Tägliche Meditationen



Tägliche Meditationen

Sonntag 12. Juni 2016 bis Samstag 19. Juni 2016

Elfte Woche im Jahreskreis

Beate Scheilen

Ein Treffen der GegensätzeSonntag
Wenn es an der HaustĂĽr klingeltMontag
Das geht mir gegen den StrichDienstag
Das Problem hat sich erledigtMittwoch
Gott ist kein reicher OnkelDonnerstag
Von Motten und AlarmanlagenFreitag
Lieber erst den KĂĽhlschrank fĂĽllenSamstag


Ein Treffen der Gegensätze

12. Juni 2016

Elfter Sonntag im Jahreskreis

Beate Scheilen

Lk 7,36-8,3
In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, bitte zeige mir in dieser gemeinsamen Zeit, wie viel ich dir verdanke! Auch ich möchte dich lieben und dich gerne mit dem unterstĂĽtzen, was ich besitze.

Bitte: Bitte hilf mir zu erkennen, Herr, wo ich noch zu sehr wie Simon denke und handle!

1. Wer braucht hier einen Erlöser?. Simon ist höflich kĂĽhl – die Frau ĂĽberschĂĽttet Jesus mit Zuneigung. Simon ist sehr selbstbewusst – die Frau weiĂź längst, dass sie sich auf sich selbst nicht verlassen kann. FĂĽr die Frau ist Jesus ihr Erlöser. FĂĽr Simon ist er das noch lange nicht. Er hält sich selbst fĂĽr gerecht und braucht darum niemandem die FĂĽĂźe zu waschen, oder gar zu kĂĽssen. Stattdessen macht er sich Sorgen um die kultische Reinheit Jesu, die durch die BerĂĽhrung der Frau gefährdet ist. Warum tut Jesus wohl nichts dagegen?

2. Wer nicht liebt, dem ist alles zu viel. Die Kritik kommt – wie so häufig – von dem, der nicht liebt. Später, kurz vor Jesu Tod, wird Judas die Verschwendung teuren Ă–ls kritisieren, als eine andere Frau Jesus die FĂĽĂźe kĂĽsst. Wenn ich nicht liebe, bin ich vor allem um zwei Dinge besorgt: dass die Vorschriften eingehalten werden– und dass der Aufwand, den ich fĂĽr Gott betreiben muss, sich in Grenzen hält.

3. Punkte sammeln fĂĽr den Himmel? Simon hat ein hohes Gut zu verteidigen – daher ist es verständlich, dass er sich Jesus gegenĂĽber reserviert verhält. Aber worin besteht sein Gut? Wenn man es ĂĽberspitzt ausdrĂĽckt, vielleicht in seinem angemaĂźten Recht, sich im Namen Gottes gegen eben diesen Gott abzusichern? „Erlöse dich selbst, und es ist egal, wen du anbetest“ – so ist sein (unausgesprochenes) Credo. Darin ist Gott im Grunde aber nicht wichtig. Er taucht nur als ErfĂĽllungsgehilfe auf, der mir die HimmelstĂĽr öffnen muss, wenn ich ihm eines Tages meine „Punktesammlung“ präsentiere. Ist sich Simon seiner Fehlhaltung bewusst?

Gespräch mit Christus: Jesus, du hast niemanden weggestoĂźen und auch mit Menschen, die dich anzweifelten, viel Geduld gehabt. Das lässt mich hoffen - denn ich habe von beidem etwas an mir: Ich bin ein SĂĽnder, der manchmal aber trotzdem meint, dass er dich nicht braucht. Hilf mir zu erkennen, wie es mit mir wirklich steht, und lass mich nicht zu stolz sein, dir zu FĂĽĂźen zu fallen.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich Jesus gegenĂĽber groĂźzĂĽgig sein und ihm etwas schenken, ĂĽber das er sich freut. Wenn mir gar nicht anderes einfällt, schenke ich ihm meine SĂĽnden…


Wenn es an der HaustĂĽr klingelt...

13. Juni 2016

Montag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Antonius von Padua OFM, Kirchenlehrer

Beate Scheilen

Mt 5,38-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, das sind harte Worte. Ich kann nicht sagen, dass ich bisher so lebe, wie du es hier von deinen Nachfolgern wĂĽnschst. Aber ich möchte es können, weil ich dir vertraue und sehe, dass das Böse in der Welt nur so besiegt werden kann.

