Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. August 2016 bis Samstag 3. September 2016

Zweiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

Angelika Knauf

Selige Demut der LiebeSonntag
Der Wahrheit nichts vorziehenMontag
Der Heilige GottesDienstag
Gott befragen und aus seinem Willen lebenMittwoch
Unsere Masken fallen lassenDonnerstag
Jesus Christus, BrÀutigam meiner SeeleFreitag
Jesus Christus ist der Herr - und er ist meine FreiheitSamstag


Selige Demut der Liebe

28. August 2016

Zweiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Angelika Knauf

Lk 14,1.7-14
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines fĂŒhrenden PharisĂ€ers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die GĂ€ste die EhrenplĂ€tze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann wĂŒrde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wĂ€rst beschĂ€mt und mĂŒsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rĂŒck weiter hinauf! Das wird fĂŒr dich eine Ehre sein vor allen anderen GĂ€sten. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine BrĂŒder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, KrĂŒppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, meine Sehnsucht nach FĂŒlle ist unermesslich. Ich glaube, dass diese FĂŒlle allein in dir zu finden ist. Ich möchte mich an deinem Tisch der Liebe nĂ€hren dĂŒrfen.

Bitte: Offenbare mir mehr von der Herrlichkeit deiner Liebe, damit ich lerne, welche Freude es ist, alles zu empfangen.

1. Gott erkennen. Wir lesen in der Heiligen Schrift oft von Jesu Auseinandersetzungen mit den PharisĂ€ern. Es mag verwundern, dass er sich ihnen dennoch immer wieder aussetzt. Doch er sorgt sich um sie, vielleicht weil er in ihnen ein Grundproblem des Menschen am deutlichsten erkennt: Nicht zu wissen, wer Gott wirklich ist, und nicht zu wissen, wer man selbst vor ihm ist. GĂ€ste, die sich unaufgefordert die EhrenplĂ€tze aussuchen, ehren den Gastgeber nicht, sondern missbrauchen seine Ehre fĂŒr ihr eigenes Ansehen. Sie lieben den Gastgeber auch nicht, sonst wĂŒrden sie diejenigen in seine NĂ€he lassen, die er um sich wĂŒnscht. Obwohl Demut eine Frucht der Selbsterkenntnis ist, ist es eine Haltung, die wir nicht aus uns selbst heraus entwickeln können. Nur in Beziehung zum Je-GrĂ¶ĂŸeren steht sie uns offen. Sie ist auch keine Haltung, die uns niederdrĂŒcken soll. Um wahrhaft demĂŒtig zu werden, mĂŒssen wir Gottes Herrlichkeit erfahren. Gottes Herrlichkeit wird uns beseligen und nicht niederdrĂŒcken, wenn wir erkennen dĂŒrfen, dass ein solch herrlicher Gott uns wahrhaft liebt. Ja, dass gerade die Vollkommenheit seiner Liebe seine wahre Herrlichkeit ist. Diese Erkenntnis wird uns Quelle reinster Freude sein.

2. Mich erkennen. Wenn ich die Herrlichkeit der Liebe Gottes erfahre und annehme, dann lerne ich die Freude kennen, sein Geschöpf zu sein. Der Mensch von heute möchte oftmals kein Geschöpf sein, er will selber ganz oben stehen, auf dem ersten Platz. Er sehnt sich unablĂ€ssig nach ErfĂŒllung, und bleibt doch auf allen ersten PlĂ€tzen, die er nach und nach erobert, innerlich leer. Warum ist das so? Weil Gott ihn auf seine Liebe hin geschaffen hat. Der Mensch ist darauf angelegt, Gottes Liebe zu empfangen. Ich bin nicht geschaffen, um klein zu bleiben, sondern um in Gottes Liebe groß zu werden. Gott möchte, dass ich zu ihm in Beziehung trete. Er will sich mir ganz schenken, doch wenn ich voll von mir selbst bin, kann ich mich nicht von ihm beschenken lassen. Dann fĂŒhrt er mich auf den letzten Platz zurĂŒck, damit ich von mir leer werde und in mir wieder Sehnsucht nach seiner NĂ€he aufflammt. DemĂŒtigungen wollen heilen, nicht strafen.

3. In Gott sein und mich verschenken. Wenn Jesus seinen Gastgeber nach dieser Belehrung auffordert, solche GĂ€ste an seinen Tisch zu laden, die es ihm nicht vergelten können, dann lĂ€dt er ihn ein zu handeln, wie Gott handelt. Es ist Gottes Freude, sich an uns zu verschenken, die wir vor ihm Arme, KrĂŒppel, Lahme und Blinde sind. Seine Barmherzigkeit beruft uns zur Teilnahme an seinem göttlichen Leben. Wir treten in sein göttliches Leben voller Liebe ein, wenn wir uns am Tisch des Wortes und des Brotes von ihm nĂ€hren lassen - an dem Ort, zu dem er uns gefĂŒhrt hat. Ein Leben mit Gott, aus der Begegnung mit ihm in der Heiligen Schrift und in seinen Sakramenten, vor allem dem der Eucharistie, macht uns fĂ€hig, uns der Liebe zu öffnen. Dann wird es unsere Freude sein, die Liebe selbst zu leben und jene, die in der Dunkelheit der Glaubensferne hungern und dĂŒrsten, an diesen Tisch der Liebe zu rufen und zu fĂŒhren.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, an deinem Tisch ist keine Nahrung fĂŒr die, die sich an sich selbst sĂ€ttigen. Doch denen, die nach deiner Liebe hungern und dĂŒrsten, reichst du dich selbst zur Speise. Wer sich in der Betrachtung deiner Schönheit ganz vergessen kann, den rufst du, an deiner Brust zu ruhen.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute meine Sehnsucht nach wahrer Begegnung mit Jesus Christus nicht mit oberflĂ€chlichen Freuden betĂ€uben. Ich will nur ihn suchen, wenn ich ihn heute in der Eucharistie empfange oder ihm im Gebet begegne.


