Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 1. Mai 2016 bis Samstag 7. Mai 2016

Sechste Woche in der Osterzeit

P. Paul Habsburg LC

Wahrer Friede kommt nur von GottSonntag
Nur Diener sind echte ZeugenMontag
Jesus: mein Weg, meine Wahrheit, mein LebenDienstag
Den Heiligen Geist ersehnen lernenMittwoch
Ein StĂĽck Mensch im Herzen GottesDonnerstag
Freude, die mir keiner nehmen kannFreitag
Leben lernen, heiĂźt dienen lernenSamstag


Wahrer Friede kommt nur von Gott

1. Mai 2016

6. Sonntag in der Osterzeit
Vocem iucunditatis
Hl. Josef der Arbeiter

P. Paul Habsburg LC

Joh 14,23-29
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus, heute öffne ich mich deinem Wort, um zu erfahren, dass dein Wort stärker ist als ich, um mich an ihm festzuhalten und um in ihm den wahren Friede zu finden, der bleibt. Maria, steh mir in diesem Gebet bei.

Bitte: Komm Heiliger Geist, lege Gottes Wort in mein Herz, dass ich reden lerne, wie er redet, und lieben lerne, wie er liebt.

1. An Gottes Wort festhalten. Ist es eigentlich nicht unfassbar, dass Gott Mensch geworden ist und als Mensch zu uns Menschen gesprochen hat? Gott hat mir etwas zu sagen, ja er hat es schon gesagt… und doch bin ich fähig, wegzuhören. An wie vielen Dingen klammere ich mich manchmal fest, Dinge die mich weder nähren noch tragen können. Jesus lädt mich heute ein, am Einzigen festzuhalten, was mich tatsächlich nähren und tragen kann: am Wort Gottes.

2. An Gottes Wort erinnert werden. Aber wie kann ich in dieser so hektischen und lauten Welt, in diesem Stimmen-Wirrwarr die eigentliche Stimme Gottes hören und erkennen, um mich schlieĂźlich an ihr festzuhalten? Jesus gibt mir die Lösung: Er verspricht mir heute, dass er mir den Heiligen Geist schicken wird (Er hat es sogar schon getan) und dass dieser mich alles lehren und mich an alles erinnern wird. Ihm will ich jetzt ganz bewusst mein Herz öffnen, auf seine Stimme möchte ich mein Herz ausrichten… wie eine Mutter auf die Stimme ihres Kindes (offenbart sich uns Gott nicht meistens in dem, was klein, gering und hilflos ist?). Es reicht, dass ich mich danach sehne, den Rest kann Er viel besser als ich…

3. In Gottes Wort Frieden finden. Auch wenn mir die Welt täglich (und heute von neuem) hunderte von Versprechen macht und mir ununterbrochen zu erklären versucht, was ich alles dringend brauche, um glĂĽcklich zu werden… so kann doch nur ein einziger sein Friedensversprechen halten: Jesus Christus. Warum? Weil er mein Herz geschaffen hat und weil nur er weiĂź, was ich tatsächlich brauche, um Frieden zu finden. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt… sondern einen, der bleibt. Mein Herz war unruhig, bis es ruhte in dir. Der Heilige Augustinus ist nur einer von Millionen von Menschen die bezeugen können, dass „sein Frieden“ der wahre Friede ist, den mir niemand nehmen kann.

Gespräch mit Christus: Danke Herr, dass du Mensch geworden bist, um zu mir zu sprechen. Vergib mir die vielen Male, in denen ich weggehört habe. Ich freue mich und ich preise dich dafĂĽr, dass dein Wort immer nah ist, dass ich nur die Bibel öffnen muss, um dir zu begegnen und um meiner Seele zu erlauben, von dir berĂĽhrt zu werden. Sende mir heute und immer deinen Heiligen Geist, dass er mich an alles erinnere. Auf ihn will ich hören, ihn will ich wählen. Dann gibst du mir den Frieden, bei dir zu sein; dann fehlt mir nichts.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute öfters in meinem Herzen den Satz wiederholen: „Herr gib mir deinen Frieden, nicht den weltlichen Frieden.“


Nur Diener sind echte Zeugen

2. Mai 2016

Montag der sechsten Woche in der Osterzeit
Hl. Athanasius von Alexandrien, Patriarch
Hl. Zoe, Märtyrerin

P. Paul Habsburg LC

Joh 15,26-16,4a
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, du bist der wahre Zeuge des himmlischen Vaters. Du hast das gesehen, wonach wir alle uns nur sehnen können. Du hast die Apostel zu deinen Zeugen gemacht. Erlaube mir jetzt, dir zu begegnen, dass ich in der Welt dein Zeuge sein kann. Maria, tritt vor Gott fĂĽr mich ein, dass ich sein demĂĽtiger Zeuge werde.

