Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 8. Mai 2016 bis Samstag14. Mai 2016

Siebente Woche in der Osterzeit

Lorli Pregel

Das sichtbare ZeichenSonntag
Die naive und die reife LiebeMontag
Die Herrlichkeit Gottes und seine MachtDienstag
Jesus schĂŒtzt uns, aber wovor?Mittwoch
Jesus offenbart sein HerzDonnerstag
Barmherzigkeit, die aufbaut und bestÀtigtFreitag
Hingabe, ohne Vergleiche anzustellenSamstag


Das sichtbare Zeichen

8. Mai 2016

Siebenter Sonntag in der Osterzeit
Exaudi

Lorli Pregel

Joh 17,20-26
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur fĂŒr diese hier, sondern auch fĂŒr alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

EinfĂŒhrendes Gebet: Guter Vater, im Vertrauen komme ich zu dir und möchte mich an deiner Hand ins Gebet fĂŒhren lassen. Sende mir deinen Heiligen Geist, damit er mich mit deiner Liebe erfĂŒlle. Lass mich tiefer eindringen in das Geheimnis deiner Liebe und meiner Berufung, die darin besteht, als Christ immer mehr zu lieben – so, wie du liebst.

Bitte: Schenke mir die Gabe Herr, ein Werkzeug deiner Liebe zu sein; dass ich immer wieder den Mut finde, Eintracht und Versöhnung zu stiften, wo immer ich bin. Schenke uns Frieden und Einheit in dieser zerrissenen Welt!

1. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht. â€ž... damit die Liebe mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist.“ – Nach dieser Aussage Jesu steht Gottes Name fĂŒr seine unendliche Liebe; es handelt sich um die Liebe, die den Vater und den Sohn im Heiligen Geist verbindet. Mit dem Namen Gottes bekannt werden, bedeutet, in das Geheimnis dieser Liebe hineingenommen zu werden. Als Kinder Gottes tragen wir den Namen Gottes und haben dadurch Teil an diesem erhabenen und zugleich so innigen Geheimnis, das in uns wohnt. Wir mĂŒssen uns dessen nur bewusst werden.

2. Damit die Welt glaubt. Gottes ist unsichtbar. Sein Geheimnis unfassbar. Dies macht den Glauben oft schwer und ungreifbar. Es gibt jedoch ein Zeichen, durch das Gottes Gegenwart und seine Liebe sichtbar und glaubwĂŒrdig wird: durch eine gelebte Liebe, die Einheit schafft. Dort, wo Menschen in Einheit leben; dort, wo es, trotz Streit und Konflikt, immer wieder zu Versöhnung und Einigung kommt, da wird die Gegenwart der Liebe Gottes und sein Wirken sichtbar und greifbar. Das lĂ€sst Menschen Gott erfahren. Als Kind Gottes, dem (bei der Taufe) der Name der Dreifaltigkeit aufgeprĂ€gt worden ist, trage ich in mir die Kraft und die Gnade, Werkzeug dieser Einheit und versöhnenden Liebe zu sein und so ein strahlendes Zeugnis der lebendigen Liebe Gottes, die in meinem Herzen wohnt, zu geben.

3. Die Welt hat dich nicht erkannt.  Als JĂŒnger Jesu ist es nicht einfach, inmitten einer Welt zu leben, die Gott nicht erkennt. Es ist relativ einfach, Zeugnis zu geben und zu lieben, wenn die Menschen in der Umgebung den Glauben teilen und man gemeinsam auf dem Weg ist. Doch wie schwer und herausfordernd ist es, fĂŒr den Glauben einzustehen und die NĂ€chstenliebe zu leben, wenn man das Risiko eingeht, nicht verstanden, belĂ€chelt oder gemieden zu werden. Doch Jesus weiß davon, er kennt die Schwierigkeit. Deshalb hat er beim Letzten Abendmahl fĂŒr uns gebetet: „Heiliger Vater, ich bitte nicht nur fĂŒr diese hier, sondern auch fĂŒr alle, die durch ihr Wort an mich glauben.“ Jesus tritt stĂ€ndig fĂŒr uns ein. Er schenkt uns die Kraft zur Liebe!

