Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 10. Januar 2016 bis Samstag 16. Januar 2015

Erste Woche im Jahreskreis

Angelika Knauf

Gottes Liebe transparent werden lassenSonntag
Der Augenblick Jesu ChristiMontag
Der Heilige GottesDienstag
Lebenspendendes Wort Mittwoch
Heil erfahrenDonnerstag
In der Gemeinschaft des GlaubensFreitag
Damit Sünder gerecht werdenSamstag


Gottes Liebe transparent werden lassen

10. Januar 2016


Taufe des Herrn

Angelika Knauf

Lk 3,15-16.21-22
In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Einführendes Gebet: Jesus, dein erstes Auftreten unter den Menschen war ein Akt der Demut. Aus Liebe hast du dich mitten unter uns sündigen Menschen eingereiht, um uns betend dem Vater vorzustellen. Als der Vater dich als seinen geliebten Sohn bezeugte, durfte die Hoffnung auf Erlösung in den Herzen der Menschen erstmals hochschlagen. Entfache dieses Feuer der Hoffnung in uns neu, damit wir dich, den Grund unserer Hoffnung, ausstrahlen.

Bitte: Komm, o Jesus, komm und erfülle mich neu mit Deiner Gegenwart.

1. Die Menschen sehnen sich nach Zeugen. Voller Erwartung überlegten die Menschen, ob nicht vielleicht Johannes selbst der Messias sei. Mit Johannes war einer aufgetreten, der lebte, was er verkündigte, der mit seinem Sein bezeugte, dass er wahrhaft ein von Gott Gesandter war. Dieses Durchscheinen des Handelns Gottes in ihm machte Johannes anziehend für die Menschen und vertrauenswürdig. So fragten sie ihn voller Bereitschaft: Was müssen wir tun? Und sie nahmen seine Worte und die Taufe zur Umkehr und Buße, die er spendete, an. Man spürt, wenn ein Mensch wahrhaft aus Gott ist, man sucht seine Nähe, wenn man Gott sucht. Doch was muss das erst für ein Mensch sein, der dich auch zu Gott hinführen kann? Es muss jemand sein, der eine wirkliche Begegnung mit Gott hatte; der erkannt und angenommen hat, dass er ohne Gott nichts ist. Es ist jemand, der sein ganzes Schicksal Gott übergeben hat, in allem von sich weg und auf den Größeren verweist, aus dem er lebt. Johannes sagt, er sei nicht würdig, einen der niedrigsten Sklavendienste - die Schuhe aufzuschnüren - an dem zu verrichten, der da kommen soll und in dessen Dienst er steht. Und er ordnet auch die Taufe, die er in seinem Auftrag spendet, ganz der Verfügung dessen unter, der da kommen soll. Dieser Jesus aber wird von Johannes sagen, er sei der Größte unter allen Menschen gewesen.Echte Verkündigung des Evangeliums geschieht in dem Maße, in dem wir selbst aus Gott sind und ganz auf ihn hin leben.

2. Sich ganz auf Gott ausrichten. Das klingt nach Selbstverleugnung und all den unangenehmen Dingen, gegen die wir uns zunächst unwillkürlich sträuben. Doch ist es nur in dem Maße anstrengend, uns zu verleugnen, wie unser Selbst in uns Raum einnimmt. Wenn es uns ganz beherrscht, sind wir unfrei. Aus eigener Kraft überwinden wir es nicht. Doch was Lukas über die Taufe Jesu berichtet, zeigt uns, wie frei Jesus innerlich ist: Die von Johannes gespendete Taufe war ein Bußakt für Sünder. Jesus hatte nie eine Sünde begangen, warum ließ er sich also taufen? Lukas sagt: Zusammen mit dem ganzen Volk ließ Jesus sich taufen. Er betont das, denn die Gemeinschaft, in die Jesus sich in diesem Moment bewusst stellt, ist die Gemeinschaft mit uns Sündern. Doch Lukas sagt auch, dass Jesus sich betend taufen lässt. Er ist ganz im Dialog mit dem Vater. Was er tut, tut er, weil er es den Vater tun sieht. Jesus ist ein ganz in Beziehung auf den Vater Lebender. Von daher kommt seine Hingabe an die Menschen und seine Bereitschaft, sich ihnen in Liebe gleichzustellen. Aufgrund seiner Einheit mit dem Vater „fließt“ über ihn die Liebe des Vaters zu den Menschen.Wenn wir beginnen, immer mehr auf Jesus zu schauen, ihm nahe zu sein, mit ihm zu sein im Gebet, dann wird er immer mehr Raum in uns einnehmen. Unser eigenes Selbst wird sich ihm überlassen können, weil es ihn wahrhaft erfährt. Nicht die mühsame Beschäftigung mit unseren Schwächen wird uns heilen, sondern das von uns Wegsehen, das Schauen auf ihn, das zur Begegnung wird.

