Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11. September 2016 bis Samstag 17. September 2016

Vierundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Dr. med. Christoph Kunkel

Gott liebt den zurĂŒckkehrenden SĂŒnderSonntag
Der Glaube des HauptmannsMontag
Der tote JĂŒnglingDienstag
Nikodemus streift der Wind des HimmelsMittwoch
Die heilige AdoptionDonnerstag
Die Frauen um JesusFreitag
Das Samenkorn und wo es hinfÀlltSamstag


Gott liebt den zurĂŒckkehrenden SĂŒnder

11. September 2016

Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 15,1-32
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Er gibt sich mit SĂŒndern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lĂ€sst er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurĂŒck und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen ĂŒber einen einzigen SĂŒnder, der umkehrt, als ĂŒber neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zĂŒndet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermĂŒdlich, bis sie das GeldstĂŒck findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude ĂŒber einen einzigen SĂŒnder, der umkehrt. Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jĂŒngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf Nach wenigen Tagen packte der jĂŒngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort fĂŒhrte er ein zĂŒgelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot ĂŒber das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem BĂŒrger des Landes und drĂ€ngte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum SchweinehĂŒten. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und kĂŒsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein Ă€lterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die NĂ€he des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du fĂŒr ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt mĂŒssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, lass mich stets erkennen, dass ich in meiner SĂŒnde allzeit auf deine fĂŒhrende Hand angewiesen bin.

Bitte: Vater, fĂŒhre uns verwirrte Menschen immer wieder zur Einsicht des Guten.

1. Der Ruf nach Erlösung. Was fĂŒr ein großer theologischer Bogen umschließt heute die Lesungen! Der Text des AT berichtet ĂŒber den schlimmen Abfall des Volkes Israel im Tanz um das Goldene Kalb und Moses BesĂ€nftigungsversuche vor Gott. (Ex 32, 7-11. 13-14) Paulus bezeugt seinen lĂ€sterlichen und gefĂ€hrlichen Lebenswandel als Saulus (1 Tim 1,12-27), und im Evangelium (Lk 15, 1-32) lesen wir heute, wie der Herr all’ diese Wunden, die dem Reich Gottes zugefĂŒgt werden, heilt. Über allem der umspannende Ruf des Tagespsalms „Gott sei mir gnĂ€dig, tilge meine Frevel, wasch' meine Schuld von mir ab“ (Ps 51, 3-4 ff).

2. â€žWasch' meine Schuld von mir ab!“ Die PharisĂ€er haben diese Textstelle wohl vergessen und auch, dass Gott von alters her sein Volk zur Vollendung fĂŒhren will. Jesus erzĂ€hlt ihnen also, warum er sich mit den SĂŒndern einlĂ€sst: Er will sie alle in sein Reich fĂŒhren. Er, der Gute Hirte, rettet das abirrende Schaf aus der Gefahr und freut sich unbĂ€ndig ĂŒber dieses eine. Der SĂŒnder ist hier ein SchutzbedĂŒrftiger, GefĂ€hrdeter. Im weiteren Verlauf des Gleichnisses ist der SĂŒnder in seinem Kern außerdem wertvoll, so wertvoll wie die Drachme, die die Frau nach eifriger Suche schließlich findet. Und wie ihre Freude ist Gottes Freude im Himmelreich groß: Sie lĂ€dt die Nachbarn ein.

3. Der Verlorene Sohn. Wie bewegend aber fĂŒgt sich daran das Gleichnis vom Verlorenen Sohn an. Es wird berichtet von dem SĂŒnder, der umkehrt, weil er in allem Elend noch eine kleine Erinnerung an des Vaters Anwesen hat. Schaf und Drachme werden gefunden, hier aber kehrt der SĂŒnder selbst um und das Gewaltige passiert: Der Vater, der immerfort auf ihn gewartet hat, lĂ€uft ihm schon entgegen. So finden sich beide im Erbarmen des Vaters und der RĂŒckkehr des Sohnes. Gott du bist groß! Ein geheimnisvoller Ausblick auf Christus selbst, der mit den SĂŒnden der Welt beladen zum Vater zurĂŒckkehrt.

