Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 6. November 2016 bis Samstag 12. November 2016

Zweiunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. Joachim Richter LC

Wie die Metamorphose gelingtSonntag
PraxisbewÀhrter GlaubeMontag
Demut und „Dienmut“Dienstag
Heilige OrteMittwoch
Steht die Endzeit bevor?Donnerstag
Ich glaub, ich bin im falschen Film!Freitag
Wahnsinnig hartnÀckigSamstag


Wie die Metamorphose gelingt

6. November 2016

Zweiunddreißigster Sonntag im Jahreskreis

P. Joachim Richter LC

Lk 20,27-38
In jener Zeit kamen einige von den SadduzĂ€ern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlĂ€sst, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben BrĂŒder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott fĂŒr wĂŒrdig hĂ€lt, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn fĂŒr ihn sind alle lebendig.

EinfĂŒhrendes Gebet: Was ist dieses Leben, Herr? Ist es nicht wie bei dicken hĂ€sslichen Raupen, aus denen zarte, wunderschöne Schmetterlinge schlĂŒpfen? Ist unser Leben hier auf der Erde nicht vor allem eine Vorstufe auf etwas, das unsere Vorstellungen um ein Vielfaches ĂŒbersteigt?

Bitte: Ă–ffne mir die Augen, Herr, fĂŒr das Wunderbare, das du denen verheißen hast, die dich lieben.

1. 1 + 1 = 1000? Es gibt durchaus große Dinge in unserem Leben. Freundschaft, Ehe und Familie zĂ€hlen ganz besonders dazu. Der hl. Johannes Paul II. hat die Familie als „Ikone der göttlichen Dreifaltigkeit“ bezeichnet. Aber so groß Ehe und Familie hier auf der Erde auch sein mögen, im Vergleich zum Leben im Himmel sind sie nur ein schwaches Abbild dessen, was uns erwartet. Unvorstellbar grĂ¶ĂŸer, schöner und besser wird das Leben nach der Auferstehung sein!

2. â€žForever young“ –  Dieser Ruf drĂŒckt unsere Sehnsucht nach einem erfĂŒllten, frohen, lustvollen Leben aus, das nie mehr aufhört. „Sie können nicht mehr sterben“, mit diesen Worten bekrĂ€ftigt Jesus, dass unser Durst nach Leben gestillt werden wird.

3. Wider den Materialismus. â€žNach dem Tod werden wir zu Gras, das von den KĂŒhen gefressen wird“, sagte mir ein Mann aus der frĂŒheren, atheistisch geprĂ€gten DDR kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Jesus gibt uns eine total andere Sichtweise, die uns erhebt, ĂŒbersteigt und damit unserem Leben eine viel tiefere Bedeutung verleiht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wie klein sind unsere menschlichen MaßstĂ€be im Vergleich zu deinen PlĂ€nen mit uns! Öffne meine Augen, Herr, damit ich sehe, welch unvergleichlich herrlichere Zukunft du im Himmel fĂŒr uns vorbereitest. Hilf mir, selbst in dieser so sehr vom rein horizontalen Denken geprĂ€gten Welt an deinen Worten festzuhalten. Mehre meinen Glauben und stĂ€rke meine Hoffnung.

Möglicher Vorsatz: Ich will ein Glaubensbekenntnis fĂŒr meine Familie und Freunde beten, als Bitte um eine vom Glauben her erleuchtete Sicht auf unsere menschliche Existenz.