3. Vom Feuer der Liebe entfacht. Was bei dieser Begegnung geschehen wird, erkennen wir an den Worten des Vaters. In dem Moment, in dem Jesus seine Sendung aufnimmt, was im Gebet, im Eins-Sein mit dem Vater geschieht, und er sich in der Taufe den Sündern gleichmacht, da bekennt ihn der Vater: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Es ist ein väterliches Wort der Liebe, das die Hingabe des Sohnes entgegennimmt. Lukas sagt wenige Verse später, dass Jesus erfüllt vom Heiligen Geist die Jordangegend verließ. Es ist der Geist der Liebe zwischen Vater und Sohn, der Heilige Geist, der bei dieser Begegnung offenbart worden ist. Mit der Übernahme des väterlichen Sendungsauftrags hat Jesus sich ganz in die Einheit mit dem Vater gestellt und der Heilige Geist wurde in ihm offenbar.Das ist die Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer. Johannes prophezeit sie allen, die den suchen, der nach ihm kommen wird. Wir Christen haben diese Taufe empfangen! Und sie entfaltet ihre Gnade in uns in dem Maße, in dem wir uns Christus öffnen. In dem Maße, in dem er in uns ist und wir in ihm. Dann wird sein Geist jenes Feuer der Liebe in unseren Herzen entzünden, das uns zu Kindern Gottes macht, zu Menschen, die für andere die Liebe Gottes transparent machen.

Gespräch mit Christus: Jesus, viel Zeit verbringe ich damit, über meine Fehler nachzudenken. Obwohl ich es im Verlangen tue, sie zu überwinden und dir näher zu kommen, entfernt mich der zu sehr auf mir verhaftete Blick von dir. Hilf mir, mehr auf dich zu schauen, damit die Freude in meinem Herzen wächst. Lass die Freude an dir zum durchscheinenden Licht, zur Kraft meines Zeugnisses werden.

Möglicher Vorsatz: Ehe ich heute Abend mein Gewissen erforsche, will ich erst betrachten, wie mir Jesu Liebe heute begegnet ist.


Der Augenblick Jesu Christi

11. Januar 2016

Montag der ersten Woche im Jahreskreis
Hl. Theodosius, Märtyrer

Angelika Knauf

Mk 1,14-20
Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Einführendes Gebet: Jesus, unsere Zeit ist voll von Entwicklungen, die wir nicht verstehen und die uns verunsichern. Doch jede Zeit ist deine Zeit, auch heute schenkst du uns Zeichen deiner Gegenwart. Auch heute rufst du uns in deine Nachfolge. Doch oft sind wir so beschäftigt und in uns selbst verfangen, dass wir dich überhören. Und wenn wir doch hören, mangelt es uns an der Gabe der Unterscheidung: wir wissen, dass du uns rufst, wissen aber nicht, wie wir dir folgen sollen.

Bitte: Jesus, gib uns heute ein offenes Ohr und ein waches und bereites Herz für deinen Anruf!

1. Aufbruch hin zur Fülle. Eigentlich berichtet Markus hier Ungeheuerliches: Menschen, die auf einen Ruf hin sofort alles verlassen, sogar engste Familienbande hintanstellen. Kommen uns heutigen Menschen da nicht auch Bedenken, wie man so etwas überhaupt verantwortlich tun kann? Den alles ergreifenden Umbruch, der sich hier vollzieht, verstehen wir kaum. Jesus erklärt, worin dieser Umbruch besteht: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! So lange hatte das Volk Israel mit seinen Propheten auf diesen Moment gewartet: Dass zum Reich Gottes werden möge, was so oft bedroht und unter fremde Herrschaft gezwungen wurde. Nun verkündete dieser Mann, die Herrschaft Gottes sei nahe! Papst Benedikt XVI. schreibt dazu: Das Neue und Spezifische seiner Botschaft besteht darin, dass er uns sagt: Gott handelt jetzt – es ist die Stunde, in der sich Gott in einer alles Bisherige überschreitenden Weise in der Geschichte als deren Herr, als der lebendige Gott zeigt. (Jesus von Nazareth, Band 1, S. 85) Dank einer Gnade, die ihrem Verstehen zuvorkam erkannten, Simon und Andreas, Jakobus und Johannes, dass dieser Ruf entscheidend für sie war. Sie antworteten ohne Aufschub.

2. Der entscheidende Moment. Solch einen Moment kann es im Leben eines jeden geben. Einen Moment, in dem wir spüren, dass etwas Grundlegendes an uns herantritt. Durch einen Umstand, eine Person, ein inneres Licht werden wir in unserem Sein zutiefst berührt. Und wir spüren, dass in dieser Berührung der Anspruch an uns gestellt wird, unserem Leben eine neue Richtung, ja vielleicht eine ganz neue Grundlage zu geben. Diese Momente, in denen Gott uns ruft, sind so kostbar. Wir sollten ihn bitten, sie nicht zu übersehen und uns behilflich zu sein, damit wir sie so beantworten, dass das Reich Gottes zu uns kommen kann. Lesen wir dazu noch einmal Worte des späteren Papstes: Es gibt den Augenblick Jesu Christi, und den kann man nicht verschieben und rechnen und sagen: „Ja, ich will schon einmal, aber jetzt ist es mir noch zu gefährlich. Jetzt will ich nicht dies und jenes tun.“ ... Es gibt die Stunde des Rufes, in der die Entscheidung da ist, und dann ist sie wichtiger als das, was wir uns noch ausgedacht haben und was an sich ganz vernünftig ist. Die Vernunft Jesu und sein Ruf haben Vorrang; sie kommen zuerst. Diesen Mut, das uns so vernünftig Scheinende zurückzustellen vor dem Größeren, der er ist, ist nicht nur im ersten Augenblick, sondern immer wieder auf allen Stücken des Weges entscheidend. Nur so kommen wir wirklich in seine Nähe hinein." (Kardinal Joseph Ratzinger, „Diener Eurer Freude“, 1988).

