Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 21. Februar 2016 bis Samstag 27. Februar 2016

Zweite Woche in der Fastenzeit

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Gott sprichtSonntag
Gottes Plan und Gottes VersprechenMontag
Die Schönheit des DienensDienstag
Gottes FreundschaftsangebotMittwoch
Selig die Barmherzigen!Donnerstag
Christus – Eckstein meines Lebens!Freitag
Sehnsucht nach dem wahren VaterSamstag


Gott spricht

21. Februar 2016

Zweiter Sonntag in der Fastenzeit
Hl. Petrus Damiani OSB, Kirchenlehrer
Hl. Gunthild OSB

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Lk 9,28b-36
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und wĂ€hrend er betete, verĂ€nderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei MĂ€nner mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfĂŒllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei MĂ€nner, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei HĂŒtten bauen, eine fĂŒr dich, eine fĂŒr Mose und eine fĂŒr Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. WĂ€hrend er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwĂ€hlter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die JĂŒnger schwiegen jedoch ĂŒber das, was sie gesehen hatten, und erzĂ€hlten in jenen Tagen niemand davon.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: Herr, mach mein Herz still, um dich zu hören. Lass nicht zu, dass ich jemals aufhöre, mich nach deiner Stimme zu sehnen.

1. Schlafende. â€žPetrus und seine Begleiter waren eingeschlafen.“ Dieser Satz erinnert uns an Getsemani, wo Jesus einige Monate spĂ€ter Todesangst erleiden wird und betet. Auch dort fallen den JĂŒngern die Augen zu. Gerade in den wichtigsten Momenten scheinen ihre KrĂ€fte zu versagen. Wie oft schließen wir auch unsere Augenlider gerade dann, wenn es darauf ankommt, aufmerksam zu sein. Beide Male lassen sich die JĂŒnger jedoch aus ihrem Schlaf reißen. Sie WOLLEN ja hören und sehen. Sie WOLLEN in Gottes Geheimnis eintauchen. Sie erleben nur am eigenen Leib: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Doch wie wir sehen, ist unsere SchwĂ€che kein Hindernis fĂŒr Gott. Gott weiß alles. Oftmals ist gerade dann, wenn unsere Sinne schwĂ€cheln und unser Geist nichts wahrzunehmen scheint, seine ĂŒbergroße Gnade und Kraft nĂ€her als je zuvor. Wie wichtig ist es aber, uns immer wieder aus dem Schlaf aufrĂŒtteln zu lassen.

2. Mitten in der Wolke. Die JĂŒnger geraten in die Wolke und bekommen Angst. Wer von uns wĂŒrde nicht in Angst geraten, wenn er plötzlich mitten auf einem Berg in Nebel eingeschlossen wĂ€re? Zuerst waren sie ihrer eigenen SchwĂ€che erlegen und waren eingeschlafen, also unfĂ€hig, ihre Sinne zu benutzen. Nun aber war das Hindernis Ă€ußerlich, mit dem gleichen Resultat: Sie konnten nicht sehen. Gott lĂ€sst eine Wolke auf sie hinabsteigen. Gott mit all unserer Kraft sehen zu wollen und es einfach nicht zu können, ist eine Erfahrung, die wir in unserem geistlichen Leben immer wieder machen. Warum lĂ€sst Gott die Wolke aufkommen? Der Heilige Thomas von Aquin dichtet in seinem Hymnus: „Sehen, Tasten, Schmecken tĂ€uschen sich in dir, aber durch das Hören allein kommt der Glaube.“ (vgl. „Adoro te devote“). Das Hören scheint der Sinn zu sein, der besonders mit dem Herzen verbunden ist. Oftmals muss Gott alle anderen Sinne in die Dunkelheit fĂŒhren, um zu unserem Herzen sprechen zu können. „Auf ihn sollt ihr hören!“ Das ist Gottes Auftrag an uns. Was spricht Christus zu meiner Seele? Höre ich auf seine Worte tief in meinem Innern?

3. Das Fasten der Sinne. Gott selber belĂ€sst unsere Sinne oftmals im Dunkeln, um uns zum wahren Licht zu fĂŒhren – das Licht im tiefsten Inneren unseres Herzens. Doch wir können uns auch selber auf den Weg zum Licht aufmachen. Gerade darin besteht der Sinn des Fastens. Wir entziehen unseren Sinnen eine sofortige Befriedigung, damit sich unser Herz auf die Suche nach Gott macht. Wir erinnern unsere Seele daran, dass unsere Sinnesorgane keine Wegweiser in den Himmel sind. Nur die SehnsĂŒchte unseres Herzens fĂŒhren uns zum lebendigen Wasser. Durch Fasten mache ich mich frei von AbhĂ€ngigkeiten, um meine wahre Freiheit zu finden.

