Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 13. Dezember 2015 bis Samstag 19. Dezember 2015

Dritte Woche im Advent

Angela Kunze und Ellen Petermann

Glut im HerzenSonntag
Zu Klugheit und Standhaftigkeit berufenMontag
Lieben in Wort und TatDienstag
Müssen wir auf einen anderen warten?Mittwoch
Seine Herkunft, unsere HerkunftDonnerstag
Schicksalhaft mit Jesus und Maria verbundenFreitag
Eine Begegnung der himmlischen ArtSamstag


Glut im Herzen

13. Dezember 2015

3. Adventssonntag

Angela Kunze

Lk 3,10-18
In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Einführendes Gebet: Jesus, in diesem Moment komme ich zu dir und frage dich: Was soll ich tun? Wie möchtest du, dass ich bete? Ich bin da und möchte diesen Moment ganz mit dir verbringen. Alles, was mich davon abhält, dir zu begegnen, möchte ich dir anvertrauen. Ich weiß, du sorgst für alles. Dieser Gedanke schenkt mir Ruhe und Freude. Danke, dass du da bist, dass ich diese Zeit jetzt ganz mit dir verbringen kann. Du bist ein mächtiger, ja der mächtigste König, aber du nennst mich deinen Freund. Danke!

Bitte: Jesus, lass das Feuer in meinem Herzen neu entfachen. Lass mich in deiner Nähe Kraft tanken, damit ich die Liebe, die ich durch dich erfahre, an meine Mitmenschen weitergeben kann.

1. Was soll ich tun? Diese Frage stellt sich uns ein Leben lang: „Was soll ich tun?“ Gerade bei großen Entscheidungen stellen wir Gott diese Frage oder suchen bei anderen Menschen Rat. Doch ist es wirklich die Liebe zu Jesus, die uns veranlasst, ihm diese Frage zu stellen? Oder ist es nicht vielmehr die Angst, selbst eine Entscheidung treffen zu müssen, selbst Verantwortung tragen zu müssen und dabei einen Fehler zu machen? Wäre es da nicht sicherer, erst gar keine Entscheidung zu treffen oder andere für sich entscheiden zu lassen? Sicher nur scheinbar, denn keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Gott weiß, dass es nicht leicht ist, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Aber er traut es uns zu und er erzieht uns. Und was uns wahren Frieden schenken kann, ist das Vertrauen, dass der Heilige Geist uns auf unserem Weg führt (vgl. Joh 14,26) und alles zum Guten wendet (vgl. Röm 8,28). Weil Gott auf unserer Seite ist, können wir mutig Entscheidungen treffen und so auch selbst zu Wegweisern für unsere Mitmenschen werden.

2. Das Naheliegendste tun. Als die Menschen Johannes fragten, was sie tun sollten, gab er den verschiedenen Menschen auch verschiedene Antworten. Das, was ich tun soll, ist von meiner Person abhängig, von meinen individuellen Fähigkeiten, Lebensumständen, Aufgaben und Erfahrungen. Welche Gaben habe ich bekommen? Was brauchen meine Mitmenschen, meine Familie, meine Freunde, meine Kollegen? Wo kann ich mein Herz weiten und mich selbst mehr verschenken? Wo bin ich vielleicht auch gedankenlos und lasse eine Chance, zu lieben, einfach verstreichen? Habe ich Angst, Verantwortung zu übernehmen? Warum? Gibt es vielleicht schlechte Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit gemacht habe und durch die ich mich habe entmutigen lassen? Gott sieht immer das Große in mir! Er glaubt an mich und gibt mir einen Auftrag, der für mich angemessen ist. Glaube ich auch an ihn? Teile ich seine Sichtweise?