Der Wahrheit nichts vorziehen

29. August 2016

Gedenktag
Enthauptung Johannes des TĂ€ufers
Hl. Sabina, MĂ€rtyrerin

Angelika Knauf

Mk 6,17-29
Herodes hatte Johannes festnehmen und ins GefĂ€ngnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, denn Herodes fĂŒrchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schĂŒtzte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. Eines Tages ergab sich fĂŒr Herodias eine gĂŒnstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten BĂŒrgern von GalilĂ€a zu einem Festmahl ein. Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen GĂ€sten so sehr, dass der König zu ihr sagte: WĂŒnsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die HĂ€lfte meines Reiches wĂ€re. Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wĂŒnschen? Herodias antwortete: Den Kopf des TĂ€ufers Johannes. Da lief das MĂ€dchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des TĂ€ufers Johannes bringen lĂ€sst. Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen GĂ€sten einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins GefĂ€ngnis zu gehen und den Kopf des TĂ€ufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem MĂ€dchen und das MĂ€dchen gab ihn seiner Mutter. Als die JĂŒnger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du willst mich immer tiefer in deine Wahrheit fĂŒhren. In jedem Moment meines Lebens bist du mir nahe und rufst mich zu dir. Ich danke dir fĂŒr deine Liebe!

Bitte: Ich bitte dich, Herr, öffne mein Herz und befreie mich von dem, was mich gerade daran hindert zu erkennen, was du mir sagen willst!

1. Heilige Unruhe. Herodes ist ein Beispiel fĂŒr einen Menschen, den Gott an seinen Tisch laden will und der sich dann doch lieber an seinem eigenen Tisch sĂ€ttigt. Herodes wusste, dass Johannes ein heiliger Mann war. Er wurde unruhig und ratlos, wenn er ihm zuhörte, und doch tat er es gern. Unruhe und Ratlosigkeit in der Begegnung mit etwas Heiligem können ein erstes Anzeichen sein, dass Gott sich uns tiefer nĂ€hern möchte. Unsere von Gott geschaffene Seele reagiert auf seinen Anruf, in ihrem tiefsten Innern hört sie ihn gern. Doch aufgrund der Weise, wie wir an der OberflĂ€che und im Außen leben, kennen wir einen solchen Ruf oft noch nicht. Darum fĂŒhlen wir uns durch ihn zunĂ€chst in Frage gestellt, werden ratlos und unruhig. Eine noch unbekannte Sehnsucht erwacht in uns und gerĂ€t in Konflikt mit dem, was bisher zu den Gewohnheiten unseres Lebens gehörte.

2. Die Spannung ertragen lernen. In den Momenten, in denen Heiliges in unser Leben tritt und uns innerlich anruft, erheben sich meist auch andere KrĂ€fte. Herodias, die unrechtmĂ€ĂŸige Frau des Herodes, fĂŒrchtet um ihre Stellung und ihr Ansehen. Sie nutzt die menschliche SchwĂ€che des Herodes schamlos aus, um im Keim zu ersticken, was sich in ihm zu regen beginnt: Ein GespĂŒr fĂŒr die Wahrheit. So erfahren wir das auch, wenn eine neue Erkenntnis ĂŒber Gott in uns Fuß fassen möchte und aufleben will. Wir treffen auf Widerstand von außen, manchmal von Menschen, oft aber spĂŒren wir ihn auch aufgrund von oberflĂ€chlichen Haltungen, die unser Inneres noch beherrschen: Der Wunsch nach Kontrolle, nach Sicherheit, nach Herrschaft in unserem Leben, nach Ă€ußerem Ansehen oder einfach nur nach Bequemlichkeit. Solange wir noch nicht klar sehen, zu welcher Entscheidung wir gefĂŒhrt werden sollen, ist es wichtig, der daraus entstehenden Spannung nicht zu schnell zu entfliehen. An ihr können wir nach und nach erkennen, was uns zu dieser tieferen Übereinstimmung mit der Wahrheit ziehen möchte und auch, was uns noch daran hindert, uns ihr zu öffnen.

