Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. August 2016 bis Samstag 13. August 2016

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

P. Georg Rota LC

Baumeister seines ReichesSonntag
Die Freiheit der Kinder GottesMontag
Anbeter gesuchtDienstag
Im Tod ist das LebenMittwoch
Siebenundsiebzig MalDonnerstag
Harte HerzenFreitag
Besondere Freunde Jesu Samstag


Baumeister seines Reiches

7. August 2016

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Georg Rota LC

Lk 12,32-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: FĂŒrchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Legt euren GĂŒrtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die RĂŒckkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gĂŒrten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wĂŒsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so wĂŒrde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschĂ€ftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurĂŒck!, und anfĂ€ngt, die Knechte und MĂ€gde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in StĂŒcke hauen und ihm seinen Platz unter den UnglĂ€ubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kĂŒmmert und nicht danach handelt, der wird viele SchlĂ€ge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was SchlĂ€ge verdient, der wird wenig SchlĂ€ge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurĂŒckgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du möchtest jetzt zu mir sprechen. Hilf mir, deine Stimme zu hören. Herr, du bist jetzt da, gegenwĂ€rtig im Wort und in meiner Seele. Hilf mir, ganz bei dir zu sein.

Bitte: Jesus, dir schenke ich mein Herz. Herrsche du in mir!

1. Mein Reich ist dein Reich. Das Herz Gottes ist wie ein brodelnder Vulkan. Gott kann seine Liebe nicht fĂŒr sich selbst behalten, sondern sie sprĂŒht förmlich aus ihm heraus und möchte alle an seinem GlĂŒck teilhaben lassen. Wenn seine Liebe in einem Menschenherzen Einzug hĂ€lt, sagen wir, dass „sein Reich“ dort angekommen ist. Solche Menschen, in denen seine Liebe herrschen darf, gehören zu seiner kleinen Herde, die keine Angst mehr zu haben braucht. Sie suchen auch keine irdischen SchĂ€tze mehr, weil die Liebe Gottes sie ganz und gar erfĂŒllt. Ihr Herz hat den Schatz gefunden. Das ist der Himmel.

2. Ein König, der dient. Die Liebe Christi bringt keine tyrannische Unterwerfung mit sich. Sie ist vielmehr wie die des Hausherrn, der nach Hause kommt und seine Diener bedient. Das ist das Paradox der Liebe Gottes. Seine Liebe macht sich fĂŒr mich klein. Der ferne Gott kommt mir ganz nahe, ganz besonders wenn ich ihn in der Kommunion empfange, aber auch in den anderen Sakramenten „gĂŒrtet“ er sich und lĂ€sst mich am Festmahl seiner Gnade teilhaben. Sollte mich das nicht mit Staunen und Ehrfurcht erfĂŒllen?

3. Sein Reich ist mein Reich. â€žEr hat beschlossen, euch das Reich zu geben“. Bin ich davon ĂŒberzeugt, dass mir Gottes Reich wirklich anvertraut ist, dass er mich liebt und an mir interessiert ist? Wieviel Zeit und Energie investiere ich, um am Aufbau seines Reiches mitzuwirken? Und warum faszinieren mich andere Dinge viel mehr als meine Beziehung zu Christus und die Chance, sie aufzubauen und zu pflegen? Warum habe ich so wenig Zeit, um mich fĂŒr ihn einzusetzen und in seinem Reich Verantwortung zu ĂŒbernehmen?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich danke dir, dass du mir diese Gebetszeit gegeben hast, um dich und das Geschenk deines Reiches neu zu entdecken. Du sollst der Schatz sein, den mein Herz im Gebet und im Dienst an den NĂ€chsten sucht. StĂ€rke mich in Zeiten der Versuchung und des Leidens. Hilf mir, Herr, mein Leben von neuem in deine HĂ€nde zu legen, und durch mein Beten und Handeln dein Reich in mir und in meinem Umfeld zu errichten.