3. Der Heilige Geist als Antrieb. Oft fassen wir einen Vorsatz, aber es ändert sich kaum etwas. Das liegt zum Teil daran, dass die Liebe in unserem Herzen jeden Tag erneuert werden muss. Diese heilige Liebe treibt uns an und befähigt uns, das Gute zu wollen und es dann auch zu tun! Johannes sprach davon, dass Jesus mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen würde. Feuer braucht Sauerstoff und einen Brennstoff – genauso wie unser Herz Freiheit und geistliche Nahrung braucht. Beides ist notwendig! Wie frei bin ich in meinem Gebet? Bete ich wirklich? Darf ich gerade so sein, wie ich bin? Oder will ich Gebet „erzwingen“? Bin ich mir der Macht der Liebe bewusst, und habe ich die Zuversicht, dass dieses heiligmachende Feuer in meinem Herzen nicht erlöschen wird, wenn ich es regelmäßig Jesus hinhalte, damit er es in mir erneuert?

Gespräch mit Christus: Jesus, du hast mir deinen Geist geschenkt. Du willst, dass ich mich in voller Freiheit und mit ganzem Herzen hingebe. Danke, dass du diese Glut in meinem Herzen nie erlöschen lässt, wenn ich nur bei dir bleibe. Danke, dass sie den Menschen in meiner Umgebung Wärme spenden kann. Danke, dass ich selbst, wenn es finster und kalt um mich herum ist, mich an deinem Herzen aufwärmen kann. Bitte schenke mir den Mut und die Kraft, um heute gute Entscheidungen zu treffen.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich Jesus ein Geschenk machen, indem ich aus Liebe zu ihm eine Entscheidung treffe, der ich lieber aus dem Weg gehen würde.


Zu Klugheit und Standhaftigkeit berufen

14. Dezember 2015

Montag der dritten Woche im Advent
Hl. Johannes vom Kreuz OCD, Kirchenlehrer
Hl. Franziska Schervier SPSF
Hl. Berthold OFM

Angela Kunze

Mt 21,23-27
In jener Zeit, als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben? Jesus antwortete ihnen: Auch ich will euch eine Frage stellen. Wenn ihr mir darauf antwortet, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue. Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten; denn alle halten Johannes für einen Propheten. Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Da erwiderte er: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.

Einführendes Gebet: Jesus, du weißt ich bin nur ein schwacher Mensch. Bitte hilf mir, dir in diesem Moment des Gebets zu begegnen und dich immer besser kennenzulernen. Du weißt auch am besten, wer ich selbst bin. Lass mich erkennen, worin für mich der Auftrag dieses Tages besteht und schenke mir die Kraft, es zu tun.

Bitte: Herr, schenke mir Klugheit und Stärke.

1. Klug und wachsam vorgehen. „Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.“ Jesus tritt als Lehrer auf. Die Ältesten und Pharisäer fragen ihn, wer ihm Vollmacht gegeben hat, diese Lehre zu erteilen. Feststeht: Jesus besitzt diese Vollmacht. Aber er geht nicht direkt auf die Frage ein, sondern antwortet mit einer Gegenfrage, von der er weiß, dass sie sie nicht beantworten können. Jesus ist nicht nur sanftmütig und liebevoll, er ist auch klug und besitzt Autorität. Wie ist es in meinem Leben? Versuche ich mich immer vor den Menschen für alles zu rechtfertigen? Oder habe ich Selbstvertrauen und trete den Menschen entgegen, wenn das Recht auf meiner Seite ist? Gehe ich in meinem Handeln klug vor oder unbedacht? Gott möchte, dass wir unseren Auftrag kennen, von ihm überzeugt sind und in unserem Leben klug und wachsam vorgehen (vgl. Mt 25,1-13).