3. Lebendiges Reich Gottes. In Jesu Nähe und Einflussbereich hineinkommen – genau das erschließt uns das Reich Gottes. Doch für die Jünger und für alle, die seitdem Jesus nachzufolgen versuchen,– auch für uns, ist es noch ein langer Weg bis das Reich Gottes in seiner Fülle anbricht. Denn Jesus ist nicht gekommen, um ein äußeres Reich zu verkünden und zu errichten. Das Reich Gottes ist etwas Lebendiges, mit dem ich in Beziehung treten muss. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! Dieser Aufruf Jesu zeigt, dass das Reich Gottes nicht außerhalb unserer selbst errichtet werden kann. In uns muss es beginnen, in unserer innersten Haltung. Wenn wir das, was unser Leben ausmacht, nicht mehr primär in eigener Sache, sondern von Gott her leben, beginnt unsere Umkehr. Das bedeutet, sich in allem Gott anzuvertrauen, alles in seinem Licht zu betrachten und seinem Maß mehr und mehr anzupassen. Umkehr zu Gott geschieht durch einen lebendigen Glauben, der, getragen von der Hoffnung auf ihn, keine Konsequenzen scheut; der sich danach sehnt, dass die Liebe Gottes, die sein Reich ausmacht, sich ausbreitet.

Gespräch mit Christus: Jesus, immer wieder irritiert uns der Lärm dieser Zeit und wir hören nicht auf deine Stimme. Unsere Sehnsucht nach dir und deiner Nähe verliert ihre Flügel, wenn uns Zweifel darüber, ob wir deine Stimme recht verstehen, lähmen. Jesus, um deiner geduldigen Liebe willen, bitte ich dich, rufe uns unablässig! Bitte erwecke in den Herzen derer, die du uns als Hirten und geistliche Lehrer zur Seite stellen willst, eine frohe und großherzige Antwort auf deinen Ruf. Wir bitten dich um Priester und geistliche Begleiter!

Möglicher Vorsatz: Ich will heute während des Tages mehrere Male bewusst innehalten und darauf achten, was Gott von mir möchte.


Der Heilige Gottes

12. Januar 2016

Dienstag der ersten Woche im Jahreskreis
Hl. Ernst, Märtyrer
Hl. Tatiana, Märtyrerin

Angelika Knauf

Mk 1,21-28
In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Einführendes Gebet: Jesus, du hast verborgen gelebt und darauf verzichtet deine göttliche Heiligkeit dem physischen Auge sichtbar zu machen, damit wir in dir der demütigen Liebe des Vaters ansichtig werden. Du, die vollkommene Liebe, bist heilig, die Heiligkeit selbst. Wenn wir deine Heiligkeit anbeten, beten wir deine Liebe an.

Bitte: Jesus Christus, der du der Heilige Gottes bist, lehre uns, wie heilig die Liebe ist!

1. Heilsame Erschütterung. Nach der Berufung der ersten Jünger geht Jesus in die Synagoge von Kafarnaum, um zu lehren. Und hier geschieht Ähnliches wie bei der Berufung der Jünger: Die Angesprochenen spüren, dass etwas an sie herantritt, das mehr ist, als alles, was sie bislang erfahren haben. Aber sie können es nicht einordnen, es erschüttert sie, „sie wurden aus sich hinausgeschlagen“ heißt die genaue Übersetzung (vgl. R. Guardini, Der Herr). Die Schriftgelehrten, die sie sonst hörten, lehrten vielleicht mit großem Scharfsinn, aber sie lehrten, was andere vor ihnen geschrieben hatten, Mose und die Propheten. Jesus hingegen spricht aus eigener Autorität. In ihm begegnen die Menschen dem Geist Gottes in noch nie erfahrener Unmittelbarkeit. Sie wissen noch nicht, wer es ist, dem sie hier begegnen, aber sie spüren, dass diese Begegnung einen Wendepunkt darstellt. In die vorher so selbstverständlichen Bezüge ihres Glaubens und Lebens finden sie nicht mehr so einfach zurück. Was sie erfahren, ist eine heilsame Erschütterung. Aus ihr soll neues Leben entstehen.