Bitte: Hilf mir, Jesus, nicht mehr so viel auf meine Rechte und meinen Besitz zu pochen!

1. â€žWer dich bittet, dem gib…“ Gerade als ich diese Meditation vorbereiten wollte, klingelte es an der TĂĽr. Ein Mann hielt mir seinen Ausweis und eine medizinische Zeichnung hin und bat in gebrochenem Deutsch um Geld fĂĽr die Tumor-OP seines Kindes. Ich habe freundlich, aber bestimmt Nein gesagt und die TĂĽr zugemacht. ZurĂĽck am Schreibtisch, las ich: „Wer dich bittet, dem gib…“. Ein wenig Interesse fĂĽr Vater und Kind und ein paar Euro hätten vielleicht genĂĽgt. Stattdessen wollte ich mit dem ungebetenen Besucher schnell fertig werden, denn ich musste ja an meiner Betrachtung ĂĽber christliches Verhalten weiter schreiben!

2. Meint Gott das wirklich ernst? Warum habe ich nichts gegeben? Aus Angst? Misstrauen? GleichgĂĽltigkeit? „Wer dich bittet, dem gib…“. Wirklich? Jedem? Warum stellt Gott so extreme Vorgaben auf? Wenn ich das wörtlich nehme, bin ich bald genauso arm wie die, die mich anbetteln! Hat das nicht mal eine Grenze? Wie weit um mein Haus herum reicht die Zone der Nächstenliebe?

3. Jesus ist mehr als ein Lehrer. Nein, so geht es nicht. Jesus lässt keine Ausreden gelten. Aber mĂĽsste ich dann nicht deprimiert werden, weil ich die Anforderungen nie erfĂĽllen kann? Wären wir nicht besser dran mit einem Set von Regeln, die mit etwas Disziplin erfĂĽllbar sind? Nein – denn dann hätten wir keinen Erlöser nötig! Jesus möchte nicht den alten Adam und die alte Eva ein bisschen besser machen. Er möchte uns ein neues Menschsein schenken. Erst wenn ich gemerkt habe, wie wenig ich dem von Natur aus entspreche, kann ich Jesus als meinen Erlöser anerkennen! Vorher ist er bestenfalls ein religiöser Lehrer, dessen Regeln ich verwerfen kann, wenn sie mir zu hart vorkommen.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich merke gerade, wie wenig ich von deinen WĂĽnschen in die Tat umsetze. Hilf mir, meine Grenzen zu erweitern. Ersetze den alten Menschen in mir durch dich selbst – und schenke mir eine neue Sichtweise.

Möglicher Vorsatz: Wenn das nächste Mal jemand an meiner TĂĽr klingelt, werde ich ihm und seinem Anliegen ehrliches Interesse entgegenbringen.


Das geht mir gegen den Strich

14. Juni 2016

Dienstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Burchard von MeiĂźen, Bischof

Beate Scheilen

Mt 5,43-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, du forderst viel mehr, als ich von mir aus geben kann! Du zeigst uns deinen Vater als Vorbild fĂĽr Vollkommenheit. Kein Mensch kann das erreichen – aber trotzdem möchte ich mich auf den Weg machen, und du hilfst mir dabei mit deinem Heiligen Geist.

Bitte: Herr, lass mich offen sein fĂĽr dein Wirken in mir!

1. Egoist „von Natur aus“. â€žDer Zölibat ist widernatĂĽrlich“, sagte mir letztens zum x-ten Mal eine Freundin. Warum nur der Zölibat? Der Rest doch auch. Feinde lieben? FĂĽr Arme spenden? Schwachen helfen? Sein ganzes Leben mit ein- und demselben Partner verbringen? Das ist alles gegen die Natur des (gefallenen) Menschen! Denn von Natur aus denken wir alle hauptsächlich an uns selbst. Feindesliebe – nein danke!

