Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 6. MĂ€rz 2016 bis Samstag 12. MĂ€rz 2016

Vierter Sonntag in der Fastenzeit

Marita Grötsch

Die Barmherzigkeit GottesSonntag
Der GlaubeMontag
Schlimmes und SchlimmeresDienstag
GemeinschaftMittwoch
Das ZeugnisDonnerstag
OffenbarungFreitag
Die AutoritÀt JesuSamstag


Die Barmherzigkeit Gottes

6. MĂ€rz 2016

Vierter Sonntag in der Fastenzeit
Laetare

Marita Grötsch

Lk 15,1-3.11-32
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Er gibt sich mit SĂŒndern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jĂŒngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jĂŒngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort fĂŒhrte er ein zĂŒgelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot ĂŒber das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem BĂŒrger des Landes und drĂ€ngte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum SchweinehĂŒten. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und kĂŒsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein Ă€lterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die NĂ€he des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du fĂŒr ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt mĂŒssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich liebe dich und danke dir fĂŒr deine Barmherzigkeit, die ich in jeder Sekunde meines Lebens erfahren darf und die so viel grĂ¶ĂŸer ist, als ich begreifen kann. Immer wieder nimmst mich voller Liebe in deine Arme, wenn ich meine SĂŒnden bereue und zu dir zurĂŒckkehre. Ich kann nur staunen und klein und demĂŒtig werden.

Bitte: Herr, hilf mir, Zeuge deiner Gerechtigkeit und deiner Barmherzigkeit zu sein und allen Menschen mit Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen.

1. Der barmherzige Vater. Der jĂŒngere Sohn fordert sein Erbteil, so als ob der Vater schon gestorben wĂ€re. Und der Vater lĂ€sst ihn gehen ohne Vorwurf und Bitterkeit. Er lĂ€sst ihm die Freiheit zu tun, was er möchte. Als er alles verloren hat, kommt der Sohn zurĂŒck. Der Vater hat ihn nicht aufgegeben. Er hat schon auf ihn gewartet, lĂ€uft ihm mit offenen Armen entgegen und kĂŒsst ihn. Er macht ihm keinen Vorwurf, fordert nichts und weist ihn nicht ab. Der Sohn, der um seine Schuld weiß, will Tagelöhner im Hause des Vaters sein. Aber der Vater lĂ€sst das beste Gewand holen, er darf wieder Sohn sein. So wartet Gott voller Geduld auch auf uns, bis wir unsere SĂŒnde erkannt haben und umkehren. Er schenkt uns das Gewand der Gnade zurĂŒck. Der heilige Alfons Maria Liguori sagt, dass „Gott lieber seinen Sohn Mensch werden und sterben, als uns verloren sehen wollte.“ Gibt es einen grĂ¶ĂŸeren Beweis fĂŒr Gottes Liebe und Barmherzigkeit?

2. Wahre Freiheit. â€žVater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht.“Der Sohn will seine Freiheit. Er will nach seinen Vorstellungen leben und sich nach niemandem richten mĂŒssen. Als er alles verloren hat, geht er in sich. Und dort, in sich, findet er zurĂŒck zum Vater. Er kehrt um. Er erkennt, dass er gesĂŒndigt hat und zum Knecht wurde, dass er unfrei wurde. Grenzenlose Freiheit und radikale Selbstverwirklichung sind auch heute die großen Ziele vieler Menschen. Alles scheint machbar und man muss alles erlebt und mitgemacht haben. Wie dieser Sohn verlieren sich viele Menschen in der Suche nach dem GlĂŒck und der grenzenlosen Freiheit. Doch wahre Freiheit ist im Inneren. Sie findet sich weder in AktivitĂ€ten noch in der ErfĂŒllung aller WĂŒnsche. Wahre Freiheit besteht nicht darin, keinem mehr gehorchen zu mĂŒssen. Sie hĂ€ngt nicht von Ă€ußeren UmstĂ€nden ab und man kann sie sich nicht erobern, ohne frei von sich selbst geworden zu sein. Sie ist Geschenk Gottes und zeigt sich in unserem Inneren. Je mehr ich Gott vertraue, desto mehr löse ich mich von den Ă€ußeren UmstĂ€nden und falschen ZwĂ€ngen - desto freier werde ich. Was traue ich Gott zu? - Alles? Oder mache ich Abstriche? Wo will ich mich selbst verwirklichen und gehe meine eigenen Wege?