2. Von Gott berufen sein und ihn verkünden. „Wer hat dir die Macht dazu gegeben?“ Jesus gibt auch uns die Vollmacht zu lehren. Aber bin ich mir dieser Vollmacht, die ich als Sohn oder Tochter Gottes besitze, bewusst? Ist mir klar, dass ich die Macht und den Auftrag habe, in der Welt stellvertretend für Jesus zu sprechen (vgl. Lk 10,16)? Unser Glaube ist klein und deswegen scheint es uns kaum denkbar, dass wir wirklich im Namen Jesu sprechen können. Wir lassen uns durch Menschen einschüchtern, weil wir uns von ihrer Meinung abhängig machen. Unsere Identität aber gibt uns unser Vater im Himmel und er ist der einzige, der unser Handeln wirklich beurteilen und über es richten kann. Er ist es, vor dem wir unser Handeln verantworten müssen (vgl. Mt 25,14-30).

3. Zur Wahrheit stehen. „Dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten.“ Liebe vertreibt alle Furcht. Die Liebe zur Wahrheit befähigt den Menschen, auch unangenehme Situationen in Kauf zu nehmen. Als die Pharisäer zu Jesus kamen, suchten sie nicht die Wahrheit, denn sie machten ihre Antwort nicht von der Wahrheit abhängig, sondern von den Konsequenzen, die sie jeweils nach sich ziehen würde. Die Wahrheit kann manchmal mit sehr unbequemen Konsequenzen verbunden sein und so besteht die Versuchung, sie zu beschönigen oder zu verdrehen. Die Wahrheit erscheint oft als zu radikal. Wenn wir aber nicht mehr nach der Wahrheit fragen, sondern nach dem bequemsten Weg, dann verlieren wir unsere Aufrichtigkeit und leben nicht mehr im Licht Gottes. Letztendlich verlieren wir uns selbst.

Gespräch mit Christus: Jesus, du weißt wie oft ich Kompromisse eingehe oder meiner Identität als Gotteskind und der damit verbundenen Vollmacht nicht bewusst bin. Alle Momente, in denen ich mich nicht durch dich, sondern durch das Urteil von Menschen habe bestimmen lassen, lege ich vor dich hin. Bitte schenke mir Klugheit und Stärke. Lass mich niemals aufhören, nach der Wahrheit zu suchen und hilf mir, zu ihr zu stehen, besonders dann, wenn sie unangenehm ist.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich überlegen, wo ich in meinem Leben der Wahrheit aus dem Weg gehe oder was ich tun kann, um konstruktiv auf Missstände in der Gesellschaft und in meiner Umgebung hinzuweisen.


Lieben in Wort und Tat

15. Dezember 2015

Dienstag der dritten Woche im Advent
Hl. Carlo Steeb, Priester

Angela Kunze

Mt 21,28-32
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und zu den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Einführendes Gebet: Gott, ich glaube daran, dass ich dir durch dein Wort begegnen kann, denn dein Wort ist lebendig. Lass dieses Gebet keine Verstandesübung sein, sondern eine Begegnung mit dir. Ich will deinen Willen tun, lass mich ihn erkennen und ihn lieben. Ich glaube fest daran, dass deine Pläne für mich gut sind, denn ich bin dein Kind und du bist mein Vater.

Bitte: Jesus, gib, dass ich nicht nur weiß, was ich tun soll, sondern, dass ich es mit deiner Hilfe auch tue.

1. Das Geschenk der Arbeit. Jesus verwendet ein Gleichnis, um die Herzen der Pharisäer und Ältesten zu bewegen. Das Gleichnis handelt von zwei Söhnen, die von ihrem Vater den Auftrag zur Arbeit in seinem Weinberg erhalten. Auch oder gerade als Christen sind wir zur Arbeit berufen. Der Vater bittet seine eigenen Kinder, nicht irgendwelche Angestellten, für ihn zu arbeiten. Warum tut er das? Fehlen ihm einfach die Arbeitskräfte? Oder liegt in der Arbeit ein Geschenk für mich? Welches? Was heißt es ganz konkret für mich, im „Weinberg zu arbeiten“?