GesprĂ€ch mit Christus: Wenn ich bedenke, wie oft du mich vor schwarzen AbgrĂŒnden bewahrt und zum Glauben zurĂŒckgefĂŒhrt hast: Wie hĂ€tte ich ohne dich ĂŒberleben können?

Möglicher Vorsatz: Lass mich ein verzeihender Mensch werden.


Der Glaube des Hauptmanns

12. September 2016

Montag der Vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
MariÀ Namen (Marion)
Hl. Guido, KĂŒster

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 7,1-10
In jener Zeit als Jesus seine Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schĂ€tzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jĂŒdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn instĂ€ndig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfĂŒllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemĂŒh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht fĂŒr wĂŒrdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt ĂŒber ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die MĂ€nner, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurĂŒckkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, lehre uns bedenken, dass wir unwĂŒrdige Menschen sind.

Bitte: Halte unter meinem Dach, in meinem Haus und meiner ArbeitsstĂ€tte-Reinheit und WĂŒrde.

1. Der römische Hauptmann. Er ist ein Besatzer, einer, der von Amts wegen seinen Kaiser als Gott verehren muss. Und dennoch ist in diesem römischen Hauptmann eine geheime Sehnsucht nach dem Einen Gott. Er baut den Juden eine Synagoge, er verfolgt voller Anteilnahme das Wirken dieses Jesus. Und als sein geschĂ€tzter Diener krank wird, breiten sich Hoffnung und Glaube in ihm so tief aus, dass er nach Jesus suchen lĂ€sst. Er, befehlsgewohnt, wagt Jesus nicht her zu zitieren. Von Sehnsucht nach dem Heiligen durchdrungen spricht er stattdessen: „Herr, ich bin nicht wĂŒrdig... .“

2. Ein Wort, das Eingang in die Liturgie gefunden hat.  Und noch heute bekennen Millionen GlĂ€ubige mit dem Ausspruch des glĂ€ubigen Hauptmanns bei der Heiligen Messe ihre HeilsbedĂŒrftigkeit.

3. Jesus, aller Menschen Heil. Jesus, der gekommen ist, das auserwĂ€hlte Volk Israel vor dem Verderben zu retten, ist erstaunt ĂŒber den Glauben dieses heidnischen Offiziers. Er heilt so, wie der Psalm (Ps 40,2-3) es heute bezeugt: „Der Herr neigte sich mir zu und hörte mein Schreien. Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens.“

GesprĂ€ch mit Christus: So verschieden unsere Wege zu dir auch sein mögen, lass uns alle aufs Neue offen sein fĂŒr das Wort, das nur du sprechen kannst.

Möglicher Vorsatz: Reinheit, WĂŒrde, Ordnung und Achtung sollen unter meinem Dach wohnen.


Der tote JĂŒngling

13. September 2016

Dienstag der Vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Johannes Chrysostomus, Kirchenlehrer
Hl. Notburga
Hl. Tobias und Tobit

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 7,11-17
In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens NaĂŻn; seine JĂŒnger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die NĂ€he des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die TrĂ€ger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurĂŒck. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich ĂŒberall in JudĂ€a und im ganzen Gebiet ringsum.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lass mich die Augen nicht abkehren vom Elend der Welt.

Bitte: Ich bitte dich um ein mitleidvolles Herz.

1. Hoffnung strahlt auf. Jesu erstes Auftreten in GalilĂ€a hinterlĂ€sst eine Spur der ErschĂŒtterung und kollektiven Verwunderung. In scheuer Ehrfurcht schickt Johannes zwei seiner JĂŒnger zu ihm, um anzufragen, ob ER es ist oder man noch auf einen anderen warten muss: HerzenserschĂŒtterung, bebende Hoffnung und Aufbruchsstimmung.

2. Rettung aus tragischer Lage. Wie in einem Fortsetzungsroman folgt der Heilung des Dieners eines Hauptmanns nunmehr eine weitere Rettung aus traurigem menschlichem UnglĂŒck. Im Weiterziehen nach NaĂŻn trifft Jesus auf einen Leichenzug. Ein JĂŒngling ist gestorben. Seine Mutter, eine Witwe, steht nun allein, ohne Schutz, Ermunterung und Unterhalt da. Jesus hat ĂŒberfließendes Mitleid und erweckt den JĂŒngling auf der Totenbahre.