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, das sind schöne Gedanken und ich möchte auch gern daran glauben. Doch ich sehe so viel Zerrissenheit, Unfrieden und Streit in unserer Welt und Gesellschaft; da scheint es oft, dass alle BemĂŒhungen sich wie ein Tropfen Wasser auf dem heißen Stein verflĂŒchtigen. Schenke mir Mut und Hoffnung und vor allem die Kraft, um immer wieder von neuem an die Macht deiner Liebe zu glauben und daran, dass DU durch meinen kleinen Beitrag, bewirken kannst, dass die Liebe stĂ€rker ist als all das Dunkle und Schwere. Schenke vielen Menschen diese Kraft und Hoffnung, dass wir vereint mit dir und untereinander einen Unterschied ausmachen können, dass das QuĂ€ntchen, das wir geben, auf der Waage den entscheidenden Ausschlag zum Guten hin bewirkt.

Möglicher Vorsatz: Ich werde ĂŒberlegen ob es in diesem Moment in meinem Leben eine Beziehung gibt, eine Situation, die Versöhnung braucht; ich werde mit Jesus darĂŒber sprechen, wie ich das angehen kann, damit es geschieht.


Die naive und die reife Liebe

9. Mai 2016

Montag der siebenten Woche in der Osterzeit
Hl. Volkmar OSB

Lorli Pregel

Joh 16,29-33
In jener Zeit sagten die JĂŒnger zu Jesus: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen. Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in BedrĂ€ngnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, das Letzte Abendmahl war ein so inniger Moment mit deinen Aposteln, ein Moment der vertrauensvollen Offenheit. Schenke mir, Herr, in diesem Gebet diese Innigkeit im GesprĂ€ch mit dir, lass unsere Freundschaft tiefer werden.

Bitte: Ich bitte um innere Offenheit fĂŒr dein Wort und deine Gnade.

1. Die naive und die reife Nachfolge. Die JĂŒnger sind begeistert vom Vertrauen, das Jesus ihnen zeigt, von seiner NĂ€he und Offenheit. Es gibt ihnen das GefĂŒhl, in ihrer Freundschaft mit Jesus und in ihrem Glauben an ihn einen Höhepunkt erreicht zu haben; sie fĂŒhlen sich sicher, stark und geborgen in ihm, sind sich ihrer Freundschaft und Treue ihm gegenĂŒber sicher. Doch sie haben noch nicht begriffen, was bevorsteht. Jesus korrigiert ihre gut gemeinte, doch naive Vorstellung. Schon mehrmals hatte er von „seiner Stunde“ gesprochen, hatte die Passion und sein Leiden angekĂŒndigt; doch die Apostel hatten es weder verstanden noch wahrhaben wollen. Jesus konfrontiert sie nun noch einmal mit den ihm unmittelbar bevorstehenden Leiden und auch mit ihrer eigenen SchwĂ€che, die in dieser Stunde ans Licht kommen wird. Jesus scheint aber nicht aufgebracht zu sein. Er weiß, dass die JĂŒnger diese PrĂŒfung brauchen, um in ihrem Glauben zu wachsen und zu reifen.

2. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Die Gegenwart des Vaters ist die wahre Quelle, aus der Jesus Kraft und Trost schöpft. Er lebt geborgen in dieser Gegenwart; eine Gegenwart, die ihn nicht vom Leid befreit (Vater und Sohn sind sich einig, dass sie die Welt auf diesem Weg erlösen werden); es ist eine Gegenwart, die trĂ€gt und in jedem Moment die Gewissheit gibt, dass nichts umsonst ist. Auch die Apostel können dieser Aussage entnehmen, dass das, was Jesus Kraft verleiht, letztlich nicht ihre Treue als Apostel ist. Vielleicht hat dieser Gedanke im Nachhinein auf die Apostel eine befreiende Wirkung gehabt. Nachdem sie ihre eigene UnzulĂ€nglichkeit erfahren hatten und Jesu Voraussage bestĂ€tigt sahen, spendete ihnen dieses Trost, weil sie wussten, dass er nicht allein war. Und sie erkannten, dass Jesus schon wusste, dass sie noch nicht die Kraft haben wĂŒrden, ihn zu begleiten.