3. Sich fĂŒr die Wahrheit entscheiden. â€žDa wurde der König sehr traurig (
).“ WĂ€re Herodes diesem Impuls nur gefolgt! Herodes wurde wĂ€hrend dieser Feier ganz in die korrupte Seite seines Menschseins zurĂŒckgelockt und darin verfangen. Dennoch löst die Bitte seiner Stieftochter Traurigkeit in ihm aus. Diese Traurigkeit kam aus dem Adel seiner Seele, von dorther, wo sie noch offen fĂŒr die Wahrheit war. Es wĂ€re der Moment der Entscheidung fĂŒr einen ganz neuen Anfang gewesen. Die Entscheidung hĂ€tte eine Umkehr bedeutet, sicherlich viel Hohn und Spott geerntet, aber Herodes hĂ€tte eine TĂŒr zur Freiheit aufstoßen können, um auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Er tat es nicht und die Folge war nicht nur Unheil fĂŒr seine Seele, sondern auch die Ă€ußere Vernichtung des Heiligen. Wenn wir ĂŒber dieses Drama nachdenken, kann uns das den Mut geben, zu gegebener Zeit eine Entscheidung fĂŒr die Wahrheit zu fĂ€llen. Vielleicht gegen Konventionen, die uns noch gefangen halten, denn unser mutiger Schritt kann auch anderen helfen, Heiliges zu entdecken. Jede Entscheidung fĂŒr Gott ist ein leuchtendes Zeugnis fĂŒr die Wahrheit, zum Heil vieler. Beten wir um Gottes Gnade, solche Momente zu erkennen und um die Kraft, uns dann fĂŒr Gott zu entscheiden.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ĂŒber viele Situationen, denen ich tĂ€glich begegne, suchst du einen Weg in mein Herz. Doch so oft erkenne ich dich nicht, weil mein Herz in oberflĂ€chlichen Haltungen befangen ist. Wenn ich dich doch erkenne, bringe ich nicht den Mut auf, dir zu folgen. Hab Erbarmen mit meiner SchwĂ€che!

Möglicher Vorsatz: Ich will heute auf den Anruf achten, durch den der Herr mich tiefer in seine Wahrheit fĂŒhren will. Dazu werde ich kleine Momente der Reflexion in meinen Tagesablauf einbauen.


Der Heilige Gottes

30. August 2016

Dienstag der Zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Heribert von Köln, Bischof
Hl. Ingeborg
Hl. Felix, MĂ€rtyrer

Angelika Knauf

Lk 4,31-37
In jener Zeit ging Jesus hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in GalilĂ€a, und lehrte die Menschen am Sabbat. Sie waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er redete mit göttlicher Vollmacht. In der Synagoge saß ein Mann, der von einem DĂ€mon, einem unreinen Geist, besessen war. Der begann laut zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stĂŒrzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der DĂ€mon warf den Mann mitten in der Synagoge zu Boden und verließ ihn, ohne ihn jedoch zu verletzen. Da waren alle erstaunt und erschrocken, und einer fragte den andern: Was ist das fĂŒr ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen. Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr und mein Gott, vor deiner Heiligkeit kann nichts bestehen, das unrein ist. Was in mir unrein ist oder klein, erschreckt vor deiner Gegenwart. Doch deine Liebe hat auch mich zur Heiligkeit berufen, damit ich Anteil an dir habe. Ich will dich anbeten, du mein Gott!

Bitte: Ă–ffne, was in mir von dir getrennt ist, dem Anruf deiner Liebe! Bei diesem Gebet!

1. Mensch wie wir und doch der ganz Andere. Jesus steht noch am Anfang seines Wirkens. Er hatte sich von Johannes taufen lassen und der Geist des Vaters war auf ihn herabgekommen. Dieser hatte ihn in die WĂŒste gefĂŒhrt, wo er die Versuchungen Satans zurĂŒckwies. Er begann sein Wirken in GalilĂ€a und kam auch in seine Heimatstadt Nazareth, doch die Menschen dort lehnten das Zeugnis, das er ĂŒber sich selbst gab, ab. Sie wollten ihn gar töten, „er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.“ (Lk 4,30) Es ist etwas in Jesu Auftreten, das die Menschen betroffen macht, regelrecht aufschreckt. Da ist einer, der sichtbar Mensch wie sie ist und doch etwas an sich hat, das sie nicht kennen: göttliche Vollmacht. Auch wir erfahren in unserem Leben mit Christus diese Momente, in denen wir etwas wahrnehmen, das wir nicht mehr benennen oder aussagen können; das wir nicht mehr begreifen können, von dem vielmehr wir ergriffen werden: Wir begegnen dem Heiligen.

2. Das Heilige duldet keine Unreinheit. Wo Heiliges auf Unreines trifft, provoziert es. Ein DĂ€mon, ein unreiner Geist, der einen Mann besessen hĂ€lt, schreit auf, als er Jesu Lehre hört. „Unrein“ meint hier mehr als moralisch nicht gut sein. Es meint, von Gott, der der Heilige ist, getrennt sein. Der Teufel hatte sich aus freien StĂŒcken von Gott getrennt, dessen Heiligkeit er nicht anerkennen und nicht dienen wollte. Seitdem versucht er alles, um auch die Menschen von Gott zu trennen. Und meist versucht er das verdeckt, unauffĂ€llig. Er scheut die direkte Konfrontation, denn er ist der Vater der LĂŒge, der sich auch hier feige in einem Menschen verbirgt. Wahrscheinlich duldet Jesus deshalb nicht, dass der DĂ€mon Zeugnis ĂŒber ihn ablegt. Und er duldet nicht, dass er das Leben dieses Mannes weiterhin fesselt und von Gott zu trennen sucht. Er befiehlt ihm auszufahren und obwohl der DĂ€mon sich wehrt, muss er weichen und hat keine Macht mehr, diesem Mann zu schaden: Er bleibt unverletzt. Doch die Umstehenden schrecken auf: „Was ist das fĂŒr ein Wort?“

