Tägliche Meditationen

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Tägliche Meditationen

Sonntag 5. Juni 2016 bis Samstag 11. Juni 2016

Zehnte Woche im Jahreskreis

P. Daniel Weber LC und Ellen Petermann

Jesus will auch uns heilenSonntag
Barmherzigkeit in meinem LebenMontag
Christus nimmt uns in die PflichtDienstag
Jesus ist die ErfĂŒllung der Heiligen SchriftMittwoch
Verzeihung und FriedenDonnerstag
Reinheit des HerzensFreitag
Apostel seinSamstag


Jesus will auch uns heilen

5. Juni 2016

Zehnter Sonntag im Jahreskreis
Hl. Bonifatius, Bischof und MĂ€rtyrer, Glaubensbote in Deutschland

P. Daniel Weber LC

Lk 7,11-17
In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens NaĂŻn; seine JĂŒnger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die NĂ€he des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre und fasste sie an. Die TrĂ€ger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurĂŒck. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich ĂŒberall in JudĂ€a und im ganzen Gebiet ringsum.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich danke dir, dass ich vor dir stehen und diese Bibelstelle betrachten darf. Ich danke dir fĂŒr das Beispiel, dass du mir gibst.

Bitte: Guter Jesus, ich bitte dich, lass mein Herz empfindsam werden fĂŒr die Not der Menschen. Lass mich dein Apostel der Hoffnung und der Liebe sein.

1. Ein Gott, der mit-leidet. Der heilige Lukas zeigt uns Jesus wieder einmal von seiner ganz persönlichen Seite. Er sitzt nicht am Schreibtisch und ist mit dem „TagesgeschĂ€ft“ der Rettung der Menschheit beschĂ€ftigt, sondern er geht zu Fuß nach NaĂŻn. Dort sieht er eine Mutter, die um ihr einziges Kind trauert. Sie ist auch noch Witwe. Christus empfindet Mitleid. Papst Benedikt XVI. sagte einmal, Gott kann nicht leiden, aber er kann „mit-leiden“. Hier spĂŒren wir das Herz Jesu. Er zeigt uns, wie wichtig jeder von uns fĂŒr ihn ist. Er sieht uns und was er sieht, interessiert ihn wirklich. Was fĂŒr einen tollen Gott haben wir, der mit uns mit-leidet.

2. â€žWeine nicht“- Jesus, Mann der Hoffnung â€žWeine nicht“ – mit diesen Worten wendet sich Jesus voller GĂŒte an die Frau. In diesem Moment, wo wir nur schwer tröstliche Worte finden, ĂŒbernimmt Jesus die Initiative. Interessanterweise bittet die Frau Jesus nicht um ein Wunder. Jesus sieht ihr Elend und unternimmt selbst etwas. Welch ein tolles Beispiel gibt uns da Jesus, er bleibt nicht anonym in der Menge stehen, sondern er kommt zur Frau und tröstet sie. Christus lĂ€dt die Frau ein, von ihrer Trauer abzulassen und wieder an den Sieg des Guten zu glauben, zurĂŒck ins Leben zu gehen. Er bietet ihr Hoffnung an. Auch wir können zu Tröstern werden, zu MĂ€nner und Frauen, die Hoffnung schenken. Jesus ich danke dir, dass du diese Frau tröstest und ihr wieder Hoffnung schenkst.

3. Jesus heilt. Ja, ich bin ein bisschen stolz auf meinen Jesus. Er kommt und erweckt den jungen Mann wieder zum Leben. Er lĂ€sst sich nicht lange bitten. Er handelt und er handelt richtig. Der Bibeltext ist sehr nĂŒchtern, er berichtet, wie die Menge diese Totenerweckung erlebt. Über die Reaktion der Mutter erfahren wir nichts mehr. Aber wir können uns die Freude dieser Frau vorstellen, die vom Schicksal doppelt getroffen war. Wir spĂŒren, wie die Freude in ihr Leben zurĂŒckströmt. Keiner von uns kann Tote erwecken, aber wie gut hat es der Witwe getan, als Jesus auf sie zuging und sich ihrer annahm. Auch wir können auf die Menschen zugehen, uns ihrer annehmen und sie lieben – ihnen vielleicht nicht den siegreichen, aber doch den barmherzigen Jesus schenken.