Bitte: Lege dein Licht und deine Liebe in mich hinein, damit die Menschen nicht mich sehen, sondern dein Licht in mir, deine Liebe in meinem Blick.

1. Zeuge werden. In seiner Enzyklika „Deus caritas est“ sagte uns Papst Benedikt XVI.: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine groĂźe Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“. Ja, diese Begegnung mit dem lebendigen Gott macht uns zu Zeugen der schönsten und wichtigsten Botschaft, welcher der Mensch heute mehr denn je bedarf: Gott ist uns nah, er ist gut, er versteht uns, er ist barmherzig, er hat sich begreifbar gemacht und er sucht uns, bis er uns findet.

2. Zeugnis ablegen. Jesus bittet seine JĂĽnger im heutigen Evangelium ausdrĂĽcklich, von ihm Zeugnis abzulegen. Und die Kirche ist tatsächlich nicht durch groĂźe Strategien entstanden, sondern durch eben jenes schlichte Zeugnis einfacher Fischer… Um ein Zeuge Jesu zu sein, muss ich nicht Theologie studiert haben, ich muss nur bei ihm verweilen. Wer Zeit mit Jesus verbringt, im Gebet, im Lesen und Betrachten des Evangeliums, in der Anbetung oder im stillen Verweilen am FuĂź eines Kreuzes… den formt diese Begegnung langsam aber sicher um: er wird gĂĽtiger, liebender und dienender… und wird damit zum lebendigen Zeugnis der verborgenen Gegenwart Gottes in der Welt.

3. Als Zeuge in der Welt verlieren lernen. Jesus bereitet seine JĂĽnger auf Verfolgung vor. Er lädt sie jedoch ein, keine Angst zu haben, in den Augen der Welt zu verlieren, weil sie das Wichtigste schon gewonnen haben und nicht mehr verlieren können: Sie sind Freunde Gottes geworden, sie haben lieben gelernt. Zeuge Jesu in der Welt zu sein, bedeutet fĂĽr mich nicht nur, von Gott zu reden, sondern in erster Linie zu lieben und zu dienen, wie er geliebt und gedient hat: dem Nächsten zu vergeben, ihn geduldig zu ertragen, auf ihn zuzugehen, täglich neu den ersten Schritt machen, zu lächeln, zu danken, zu suchen was verloren ist, barmherzig zu sein… zumindest ab und zu!

Gespräch mit Christus: Auch wenn ich mein Leben und meine Freiheit liebe, so spĂĽre ich doch in mir die Sehnsucht, immer tiefer in deinen Dienst zu treten, von dir Zeugnis abzulegen. Heute lädst du mich ein, Zeuge deiner Liebe und GĂĽte zu sein, Zeuge deiner Barmherzigkeit. Aber nicht zunächst in der dritten Welt, sondern mit der Person, die direkt neben mir sitzt… Du kennst meine Grenzen, meine Zerbrechlichkeit, meine Ungeduld: berĂĽhre jetzt mein Herz, meine Seele, meinen Verstand… dringe tief in mich ein, damit ich fĂĽr deine GĂĽte Durchgang werde, damit du durch meine Augen hindurch die Menschen anschauen, mit meinem Mund sie anlächeln kannst.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute versuchen, 2 Menschen froh zu machen; nicht weil sie es verdienen, sondern weil sie es brauchen.


Jesus: mein Weg, meine Wahrheit, mein Leben

3. Mai 2016

Fest
Hll. Apostel Philippus und Jakobus d.J.

P. Paul Habsburg LC

Joh 14,6-14
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

EinfĂĽhrendes Gebet: Mein Herr und Gott, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Dir öffne ich jetzt meine Sinne, meinen Verstand und mein Herz, dass du mir mit deinem Wort und deinem Leben zum Licht fĂĽr meinen Tag wirst. Maria, nimm mich an der Hand und fĂĽhre mich zu Jesus.