Möglicher Vorsatz: Ich werde ĂŒberprĂŒfen, wie, wann und wo ich mich einbringen kann, um Gottes Reich aufzubauen.


Die Freiheit der Kinder Gottes

8. August 2016

Gedenktag
Hl. Dominikus OP, Priester, OrdensgrĂŒnder
Hl. Cyriakus, MĂ€rtyrer

P. Georg Rota LC

Mt 17,22-27
In jener Zeit, als Jesus und seine JĂŒnger in GalilĂ€a zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Da wurden sie sehr traurig. Als Jesus und die JĂŒnger nach Kafarnaum kamen, gingen die MĂ€nner, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht? Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten? Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst ein VierdrachmenstĂŒck finden. Das gib den MĂ€nnern als Steuer fĂŒr mich und fĂŒr dich.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, mein Gott, ich glaube an deine Gegenwart hier in meinem Herzen, und jetzt zu Beginn dieser Gebetszeit. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du dich nach meiner Liebe sehnst. Diese Zeit mit dir soll ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein. Ich möchte allein dir gefallen.

Bitte: Herr, lass mich meiner WĂŒrde als dein Kind bewusst werden.

1. Der Tod des Menschensohnes. Die JĂŒnger waren Jesu beste Freunde. Die Zeit, die sie gemeinsam in GalilĂ€a verbracht haben, hat sie zusammengeschweißt. Um jeden einzelnen der JĂŒnger kĂŒmmerte er sich persönlich, half ihnen, die Schriften und seine Botschaft zu verstehen. Doch nun kĂŒndigt er ihnen an, dass er getötet werden wird. Heißt das, es war alles umsonst? Welch tiefe Trauer und EnttĂ€uschung muss die JĂŒnger wohl erfasst haben! Aus heutiger Perspektive verstehen wir natĂŒrlich den Teil, den die JĂŒnger nicht verstanden haben: „am dritten Tage wird er auferstehen“. Wir, die wir die ganze Geschichte kennen, wissen, dass wir Christus durch den Tod nicht verlieren können. Aber wir können ihn durch die SĂŒnde verlieren – daran sollten wir stets denken, denn Christus auf diese Weise zu verlieren, wĂ€re der grĂ¶ĂŸte denkbare Schmerz.

2. Gott besteuern? SĂŒnde bedeutet Absonderung von Gott. Jedes Mal wenn ich Gott mir selbst oder einer Sache unterordne, sĂŒndige ich. Im Evangelium wird dies dadurch deutlich, dass die TempelwĂ€chter Jesus dem Gesetz der Besteuerung unterordnen. Jesus nimmt dies zum Anlass, um Petrus und die JĂŒnger zu belehren. Er ist der Sohn Gottes und durch unsere Beziehung zu ihm sind auch wir Kinder Gottes. Er ist frei und macht auch uns frei von ZwĂ€ngen, die uns knechten. Wer Gott zum Vater hat, darf die Freiheit der Kinder Gottes genießen. Diese Freiheit ist jedoch keine WillkĂŒr. Jesus lĂ€sst Petrus das Geld fĂŒr die Steuer auf wundersame Weise bei der AusĂŒbung seines „Fischerdienstes“ finden, weil die Freiheit der Kinder Gottes in erster Linie eine Freiheit von den ZwĂ€ngen der SĂŒnde und des Egoismus ist und zur wahren Freiheit des Geistes und der Seele fĂŒhrt.