GesprĂ€ch mit Christus: Guter Jesus, ich danke dir, dass wir Menschen fĂŒr dich so ĂŒberaus wichtig sind. Dass du auf uns zugehst und uns heilen willst.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir heute ganz bewusst fĂŒr jemanden Zeit nehmen und ihn aus Liebe zu Christus trösten oder ihm einen Dienst erweisen.


Barmherzigkeit in meinem Leben

6. Juni 2016

Montag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Norbert von Xanten OPraem, Bischof
Hl. Claudius OSB , Abt

P. Daniel Weber LC

Mt 5,1-12
In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine JĂŒnger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dĂŒrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich danke dir, dass du uns die Seligpreisungen gegeben hast. Damit zeigst du uns, worauf es wirklich ankommt.

Bitte: Lieber Jesus, ich bitte dich, lass mich die Seligpreisungen lieben, besonders die Barmherzigkeit.

1. Jesus, der Selbstlose. Jesus predigt und schenkt uns die Seligpreisungen. Sie gehören zum Zentrum unseres Glaubens. Jetzt wird es spannend; was wird Jesus uns lehren? Was wird er von uns wollen? Jesus ist selbstlos. Er fordert nichts fĂŒr sich, keine Gebete, die wir zu seinen Ehren auf jeden Fall verrichten sollen, keine Verehrung fĂŒr ihn, keine MĂŒnze im Körbchen und er braucht auch keine Torte an seinem Geburtstag. Nein, die Seligpreisungen kommen uns Menschen zugute. Wer eine gute Tat tut, den wird der Himmel belohnen. Klar, wir sind keine Söldner, die nur gegen Bezahlung arbeiten. Aber es ist doch schön, wenn wenigstens Gott merkt, dass wir Gutes tun.

2. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Im Jahr der Barmherzigkeit dĂŒrfen wir die Seligpreisung „selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ nicht ĂŒbergehen. Der Papst mobilisiert zurzeit die ganze Welt, damit Barmherzigkeit geĂŒbt wird. Warum? Vielleicht weil wir es nötig haben. Das Schöne bei Jesus ist, dass er nicht nur AnsprĂŒche stellt, sondern sie auch selbst erfĂŒllt und demgemĂ€ĂŸ lebt. Zwei bis drei Jahre spĂ€ter wird Christus ans Kreuz geheftet flehen: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ (Lk 23,34). Das ist wahre GrĂ¶ĂŸe. Auch wenn wir gegenĂŒber unseren NĂ€chsten Barmherzigkeit ĂŒben, zeigen wir GrĂ¶ĂŸe. In der Kirche nennen wir das Heiligkeit. Immer wenn wir die Barmherzigkeit leben, macht uns das ein StĂŒckchen heiliger!

3. Barmherzigkeit im Alltag? Unsere Mutter, die Kirche, ĂŒbersetzt das schwere Wort „Barmherzigkeit“ in unser tĂ€gliches Leben: Es gibt die sieben leiblichen und die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Eines dieser Werke fĂ€llt mir persönlich sehr schwer: „LĂ€stige geduldig ertragen“. Wir kennen sie alle: die QuĂ€lgeister, Besserwisser und die, die ohne Punkt und Komma reden. Diesen Menschen können wir Barmherzigkeit erweisen. Und plötzlich wird dann aus diesem fernen, frommen Wort „Barmherzigkeit“ etwas, was ich jeden Tag leben und erfahren kann. Noch sind die Möglichkeiten nicht erschöpft. Und so auch meine Möglichkeit, Christus und meinen Mitmenschen meine Liebe zu zeigen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du rufst uns dazu auf, Barmherzigkeit zu ĂŒben. Aus Liebe zu dir möchte ich mich und meinen Egoismus ĂŒberwinden und diese Barmherzigkeit ĂŒben.