3. Vorausbilder im Alten Testament. Eine Parallele zu 1 Kön 17,17, als Elija den Sohn einer Witwe zum Leben erweckt. Der heutige Psalm (Ps 100) eröffnet den Sinn dieser fortlaufenden Heilungsgeschichten: „Danket dem Herrn, denn er ist gĂŒtig. Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum.“

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, bei dir sind alle Dinge möglich. Dies ist so weit von meiner Erfahrung entfernt, aber ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich helfen, wo ich nur kann.


Nikodemus streift der Wind des Himmels

14. September 2016

Fest
Kreuzerhöhung
Hl. Conan O‘Rourke, MĂ€rtyrer
Hl. Kresenz, MĂ€rtyrer
Hl. Albert von Jerusalem

Dr. med. Christoph Kunkel

Joh 3,13-17
In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der WĂŒste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lass auch mich zur dir, mein Heil, aufschauen, auf dass ich lebe.

Bitte: Mein Nikodemus spricht zu Dir, Jesus! Lass mich immer wieder die vom Himmel herabkommende Liebe erkennen und annehmen.

1. Ein Skeptiker. Nikodemus ist das Abbild des modernen Skeptikers. Unter der verkrusteten, zur Ideologie gewordenen Lehre seines Glaubenssystems spĂŒrt er das Alte, das göttlich Prophetische im Licht, das aufstrahlt aus der Höhe, das Neue, den Wind des freien Geistes, der weht, wie er will. Dies hat sein Herz berĂŒhrt, nun will er Auskunft in einem „GlaubensgesprĂ€ch“, wie sie uns aus Diskussionsrunden im Fernsehen bekannt sind: wortreich, scheinbesorgt, in sich selber gefangen. Jesus stoppt diese Fragen und sagt diesem wĂŒrdigen Herrn zur nĂ€chtlichen Stunde, dass er aufs Neue aus dem Geist geboren werden muss. Und damit Nikodemus, angestoßen von dem neuen jĂŒdischen Lehrer und Meister Jesus, dieses Geborenwerden nicht bloß als mentalen, privaten „Transformationsprozess“ auffasst, offenbart sich dieser als Gottes Sohn, der vom Himmel kommt und aus neuem Glauben zum ewigen Leben, zum Reich Gottes leiten will. Eine bodenlose Behauptung, wenn man nicht von alters her an die heilende Gottheit glaubt, die in der Not sogar im eigenen Sohn auf die Erde kommen kann.

2. Eine neue Lebensform. Jesus offenbart, dass das Reich Gottes – eine neue Lebensform, die unter den Scheinformen der Zeit und dem Schleier der UmstĂ€nde verborgen ist – fĂŒr jeden Menschen, der sich Jesu Leitung anvertraut, anbrechen kann. In dem uralten, jetzt aber neuen Weg Gottes mit seinem erwĂ€hlten Volk Israel, der Weg also, der schon immer da und bereitet war. In Jesus wird die TotalitĂ€t der Liebe Gottes in seinem Sohn unter den Menschen nun neu belebt.

3. Nachwirkungen. Verborgen bleibt Nikodemus wohl vorerst, dass die Schlange, die an den Stab zur Rettung geheftet wurde, spĂ€ter einmal dieser vom Himmel gekommene Erlöser, Jesus am Kreuz, sein wird. Und es wird auch nicht berichtet, wie Nikodemus das alles verarbeitet hat. Wir wissen aber, dass er ein Freund, FĂŒrsprecher und Förderer des Herrn in einer politisch-gesellschaftlich vergifteten Zeit blieb.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich schaue zu dir auf und hoffe auf Erlösung.

Möglicher Vorsatz: Lass mich mit anderen zusammen zum Kreuz aufschauen.


Die heilige Adoption

15. September 2016

Donnerstag der Vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Schmerzen Mariens
Hl. Ludmilla

Dr. med. Christoph Kunkel

Joh 19,25-27
In jener Zeit standen bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den JĂŒnger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem JĂŒnger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der JĂŒnger zu sich.