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, du weißt, ich bin schwach. Wie oft ertappe ich mich schlĂ€frig. Dann suche ich dich und scheine dich nicht zu finden. Doch auch wenn ich dich nicht immer zu finden scheine, glaube ich, dass du zu mir sprichst. In der „Wolke“ meines Lebens will ich hören lernen. Sprich zu mir und wecke du meine Seele aus dem Schlaf, wenn sie mĂŒde geworden ist. FĂŒhre mein unruhiges Herz zu dir.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute einen Moment der Stille suchen und mit besonderer Aufmerksamkeit hören, was Gott in meinem Herzen spricht.


Gottes Plan und Gottes Versprechen

22. Februar 2016

Montag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Kathedra Petri

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Mt 16,13-19
In jener Zeit, als Jesus in das Gebiet von CĂ€sarea Philippi kam, fragte er seine JĂŒnger: FĂŒr wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen fĂŒr Johannes den TĂ€ufer, andere fĂŒr Elija, wieder andere fĂŒr Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, fĂŒr wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die MĂ€chte der Unterwelt werden sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen. Ich werde dir die SchlĂŒssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: Herr, schenke mir die Kraft, mich fĂŒr dich und damit fĂŒr die Liebe zu entscheiden, vor allem dort wo Hoffnungslosigkeit und Ärger mich ergreifen wollen.

1. Ihr aber? Jesus beginnt seine Fragestellung in einer noch recht unpersönlichen Weise. Die Frage, fĂŒr wen die anderen ihn halten, hĂ€lt die Sache noch auf einer neutralen und unverfĂ€nglichen Ebene. „Ihr aber?“ Das sind Worte, die doch schon tiefer gehen. Jetzt bin ich gefragt. Wie oft können wir uns in Analysen und Gedanken verfangen, die alle etwas angehen außer mich selbst. Wir hinterfragen unsere Mitmenschen und scheinen oft zu wissen, was sie falsch und richtig machen. Dabei ist mein Weg mit Christus der Entscheidende. Meine Antwort auf seine Liebe ist die, die zĂ€hlt. Wie will ich MEIN Leben nutzen? Wer ist Christus fĂŒr mich in meinem Heute? Lassen wir aber auch nicht zu, dass diese Frage in eine reine Selbstanalyse mĂŒndet. Lassen wir uns vielmehr zuerst von ihm anschauen und dann befragen, denn sein Blick verrĂ€t uns, wer er fĂŒr uns sein möchte.

2. Bausteine SEINER Kirche. Nicht aufgrund eigener Verdienste wird Petrus zum Fels erwĂ€hlt. Er empfĂ€ngt das Amt nicht als Belohnung fĂŒr besondere Kenntnisse, die er sich erworben hĂ€tte. Das stellt Jesus sofort klar, als er ihn darauf hinweist, dass ihm seine Erkenntnis von Gott selber offenbart wurde und nicht von Fleisch und Blut. Gott setzt den ersten Stein seiner Kirche mit eigenen HĂ€nden. Es ist kein von Menschen stammendes Werk, sondern von Grund auf SEINE Kirche. Auf sehr anschauliche Weise wird uns hier das große Geheimnis des Heilsplans Gottes offenbart. Der allmĂ€chtige Gott will seinen Heilsplan mit Hilfe von schwachen Menschen verwirklichen. Er lĂ€sst uns dadurch auf geheimnisvolle Weise an seinem verborgenen Leben teilhaben. Alle Kraft und Gnade strömt allein aus Ihm und doch werden wir zu TrĂ€gern dieser Gnade. Nicht in erster Linie unsere Perfektion oder Talent ermöglichen es Gott, durch uns zu wirken, sondern insbesondere unsere Demut und Offenheit fĂŒr seine Gnade. Petrus ist der Fels, aber auch wir sind Bausteine seiner Kirche.

3. Die SchlĂŒssel. Oftmals kann es scheinen, dass Gottes Versprechen nicht in ErfĂŒllung geht. Scheint es nicht manchmal, dass die MĂ€chte der Unterwelt die Kirche doch ĂŒberwĂ€ltigen? Ist Gott seinem Versprechen nicht treu? „Gott, wo bist du?“, fragen wir uns. Christus hat uns mit seinen Worten keineswegs das Ausbleiben von Schwierigkeiten und Kampf versprochen. Petrus hat nicht den SchlĂŒssel fĂŒr diese Welt ĂŒberreicht bekommen, aber den SchlĂŒssel fĂŒr das Himmelreich. Nichts kann uns den Himmel nehmen. Nichts kann uns die FĂ€higkeit zu lieben nehmen. Der Heilige Paulus schrieb in seiner eigenen BedrĂ€ngnis: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? BedrĂ€ngnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder KĂ€lte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das ĂŒberwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch MĂ€chte, weder GegenwĂ€rtiges noch ZukĂŒnftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,35-39). Lassen wir also zu, dass dieser SchlĂŒssel auch uns die TĂŒr zum Himmelreich öffnet.