3. Der „Steuer zahlende“ Fisch. Der erwĂ€hnte Fischfang des Petrus ist recht ungewöhnlich. Es ist der einzige Bericht ĂŒber ein Wunder, in dem es um Geld geht. Als Geldwunder fĂ€llt der Betrag jedoch leider ziemlich bescheiden aus; Petrus findet im Maul des Fisches keinen SchlĂŒssel zur großen Schatzkammer, sondern nur eine einzige MĂŒnze – gerade genug, um die Tempelsteuer fĂŒr Jesus und Petrus zu bezahlen. Da Jesus die Apostel lehrt und formt, versucht er vielleicht, ihre Erwartungen in diesem Bereich auf das Wesentliche zu beschrĂ€nken. Sie werden nicht reich werden, wenn sie ihm nachfolgen und hierbei ihren Dienst erfĂŒllen, aber fĂŒr ihre BedĂŒrfnisse wird Gott immer sorgen. Das gilt auch fĂŒr uns: Die göttliche Vorsehung wird uns nicht enttĂ€uschen. Vertraue ich darauf?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, die Apostel können den Gedanken nicht ertragen, dich zu verlieren, und ich kann es auch nicht. Hilf mir, die SĂŒnde als den wahren Feind meiner Seele zu erkennen und sie mit deiner Hilfe auszumerzen. Ich möchte die Freiheit eines Kindes Gottes aufrichtig aus dem Glauben leben und stets auf deine Vorsehung vertrauen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde – im Rahmen meiner Möglichkeiten – fĂŒr einen guten Zweck spenden und darauf vertrauen, dass Gott fĂŒr meine BedĂŒrfnisse sorgt.


Anbeter gesucht

9. August 2016

Fest
Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein), Ordensfrau, MĂ€rtyrerin

P. Georg Rota LC

Joh 4,19-24
Die Frau sagte zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere VĂ€ter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die StĂ€tte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, mĂŒssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr ich bin hier in deiner Gegenwart, um dich im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Öffne mein Herz, damit mein Gebet ein Lobpreis deiner Herrlichkeit und GrĂ¶ĂŸe wird.

Bitte: Ich will dich anbeten!

1. Der Berg und der Prophet. Die Frau erkennt Jesus als Propheten und möchte von ihm – wie von einem Orakel – die Antwort auf eine alte Streitfrage zwischen Juden und Samaritern erhalten: „Wo befindet sich das wahre Heiligtum? In Jerusalem oder in Samaria? Jesus zeigt ihr jedoch, dass das wahre Heiligtum kein GebĂ€ude aus Stein ist. Es wĂ€re aber auch nicht genug, einfach die richtige Antwort auf diese und jene Glaubensfrage zu wissen. Der Glaube ist weder ein bloßes Kopfwissen, noch ein Sammelsurium von Andachtsformen. Auch wir mĂŒssen uns immer wieder davor hĂŒten, Jesus zu einem bloßen „Propheten“ zu machen, zu jemandem, der zum kulturellen Erscheinungsbild dazugehört und dem wir aufgrund einer Tradition folgen. Er möchte mehr als eine Randerscheinung unseres Lebens sein.

2. Kennen, lieben, anbeten. In unserer Beziehung zu ihm geht es um mehr als nur um einen Berg und einen Propheten. Jesus möchte, dass wir ihn wirklich kennen lernen. Denn durch sein Reden und Tun zeigt er uns, wie Gott ist. Wenn wir Jesus kennen lernen, lernen wir Gott Vater kennen. Und wer ihn kennen lernt, kann gar nicht anders als sich in ihn zu verlieben. Und damit beginnt ein neuer Lebensstil. Eine Glaubensbeziehung, die das Innerste meiner Existenz berĂŒhrt. Es geht nicht mehr um Äußerlichkeiten (Jerusalem oder Samaria), sondern ich lerne, dass Gott immer und ĂŒberall angebetet werden möchte. Vor allem soll mein Herz ein Tempel werden, in dem sein Lobpreis nie wieder verstummt.