2. Ein beschlagnahmtes Herz. „Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht.“ Wer findet sich in der beschriebenen Situation nicht wieder? Wir sagen zwar „Ja“, aber wir tun etwas anderes - Wort und Tat stimmen nicht überein. Die Frage ist: Warum geht der Sohn nicht arbeiten? Was hält ihn davon ab? Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Vielleicht hat er nur halb zugehört, weil seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet war und hat die Bitte dann vergessen. Oder er hat „Ja“ gesagt, um den Vater loszuwerden, aber im Grunde hat er nie vorgehabt, arbeiten zu gehen, weil er zu bequem war. Das Problem ist immer eines: Das Herz ist nicht beim Vater, es ist von etwas anderem beschlagnahmt - von eigenen Interessen und Bequemlichkeiten oder ungesunden Abhängigkeiten und Sorgen. Es ist nicht frei, um zu lieben. Wo ist mein Herz? Was hält mich davon ab, das zu tun, worum Gott mich bittet? Jesus sagt im Evangelium ganz klar, dass derjenige, der den Willen des Vaters nicht nur hört, sondern auch tut, zur Familie Gottes gehört (vgl. Mt 12,50 und Lk 13,22-28).

3. Ehrlichkeit mit Gott. „Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch.“ Jesus zeigt in dem Gleichnis, wie wichtig es ist, ehrlich mit Gott zu sein. Es ist besser, ihm zu sagen, dass das Gebet trocken und langweilig erscheint, als so zu tun, als würde man beten. Gott liebt diese Ehrlichkeit. Und er weiß, dass wir Zeit brauchen; er lässt uns diese Zeit. Wie ehrlich bin ich mit Gott? Sage ich ihm wirklich, was mich bewegt? Bin ich mit ihm so vertraut, dass ich ganz ich selbst sein kann? Oder verstelle ich mich? Ehrlichkeit ist die Voraussetzung für jede echte Beziehung.

Gespräch mit Christus: Jesus, wie oft sage ich etwas und tue dann etwas anderes. Wie oft bin ich im Gebet nicht wirklich bei dir, sondern bin von etwas abgelenkt. Ich danke dir dafür, dass du mit meiner Schwäche mitfühlst und ich immer so zu dir kommen kann, wie ich bin. Du weißt, wie schwer es für mich ist, wirklich zu lieben. Auch ich bin dein Kind. Hilf mir bitte, dass meine Worte keine leeren Versprechungen sind, und hilf mir, dir und meinen Mitmenschen aus Liebe zu dienen.

Möglicher Vorsatz: Auch heute will ich, dass meine Worte und Taten übereinstimmen, indem ich z. B. keine leeren Versprechungen mache, mich selbst zurückstelle und meinen Mitmenschen zuhöre oder zu Terminen und Verabredungen pünktlich erscheine.


Müssen wir auf einen anderen warten?

16. Dezember 2015

Mittwoch der dritten Woche im Advent
Hl. Ado, Erzbischof
Hl. Adelheid

Ellen Petermann

Lk 7,18b-23
In jener Zeit rief Johannes der Täufer zwei von seinen Jüngern zu sich, schickte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Als die beiden Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir geschickt und lässt dich fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. Er antwortete den beiden: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

Einführendes Gebet: Jesus, in diesem Gebet, in der Begegnung mit dir, soll mein Herz offen sein für das, was du mir sagen möchtest. Ich verlange danach, mich von deiner Liebe ergreifen, ja fesseln zu lassen. Ich möchte ganz auf dich schauen und darüber nachdenken, wie ich dir noch näher sein kann.

Bitte: Jesus, kläre meinen getrübten Blick und vergrößere meinen Glauben, damit ich dich erkenne. Hilf mir, alle innere Unruhe und Zweifel schweigend zu durchschauen und loszulassen.