Möglicher Vorsatz: Die LĂ€stigen aus Liebe zu Christus ertragen und lieben.


Christus nimmt uns in die Pflicht

7. Juni 2016

Dienstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Robert von Newminster OCist, Abt
Hl. Eoban und Adalar, Bischöfe, MÀrtyrer

P. Daniel Weber LC

Mt 5,13-16
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zĂŒndet auch nicht ein Licht an und stĂŒlpt ein GefĂ€ĂŸ darĂŒber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich preise dich, weil du an mich denkst und mich einlĂ€dst, dein Apostel zu sein. Danke fĂŒr das Vertrauen.

Bitte: Guter Jesus, gib mir die Gnade, ein mutiger Christ zu sein und dich vor den Menschen zu bekennen.

1. Salz der Erde. Christus nennt seine JĂŒnger das Salz der Erde. Ein komischer Vergleich. Das Salz wird von Amateurköchen eher stiefmĂŒtterlich behandelt. Die Kinder greifen zum Zucker, die Mutigen zu den Chiliflocken – und das Salz? Man hört öfter Mahnungen: Pass auf beim Salz! Das Salz gibt den Speisen ihre WĂŒrze. Wir Christen sollen die WĂŒrze in einer sonst faden Welt sein. Christus wollte nicht, dass wir „sĂŒĂŸâ€œ sind, sondern dass wir der Welt WĂŒrze geben. Er wollte nicht, dass wir den Menschen nach dem Mund reden, sondern dass wir fĂŒr das, woran wir glauben, einstehen. FĂŒr diesen Glauben, den Christus uns gegeben hat.

2. Lass dein Licht leuchten! Wir sollen auch wie ein Licht sein, das allen im Hause leuchtet. Christus will, dass wir sein Licht weiterverbreiten. Im Römischen Reich fanden viele Menschen nach und nach den Weg zur Kirche. Sie verließen ihre heidnischen Religionen und wurden Christen. Was die Menschen faszinierte, war die NĂ€chstenliebe und die GĂŒte. Die ersten Christen ließen ihre NĂ€chstenliebe vor den Menschen leuchten. Was ist mit uns? Leuchtet unsere NĂ€chstenliebe und GĂŒte auch vor den Menschen?

3. Die Menschen werden euren Vater im Himmel preisen. Es liegt also auch in unserer Hand, ob unsere Mitmenschen Gott preisen. Wenn ich ein gutes Beispiel geben kann, schlĂ€gt das Wellen und breitet sich aus. Eine zu große Aufgabe? Ist das nicht zu viel verlangt? - Nein, der Heilige Geist wurde uns gesandt und durch ihn erkennen wir, was wir tun sollen. Er gibt uns auch die Kraft, das Erkannte zu vollbringen. Gewöhnen wir uns zum Beispiel selbst an, Gott fĂŒr alles, was er uns schickt, angenehm oder unangenehm, zu danken und zu preisen. Fangen wir damit bei uns selbst an und stecken wir die anderen an.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du nimmst mich in die Pflicht. Ich soll Farbe bekennen, Salz und Licht sein. Bitte gib mir die Gnade, dich vor den Menschen zu bekennen und zu dir zu stehen.

Möglicher Vorsatz: Versuchen wir in den nĂ€chsten Tagen unseren Glauben besonders intensiv zu leben: bei der Arbeit, zu Hause und in unserer Freizeit.


Jesus ist die ErfĂŒllung der Heiligen Schrift

8. Juni 2016

Mittwoch der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Medardus, Bischof
Hl. Helga von Schwarzenberg

P. Daniel Weber LC

Mt 5,17-19
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfĂŒllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hĂ€lt und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus ich bete dich an. Ich danke dir fĂŒr dein Wort am heutigen Morgen.

Bitte: Ich bitte dich, zeige mir in deinen Geboten, deine göttliche Weisheit fĂŒr mein Leben.