3. Geist und Wahrheit. Dieser neue Lebensstil der Anbetung bedeutet, dass ich erfĂŒllt vom Heiligen Geist lebe, vom Heiligen Geist, der in mir betet. Das Gebet ist es, wodurch ich ihm die erste Stelle in meinem Leben einrĂ€ume. Es ist aber auch der Heilige Geist, der mich zur Wahrheit fĂŒhrt. Die Wahrheit, dass alle Menschen Gottes Abbild und meine BrĂŒder und Schwestern sind. Wenn ich ihnen diene, wenn ich die NĂ€chstenliebe lebe und im Apostolat wirke, verbreite ich die Wahrheit ĂŒber Gott und gebe ihm die Ehre und Anbetung, die ihm gebĂŒhrt. Bin ich bereit diesen Ruf anzunehmen, Gott in Geist und Wahrheit, in Gebet und NĂ€chstenliebe anzubeten?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, ich bin tief beeindruckt von der Verwandlung der Samariterin. Eine kurze Unterhaltung mit dir genĂŒgte, um ihrem Leben einen neuen Sinn und eine neue Sendung zu verleihen: Gott anzubeten und ihm die Ehre zu geben. Du weißt, wie sehr ich dich brauche, Herr, und so bitte ich dich, verwandle auch mich und gib, dass auch ich dir immer mehr die Ehre gebe.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute eine Kirche aufsuchen, um den Herrn in der Eucharistie anzubeten.


Im Tod ist das Leben

10. August 2016

Fest
Hl. Laurentius, Diakon, MĂ€rtyrer
Hl. Asteria (Astrid)

P. Georg Rota LC

Joh 12,24-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fĂ€llt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hĂ€ngt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, heute lĂ€dt uns die Kirche ein, das Beispiel des heiligen Laurentius zu betrachten. Er gab sein Leben dafĂŒr hin, dass immer mehr Menschen dich verehren und lieben. Ich hĂ€tte gerne den Mut, so tapfer zu lieben wie er, selbst wenn das den Tod meines Egoismus und meiner eigenen Bequemlichkeit bedeutete.

Bitte: Herr, festige in mir den Entschluss, meinen Glauben heute weiterzugeben.

1. In Seine HĂ€nde. Christus zeigt uns heute, wie wir zu einem Leben in FĂŒlle gelangen können. Er erzĂ€hlt uns, was wir brauchen, um wirklich glĂŒcklich und heilig zu sein. Anhand des Gleichnisses vom Weizenkorn, veranschaulicht er, dass wir vor dem Tod unseres Egoismus und unseres Stolzes keine Angst zu haben brauchen. Denn der fĂŒhrt zu einem fruchtbareren Leben und zu einer echten Erfahrung der Liebe Gottes. Er ist ja selbst – fĂŒr uns – durch den Tod gegangen, um zu beweisen, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern ein Leben in FĂŒlle erschließt. Das Beste, was wir tun können, ist unser Leben in seine HĂ€nde zu legen.

2. Jesus am Steuer. Wenn Jesus sagt, man soll das Leben gering achten, meint er, dass wir unsere eigenen PlĂ€ne und egoistischen WĂŒnsche aufgeben sollen. Er will uns sagen, dass wir ihn ans Steuer lassen sollen, damit er das Boot unseres Lebens in den sicheren Hafen navigiert. Solange unser Egoismus und unser Stolz das Ruder in der Hand haben, kann weder seine Liebe noch sein Licht unser Leben erfĂŒllen. Ihm gebĂŒhrt der Platz am Steuer! Der Mensch kann sich nur dann tatsĂ€chlich selbst verwirklichen, wenn er sich selbst verschenkt. Mit anderen Worten, wir können nur dann wirklich glĂŒcklich werden, wenn wir uns von Ihm leiten lassen.

3. Berufung zur Heiligkeit. â€žWenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.“ Christus beruft uns nicht zur MittelmĂ€ĂŸigkeit. Nein, er beruft uns zur Heiligkeit. Das ist die Messlatte fĂŒr unser Leben. Vor diesem Hintergrund verstehen wir die RadikalitĂ€t der Forderung Christi, uns selbst zu sterben und ein Leben in FĂŒlle zu suchen. Es ist die Vollkommenheit der Heiligen, die danach gestrebt haben, Gott in allen Dingen den ersten Platz einzurĂ€umen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich möchte dir nachfolgen, um zu dem Leben zu gelangen, dass du fĂŒr mich vorgesehen hast. Ich weiß, dass du mich zu wahrer GrĂ¶ĂŸe berufen hast: Du möchtest, dass ich glĂŒcklich und heilig bin. Hilf mir zu erkennen, was das fĂŒr mein konkretes, alltĂ€gliches Beten und Handeln bedeutet. Mach mich frei von aller MittelmĂ€ĂŸigkeit, die sich die Handlungsweise der anderen zum Maßstab nimmt. Mach mich frei von meinen SĂŒnden und meiner Ich-Bezogenheit. Danke, Herr, dass du mich so wunderbar geschaffen hast! (Ps 139)