1. Zweifel. Das Evangelium vom heutigen Tage berichtet, wie zwei Jünger im Auftrag Johannes des Täufers zu Jesus gehen und ihn fragen, ob er denn der sei, der da kommen soll, oder ob sie auf einen anderen warten müssen. Offenbar haben Johannes im Gefängnis Zweifel befallen. Jesus verweist in seiner Antwort auf seine Taten: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein,…Muss man noch mehr sagen? Reichen diese „Beweise“ nicht aus? Stets gibt auch uns Gott genügend Anhaltspunkte, durch die wir ihn in unserem Leben entdecken können. Doch oft ist unsere Seele unvorbereitet und wir nehmen den Herrn, der nahe an uns vorübergeht, nicht wahr. Vor lauter Suchen nach spektakulären Beweisen vergessen wir die Demut und Reinheit des Herzens, ohne die er sich nicht finden lässt, selbst wenn er ganz dicht bei uns ist.

2. Zeichen. Wie wir im Evangelium die Zeichen, von denen Jesus spricht, klar bestätigt finden können, so begegnen wir auch überall auf unserem Lebensweg Wegweisern, Zeichen und Wundern. Wenn wir uns an sie halten, werden wir sagen können: „Ich bin dem Messias begegnet.“ Der Herr gibt uns genügend Licht; Licht in der Seele und Licht durch die Menschen, die er uns zur Seite stellt. Trotzdem fordern wir als Preis für eine größere Hingabe mehr Zeichen. Oft bringen wir uns dadurch selber um eine Gnade, die der Herr für uns bereithält. Wenn er den Glauben in einem Menschen zum Keimen bringen will, zündet der Herr für gewöhnlich nur ein kleines Licht an, das gerade die ersten Schritte erhellt. In dem Maße, wie wir dem Herrn folgen, wächst die innere Klarheit und die Sicherheit wird größer. Einer aufrichtigen und demütigen Seele aber gibt sich der Herr immer deutlich genug zu erkennen: „Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen habt.“

3. Es ist kein anderer zu erwarten. Verborgen vor den Augen der Menschen, die auf ihn warten, wird Jesus in einem Stall geboren; die ersten, die kommen, um ihn anzubeten, sind Hirten. Weil sie einfach sind, erkennen sie in der Krippe den, der ihnen verheißen war. Es gibt keinen anderen und es wird keinen anderen geben. Jesus Christus ist schon in unserer Mitte. Er hinterlässt auf dieser Welt die makellosen Spuren seiner Wanderung. Spuren, die weder die Zeit, noch die Bosheit des Feindes verwischen können, denn es sind die Spuren seiner bedingungslosen Liebe zu uns. Wir aber wollen den Herrn sehen, ihn lieben und ihm dienen. Wagen wir es, ihm zu folgen! Entfachen wir in uns einmal mehr den Wunsch umzukehren, nach jener Wendung hin zum Herrn. Weihnachten naht, und wir wollen mit reiner Seele, nicht mit ermüdeten Augen und getrübtem Blick, auf ihn schauen.

Gespräch mit Christus: Jesus, lass mich dich wiederfinden, in dem kleinen Kind in der Krippe. Lass mich dich erkennen als menschgewordene Zärtlichkeit der Liebe des Vaters. Gib mir Mut, den Zeichen, die du in meinem Leben hinterlässt, zu folgen und in deine Fußstapfen zu treten.

Möglicher Vorsatz: Um Jesus in meinem Herzen einen würdigen Platz zu bereiten, nehme ich mir vor, bei nächster Gelegenheit zur Beichte zu gehen.


Seine Herkunft, unsere Herkunft

17. Dezember 2015

Donnerstag der dritten Woche im Advent
Hl. Jolanda von Marienthal OP; Priorin

Ellen Petermann

Mt 1,1-17
Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham war der Vater von Isaak, Isaak von Jakob, Jakob von Juda und seinen Brüdern. Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. Perez war der Vater von Hezron, Hezron von Aram, Aram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon. Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. Obed war der Vater von Isai, Isai der Vater des Königs David. David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war. Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam von Abija, Abija von Asa, Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija.Usija war der Vater von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija, Hiskija von Manasse, Manasse von Amos, Amos von Joschija. Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft. Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiël, Schealtiël von Serubbabel, Serubbabel von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor. Azor war der Vater von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud, Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob. Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird. Im Ganzen sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen.