2. FĂĽr Gott ist nichts unmöglich. Was Jesus hier verlangt, geht mir gegen den Strich. Ich kann es nämlich nicht aus eigener Kraft umsetzen. Nicht nur das: Ich will es noch nicht einmal! Erst wenn Gottes Gnade mich verändert hat – wenn nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir (wie Paulus sagt), dann ist das Unmögliche möglich. Dazu brauche ich aber das Gebet und die Sakramente als Nahrung fĂĽr mein neues Leben! Wenn ich als getaufter Christ diese Gnadenmittel nicht in Anspruch nehme, besteht die Gefahr, dass das neue Leben in mir schwindet und ich so handle, wie es eben „von Natur aus“ ĂĽblich ist. Das wird dann meistens als Beweis dafĂĽr hergenommen, dass Christsein die Leute nicht besser macht…

3. Der Beweis fĂĽr die Auferstehung. Dabei hätte unsere Welt dieses Zeichen so nötig! Gerade die Feindesliebe ist etwas, das die Welt aus sich heraus nicht leisten kann. Die Welt ist zum globalen Dorf geworden – aber die Bewohner dieses Dorfes haben Angst. Sie wissen nicht, wie sie einander vertrauen und einander lieben sollen. Das Wunder, das die Welt heute braucht, ist, dass Liebe, Vertrauen und Einheit geschaffen werden! Wenn man die Christen dieses Wunder bewirken sähe, wĂĽrden viele Menschen zu Gott finden. Es wäre der sicherste Beweis dafĂĽr, dass Christus lebt und in dieser Welt wirkt: Dass Menschen Dinge tun, die ĂĽber ihre eigenen Möglichkeiten hinausgehen.

Gespräch mit Christus: Jesus, auch nach 2000 Jahren Christentum ist die Welt noch kein Paradies. Aber das hast du auch nicht versprochen. Dein größtes Geschenk an uns ist keine Welt, in der alles automatisch gut ist, sondern der freie Wille, mit dem wir deinem Erlösungsangebot zustimmen oder es leider auch ablehnen können. Hilf mir, meine Freiheit so zu gebrauchen, dass ich deiner Liebe entspreche.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute etwas tun, das mir von Natur aus schwer fällt (den Nachtisch teilen; jemandem zuhören, den ich langweilig finde o.ä.).


Das Problem hat sich erledigt

15. Juni 2016

Mittwoch der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Vitus (Veit), Märtyrer
Hl.Lothar, Bischof
Hl. Gebhard, Erzbischof

Beate Scheilen

Mt 6,1-6.16-18
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂĽngern: HĂĽtet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die StraĂźenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schlieĂź die TĂĽr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trĂĽbseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, mir kommt es so vor, als wäre ich hier nicht betroffen. Aber das kann eine Täuschung sein. Ich weiĂź, dass ich meine eigenen Methoden habe, um allen zu zeigen, was fĂĽr ein guter Christ ich bin… falls ich sie selber noch nicht erkannt habe, bitte zeige sie mir jetzt.

Bitte: Herr, bitte mach mich feinfĂĽhlig fĂĽr den Unterschied zwischen einem mutigen Zeugnis fĂĽr dich und einer ĂĽberheblichen Demonstration meiner Frömmigkeit.

1. Wo ist das Problem? Frömmigkeit soll nicht zur Schau gestellt werden. Gut, da sind wir uns ausnahmsweise mal sofort mit Jesus einig. Aber beschreibt er da nicht ein Phänomen, das sich erledigt hat? Das Problem haben wir doch gar nicht mehr! Wer steht denn heute noch demonstrativ betend an der StraĂźenecke? Oder fastet so viel, dass man es ihm ansieht? Man ist doch froh, wenn man katholisch ist und keiner merkt es … am Arbeitsplatz zum Beispiel. Von religiöser Fassade sind wir doch meilenweit entfernt – oder?

2. Bin ich attraktiv? Mache ich mir da nicht selbst etwas vor? Ist meine Beziehung zu Gott, zu meinen Mitmenschen und zu mir selbst wirklich echt und authentisch? Vielleicht geht es mir in Wirklichkeit um den Lohn, in welcher Form auch immer? Will ich immer gleich die FrĂĽchte meines Gebetes oder meines Einsatzes als Christ in der Gesellschaft sehen? Womöglich suche ich Christus in der ErfĂĽllung von Vorschriften und religiösen Ăśbungen und denke dann „jetzt hab ich’s geschafft!“ Was fĂĽr ein Leben möchte ich den Menschen anbieten, mit denen ich in BerĂĽhrung komme? So eines, wie ich es fĂĽhre? Ist das wirklich attraktiv fĂĽr andere? Oder soll es nicht eher die Begegnung mit Christus sein, die ich Ihnen wĂĽnsche und vermitteln möchte?