PraxisbewÀhrter Glaube

7. November 2016

Montag der Zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Willibrord OSB, Bischof
Hl. Engelbert, Erzbischof

P. Joachim Richter LC

Lk 17,1-6
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Es ist unvermeidlich, dass VerfĂŒhrungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. Es wĂ€re besser fĂŒr ihn, man wĂŒrde ihn mit einem MĂŒhlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verfĂŒhrt. Seht euch vor! Wenn dein Bruder sĂŒndigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich Ă€ndert, vergib ihm. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versĂŒndigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich Ă€ndern!, so sollst du ihm vergeben. Die Apostel baten den Herrn: StĂ€rke unseren Glauben! Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wĂ€re wie ein Senfkorn, wĂŒrdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er wĂŒrde euch gehorchen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, bewahre mich vor einem theoretischen Glauben. Der wĂŒrde dir und mir nichts bringen. Ich will den Glauben authentisch leben und mein Leben konsequent an deinen Worten ausrichten. So will ich dir zeigen, dass ich dich liebe.

Bitte: Herr Jesus Christus, niemals soll ein anderer Mensch durch mein schlechtes Verhalten zur SĂŒnde verleitet werden oder sonst irgend einen Nachteil erleiden mĂŒssen.

1. Den geraden Weg gehen. Wir leben in einer Welt voller VerfĂŒhrungen: Werbeplakate, Internet und Fernsehen ĂŒberfluten unsere Sinne mit reizvollen, aber oft unmoralischen Impulsen. Inmitten dieser evangeliumsfeindlichen Welt will ich mit dir, Jesus, den geraden Weg gehen, den tugendhaften Weg. StĂ€rke mich dazu, Jesus.

2. Barmherzig gegenĂŒber den Verirrten. Jesus, oft denke ich mir, ich sehe Menschen, die vom rechten Weg abgekommen sind. Gib mir eine Liebe, die so groß ist, dass sie mich mutig sein lĂ€sst, um dem „Verirrten“ mehr zuzutrauen als das Schlechte, das ich vielleicht sehe, um ihm nachzugehen und ihn anzusprechen. Und hilf mir, alle mit positivem Blick zu sehen und nie aufzuhören, anderen ihr Fehlverhalten zu vergeben.

3. Glaube im normalen Leben. Manchmal habe ich beim Beten den Eindruck, mein Glaube ist lebendig und stark. Doch danach, im Alltag, muss ich feststellen, dass mein Glaube oft fast keinen Einfluss auf mein Verhalten hat! Das soll nicht so sein! Herr, hilf meinem Unglauben, bewahre mich davor, im Alltag so zu leben, als ob du gar nicht existieren wĂŒrdest.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du der Sohn Gottes, bist zu uns in die Welt gekommen. Du wolltest keinen lebensfernen religiösen Kult grĂŒnden, keine frommen Verehrer um dich sammeln, die nur Hosianna singen, sonst aber nichts tun. Durch dein Leben und deine Lehre wolltest du uns zeigen, wie wir in allen Bereichen unseres Lebens aus der Beziehung zum Vater heraus leben sollen. Du, Jesus, willst uns Vorbild und Maßstab fĂŒr unser tĂ€gliches Leben sein. Deshalb schauen wir auf dich. StĂ€rke unseren Glauben!

Möglicher Vorsatz: Ich schreibe mir ein paar Stichpunkte auf, wo ich den Glauben mehr mit meinem Alltag in Verbindung bringen sollte.


Demut und „Dienmut“

07. November. 2016

Dienstag der Zweiunddreißigste Woche im Jahreskreis
Hl. Gregor OSB, Abt
Hl. Gottfried OSB, Bischof

P. Joachim Richter LC

Lk 17,7-10
In jener Zeit sprach Jesus: Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflĂŒgt oder das Vieh hĂŒtet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gĂŒrte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnĂŒtze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du hast gesagt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45).

Bitte: Jesus, auf der Suche nach guten und vollkommenen Menschen, finde ich kein ĂŒberzeugenderes Vorbild als dich. StĂ€rke meine Bereitschaft, in allen meinen Lebensbereichen mit einer dienenden Grundeinstellung zu leben.