3. Habt Mut, ich habe die Welt besiegt. Jesus hatte den JĂŒngern ihr eigenes Versagen vorausgesagt. Sie brauchten viel Mut und StĂ€rke, um ihre eigene SchwĂ€che zu akzeptieren und die Kraft zu finden, um zu glauben und zu vertrauen. Doch dieser Mut und diese Kraft entsprangen nicht aus dem, was aus Eigenem in sich trugen, sondern hatten eine andere Quelle: Jesu Sieg und Auferstehung. Seine Auferstehung bedeutete, dass Jesus lebt und mit ihnen geht. Uns schenkt sie die Gewissheit, dass das Böse in der Welt endgĂŒltig besiegt ist (auch wenn es auf dieser Erde noch Macht hat und wirksam ist). Ein kurzer Blick in die Apostelgeschichte lĂ€sst erkennen, was die Erfahrung des Sieges Christi in den Aposteln bewirkt hat. Sie empfingen im Glauben einen kĂŒhnen Mut und eine schier unĂŒberwindliche Kraft. Ihr Glaube war durch die Erfahrung des Kreuzes gereift und durch die Auferstehung strahlend und stark geworden ist.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, es gibt Momente in meinem Leben, in denen ich deine NĂ€he besonders intensiv erfahre; in solchen Momenten fĂŒhle ich mich stark und getragen. Doch es gibt auch Momente, in denen ich mich sehr schwach und klein fĂŒhle; fast unfĂ€hig, mich den Herausforderungen zu stellen und dir treu zu sein. Hilf mir, im Glauben zu wachsen. Schenke mir die Gewissheit deiner Auferstehung; eine Gewissheit, dass, egal was passiert, du schon gesiegt hast und du mir eines Tages vollkommenen Anteil an deinem Sieg schenken wirst.

Möglicher Vorsatz: Ich werde einen Besuch beim Allerheiligsten machen (oder einen Moment der Stille in meinem Zimmer suchen) und fĂŒr Menschen in aussichtslosen Situationen beten und diese dem Herrn und seinem Sieg anvertrauen.


Die Herrlichkeit Gottes und seine Macht

10. Mai 2016

Dienstag der siebenten Woche in der Osterzeit
Hl. Damian de Veuster SSCC, Lepraapostel

Lorli Pregel

Joh 17,1-11a
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht ĂŒber alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende gefĂŒhrt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. FĂŒr sie bitte ich; nicht fĂŒr die Welt bitte ich, sondern fĂŒr alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich danke dir fĂŒr die Gnade, dass ich daran glauben kann, dass du in meiner NĂ€he bist, auch wenn es nicht immer einfach ist und mein Glaube wie ein Kerzenlicht flackert, wenn ich manchmal zweifle. Herr, stĂ€rke meinen Glauben und hilf mir zu hören, was du mir heute sagen möchtest. Auch wenn du leise oder ganz still bist, glaube ich fest daran, dass du hier bist und mir deine Gnade schenkst. Ich möchte in dieser Zeit des Gebetes ganz in deiner Gegenwart verweilen.

Bitte: Ich bitte Dich, Herr, fĂŒr die vielen Menschen, die dich noch nicht kennen, und die noch nie die Erfahrung deiner Liebe und deiner NĂ€he gemacht haben. Bitte schenke ihnen diese Erfahrung!

1. Die Herrlichkeit Gottes. Im heutigen Evangelium lesen wir den Beginn des sogenannten Hohepriesterlichen Gebets, das Jesus beim Letzten Abendmahl sprach; es wird im Laufe der nĂ€chsten Tage bei der heiligen Messe ganz vorgelesen. Es handelt sich um ein FĂŒrbittgebet Jesu an seinen Vater fĂŒr seine JĂŒnger und fĂŒr alle, die im Laufe der Geschichte an ihn glauben werden. Im heutigen Abschnitt ist immer wieder von der Herrlichkeit Gottes die Rede. Jesus bittet den Vater, ihn zu verherrlichen, so wie auch er ihn verherrlicht hat. Was bedeutet diese Herrlichkeit, an der Jesus auch seine JĂŒnger teilhaben lassen möchte? Jesus spricht von Verherrlichung im Kontext des Werkes, das er auf Erden vollbracht hat. Dieses Werk bestand darin, die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes zu verkĂŒnden und die Menschen zu erlösen. Die Herrlichkeit Gottes bezieht sich also auf die unendliche Liebe der Dreifaltigkeit, die alles durchdringen und in eine wunderbare Einheit bringen möchte. Gottes Herrlichkeit hat nichts mit einer „Selbstverherrlichung“ zu tun, sondern eher damit, dass Gott alle Hindernisse niederreißt, um uns in diese wunderbare Liebesgemeinschaft hineinnehmen zu können. Wenn das geschieht, dann wird Gott verherrlicht!

