Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 15. Mai 2016 bis Samstag 21. Mai 2016

Siebente Woche im Jahreskreis

P.Karl Maurer LC

Empfangt den Heiligen GeistSonntag
Gott hat die Welt so sehr geliebt…Montag
Was es bedeutet, ein geisterfĂĽllter Mensch zu seinDienstag
Wer nicht gegen uns ist, ist fĂĽr unsMittwoch
Habt Salz in euch!Donnerstag
Leben wie „am Anfang“Freitag
Menschen wie ihnen gehört das HimmelreichSamstag


Empfangt den Heiligen Geist

15. Mai 2016

Pfingstsonntag

P. Karl Maurer LC

Joh 20,19-23
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

EinfĂĽhrendes Gebet: Heiliger Geist, gib mir ein, was ich denken soll; was ich sagen soll; zu was ich schweigen soll; was ich schreiben soll; was ich tun soll; wie ich leben soll, um mich fĂĽr das Wohl der Menschen, die ErfĂĽllung meiner Sendung und den Aufbau des Reiches Christi einzusetzen. Amen.

Bitte: Heiliger Geist, du Geist der Liebe, du größtes Geschenk, das mir verheiĂźen wurde: Lass mich dir mein Herz ganz öffnen. Verwandle du mich immer mehr.

1. Aus Furcht hielten sie ihre TĂĽren verschlossen. Furcht lähmt. Was lähmt mein Leben? Die JĂĽnger hatten von den Frauen, die beim leeren Grab gewesen waren, gehört, dass Jesus auferstanden war. Aber sie glaubten ihnen nicht. Was fĂĽr eine Furcht, welche Enge lähmte sie? - Sie konnten sich das einfach nicht vorstellen. Sie hielten das alles fĂĽr Geschwätz. Ihre Liebe zu Jesus war viel zu menschlich. Ihr Glaube an Jesus war noch sehr oberflächlich. Ihre Hoffnung auf Jesus hing noch viel zu sehr von der ErfĂĽllung ihrer eigenen WĂĽnsche und Vorstellungen ab. Und jetzt bangten sie um ihr Leben. Sie hatten Angst vor den Juden. Was ihnen fehlte, war der Heilige Geist. Es fehlte ihnen die „innere Lebendigkeit und Weite“, die ein Geschenk des Heiligen Geistes ist.

2. Er zeigte ihnen seine Hände und seine Seite. In den JĂĽngern war der Glaube schwach – schwach, aber nicht erloschen. Jesus selbst hatte gebetet: „Simon, Simon... ich habe fĂĽr dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke dein BrĂĽder“ (Lk 22, 31-32). Und genau das tat Petrus. Er hielt die JĂĽnger zusammen. Sie waren versammelt, als Jesus ihnen erschien. Das kann auch fĂĽr uns sehr tröstlich sein. Jesus kann auch mit Menschen arbeiten, die nur einen schwachen Glauben haben. Wir brauchen vor Jesus nicht stark sein, damit wir uns seine Gnaden verdienen. Wenn wir nur am Glauben festhalten, wird sich Jesus auch uns offenbaren. Wie er seinen JĂĽngern die durchbohrten Hände und FĂĽĂźe gezeigt hat, so wird er sich auch uns in einer lebendigen Weise offenbaren.

3. Empfangt den Heiligen Geist! Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass der Heilige Geist erst nach der Erlösung von den SĂĽnden gegeben werden konnte. Dazu heiĂźt es im Johannesevangelium: „Der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.“ (Joh 7,39). Und weiter heiĂźt es: „Den Geist sollten alle empfangen, die an ihn glauben.“ (vgl. Joh 7,39). Ja, der Geist kommt erst in FĂĽlle, wenn das Haus gereinigt und die Hindernisse aus dem Weg geräumt sind. Wenn wir das auf uns wirken lassen, dann fällt es uns leichter, die Geschehnisse zu erfassen, deren Zeugen damals die Apostel waren und zu erahnen, was auch mit uns geschehen kann. Während der ganzen Osterzeit wuchsen die JĂĽnger im Glauben. Sie mussten zu Jesus eine neue Beziehung aufbauen. Vorher war er vor allem der „Menschensohn“ gewesen, und dem waren sie gefolgt. Durch seine Auferstehung von den Toten hatte er sich nun aber vollends als Gottes Sohn geoffenbart, er hatte die Menschheit von der SĂĽnde befreit und rief sie nun zu einem neuen Leben in seinem Geist. Dieses „Neu-Werden“ begann schon am ersten Tag seiner Auferstehung, an dem er seine JĂĽnger anhauchte und sagte: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Nun aber, 50 Tage später, empfangen sie die FĂĽlle des Heiligen Geistes.