1. Meine Rolle – Seine Rolle. Jesus verwendet das RollenverstĂ€ndnis von Sklaven und Herrschern, das in der Antike normale LebensrealitĂ€t war. Was will er mir damit sagen? Wer bin ich? Was ist meine Rolle? Ich bin ein Mensch, ein Geschöpf Gottes. Dass ich existiere und dass ich in dieser Welt wirken kann, verdanke ich ihm. Außerdem bin ich erlösungsbedĂŒrftig. Er hat mich erlöst. Ihm verdanke ich den Zugang zum Himmel.

2. Ich brauche Demut. Um meine Rolle als erlösungsbedĂŒrftiges Geschöpf voll und ganz annehmen zu können, brauche ich immer wieder Demut. Diese Demut ist aktiv: Sie bringt mich dazu, mit einer Grundeinstellung der Dienstbereitschaft zu leben.

3. Wie das Dienen leicht fĂ€llt. In der Praxis geht es mir oft gegen den Strich, wenn ich anderen / der Kirche / Gott dienen soll. Aber sobald ich auf Jesus schaue und sehe, dass er ja selber den anderen gedient hat, beginnt sich meine Einstellung zu Ă€ndern. Jesus war sich sogar nicht zu schade, niedrige Dienste zu ĂŒbernehmen, wie z.B. die FĂŒĂŸe seiner JĂŒnger zu waschen. Wenn ich sein Vorbild vor Augen habe, dann wird das, was ihm wichtig war, auch fĂŒr mich wichtig und maßgeblich.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du hast keine volltönenden hohlen Reden ĂŒber die Tugend der Demut und des Dienens gehalten. Vielmehr hast du uns durch dein Verhalten gezeigt, dass du zum Diener aller geworden bist. Herr, hilf mir, dir mit Vertrauen zu folgen. Das Motto der neuen Heiligen, Mutter Teresa, kann mir helfen, mir die Jesus gemĂ€ĂŸe Lebenseinstellung zu eigen zu machen: Die Frucht der Stille ist das Gebet. Die Frucht des Gebets ist der Glaube. Die Frucht des Glaubens ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist das Dienen. Die Frucht des Dienens ist der Friede.

Möglicher Vorsatz:  Ich will auf Gelegenheiten lauern, wo ich jemandem aus meiner Familie oder meinem Bekanntenkreis einen Dienst erweisen kann. Und tĂ€glich will ich meine Bereitschaft zum Dienen nach dem Vorbild Jesu erneuern.


Heilige Orte

9. November 2016

Fest
Weihetag der Lateranbasilika
Hl. Theodor, MĂ€rtyrer
Hl. Roland OSB

P. Joachim Richter LC

Joh 2,13-22
Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die VerkĂ€ufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schĂŒttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den TaubenhĂ€ndlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine JĂŒnger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer fĂŒr dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lĂ€sst du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine JĂŒnger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, wir leben in einer Zeit, in der sich viele vom Virus der GleichgĂŒltigkeit anstecken ließen. Doch ich will kein Sofahocker oder „Couch-Potato“ sein, sondern im Bewusstsein deiner Gegenwart mein Leben in die Hand nehmen.

Bitte: EntzĂŒnde mich, Herr, mit neuem Eifer fĂŒr Dein Haus, die Kirche. Und mach meinen Glauben lebendig, dass mein Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist!

1. Bewusstsein fĂŒr das Heilige. Respekt vor heiligen Dingen und Orten ist in unserer westlichen Kultur nur noch selten zu finden. Offensichtlich hat sich da seit der Zeit Jesu nicht viel verĂ€ndert. Die Frage ist, wie wir darauf reagieren: Jesus selbst hat diesen Missstand nicht achselzuckend hingenommen, sondern ist energisch eingeschritten, um die Menschen wachzurĂŒtteln.