Bitte: Gewähre mir, dass ich deinen Weg mehr liebe als meinen Weg, dass mich deine Wahrheit mehr berĂĽhrt als meine eigene… und dass mein Leben ein wenig mehr wird wie das deine.

1. Jesus, zeigt mir das Leben. In jeder Symphonie gibt es eine Stelle, an der ein Instrument ganz alleine („a solo“) das Thema der Symphonie spielt. Wenn ich dann die Symphonie von neuem höre, beginne ich die Variationen des Themas zu erkennen und begreife langsam aber sicher den Sinn der ganzen Symphonie. Papst Benedikt erklärte einmal, dass Jesus das „a solo“ der Schöpfung ist. Wenn ich also das Evangelium lese und das Leben Jesu aufmerksam betrachte, dann erst kann ich den Menschen und die ganze Schöpfung begreifen, dann erst kann ich beginnen, mein eigenes Leben zu verstehen.

2. Jesus, zeigt mir die Wahrheit. Und was ist jetzt die Wahrheit ĂĽber mein Leben? Dass es Gott gehört und nicht mir. Dass ich die Freiheit erhalten habe, um ihn und seinen Willen zu suchen. Ich habe mir das Leben nicht selber gegeben, sondern ich habe es als Geschenk und als Chance erhalten. Seit meiner Taufe lebt der Vater in mir und sehnt sich danach, in mir und durch mich seine Werke zu vollbringen. Gott will, dass ich dieselben Werke vollbringe, die Jesus vollbracht hat. In diesem Jahr besonders die Werke der Barmherzigkeit. Er hat sein Leben in mich hineingelegt und will es in mir zur BlĂĽte bringen und Frucht tragen lassen, damit die Menschen in mir seiner Zärtlichkeit begegnen können.

3. Jesus, zeigt mir den Weg. Warum hatte Jesus keine Angst, in dieser Welt sein Leben zu verlieren? Weil er wusste, dass sein eigentliches Leben die Verbindung mit seinem Vater war, die ihm keiner nehmen konnte. Er wusste, dass er nur hier war, um eine Aufgabe zu erfĂĽllen: uns zu erlösen und uns den Weg zum Vater zu zeigen. Wie sehr hänge ich an meinem Leben, wie sehr bin ich oft besorgt, nicht genug zu bekommen, nicht genĂĽgend geliebt zu werden. Wenn aber dieses Leben nur ein Durchgang ist auf dem Weg zum Vater, nur ein Moment, um lieben und dienen zu lernen, dann brauche ich keine Angst haben, in dieser Welt mein Leben zu verlieren. Und dafĂĽr ist Jesus mit seinem eigenen Leben Garant geworden.

Gespräch mit Christus: Mein Herr, du weiĂźt nur zu gut, wie sehr ich von meiner eigenen Meinung ĂĽberzeugt bin; wie sehr ich manchmal denke, den Weg besser zu kennen als du, die Wahrheit besser zu verstehen, als du… und wie sehr ich mich an meinem armen kleinen Leben festklammere. Jetzt verstehe ich ein wenig besser, dass mich der Blick auf dein Leben nicht nur informiert, sondern mich auch umformt, mich vervollständigt, mich heil und neu macht. Steh mir bei, dass ich mich öfters und aufmerksamer von deinem Wort nähre und von deinem Leben inspirieren lasse.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute öfters wiederholen: „Herr Jesus, du bist mein Weg, meine Wahrheit und mein Leben. Zeige mir den Weg zum Vater“.


Den Heiligen Geist ersehnen lernen

4. Mai 2016

Mittwoch der sechsten Woche in der Osterzeit
Hl. Florian, Märtyrer
Hl. Guido OSB, Abt

P. Paul Habsburg LC

Joh 16,12-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

EinfĂĽhrendes Gebet: Komm Heiliger Geist, besuche mein Herz, erleuchte meinen Verstand, stärke meinen Willen, vermehre meinen Glauben. Maria, so wie du die JĂĽnger Jesu auf die Gabe vom Himmel vorbereitet hast, bereite auch mich vor, den Heiligen Geist zu ersehnen und zu erhalten.

Bitte: Vater, lehre mich, den Heiligen Geist mit ganzer Kraft zu ersehnen.