3. Die Macht zu heilen. Die Frage der Umstehenden nach dem „Wort“ erinnert an folgenden Vers aus dem Johannesevangelium: „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist“ (1,3). Ein Wort, durch das etwas ins Dasein tritt und „wird“! Jesus spricht und sogleich geschieht, was er sagt! Die Menschen erahnen, dass hier einer ist, der mehr sein muss als ein Prophet. Ihre Worte waren immer Worte, die „nur“ im Auftrag Gottes gesprochen waren. Jesu Wort jedoch ist schöpferisch, es schafft RealitĂ€t! Warum aber schrecken auch wir so oft vor seinen Verheißungen zurĂŒck? Ist es nicht vielleicht, weil das Unheilige und Unreine in uns sich provoziert fĂŒhlt und aufbegehrt? Weil wir immer noch oft genug meinen, dass das Heilige uns zerstören will? Jesus hat die Macht, uns von allem zu befreien, was uns von ihm trennen will. Seine Macht ist die Macht der Heiligkeit, die immer in das wahre Sein ruft. Erschrecken wir nicht davor, sondern vertrauen wir uns ihr an.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, mein von der SĂŒnde verwundetes Sein wehrt sich so oft gegen deine Heilungsmacht. Auch in mein Herz hat der Vater der LĂŒge den Keim des Misstrauens gegen deine Liebe gelegt. Befreie mich davon, ich bitte dich, damit ich in deiner Anbetung meine Seligkeit finde.

Möglicher Vorsatz: Ich will die Beichte als das Sakrament der Heilung gerade dann aufsuchen, wenn mich Vorbehalte gegen Gottes Liebe davon fernhalten möchten.


Gott befragen und aus seinem Willen leben

31. August 2016

Mittwoch der Zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Paulinus von Trier, Bischof

Angelika Knauf

Lk 4,38-44
In jener Zeit verließ Jesus die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon hatte hohes Fieber, und sie baten ihn, ihr zu helfen. Er trat zu ihr hin, beugte sich ĂŒber sie und befahl dem Fieber zu weichen. Da wich es von ihr, und sie stand sofort auf und sorgte fĂŒr sie. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die HĂ€nde auf und heilte alle. Von vielen fuhren auch DĂ€monen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da fuhr er sie schroff an und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Messias war. Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern wegzugehen. Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen StĂ€dten das Evangelium vom Reich Gottes verkĂŒnden; denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen JudĂ€as.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, der Vater hat dich gesandt und es ist deine Speise, den Willen des Vaters zu tun. Du hast uns gesagt: Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen! Ich möchte das tiefer erfassen und mich davon prĂ€gen lassen.

Bitte: Sei jetzt bei mir und mache mich fĂ€hig zu verstehen, was du mir mit dem Wort von heute sagen willst.

1. Zu den Menschen gesandt. Dem Evangelisten Lukas zufolge hat Jesus Petrus zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Apostel berufen, sondern er lĂ€sst sich wegen eines konkreten Anliegens in sein Haus bitten: um der Schwiegermutter des Petrus zu helfen. Er heilt sie und daraufhin strömen die Menschen mit all ihren Nöten zu ihm, um Hilfe zu finden. Jesus lehnt sie nicht ab. Jedem Kranken legt er die HĂ€nde auf und heilt alle, sagt Lukas ausdrĂŒcklich. Das konkrete Leid der Menschen lĂ€sst ihn nicht unberĂŒhrt, er nimmt ihre leiblichen Gebrechen ernst. Der Sohn Gottes wĂ€re nicht selbst Mensch aus Fleisch und Blut geworden, wenn es ihm allein um die seelische Heilung des Menschen gegangen wĂ€re. Auch das leibliche Sein des Menschen heiligt er dadurch, dass er sich seinen irdischen Nöten zuwendet, selbst in sie eintritt. Doch er vergisst dabei nicht die eigentliche, tiefere Ursache allen Leids, die Gebrochenheit unserer Seelen. Diese muss er auf andere Weise heilen.

2. Wahres Zeugnis stammt aus der Liebe. Jesus blickt tiefer als nur auf die Gebrechen des Leibes. Dies deutet sich schon dadurch an, dass er nicht nur körperliche Gebrechen heilt, sondern auch DĂ€monen austreibt, die die Seele des Menschen gefangen halten. DĂ€monen sind Geschöpfe, die ihrer ursprĂŒnglichen Bestimmung nicht entsprachen, weil sie sich vorsĂ€tzlich, frei und bewusst von unserem Schöpfer getrennt haben. Ihr ganzes Trachten zielt darauf ab, auch den Menschen in diesen Abfall hinein zu ziehen. Daher gestattet Jesus ihnen nicht zu sagen, wer er ist. Er will nicht, dass ein von Gott abgefallenes Geschöpf seine PlĂ€ne und Vorgehensweisen durchkreuzt. Es versteht sie nicht, denn es hat sich von Gott, der Liebe ist, getrennt. Gott will sich durch die Liebe bezeugen, durch die Heiligkeit seiner Liebe. Was das bedeutet, zeigt Jesus uns im weiteren Geschehen.