3. Der Ă€ltere Sohn. Der Ă€ltere Sohn hat kein VerstĂ€ndnis fĂŒr das Verhalten des Vaters gegenĂŒber dem jĂŒngeren Bruder. Der, der alles verprasst hat, wird beschenkt. Und der, der gedient hat, erhĂ€lt nichts. Ist das nicht ungerecht dem Ă€lteren Sohn gegenĂŒber? Gottes Gerechtigkeit sieht anders aus als unsere. Es ist eine Gerechtigkeit aus Gnade und aus Liebe. FĂŒr unsere SĂŒnden ist ein anderer aufgekommen. Der Sohn Gottes hat uns durch seinen Tod am Kreuz erlöst. Unsere Erlösung ist eine Liebestat Gottes. Das ist seine Gerechtigkeit. Im Buch Hosea sagt Gott: Ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue. Wir werden Gott immer wieder untreu. Und wir können die Summe fĂŒr unsere Wiedereinsetzung in Ehren nicht aufbringen. Aber Gott ist treu, er zahlt den Brautpreis mit seiner Treue. So wie der Vater im Gleichnis nimmt auch Gott uns nach jeder SĂŒnde wieder an, wenn wir voll Reue zu ihm zurĂŒckkehren. Wie sieht es mit meiner Gerechtigkeit aus, wenn ich zurĂŒckstehen muss und mein Bruder etwas erhĂ€lt, was mir nach menschlichem Ermessen ungerecht erscheint? Will ich Barmherzigkeit nur fĂŒr mich oder darf auch mein NĂ€chster Barmherzigkeit erfahren, menschliche und göttliche Barmherzigkeit?

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hast mir deine ĂŒbergroße Barmherzigkeit und GĂŒte offenbart. Ich danke dir, dass ich immer wieder zu dir zurĂŒckkommen kann, wenn ich gefallen bin. Du verzeihst nicht nur, sondern freust dich unendlich ĂŒber meine Umkehr. Lass mich dein Herz immer besser kennen und lieben lernen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute jemandem, der an mir schuldig geworden ist, von Herzen verzeihen.


Der Glaube

7. MĂ€rz 2016

Montag der vierten Woche in der Fastenzeit
Hl. Perpetua und Felizitas, MĂ€rtyrer;
Hl. Volker, MĂ€rtyrer<

Marita Grötsch

Joh 4,43-54
In jener Zeit ging Jesus von Samaria nach GalilÀa. Er selbst hatte bestÀtigt: Ein Prophet wird in seiner eigenen Heimat nicht geehrt. Als er nun nach GalilÀa kam, nahmen ihn die GalilÀer auf, weil sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem wÀhrend des Festes getan hatte; denn auch sie waren zum Fest gekommen. Jesus kam wieder nach Kana in GalilÀa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte. In Kafarnaum lebte ein königlicher Beamter; dessen Sohn war krank. Als er hörte, dass Jesus von JudÀa nach GalilÀa gekommen war, suchte er ihn auf und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn er lag im Sterben. Da sagte Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht. Der Beamte bat ihn: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt. Jesus erwiderte ihm: Geh, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und machte sich auf den Weg. Noch wÀhrend er unterwegs war, kamen ihm seine Diener entgegen und sagten: Dein Junge lebt. Da fragte er sie genau nach der Stunde, in der die Besserung eingetreten war. Sie antworteten: Gestern in der siebten Stunde ist das Fieber von ihm gewichen. Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde war, als Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er wurde glÀubig mit seinem ganzen Haus. So tat Jesus sein zweites Zeichen, und zwar nachdem er von JudÀa nach GalilÀa gekommen war.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du bist immer bei mir, umgibst und umsorgst mich. Immer wieder darf ich deine Treue und deine Liebe erfahren. Voll Vertrauen lege ich mich ganz in deine HĂ€nde, denn du meinst es nur gut mit mir.

Bitte: Herr, schenke mir die Gnade, den Glauben an dich mutig und einfallsreich weiterzugeben, um viele Menschen fĂŒr dich zu gewinnen.

1. Dem Wort Gottes vertrauen. Jesus reagiert fast Ă€rgerlich, als der Beamte ihn bittet, seinen Sohn zu heilen. Alle wollen Zeichen sehen. Doch der Beamte lĂ€sst sich nicht abweisen. „Geh, dein Sohn lebt.“Dieses Wort Jesu nimmt er an. Die persönliche Begegnung mit Jesus lĂ€sst ihn vertrauen und er glaubt, obwohl Jesus bei der Heilung nicht körperlich bei seinem Sohn anwesend ist. Auch wir haben das Wort Jesu. Es fĂ€llt uns leicht, GerĂŒchte ernst zu nehmen, die die Nachbarn erzĂ€hlen. Wir vertrauen ohne Probleme unserem NavigationsgerĂ€t. Aber dem Wort Gottes zu vertrauen, ist fĂŒr uns gar nicht so leicht. Paulus sagt: „Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn fĂŒr uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? (Röm 8,32) Damit lĂ€dt er uns ein, nicht zu zweifeln und Gott in allem zu vertrauen. Stellen wir uns also vor, dass er in jeder Situation nur das Beste fĂŒr uns will, auch wenn das Beste vielleicht nicht immer das ist, was wir uns darunter vorstellen. Gott zu vertrauen, ist jedenfalls eine Entscheidung, fĂŒr die ich einen guten Grund habe und die ich treffen kann.