Einführendes Gebet: Herr, es ist Advent und du bist nahe. Mit großer Sehnsucht erwarte ich dich, und mein Herz ist voller Freude und Hoffnung. Du bist das Licht, dass alles Dunkel aus mir vertreibt und ich weiß, dass dieses Licht niemals verlöschen wird. Herr, ich schenke dir mein ganzes Herz und mein volles Vertrauen.

Bitte: Vater, hilf mir, in dieser hektischen Zeit den unwesentlichen Dingen, die mich von dir ablenken, nur jenen Platz zu geben, der ihnen wirklich zusteht, damit ich mich ganz auf dich besinnen kann.

1. Jesu Herkunft vor dem Gesetz. Wie bei den übrigen Nomadenvölkern maß man auch bei den Juden dem Stammbaum besondere Bedeutung zu. Der Einzelne gehörte einer Sippe oder einem Stamm an, mit dem er in erster Linie in Verbindung gebracht wurde. Der Ort, an dem er wohnte, fiel weniger ins Gewicht. Als zusätzliches Kriterium war bei den Hebräern von Bedeutung, ob man durch Blutsverwandtschaft mit dem erwählten Volk verbunden war. Der Stammbaum wurde über die männliche Linie erstellt. Als Ehemann Marias erschien Josef daher vor dem Gesetz mit allen Rechten und Pflichten als Jesu Vater. Sowohl Josef als auch Maria entstammten dem Haus und Geschlecht Davids, aus dem der Messias hervorgehen sollte. So wurde Jesus, der biologisch gesehen über Maria von David abstammte, von Josef in die Liste des Königshauses eingetragen, denn Josef ist es auch, der dem fleischgewordenen Wort nach der Anweisung des Engels den Namen geben wird: „…ihm sollst du den Namen Jesus geben.“

2. Jesu wahre Herkunft. Im neugeborenen Jesuskind in der Krippe offenbart sich Gott als Mensch, als fleischgewordenes Wort. Gott wird Mensch in Jesus Christus, er kommt zu uns, nimmt als ganz bestimmte Person menschliche Züge an, er wird hörbar, sichtbar, (be)greifbar, anfassbar. Wir können eine Beziehung mit ihm eingehen. Die wahre Herkunft Jesu ergibt sich aus der Inkarnation: Gott verendlicht sich, verzeitlicht sich, er konkretisiert sich. Seine universale Fülle erscheint in der individuellen Gestalt des neugeborenen Kindes, des Jesus von Nazaret. In Jesus Christus ist Gott aus seiner Unendlichkeit herausgetreten und hat seiner unendlichen Liebe ein Antlitz, die Gestalt einer konkreten irdischen Existenz gegeben: Jesus von Nazaret. Wir beten im großen Glaubensbekenntnis: „Gezeugt, nicht geschaffen. Eines Wesens mit dem Vater.“ Das ist die wahre Herkunft Jesu.

3. Woher bin ich? Sicherlich hat sich in einigen Familien auch jemand die Mühe gemacht, einen Stammbaum aufzuschreiben, damit man die verschiedenen Linien genau nachverfolgen kann. So kann man bis zu einem bestimmten Grad nachvollziehen, wer die Vorfahren sind. Aber das kann doch nicht alles ein! Wenn wir Gott als unseren Schöpfer bezeichnen und die Beziehung zwischen Gott und Geschöpf ernst nehmen, heißt das, dass wir in erster Linie seiner Hand entstammen. Er hat uns das geschenkt, was biologisch nicht erzeugt werden kann: unsere Geistseele. Jeden Einzelnen von uns, dich und mich, hat er nach seinem Abbild geschaffen. Das ist die Schöpfungsordnung. Lässt sich da nicht aber auch noch ein ganz anderer Stammbaum, ja ein anderer Ursprung erahnen, der der Gnadenordnung?: Durch die Taufe werden wir in Christus neu geboren, eine neue Geburt wird uns geschenkt. Daher setzt unser wahrer „Stammbaum“ mit dem Glauben an Jesus Christus, an den dreifaltigen Gott, an. Eine bessere Herkunft gibt es nicht. Die Familienstammbäume, die wir aufgeschrieben haben, sind nicht das letzte Kriterium.