3. Liebe kommt aus der Einheit mit Gott. Obwohl die Menschen ihn suchen, entzieht Jesus sich ihnen. Er geht an einen einsamen Ort. Ist das lieblos? Immer, wenn Jesus sich in die Einsamkeit zurĂŒckzieht, sucht er nicht sich selbst, sondern den Vater, der ihn gesandt hat. Jesus ist im tiefsten Sinne gehorsam, weil er in vollkommener Liebe eins mit dem Vater ist und nichts aus sich heraus tut und tun will. Seine liebende Hinwendung zu den Menschen soll aus seiner Sendung vom Vater kommen, damit die Menschen Anteil an dieser Liebe und Einheit gewinnen können. Somit kann er seine Sendung nicht vom Willen der Menschen bestimmen lassen, denn sie wĂŒrden nicht zur ganzen Wahrheit gelangen. So wendet er sich dem Willen des Vaters entsprechend von GalilĂ€a aus nach JudĂ€a, um auch dort das Reich des Vaters zu verkĂŒnden. Diese Haltung Jesu kann fĂŒr uns wegweisend sein, wenn wir hin- und hergerissen sind zwischen unserem BedĂŒrfnis nach Kontemplation und der fĂŒr andere nötigen Aktion. Wahre Liebe zu den Menschen werden wir nicht leben können, wenn wir nicht zuvor im Gebet die Einheit mit Gott suchen. Denn nur so handeln wir in Einheit mit Gott, der allein zum Heil fĂŒhren kann.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wenn ich die Nöte anderer sehe, möchte ich oft alles stehen und liegen lassen, um zu helfen. Doch ich habe nur „Mangelware“ zu geben, wenn ich mich nicht zuvor von dir genĂ€hrt habe. Und letztlich verhungere ich auch selbst dabei. Lehre mich, nicht auf meine eigenen KrĂ€fte zu vertrauen, sondern in allem zuerst deine Hilfe zu suchen.

Möglicher Vorsatz: Ich will meinen Tag morgens wieder bewusster in Jesu HĂ€nde legen und mir vor wichtigen Begegnungen oder Aufgaben ein paar Momente Zeit nehmen, um seinen Willen zu erfragen und um seinen Geist zu erbitten.


Unsere Masken fallen lassen

1. September 2016

Donnerstag der Zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Rut, Ahnfrau Jesu
Hl. Ägidius, Abt
Hl. Verena, Einsiedlerin
Alois Scholze, Pfarrer (+ im KZ)

Angelika Knauf

Lk 5,1-11
In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drĂ€ngte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein StĂŒck weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren GefĂ€hrten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam fĂŒllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu FĂŒĂŸen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein SĂŒnder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des ZebedĂ€us, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: FĂŒrchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurĂŒck und folgten ihm nach.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Herr und mein Gott, ich stamme ganz aus dir und jeden Moment meines Lebens hĂ€ltst allein du mich im Sein. Außerhalb von dir vermag ich nichts, entferne ich mich von dir, bist immer noch du es, der mich hĂ€lt. Wie sehr verlange ich danach, mich diesem Bewusstsein ganz anvertrauen zu können.

Bitte: Jesus, hilf mir jetzt, vor dir zu sein, wie ich wirklich bin, damit unsere Begegnung wahrhaftig werde!

1. Vertrauen und gehorchen. Petrus und seine GefĂ€hrten haben schon erlebt, dass Jesus ein Mann Gottes ist. Schon hat er Petri Boot bestiegen. Ohne Widerspruch folgt Petrus Jesu Bitte, sich ein wenig vom Ufer zu entfernen, damit er die Leute lehren kann. Heute wie damals sucht der Herr die Mithilfe der Menschen, damit seine Heilsbotschaft alle erreichen kann. Ist nicht auch die weltweite Kirche noch heute wie ein solches Boot? Jesus lohnt den Gehorsam und will Petrus weiterfĂŒhren. Scheinbar Unmögliches – am Tag Fische zu fangen – trĂ€gt er ihm auf. Petrus vertraut ihm trotz all seiner gegenteiligen Erfahrung: „Doch wenn du es sagst 
“ ist sein Bekenntnis an den, den er schon „Meister“ nennt. Die Worte des Petrus stellen uns das alles entscheidende Kriterium in der Nachfolge Jesu vor Augen: Nicht „wenn ich es will“ oder „ so wie ich es kenne“, sondern „wenn DU, Herr, es sagst“! Wir wissen, dass Gottes Wort ein Wort ist, das vollbringt, was es besagt. Sicher, der Mensch wĂŒrde seiner eigenen Verantwortung nicht gerecht, wenn er nicht selbst planen, unternehmen und die Dinge vollbringen wĂŒrde. Doch das Wort des Herrn steht ĂŒber allem menschlichen Vermögen.