2. Zeichen und Wunder. â€žWenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“, sagt Jesus dem königlichen Beamten, der um Heilung fĂŒr seinen Sohn bittet. Er sagt dies nicht nur dem Beamten, sondern vor allem den Menschen in seiner Heimat, die herbeigeströmt sind. Sie hatten ĂŒber Jesu Weisheit gestaunt und von seinen Wundertaten gehört, lehnten ihn aber trotzdem ab. Haben sie jetzt ihre Meinung ĂŒber Jesus geĂ€ndert? Haben sie ihre Zweifel abgelegt? Nein, sie sind neugierig und wollen Sensationen erleben. Sie wollen Zeichen und Wunder sehen. Sie haben ihn nicht erkannt. Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? Brauche ich ihn nur, um meine Probleme zu lösen und mein Leben zu regeln, mal hier, mal da ein kleines Wunder? Wie oft wende ich mich an ihn im Gebet? Und wie sieht es aus mit dem, was ihm wichtig ist: eine innige, vertraute Beziehung zu ihm, ein vollkommenes Vertrauen in das, was er mir schickt, auch wenn es nicht das ist, was ich möchte?

3. Glaubensweitergabe. Der Beamte brauchte Jesus, weil sein Sohn krank war. Er ĂŒberließ sich und das Schicksal seines Sohnes ganz in Jesu HĂ€nden. Das war fĂŒr ihn der erste Schritt zum Glauben. Jesus konnte sich ihm offenbaren und er erfuhr, dass Jesu Wort Vollmacht hat. Diese persönliche Erfahrung der Allmacht Gottes war so stark und seine Freude ĂŒber die Heilung so groß, dass er sogar seine Familie zum Glauben fĂŒhren konnte. Die Weitergabe des Glaubens ist unsere Berufung als Christen, sie ist ein wesentliches Element unseres Glaubens und notwendig fĂŒr unseren eigenen Glaubensweg. Wir können uns dem nicht entziehen. Wir mĂŒssen Zeugnis ablegen und die Liebe Gottes, die wir erfahren haben, weitergeben. „So wie eine Kerze an der Flamme einer anderen angezĂŒndet wird, so entfacht sich Glaube am Glauben.“ (Romano Guardini)

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du bist das Wichtigste in meinem Leben. Ich möchte in allem das tun, was du willst. Es ist nicht immer leicht, im LĂ€rm und der Betriebsamkeit des Tages deine Stimme zu vernehmen. Schenke mir die Gnade, deine Stimme immer klarer in mir zu vernehmen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute wĂ€hrend des Tages oder am Abend ĂŒberlegen, was ich erlebt habe und in welchen Ereignissen und Situationen des Tages mir Gott begegnet ist, wo ich seine Stimme vernommen habe.


Schlimmes und Schlimmeres

8. MĂ€rz 2016

Dienstag der vierten Woche in der Fastenzeit
Hl. Johannes von Gott OH, OrdensgrĂŒnder

Marita Grötsch

Joh 5,1-16
Es war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fĂŒnf SĂ€ulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf HebrĂ€isch Betesda. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und VerkrĂŒppelte. Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trĂ€gt. WĂ€hrend ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein. Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh! Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat. Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen. Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh! Sie fragten ihn: Wer ist das denn, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Bahre und geh? Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war. Jesus war nĂ€mlich weggegangen, weil sich dort eine große Menschenmenge angesammelt hatte. SpĂ€ter traf ihn Jesus im Tempel und sagte zu ihm: Jetzt bist du gesund; sĂŒndige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustĂ¶ĂŸt. Der Mann ging fort und teilte den Juden mit, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. Daraufhin verfolgten die Juden Jesus, weil er das an einem Sabbat getan hatte.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, du bist die GĂŒte selbst. Du entziehst mir nie deine Liebe und Gnade und sorgst jeden Augenblick fĂŒr mich. Schenke mir Erkenntnis und Beharrlichkeit, damit ich mich nie von dir entferne.

Bitte: Gib, o Herr, dass die Begegnung mit den Kranken mich selbst menschlicher und sensibler macht. Lass meine Handlungen und meine Worte denen, die Schmerzen leiden, von dir erzĂ€hlen.