2. Die Macht Gottes ĂŒber die Menschen. Die Macht Gottes kann beĂ€ngstigend sein, wenn man sie als eine willkĂŒrliche und unberechenbare Allmacht versteht, der man schutzlos ausgeliefert ist. In diesem Evangelium wird jedoch sehr deutlich, was die Macht Gottes bedeutet: Gott Vater hat Jesus Macht ĂŒber alle Menschen gegeben, damit er allen das ewige Leben schenke. Es handelt sich um die Macht der Liebe und der Barmherzigkeit. Die Macht, alle Dinge so zu fĂŒgen, dass sie zum Heil der Menschen beitragen, auch wenn es auf eigene Kosten geht (was Jesus am Kreuz offensichtlich gespĂŒrt hat). Mein Leben ist getragen von dieser Macht der Liebe und das sollte fĂŒr mich eine Quelle tiefen Friedens und tiefer Freude sein.

3. Das ewige Leben. Im Evangelium beschreibt Jesus, was dieses ewige Leben, das er uns zu schenken vermag, bedeutet: Gott zu kennen und den er gesandt hat, Jesus Christus. Meine Freundschaft mit Jesus ist der Beginn des ewigen Lebens schon hier auf Erden! Jesus hat alles gegeben, um mir dieses ewige Leben zu erkĂ€mpfen und zu sichern. Ich muss es nur annehmen und tĂ€glich in mir wachsen lassen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, deine Liebe ist so unbegreiflich und ĂŒbersteigt alles, was ich mir vorstellen kann. Vielleicht sind es gerade meine Vorstellungen, die es mir schwer machen, deine Liebe so anzunehmen, wie sie ist und zu glauben; und zu verstehen, wie sie mein Leben verĂ€ndern kann. Herr, schenke mir einen Glauben, der die Berge in meinem Herzen versetzen kann, damit ich bereit werde, diese Liebe so anzunehmen, wie du sie mir schenken möchtest.

Möglicher Vorsatz: Ich werde ĂŒberlegen, ob es etwas in meinem Herzen (oder in meinem Verstand) gibt, was mich daran hindert, offen zu sein und in meiner Freundschaft mit Jesus zu wachsen.


Jesus schĂŒtzt uns, aber wovor?

11. Mai 2016

Mittwoch der siebenten Woche in der Osterzeit
Hl. Gangolf, MĂ€rtyrer
Hl. Mamertus, Bischof
Hl. Joachim Tabernitz OSB, MĂ€rtyrer

Lorli Pregel

Joh 17,6a.11b-19
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behĂŒtet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfĂŒllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in FĂŒlle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich fĂŒr sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkĂŒnde! So beginnt die Kirche jeden Morgen ihr Gebet und ich möchte mich diesem Lobpreis, der die Erde erfĂŒllt, anschließen. Ich möchte dich loben und deinen Namen preisen, weil du mir einen neuen Tag geschenkt hast; weil du mich beschĂŒtzt und deine segnende Hand ĂŒber mich und mein Leben hĂ€ltst. Schenke mir, Herr, deinen Heiligen Geist, damit er mich im Gebet leitet und mir sein Licht schenkt.

Bitte: Schenke mir, Herr, einen tieferen Einblick in dein Herz und in das, was du dir fĂŒr mich und fĂŒr alle Menschen wĂŒnschst.

1. Das wertvolle Vermögen. Im heutigen Evangelium klingt es so, als wĂŒrde Jesus beim Vater Rechenschaft ĂŒber ein wertvolles Vermögen ablegen, das ihm anvertraut wurde, und als ob er genau darĂŒber berichten wĂŒrde, wie er damit umgegangen ist. Dieses wertvolle Vermögen sind die Menschen, die ihm vom Vater anvertraut worden sind: „[...] die du mir aus der Welt gegeben hast. [...] Und ich habe sie behĂŒtet“. Jeder Mensch (und darunter auch ich), ist eine wertvolle Gabe des Vaters an den Sohn. Und Jesus behandelt uns dementsprechend. Wir sind der wertvolle Schatz, fĂŒr den Jesus alles gegeben hat, um uns zu behĂŒten und zu schĂŒtzen.

2. Jesu Schutz. Jesus versichert, dass er seine JĂŒnger behĂŒtet hat; er bittet seinen Vater aber nicht darum, sie aus der Welt zu nehmen, sondern sie vor dem Bösen zu bewahren. Unter Gottes Schutz zu stehen, bedeutet nicht, von allem Schweren oder Leidvollem verschont zu bleiben. Das Leben hat seine Herausforderungen, denen sich auch der Christ stellen muss. Christus nachzufolgen, bedeutet manchmal sogar „den Hass der Welt“ und das damit verbundene Leid zu erfahren. Doch Jesus hat uns vom Vater Schutz vor dem Bösen erbeten, dem Bösen, das die Seele verletzen und meine Beziehung zu Gott bedrohen, bzw. zerstören kann. Durch den Glauben erhalte ich keine Impfung gegen Schwierigkeiten und Leid, sondern die Gewissheit einer Freundschaft, die mir durch alle Schwierigkeiten hindurch bleibt, ĂŒber sie hinweghilft und mich an das große Ziel bringt.

3. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Der Begriff der „Welt“ hat in der Heiligen Schrift viele Bedeutungen. In diesem Kontext bezieht er sich auf alles Geschaffene, das Gott Widerstand leistet und von ihm getrennt ist. Diese Welt meint Jesus, wenn er sagt, dass wir nicht von dieser Welt sind; denn genau von dieser Welt hat er uns erlöst, um uns in sein Reich zu bringen, das heißt, in die Welt, in der Christus herrscht! Beide Welten existieren parallel nebeneinander und es ist gar nicht so einfach, sie voneinander zu unterscheiden. Wir brauchen seine Gnade und seinen Heiligen Geist, um immer wieder Klarheit zu gewinnen und uns zu entscheiden, welcher Welt wir angehören möchten.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich möchte dir dafĂŒr danken, dass du mein Leben und meine Erlösung so ernst genommen hast; ernster als ich sie nehme. Danke, dass du mich nicht loslĂ€sst und immer da bist, um mich vor Gefahren und Versuchungen zu warnen. Manchmal empfinde ich die Stimme meines Gewissens als unangenehm und stelle mich sogar taub; aber danke, dass du nicht aufgibst und mich trotzdem auf meinem Weg begleitest, auch wenn ich mich manchmal fĂŒr Umwege entscheide. Danke fĂŒr deine Geduld, mit der du mich fĂŒhrst und mich immer wieder auf den rechten Weg zurĂŒck in dein Reich begleitest.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute fĂŒr alle Menschen, die sich von Jesus entfernt haben, oder verwirrt sind und zweifeln (einige liegen mir vielleicht besonders am Herzen), den Rosenkranz beten, damit sie die Stimme des Guten Hirten erkennen und sich ihm erneut anvertrauen.


Jesus offenbart sein Herz

12. Mai 2016

Donnerstag der siebenten Woche in der Osterzeit
Hl. Pankratius

Lorli Pregel

Joh 17,20-26
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur fĂŒr diese hier, sondern auch fĂŒr alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

EinfĂŒhrendes Gebet: Ich danke dir, mein Gott, dass ich heute wieder Zeit finde, um mit dir ins GesprĂ€ch zu kommen und bei dir Nahrung fĂŒr mein Herz zu finden.

Bitte: Schenke mir ein aufmerksames und hörendes Herz; schenke mir die Gnade, tiefer in dein Herz einzudringen. Ich bitte auch fĂŒr Menschen, die es aufgegeben haben zu beten, damit sie in ihrem Herzen wieder zu dir finden.

1. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. Heute lesen wir dasselbe Evangelium wie letzten Sonntag, den letzten Abschnitt von Jesu Hohepriesterlichem Gebet. Im Laufe dieses Gebets, lĂ€sst er uns in sein Herz schauen und gewĂ€hrt uns Einblick in das Feuer der Liebe, das dort brennt. Es ist, als wĂŒrde Jesus einen Vorhang, der sein Herz verhĂŒllt, öffnen und uns in das tiefe Geheimnis seiner Verbundenheit mit dem Vater hineinsehen lassen. Sein Herz ist erfĂŒllt und von der Sendung beansprucht, die er vom Vater empfangen hat, in deren ErfĂŒllung er unzertrennlich mit dem Vater vereint ist. Der Vater ist so sehr wie der Sohn in der ErfĂŒllung dieser Sendung engagiert. Es ist nicht so, als ob der Vater den Sohn geschickt hĂ€tte und nun bequem zusehen wĂŒrde, wie der Sohn die Erlösung der Menschen bewerkstelligt. Der Vater ist in ihm, so wie der Sohn im Vater ist. Nur aus dieser innigen Verbundenheit heraus lĂ€sst sich Jesu Leben erklĂ€ren und nur dank dieser Verbindung kann er das Werk, das ihm anvertraut ist, vollbringen.