2. Die Empörung des Geschöpfs. Dies nehmen aber auch die Kräfte wahr, die sich gegen jenes Leben stellen, das aus der Liebe Gottes hervorgehen will. Der unreine Geist eines Besessenen wird durch die Gegenwart Jesu aufgeschreckt. Hier trifft das Geschöpf, das nicht dienen will, mit Empörung auf die Vollmacht der Liebe, die sich in der Demut des menschgewordenen Gottessohnes offenbart. Hochmut fürchtet die Macht der demütigen Liebe. Denn der Hochmütige verfügt vielleicht über Wissen, hat aber keine Liebe. Allein die Letztere ist schöpferisch. Die aufbauende und fruchtbare Liebe des Reiches Gottes trifft auf den zerstörerischen Hass im Reich völliger Lieblosigkeit. Die Bedrohung ist absolut, denn wo in der Seele die Unreinheit weicht und die Erkenntnis von Wahrheit und Liebe zunimmt, hat das „Reich der Finsternis“ keinen Platz mehr. Der Dämon sagt: Du bist der Heilige Gottes! Nicht einer von vielen also, sondern der allein Heilige. Dies ist ein Zeugnis für die Einzigartigkeit Jesu. Doch Jesus gebietet ihm zu schweigen, weil er kein Zeugnis duldet, das nicht von Glaube und Liebe getragen ist.

3. Die Vollmacht der Liebe. Hin und her zerrt der unreine Geist den Mann, ehe er ihn mit lautem Geschrei verlässt. Ist das nicht ein Zustand, wie wir ihn selbst bei uns fortwährend im Kleinen erleben? Hin- und hergerissen sind wir zwischen dem Anruf der Liebe des Reiches Gottes und der Empörung, die tief in uns schlummert und immer wieder einmal aufwacht und rebellieren möchte. Steigt nicht auch in uns immer wieder einmal die Frage auf, was wir mit einer konkreten Situation, einem konkreten Menschen zu tun haben, wenn durch ihn die Liebe eine konkrete Anforderung an uns stellt? Wie winden wir uns dann innerlich! Wie sehr sträuben wir uns, die Herrschaft über uns und all unsere selbstgemachten Sicherheiten Jesus zu überlassen! Bis er uns ein Licht schenkt, das die Empörung in uns still werden lässt und unsere aufgebäumte Seele zur Ruhe bringt. Und wenn dann das Licht der Liebe Jesu in uns mächtig wird, dann staunen auch wir und bekennen: Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet – sie allein schafft neues Leben.

Gespräch mit Christus: Jesus, unsere Welt scheint so profan geworden zu sein. Wir haben verlernt, die Knie zu beugen. Wir meinen, alles begreifen und einordnen, also in den Griff bekommen zu können. Ich bitte dich, öffne unsere Seelen wieder für die Anschauung deiner Heiligkeit, damit wir lernen, über das Maß der Liebe zu staunen, über die Weise, in der du dich uns zuneigst. Führe uns aus unserer Enge heraus in die Weite deiner Heiligkeit.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute bewusst die Heiligkeit Gottes im Gebet, in der Liturgie, in der Begegnung mit meinem Nächsten bedenken und mich daran erinnern, wie ich mich vor ihr verbeugen muss.


Lebenspendendes Wort

13. Januar 2016

Mittwoch der ersten Woche im Jahreskreis
Hl. Hilarius, Bischof
Hl. Gottfried von Cappenberg OPraem

Angelika Knauf

Mk 1,29-39
In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Einführendes Gebet: Jesus, spürst du es genauso, wie ich? Bist du das in mir?: Jeder Mangel an Liebe drückt mich nieder. Liebe, die mir vorenthalten wird, bedrückt mich, Liebe, die ich jemandem verweigere, hinterlässt in mir eine Narbe. Du bist gekommen, um das Reich der Liebe zu verkünden und zu errichten. Tu es durch deine Hingabe in mir.

Bitte: Jesus, richte mich auf mit deiner Liebe, damit sie auch in mir fruchtbar werde.

1. Aufgerichtet zur Liebe. Jesus verkündet keine idealistische Lehre darüber, wie das Leiden an sich zu beseitigen wäre. Er lässt das Leiden konkret an sich heran, so wie es die einzelne Person trifft und von der Fülle des Lebens ausschließt. Jesus hebt den Abstand und die Anonymität auf, er erbarmt sich des einzelnen Menschen. Er lässt sich ansprechen und einbeziehen, hört auf die Bitten derer, die ihm das Leid eines geliebten Menschen vortragen. Jesus begegnet der Schwiegermutter des Petrus ganz persönlich, er nimmt sie bei der Hand und richtet sie auf. Sie wird gesund und sorgt für sie. „Wie praktisch“, könnte man sagen, wenn man oberflächlich denken und in dieser Heilung einen vermeintlichen Selbstzweck entdecken würde. Doch der tiefere Blick bleibt an dem Wort „aufrichten“ hängen und öffnet eine Perspektive auf das Eigentliche: Jesus sieht im Leid des Einzelnen seine Überbelastung durch einen Mangel an Liebe. Es ist die Liebe Gottes, die den Menschen wieder zu seiner eigentlichen Größe aufrichtet. Diese Größe besteht in der Fähigkeit zu lieben, und damit Abbild Gottes zu sein. Die Schwiegermutter des Petrus hat mit ihrer Heilung die Fähigkeit zur Ausübung der Liebe zurückerhalten. Und sie übt diese Fähigkeit aus, indem sie in Liebe für Jesus und seine Jünger sorgt.