1. Den Heiligen Geist benötigen. Der heilige Hilarius von Poitiers verwendet eine wunderbare Analogie, um zu erklären, wie sehr und weshalb wir den Heiligen Geist benötigen. So wie das Auge zwar prinzipiell die Fähigkeit hat, zu sehen, aber ohne Licht diese Fähigkeit nicht verwenden, also nichts sehen kann; und so wie das Ohr die Fähigkeit besitzt, zu hören, ohne einen Ton jedoch nichts hören kann; so besitzt unsere Seele zwar prinzipiell die Fähigkeit, Gott zu erkennen und ihn zu lieben, kann diese aber nur ausĂĽben, wenn sie durch den Heiligen Geist die Gabe des Glaubens erhält.

2. Den Heiligen Geist ersehnen. Weiter erklärt uns der heilige Hilarius: Der Heilige Geist steht uns zwar im Grunde als Gabe von Christus vollständig und jederzeit zur VerfĂĽgung, wir erhalten ihn jedoch unserer Sehnsucht und unseren Verdiensten entsprechend. Ich will also lernen, mich nach dem Heiligen Geist zu sehnen. Wie tue ich das? Indem ich beginne, es zu sagen: „Komm Heiliger Geist, ich sehne mich nach dir. Ich brauche deinen Rat, deine Kraft, dein Licht, deine Weisheit…“. Das mag vielleicht sogar zu einfach klingen… Aber entscheidend ist nicht, dass es kompliziert oder hoch intellektuell ist, sondern dass er mich hört. Und wie kann ich ihn verdienen? Indem ich mich ganz bewusst einĂĽbe, auf seine noch so kleinen Eingebungen zu hören und schnell mit „ja“ zu antworten.

3. Den Heiligen Geist erhalten. Jesus hat mir den Heiligen Geist versprochen als Licht fĂĽr meinen Weg. Das heiĂźt schon einmal, dass ich ihn auf jeden Fall brauche; dass ich ohne ihn nicht auskomme, wenn ich ganz Mensch, ganz ich selber werden möchte. Vielleicht meine ich, fĂĽr mich selber ganz gut mit meinem Leben zurecht zu kommen; aber Gott hat einen Plan ĂĽber mein Leben, der eben weiter fĂĽhrt als meine eigenen BedĂĽrfnisse. Und normalerweise fĂĽhrt er den Menschen durch den Heiligen Geist. Wenn ich das Leben der JĂĽnger Jesu und dann später der Heiligen betrachte, so erkenne ich, dass auch sie eines Tages bewusst begonnen haben, den Heiligen Geist anzurufen und zu ersehnen, „Ja“ zu sagen und seinen Eingebungen zu folgen. Und dann beginnt das Leben groĂź und hell zu werden… dann wird es heller und schöner in der Welt.

Gespräch mit Christus: Danke fĂĽr die Heiligen, danke fĂĽr Johannes Paul II., dessen Fruchtbarkeit ohne jegliche Proportion zu seinen Werken steht. An ihm erkenne ich, was du mit jenen und durch jene tust, die beginnen den, Heiligen Geist zu erflehen und zu ersehnen, die beginnen „Ja“ zu sagen, sich leiten zu lassen, dir zu vertrauen. Danke auch fĂĽr Maria, die erste, die ihr Jawort gegeben hat. Maria, nimm mich an der Hand und lehre mich, den Heiligen Geist zu erflehen und mit dir und wie du „Ja“ zu sagen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute immer wieder den Heiligen Geist anrufen, ihm sagen, dass ich mich nach ihm sehne und dass in meinem Herzen ein Platz fĂĽr ihn bereitet ist.


Ein StĂĽck Mensch im Herzen Gottes

5. Mai 2016

Hochfest
Christi Himmelfahrt

P. Paul Habsburg LC

Lk 24,46-53
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

EinfĂĽhrendes Gebet: Jesus Christus, du hast alles gegeben und alles fĂĽr mich gewonnen. Heute kehrst du zum Vater zurĂĽck und ich freue mich mit dir und fĂĽr dich. Erlaube mir jetzt, ein wenig an deiner Freude teilzuhaben. Maria, lehre mich, mit dir und den Aposteln zum Himmel hinaufzusehen.

Bitte: Lehre mich, dich anzubeten, vor dir niederzufallen, dich zu lieben.