2. Sein Gebet fĂŒr die JĂŒnger. In diesem Gebet spĂŒrt man auch, dass Jesus im Herzen zu seinen JĂŒngern eine unendliche Liebe empfindet. Er lĂ€sst sie seinen Abschiedsschmerz und seine Sorge spĂŒren. Im GesprĂ€ch mit dem Vater geht es nur um die JĂŒnger und um alles, was er fĂŒr sie getan hat, darum, wie es ihm auf der Seele brennt, dass er sie nun alleine lassen muss und fĂŒr sie den göttlichen Schutz sichern möchte. Jesus hat bewusst laut gebetet. Er wollte, dass seine JĂŒnger dieses Gebet hören; er wollte, dass sie eines Tages, wenn sie von Zweifel und Versuchungen heimgesucht werden, sich daran erinnern, dass sie nicht alleine sind; er wollte, dass sie sich daran erinnern können, dass er fĂŒr sie gebetet hat, und dass er und der Vater ihre schĂŒtzende Hand ĂŒber sie halten. Ich bin auch unter diesen JĂŒngern, die an seinen Namen geglaubt haben, und fĂŒr die Jesus intensiv gebetet hat.

3. Nur schöne Worte? Dieses große Geheimnis der Liebe und Jesu Bitte, dass wir alle eins seien und dass er in uns lebe, wie er im Vater und der Vater in ihm lebt... klingt zwar schön, aber nicht sehr real oder „bodenstĂ€ndig“. Man könnte wohl darĂŒber denken, dass man im Leben besser realistisch sein mĂŒsse und sich an handfesten Dingen festhalten solle. Was Jesu Worten jedoch Kraft gibt, ist seine Auferstehung. Er hat die Grenzen des Todes – ja, die Grenzen von Raum und Zeit durchbrochen. Er lebt und hat uns die Sakramente geschenkt, durch die er tatsĂ€chlich in uns lebt, uns heilt, uns stĂ€rkt. Es ist jedoch allein der lebendige Glaube, der uns Zugang zu diesen Wahrheiten schenkt.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke Dir, dass ich zu den Menschen zĂ€hle, die dich kennen und an dich glauben, auch wenn mein Glaube nicht immer stark ist. Ich weiß auch, dass vieles an deiner Liebe mir noch unbegreiflich ist. Hilf mir, immer tiefer in dieses Geheimnis hineinzuwachsen und immer fester in dir verankert zu leben.

Möglicher Vorsatz: So wie das Gebet Jesu mich stĂ€rkt, kann mein Gebet andere stĂ€rken. Ich werde an Menschen in meinem Umfeld denken, von denen ich weiß, dass sie besonderes Gebet brauchen und werde fĂŒr sie ein Geheimnis vom Rosenkranz beten.


Barmherzigkeit, die aufbaut und bestÀtigt

13. Mai 2016

Freitag der siebenten Woche in der Osterzeit
Unsere Liebe Frau von Fatima
Hl. Servatius

Lorli Pregel

Joh 21,1.15-19
In jener Zeit offenbarte sich Jesus den JĂŒngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine LĂ€mmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe. Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegĂŒrtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine HĂ€nde ausstrecken, und ein anderer wird dich gĂŒrten und dich fĂŒhren, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen wĂŒrde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich möchte in meinem Herzen still werden, um auf dich zu hören und ganz in deiner Gegenwart zu verweilen. Wie Petrus möchte ich deine Frage hören und dir meine Antwort geben. Schenke mir, Herr, eine stets wachsende Liebe zu dir.

Bitte: Herr, ich bitte dich, lass mich in meiner Freundschaft mit dir wachsen. Ich bitte heute auch fĂŒr all die Menschen, die sich schwach fĂŒhlen, die meinen, dass sie nicht die Kraft haben, dir treu zu sein. Schenke ihnen die Erfahrung deiner Barmherzigkeit und schenke ihnen neuen Mut in deiner Nachfolge.