2. Leid durch die Sünde. Das Ereignis muss sich schnell herumgesprochen und Hoffnung in vielen, vom Leid niedergedrückten Menschen, geweckt haben. In Scharen strömen sie herbei. Jesus heilt nicht nur die Krankheiten ihres Leibes, er treibt auch viele Dämonen aus. Markus sieht erneut das Leid in seiner doppelten, psychosomatischen Dimension. Wenn wir Gott heute das große Leid der Menschen klagen, dann übersehen wir oft das dahinterstehende, tiefere Leid der Menschenseele aufgrund der Sünde. Das Leid in der Welt wird nicht enden, solange die Sünde fortbesteht. Jesus kam, um es zu überwinden und wo er ist, bringt er sein Heil. Als Erlöser ist sein Dasein so unvereinbar mit jeder Sünde, dass er auch hier wieder kein Zeugnis aus dem Mund jener entgegennimmt, die ganz in der Sünde, in der Abkehr von ihm stehen, den Dämonen. Jesus ist nicht einfach nur der gute Menschenfreund, wie manchmal leicht verharmlosend gesagt wird. Er ist in aller damit verbundenen Dramatik der einzige Retter der Menschen, weil er der Einzige ist, der von der Sünde erlösen kann.

3. Das rettende Wort. Diese den Ereignissen innewohnende Dramatik wird ganz deutlich durch Jesu Reaktion auf die vielen Heilungen, die er vollzogen hat. Er zieht sich zurück an einen einsamen Ort, um zu beten. Er muss das Leid, das er gesehen und das ihn als Mensch zutiefst getroffen hat, zum Vater bringen. Er nimmt die Bedrängnis, die Schuld und die Not der Menschen in einer Liebe wahr, die ganz ernst ist, weil sie klar sieht, woher ihr Übel kommt: In der Abkehr des Menschen von Gott. Jesus reagiert auf diese Erfahrung, indem er sich ganz seinem Vater zuwendet, allein ist mit ihm. Sein Vater zeigt ihm, dass er zu allen Menschen gesandt ist. Und seinen Jüngern sagt er, er sei gekommen, um zu predigen. Er sagt nicht, um zu heilen. Denn wichtiger ist die Verkündigung des Wortes Gottes, weil in ihm den Menschen die schöpferische Kraft eines inneren Neuanfangs zugesprochen werden kann. Denn, wo es aufgenommen wird, erschafft Gottes Wort das Reich, das es verkündet.

Gespräch mit Christus: Jesus, oft lassen wir uns von dir nicht aufrichten, weil wir uns an Zielen orientieren, die nicht zur Erfahrung der Fülle deiner Liebe führen. Sende uns den Geist deiner Liebe, der uns hilft, uns dir ganz zuzuwenden und dein Wort zu empfangen, das uns von allen Fesseln der Sünde löst.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute versuchen, das Wort Gottes an mich nicht durch Unaufmerksamkeit oder Halbherzigkeit in Fesseln zu schlagen.


Heil erfahren

14. Januar 2016

Donnerstag der ersten Woche im Jahreskreis
Hl. Felix von Nola, Priester

Angelika Knauf

Mk 1,40-45
In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte in weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Einführendes Gebet: Jesus, ich muss es dir einmal sagen, denn es schmerzt mich allzu sehr: Jeder Tag konfrontiert mich mit der Erfahrung des Unheils. So vieles in mir, in meinem Tun, aber auch in meinem Umfeld ist nicht heil. Du aber bist gekommen, um zu heilen, was verwundet ist.

Bitte: Jesus, lass mich dich immer aufs Neue als die Quelle des Heils erfahren und bezeugen.

1. Demut und Glaube als Weg zur Heilung. Menschen in der Zeit des Alten Bundes mussten sich bei Verdacht auf Aussatz den Priestern zeigen. Deren Aufgabe war es, nach einem genau festgesetzten Verfahren zu beurteilen, ob jemand aussätzig war oder nicht. Wurde Aussatz festgestellt, wurden die Betroffenen kraft priesterlicher Autorität verpflichtet, von der Gesellschaft der Gesunden getrennt zu leben, damit der Aussatz nicht übertragen werden konnte. Aussätzigen war es also streng verboten, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, weil es kein Heilmittel gegen die Krankheit gab. Dass dieser Mann es jedoch gewagt hat, den abgesperrten Bezirk der „Unreinen“ zu verlassen und auf Jesus zuzugehen, birgt eine tiefere Symbolik in sich. Er sucht mehr als körperliche Heilung. Er vollzog vor Jesus eine Geste tiefer Demut, obwohl er doch durch seine Krankheit schon so gedemütigt war, dass er jedes Mitleid verdient hätte. Er bekannte seinen Glauben an Jesus und an seine Macht, ihn zu heilen, tat dies aber mit den Worten: „Wenn du willst, …, dass ich rein werde!“ Er sagte nicht einfach, „Mach mich bitte rein!“ Dieser Mann hatte nämlich erkannt, dass es einen tieferen Zusammenhang zwischen seiner Krankheit und der Sünde gab, die allein sein Unreinheit verursachen konnte. Er bat Jesus um eine tiefere Heilung als nur um die des Leibes. Er bekannte Jesus mit Gesten und Worten nicht nur als einen Heiler, sondern als Heiland.