1. Die Menschwerdung: ein StĂĽck Gottes im Herzen des Menschen. Heute feiern wir Christi Himmelfahrt, ein wahrer Triumphzug Jesu zurĂĽck zum Vater. Um seine Freude zu verstehen, will ich kurz begreifen, warum er denn zunächst ĂĽberhaupt gekommen und Mensch geworden ist. Nach dem Fall der ersten Menschen war zwischen Gott und Mensch ein Riss entstanden. Die Nabelschnur zwischen Schöpfer und Geschöpf war gerissen, das Geschöpf konnte sich nicht mehr vollständig entwickeln, es wurde kalt und dunkel in der Welt, unsere Herzen wurden hart und unbarmherzig, im wahrsten Sinne des Wortes „gott-los“. Also hat sich Jesus entschieden, zu uns herabzusteigen, um einer von uns zu werden und auf diese unfassbar demĂĽtige Weise die Gegenwart Gottes wieder unter die Menschen zu bringen… und durch die Taufe das Leben Gottes fĂĽr immer ins Herz des Menschen zu legen. Seitdem lebt der Mensch wieder auf, kann er seiner ersten und ursprĂĽnglichen Sendung entsprechen, Bild Gottes zu sein, Gott in dieser Welt sichtbar zu machen.

2. Die Himmelfahrt: ein StĂĽck Mensch im Herzen Gottes. Nach seinem heldenhaften und absolut selbstlosen Leiden und Tod hat ihn der Vater auferweckt. Jetzt empfängt er seinen Sohn Jesus in einem wahren Siegeszug und die gesamte bereits erlöste Schöpfung jubelt ihm zu. Das war Jesus jedoch nicht genug. Denn er hat uns Menschen so sehr lieben gelernt, dass er nicht nur eine Weile bei uns sein, sondern uns sogar fĂĽr immer bei sich, ja sogar „in sich“ haben wollte. Gott war vorher sozusagen „nur Gott“. Aber seit der Himmelfahrt, da Jesus zum Vater zurĂĽckkehrt, da der Mensch in Gott hineintritt, seitdem ist Gott nicht nur Gott, sondern seitdem ist auch der Mensch in Gott.

3. Die Taufe: meine Stimme im Herzen Gottes. Seit der Himmelfahrt, aber besonders seit dem Tag meiner Taufe ist nicht nur „mein Wort in Gottes Ohr“, sondern, wenn ich rufe, hört mich Gott in seinem Herzen, wenn ich weine, spĂĽrt er meine Tränen in sich, wenn ich lache und jubele, dann hallt meine Stimme in seinem Inneren wider. Mein Wort ist Gott viel näher, als ich es dachte. Das will ich nutzen, um ihn fĂĽr alles GroĂźe zu loben und zu preisen, was er fĂĽr mich getan hat, um ihm fĂĽr mein Leben und meinen Glauben zu danken. Das will ich aber nicht nur fĂĽr mich selber tun, sondern auch im Namen all jener, die das nicht wissen, nicht können oder nicht wollen… besonders jener, die mir am nächsten stehen.

Gespräch mit Christus: Mein Herr und mein Gott, ich begreife, dass du mir viel näher bist, als ich das vermutet hätte… und ich wage noch nicht so ganz zu glauben, dass du jedes meiner Worte hörst, auch mein Weinen und mein Lachen. Heute will ich dich loben und preisen, heute will ich dir von Herzen danken und dir zumindest in Worten sagen, dass ich die liebe; ja, heute will ich dich auch im Namen meiner Familie lieben und loben.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute Gott im Namen einiger Menschen loben, die ich unterwegs auf der StraĂźe sehe und die Gott vielleicht gar nicht kennen.


Freude, die mir keiner nehmen kann

6. Mai 2016

Freitag der sechsten Woche in der Osterzeit
Hl. Antonia, Märtyrerin
Hl. Gundula, Märtyrerin

P. Paul Habsburg LC

Joh 16,20-23a
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wieder sehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

EinfĂĽhrendes Gebet: Guter Gott, du kennst mein Herz und weiĂźt um meine Sorgen und Ă„ngste. Ich will sie jetzt alle vor dir lassen und mein Herz ganz dem Worte deines Sohnes Jesus Christus öffnen. Maria, lehre mich zu glauben, zu horchen, zu warten, zu vertrauen.

Bitte: Herr, sei du das Fundament meiner Freude: Sprich, dein Diener hört.