Gespräch mit Christus: Herr, du bist mein wahrer Vater. Einen besseren gibt es nicht. Dafür danke ich dir und darauf darf ich sehr stolz sein. Lass mich das Geschenk deiner Vaterschaft noch bewusster wahrnehmen und hilf mir, mutig und überzeugend von meinem Glauben zu sprechen.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich ganz bewusst vor dem Tabernakel, in einer Kirche oder vor einem Kreuz meinen Glauben erneuern und das Glaubensbekenntnis beten.


Schicksalhaft mit Jesus und Maria verbunden

18. Dezember 2015

Freitag der dritten Woche im Advent
Hl. Philipp v. Ratzeburg OPraem, Bischof

Ellen Petermann

Mt 18-24
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Einführendes Gebet: Jesus, nur noch wenige Tage und du, die Mensch gewordene Liebe des Vaters, kommst zu mir. In mir brennt ein Feuer der Erwartung und der Freude. Ich möchte ganz nah bei dir an der Krippe stehen, um dich in meinem Herzen willkommen zu heißen und dir zu sagen, wie sehr ich dich liebe.

Bitte: Herr, mehre in mir das Verlangen, mich hinzugeben und an die Welt zu verschenken, wie du es getan hast.

1. Skandal? Maria ist mit Josef verlobt und wird schwanger, doch das Kind stammt nicht von Josef. Somit liegt nach damaligem Recht ein Ehebruch vor. Nach jüdischem Eherecht galten Josef und Maria als verheiratet, auch wenn sie nicht zusammen lebten und noch nicht zusammen gekommen waren. Diese Schwangerschaft war nicht nur ein Skandal, sondern hätte für Maria die Todesstrafe nach sich ziehen können. Man stelle sich vor, in welch einer Situation Josef sich befand. Und er reagierte ungewöhnlich. Anstatt den Rechtsweg einzuschlagen, und die Situation in die Öffentlichkeit zu tragen, beschloss er, Marias guten Ruf nicht zu zerstören und sich heimlich von ihr zu trennen. Es ging ihm dabei gar nicht darum, seine eigene Demütigung als Verlobter zu vertuschen, sondern jegliches Unheil von Maria fernzuhalten, weil er sie so sehr liebte. Das machte ihn in ganz überragender Weise gerecht. Denn er stellt die Barmherzigkeit über das Gesetz!

2. Die Liebe des Josef. Josefs Liebe zu Maria ist sehr innig, sie ist tief und großmütig: Er weiß um ihre Hingabe an Gott und vermählt sich dennoch mit ihr. Um mit der Frau, die er so sehr liebt, leben zu dürfen, nimmt er es gern in Kauf, ohne Nachkommen zu bleiben. Seine Liebe ist rein, zurückhaltend, tief, selbstlos, respektvoll. Gott selbst hatte den Bund zwischen Maria und Josef fest besiegelt. Deshalb und weil sie durch das Verlöbnis einander schon gehörten, sprach er durch den Engel: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen.“ Dieser Bund wird zu einem neuen, noch festeren Bund: der gemeinsamen Aufgabe, auf Erden dem Messias ein Zuhause zu geben.