Möglicher Vorsatz: Ich will das Leben eines Heiligen betrachten, gerade im Hinblick auf die Tugend, die ich am meisten brauche.


Siebenundsiebzig Mal

11. August 2016

Gedenktag
Hl. Klara von Assisi OSCI, Jungfrau, OrdensgrĂŒnderin
Hl. Susanna von Rom, MĂ€rtyrerin

P. Georg Rota LC

Mt 18,21-19,1
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versĂŒndigt? Sieben Mal? Jesus sagte zu ihm: Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurĂŒckzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurĂŒckzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, wĂŒrgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurĂŒckzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins GefĂ€ngnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die ĂŒbrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrĂŒbt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. HĂ€ttest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben mĂŒssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn ĂŒbergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er GalilĂ€a und zog in das Gebiet von JudĂ€a jenseits des Jordan.

EinfĂŒhrendes Gebet: Vater, ich danke dir, dass du mich heute zum Gebet rufst. Hilf mir, dir die Ehre meiner ungeteilten Aufmerksamkeit und Hingabe zu erweisen.

Bitte: Herr, mache mich barmherzig und schenke mir deine Vergebung.

1. Die, die bei uns in Schuld stehen. Jedes Mal, wenn wir das Vaterunser beten, sagen wir: „
vergib uns unsereSchuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“. Wie viele Male am Tag bete ich diesen Satz, und wie aufrichtig meine ich das eigentlich? Zu oft sind wir unfĂ€hig, anderen zu vergeben. Wir hegen Groll und Abneigung und reden dann unbekĂŒmmert ĂŒber die Fehler und Unvollkommenheiten der anderen. Wie können wir behaupten, Christen zu sein, wenn wir nicht lernen, aufrichtig und von Herzen zu verzeihen? Christus verlangt von uns, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun. Dass jemand wirklich Christ ist, bemerkt man an seiner FĂ€higkeit, die Hand auszustrecken und den anderen von Herzen zu verzeihen.

2. Gott ist Barmherzigkeit. Im Gebet lernen wir, Christus zu betrachten und von seinem Beispiel zu lernen. So sollen wir durch dieses Gleichnis erkennen, wie barmherzig Gott ist, und wie hartherzig wir oft mit anderen umgehen. Heute möchte ich dem Beispiel Christi folgen, der sich selbst erniedrigt hat, um mir zu vergeben; der sein Mitleid auch mit Taten gezeigt hat. Was kann ich tun, um fĂŒr andere ein kleines Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes zu sein?

3. Keine Angst. Vergebung ist so schwer zu schenken, weil sie uns zwangslĂ€ufig mit dem Geheimnis des Kreuzes in BerĂŒhrung bringt. Allerdings mĂŒssen wir das Kreuz nicht um der Schmerzen willen lieben, sondern um Christi willen. Er ließ sich ans Kreuz geschlagen und stieg trotz seiner Allmacht nicht von ihm herab. Indem wir Christus am Kreuz lieben, werden unsere Kreuze ertrĂ€glicher; Liebe ertrĂ€gt alles. Wenn wir verzeihen, können wir sicher sein, dass unsere Liebe echt ist. Liebe vertreibt alle Furcht.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du hast mir so viel vergeben. Schenke mir ein Herz, das deinem Herzen immer Ă€hnlicher wird. Mache mich zu einem Werkzeug deiner barmherzigen Liebe und hilf mir, andere zur Quelle deiner Barmherzigkeit zu fĂŒhren.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute versuchen, in meiner Familie, in meinem Freundeskreis oder am Arbeitsplatz eine Kraft der Versöhnung zu sein.