2. Unsere Kirchen. Der Tempel in Jerusalem war der wichtigste Ort zur Begegnung der Juden mit Gott. Der Tempel war gleichbedeutend mit der Anwesenheit und NĂ€he Gottes. In unseren Kirchen ist Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott, in der Eucharistie im Tabernakel gegenwĂ€rtig. Mit welcher Ehrfurcht sollten wir uns Ă€ußerlich verhalten (Stille, GebetsatmosphĂ€re, bewusste Kniebeuge etc.) und auch innerlich (den persönlichen Glauben an die reale Gegenwart Gottes ins Bewusstsein rufen; Glaube, Hoffnung, Liebe und Hingabe erneuern etc.).

3. Wo Gott gerne zu Hause ist. Gott wohnte im Tempel in Jerusalem. Gott wohnt in jedem Tabernakel. Gott wohnt in jeder Seele, die getauft und im Stand der Gnade ist. Dadurch wird mein Leib und auch der meiner Mitmenschen zu einem Tempel des Heiligen Geistes. Wenn ich mir das bewusst mache, wie muss ich dann mit meinem Leib umgehen?

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, mich ĂŒberrascht, mit welchem Eifer du daran gearbeitet hast, dass die damaligen Juden wieder begreifen, was es bedeutet, im Haus Gottes zu sein. EntzĂŒnde meinen Eifer, dass ich mich ehrfĂŒrchtig in der Kirche verhalte und oft mein Bewusstsein erneuere, dass der lebendige Gott in meinem Leib wie in einem Tempel wohnen möchte.

Möglicher Vorsatz: Ich will alles meiden, was der Heiligkeit meines Leibes und meiner Seele widersprechen könnte.


Steht die Endzeit bevor?

10. November 2016

Gedenktag
Hl. Leo der Große, Papst
Hl. Justus, Bischof

P. Joachim Richter LC

Lk 17,20-25
In jener Zeit als Jesus von den PharisĂ€ern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an Ă€ußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. Er sagte zu den JĂŒngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, so manche Ereignisse in der Welt, besonders Krieg und Terror, die Hungersnöte, machen mir Angst. Sind es Anzeichen fĂŒr ein Ende der Welt? Wenn ich auf dich schaue, Herr, dann wird mir neu bewusst, dass eine andere Frage viel wichtiger ist, nĂ€mlich die, ob ich Tag fĂŒr Tag zuerst und vor allem nach dem Reich Gottes trachte.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir, bewusst zu leben und fokussiert auf dich und dein Reich.

1. Eine andere Dimension. Das Kriterium, das Jesus uns gibt, ist klar: An Ă€ußeren Zeichen, Geschehnissen und Handlungen ist die Ankunft des Reiches Gottes nicht erkennbar, weil es zu einer anderen, höheren Dimension gehört. Außerdem steht Jesus Christus, in dem die Ewigkeit in die Zeit hineinbricht, seit seiner Menschwerdung und in seinem mystischen Leib, der Kirche, schon mitten unter uns. Ja, wir brauchen uns von kirchlich nicht anerkannten Sehern, die nur auf Sensationsprophetien aus sind, oder von Menschen, die die Ankunft des Herrn mit einem Datum benennen, nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Leben auch wir mit Zuversicht in der Erwartung des Herrn.

2. Gewusst wo. Was meint Jesus noch mit der Aussage: „Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch“? In der Taufe haben wir die heiligmachende Gnade empfangen und damit echten Anteil am göttlichen Leben. Mit anderen Worten: Der dreifaltige Gott wohnt in unserer Seele! Das ist das Reich Gottes in uns. Deshalb gibt es keine wichtigere Aufgabe im Leben als die, den Stand der Gnade zu bewahren und ein dementsprechendes Leben zu fĂŒhren.