1. Die Heilige Schrift ist eine Einheit. Jesus sieht sich in der Tradition der Propheten. Er tritt nicht so streng wie die jĂŒdischen Schriftgelehrten auf. Das HĂ€ndewaschen nach einem Marktbesuch ist nicht so wichtig, wie die Sorge um die arme Witwe von nebenan. Er predigt die NĂ€chstenliebe – das neue Gebot – aber er ist kein UmstĂŒrzler. Er interpretiert die Worte der Tora und der Propheten aus der Perspektive der Gottes- und NĂ€chstenliebe. Jesus rĂŒckt das Heil des Menschen ins Zentrum seiner Aufmerksamkeit, der Buchstabe des Gesetzes dient demselben Ziel. Welches Bild von Jesus vermittelt uns das? Das eines gĂŒtigen Vaters und eines barmherzigen Richters.

2. Jesus ist die ErfĂŒllung. Jesus legt den Schwerpunkt seiner Lehren auf die Gottes- und NĂ€chstenliebe und sieht sich darin in der Tradition der Propheten, die mit großer Hoffnung das Kommen des Messias und Erlösers vorhergesagt haben. Alles, was die Propheten verkĂŒndet haben, kommt im Leben Jesu in ErfĂŒllung. Besonders im MatthĂ€usevangelium lesen wir oft „
 damit sollte sich die Schrift erfĂŒllen“. Hier sehen wir auch die PĂ€dagogik Gottes. Im Alten Testament wird der Glaube an einen persönlichen Gott, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs verkĂŒndet. In den Evangelien erfĂŒllt Jesus die Verheißungen der Propheten und damit die tiefsten Erwartungen, die jeder GlĂ€ubige persönlich in sich trĂ€gt.

3. Die Gebote halten und lehren. In den letzten zwei SĂ€tzen betont Jesus die Wichtigkeit der Gebote, er bekrĂ€ftigt, dass man sie halten soll. Auch fĂŒr uns heute sind die zehn Gebote lebenswichtig. Die ersten drei Gebote sprechen von den Pflichten gegenĂŒber Gott und die restlichen sieben von den Pflichten gegenĂŒber unseren Mitmenschen. Und Jesus setzt noch eins drauf. Wir sollen diese Gebote auch anderen vermitteln. Das trifft besonders auf die Eltern und Lehrer zu. Gerade heute, wo so viele Menschen nach einem Sinn im Leben, nach Gott suchen, wird unser Zeugnis fĂŒr sie zu einem guten Wegweiser.

GesprĂ€ch mit Christus: Guter Jesus, du bist Mensch geworden, um uns den Weg zum Himmel zu lehren und uns zu erlösen. Manchmal bin ich zu schwach, um deine Gebote zu halten. Gib mir dann die Einsicht, dass ich bei dir um Gnade bitten kann und die Kraft, deine Gebote zu beachten.

Möglicher Vorsatz: Die zehn Gebote lesen (Deut 5,6-21), halten und fĂŒr unseren NĂ€chsten beten.


Verzeihung und Frieden

9. Juni 2016

Donnerstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. EphrÀm der Syrer, Kirchenlehrer
Hl. Anna Maria Taigi

P. Daniel Weber LC

Mt 5,20-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit grĂ¶ĂŸer ist als die der Schriftgelehrten und der PharisĂ€er, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zĂŒrnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfĂ€llt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener ĂŒbergeben, und du wirst ins GefĂ€ngnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

EinfĂŒhrendes Gebet: Lieber Jesus, ich bete dich an! Ich danke dir, dass ich heute Morgen diese Meditation mit dir verbringen kann.

Bitte: Ich bitte dich, mach mich von Herzen demĂŒtig, damit ich meinem NĂ€chsten verzeihen und auch die Bitte um Verzeihung von anderen anzunehmen vermag.