3. Die Versuchung zum Guten. Gott lässt sich nicht in einer selbst fabrizierten Kunstwelt finden. Wer die Versuchung zum Bösen ĂĽberwunden hat, erliegt allzu oft der Versuchung zum Guten – will sagen: Gutes zu tun, das fĂĽr mich jetzt gerade nicht dran ist, das nicht zu dem Auftrag gehört, mit dem Gott mich in diese Welt gesandt hat. Gutes, das ich nur tue, weil es mir gerade SpaĂź macht, oder mir Lob einträgt. Dann habe ich meinen Lohn mit der Freude oder dem Lob schon erhalten. Nein - Gott zeigt sich mir, wenn ich nicht nach Lust und Laune oder den Erwartungen der Leute handele, sondern „in meiner Kammer bleibe“, d.h. ihn suche in meinen alltäglichen Aufgaben, die ich so gut wie es mir möglich ist, erfĂĽlle - und um seinetwillen sogar liebe, auch wenn sie mich oft nicht mit fĂĽhlbarer Freude erfĂĽllen.

Gespräch mit Christus: Jesus, mein Alltag erscheint mir oft so grau und langweilig. Ich hätte gerne mehr Abwechslung. Aber im Grunde weiĂź ich, dass das an meiner fehlenden Liebe liegt und es mich nicht glĂĽcklich machen wĂĽrde, ständig etwas Neues zu tun. Du hast mir genau diese Aufgaben gegeben, um daran heilig zu werden. Wenn ich sie mit Liebe zu dir und meinen Mitmenschen verrichte, kann aus der Langeweile innere Freude werden. Dahin möchte ich kommen.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich meine täglichen Aufgaben ganz bewusst annehmen, sie so gut wie möglich erledigen und sie Gott als Geschenk anbieten.


Gott ist kein reicher Onkel

16. Juni 2016

Donnerstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Benno von MeiĂźen, Bischof

Beate Scheilen

Mt 6,7-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich möchte jetzt von dir lernen, wie ich beten soll. Lass mich erkennen, dass es nicht darum geht, viele und „richtige“ Worte zu machen, sondern dem Vater mein Herz zu öffnen.

Bitte: Hilf mir, Jesus, das Vaterunser bewusst zu beten und nicht „herunterzuplappern“.

1. Warum beten? Warum soll ich beten, wenn Gott doch weiĂź, was ich brauche? DafĂĽr gibt es vor allem zwei GrĂĽnde: 1. Damit ich in Kontakt mit Gott komme, den ich sonst gerne links liegen lasse. – 2. Damit mir bewusst wird, dass ich bedĂĽrftig bin. Wenn ein reicher Onkel mir monatlich 1000 Euro ĂĽberweisen wĂĽrde, ohne dass ich Kontakt zu ihm aufnehme– dann wĂĽrde ich das Geld sicher gerne annehmen und die Zahlung ĂĽber kurz oder lang sogar fĂĽr selbstverständlich halten. Kommt mir das irgendwie bekannt vor? Ich bekomme zwar keine 1000 Euro im Monat geschenkt, aber immerhin täglich etwas zu essen auf den Tisch. Bin ich dankbar dafĂĽr?

2. Gott ist mir zu nichts verpflichtet. Unser Denken hier in Deutschland ist sehr geprägt vom Sozialstaat, in dem man alles bekommt, worauf man einen Anspruch hat – sofern man es versteht, das entsprechende Formular korrekt auszufĂĽllen. Hat sich schon mal jemand beim Sachbearbeiter irgendeines Amts bedankt? Wohl nicht, denn er tut ja nur seine Pflicht. Gott ist aber kein reicher Onkel. Und auch kein Beamter. Er tut nicht etwa seine Pflicht, wenn er uns versorgt, sondern beschenkt uns unverdienterweise. Und er liebt es, wenn wir bitten und danken! (Der Sozialstaat ist ĂĽbrigens eine christliche Erfindung…).