2. In Gemeinschaft nachfolgen. Das Vertrauen Petri wird ĂŒberreich belohnt. Das göttliche Maß ĂŒbertrifft unvorstellbar weit jedes menschliche Maß und Petrus tut intuitiv das Richtige: Er bittet seine GefĂ€hrten um Hilfe. Erst gemeinsam gelingt es ihnen, die ÜberfĂŒlle der Petrus anvertrauten Gnade Gottes einzuholen. Die Gnadengeschenke Gottes sind nie nur fĂŒr den Einzelnen bestimmt. Gerade weil Gott jeden von uns persönlich liebt, fĂŒhrt er uns mit seinen Gnaden immer in die Gemeinschaft mit anderen ein. Denn wir sind nach seinem Bild geschaffen und er möchte, dass jeder von uns zu einem vollkommenen Abbild von ihm wird. Wie er gemeinsam mit dem Sohn im Geist eins ist, so gelangen auch wir Menschen erst in der Beziehung mit anderen zur ganzen FĂŒlle unseres Seins.

3. Vor Gottes Herrlichkeit klein sein dĂŒrfen. Petrus ist erschĂŒttert: Obwohl er schon Zeuge der Heilung seiner Schwiegermutter sein durfte, strahlt ihm nun hier die Herrlichkeit des Heiligen Gottes auf. Da, wo er der Fachmann ist, packt ihn der Herr und zieht ihn an sich. Kennen nicht auch wir diese Momente reiner Gnade, in denen uns die Herrlichkeit Gottes aufscheint und wir fast erleichtert unsere Masken fallen lassen und endlich zu bekennen wagen, was wir sind: SĂŒnder! Doch es ist kein von Bitterkeit erfĂŒlltes Bekenntnis, es ist die befreiende Erkenntnis der Wahrheit, die uns in das rechte VerhĂ€ltnis zu Jesus Christus setzt. Wie könnten wir ohne das klare Bewusstsein, dass wir tatsĂ€chlich SĂŒnder sind, die unvorstellbare FĂŒlle des Erbarmens Gottes erfahren? Wie unser Herz vom Ausmaß seiner Liebe ĂŒberfluten lassen ohne die Erkenntnis, dass wir sie ganz ungeschuldet empfangen haben? Erst dann beginnen wir Gottes Liebe zu erfassen: Er liebt uns persönlich und nicht unsere Leistung. Wenn wir wirklich erkennen, dass wir aus uns heraus nichts vermögen, dann kann Gott sich uns schenken und durch uns wirken. Lassen wir die Masken fallen, die wir vor ihm immer wieder aufsetzen!

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, warum kommt es mir zuweilen so vor, als ob die Begegnung mit dir anstrengend und unbequem sein mĂŒsse. Ist es, weil ich nicht wage meine Maske vor dir abzulegen? Weil ich meine Sicherheiten dir nicht ĂŒberlassen will? Weil ich Angst habe, klein vor dir zu sein? Hilf mir, Jesus, dir mehr zu vertrauen.

Möglicher Vorsatz: In Momenten, die mich zu ĂŒberfordern scheinen, will ich heute innerlich im Herzen Jesu Zuflucht suchen.


Jesus Christus, BrÀutigam meiner Seele

2. September 2016

Freitag der Zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Ingrid OP, Priorin
Hl. Apollinaris Morel OFMCap, MĂ€rtyrer
Hl. Franz Urban, MĂ€rtyrer

Angelika Knauf

Lk 5,33-39
In jener Zeit sagten die PharisĂ€er und Schriftgelehrten zu Jesus: Die JĂŒnger des Johannes fasten und beten viel, ebenso die JĂŒnger der PharisĂ€er; deine JĂŒnger aber essen und trinken. Jesus erwiderte ihnen: Könnt ihr denn die HochzeitsgĂ€ste fasten lassen, solange der BrĂ€utigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der BrĂ€utigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. Und er erzĂ€hlte ihnen auch noch ein Gleichnis: Niemand schneidet ein StĂŒck von einem neuen Kleid ab und setzt es auf ein altes Kleid; denn das neue Kleid wĂ€re zerschnitten, und zu dem alten Kleid wĂŒrde das StĂŒck von dem neuen nicht passen. Auch fĂŒllt niemand neuen Wein in alte SchlĂ€uche. Denn der neue Wein zerreißt die SchlĂ€uche; er lĂ€uft aus, und die SchlĂ€uche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue SchlĂ€uche fĂŒllen. Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.

EinfĂŒhrendes Gebet: Mein Gott und Herr, du bist ein Gott der Liebe und Einheit. Du hast dich auf die tiefst möglichste Beziehung zu uns Menschen eingelassen. Dir möchte ich angehören mit der ganzen Kraft meiner Seele!

Bitte: Jesus, befreie mich von dem alten Kleid meiner Gewohnheiten und bekleide mich mit dem hochzeitlichen Gewand deiner Liebe!