1. Du sollst Deinem Bruder nicht zĂŒrnen. Manchmal fĂ€llt es uns schwer, unseren Mitmenschen nicht zu zĂŒrnen, weil wir denken, dass unser NĂ€chster diesmal wirklich endlich eine Abfuhr verdient hat. Doch Jesus ist kein Minimalist, der sich auf ein „Du sollst nicht töten“ beschrĂ€nkt. Bei den zehn Geboten soll zwar der Schutz des Menschen im Vordergrund stehen, aber es ist durchaus noch mehr drin und so geht Jesus wieder tiefer. Was haben wir fĂŒr einen tollen Gott, der uns Menschen wirklich kennt und versteht, der uns durch seine Lehre auch vor geringerem Schaden schĂŒtzen möchte. Von dem Menschenbild, das Christus von uns hat, könnten wir uns eine große Scheibe abschneiden. Fangen wir heute damit an und versuchen wir, unseren NĂ€chsten so zu sehen, wie Gott ihn sieht.

2. Opfergabe und Vergebung. FĂŒr die Juden waren der Tempel und das Opfer von allergrĂ¶ĂŸtem Wert und jetzt kommt Jesus und sagt: Versöhn dich zuerst mit deinem Bruder und dann geh beten. Auch hier legt Jesus also einen drauf. Es ist einfacher, ein Schaf zum Tempel zu bringen und mit dem Priester zu beten, wenn er das Opfer darbringt, als zu deinem NĂ€chsten zu gehen und ihn um Verzeihung zu bitten. Aber wahrscheinlich ist fĂŒr uns die mit der Vergebungsbitte verbundene Demut von grĂ¶ĂŸerem Nutzen. Danach erst sollen wir unseren Weg fortsetzten und unser geplantes Opfer und Gebet darbringen. Auch hier stellt Jesus den Menschen in den Vordergrund.

3. Schließ Frieden! Jesus rundet seine Lehre im heutigen Evangelium mit dem Gedanken ab, man solle am Anfang des Konflikts Frieden schließen – bevor es schlimmer wird. Auch hier mĂŒssen wir demĂŒtig sein, unsere Fehler eingestehen, um Verzeihung bitten und neu anfangen. Alles sehr leicht gesagt. Es ist ein Zeichen persönlicher Reife. Hochmut war noch nie ein guter Berater: Jesus möchte, dass wir Menschen zuerst untereinander Frieden schließen, selbst wenn das auf Kosten unseres Hochmuts gehen sollte, selbst wenn wir uns ĂŒberwinden und um Verzeihung bitten mĂŒssten.

GesprĂ€ch mit Christus: Ich danke dir Jesus, dass du mir wieder die Augen öffnest und den Wert meines Mitmenschen zeigst. Zeig mir heute besonders die Menschen, die deine Liebe am meisten brauchen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute demĂŒtig sein, alle Streitigkeiten vermeiden und schnell Frieden schließen. Der Friede ist immer möglich.


Reinheit des Herzens

10. Juni 2016

Freitag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Bardo OSB, Abt, Erzbischof
Hl. Olivia, MĂ€rtyrerin

Ellen Petermann

Mt 5,27-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lĂŒstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verfĂŒhrt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser fĂŒr dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verfĂŒhrt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser fĂŒr dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlĂ€sst, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlĂ€sst, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

EinfĂŒhrendes Gebet: Barmherziger Vater, ich komme zu dir und möchte dir mein Herz schenken. Ein Herz, das lieben möchte , aber auch ein Herz, das oft voller Angst und Zweifel ist.

Bitte: Vater, schenke mir den Willen und die Kraft, von den egoistischen Tendenzen in meinem Herz loszulassen, damit du mich verwandelst.