1. Barmherzigkeit, die aufbaut und bestĂ€tigt. Es ist unvorstellbar, was Petrus in den Tagen vor diesem Evangelium erlebt und durchlitten hat! Nicht nur das Trauma der Passion Jesu, sondern auch das seines eigenen bitteren Versagens. Es ist verstĂ€ndlich, dass er an sich selber zweifeln musste, sich fragen musste, ob er noch wĂŒrdig sei, Jesus nachzufolgen. Aber Jesus sucht Petrus am See Genezareth unter UmstĂ€nden auf, die seine erste Begegnung mit ihm lebendig werden lassen. Wie drei Jahre zuvor nĂ€hert sich ihm Jesus am Seeufer nach einer langen Nacht ohne sichtbaren Erfolg und bewirkt durch sein Wort erneut einen wunderbaren Fischfang. In diesem Kontext fordert er Petrus auf, ihm seine Liebe zu bestĂ€tigen. Zugleich bestĂ€tigt er ihn in der Aufgabe und Sendung, die er ihm von Anfang an aufgetragen hatte: Weide meine LĂ€mmer! Mit anderen Worten: Sei der Hirte meiner Kirche! Kein Vorwurf, keine Anklage wird laut wegen seiner dreimaligen Verleugnung.Jesus kennt Petrus und sieht in ihm mehr als den Menschen, der er im Moment seiner Passion war. Er kennt die HerzensgrĂ¶ĂŸe dieses Mannes und fĂŒhrt ihn ĂŒber die EnttĂ€uschung ĂŒber sich selbst hinaus in die Erfahrung: Jesus vertraut mir!

2. Liebst du mich? Eine gereinigte Liebe. Dreimal fragt Jesus Petrus, ob er ihn liebt. In den ersten zwei Fragen benutzt Jesus das Wort „agape“ (was fĂŒr die vollkommene, selbstlose Liebe steht). Und Petrus antwortet mit dem Wort: Du weißt dass ich dich liebe – „filia“ (was fĂŒr die Freundschaftsliebe steht). Beim dritten Mal fragt Jesus „Liebst du mich?“ und benutzt dabei das Wort „filia“, und Petrus antwortet: Du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe – „filia“. Wir begegnen hier einem Petrus, der nicht mehr ĂŒberschĂ€umt mit Treueversprechen, sondern einem Petrus der demĂŒtig und realistisch geworden ist, der sich aber auch nicht schĂ€mt, seine Liebe trotz ihrer offensichtlichen SchwĂ€che zu bezeugen. Es ist eine Liebe, die nicht mehr auf sich selber baut; eine Liebe, die nicht versucht, den Helden zu spielen; sondern eine aufrichtige Liebe, die nur den einen Wunsch hat, der Freundschaft mit Jesus treu zu sein.

3. Folge mir nach! Es scheint, dass Jesus nur eine solche BestĂ€tigung wollte. Daran kann er auch erkennen, dass Petrus eines Tages sein Leben fĂŒr ihn tatsĂ€chlich hingeben wird – wenn die Zeit dafĂŒr gekommen ist. Manchmal fragen wir uns, was wir fĂ€hig wĂ€ren, fĂŒr Jesus hinzugeben. Wenn wir die Berichte ĂŒber die MĂ€rtyrer hören (auch noch heute), stellt sich uns unmittelbar die Frage, ob auch wir dazu bereit wĂ€ren, unser Leben hinzugeben. Doch mĂŒssen wir versuchen, unsere Freundschaft mit Jesus nicht in irgendwelchen ausgedachten Szenarien, sondern im Hier und Jetzt zu leben, und dabei in der Liebe wachsen. Gott weiß, wie wir ihm zu folgen haben und wie wir unser Leben hingeben können. Wenn wir versuchen, im „Heute“ treu zu sein, wird Jesus immer da sein, um uns aufzuheben, wenn wir gefallen sind und uns die Kraft zu geben, die wir brauchen, um auch einmal einen höheren Preis fĂŒr unseren Glauben zu zahlen.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass dieses GesprĂ€ch mit Petrus im Evangelium steht, denn es bringt meinem Leben Hoffnung und Freude. Ich erfahre auch immer wieder, dass ich im Glauben und in der Liebe schwach bin, fĂŒhle mich dann entmutigt und bin ĂŒber mich selbst enttĂ€uscht. Durch diese Begegnung mit Petrus weiß ich, dass deine Barmherzigkeit immer grĂ¶ĂŸer ist. Sie lĂ€sst mich immer wieder vertrauen, dass der Weg weiter geht; dass es um die Liebe geht, eine Liebe, die nicht perfekt sein muss, sondern ehrlich und demĂŒtig. Schenke mir, Jesus, diese Demut und dieses Vertrauen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute meinen Mitmenschen eine neue Chance geben, sie aufrichten und auf ihren guten Willen vertrauen.