3. Es liegt an mir! Die GroĂźzĂĽgigkeit (oder Kleinlichkeit), die ich anderen gegenĂĽber an den Tag lege, wird das MaĂź sein, das Gott einmal an mich anlegen wird, wenn ich ihm gegenĂĽberstehe. Das ist erschreckend und beruhigend zugleich! Gott nimmt mich so ernst, dass er mein eigenes Verhalten als MaĂźstab fĂĽr sich heranzieht! Das bedeutet: Ich habe es in der Hand, wie meine Ewigkeit aussehen wird. Und wir brauchen uns keine Sorgen zu machen: Wenn wir Menschen guten Willens sind, kommt es nicht auf die perfekte Umsetzung an. „Man nehme den Willen fĂĽr die Tat“, sagte meine GroĂźmutter immer.

Gespräch mit Christus: Herr, ich bin mit so vielem beschenkt! Du hast mir eine Wohnung gegeben, eine Arbeit, Kleidung, Essen, Gesundheit, Freunde… und vor allem den Glauben! Ich habe allen Grund, dir dankbar zu sein! Das möchte ich nie vergessen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir fĂĽnf Dinge ĂĽberlegen, die in Deutschland selbstverständlich sind – woanders aber noch lange nicht – und Gott dafĂĽr danken, dass ich sie haben darf.


Von Motten und Alarmanlagen

17. Juni 2016

Freitag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Euphemia OSB, Ă„btissin
Hl. Fulko von Reims, Erzbischof

Beate Scheilen

Mt 6,19-23
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein. Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, ich lebe in einem Land, wo es viele schöne Dinge gibt, und leider auch viele unschöne. Viele Menschen orientieren sich an Zielen, die nicht die deinen sind. Ich möchte mich an dir ausrichten und mein Herz bei dir verankern.

Bitte: Jesus, hilf mir, die richtigen „Schätze“ zu suchen!

1. Wovon lasse ich mich prägen? Wenn ich morgens mit der S-Bahn zur Arbeit fahre, fällt mir immer wieder auf, wie viele Leute BĂĽcher lesen, deren Titel um Leichen, Vampire und Friedhöfe kreisen. Ich frage mich dann immer: Welchen Einfluss hat es auf meine Seele, wenn ich mich mit sowas „fĂĽttere“? Keinen? Wohl kaum. Während bei Lebensmitteln sofort Panik ausbricht, wenn 1 Mikrogramm Schadstoff irgendwo gefunden wird, fĂĽhren sich viele Menschen ohne Bedenken geistige Schadstoffe in hoher Dosierung zu. WorĂĽber denke ich nach? Was schaue ich an? Wovon lasse ich mich prägen? Nach und nach werde ich zu dem, was ich betrachte. Hirnforscher können das bestätigen.

2. Wer ist mein Schatz? Wir haben ein Problem, das man in ärmeren Ländern nicht kennt: Wir besitzen viele Dinge, die wir durch Versicherungen schĂĽtzen oder gar durch Alarmanlagen bewachen (mĂĽssen). „Ein gewisser Wohlstand ist notwendig fĂĽr ein frommes Leben“, schreibt Thomas von Aquin. Ein Christ muss kein ArmutsgelĂĽbde ablegen, und Arme sind nicht notwendigerweise die besseren Christen. Aber von wann ab wird etwas „mein Schatz“? Möbel, Kleider, Schmuck – alles dĂĽrfen wir nutzen und uns daran freuen – aber das Wichtigste in meinem Leben sollte nicht die Wohnungseinrichtung sein! Das alles sind Mittel, die wir soweit nutzen sollen, wie es uns hilft, zu Gott zu finden. Sie sind nicht das Ziel. Wenn die Motten sie fressen – was soll’s?

3. Was soll ich pflegen? Nur Christus ist mein wahrer Schatz! Er allein kann mich so erfĂĽllen, wie alle GĂĽter dieser Welt es nicht können. Wichtig ist aber, dass ich ein positives geistliches Leben fĂĽhre, das heiĂźt: dafĂĽr sorgen, dass Christus (das Licht) sich immer mehr in mir ausbreitet. Es geht nicht vorrangig um Fehlerbeseitigung und Vermeidung von Schlechtem. Denn wenn ich alles Unkraut beseitigt habe, aber keine Blumen im Garten stehen, wirkt das Ergebnis ziemlich öde. Konzentrieren wir uns also auf die „Blumenpflege“!