Gespräch mit Christus: Jesus, du möchtest auch mir die FĂĽlle des Heiligen Geistes schenken. Du brauchst dazu aber ein durch und durch gläubiges Herz, dass sich in Sehnsucht nach dir verzehrt. Bitte hilf mir, im Glauben zu reifen und in der Liebe zu erstarken, damit auch ich ganz von deinem Geist erfĂĽllt werde.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute auf meine Worte achtgeben. Bei leichten und bei schwierigen Gesprächen will ich mich fragen: Wie wĂĽrde ich das mit Hilfe des Heiligen Geistes sagen?


Gott hat die Welt so sehr geliebt…

16. Mai 2016

Fest
Pfingstmontag
Hl. Johannes Nepomuk, Märtyrer

P. Karl Maurer LC

Joh 3,16-21
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, du hast uns in deinem Leben und Sterben den Weg der Liebe gezeigt: „Die Liebe ist langmĂĽtig, die Liebe ist gĂĽtig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht ĂĽber das Unrecht, sondern freut sich ĂĽber die Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand“ (1 Kor 4-7).

Bitte: Jesus, ich bitte dich, lass diese deine Liebe mein Leben immer mehr bestimmen.

1. Gott hat die Welt so sehr geliebt… Gott hat etwas Konkretes getan, um uns seine Liebe unter Beweis zu stellen, denn Liebe offenbart sich immer in Taten. Denken wir einmal nach: Ein Kind muss schon eine sehr groĂźe Liebe besitzen, damit es sein Lieblingsspielzeug mit jemandem teilt. Das verlangt schon sehr viel – auch von mir, wenn ich an mein Auto, meinen Laptop, mein Haus denke. Es aber ganz in die Hand eines anderen zu geben, das grenzt ans Unmögliche. Gott aber hat das um unseretwillen mit seinem Sohn getan. Er hat uns seinen Sohn ganz ausgeliefert. Und warum? - Weil er uns retten wollte. Und warum? - Weil er uns so sehr liebt.

2. Glauben. Wir können nur zum Glauben kommen, wenn wir unser Herz fĂĽr Gottes Tun an uns Menschen öffnen. Wenn wir in die Krippe schauen, wenn wir das Kreuz anschauen, wenn wir auf den Auferstandenen schauen, dann beginnt in uns eine lebendige Beziehung zu Gott zu wachsen. Wir sind nämlich gerufen, die Taten der Liebe, die Gott fĂĽr uns getan hat, ganz nahe an uns herankommen zu lassen. Erst wenn wir das tun, werden wir erkennen, wer Gott wirklich ist. Beim Propheten Hosea verheiĂźt Gott, er werde Israel als Braut zu sich holen und erst dann, wenn es ihm so nahe kommt, wird gelten: „Dann wirst du den Herrn erkennen“. (Hos 2,22). Und genau das bewirkt in uns der Glaube.

3. Wer die Wahrheit tut… Niemand kann die Wahrheit tun, ohne sich selbstlos in ihren Dienst zu stellen. Die groĂźe LĂĽge, die uns der Zeitgeist von heute aufschwatzen will, lautet: dass der Mensch sich selbst erlösen kann. Wenn jemand aber doch so lebt, muss er frĂĽher oder später etwas und mit der Zeit immer mehr Dinge verbergen. Der erlöste Mensch findet seinen inneren Frieden, seine Ruhe und seine Identität in einer liebevollen Beziehung zu Gott, zur Wahrheit. Jesus selbst ist diese Wahrheit. Und diese Wahrheit ist durch und durch Liebe und Barmherzigkeit.

Gespräch mit Christus: Jesus, vor dir brauche ich nichts zu verbergen. Du liebst mich gerade deswegen, weil ich mich nicht allein auf meine eigenen Kräfte verlassen will. Meine Schwäche darf ich dir immer wieder anvertrauen. In deiner Liebe bin ich geborgen, darf ich reifen und mich immer mehr entfalten.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute alles in Christi Licht legen. Wenn es irgendetwas gibt, was ich am liebsten verbergen möchte, dann werde ich es in sein Licht legen. Und dafĂĽr wird er mir den Frieden schenken.