1. GelĂ€hmt. Warum fragt Jesus den GelĂ€hmten, ob er gesund werden will? Ist das nicht selbstverstĂ€ndlich? Die Antwort des Mannes zeigt seine Resignation. Er ist schon so lange krank und immer ist jemand vor ihm im Teich, wenn das Wasser wallt. Er hat fast aufgegeben. Er sagt noch nicht einmal, dass er gesund werden will. Sein Hoffnung ist fast gestorben. Jesus geht einfach darĂŒber hinweg: Steh auf! Und erstaunlicherweise gehorcht der GelĂ€hmte und er ist geheilt. Bin ich nicht auch manchmal ein GelĂ€hmter, mutlos, ohne Perspektive, willenlos; gelĂ€hmt im Denken und im Handeln, weil ich schon so oft schlechte Erfahrungen gemacht habe oder weil ich mir zu wenig zutraue. „Steh auf!“, das sagt Jesus auch mir. Gib deine Bequemlichkeit auf und sei mein Zeuge. Gib deine Sicherheiten auf und löse dich von deinen KrĂŒcken, von deinen AnhĂ€nglichkeiten, von deinen SchwĂ€chen.

2. Die Herausforderung des Glaubens. Jesus hat den GelĂ€hmten nicht mit der Hand berĂŒhrt. Er sagte nicht: „Du bist geheilt.“. Jesus sagte: „Steh auf!“. Er forderte ihn heraus, das Unmögliche zu tun. Der GelĂ€hmte ließ sich auf diese Herausforderung ein. Es war die Begegnung mit Jesus, es war sein Wort, das den GelĂ€hmten berĂŒhrte und verĂ€nderte. Es öffnete sein Herz, so dass er an die Vollmacht des Wortes Jesu, an seine heilende Kraft glaubte. Glauben ist nicht, einer Idee folgen. Glauben ist Jesus als einer lebendigen Person zu begegnen und sich von ihm ergreifen zu lassen. BerĂŒhrt das Wort Gottes mich wie den GelĂ€hmten, wenn ich in der Bibel lese oder wenn ich es im Gottesdienst höre? Geht es an mir vorbei oder öffne und stelle ich mich ihm? Glaube ich an dessen Macht. Vertraue ich dem Wort Jesu oder verlasse ich mich lieber auf mich selbst? „Der Glaube ist ein besserer Ratgeber als die Vernunft. Die Vernunft hat Grenzen, der Glaube keine.“ (Blaise Pascal)

3. Schlimmeres als Krankheit. Jetzt bist du gesund! Jesus hat dem GelĂ€hmten ein großes Geschenk gemacht, er kann wieder laufen, er ist gesund. SĂŒndige nicht mehr, damit dir nicht noch Schlimmeres zustĂ¶ĂŸt, sagt Jesus zu ihm. Was ist schlimmer als 38 Jahre krank zu sein und nicht gehen zu können? Die SĂŒnde ist das wirklich Schlimme. Sie entfernt uns von Gott und im schlimmsten Fall trennt sie uns von ihm. Nicht mehr Gott ist der Bezugspunkt. Ichbezogenheit und Stolz verschließen uns gegenĂŒber Gott und dem NĂ€chsten. SĂŒnde ist die Ablehnung der Liebe. „Die Liebe des Herrn kennt keine Grenze, aber der Mensch kann ihr eine Grenze setzen.“ (Predigt von Papst Benedikt am 13. April 2006)

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, mich hat beeindruckt, dass der GelĂ€hmte, obwohl er schon so viele Jahre gelĂ€hmt war, auf dein Wort hin aufsteht. Ich möchte dich bitten, mich immer tiefer mit dir in Kontakt kommen zu lassen, damit du mich heilen kannst. Halte mich an der Hand und behĂŒte mich. Denn ohne dich vermag ich nichts und bin verloren.

Möglicher Vorsatz: Ich werde einen Kranken besuchen oder ihn anrufen und fĂŒr ihn beten.


Gemeinschaft

9. MĂ€rz 2016

Mittwoch der vierten Woche in der Fastenzeit
Hl. Bruno von Querfurt OSB, Bischof
Hl. Dominikus Savio

Marita Grötsch

Joh 5,17-30
In jener Zeit entgegnete Jesus den Juden: Mein Vater ist noch immer am Werk, und auch ich bin am Werk. Darum waren die Juden noch mehr darauf aus, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte. Jesus aber sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nĂ€mlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn. Denn der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut, und noch grĂ¶ĂŸere Werke wird er ihm zeigen, so dass ihr staunen werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. Auch richtet der Vater niemand, sondern er hat das Gericht ganz dem Sohn ĂŒbertragen, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinĂŒbergegangen. Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben. Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben. Und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darĂŒber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den GrĂ€bern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht. Von mir selbst aus kann ich nichts tun; ich richte, wie ich es vom Vater höre, und mein Gericht ist gerecht, weil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du bist allmĂ€chtig und doch geht es dir immer nur um den Willen des Vaters. Lass mich dich immer mehr erkennen, damit ich dir Ă€hnlicher werden kann.