GesprĂ€ch mit Christus: Gott, wo bist du? Ich bringe hier all das Leid der Welt, deine verwundete Kirche, aber auch meine eigenen Lasten vor dich. Eine nach der anderen ĂŒbergebe ich sie dir und danke dir, dass du deinen Versprechen treu bist. Ich weiß, dass meine Freiheit in dir garantiert ist.

Möglicher Vorsatz: Wenn mir heute etwas Sorge bereitet, will ich in einem Akt des Vertrauens Gott fĂŒr seine Treue danken.


Die Schönheit des Dienens

23. Februar 2016

Dienstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Polykarp, Bischof und MĂ€rtyrer
Hl. Romana, Einsiedlerin

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Mt 23,1-12
In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine JĂŒnger und sagte: Die Schriftgelehrten und die PharisĂ€er haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen. Sie schnĂŒren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rĂŒhren, um die Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren GewĂ€ndern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und PlĂ€tzen lassen sie sich gern grĂŒĂŸen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid BrĂŒder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der GrĂ¶ĂŸte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: Jesus, zeige mir den Weg des wahren Lebens.

1. Mit dem Beispiel lehren. Es gibt kaum etwas, was Jesus so sehr verĂ€rgert wie die Heucheleien der PharisĂ€er. Warum weist uns Jesus so oft auf diese Fehlhaltung hin? Es scheint wohl etwas sehr Entscheidendes auf dem Spiel zu stehen. Er bestreitet keineswegs, dass die Lehren der Schriftgelehrten gut sind. An ihrem Leben nimmt er jedoch Anstoß. „Sie sagen, aber tun nichts. Legen Lasten auf, tragen aber selber nichts.“ Dort, wo der Glaube in Menschen sichtbar wird, reagiert Jesus hingegen mit grĂ¶ĂŸter Bewunderung. Die alte Witwe, die zwei MĂŒnzen in den Opferkasten einwirft (cf. Lk 21), ZachĂ€us, der sich entscheidet, sein Vermögen den Armen zu geben (Lk 19), sowie der Hauptmann, der um Heilung einer seiner Diener bittet (cf. Lk 7), lösen bei Jesus Anerkennung und Staunen aus. Es scheinen kleine Taten zu sein, kaum der Rede wert, und doch versetzen sie unseren Gott in Staunen. Sie kommen nicht von makellosen Menschen, sondern aus liebenden und aufrichtigen Herzen. Wenn unser Herz fĂŒr Christus brennt, soll unser Leben davon Zeugnis geben. Warten wir hierfĂŒr nicht auf die großen Gelegenheiten, sondern fangen wir im Kleinen und Unscheinbaren an.

2. Könnte ich leer ausgehen? Wem ich in meinem Leben den Vortritt gebe, sollte die entscheidende Frage eines Christen sein. Es geht um Richtung, ja um die Ausrichtung meines Lebens. Unsere sĂŒndhafte Natur wird immer danach streben, uns selber Vorrang einzurĂ€umen. Irgendetwas in uns sagt, dass wir damit gewinnen, uns besser fĂŒhlen und letztendlich glĂŒcklicher sein werden. Und doch ist dem nicht so. Das Evangelium kann paradox erscheinen, erweist sich jedoch als wahrhaftig. „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, gewinnt es.“ (Mt 16,25) Wenn wir hingegen unser Leben auf Christus ausrichten und damit auch auf unseren Mitmenschen, finden wir, was wir suchen. Wer gibt, geht keineswegs leer aus. Treten wir bewusst einen Schritt aus der Spirale des Ichs heraus und geben wir unseren Mitmenschen den Vortritt. Das Leben schenkt uns genug Gelegenheiten, um dies zu ĂŒben.

3. Die AttraktivitĂ€t des Dienens. Kaum ein Mensch setzt sich wohl als Lebensziel, Diener zu sein. Dennoch sagt Jesus zu uns: „Der GrĂ¶ĂŸte unter euch soll euer Diener sein.“ Seit der SĂŒnde ist das Dienen dem Augenschein nach mit einer dicken Schicht abstoßender Eigenschaften versehen. Wir verbinden Dienen mit UnterwĂŒrfigkeit, Gewalt, Respektlosigkeit, Verachtung etc. Jesus spricht aber von einem Dienen aus Liebe: Andere aus Liebe groß sein lassen; keine Angst davor zu haben, ĂŒbersehen zu werden. Das ist die Haltung, die aus einem in Gottes Liebe verankerten Herzen kommt. Und doch: Wie attraktiv wirken auf uns Menschen, die aus Liebe dienen!