3. Wann? Als im vergangenen Jahr mein Vater verstarb, ist mir neu ganz tief bewusst geworden, dass auch meine Zeit in dieser Welt einmal ganz sicher zu Ende gehen wird. Dieses Bewusstsein hilft mir, daran zu denken, dass es schon wichtig ist, dass ich so lebe, dass das Ende der Welt oder meines Lebens jederzeit kommen könnte. In dem berĂŒhmten Buch „Die Nachfolge Christi“ wird dieser Gedanke wunderbar zusammengefasst: „Wenn die Morgenstunde kommt, so rechne damit, dass du vielleicht die Abendstunde nicht mehr erleben wirst. Und wenn die Abendstunde da ist, so wage es nicht, dir noch die Morgenstunde zu versprechen. So sei denn immer bereit und lebe so, dass der Tod dich nie unvorbereitet finden kann.“

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du bist das Alpha und das Omega, Ursprung und Ziel der ganzen Schöpfung und meines Lebens. An dir halte ich mich fest. Durch Wachen und Beten will ich mich bereithalten. RĂŒttle mich immer neu dazu auf und stĂ€rke mich, wenn ich schwach werde.

Möglicher Vorsatz:  Ich mache mir den Rat Christi zu eigen: „Sorgt euch nicht um euer Leben 
, trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes.“


Ich glaub, ich bin im falschen Film!

11. November 2016

Gedenktag
Hl. Martin von Tours, Bischof

P. Joachim Richter LC

Lk 17,26-37
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart. Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurĂŒckkehren. Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei MĂ€nnern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zurĂŒckgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben MĂŒhle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zurĂŒckgelassen. Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist vom Himmel zu uns in die Welt gekommen, damit wir unseren Blick nach oben erheben können, zum Vater.

Bitte: Hilf uns, Herr, dass wir uns tĂ€glich neu frei machen von der Bindung an die Geschöpfe, um aus freiem Entschluss in einer festen Bindung an dich und deinen Willen zu leben.

1. Ziellos
 Jesus, wir leben in einer Welt voller VergnĂŒgen, Spaß und Ablenkungen. Von ĂŒberall her strömen Bilder, Musik, Videos und Chats auf uns ein. NatĂŒrlich sind nicht alle diese Dinge in sich „grottenschlecht“. Musikhören ist keine SĂŒnde und ein gewisses Maß davon kann uns wahre Entspannung bringen. Aber wenn ich – als ĂŒbertriebenes Beispiel – zehn Stunden am Tag Musik höre oder mir Videos „reinziehe“, dann habe ich sicherlich in diesen zehn Stunden viel Gutes unterlassen, was ich hĂ€tte tun können. Und das wĂ€re eine sinnlose Art, meine Lebenszeit zu verplempern.

2. Nachdenken. In dieser vorvorletzten Woche im zu Ende gehenden Kirchenjahr will Jesus uns wachrĂŒtteln: ‚Hey, wach auf, du bist im falschen Film! Es ist doch nicht egal wie du die Zeit deines Lebens verbringst!‘ Überleg dir, was der Sinn unseres Lebens ist. Niemand kann wissen, wie lange sein Leben auf dieser Erde dauern wird. Und: In allem, was du tust, schau auf das Ende und frage dich: Wie sieht eigentlich Jesus mein Leben? Wie wĂŒrde er sich in meiner Situation verhalten?

3. Bereit sein. Ja, gleich komme ich! In diesem Leben können wir uns so manches Mal hindurch mogeln. Gott ist geduldig mit uns. Doch hier hat das Sprichwort recht: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Denn wie Jesus durch seine Beispiele deutlich machen will: Es wird einen Zeitpunkt geben, zu dem Gott kein Vorbeimogeln oder Tricksen mehr zulassen wird. Letztlich geht es um etwas sehr sehr Großes und Entscheidendes: Ob wir im Himmel bei Jesus glĂŒcklich leben werden oder nicht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, danke fĂŒr deine klaren und aufrĂŒttelnden Worte. Du willst mir keine Angst machen. Aber du willst mich aufwecken aus meiner falschen Selbstsicherheit und PassivitĂ€t, in die ich manchmal versinke. Erleuchte mich durch deinen Heiligen Geist und hilf mir, den Glauben tatkrĂ€ftig und authentisch zu leben.