EinfĂŒhrendes Gebet: Wie ĂŒber alles Sterben hinausgehend ist deine Liebe.

Bitte: Lass uns unter dem Kreuz zusammenstehen.

1. Am Schauplatz Kalvarienberg. Jesus hĂ€ngt am Kreuz. Er erstickt am Gewicht seines eigenen nach unten ziehenden Körpers. Um ihn herum gleichgĂŒltige Kriegsknechte. Die JĂŒnger sind entsetzt und verstört gewichen. Die spottenden PharisĂ€er sind vielleicht schon gegangen. Nur die Frauen um Jesus schauen aus „angemessener Entfernung“ zum Sterbenden.

2. Drei Hauptakteure. Doch wie angewurzelt durch Schmerz und Liebe stehen - „stabat mater“ - die Mutter Maria und der JĂŒnger, „den er lieb hatte“, unter dem Kreuz. Und in dieser Ă€ußersten körperlichen Zerstörung und TodesnĂ€he sieht unser HERR auf Mutter und JĂŒnger und fĂŒhrt sie zusammen. „Frau siehe dein Sohn; Sohn, siehe deine Mutter.“

3. Annahme an Kindes Statt. Neben Fußwaschung und Abendmahl ist dies eine letzte Liebestat Jesu. An den Wegkreuzen, den „Marterln“, wird diese Adoption, die Gottes barmherzige und unzerstörbare Liebe in volkstĂŒmlicher Weise zeigt, fĂŒr alle Zeiten fast wie eine der Gesellschaft zugewiesene Aufgabe festgehalten.

GesprĂ€ch mit Christus: Du möchtest uns alle in dein Reich fĂŒhren. Das in dieser Welt schon zu begreifen, fĂ€llt schwer.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich jemanden in deinem Namen zu mir nehmen.


Die Frauen um Jesus

16. September 2016

Freitag der Vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Kornelius, Papst
Edith von Wilton, Äbtissin

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 8,1-3
In jener Zeit wanderte Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkĂŒndete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben DĂ€monen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstĂŒtzten Jesus und die JĂŒnger mit dem, was sie besaßen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Deine Liebe, Herr Jesus, hat eine grenzenlose Nachfolge erzeugt. Lass sie uns immer gemeinsam antreten.

Bitte: Gemeinsam wollen wir auf das Reich Gottes zugehen.

1. Frauen im engeren Umkreis Jesu. Eine kurze Notiz erwĂ€hnt, dass neben den 12 JĂŒngern auch einige Frauen Jesus begleiteten oder umgaben. FĂŒr manche Feministin Anlass, die Unterbewertung der FrauenprĂ€senz in den neutestamentarischen Berichten zu monieren. Sie greifen nicht selten zu apokryphen „Evangelien“.

2. ObjektivitĂ€t. Der Evangelist Lukas indes berichtet getreulich und stetig- sine ira et studio- von einigen Frauen in der NĂ€he Jesu. Die Mutter Maria und Maria Magdalene sind dabei bedeutend. Nicht zu vergessen Johanna, die Frau eines Verwalter des Herodes namens Chuzas und Susanna. Sie sind es, die Jesus beharrlich, mutig folgen und auch mit wirtschaftlicher UnterstĂŒtzung zur Seite stehen. Soviel zu der heutigen Textstelle.

3. Enge Teilnahme am Ostergeschehen. Aber Lukas berichtet zuverlĂ€ssig weiter ĂŒber die TĂ€tigkeit der Frauen. Er verzeichnet, wie sie in „angemessener NĂ€he“ am Kreuz stehen, als die JĂŒnger entwichen sind. Sie sind es gemĂ€ĂŸ seinem Bericht, die Öl und Salbe fĂŒr den Verstorbenen vorbereiten. Und sie stehen daher als erste am leeren Grab des Herrn bevor die JĂŒnger kommen. Ein innerer, treuer Kreis um den verstorbenen HERRN. Es ist Maria Magdalena, die dieses sagenhafte Wort des Erkennens ausspricht: „Rabbuni!“

GesprĂ€ch mit Christus: Der kontinuierliche Bericht des Lukas lehrt uns ObjektivitĂ€t. Herr, lehre uns, die RealitĂ€t auszuhalten.