GesprĂ€ch mit Christus: Herr, wie oft bin ich nur auf mein eigenes Wohl bedacht! Hilf mir doch, aus meinem Egoismus auszubrechen. Lehre mich die Weisheit der Hingabe. Es macht mir Angst, mich selber zu vergessen. Könnte ich leer ausgehen?

Möglicher Vorsatz: Heute will ich einen Dienst ausĂŒben, ohne darauf bedacht zu sein, von anderen gesehen zu werden.


Gottes Freundschaftsangebot

24. Februar 2016

Mittwoch der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Apostel Matthias

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Joh 15,9-17
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JĂŒngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine grĂ¶ĂŸere Liebe, als wenn einer sein Leben fĂŒr seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwĂ€hlt, sondern ich habe euch erwĂ€hlt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: Jesus, schenke mir ein neues Herz. Nimm mein Herz aus Stein und hilf mir zu lieben.

1. Freunde! â€žIhr seid meine Freunde.“ Wie schnell fliegen wir ĂŒber diese Worte Jesu hinweg! Freunde sind nicht auf Eigennutz aus. Freunde freuen sich mit einem. Freunde trauern mit einem. Freunde tragen einen. Noch vieles mehr könnten wir hier aufzĂ€hlen. Ein Element ist dabei aber vielleicht das Entscheidendste und wird dennoch oftmals vergessen: Wahre Freundschaft kann nur Menschen untereinander verbinden. Nur Wesensgleiche können Freunde sein. Wie kann Gott uns als Menschen dann Freunde nennen? „Nicht ihr habt mich erwĂ€hlt, sondern ich habe euch erwĂ€hlt.“ FĂŒr uns Menschen wĂ€re es unmöglich, Christus, Gott selber, als Freund zu wĂ€hlen. Es ist Gott selber, der uns seine Freundschaft anbietet und uns ihm Ă€hnlich macht. „Ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Er erhebt unsere Natur auf eine göttliche Ebene und macht uns fĂ€hig, seine Freunde zu sein. Von Herz zu Herz kann ich nun mit Gott in eine Beziehung treten. Ich bin Gott nicht nĂŒtzlich. Er will meine Freundschaft, weil er mich liebt und nicht das, was ich ihm geben könnte.

2. Auf Gottesebene. Bevor Jesus seine JĂŒnger Freunde nennt, spricht er jedoch auch mit Inbrunst ĂŒber den Weg, den die JĂŒnger zu gehen haben: „Liebt einander.“ Dass diese Worte sein Freundschaftsangebot an uns einleiten, ist keineswegs Zufall. Es ist gerade die Liebe, die uns auf Gottesebene erhebt. Vieles können wir Menschen tun. Wir können Leistungen erbringen, die uns selber in Staunen versetzen. Menschliches Wissen und Können ist zu atemberaubenden Werken fĂ€hig. Doch die Liebe? Wer befĂ€higt uns zu lieben? Und die Liebe ist genau die Eigenschaft, die dem Wesen Gottes entspricht. Niemals könnte der Mensch aus eigener Kraft lieben. Wahre Hingabe, wirkliche Vergebung, authentische Barmherzigkeit, dazu kann uns nur Gott selber fĂ€hig machen, und zwar, wenn er uns an seinem „Gott-sein“ teilhaben lĂ€sst. Gott bietet uns seine Freundschaft an. Doch nur wer in der Liebe bleibt, kann auf Gottesebene bleiben. Die Freundschaft mit Christus setzt keine Perfektion voraus. Ebenso wenig ist sie fĂŒr den Menschen aus eigenen KrĂ€ften erschwinglich. Nur die Liebe macht uns zu Freunden Gottes.