1. Herr, weite mein Herz. In dieser Evangeliumsstelle spricht Jesus vom Ehebruch im Herzen. Was will er mir damit sagen? Wie kann ich im Herzen Ehebruch begehen? Der Katechismus der Katholischen Kirche bezeichnet das Herz als den Sitz der sittlichen Persönlichkeit. In meinem Herzen kann mit Hilfe der Gnade Gottes Gutes entstehen. Tugenden können sich ausbilden. Die Reinheit des Herzens garantiert das, und ein von Gott geweitetes Herz vergrĂ¶ĂŸert in uns die FĂ€higkeit zu lieben, wahrhaftig und ganzheitlich zu lieben. Um das zu erlangen, muss ich mein Herz ganz mit Gottes Liebe erfĂŒllen lassen. Dazu muss ich immer in engem Kontakt mit ihm stehen, eine ehrliche, echte Beziehung zu ihm pflegen. Ich muss Gott vollen Eintritt in mein Herz gewĂ€hren, es niemals vor ihm verschließen. Dann ist es leichter, Versuchungen zu widerstehen und die Phantasie zu bĂ€ndigen.

2. Wahrung der inneren SouverĂ€nitĂ€t. Unsere Taten, die guten wie die schlechten, haben ihren Ursprung in unserem Herzen. Jesus macht das am Inhalt des neunten Gebotes deutlich. Es zielt nicht allein auf die Vermeidung von unkeuschen Gedanken und WĂŒnschen ab, sondern in erster Linie auf die Bewahrung des wahren Reichtums des Herzens, damit es nicht von Gedanken und GefĂŒhlen ĂŒberschwemmt und die Liebe erstickt wird. Das gilt fĂŒr Menschen jeden Standes, fĂŒr die Eheleute, die Unverheirateten und fĂŒr diejenigen, die die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen gewĂ€hlt haben. Sicherlich ist Klugheit angesagt, die sich in ZurĂŒckhaltung, gebotener Distanz und das Vermeidung auffĂ€lliger Zuwendung ausdrĂŒcken kann. Ein Teil der Schamhaftigkeit ist sicherlich das ZĂŒgeln der Blicke. Leider ist das in unserer sexualisierten Welt gar nicht so einfach mit dem Wegschauen, denn erschreckend viele Menschen haben jeglichen Sinn fĂŒr Schamhaftigkeit verloren und enthĂŒllen das, was verborgen bleiben sollte. Leider werfen sie damit auch ihre WĂŒrde, die Gott ihnen als Geschöpf geschenkt hat, ĂŒber Bord.

3. Maria, meine Zuflucht. Die Herzensreinheit erfordert auch die Kontrolle ĂŒber unser Erinnerungsvermögen, oder salopp ausgedrĂŒckt, ĂŒber unser Kopfkino. FragwĂŒrdige GesprĂ€che, Bilder oder Begegnungen können unsere AffektivitĂ€t neu entfachen. Ebenso verhindert auch die Flucht in eine Traumwelt das Offensein fĂŒr die Wirklichkeit. Ersatzwelten sollen den oft trockenen und widerspenstigen Alltag versĂŒĂŸen. PrĂŒfen wir immer wieder, wo wir unser Herz haben. Wenn dein Herz Gefahr lĂ€uft, sich in niederen Dingen zu verstricken, suche Zuflucht bei Maria, der unbefleckten Jungfrau und blicke auf Jesus, auf das Kreuz und auf seine Barmherzigkeit.

GesprĂ€ch mit Christus: Vater, hilf mir mit deiner Gnade, ein reines Herz zu erlangen. Ich kenne meine SchwĂ€chen, aber ich vertraue darauf, dass du mir hilfst. Du wirst dich ĂŒber jeden noch so kleinen Fortschritt, den ich mache, freuen. Ich danke dir, dass du mein Vater bist.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir einmal tĂ€glich Zeit nehmen und die Reinheit meines Herzens kontrollieren.


Apostel sein

11. Juni 2016

Samstag der zehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Apostel Barnabas

Ellen Petermann

Mt 10,7-13
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Geht und verkĂŒndet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht AussĂ€tzige rein, treibt DĂ€monen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und KupfermĂŒnzen in euren GĂŒrtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt. Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wĂŒnscht ihm Frieden. Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wĂŒnscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurĂŒckkehren.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich liebe dich, und ich glaube an dich. Mein Herz brennt in der Brust, denn ich möchte ein Apostel sein. Mit Feuereifer möchte ich hinausgehen und allen Menschen, vor allem denen, die dich nicht kennen, von deiner Liebe berichten. Ich möchte mithelfen, dein Reich aufzubauen.