2. Das uns berührende Heil. Markus berichtet, dass Jesus Mitleid mit ihm hatte. Er lässt sich vom Leid dieses Mannes berühren, er tritt in es ein, indem er ihm zunächst mit einer Geste antwortet: Er streckt die Hand aus und berührt ihn. In dieser Geste drückt sich die Identität Jesu aus. Als Gott ist er Mensch geworden, um für die Menschen berührbar zu werden, aber auch, um zu zeigen, dass Gott vom Schicksal des Menschen zuerst berührt worden ist. Als Mensch berührt er unser Leid, das durch die Sünde, durch die in ihr zum Ausdruck kommende Abkehr von Gott, verursacht wird. Gott beantwortet unsere Abkehr von ihm mit seiner ganz besonderen Hinwendung zu uns in der Menschwerdung des Sohnes. Und mehr noch: Er wendet sich uns zu, um uns zu sich zurückzuführen. Wenn Jesus dem Aussätzigen sagt: „Ich will es – werde rein!“ und dieser im selben Moment rein wird, so deutet er damit symbolisch schon an, wie er an uns allen handeln will, wenn er das Kreuz auf sich nimmt. Und es wird deutlich: Die Heilung durch Jesus wird uns zuteil, wenn wir unsere Erlösungsbedürftigkeit erkennen, uns zu ihr bekennen und sie zum Ausdruck bringen.

3. Sich heilen lassen. Jesus verbietet dem Mann, seine Heilung eigenmächtig zu verkünden, sondern verweist ihn auf das Gesetz. Darin war vorgeschrieben, dass auch eine Heilung nur durch den Priester festgestellt werden und gesellschaftliche Relevanz annehmen konnte. Jesus hebt die Ordnung nicht auf, er erfüllt sie mit wahrem Leben. Tut er das nicht auch heute noch? Jesus Christus selbst hat uns in der Kirche das Heilmittel gegeben, das uns vom Aussatz der Seele befreit, das Sakrament der Buße, die heilige Beichte. Auch hier finden wir Jesus im Priester, dem wir unseren Aussatz, unsere Sünde, offenbaren dürfen. Auch der heutige Priester hat durch Christi Bevollmächtigung das Recht, über unseren Aussatz zu urteilen. Er tut dies liebevoll in seinem Zuspruch und durch die Auferlegung einer Buße nach dem Bekenntnis unserer Schuld. Und wenn er uns Verzeihung und Frieden zuspricht, handelt der Priester im Dienst der Kirche. So wird nicht nur unsere Einheit mit Gott, sondern auch unsere Einheit mit der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen wiederhergestellt, wenn Christus selbst uns durch den Priester die Worte zuspricht: „So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wenn wir dies das nächste Mal hören dürfen, dann darf uns dieses Wort Jesu tief im Herzen widerhallen: „Ich will es – werde rein!“ Würden doch auch wir die Freude, die uns daraus entsteht, vor den Menschen so begeistert bezeugen, wie dieser geheilte Aussätzige es tat!

Gespräch mit Christus: Jesus, du kennst die Kämpfe, die ich in mir durchstehen muss, bis ich das Vertrauen wiedergefunden habe und dich demütig um Heilung bitten kann. Was macht es mir so schwer, die von dir geöffneten Wege zum Heil durch den Empfang der Sakramente zu beschreiten? Bitte öffne mein inneres Auge, damit ich durch alle äußeren Zeichen hindurch glaube, dass Du es bist, der mich in der Beichte und in der Eucharistie erwartet, empfängt und heil macht.

Möglicher Vorsatz: Durch einen bewussten Akt des Glaubens an deine persönliche Gegenwart will ich mich auch dann auf den Weg zum Empfang der Sakramente machen, wenn mein Gefühl dagegen rebelliert.


In der Gemeinschaft des Glaubens

15. Januar 2016

Freitag der ersten Woche im Jahreskreis
Hl. Arnold Janssen SVD
Hl. Maurus OSB, Abt

Angelika Knauf

Mk 2,1-12
Als Jesus einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im Stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.

Einführendes Gebet: Jesus, oft scheitern wir, weil wir uns nicht auf die Gemeinschaft stützen, in die du uns gestellt hast: in die Gemeinschaft mit dir und die Gemeinschaft mit all denen, die glauben. Du aber rufst uns fortwährend heraus aus unserer Isolierung, denn es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt (vgl. Gen 2,18). Du hast uns nicht geschaffen, damit wir um uns selbst kreisen.

Bitte: Jesus, führe mich heraus aus der Verstrickung in mich selbst, aus der Isolation durch die Sünde, und führe mich in die Gemeinschaft, die mich tragen soll.