Harte Herzen

12. August 2016

Freitag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Karl Leisner, Priester
Hl. Johanna Franziska von Chantal OVM

P. Georg Rota LC

Mt 19,3-12
In jener Zeit kamen PharisĂ€er zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man der Frau eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlĂ€sst, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. Da sagten die JĂŒnger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfĂ€hig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, hilf mir! Du lehrst die Menschen das neue Gesetz der Liebe. Hilf mir, es zu verstehen und anzunehmen. Ich möchte es mit Glauben, Vertrauen und demĂŒtigem Herzen empfangen.

Bitte: Nimm von mir mein Herz aus Stein und gib mir ein neues, barmherziges Herz.

1. UrsprĂŒnglicher als das Gesetz des Mose. Jesus verkĂŒndet bei der Bergpredigt ein neues Gesetz. Nun versuchen die hartherzigen PharisĂ€er ihm eine Falle zu stellen. Sie wollen seine Lehre gegen das Gesetz des Mose ausspielen. Sie hofften, ihn damit unglaubwĂŒrdig zu machen. Jesus aber erkannte ihre Absicht und ging in seiner Lehre vom ursprĂŒnglichen Plan Gottes fĂŒr Mann und Frau aus. Er wusste, dass sie eigentlich nach einer Möglichkeit suchten, den Willen Gottes zu umgehen. Jesus hielt es nicht fĂŒr nötig, der Volksmenge nach dem Mund zu reden oder einen einfacheren Weg anzubieten, um gut anzukommen. FĂŒr Christus war nur das wichtig, was Gott beabsichtigte. Auch heute fordert er jeden dazu auf, Gottes ursprĂŒnglichen Plan zu betrachten.

2. Die Lehre Christi. Die Lehre Christi widerspricht unserem heutigen Mainstream der Unverbindlichkeit und der Kurzlebigkeit. Aber interessanterweise stieß seine Lehre auch schon bei seinen Zeitgenossen auf großen Widerstand. Wie kann er nur so hohe AnsprĂŒche stellen und von den Menschen so viel verlangen? Sind wir denn nicht genauso unvollkommen und hartherzig wie die Menschen zur Zeit des Mose, so dass eine Ausnahme mehr als gerechtfertigt wĂ€re? Jesus erfindet jedoch kein laxeres Gesetz; stattdessen bringt er die Gnade, die es uns ermöglicht, unser Leben so zu leben, wie es Gott „am Anfang” beabsichtigt hatte. Durch die Gnade werden wir zu „neuen Menschen” in Christus. Wir werden umgewandelt zu Kindern Gottes und mit der Kraft ausgestattet, unser Leben in Heiligkeit und in der vollen Wahrheit zu leben.

3. Aus der Gnade schöpfen und sie fließen lassen. Die JĂŒnger schienen zuerst entmutigt, denn die neue Lehre Jesu ist schwer zu befolgen. „Dann ist es nicht gut zu heiraten.“ Auch sie betrachten die Angelegenheit aus der Perspektive ihrer eigenen Begrenztheit und durch die Brille der gĂ€ngigen Meinung. Ihnen fehlt noch die innere Erfahrung der Begegnung mit der Gnade Christi, die unser menschliches Leben verĂ€ndert. Auch wir mĂŒssen immer wieder neu aus diese Kraftquelle schöpfen. Eheleute sollten die Kraft der sakramentalen Gnade, die durch ihr Eheversprechen zu fließen begonnen hat, immer wieder neu aufleben lassen, um fĂ€hig zu werden, den Ehepartner so zu lieben „wie Christus uns geliebt hat”.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, schenke mir Glauben und Vertrauen, um mit ganzem Herzen darauf zu bauen, dass deine Gnade genĂŒgt. Lass mich die Kraft deiner Gnade erfahren, um deinen Geboten treu zu bleiben und als neuer Mensch in dir zu leben.