Was es bedeutet, ein geisterfĂĽllter Mensch zu sein

17. Mai 2016

Dienstag der siebenten Woche im Jahreskreis
Hl. Bruno, Bischof
Hl. Walter OSB, Abt

P. Karl Maurer LC

Mk 9,30-37
In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen. Sie kamen nach Kafarnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei. Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

EinfĂĽhrendes Gebet: O Herr, hilf mir, dass ich nicht danach verlange, getröstet zu werden, sondern zu trösten; verstanden zu werden, sondern zu verstehen; geliebt zu werden, sondern zu lieben (Auszug aus dem Sonnengesang von Franz von Assisi).

Bitte: Schenke mir deinen Geist, der alles erneuert, der mich verwandelt und zu einem neuen Menschen macht.

1. Sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Interessanterweise heiĂźt es hier nicht: Er lehrte sie, sondern er wollte seine JĂĽnger ĂĽber etwas belehren. Sie begriffen es nicht, dass er getötet werden wĂĽrde und schon gar nicht das mit dem Auferstehen am dritten Tag. Johannes gibt das selber zu, wenn er nach der Auferstehung Jesu schreibt: „Sie wussten noch nicht... dass er auferstehen musste.“ (Joh 20,9). Diese Botschaft war ihnen einfach zu groĂź. Uns geht es manchmal auch so. Es darf und es wird vorkommen, dass wir nicht gleich alles verstehen. Wenn wir aber vertrauensvoll den Weg mit Jesus weitergehen, wird auch der Zeitpunkt der Erleuchtung kommen.

2. Sie scheuten sich, ihn zu fragen. Es ist wunderbar zu sehen, dass im Evangelium nichts beschönigt wird. Die Apostel geben hier ehrlich zu, dass sie den Sinn der Worte Jesu nicht verstanden hatten und auch dass sie sich nicht trauten, ihn darĂĽber zu befragen. Jesus wusste das und hat sie dennoch deswegen nicht gemaĂźregelt. Jesus „zaubert“ unsere Schwäche nicht hinweg. Wir dĂĽrfen schwach sein und er löst auch diese Schwäche nicht einfach auf. Er nimmt sie an. Er begleitet uns. Diese Liebe ist das eigentliche Geheimnis Jesu. Die JĂĽnger wussten sich von Jesus geliebt und darum sind sie ihm gefolgt. Jesus liebt uns – liebt mich – mit der gleichen Liebe.

3. Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt. Jesus möchte, dass wir zu geisterfĂĽllten Menschen werden. Wenn wir die Worte Jesu nicht verstehen und uns scheuen, ihnen nachzugehen, dann ergeht es uns so wie den JĂĽngern, die auf Abwege kommen. Sie sind der Mentalität ihrer Zeit verfallen, die die Mentalität aller Zeiten ist: Sie stritten darĂĽber, wer der Größte unter ihnen ist. Wie leer und oberflächlich wird unser Denken, wenn wir es nicht mit der Person Jesu verbinden! Wir brauchen seinen Geist. Jesus zeigt uns in der Antwort an seine JĂĽnger auf, wo der SchlĂĽssel zum wahren GlĂĽck liegt: Tu, was immer du tust, um seinetwillen, um Jesu Willen, dann wirst du glĂĽcklich – auch inmitten aller Dinge, die das Leben mit sich bringt.

Gespräch mit Christus: Jesus, bitte erfĂĽlle mich mit deinem Geist. GieĂź Vertrauen in mein Herz. EntzĂĽnde in mir eine Liebe, die dich nie mehr loslässt.

Möglicher Vorsatz: Jedes Mal, wenn ich heute versucht bin, meinen Vorteil zu suchen, frage ich mich ernstlich: Was bringt mir das eigentlich?


Wer nicht gegen uns ist, ist fĂĽr uns

18. Mai 2016

Mittwoch der siebenten Woche im Jahreskreis
Hl. Johannes I., Papst

P. Karl Maurer LC

Mk 9,38-40
In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzĂĽnde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. (Auszug aus dem Sonnengesang von Franz von Assisi)

Bitte: Meine Freude ist es, wenn Gutes geschieht. Jesus, bitte lass mich ĂĽber alle, die Gutes tun, auch gut reden, ganz ungeachtet ihres Standes, ihrer Herkunft und meiner eigenen, allzu engen Vorstellungen.

1. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern. Die JĂĽnger haben einen Mann dabei „erwischt“ dass er im Namen Jesu Dämonen austrieb. Sie meinten, das sei unrecht, da er nicht zu ihnen gehörte. Leider denken wir oft so. Wir finden es problematisch, wenn jemand nicht zu uns gehört. Wenn er nicht unsere Meinung vertritt, wenn er nicht das tut, was wir tun. Wenn er anders ist. Wenn wir tiefer in uns gehen, dann merken wir, dass das Problem gar nicht beim anderen liegt, sondern bei uns. Er tut ja gar nichts Schlechtes. Er tut es nur nicht in der Weise, wie wir das gerne hätten.

2. Hindert ihn nicht! Jesus durchschaut unser menschliches Herz, in dem es noch allzu oft allzu viel Selbstbezogenheit gibt. Seine Antwort auf die Frage der JĂĽnger ist einfach und klar – so klar, dass er dabei eine Befehlsform verwendet: Hindert ihn nicht! Im Herzen Jesu gibt es Platz fĂĽr alle Menschen.

3. Wer nicht gegen uns ist, ist fĂĽr uns. Jesus möchte mit diesen Worten unser Herz weiten. Der Ausspruch: „Wer nicht gegen uns ist, der ist fĂĽr uns“, lässt uns alle Menschen grundsätzlich mit einem wohlwollenden Blick betrachten. Jesus steht fĂĽr das Gute in jeder Hinsicht. Wenn sich Menschen fĂĽr das Gute – in was fĂĽr einer Weise auch immer – einsetzen, verbindet sie schon oft unbewusst etwas mit Jesus. Ganz besonders können wir dieses Wort auch auf die anderen christlichen Bekenntnisse anwenden: Wenn sie im Namen Jesu seine Botschaft verbreiten, soll uns das freuen.

Gespräch mit Christus: Jesus, du hast mir in meinem katholischen Glauben das größte Geschenk bereitet. Schenke mir ein Herz voll Liebe, damit ich diesen Schatz mit allen Menschen, die du mir anvertraut hast, teile.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute darĂĽber wachen, wie ich urteile. Jedes Mal, wenn ich versucht bin, ĂĽber jemanden zu richten, halte ich inne und schaue auf die Herzensweite und HerzensgĂĽte Jesu.


Habt Salz in euch!

19. Mai 2016

Donnerstag der siebenten Woche im Jahreskreis
Hl. Kuno OSB, Bischof
Hl. Cölestin V.,Papst
Hl. Maria Bernarda BĂĽtler OFMCap

P. Karl Maurer LC

Mk 9,41-50
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. Das Salz ist etwas Gutes. Wenn das Salz die Kraft zum Salzen verliert, womit wollt ihr ihm seine Würze wiedergeben? Habt Salz in euch, und haltet Frieden untereinander!

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, bin ich wirklich dein JĂĽnger? Jesus, ich möchte dein JĂĽnger sein! Ich will zu dir gehören. Und in allen Bereichen, wo ich noch nicht ganz dir gehöre, bitte ich dich: Weite mein Herz!

Bitte: Ja, Jesus, weite mein Herz! Denn auf mich allein gestellt, falle ich immer wieder auf mich selbst zurĂĽck. Nur wenn du mein Herz weitest, kann ich immer mehr dir gehören.

1. Weil ihr zu Christus gehört. Wenn wir doch vom Himmel auf die Erde blicken könnten! Ja, dann wĂĽrden wir wirklich verstehen, was es bedeutet, Christus anzugehören. Es ist das größte Privileg, Christus anzugehören, das Erhabenste – das, was alles ĂĽbertrifft. Im Prolog des Johannesevangeliums heiĂźt es, dass alles (!) durch Christus geworden ist und dass es nichts (!) gibt, was nicht durch ihn geworden wäre. – Was fĂĽr eine Ehre es ist, Christus anzugehören. Er ist die FĂĽlle des Lebens. Er ist die FĂĽlle der Freude. Er ist die FĂĽlle des GlĂĽcks.