3. Wonach wir uns alle sehnen. Vollkommene Freude und ein Leben voller FrĂŒchte – danach sehnen wir uns alle. Wieviel Frust baut sich in unserem Alltag auf, gerade weil wir diese Sehnsucht nicht erfĂŒllt sehen. Unsere Probleme, Leiden, Sorgen und Konflikte lassen unsere Freude verblassen. Misserfolge lassen unser Leben unfruchtbar erscheinen. Frusterfahrungen sind immer Andeutungen auf eine tiefe Sehnsucht in unserem Herzen und diese offenzulegen ist mit Sicherheit ein Wegweiser zu Gott – zu dem Wasser, das unsere Sehnsucht wirklich stillen wird. Jesus verspricht uns kein problemloses Leben, nein, er fordert seine JĂŒnger auf, ihr Leben hinzugeben, was sicherlich geschehen wird, ohne dass wir TrĂ€nen vergießen. Und doch verspricht er uns die ErfĂŒllung unserer SehnsĂŒchte und zeigt uns den Weg: „Liebt einander!“

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, wie oft bin ich in meinem Leben unzufrieden und erhoffe mir eine Antwort von dir. Dabei hast du mir den Weg schon gezeigt. Die Liebe ist mein einziger Weg. Danke, dass du mich zuerst geliebt hast. Danke fĂŒr deine Freundschaft. Nimm mir mein allzu menschlich denkendes und schwaches Herz und gib mir deines. Erneuere mich. Hilf mir zu lieben.

Möglicher Vorsatz: Wenn ich heute Frust oder Unzufriedenheit erfahre, werde ich bewusst nach einem Weg suchen, um in der Liebe zu wachsen.


Selig die Barmherzigen!

25. Februar 2016

Donnerstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Walburga
Hl. Luigi Versiglia

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Lk 16,19-31
In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag fĂŒr Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der TĂŒr des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller GeschwĂŒre war. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen GeschwĂŒren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kĂŒhlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafĂŒr getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unĂŒberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fĂŒnf BrĂŒder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht ĂŒberzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: Jesus, öffne meine Augen fĂŒr das Leid meiner Mitmenschen.

1. Der Fehler des Reichen. WĂ€hrend das Evangelium den reichen Mann beschreibt, der sein Leben genießt, löst die Szene vermutlich noch keinerlei Kritik in uns aus. Wie oft genießen wir selber die Dinge dieser Welt! Manchmal, wenn auch viel zu selten, lassen sie unser Herz sogar zu Gott aufschauen, um ihm dafĂŒr zu danken. Doch es ist der darauffolgende Satz, der die Szene sofort in ein ganz anderes Licht hĂŒllt: „Vor der TĂŒr des Reichen aber, lag ein armer Mann namens Lazarus.“ Nicht der Reichtum ist das Problem des reichlich Beschenkten, sondern die verschlossene TĂŒr zwischen ihm und Lazarus. Die Dinge dieser Welt sind uns von Gott gegeben. Doch wenn unsere Habe, aber auch unserer Talente, unser Herz verschließen, verfehlen wir den Weg zu unserem ewigen GlĂŒck. Meine Sorge sollte nicht sein, ob ich zu viel oder zu wenig habe, sondern wer vor MEINER TĂŒr liegt. „Verfallen wir nicht in die GleichgĂŒltigkeit, die erniedrigt, in die Gewohnheit, die das GemĂŒt betĂ€ubt und die verhindert etwas Neues zu entdecken, in den Zynismus, der zerstört. Öffnen wir unsere Augen, um das Elend dieser Welt zu sehen, die Wunden so vieler BrĂŒder und Schwestern, die ihrer WĂŒrde beraubt sind. FĂŒhlen wir uns herausgefordert, ihren Hilfeschrei zu hören. Unsere HĂ€nde mögen ihre HĂ€nde erfassen und sie an uns heranziehen, damit sie die WĂ€rme unserer Gegenwart, unserer Freundschaft und unserer BrĂŒderlichkeit verspĂŒren. Möge ihr Schrei zu dem unsrigen werden und mögen wir gemeinsam die Barriere der GleichgĂŒltigkeit abtragen, der wir gerne freie Hand geben, um unsere Heuchelei und unseren Egoismus zu verbergen.“ (Misericordiae Vultus, Nr. 15)

2. Auf wen höre ich? Oftmals machen wir die Erfahrung, im Nachhinein etwas bereut zu haben, nicht auf die richtigen Leute gehört zu haben, die richtigen Zeichen nicht wahrgenommen zu haben. Doch haben wir in diesem Leben immer noch die Möglichkeit, aus unseren Fehltritten zu lernen. Der Reiche, von dem das Evangelium heute spricht, hatte jedoch alles, bis auf die letzte Chance, vergeudet. Er fĂŒrchtet nun, dass seine BrĂŒder denselben Irrweg gehen, doch die Bitte, einen Toten zu schicken, um sie zu warnen, wird ihm verweigert. „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht ĂŒberzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“ Hören wir heute auf die Wegweiser, die Gott uns schenkt! Viele Stimmen werden auf uns eindringen, um ihren Vorrang zu erbitten. Doch es liegt an mir, Gottes Stimme zu entdecken und auf sie zu hören.