Bitte: Herr, lass mich mit ganzem Herzen nach deinem Willen suchen.

1. Gemeinschaft mit Gott. Jesus ist der Sohn Gottes, er ist Gott selbst. Er lebt in innigster Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Er ist eins mit dem Vater. Und doch sagt er, dass er nichts von sich aus tun kann, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Auch wir leben schon seit unserer Taufe in Gemeinschaft mit dem Dreifaltigen Gott. Wir sind Christen, wir tragen seinen Namen. Wir gehören zu ihm. Unser Leben ist mit seinem Leben verbunden. In Joh 15,5 sagt Jesus: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Ist mir bewusst, dass ich ohne Gott nichts tun kann? Alles habe ich von ihm. Wenn er mich auch nur eine Sekunde nicht im Auge behielte und im Sein bewahren wĂŒrde, wĂ€re ich nicht mehr. Und trotzdem leben wir oft so, als brĂ€uchten wir die Gemeinschaft mit Gott nicht. „Unser Leben gehört Christus und nicht mehr uns selber
Er umfĂ€ngt uns und trĂ€gt uns, wohin wir auch gehen – er, der das Leben selber ist.“ (Papst Benedikt, 7.4.2007)

2. Gemeinschaft mit Menschen. Als Christen leben wir in Gemeinschaft mit allen, die, wie wir, seinen Namen tragen. Unsere Gemeinschaft mit Gott und die Gemeinschaft untereinander gehören zusammen. Wenn unser VerhĂ€ltnis mit Gott gestört ist, stimmt auch unser VerhĂ€ltnis zu den Menschen nicht mehr. Jesus hat uns mit seiner Hingabe vorgelebt, wie wir leben sollen. „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine JĂŒnger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,34-35) Diese Liebe ist das Band, das alles zusammenhĂ€lt. Und wenn wir demĂŒtig darum bitten, schenkt uns Gott seine Gnade und seine Hilfe, dass wir nach seinem Gebot leben können.

3. Der Wille dessen, der mich gesandt hat. â€žâ€Šweil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Das sind Jesu Worte. Er hat immer nur den Willen des Vaters gesucht und erfĂŒllt. Und das tat er bis zum Tod am Kreuz. Auch wir sind geladen, nach dem Willen Gottes zu suchen und ihn zu erfĂŒllen. Denn nur so werden wir glĂŒcklich. „Gib mir dein Herz
“ (Spr 26) Gott will unser Herz, das heißt das, was unser ganzes Sein bestimmt. Mehr können wir ihm nicht schenken, denn wir haben nicht mehr. Und das ist auch das, was die Heiligen ausgezeichnet hat. Sie haben sich Gott ganz gegeben und nichts fĂŒr sich zurĂŒckbehalten.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, ich durfte erkennen, wie sehr du eins bist mit deinem Vater. Ich danke dir, dass du auch mich durch die Taufe in die Gemeinschaft mit deinem Vater hinein genommen hast. Schenke mir die Gnade, immer in der Gemeinschaft mit dir zu bleiben.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute um eine tiefe Einheit in der Kirche und in den neuen kirchlichen Gemeinschaften, den Bewegungen, beten.


Das Zeugnis

10. MĂ€rz 2016

Donnerstag der vierten Woche in der Fastenzeit
Hl. Ämilian von Lagny, OSB

Marita Grötsch

Joh 5,31-47
In jener Zeit sprach Jesus zu den Juden: Wenn ich ĂŒber mich selbst als Zeuge aussage, ist mein Zeugnis nicht gĂŒltig; ein anderer ist es, der ĂŒber mich als Zeuge aussagt, und ich weiß: Das Zeugnis, das er ĂŒber mich ablegt, ist gĂŒltig. Ihr habt zu Johannes geschickt, und er hat fĂŒr die Wahrheit Zeugnis abgelegt. Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet. Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, und ihr wolltet euch eine Zeit lang an seinem Licht erfreuen. Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir ĂŒbertragen hat, damit ich sie zu Ende fĂŒhre, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafĂŒr ab, dass mich der Vater gesandt hat. Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat ĂŒber mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt je gesehen, und auch sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat. Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis ĂŒber mich ab. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben. Meine Ehre empfange ich nicht von Menschen. Ich habe erkannt, dass ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und doch lehnt ihr mich ab. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn anerkennen. Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt? Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde; Mose klagt euch an, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Wenn ihr Mose glauben wĂŒrdet, mĂŒsstet ihr auch mir glauben; denn ĂŒber mich hat er geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir den Vater, die unendliche und barmherzige Liebe, offenbart hast. Ich danke dir, dass du mich erlöst hast. Ich danke dir fĂŒr den Glauben, den du mir ins Herz gelegt hast. Und ich danke dir fĂŒr deine unendliche Geduld mit mir.