Möglicher Vorsatz: Ich will mich bei allem, was ich tue, fragen: ‚Was nĂŒtzt mir das fĂŒr die Ewigkeit?‘


Wahnsinnig hartnÀckig

12. November 2016

Samstag der Zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Kunibert, Bischof
Hl. Diégo, OFM Guardian

P. Joachim Richter LC

Lk 18,1-8
In jener Zeit sagte Jesus den JĂŒngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fĂŒrchtete und auf keinen Menschen RĂŒcksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fĂŒrchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen RĂŒcksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lĂ€sst mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlĂ€gt mich ins Gesicht. Und der Herr fĂŒgte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen AuserwĂ€hlten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzĂŒglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, schnell verliere ich die Motivation und werde mutlos: im Gebet und im Tun des Guten. Ich brauche Hilfe und deshalb wende ich mich an dich: ErfĂŒlle mich mit neuer und froher Hoffnung. Denn ich weiß ja, dass niemand enttĂ€uscht wird, der seine Hoffnung auf den Herrn gesetzt hat.

Bitte: Meine Hoffnung und meine Freude. Meine StĂ€rke, mein Licht. Christus meine Zuversicht. Auf dich vertrau ich und fĂŒrcht mich nicht. Auf dich vertrau ich und fĂŒrcht mich nicht. (Lied aus TaizĂ©)

1. Nicht aufgeben. â€žHallo, was ist denn mit dir los? So kenne ich dich gar nicht. Wieso gibst du auf einmal so schnell auf?“ – So könnten Freunde uns manchmal fragen, wenn uns der Wind aus den Segeln genommen ist. Wenn uns aber etwas wirklich wichtig ist, können wir auch unglaublich hartnĂ€ckig sein. Wir wollen es unbedingt erreichen! Diese Einstellung können wir auch auf den Glauben ĂŒbertragen und beharrlich im Namen Jesu um das bitten, was wir im Leben brauchen.

2. Mit Köpfchen. Wer ab und zu ein bisschen nachdenkt, dem ist sicherlich klar, dass wir von Gott nicht immer Dinge erbitten, die sinnvoll oder gut fĂŒr uns sind. Das sollten wir bedenken und daraus lernen. Außerdem mutet uns Gott manchmal auch tatsĂ€chlich etwas Schweres zu, weil es letzten Endes viel besser fĂŒr uns ist. Deshalb sollten wir, wenn wir beharrlich um eine Sache bitten, immer auch hinzufĂŒgen: „Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst, soll es geschehen.“

3. Das kostbarste Geschenk. Was ist das Kostbarste, was es in unserem Leben ĂŒberhaupt geben kann? Das kostbarste Geschenk ist sicherlich die Tatsache, dass wir leben, also unsere Existenz an sich (nicht unbedingt unsere Existenz auf Erden, denn die ist in jedem Fall vergĂ€nglich, sondern unsere Existenz ĂŒberhaupt). Und gleich darauf kommt das Geschenk des Glaubens: Denn nur durch den Glauben erhalten wir Kenntnis vom Sinn unserer Existenz. Nur durch den Glauben findet unser Leben die richtige Richtung und das richtige Ziel. Nur der Glaube befreit und erlöst unsere Existenz und fĂŒhrt uns zum wahren Leben in Christus. Deshalb ist Jesus so besorgt und fragt seine JĂŒnger: ‚Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?‘

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂŒr das Geschenk des Glaubens! Bitte hilf mir, den Glauben zu bewahren bis an mein Lebensende. Und hilf mir, dass ich nicht nur so nebulös dahinglaube, sondern heiter und gelassen, aber auch voller Freude und Begeisterung glauben kann. StĂ€rke meinen Glauben. Danke, Jesus.

Möglicher Vorsatz: Ich will mein Gebetspensum beharrlich einhalten und hartnĂ€ckig – aber mit der Offenheit fĂŒr den Willen Gottes – fĂŒr die verschiedenen Anliegen bitten: meine eigenen, die meiner Freunde und die der Kirche und des Papstes.