1. Die Macht gläubiger Fürsprache. Gestern haben wir an dem vom Aussatz Geheilten auch die Heilungsmacht des Sakraments der Beichte kurz betrachtet. Das heutige Evangelium hilft uns, diese Betrachtung zu vertiefen. In der Hoffnung auf Heilung soll ein Gelähmter zu Jesus gebracht werden. Auf direktem Wege erscheint das zunächst unerreichbar, doch keiner lässt sich entmutigen. Durch das beherzte Eingreifen seiner Freunde gelangt dieser Mann schließlich zu Jesus. Mehr noch, Jesus nimmt sich seiner an, weil er ihren Glauben sah. Die Heilung ist die Antwort Jesu auf die Sorge seiner Freunde. Jeder von uns hat sicher wenigstens einen Menschen in seinem Umfeld, der ihm für eine Annäherung an Jesus wie gelähmt erscheint. Vielleicht erhofft sich dieser Mensch nichts von ihm, vielleicht hat ein langes Leben fern von Gott seine Fähigkeit, auf einem Glaubensweg voranzuschreiten, gelähmt. Wir sollten einen solchen Menschen nicht aufgeben. Wir können darauf vertrauen, dass Jesus sieht, wie wir uns bemühen, um ihn zu ihm zu führen. Wir sollten immer bereit sein, diesen Menschen zu Jesus zu tragen: durch unser Gebet, durch ein Wort des Glaubens, durch unsere Einladung, ihn zu den Orten oder Ereignissen, die unseren Glauben stärken, mitzunehmen. Vielleicht sogar zu einer guten Beichte, die ihn wieder befähigt, auf Gott zuzugehen.

2. Die Lähmung durch die Sünde. Jesu Handeln („Deine Sünden sind dir vergeben“) veranlasst uns, tiefer zu blicken . Jesus sieht den Gelähmten und er sieht vor allem die Lähmung seiner Seele durch die Sünde. Diese Lähmung heilt er zuerst. Kommt uns dieser Zusammenhang in den Sinn, wenn wir uns fragen, warum gerade einmal wieder nichts mehr zu gehen scheint? Im Gebet nicht, in einer uns wichtigen Beziehung nicht, in unserem Berufsleben nicht? So oft fühlen wir uns wie gelähmt und verstehen nicht, woran wir wirklich leiden. Sünde hemmt das Gnadenleben in uns, trübt unseren Blick, vernebelt unser Empfinden, belastet unsere Beziehungen. Wenn wir, die wir uns gläubige Christen nennen, den Weg nicht zu Jesus im Beichtsakrament finden, damit er unsere Lähmung durchbricht und wegnimmt, wie wollen wir dann anderen helfen, die durch die Sünde gelähmt sind und leiden? Wie wird sich jemand, den seine Schuld bedrückt, an uns orientieren können, wenn er an uns nicht die befreiende Wirkung der Lossprechung bemerkt? Wie wollen wir einen anderen durch ein Dach zu Jesus tragen, wenn zu viel an uns haftet, um hinaufzusteigen?

3. Bedürftig nach wahrer Gemeinschaft. Geht es uns, in Bezug auf die Beichte, nicht zuweilen eher wie den murrenden Pharisäern und nicht wie den Freunden des Gelähmten, die das Dach abdeckten? Die Freunde handelten voller Glauben, sie vertrauten sich Jesus an. Zwar war die Frage nach der Legitimation Jesu zur Vergebung der Sünden gerechtfertigt – aber diese Frage stellten die Pharisäer gar nicht! Sie murrten in ihren Gedanken gegen ihn, baten ihn aber nicht um Erklärung. Sie wollten keine Begegnung mit ihm, die sie veranlassen könnte, in aufrichtige Beziehung zu ihm zu treten. Jesus aber verurteilt sie nicht, er nimmt ihre Bedenken ernst, will sie zur Erkenntnis führen, indem er die leibliche Heilung des Gelähmten vollzieht. Er möchte, dass auch sie zum Glauben an ihn kommen, damit sie zur Liebe finden.

Wir kennen diese Versuchung zum Murren in uns, gerade dann, wenn die Frage nach der Notwendigkeit einer Beichte in uns aufkommt. Zunächst sträuben wir uns innerlich: Muss das wirklich sein, geht es denn nicht noch anders? Letztlich ist es der gleiche Kampf, der sich in den Pharisäern abspielt, das Ringen um das Eingestehen der eigenen Bedürftigkeit, die Überwindung zu einem Schritt der Demut, der uns von unserem hohen Dach herabführt und zu Füßen Jesu bringt. Und wenn wir es geschafft haben, wie befreiend und aufrichtend ist dann oft die Erfahrung der Loslösung von unserer Schuld. Offenbaren wir Jesus unsere Schwachheit nicht erst im Beichtstuhl. Bitten wir ihn schon zuvor um seine Hilfe, wenn dieses Ringen uns daran hindert, uns ihm anzuvertrauen.

Gespräch mit Christus: Jesus, lass mich nie vergessen, dass ich nicht alleine unterwegs bin zu dir. Ich kann andere tragen auf dem Weg des Glaubens, aber ich darf auch mich von der Gemeinschaft der Gläubigen tragen lassen. Lass mich erkennen, dass der Urgrund aller echten Gemeinschaft allein in dir zu finden ist.

Möglicher Vorsatz: Wenn ich alleine nicht zu Jesus gelange, will ich die Hilfe von Freunden im Glauben suchen. Ich werde die Einheit mit Jesus suchen, um mich der Gemeinschaft mit anderen zu öffnen.