Bitte: Herr, lass mich immer mehr im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe wachsen.

1. Der Zeuge. Niemand kann fĂŒr sich selbst als Zeuge auftreten. Das gilt auch fĂŒr Jesus, den Menschensohn. Johannes hat Zeugnis fĂŒr ihn abgelegt im Auftrag Gottes, ein leidenschaftliches Zeugnis. Er hat alles fĂŒr seine Berufung gegeben, sogar sein Leben. Trotzdem sagt Jesus, dass er von keinem Menschen ein Zeugnis annimmt. Johannes war die Lampe, nicht das Licht. Das Licht ist Jesus. In ihm kommt Gott selbst. Johannes hat den Weg fĂŒr ihn bereitet. Jesus aber ist der einzige Weg und der einzige Zugang zum Vater. Es gibt keinen unmittelbaren Zugang zum Vater. „
niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6) Und auch Jesus steht mit seinem Leben fĂŒr das ein, was er gesagt hat. Nun ist die Reihe aber an mir: „Ihr werdet meine Zeugen sein
bis an die Grenzen der Erde.“. Das sind Worte Jesu, sie gelten auch fĂŒr mich. Wozu bin ich bereit?

2. Die Bedingung. â€žIch sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.“. Unser Glaube an Christus ist die Bedingung fĂŒr unsere Rettung, fĂŒr das ewige Leben. Wer nicht glaubt und bis zuletzt nicht glauben will, ist verloren. Glauben bedeutet, sich auf Jesus einlassen, ihm begegnen, sich ihm ausliefern, sich ihm ganz hingeben. Schon im Prolog des Johannesevangeliums lesen wir, dass er allen, die an seinen Namen glauben, Macht gibt, Kinder Gottes zu werden. Das ganze Evangelium nach Johannes ist durchzogen von der einen Aussage: Jesus ist der Sohn Gottes. „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18) Die Voraussetzung fĂŒr unsere Rettung ist die Hingabe Jesu am Kreuz und seine Auferstehung. Wenn ich nicht auf Jesus am Kreuz schaue, an ihn nicht glaube und die Liebe nicht in mir habe - ja, mich nicht einmal darum bemĂŒhe, habe ich mich schon selbst gerichtet.

3. Das gewichtigere Zeugnis. Der, der das gewichtigere Zeugnis fĂŒr Jesus abgibt, ist der „andere“, ist der Vater selbst. Durch die Werke, die er seinem Sohn ĂŒbertragen hat, und die Zeichen und Wunder, die Jesus wirkte und noch wirken wird, legt er Zeugnis fĂŒr ihn ab. Die Stimme des Vaters bei der Taufe und der VerklĂ€rung bezeugt Jesus als den Sohn Gottes. Jeder, der sich seiner Botschaft öffnet, sich mit ihr auseinandersetzt, muss letztlich erkennen, dass der Vater in ihm am Werk ist „Um Gott zu erkennen, muss man ihn lieben!“ (Augustinus) Wenn ich Gott Liebe, kann er sich mir offenbaren. Nur wer nicht liebt, verschließt sich der Botschaft Jesu. „Liebe ist der Weg Gottes zu den Menschen und der Weg des Menschen zu Gott.“ (Johannes von Kastl, Benediktinermönch)

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du hast alles fĂŒr uns gegeben. Vom Himmel bist du zur Erde gekommen, hast uns das Reich Gottes verkĂŒndet, hast Wunder gewirkt und bist fĂŒr uns gestorben. Mache mich wĂŒrdig, deinen Namen zu tragen und dein Zeuge zu sein.

Vorsatz:  Heute will ich Zeugnis geben von Gottes GĂŒte, die ich in meinem Leben erfahren durfte.


Offenbarung

11. MĂ€rz 2016

Freitag der vierten Woche in der Fastenzeit
Hl. Rosina, Einsiedlerin
Hl. Ulrich OCist, Abt

Marita Grötsch

Joh 7,1-2.10.25-30
In jener Zeit zog Jesus in GalilĂ€a umher; denn er wollte sich nicht in JudĂ€a aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten. Das LaubhĂŒttenfest der Juden war nahe. Als seine BrĂŒder zum Fest hinaufgegangen waren, zog auch er hinauf, jedoch nicht öffentlich, sondern heimlich. Da sagten einige Leute aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie töten wollen? Und doch redet er in aller Öffentlichkeit, und man lĂ€sst ihn gewĂ€hren. Sollte der Hohe Rat wirklich erkannt haben, dass er der Messias ist? Aber von dem hier wissen wir, woher er stammt; wenn jedoch der Messias kommt, weiß niemand, woher er stammt. WĂ€hrend Jesus im Tempel lehrte, rief er: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin; aber ich bin nicht in meinem eigenen Namen gekommen, sondern er, der mich gesandt hat, bĂŒrgt fĂŒr die Wahrheit. Ihr kennt ihn nur nicht. Ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und weil er mich gesandt hat. Da wollten sie ihn festnehmen; aber keiner wagte ihn anzufassen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, du sagst Ja zu uns, obwohl wir so oft Nein zu dir sagen. Du lĂ€sst uns an unserer Schwachheit und unserer Hartherzigkeit nicht verzweifeln. Wir dĂŒrfen immer wieder umkehren und neu beginnen.