Hingabe, ohne Vergleich anzustellen

14. Mai 2016

Samstag der siebenten Woche in der Osterzeit
Hl. Christian, MĂ€rtyrer

Lorli Pregel

Joh 21,20-25
In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir! Petrus wandte sich um und sah, wie der JĂŒnger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der JĂŒnger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird? Als Petrus diesen JĂŒnger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach! Da verbreitete sich unter den BrĂŒdern die Meinung: Jener JĂŒnger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Dieser JĂŒnger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die BĂŒcher nicht fassen, die man schreiben mĂŒsste.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, schenke mir heute deinen Heiligen Geist. Er erfĂŒlle mein Herz und meinen Verstand und öffne mich fĂŒr deine Stimme und deine Botschaft. Lass mich inmitten meines Alltags deinen Willen und deine Gegenwart erkennen und sie leben.

Bitte: Ich bitte dich um die Weisheit und das Licht, die mich im tĂ€glichen Leben erkennen lassen, wie ich dir konkret dienen und folgen kann.

1. Die typische Neigung. Wer hat sich noch nie mit den anderen verglichen, um sich an ihnen zu messen? Eine ganz menschliche Neigung. Petrus ist mitten im GesprĂ€ch mit Jesus, und hat sich erneut entschieden, Jesus aus Liebe zu folgen und plötzlich sieht er Johannes und hat das BedĂŒrfnis, genau zu wissen, wie es um ihn steht und wo er selber sich im Vergleich zu ihm befindet; es scheint fast, als fĂŒhle er sich verunsichert und brauche diesen Vergleich, um seinen eigenen Standort klarer bestimmen zu können. Vielleicht steht dahinter ein verborgener Instinkt nach Gerechtigkeit; vielleicht geht es ihm darum, dass seine Hingabe nicht mehr von ihm abverlangt als Johannes seine eigene. Es ist tröstlich zu wissen, dass die Apostel normale Menschen waren – wie wir – und dass sie Jesus so gefolgt sind, wie sie waren.

2. Der ganz persönliche Weg. Doch die Nachfolge Jesu ist persönlich. Er beruft uns als Kirche dazu, in Gemeinschaft unseren Glauben zu leben und zu feiern. Er hat auch die Apostel als Kollegium in eine Gemeinschaft gerufen. Gemeinschaft stĂ€rkt; Gemeinschaft gibt die Gelegenheit, die NĂ€chstenliebe zu leben. Doch unsere Beziehung zu Jesus bleibt etwas ganz Persönliches, etwas, was nie verglichen werden kann, denn es ist ein Geheimnis, das sich im Verborgenen des Herzens abspielt. Der Weg des Petrus ist ein anderer als der des Johannes, sie sind nicht vergleichbar; jeder ist berufen, auf eigene Weise Jesus zu dienen und sich ihm hinzugeben. So ist es auch in unserem Leben. Auch wenn ich von einer Glaubensgemeinschaft begleitet und getragen werde, muss ich meinen Glaubensweg in Freundschaft mit Jesus ganz persönlich gehen. Nur diese innerste Zwiesprache mit Jesus, in der ich tĂ€glich erkenne, was er von mir möchte, ist der Maßstab fĂŒr meine Hingabe an ihn.

3. Der Wert der Hingabe. Petrus hat am Ende seines Pilgerweges sein Leben am Kreuz gegeben und so Zeugnis fĂŒr seine Liebe zu Christus abgelegt. Johannes ist als einziger der Apostel in hohem Alter eines natĂŒrlichen Todes gestorben. Beide sind große Heilige und Vorbilder. Auf ganz verschiedene Weise haben beide ein leuchtendes Zeugnis fĂŒr ihren Glauben an Christus gegeben. Es ist mĂŒĂŸig, sich zu fragen, wer heroischer in seiner Liebe, wessen Hingabe wertvoller war. Jeder hat dort gedient, wo Jesus ihn gebraucht und hingefĂŒhrt hat.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, die Versuchung ist manchmal groß, mich mit anderen zu vergleichen. Obwohl ich verstehe, dass das keinen Sinn macht, lasse ich mich oft dadurch verunsichern oder irritieren. Schenk mir die Gnade, Herr, nur auf dich zu hören und nur darin meinen inneren Frieden und meine Freude zu finden, dass ich auf deine Stimme und deinen Ruf höre. Lass mich ein guter Samariter fĂŒr andere sein, sie in ihrer Hingabe unterstĂŒtzen, ohne jedoch Vergleiche anzustellen. Ich möchte in Freundschaft mit dir wachsen und jeden Schritt meines Lebenswegs mit dir gehen und meinen Beitrag leisten, so wie ich kann.

Möglicher Vorsatz: Jedes Mal, wenn ich mich heute mit anderen Menschen vergleichen möchte, werde ich mich an Jesu Stimme erinnern, die mich ruft: „Folge du mir nach!“