3. Die Barmherzigkeit als sicherer Weg in den Himmel. Der Reiche fleht um Erbarmen und es wird ihm verweigert, so wie er es in seinem irdischen Leben anderen verweigert hat. DemgegenĂŒber stoßen wir auf ein klares Versprechen Jesu in der Bergpredigt: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.“ (Mt 5,7). Wir befinden uns im Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus am vergangenen 8. Dezember eröffnet hat. Lassen wir zu, dass Gottes Barmherzigkeit unser Leben erneuert, sodass wir auch mit barmherzigen Augen auf unsere Mitmenschen blicken können.„In der Barmherzigkeit haben wir den Nachweis, wie Gott liebt. Er gibt sich selbst ganz hin, fĂŒr immer, als Geschenk, ohne etwas als Gegenleistung zu erbitten. Er kommt uns zu Hilfe, wenn wir ihn darum bitten. Es ist schön, dass das tĂ€gliche Gebet der Kirche mit den Worten beginnt: » O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen « (Ps 70,2). Die Hilfe, die wir erbitten, ist bereits der erste Schritt der Barmherzigkeit Gottes mit uns. Er kommt, um uns aus unserer Schwachheit zu retten. Und seine Hilfe besteht darin, dass er uns bewegt, seine Gegenwart und NĂ€he anzunehmen. AngerĂŒhrt von seiner Barmherzigkeit können auch wir Tag fĂŒr Tag barmherzig mit den anderen sein.“ (Misericordiae Vultus, Nr. 14)

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, hab Erbarmen mit mir. Mein Herz ist schwach und dennoch weiß ich, dass du mich mit offenen Armen empfĂ€ngst. Erneuere mein Herz aus Stein und lehre mich deine Wege der Barmherzigkeit. Öffne meine Augen fĂŒr meine Mitmenschen. Befreie mein Herz von Egoismus und Bequemlichkeit.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich ein konkretes Werk der Barmherzigkeit vollbringen.


Christus – Eckstein meines Lebens

26. Februar 2016

Freitag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mechthild
Hl. Hilarius

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Mt 21, 33-43.45-46
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den FrĂŒchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prĂŒgelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die FrĂŒchte abliefern, wenn es Zeit dafĂŒr ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten FrĂŒchte bringt. Als die Hohenpriester und die PharisĂ€er seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach. Sie hĂ€tten ihn gern verhaften lassen; aber sie fĂŒrchteten sich vor den Leuten, weil alle ihn fĂŒr einen Propheten hielten.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: â€žSei mir ein schĂŒtzender Fels, eine feste Burg, die mich rettet.“ (Psalm 31)

1. Einfache Arbeiter im Weinberg des Herrn. Wenn wir das heutige Evangelium lesen verfolgen wir vielleicht mit Entsetzen das Verhalten der Winzer. Wie grausam und völlig unangebracht! Sie waren nur Winzer im Auftrag ihres Gutsbesitzers. Alles wurde ihnen gestellt und sie sollten nur die Ernte einbringen helfen. Unvorstellbar mag es uns erscheinen, doch bei nĂ€herem Hinsehen können wir an ihnen auch ein wenig uns selbst wiedererkennen. Alles wurde uns von Gott geschenkt – unser Leben, unsere Talente, unsere Zeit, seine Geschöpfe. Wie oft wollen doch auch wir uns das alles zu eigen machen. Wir haben Angst, etwas zu verlieren und in unserem Drang nach mehr vergessen wir, wer uns dies doch alles geschenkt hat, und dass wir seinen Auftrag zu erfĂŒllen haben. Gott schenkt uns im Übermaß, fordert aber auch die FrĂŒchte ein.

2. Mein Eckstein! â€žDer Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden.“ Christus selber ist der Stein, der verworfen wurde. Er, der bereit war, fĂŒr uns sein Leben hinzugeben, wurde von so vielen als Bedrohung angesehen. Er, der kam, um uns zum wahren, erfĂŒllten Leben zu fĂŒhren, wurde von vielen ignoriert und verlassen, aus Angst, der Weg könnte doch zu schwer werden. Viele erkannten ihn nicht oder sie fĂŒrchteten sich. Doch seine Liebe, die keine Grenzen kennt, siegt. Am Kreuz ist der Verworfene fĂŒr uns alle zum Eckstein geworden – unser sicherer Grund. Ist Christus auch fĂŒr mich eine Bedrohung? Habe ich Angst, er könnte mir etwas nehmen? Ich kann vieles entbehren, doch mit Christus steht mein Leben auf festem Boden: „Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Befreier. Mein Gott ist meine Zuflucht, mein Schild und mein starker Retter, meine Burg in sicherer Höhe.“ (Psalm 18,3).