Bitte: Herr, du bist meine ganze Hoffnung. Lass nicht zu, dass ich mich deinem Wort verschließe oder dass mein Herz hart wird, und es sich deiner Liebe verschließt.

1. VerhĂ€rtete Herzen. Die Menschen hatten so viele Wunder, Heilungen und Zeichen gesehen. Und doch glaubten sie nicht. „
wenn ihr seine Stimme hört, verhĂ€rtet euer Herz nicht.“ (Ps 95,8; Hebr 3,15) Sie hörten mit den Ohren, aber ihr Herz war verhĂ€rtet. Vielleicht denke ich aber auch zu sorglos, dass mein Glaube nicht zu erschĂŒttern gewesen wĂ€re, wenn ich alle diese Wunder gesehen hĂ€tte. Dabei kann das auch mir passieren, dass ich zwar höre, dass aber sein Wort in meinem Herzen nicht ankommt. Oder dass ich mir ein Bild von Gott mache und davon nicht abgehe, obwohl es falsch ist. Gottes Wege werden mit dem Herzen erkannt oder gar nicht. Höre ich sein Wort, fĂ€llt es in mein Herz und verĂ€ndert es mich? Oder höre ich nur das, was mir passt?

2. Offenbarung. Wenn Jesus schreit, was meist mit „rufen“ ĂŒbersetzt wird, offenbart er etwas fĂŒr alle Zeiten von seiner Sendung, von seiner Existenz. Die Menschen denken, sie kennen ihn, sie wissen, woher er stammt und folgern: Er kann nicht der Messias sein. Vom Messias weiß man ja nicht, woher er kommt. Sie haben ein bestimmtes Bild vom Messias. Er wird der sein, der sie von den Römern befreit. Jesus passt nicht in ihr Bild vom Messias. Wie ist mein Bild von Gott? Kenne ich ihn? Habe ich ĂŒber seine Menschheit zu seinem innersten Wesen, zum Gottmenschen gefunden? Oder sehe ich nur seine Menschheit? Bin ich ergriffen von dem Gott, der mich bedingungslos liebt?

3. Die Stunde Jesu. Die Stunde Jesu war das Kreuz, die Stunde unserer Erlösung. Es war die Stunde, in der die unbegreiflich große Liebe Gottes zu uns offenbar wurde. Aber diese Stunde war noch nicht da. Deshalb konnte auch niemand Jesus vor diesem Zeitpunkt festnehmen. Gott ist Herr ĂŒber die Zeit und ĂŒber jede Stunde. Der Vater hat diese Stunde festgesetzt und Jesus ist eins mit dem Vater. Ich bin Christ. Auch fĂŒr mich können Augenblicke oder Stunden kommen, in denen ich meine Liebe zu Gott beweisen muss, die Stunde meiner BewĂ€hrung. Vielleicht durch ein Zeugnis fĂŒr die Treue zu meinem Glauben oder dadurch, dass ich etwas annehmen muss, was mir Schmerz bereitet.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, deine ĂŒbergroße Liebe ĂŒbersteigt alles, was ich mir vorstellen kann. Du wurdest nicht verstanden, abgelehnt und getötet. Trotzdem lĂ€sst du uns nicht fallen. Ich kann nur staunen und dich von Herzen um Vergebung bitten.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute fasten fĂŒr die Bekehrung der SĂŒnder und den Frieden in der Welt.


Die AutoritÀt Jesu

12. MĂ€rz 2016

Samstag der vierten Woche in der Fastenzeit
Hl. Almud CBVM, Äbtissin
Hl. Engelhart OFM