Möglicher Vorsatz: Lass mich Menschen und Gruppen in ihrem frommen Dienst finanziell unterstĂŒtzen.


Das Samenkorn und wo es hinfÀllt

17. September 2016

Samstag der Vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Hildegard von Bingen OSB

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 8,4-15
In jener Zeit als die Leute aus allen StĂ€dten zusammenströmten und sich viele Menschen um ihn versammelten, erzĂ€hlte er ihnen dieses Gleichnis: Ein SĂ€mann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusĂ€en. Als er sĂ€te, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es ihr an Feuchtigkeit fehlte. Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen, und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre! Seine JĂŒnger fragten ihn, was das Gleichnis bedeute. Da sagte er: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen. Das ist der Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes. Auf den Weg ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. Auf den Felsen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort freudig aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: Eine Zeit lang glauben sie, doch in der Zeit der PrĂŒfung werden sie abtrĂŒnnig. Unter die Dornen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, dann aber weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den GenĂŒssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift. Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, bereite in mir guten Boden fĂŒr dein Evangelium.

Bitte: Lass mich durch dich deine Botschaft verkĂŒnden.

1. Reaktionen. Gewaltig ist das Gleichnis vom SĂ€mann, jedem Christen seit Kindertagen vertraut. FĂŒr die materialistischen GlĂ€ubigen Ausdruck einer Milieutheorie, etwa: „....Da jenem Menschen in der Jugend nur HĂ€rte widerfuhr, muss man sich nicht wundern, wenn er im Glauben verdorrte. UnglĂŒcklicherweise, und daran trĂ€gt sicherlich die ihn umgebende Gesellschaft ein gerĂŒtteltes Maß an Verantwortung mit. Er ist ohne sein Zutun eben auf hartem Fels geboren. Wie konnte Gott das zulassen?“ FĂŒr manchen aber erhebt sich die bange Frage: „Herr, wenn du heute deine Saat ausstreutest, ist mein Herz ein staubiger Weg, ein harter Fels oder voller erstickender Dornenranken? Oder könnte er auch mehr sein, vielleicht fruchtbarer Boden?“

2. Ein Blick in die Zukunft. Das Geheimnis des Saatkorns ist seine Entfaltung im guten Boden, d.h. im Erkennen der unergrĂŒndlichen Weite des Reiches Gottes. Gottes Wort wĂ€chst in uns. Doch ist das Reich Gottes, von dem Jesus in vielen konkreten Situation immer wieder spricht, nicht allein ein innerlicher Erkenntnisort der göttlichen Ordnung, ein soziales Verhaltensgebot durch NĂ€chsten- und Gottesliebe im tĂ€glichen Miteinander. Es ist die Schau in die Welt, wie sie sich wandeln wird, wenn der Auferstandene das Schicksal der Schöpfung verĂ€ndern wird. Geht das Saatkorn nicht in uns auf, erkennen wir die uns umgebende Welt nur aus den ihr innewohnenden wirtschaftlichen, sozialen oder naturwissenschaftlichen ZusammenhĂ€ngen. Das aber ist der Tod in unseren Herzen und demzufolge in unserer Lebensweise. Leben hingegen ist, schon jetzt im Licht der Auferstehung, die vor Zeiten stattfand, zu sehen, was Gott mit denen vorhat, die eben das glauben.

3. Die letzten Dinge. Die Welt nĂ€mlich, die auf ihr Ende zugeht, trifft schließlich auf den gerechten Richter Christus. FĂŒr die, die ihr Leben auf die Unauslöschlichkeit Gottes in jedem GlĂ€ubigen durch seine Auferstehung grĂŒnden, ist es sicherlich ein anderes Erlebnis, als fĂŒr den, der ohne diesen Glauben dort hingelangt.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du willst alles zum Guten fĂŒhren. Mache mich und deine Kirche zu deinem Reich.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich deine Botschaft besonders freudig betrachtend aufnehmen.