1. Ihr werdet trauern, die Welt wird sich freuen. Jesus spricht hier zu seinen Aposteln Klartext und verheimlicht ihnen nichts: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen. Die Hinrichtung Jesu, fĂĽr die Freunde Jesu ein Drama, schien fĂĽr andere der Weg zu sein, um Freude und endgĂĽltigen Frieden zu schaffen. Sein Wort der Wahrheit war zwar den einen Trost, anderen jedoch unerträglich geworden. Der Dorn sollte aus dem Auge entfernt werden und dann wĂĽrde alles gut. Auch heute freut sich die Welt lautstark, wenn sie sich im Namen von Freude und Freiheit von Gott entfernt. Wir alle kennen die Freuden-ZĂĽge, die mit wahrem Frohsinn wenig bis gar nichts zu tun haben. Auch ich bin manchmal versucht, mir im Namen von Freude und Freiheit Dinge zu gönnen, die dann oft nur Leere und Gewissensbisse hinterlassen…

2. Wahre Trauer ist nicht traurig. Jesus fĂĽhrt jedoch die JĂĽnger in eines seiner groĂźen Geheimnisse ein: Ihr werdet bekĂĽmmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Er, der vor Jahrtausenden die Natur geschaffen hatte, er kennt das Geheimnis des Weizenkorns: Es muss sterben, um reiche Frucht zu bringen. FĂĽr uns Menschen sind das Sterben und das Fruchtbringen, der Verzicht und der Lohn, der Tod und die Auferstehung zeitlich getrennt. FĂĽr Gott sind es jedoch zwei Seiten ein und derselben Medaille, ein einziger Moment. Jesus macht mir hier und jetzt ein Versprechen: „Mein Kind, wenn du bei mir bleibst, wird sich deine Trauer in Freude verwandeln“. Sein Wort ist fĂĽr mich Grund zur Hoffnung. Wenn ich einem vertrauen darf, dann ihm, dem Einzigen der vom Vater kommt. So muss ich im Grunde nicht traurig sein… Es gibt zwar traurige Momente, aber die Hoffnung bewirkt, dass ich nicht traurig bleiben muss, ja vielleicht sogar nicht einmal traurig bleiben darf...

3. Wahre Freude geht nicht verloren. Jesus spricht zuletzt sogar noch von einer Freude, die mir niemand mehr nehmen kann… Ist das wirklich so, gibt es so eine Freude, gibt es sie auch ganz konkret fĂĽr mich? Alles Materielle in dieser Welt ist doch vergänglich; alles was ich greifen kann, werde ich wieder loslassen mĂĽssen… alles. Aber das Unbegreifliche: dass ich von Gott gekannt, angesehen, angesprochen, geliebt und erlöst bin, das kann mir keiner mehr nehmen, wenn ich es denn erst einmal an mich herangelassen habe. Maria Magdalena, Zachäus, Matthäus und so viele andere sind Zeugen dieser Wahrheit geworden. „Ich will jubeln und ĂĽber deine Huld mich freuen, denn du hast mein Elend angesehen, du bist mit meiner Not vertraut“ (Ps 31,8). Zu wissen, dass Gott mich anschaut, dass er mein Herz und meine Not kennt, dass er einen Platz im Himmel fĂĽr mich vorbereitet hat… ist das nicht mehr als genug Trost?

Gespräch mit Christus: Mein Herr, du weiĂźt, wie oft ich Trost in guten aber wenig nachhaltigen Freuden suche; ja, manchmal freue ich mich sogar ĂĽber die Niederlagen anderer… Ich schäme mich dafĂĽr! Möge dein Wort mich jetzt leiten und möge es mich lehren, die Sorge um meine Freude ganz dir anzuvertrauen. Ich will stattdessen lernen, mit den Trauernden zu trauern und mit den Fröhlichen zu lachen. Ich sehne mich danach, deine Freude den Menschen zu bringen. So erneuere ich heute meinen Glauben an dein Wort, dass sich meine Trauer in Freude verwandeln wird, wenn ich dir folge.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute einem Menschen gegenĂĽber ganz bewusst MitgefĂĽhl zeigen; und zwar so, wie er es braucht. Entweder mit einem Trauernden trauern oder mich mit einem Fröhlichen freuen.