3. Das wahre Wunder. Tausende Menschen folgten Jesus, um seine Wunder zu sehen. Kranke wurden geheilt, Tote sogar auferweckt. Bei all seinem Wirken ist Jesus jedoch stĂ€ndig darum bemĂŒht, die Menschen auf die wahren Wunder aufmerksam zu machen. Er heilt viele Kranke, doch verpflichtet er sie dazu, keinem etwas davon zu erzĂ€hlen. Den Mann aus Gerasa, den er von bösen Geistern befreit, fordert er auf: „Kehr in dein Haus zurĂŒck, und erzĂ€hl alles, was Gott fĂŒr dich getan hat.“ (Lk 8,39) Die wahren Wunder geschehen im Inneren des Menschen. „Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder.“ Dort, wo in unserem Leben die SĂŒnde alles in TrĂŒmmer gelegt hat, können wir Christus als unseren Eckstein setzten. Wir bitten Gott so oft um materielle Wunder, doch vergessen wir, um die wahren Wunder zu bitten und sie zu erkennen. „Was ist leichter, zu sagen: Deine SĂŒnden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher?“ (Mt 9,5). „Die Vergebung unserer SĂŒnden durch Gott ist grenzenlos. Im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi lĂ€sst Gott seine Liebe sichtbar werden, die selbst die SĂŒnden der Menschen zerstört
Gott zeigt sich immer bereit zur Vergebung und er wird nicht mĂŒde, sie immer wieder neu und in unerwarteter Weise anzubieten.“ (Misericordiae Vultus, Nr. 22)

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, ich danke dir fĂŒr deine grenzenlose Liebe. So oft bin ich blind und fĂŒrchte mich und dabei bist du mein einzig sicherer Halt. Hab Erbarmen mit mir! Nur deine Barmherzigkeit kann mich frei machen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde so bald wie möglich eine Gelegenheit zur Beichte suchen, um Gottes Geschenk der Barmherzigkeit anzunehmen.


Sehnsucht nach dem wahren Vater

27. Februar 2016

Samstag der zweiten Woche in der Fastenzeit
Hl. Markward OSB
Hl. Augustin Tchao und GefÀhrten, MÀrtyrer

Sarah Briemle, Gottgeweihte Frau im Regnum Christi

Lk 15,1-3.11-32
In jener Zeit kamen alle Zöllner und SĂŒnder zu Jesus, um ihn zu hören. Die PharisĂ€er und die Schriftgelehrten empörten sich darĂŒber und sagten: Er gibt sich mit SĂŒndern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzĂ€hlte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jĂŒngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jĂŒngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort fĂŒhrte er ein zĂŒgelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot ĂŒber das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem BĂŒrger des Landes und drĂ€ngte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum SchweinehĂŒten. Er hĂ€tte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und kĂŒsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versĂŒndigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein Ă€lterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die NĂ€he des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du fĂŒr ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt mĂŒssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

EinfĂŒhrendes Gebet: Jesus, ich will dich sehen. Ich will dich erkennen, so wie du wirklich bist. StĂ€rke meinen schwachen Glauben, wo andere Stimmen ihm seinen Vorrang streitig machen wollen. Lege Hoffnung in mein Herz, wenn Dunkelheit mein Leben ĂŒberschatten will. FĂŒhre mich den Weg der Liebe. Ich weiß, dass nur dieser Weg mich frei machen wird.

Bitte: Jesus, zeige mir dein Herz.

1. Menschen voller Sehnsucht. Zöllner und SĂŒnder finden voll Vertrauen ihren Weg zu Jesus. Wie ein Magnet zieht es sie in seine Gegenwart und er weist sie nicht ab, ja er sucht sie. Was macht die Begegnung der SĂŒnder mit Jesus denn so einfach, und was hindert die PharisĂ€er daran, sich Jesus zu nĂ€hern? Irgendetwas blockiert die Begegnung Jesu mit dieser letzteren Art von Menschen. Sie haben ihre SehnsĂŒchte mit ihrem Hochmut erstickt. Die SĂŒnder, mit denen Jesus sich umgibt, sind hingegen Menschen voller SehnsĂŒchte. Antoine de Saint-Exupery schreibt in seinem Buch „Der kleine Prinz“: „Wenn du willst, dass jemand ein Schiff baut, gib ihm kein Werkzeug, sondern wecke in ihm die Sehnsucht nach dem Meer.“ So verhĂ€lt es sich auch mit unserer Beziehung zu Gott. Weder Makellosigkeit noch Selbstzufriedenheit werden uns zu Jesus fĂŒhren, sondern eine tiefe Sehnsucht, die noch unerfĂŒllt ist. Auf unserem tĂ€glichen Weg zur Heiligkeit heißt es daher, diese Sehnsucht aufrecht zu erhalten. Die heilige Theresia von Lisieux machte diese Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes auf besondere Art und Weise und schreibt: „Wenn ich auch alle nur möglichen Verbrechen begangen hĂ€tte, wĂ€re mein Vertrauen doch genauso groß. Ich fĂŒhle es, diese ganze Masse von SĂŒnden wĂ€re wie ein Wassertropfen, den man auf glĂŒhende Kohlen fallen lĂ€sst.“