Damit Sünder gerecht werden

16. Januar 2016

Samstag der ersten Woche im Jahreskreis
Hl. Marcellus, Papst

Angelika Knauf

Mk 2,13-17
In jener Zeit ging Jesus wieder hinaus an den See. Da kamen Scharen von Menschen zu ihm, und er lehrte sie. Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, aßen viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern; denn es folgten ihm schon viele. Als die Schriftgelehrten, die zur Partei der Pharisäer gehörten, sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Einführendes Gebet: Jesus, die Heiligkeit deiner Liebe macht keine falschen Kompromisse, sie ist konsequent in der Wahrheit und im Erbarmen. Gerade darum wirst du einem jeden von uns gerecht.

Bitte: Jesus, lass mich erkennen, dass ich Sünder bin, damit ich dem Ruf deines Erbarmens folgen kann.

1. Die Souveränität der Liebe. Markus verwendet hier auffällige Gegensätze, die auf Tieferes hindeuten. Zunächst nennt er Scharen von Menschen, die Jesus lehrt, um dann zu schildern, wie Jesu Blick beim Weitergehen auf einen einzigen fällt, den er dann in seine Nachfolge ruft. So viele, die offenen Herzens zu ihm kamen, um ihn zu hören. Jesus aber beruft den Einen in seine engere Nachfolge, der gar kein Interesse zeigt und zudem von den Juden verachtet wird, weil er für die verhassten Besatzer Wegzölle eintreibt und sich auch selbst daran bereichert. Jesus zeigt sich in seinem Handeln vollkommen souverän. Er folgt keinen Launen, sondern handelt nach einem ihm ganz eigenen Gesetz: dem Gesetz der Liebe. Wen Jesus beruft, den beruft er immer aus Liebe, aber an Levi sehen wir, dass diese Liebe Jesu ganz ungeschuldet sein kann. Keiner, den Jesus in seine Nähe holt, kann sich selbst dessen rühmen. Immer ist es die erbarmende Liebe Jesu, die wir bezeugen und rühmen sollen, wenn wir ihm nachfolgen dürfen.

2. Apostel der Bekehrung. Levi lässt sich von dieser erbarmenden Liebe treffen. Sofort reagiert er auf Jesu Anruf und folgt ihm, lässt aber auch Jesus in sein Leben eintreten. Er beherbergt Jesus in seinem Haus, veranstaltet ein Essen und lässt viele andere, die wie er Sünder und Zöllner sind, daran teilnehmen. Der erbarmende Anruf der Liebe Gottes bedarf immer der Annahme durch den Menschen. Gott achtet die Freiheit seines Geschöpfes, damit der Mensch sich für die Liebe und gegen die Sünde entscheiden kann. Levi trifft diese Entscheidung, er kehrt um. Und er behält diese große Gnade nicht für sich allein. Er lässt andere, die die Gnade Gottes genauso nötig haben wie er, an Jesu Nähe teilhaben. Kaum selbst bekehrt, wird er zu einem Apostel der Bekehrung. Levis spontane Entscheidung zur Umkehr und Nachfolge wird sein ganzes Leben verändern. Und seine Entscheidung wirkt nach bis heute, wenn wir Gottes Wort aus dem Evangelium hören, das ihm zugeschrieben wird.

3. Barmherzigkeit, die heilen will. Im Gegensatz zu Levi steht erneut das Verhalten der Pharisäer. Sie öffnen sich gegenüber Jesu Worten und Taten nicht, bleiben ganz ihrer Selbstgerechtigkeit verhaftet. So können sie nicht erkennen, dass sie selber erlösungsbedürftig sind. Sie können nichts empfangen, weil sie nichts erbitten. Doch sie wollen auch nichts hergeben von sich. Ihr Hochmut schließt andere aus, wohingegen die demütige Selbsterkenntnis des Levi Raum lässt für die Teilnahme anderer. Die Pharisäer aber wollen trennen, so wenden sie sich mit ihrer Kritik nun nicht an Jesus selbst, sondern an seine Jünger. Sie wollen Misstrauen gegenüber Jesus säen, um ihre eigene Stellung zu sichern. Jesus aber hört es und seine Antwort ist voller Erbarmen, sowohl gegenüber den Jüngern als auch gegenüber den Pharisäern. Den Jüngern erklärt er sein Tun, damit sie an ihm nicht Anstoß nehmen müssen. So schützt er sie vor dem Gift des Misstrauens der Pharisäer. Aber auch die Pharisäer erhalten eine Zusage von ihm. Denn die Kranken, die einen Arzt brauchen, die Sünder, zu denen er gesandt ist, sind ja gerade auch sie! Jesu Geduld ihnen gegenüber ist Ausdruck seiner Barmherzigkeit. Doch sie sind nicht bereit, zu tun, wozu Levi spontan fähig war.

Gespräch mit Christus: Jesus, wenn ich zulasse, dass du in mein Leben kommst, dann öffnet mich die Erfahrung deiner Liebe für die anderen und ihre Nöte. Dein Erbarmen will immer eine umfassende Heilung meines Seins und meiner Beziehungen. Ich danke dir für deine Liebe, ich möchte dein Erbarmen preisen!

Möglicher Vorsatz: Ich will heute das Erbarmen, das ich von Jesus erfahren habe, durch ein Wort oder eine Tat der Liebe an jemanden weitergeben, der der Erfahrung von Gemeinschaft bedarf.