Möglicher Vorsatz: Ich will darum bitten, dass meine Hoffnung auf die Kraft der Gnade Gottes unerschĂŒtterlich werde.


Besondere Freunde Jesu

13. August 2016

Samstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Pontianus und Hippolyt
Hl. Gerold, Bischof

P. Georg Rota LC

Mt 19,13-15
In jener Zeit brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die HĂ€nde auflegte und fĂŒr sie betete. Die JĂŒnger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die HĂ€nde auf und zog weiter.

EinfĂŒhrendes Gebet: Vater im Himmel, ich liebe dich ĂŒber alles. Hilf mir, so auf dich zu vertrauen, wie ein Kind auf seinen liebevollen Vater. Beschenke mich in dieser Gebetszeit mit deinen Gnaden.

Bitte: StĂ€rke in mir mein Vertrauen auf Dich!

1. Die Kinder zu Jesus bringen. Eltern tragen die große Verantwortung fĂŒr die Erziehung ihrer Kinder. Sie haben oft genaue Vorstellungen und hohe Erwartungen, was zukĂŒnftige Erfolge ihrer Kinder betrifft. Es wird viel Geld in die Förderung von sportlichen und musikalischen Talenten investiert. Das Wichtigste jedoch, was Eltern tun mĂŒssen, kommt im heutigen Evangelium klar zum Vorschein: Sie mĂŒssen ihre Kinder zu Jesus bringen. Sie mĂŒssen sie lehren zu beten, zur Messe zu gehen und vor allem zu begreifen, dass Jesus wirklich ihr bester Freund ist, mit dem sie alles teilen können. Kann man seinen Kindern ein grĂ¶ĂŸeres Geschenk machen?

2. Hindert sie nicht daran! Eltern haben viele Möglichkeiten, ihre Kinder zu Jesus zu bringen. Leider haben sie auch viele Möglichkeiten, sie daran zu hindern, zu Jesus zu gelangen. Allen voran ist es das eigene schlechte Beispiel. Wenn die Erziehung – besonders die Erziehung im Glauben – nur ein Lippenbekenntnis ist, wenn die Eltern nicht aus voller Überzeugung handeln und nicht mit gutem Beispiel vorangehen, dann werden die Kinder das bemerken. Wie ĂŒberzeugend und wie authentisch lebe ich meinen Glauben? Wie ernst nehme ich die Erziehung meiner Kinder im Glauben? Sehen meine Kinder mich im Fernsehen unpassende Sendungen anschauen? Wichtiger noch: Sehen sie mich beten? Oder hindere ich sie daran, zu Jesus zu kommen, weil ich ihre Erziehung den Massenmedien und dem Mainstream ĂŒberlasse?

3. Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Gute Eltern haben im Grunde nur einen Wunsch fĂŒr ihre Kinder: dass sie in den Himmel kommen! Das ist alle Gebete, Opfer und durchwachten NĂ€chte wert. Und gerade weil sie in den Himmel gehören, sollten Eltern fest darauf vertrauen, dass der Herr ihnen die dazu nötigen Gnaden verleihen wird. Christus ist der grĂ¶ĂŸte Mutmacher der Eltern! Sein sehnlichster Wunsch ist es, alle vereint im Himmel zu begrĂŒĂŸen. Dort werden Kinder ihren Eltern die wundervollen Worte sagen: „Danke, dass ihr mir geholfen habt, Jesus zu finden.“

GesprĂ€ch mit Christus: Herr Jesus, ich danke dir fĂŒr meine Eltern und fĂŒr alles, was sie getan haben, damit ich im Glauben wachse. Es tut mir leid, wenn ich manchmal hart ĂŒber sie geurteilt habe. Gib ihnen deinen reichen Segen.

Möglicher Vorsatz: Ich will ein besonderes Gebet fĂŒr meine Eltern sprechen (vor allem, wenn sie schon gestorben sind), fĂŒr sie da sein, sie besuchen oder anrufen, um ihnen meine Dankbarkeit zu zeigen.