2. Hungersnot. Wie oft fragen wir Gott, warum er gewisses Leid zulĂ€sst? Wenn der Vater seinen Sohn wirklich so sehr liebt, warum lĂ€sst er dann eine Hungersnot im Land ausbrechen? Das Gleichnis des verlorenen Sohnes lĂ€sst uns auf bildliche Weise erfassen, wie Gottes Wirken auch uns so oft begegnet. Sicherlich will Gott das Böse und das Leid nicht. Er hat es nicht geschaffen und doch lĂ€sst er es zu. Gott, der gut und allmĂ€chtig zugleich ist, wĂŒrde es niemals zulassen, wenn er aufgrund seiner Allmacht und GĂŒte nicht auch das schrecklichste Leid zu etwas Gutem fĂŒhren könnte. War die Hungersnot nicht vielleicht sogar der entscheidende Wendepunkt im Leben des verlorenen Sohnes? Sein Hunger, seine Hilflosigkeit, die auf einmal so sinnlos erscheinenden VergnĂŒgungen der Welt wecken in ihm die Sehnsucht nach seinem wahren Zuhause und er macht sich auf den Weg zurĂŒck in die Arme des Vaters. So können auch wir dank unserer „Hungersnöte“ oftmals dahingelangen, den Himmel wieder mit brennendem Herzen zu ersehnen. Machen wir uns dann auf den Weg!

3. Das Herz des Vaters. In diesem Jahr der Barmherzigkeit will uns die Kirche auf neue Weise das Herz des Vaters offenlegen. Wie oft halten wir uns falsche Gottesbilder vor – vom versĂŒĂŸten, alles tolerierenden Jesus bis hin zum strengen Richter, vor dem man sich zu fĂŒrchten hat. In Christus hat uns Gott ein Herz offenbart. Ja, er ist ein anspruchsvoller Gott, der einen auf den „schmalen Weg“ fĂŒhren möchte, weil es der Weg zum Leben ist. So oft strĂ€ubt sich unsere bequeme Natur dagegen. Aber auch dann, wenn er uns fordert, und gerade dann, ist er immer ein liebender Gott. Die offenen Arme des Vaters geben uns zu verstehen, dass die Ursache fĂŒr die Sorge des Vaters nicht ein verĂ€rgertes Herz war, sondern die Schwere des Verlusts, der ihn TrĂ€nen vergießen ließ: „Dein Bruder war tot und lebt wieder.“ Gott sehnt sich nicht nach Rache, wenn wir uns von ihm abwenden, sondern trauert wegen eines schweren Verlusts. Wie groß muss dann doch seine Freude sein, wenn wir zu ihm zurĂŒckkehren! „Wenn Gott bei der Gerechtigkeit stehen bliebe, dann wĂ€re er nicht mehr Gott, sondern vielmehr wie die Menschen, die die Beachtung des Gesetzes einfordern. Die Gerechtigkeit alleine genĂŒgt nicht, und die Erfahrung lehrt uns, dass, wer nur an sie appelliert, Gefahr lĂ€uft, sie sogar zu zerstören. Darum ĂŒberbietet Gott die Gerechtigkeit mit der Barmherzigkeit und der Vergebung. Das bedeutet keinesfalls, die Gerechtigkeit unterzubewerten oder sie ĂŒberflĂŒssig zu machen. Ganz im Gegenteil. Wer einen Fehler begeht, muss die Strafe verbĂŒĂŸen. Aber dies ist nicht der Endpunkt, sondern der Anfang der Bekehrung, in der man dann die ZĂ€rtlichkeit der Vergebung erfĂ€hrt.“ (Misericordiae Vutuls, Nr. 21)

GesprĂ€ch mit Christus: Jesus, zeige mir dein Herz! Wie oft gehe ich doch meine Irrwege und meine, mein GlĂŒck in weltlichen Dingen oder in mir selber zu finden. Doch ich weiß, dass mein wahres Zuhause, mein wahres GlĂŒck, nur in dir ist. Ich sehne mich nach dir und will mich jeden Tag neu auf den Weg machen, zurĂŒck zu dir.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute einen Moment des Gebets suchen, um in mir bewusst die Sehnsucht nach Gott aufleuchten zu lassen.