2. Es gibt nichts Schlimmeres, als Christus zu verlieren. Wer Christus verliert, verliert alles. Es gibt nichts Schlimmeres, als jemanden zum Bösen zu verfĂĽhren. FĂĽr jemanden, der einen anderen zum Bösen verfĂĽhren will, wäre es besser, er wĂĽrde daran gehindert, seinen Plan nicht auszufĂĽhren. Es ist auch in jedem Fall besser, kompromisslos gegen das Böse anzukämpfen, als sich ihm zu ergeben. Warum? Weil das Böse, die Hölle, gleichbedeutend ist mit der Abwesenheit alles Guten und mit einem Schattendaseins in ununterbrochenem Schmerz; einem Zustand also, in dem „der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“. Nur weil dies etwas so Schwerwiegendes ist, hat Jesus so einschneidende und aufrĂĽttelnde Worte benutzt.

3. Habt Salz in euch! Wenn wir diesem Aufruf Jesu folgen, ist das der beste Schutz gegen das Böse. Jesus will uns damit sagen: PrĂĽfe dein inneres Feuer. WofĂĽr brennt dein Herz? Denn dort, wo dein Herz ist, das ist auch dein Schatz, das heiĂźt, dort sind auch deine Gedanken, deine SehnsĂĽchte und dein Verlangen. Jesus beschenkt uns mit einem leidenschaftlichen Eifer fĂĽr alles Wahre, Gute und Schöne. Er möchte, dass wir uns dafĂĽr wahrhaft einsetzen. Und ein Zeichen dafĂĽr, dass wir auf dem richtigen Weg sind, ist es, wenn wir Frieden stiften.

Gespräch mit Christus: Jesus, immer wieder haben Menschen versucht, „aus sich selbst heraus“ gut zu sein. Bitte bewahre mich vor dieser Falle des Bösen. Bitte schenke mir die Gnade, dass mein Vertrauen und meine Liebe zu dir nie erlöschen, besonders dann, wenn ich einer Versuchung erlegen bin.

Möglicher Vorsatz: Wie reagiere ich, wenn ich Schuld auf mich geladen habe? Heute will ich mich nicht rechtfertigen, sondern Jesus demĂĽtig um einen Neuanfang bitten und ihn mir schenken lassen.


Leben wie „am Anfang“

20. Mai 2016

Freitag der siebenten Woche im Jahreskreis
Hl. Bartholomäus Holzhauser, Priester
Hl. Elfriede, Nonne

P. Karl Maurer LC

Mk 10,1-12
In jener Zeit kam Jesus nach Judäa und in das Gebiet jenseits des Jordan. Wieder versammelten sich viele Leute bei ihm, und er lehrte sie, wie er es gewohnt war. Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.

EinfĂĽhrendes Gebet: Den meine Seele liebt, suche ich. Zu dir zieht es mich. Und von ganzem Herzen bitte ich dich, meinen mich einzigartig liebenden, dreifaltigen Gott: Bitte schenke mir ein Herz, das wieder – so wie am Anfang – im Geschenk deiner Liebe lebt.

Bitte: Ich sehne mich so sehr nach dieser wunderbaren Liebe Gottes, die die ersten Menschen im Garten Eden erfahren durften. Bitte schenke mir diese Liebe in der Form, wie es uns jetzt auf dieser Erde möglich ist.

1. Warum stellten die Pharisäer Jesus diese Frage? Wenn man heute Kinder fragen wĂĽrde, ob es den Eltern erlaubt ist, sich zu scheiden, dann wĂĽrden sie „Ja“ sagen. Sie wĂĽrden das mit traurigem Herzen sagen, aber sie wĂĽrden „Ja“ sagen, weil es ein so verbreitetes Phänomen ist. WĂĽrde man aber die Kinder fragen, ob es gut ist, dass sich Mama und Papa scheiden lassen, dann wĂĽrden wohl alle entschieden „Nein“ sagen. Genauso war es wohl zu Zeiten Jesu. Die Ehescheidung war gang und gäbe. Es ist erstaunlich, dass die Pharisäer Jesus hiermit auf die Probe stellen wollten. Doch sie vermuteten richtig: Er vertrat hierin eine andere Sicht der Dinge.

2. Nur weil ihr so hartherzig seid. Mit Jesus beginnt ein neues Leben. Obwohl Gott seine Gnade immer freimĂĽtig verteilt, war die Zeit des Alten Bundes letztendlich eine Zeit, in der die hart gewordenen Herzen der Menschen nicht geheilt worden sind und zutiefst auch nicht geheilt werden konnten. Der Alte Bund enthielt ja nur den Schatten der kĂĽnftigen GĂĽter (vgl. Hebr 10,1). Mit Jesus aber beginnt eine neue Zeit. Wer mit ihm verbunden lebt, wie die Rebe im Weinstock, dessen Herz wird geheilt. Und mit einem von Grund auf geheilten Herzen ist die ursprĂĽngliche Liebe zwischen Mann und Frau auch wieder möglich.

3. Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht scheiden. Wenn wir dieses Wort Jesu mit einem Herz betrachten, das zu seiner Liebe und seinem Plan Ja sagt, dann brechen wir in Jubel aus: Was fĂĽr eine Ehe, was fĂĽr ein Wunderwerk, dass Gott selbst Mann und Frau miteinander verbindet. Keine andere Kreatur in der gesamten Schöpfung empfing von ihm diese besondere Gnade. Die Liebe Gottes selbst ist es, die Mann und Frau zutiefst miteinander verbindet. Das ist wirklich atemberaubend. Im Anfang wären Adam und Eva nie auf die Idee gekommen, ihre gegenseitige Liebe, die ihre tiefste Kraftquelle in Gott hatte, aufzulösen. In Christus ist den Menschen heute diese ursprĂĽngliche Liebe in einer neuen Weise möglich. Je mehr Mann und Frau in Christus die wahre Liebe zueinander leben, desto mehr gehen sie miteinander den Weg zur FĂĽlle der bräutlichen Liebe, zu der sie Gott berufen hat.

Gespräch mit Christus: Jesus, wir alle streben nach einem Leben in Liebe. Binde mein Herz an dein Herz.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute mit meinem Herzen wahrhaft lieben. Wahre Liebe sucht immer das GlĂĽck und das Beste fĂĽr den anderen. Ich will heute die Regungen meines Herzens auf diese Liebe hin ausrichten.


Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich

21. Mai 2016

Samstag der siebenten Woche im Jahreskreis
Hl. Hermann Josef von Steinfeld, OPraem

P. Karl Maurer LC

Mk 10,13-16
In jener Zeit brachte man Kinder zu Jesus, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus, bitte schenke mir ein kindliches Herz. Ein Herz, das dich so geradeheraus, so bedĂĽrftig und so zart liebt wie ein Kind.

Bitte: Bitte wandle mein Herz, wenn es schon zu „erwachsen“, zu rational, zu kalt geworden ist.

1. Man brachte Kinder zu Jesus. Wie sehr muss sich Jesus gefreut haben, als einige Eltern ihre Kinder zu ihm gebracht haben. Und auch heute freut sich Jesus, wenn die Eltern sich darum mĂĽhen, dass ihre Kinder zu ihm kommen. Kann man Kindern ein größeres Geschenk bereiten, als sie mit der Liebe vertraut zu machen, die Jesus fĂĽr sie empfindet?

2. Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Die Seligpreisungen sind fĂĽr Menschen geschrieben, die ein kindliches Herz haben. Kinder sind „arm“ – sie empfangen alles von ihren Eltern. Die gleiche Einstellung haben Menschen, die mit einem kindlichen Herzen vor Gott leben. Sie erwarten letztendlich alles von Gott, besonders das, was wirklich zählt. Und so stimmt die erste Seligpreisung: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ mit dem Wort Jesu ĂĽber die Kinder ĂĽberein: „Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich“. Hören wir ehrfĂĽrchtig auch den Nachsatz aus Jesu Mund, der uns tief treffen sollte: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“

3. Jesus nahm die Kinder in seine Arme. Was fĂĽr ein wunderbarer Mensch Jesus doch war! Er war den Menschen seiner Zeit, er war den Kindern so nahe. Er umarmte sie. Aber das, was fĂĽr die damaligen Menschen galt, das gilt auch heute fĂĽr mich. Jesus, der Auferstandene, lebt und ist auch mir ganz nahe. Ich brauche mich ihm nur in echtem, tiefem, lebendigem Glauben zu nähern und dann nimmt auch er mich in seine liebenden Arme. Das ist keine Metapher, sondern eine zutiefst erlebbare Wirklichkeit.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich sehne mich so sehr nach einer vertraulichen, tiefen und innigen Beziehung zu dir. Bitte schenke mir ein Herz, das so einfach ist, wie das eines Kindes und so werde auch ich in deiner Liebe meinen inneren Frieden finden.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich einfach einmal so sein wie ein Kind. Ich möchte wenigstens einige Momente finden, um das konkret zu leben.