Marita Grötsch

Joh 7,40-53
In jener Zeit sagten einige aus dem Volk, als sie diese Worte hörten: Er ist wahrhaftig der Prophet. Andere sagten: Er ist der Messias. Wieder andere sagten: Kommt denn der Messias aus GalilĂ€a? Sagt nicht die Schrift: Der Messias kommt aus dem Geschlecht Davids und aus dem Dorf Betlehem, wo David lebte? So entstand seinetwegen eine Spaltung in der Menge. Einige von ihnen wollten ihn festnehmen; aber keiner wagte ihn anzufassen. Als die Gerichtsdiener zu den Hohenpriestern und den PharisĂ€ern zurĂŒckkamen, fragten diese: Warum habt ihr ihn nicht hergebracht? Die Gerichtsdiener antworteten: Noch nie hat ein Mensch so gesprochen. Da entgegneten ihnen die PharisĂ€er: Habt auch ihr euch in die Irre fĂŒhren lassen? Ist etwa einer vom Hohen Rat oder von den PharisĂ€ern zum Glauben an ihn gekommen? Dieses Volk jedoch, das vom Gesetz nichts versteht, verflucht ist es. Nikodemus aber, einer aus ihren eigenen Reihen, der frĂŒher einmal Jesus aufgesucht hatte, sagte zu ihnen: Verurteilt etwa unser Gesetz einen Menschen, bevor man ihn verhört und festgestellt hat, was er tut? Sie erwiderten ihm: Bist du vielleicht auch aus GalilĂ€a? Lies doch nach: Der Prophet kommt nicht aus GalilĂ€a. Dann gingen alle nach Hause.

EinfĂŒhrendes Gebet: Herr, ich kann nur staunen vor deiner Demut, die du uns Menschen gegenĂŒber zeigst. Ich möchte dich immer mehr kennenlernen und dir nachfolgen.

Bitte: Lenke meinen Willen und erleuchte meinen Verstand, damit ich mich in jeder Situation meines Lebens fĂŒr Dich entscheide.

1. Spaltung. Die Botschaft Jesu löste schon immer gegensĂ€tzliche Reaktionen aus, Staunen und Begeisterung fĂŒr das Neue oder Ablehnung bis zum Hass. „Meint ihr, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“ (Lk 12,51) Die Spaltung, von der wir heute hören, wird nicht die letzte sein. Nur kurz zuvor, bei der Brotrede, kam es zu Spaltungen unter den JĂŒngern. Die Botschaft Jesu kann nicht einfach so hingenommen werden. Sie fordert eine Entscheidung, Ja oder Nein, fĂŒr oder gegen Christus. Und diese Entscheidung mĂŒssen wir immer wieder neu treffen, jeden Tag, jeden Augenblick. Und doch bringt Christus uns den Frieden. „
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“ Er bringt uns den Frieden mit Gott, unserem Schöpfer.

2. UnverstĂ€ndnis. Die Menschen konnten Jesus nicht einordnen. Sie waren voller Vorurteile. Sie ließen sich nicht auf seine Botschaft ein und öffneten sich ihr nicht, obwohl sie schon so lange auf den Messias warteten. Warum ließen sie ihn nicht einfach stehen und gingen weg? FĂŒr sie war das, was er verkĂŒndete, eine echte Herausforderung. Es hĂ€tte bedeutet, ihr Leben und ihre Erwartungen Ă€ndern zu mĂŒssen. Auch heute sind dazu viele Menschen nicht bereit. Die einen sind gesĂ€ttigt, sie denken, sie haben alles und brauchen keinen Messias. Die anderen verhalten sich so wie die PharisĂ€er im heutigen Evangelium, sie wĂŒrden Christus und seiner Kirche am liebsten Fesseln anlegen. Lasse ich mich ganz auf Gott ein? Gibt es auch in meinem Leben vielleicht etwas, was ich Ă€ndern sollte?

3. Die AutoritĂ€t Jesu. Die Gerichtsdiener sind Zeugen der außergewöhnlichen AutoritĂ€t Jesu geworden. „Noch nie hat ein Mensch so gesprochen.“ Das ist ihre Entschuldigung dafĂŒr, dass sie Jesus nicht vor Gericht gebracht haben. Jesus spricht anders als die Schriftgelehrten. Seine AutoritĂ€t zeigt sich in seinen Worten, die heilen, die Wunder vollbringen, die vom Bösen befreien und die seine Gegner verstummen lassen (vgl. Mt 22,34). Papst Benedikt sagt, die AutoritĂ€t Jesu sei die Macht der Liebe Gottes. Und das ganze Dasein Jesu sei Übersetzung der Macht in Demut (Angelus 29.1.2012). Doch fĂŒr die PharisĂ€er steht das Urteil fest, nur Gesetzesunkundige können Jesus, dem VolksverfĂŒhrer verfallen.

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, du bist vom Himmel herab auf die Erde gekommen. Was hast du alles fĂŒr uns aufgegeben! Und was hast du dafĂŒr bekommen! Verachtet und getötet wurdest du. Und doch wendet sich dein Herz uns immer wieder zu. Du bist nur GĂŒte und Liebe.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute mein Gewissen erforschen und prĂŒfen, ob ich Gott etwas verweigere oder mein Verhalten Gott gegenĂŒber Ă€ndern muss.