Bitte: Jesus, gib mir Kraft und Mut, ein authentischer Zeuge meines Glaubens und ein mutiger Apostel zu sein.

1. Klare Ansagen. Jesus sendet seine Apostel aus. Er macht ganz klare Ansagen, die fast schon wie Befehle klingen, und er erteilt Vollmachten. All das, was durch ihn schon geschehen ist, wird jetzt fĂŒr seine JĂŒnger zum apostolischen Auftrag. Bisher waren die JĂŒnger nur Schauende, jetzt sollen sie selbst zu Handelnden werden. Und es eilt. Es geht um das Nahen des Himmelreiches. Was heißt das: Das Himmelreich ist nahe? Es geht hier um einen Prozess, um einen VerkĂŒndigungsweg, um den Aufbau des Reiches Gottes, des Reiches seiner Liebe. Auch ich bin eingeladen, tatkrĂ€ftig dabei mitzuhelfen. Bin ich dazu bereit? Denn es gibt keine Zeit zu verlieren.

2. Keine ĂŒbertriebene Logistik. Die Verhaltensregeln, die Jesus seinen Aposteln mit auf den Weg gibt, sind schon etwas radikal. Hier wird Vertrauen eingefordert. Vertrauen auf Gottes Vorsehung. Die Apostel sollen nichts mitnehmen, sich nicht absichern, weder mit den Dingen, die man zum tĂ€glichen Leben braucht, noch mit finanziellen Mitteln. Sie sollen darauf vertrauen, dass Gott sie sicher fĂŒhrt. Dass er weiß, was sie brauchen, und dass er fĂŒr sie sorgen wird. Wie sieht das bei mir persönlich aus? Könnte ich dieses Vertrauen haben, oder brauche ich immer eine Sicherheit. Kann ich von ganzem Herzen JA sagen zu Gott und seinen AuftrĂ€gen, oder brauche ich immer noch ein HintertĂŒrchen? Kann ich gĂ€nzlich alles loslassen und mich ganz Gottes Vorsehung anvertrauen?

3. Frieden, wie nur Gott ihn schenken kann. Jesus erteilt uns den Auftrag, von Haus zu Haus zu gehen, nicht nur offene TĂŒren „einzurennen“, sondern auch da anzuklopfen, wo die TĂŒren fest verschlossen sind. Wir sollen das, was wir von Gott geschenkt bekommen haben, weitergeben, nĂ€mlich Gottes Liebe. Wir mĂŒssen ein offenes Ohr und ein wachsames Auge ausbilden, um zu erkennen, wen Gott uns schickt. Die AussĂ€tzigen von heute sehen anders aus als die aus der Zeit Jesu. Manchmal werden Menschen wie AussĂ€tzige behandelt, ausgegrenzt und verstoßen. Um diese Menschen mĂŒssen wir uns kĂŒmmern, die können wir ein StĂŒck weit heilen, indem wir sie annehmen und liebevoll behandeln. Und wenn wir abgelehnt werden und uns die TĂŒr vor der Nase zugeschlagen wird, dann können wir das getrost in Gottes HĂ€nde legen, still werden und mit Gott ins GesprĂ€ch kommen. Wir werden unseren Frieden finden, den Frieden, den nur Gott schenken kann.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass auch ich ein Apostel fĂŒr dein Reich sein kann. Auch, wenn ich nicht willkommen geheißen werde oder sogar auf Ablehnung stoße, weiß ich, dass du mir immer wieder neue Energie und Motivation schenken wirst, um weiter zu machen. Ich bin stolz darauf, dass du mein Freund bist.

Möglicher Vorsatz:  Heute werde ich ganz bewusst mit einer Person ĂŒber meinen Glauben reden.