Leben lernen heiĂźt dienen lernen

7. Mai 2016

Samstag der sechsten Woche in der Osterzeit
Hl. Giesela OSB, Ă„btissin
Hl. Helga OSB, Ă„btissin
Hl. Notker der Stammler OSB

P. Habsburg LC

Joh 16,23b-28
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂĽngern: Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben. Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist. Dies habe ich in verhĂĽllter Rede zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in verhĂĽllter Rede zu euch spreche, sondern euch offen den Vater verkĂĽnden werde. An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage nicht, dass ich den Vater fĂĽr euch bitten werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.

EinfĂĽhrendes Gebet: Herr Jesus Christus, ich trete in den Abendmahls-Saal ein, setze mich und blicke dich an, während du zu deinen Aposteln und auch zu mir sprichst. Maria, setz dich neben mich und lass mich erkennen, wie Jesu Worte in deinem Herzen widerhallen.

Bitte: Herr, lehre mich, in deinem Namen zu beten, dass dein Wille geschehe.

1. Wahrhaft bitten lernen. â€žBittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist“. Wie oft denke ich, dass Gott mich zwar mag, denke aber nicht unbedingt, dass er will, dass meine Freude vollkommen wird… und schon gar nicht die Freude der Anderen. Allerdings will mir Jesus natĂĽrlich hier etwas beibringen. „Bisher habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten“. Das Problem ist hier sicherlich nicht, dass ich irgendein Zauberwort vergessen habe, also zum Beispiel „im Namen Jesu“ an all meine Bitten anzufĂĽgen. Nein, ich habe noch nicht gelernt, mich ganz in Jesus Christus hineinzuversetzen und erfĂĽllt vom Glauben und von der Liebe zu ihm um das Wahre, um das Wesentliche zu bitten. Deswegen hat uns Jesus eine Zusammenfassung aller wesentlichen Bitten diktiert, die wir sogar alle auswendig wissen, aber nicht unbedingt immer sehr bewusst aussprechen: das Vaterunser. In diesem Gebet lerne ich, wahrhaft zu bitten, tatsächlich in seinem Namen zu bitten…!

2. Wahrhaft empfangen lernen. Aber damit ist noch nicht alles getan. Bitten ist eine Sache, empfangen ist eine andere. Vielleicht habe ich schon einmal ein Geschenk erhalten, das ich gar nicht wollte… und vielleicht war meine Reaktion etwas unkontrolliert. Gott will mir geben, was gut fĂĽr mich ist… aber ich will nicht immer, was er fĂĽr mich will. Gott sei Dank erhört er meine Gebete nicht immer wörtlich, sondern nur sinngemäß: er weiĂź, was sinnvoll ist fĂĽr mich; und das gibt er mir dann auch. Manchmal, weil ich es hier und jetzt brauche, manchmal erst in 30 Jahren, manchmal, weil ich nur so vertrauen oder warten lerne… Wesentlich ist hier vor allem, dass ich empfangen lerne: dass ich mich ganz Gott anvertraue und dann alles so empfange, als ob es aus und mit seiner Hand kommt. Dann gelingt mein Leben.

3. Wahrhaft lieben und dienen lernen. Wenn ich also will, dass mein Leben gelingt und dass es bleibende Frucht bringt, dann muss ich mich ganz auf Jesus einlassen, dann muss ich seinem Wort glauben, dann muss ich ihm glauben, dass er es ernst mit mir meint. Auch ich komme vom Vater und gehe zum Vater, auch ich bin nur eine Weile hier auf der Erde; und eigentlich ist es egal, wie lange. Ich bin hier, um lieben und dienen zu lernen. Wenn ich das gelernt habe, dann habe ich gelernt, mein Leben loszulassen und dann kann ich auch zum Vater zurĂĽckkehren. So will ich mich heute auf das Wort Jesu hin neu und bewusst entscheiden, vor allem darum besorgt zu sein, besser und reiner zu lieben und mutiger und selbstloser zu dienen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, ich will froh sein und froh machen; du aber willst, dass meine Freude vollkommen wird und dass ich ein Freudenbringer werde, dass ich dich und deine Freude zu den Menschen bringe. Nimm mich in deinen Plan der Freude hinein. Lehre mich wahrhaft bitten und lehre mich auch wahrhaft empfangen. Bring mir bei, mich nach dir und deinem Weg zu sehnen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute einzelne Sätze aus dem Vaterunser ganz bewusst wiederholen und mir diese Bitten zu eigen machen.