1. Bereit fĂŒr den BrĂ€utigam? Gerade wenn unser Herz und unsere Seele aufrichtig nach Einheit mit Jesus suchen, wird uns diese Schriftstelle ermutigen können! - Die Schriftgelehrten und PharisĂ€er sind verstört ĂŒber das Verhalten der JĂŒnger Jesu, wohl mehr noch: sie sind empört. Es passt nicht in ihr kleinkariertes Denken und ihr Schema von der Gesetzestreue. Das nur heuchlerisch zu nennen, wĂ€re vorschnell. Denn die PharisĂ€er suchten in den Schriften und im Gesetz danach, wie man gottgefĂ€llig lebt, aber fĂŒr sie blieb Gott ein Richter. Die ErfĂŒllung des Gesetzes wurde so mehr und mehr zu einem sich verselbstĂ€ndigenden Kriterium, bis es letztlich nur noch um die eigene Leistung ging. Denn wichtiger als die Frage „Wer ist Gott fĂŒr mich?“ wurde die Frage: „Wer bin ich durch meine Leistung?“ – Jemand, der die Kriterien, die rechtfertigen, erfĂŒllt oder eben jemand, der sie nicht erfĂŒllt. Schnell geht dabei das wichtigste Kriterium verloren: in einer wirkliche Beziehung zu Gott zu leben – und nicht nur nach einem selbstgemachten Schema, das mir auch nur eine selbstgemachte Sicherheit geben kann.

2. In Erwartung der Braut. Bei seiner Antwort verwendet Jesus fĂŒr den Begriff der Beziehung ein Bild, das stĂ€rker nicht sein könnte: Er spricht von sich als BrĂ€utigam. Eine Hochzeit ist ein wahrhaftiger Anlass zum Feiern, aber eben aus dem einen Grund: Ein BrĂ€utigam will eins werden mit einer Braut, will die tiefst mögliche Verbindung mit einem anderen Menschen eingehen, sich ganz verschenken. Doch wer ist die Braut, wenn er auch die JĂŒnger HochzeitsgĂ€ste nennt? Wenn er sagt, dass sie fasten werden, wenn ihnen der BrĂ€utigam entzogen wird, kĂŒndet er den Moment des Heils an, der die vollkommene Einheit mit ihm schaffen wird. Es wird der Moment sein, wenn er am Kreuz unser aller Heil und Rechtfertigung wirkt und die Gemeinschaft stiften wird, die uns mit dem dreifaltigen Gott vereint: Die Kirche, seine Braut, die aus seinem geöffneten Herzen hervorgeht.

3. Hochzeit feiern. Die Kirche als die Braut Jesu ist der Ort, an dem wir mit ihm Hochzeit feiern, mit ihm eins werden können. Auch die Gebote der Kirche sind kein Selbstzweck, etwas, an dem wir uns abarbeiten, um uns selber zu Heiligen zu machen. Es sind Hilfen, die uns fĂŒr die „Hochzeit mit Jesus“ bereit machen sollen. Was es heißt, mit ihm Hochzeit zu feiern, zeigen die Beispiele vom alten und neuen Kleid, vom alten und vom jungen Wein. Um ein neues Kleid anzuziehen, das unser Hochzeitskleid werden soll, mĂŒssen wir unser altes Kleid ablegen. Um neuen Wein zu erhalten, mĂŒssen wir neue „GefĂ€ĂŸe“ werden, die seiner jungen Kraft entsprechen. Der neue Wein mag bitter schmecken, das neue Kleid fremd erscheinen, doch um mit Jesus eins werden zu können, mĂŒssen wir bereit sein, eigene und lieb gewordene Gewohnheiten oder Sicherheiten abzulegen. Jeden Tag heißt es aufs Neue, sich auf das Wirken Jesu in unserem je eigenen Leben einzulassen und nicht hĂ€ngen zu bleiben an alten Vorstellungen. Das ist nicht leicht, wie es auch der Schritt einer Braut nicht ist, sich dem BrĂ€utigam ganz hinzugeben. Doch genau das heißt Hochzeit feiern. Bleiben wir nicht nur HochzeitsgĂ€ste, Zuschauer. Legen wir unsere alten Kleider ab, ziehen wir das Hochzeitsgewand der Liebe Jesu an und trinken wir den Becher jungen Weins, den Jesus, der BrĂ€utigam unserer Seele, uns zum ewigen Bundesschluss jeden Tag aufs Neue reicht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, manchmal bleibst du mir unverstĂ€ndlich. Du wirkst in meinem Leben anders als erwartet oder erhofft und ich bin verwirrt, auch entmutigt. Ich wage nicht mehr, dir mein Herz wieder zu öffnen. Hilf du mir weiter, wenn mich der Mut verlĂ€sst oder ich Anstoß an dir nehme. Hilf mir, dir zu erlauben, mich mehr und mehr deinen „Kriterien“ der wahren Liebe anzupassen, auch wenn ich sie noch nicht verstehe.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute nicht gleich zurĂŒckschrecken und mich verschließen, wenn eine neue Anforderung vom Herrn an mich herantritt.


Jesus Christus ist der Herr - und er ist meine Freiheit

3. September 2016

Gedenktag
Hl. Gregor der Große, Papst
Hl. Sophie von Minden, MĂ€rtyrerin

Angelika Knauf

Lk 6,1-5
Als Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder ging, rissen seine JĂŒnger Ähren ab, zerrieben sie mit den HĂ€nden und aßen sie. Da sagten einige PharisĂ€er: Was tut ihr da? Das ist doch am Sabbat verboten! Jesus erwiderte ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote nahm, die nur die Priester essen dĂŒrfen, und wie er sie aß und auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus fĂŒgte hinzu: Der Menschensohn ist Herr ĂŒber den Sabbat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist der Herr. Deine Herrschaft ist eine Herrschaft der Liebe. Sie geht einher mit der Befreiung, mit der Erhöhung des Menschen. Ich bete dich an.

