu helfen er gekommen war, ließen ihm nicht viel Zeit, fĂŒr das eigene Wohl zu sorgen.

2. Jesus ist besonders. Die JĂŒnger haben dafĂŒr offenbar wenig VerstĂ€ndnis. Sie wecken ihn und behaupten ernsthaft, es sei ihm wohl egal, dass sie jetzt sterben mĂŒssten: „Meister, kĂŒmmert es dich nicht
?“ Dass sie ihn gerade jetzt „Meister“ nennen, verstĂ€rkt den Vorwurf noch. „Du bist doch fĂŒr uns verantwortlich! Wir haben fĂŒr dich alles verlassen, jetzt kĂŒmmere dich um uns! Sollen wir hier etwa deinetwegen untergehen?!“ - Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Sobald wir in irgendeine unangenehme Lage geraten, in der Gott uns nicht so hilft, wie wir das gerade erwarten, drĂ€ngt sich uns schnell ein Ă€hnlicher Vorwurf auf die Lippen: „Gott, wo bleibst du denn? Bin ich dir egal? Ich habe doch so viel fĂŒr dich aufgegeben und arbeite so eifrig fĂŒr dich! Willst du mir denn jetzt nicht helfen?“ O ja, der Mensch an sich bleibt doch immer gleich
Ich stelle mir vor, dass Jesus, nachdem er wach wurde, erst einmal „abwarten und bis zehn zĂ€hlen“ musste, um die Dreistigkeit seiner JĂŒnger zu verarbeiten. Meinen sie tatsĂ€chlich, er habe sie handverlesen ausgesucht und ausgebildet, um sie dann beim erstbesten Sturm untergehen zu lassen? Was soll Jesus ihrer Meinung nach denn jetzt tun? - Meinen wir wirklich, Gott habe uns das Leben geschenkt, uns in seine Familie eingeladen und uns beauftragt, seine Botschaft weiterzugeben – um uns dann bei der erstbesten Gelegenheit im Stich zu lassen?

3. Jesus ist Gott. Jesus fragt aber erst gar nicht, was die verĂ€ngstigten JĂŒnger jetzt wohl von ihm erwarten. Ihre VorschlĂ€ge hat er nicht nötig, zudem bleiben sie weit hinter seinen Möglichkeiten zurĂŒck. Jesus steht einfach auf und sagt zu dem See: „Gib Ruhe!“ Wer schon mal am Meer war, der weiß, wie lange eine bewegte Wassermasse braucht, um sich zu beruhigen. Aber nach dem Machtwort Jesu ist der See von einem Moment auf den anderen „völlig still“. Die JĂŒnger sind schockiert. Vermutlich wissen sie gerade nicht, vor wem sie sich mehr fĂŒrchten sollen: Vor dem Sturm, oder vor Jesus, der mit dem Sturm spricht, als habe er ein unartiges Kind vor sich, das er ganz offensichtlich aus eigener Vollmacht zur RĂ€son bringt. „Wer ist das
?“, fragen sie sich. Die Antwort liegt auf der Hand: Jesus ist Gott. Deswegen gehorcht ihm die Natur. Seltsam, dass er seine Macht vorher nicht dazu verwendet hat, seine MĂŒdigkeit zu beseitigen, nicht wahr? Jesus nutzt weder hier noch sonst jemals seine göttliche Macht aus, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Er zaubert sich in der WĂŒste kein Brot herbei, als er Hunger hat – macht aber aus fĂŒnf Broten ein Essen fĂŒr Tausende Menschen. Er ĂŒberlĂ€sst sich dem Schlaf – aber er ĂŒberlĂ€sst seine JĂŒnger nicht ihrer Angst, unterzugehen. - Nach welchen Kriterien handele ich?„In unsrer Schwachheit erschien er als Mensch, in seinen Wundern als Gott; mĂ€chtig, wenn er die DĂ€monen beherrscht; gĂŒtig und barmherzig, wenn er die SĂŒnder aufnimmt; menschlich war sein Hungern, göttlich die Vermehrung der Brote; menschlich sein Schlaf im Fischerboot, göttlich sein Befehl an das Meer.“ (aus einer Predigt von Aelred von Rievaulx, gest. 1167)

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hast deine Macht nie ausgenutzt, um dir selbst ein schönes Leben zu machen – hast aber alles fĂŒr die Menschen getan, wenn sie etwas nötig hatten. Ehrlich gesagt, mache ich es manchmal genau umgekehrt
 ich nutze die mir gegebenen Mittel erst einmal, um mir selbst zu helfen. Hilf mir, Herr, deinem Vorbild nachzueifern, auch wenn es vielleicht erst einmal in kleinen Dingen geschieht!

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute darĂŒber nachdenken, wie ich mit meinen Mitteln (Zeit, Geld, Talente
) einem anderen Menschen helfen kann, und dafĂŒr selbst auf etwas verzichten.