Gespräch mit Christus: Jesus, in meinem geistlichen und menschlichen Garten gibt es schöne Blumen, aber auch noch einiges an Unkraut. Das möchte ich nach und nach durch Blumen ersetzen. Zeige mir bitte, welche Blumen ich anpflanzen soll und was du nicht in meinem Garten sehen möchtest.

Möglicher Vorsatz: Ich will mir etwas Zeit nehmen, um zu ĂĽberlegen, welche Dinge ich auf dem Weg zu Gott wirklich brauche – und ich will daraus Konsequenzen ziehen.


Lieber erst den KĂĽhlschrank fĂĽllen

18. Juni 2016

Samstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Gregor Barbarigo, Bischof
Hl. Felicius und Simplicius, Märtyrer

Beate Scheilen

Mt 6,24-34
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, ich ertappe mich so oft dabei, dass ich Tage und Wochen im Voraus negative Vorahnungen ĂĽber Menschen oder Ereignisse aufstelle. Ich möchte in der Zeit, die ich mit dir verbringe, lernen, wie viel besser es ist, mich auf den heutigen Tag zu konzentrieren.

Bitte: Jesus, hilf mir, dir zu vertrauen!

1. Erst das Essen, dann der liebe Gott? Jesus sagt, dass alle unsere materiellen BedĂĽrfnisse zufriedengestellt werden, wenn unsere Priorität das Reich Gottes ist! Das hört sich zu schön an, um wahr zu sein – und deswegen handeln wir normalerweise auch genau umgekehrt! Wir sehen erst mal zu, dass genug im KĂĽhlschrank ist, die Garderobe komplett und genĂĽgend Geld auf dem Bankkonto. Erst wenn dann noch etwas ĂĽbrig ist, denken wir darĂĽber nach, etwas fĂĽr den lieben Gott zu geben. Vertrauen sieht anders aus…

2. Auch Zeit ist ein Talent. Wer sich im vorigen Abschnitt nicht angesprochen fĂĽhlte, möge sich fragen, wie er mit seiner Zeit umgeht. Welche Tätigkeiten haben Priorität in meinem Kalender? Ist mein Tag so vollgepackt, dass ich keine Zeit fĂĽr ein Treffen mit Christus finde? Gebe ich ihm „quality time“ – oder bete ich in den 5 Minuten, wo ich ohnehin an der Bushaltestelle warten muss und nichts Besseres zu tun habe? Wer ist der Herr meiner Zeit? Gott – oder ich?

3. Das Beste von heute… Heute ist ein Tag voller Gelegenheiten, Christus zu finden. Das ist meine wichtigste Aufgabe an diesem Tag! WeiĂź ich schon, wo ich ihn heute suchen werde? Wenn ich einfach so vor mich hin lebe, nur in der Hoffnung, dass heute irgendwas dabei ist, was mir SpaĂź macht, erkenne ich weder die Geschenke noch die Aufgaben, die Gott an diesem Tag fĂĽr mich vorgesehen hat. Was kann ich heute fĂĽr das Reich Gottes tun? Eines auf jeden Fall: Mir keine Sorgen machen! Es kann sowieso nicht alles, was ich befĂĽrchte, gleichzeitig eintreffen! KĂĽmmern wir uns also lieber darum, das Beste von heute zu finden – vielleicht versteckt es sich in kleinen Dingen, die ich bisher vor lauter Sorgen um morgen ganz ĂĽbersehen habe…?

Gespräch mit Christus: Jesus, ich weiĂź, dass ich immer wieder meinen eigenen Grundsätzen zuwider handle und ich mich erst einmal absichere, bevor ich mich auf deine Hilfe verlasse. Es könnte ja nicht klappen mit dem Gebet, und man muss doch vorsorgen… Befreie mich bitte von dieser Einstellung, die so tief in mir verwurzelt ist, dass ich sie oft gar nicht wahrnehme.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute die beste Zeit des Tages nur fĂĽr Christus reservieren.