Bitte: Ich bitte dich, Herr, befreie mich von den Fesseln, die dein Wort in mir in Ketten legen wollen.

1. Selbstgerechtigkeit. Schöne NervensĂ€gen, diese PharisĂ€er – ist oft mein erster Impuls bei den Schriftstellen, die ĂŒber die EinwĂ€nde der PharisĂ€er berichten. Wenn die doch nicht stĂ€ndig das Haar in der Suppe suchen wĂŒrden
 Diese „Ja, aber-Leute“, die es schaffen, jede gerade aufkeimende Begeisterung in eben diesem Keim zu ersticken. Dieses AlltĂ€gliche, das den Aufbruch aus althergebrachter MittelmĂ€ĂŸigkeit und Halbherzigkeit nicht wagt! Aber wenn ich ehrlich bin, finde ich, dass mir die PharisĂ€er gerade deshalb so auf die Nerven gehen, weil ich diese Haltung nur allzu gut aus dem Umgang mit meinem eigenen Herzen kenne. Recht behalten wollen, um sich nicht Ă€ndern zu mĂŒssen. Lieber die eigenen Ängste pflegen, als sich vom Neuen ĂŒberraschen zu lassen, das Jesus bringt. In sich selbst bleiben, um Jesu Anruf auszuweichen. Welch elende Enge
wie schnĂŒrt mir das die Seele ab! Wie finde ich da raus, wie gelange ich zu dem, was mein Herz zutiefst ersehnt: Freiheit, Weite und Tiefe! Die Freiheit der Kinder Gottes, was ist das und wie gelange ich dahin? Nur ĂŒber die Herrschaft Jesu!

2. Jesu Reich fĂŒr den Menschen. Was Gott geschaffen hat, ist fĂŒr den Menschen. Die Schöpfung ist geschaffen, damit sie dem Menschen dient. Nicht, damit er selbstgerecht wird, sondern damit er lernt, seine Freiheit zu gebrauchen, wie es der rechten Ordnung entspricht. Er hat den Menschen nicht geschaffen, um ihn zu bevormunden, sondern damit er als sein Abbild in der Welt tĂ€tig wird. Dem Menschen entspricht es zu gestalten, Verantwortung zu ĂŒbernehmen, fĂŒr seine BedĂŒrfnisse und die der anderen zu sorgen. Denn Gott hat den Menschen auch nicht als Wesen ohne BedĂŒrfnisse geschaffen, sondern als eine Person, die in Freiheit nach ganzer FĂŒlle, nach ErfĂŒllung streben darf. Dass der Mensch nach seiner Abkehr von Gott durch die SĂŒnde die FĂŒlle in sich selbst zu suchen begann und dabei der Verarmung verfiel, hat Gott dazu gebracht, in Jesus selbst Mensch zu werden, um den Menschen jener FĂŒlle wieder zuzufĂŒhren, fĂŒr die er geschaffen war. Aller Kult, alle Religion, die er dem Menschen offenbarte, soll diesem Ziel dienen.

3. Durch die Herrschaft Christi zur Freiheit gelangen. Darum schafft Jesus den Kult auch nicht ab. Er sagt nicht, der Sabbat sei nicht einzuhalten. Doch er muss dem wahren Heil des Menschen dienen. Im Markusevangelium sagt Jesus an dieser Stelle auch: „Der Sabbat ist fĂŒr den Menschen da, nicht der Mensch fĂŒr den Sabbat.“ (Mk 2,27) Erst dann folgt die Aussage: „Der Menschensohn ist Herr ĂŒber den Sabbat.“ Hier wird deutlich, was den PharisĂ€ern und oft auch uns selbst den Weg zur Freiheit verbaut: Die Anerkennung der Herrschaft Jesu Christi! Der Sabbat, fĂŒr uns also der Sonntag, soll uns vom AlltĂ€glichen befreien, damit wir uns wieder unserer Herkunft bewusst werden: Wir stammen von Gott. Wenn wir Gott anbeten und groß sein lassen, erheben wir damit gleichzeitig unser eigenes Haupt. Aber wir dĂŒrfen Gott anbeten als die, die wir sind: Frei geschaffene Personen, von Gottes Liebe in ihrer eigentlichen WĂŒrde wiederhergestellt. Wenn wir die Herrschaft der Liebe Gottes anerkennen und zu verbreiten suchen, fĂŒhrt uns das aus allem heraus, was uns klein halten und einengen will. In Gott und mit Gottes Hilfe gelangen wir zur unermesslichen Freiheit der Liebe!

GesprĂ€ch mit Christus: Mein Jesus, wenn du die Herrschaft in meinem Leben anstrebst, dann willst du meine Freiheit. Du willst, dass ich ganz Mensch werde und zur FĂŒlle meines Menschseins gelange. Du willst all mein Sehnen erfĂŒllen, mir nichts vorenthalten, was mein Herz in Wahrheit ersehnt. Löse alle Fesseln, die mich von dir fernhalten, auch jenen, die ich selbst um mein Herz gelegt habe.

Möglicher Vorsatz: Ich will den morgigen Sonntag ganz bewusst mit Jesus leben, ihn in meinem Herzen auch in die Begegnung mit den anderen hinein holen, damit wir Freiheit atmen können.