3. Sich Josef anvertrauen. Josef hatte verstanden, dass sein ganzes Leben schicksalhaft mit diesem Kind verbunden war, das so sehr seines Schutzes und seiner Hilfe bedurfte. Nicht anders verhielt es sich in Bezug auf Maria, denn durch den Engel hatte Gott Josef aufgefordert, sie in sein Haus aufzunehmen und ihr Schutz zu gewähren. Als ihn der Engel in das Geheimnis der jungfräulichen Empfängnis Jesu einweihte, nahm er seine Sendung vorbehaltlos an. Dieser seiner Berufung blieb er treu bis zum Tode. Seine Lebensaufgabe war es, Haupt der Heiligen Familie zu sein. Ein heiliges Band bestand zwischen Maria und Josef. Sie waren füreinander da. So ist Jesu Familie geheiligt, ein Vorbild menschlicher Tugenden, ein Ort, wo jeder bereit ist, in allem den Willen Gottes zu erfüllen. Und jede christliche Familie sollte ein Abbild von Nazaret sein, ein Ort, an dem Gott seinen Platz hat. Ist unser Zuhause auch so? Widmen wir Gott die Zeit und die Aufmerksamkeit, die er verdient? Vertrauen wir uns die letzten Tage bis zur Ankunft des Herrn ruhig Josefs Führung an. Er bittet uns lediglich darum, ein einfaches Herz zu bewahren, wenn wir Maria und ihr Kind betrachten.

Gespräch mit Christus: Jesus, bald möchte ich im Frieden der Krippe bei dir verweilen, und wenn du dann die Augen öffnest, möchte ich, dass du in mein Herz schaust. Ich möchte, dass du meinen guten Willen siehst, mein Bemühen um Liebe und Großzügigkeit. Jesus, schenke mir den Mut und das Vertrauen, immer wieder zur Krippe zurück zu kommen, besonders dann, wenn Betlehem unendlich weit weg zu sein scheint.

Möglicher Vorsatz: In diesen letzten Tagen des Advents werde ich jeden Abend ganz bewusst in einem Akt der Hingabe meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe erneuern.


Eine Begegnung der himmlischen Art

19. Dezember 2015

Samstag der dritten Woche im Advent
Hl. Petrus von Arolsen CanReg, Priester
Hl. Konrad von Lichtenau OPraem, Propst

Ellen Petermann

Lk 1,5-25
Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabet. Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn. Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter. Eines Tages, als seine Priesterklasse wieder an der Reihe war und er beim Gottesdienst mitzuwirken hatte, wurde, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los geworfen, und Zacharias fiel die Aufgabe zu, im Tempel des Herrn das Rauchopfer darzubringen. Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete. Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars. Als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es befiel ihn Furcht. Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben. Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein. Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren. Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen. Zacharías sagte zu dem Engel: Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter. Der Engel erwiderte ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können, bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft. Inzwischen wartete das Volk auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm. Als die Tage seines Dienstes (im Tempel) zu Ende waren, kehrte er nach Hause zurück. Bald darauf empfing seine Frau Elisabet einen Sohn und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Sie sagte: Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.

Einführendes Gebet: Herr, mit kindlichem Vertrauen komme ich zu dir. Ich weiß mich in deiner Vatergüte geborgen. Du kennst alle Dunkelheit in mir, all meine unerfüllten Wünsche und begrabenen Hoffnungen. Ich resigniere nicht, sondern ich schenke dir mein Vertrauen und warte darauf, dass du mich in Staunen versetzt.

Bitte: Vater, lass mich fest an deine Allmacht glauben, an deinen Plan für mich, auch wenn mir gewisse Situationen ausweglos erscheinen.

1. Die biologische Uhr ist abgelaufen. Diese Bibelstelle ist sehr reichhaltig, und es gibt viele Aspekte, die betrachtet werden können. Lukas wirft einen Blick zurück, knüpft eine Verbindung zum Alten Testament. Die Kombination von hohem Lebensalter, Unfruchtbarkeit und daraus resultierender Kinderlosigkeit kennen wir bereits von Abraham und Sarah. Auch Zacharias und Elisabeth sind betagt. Wie oft mögen sie Gott wohl im Gebet um ein Kind angefleht haben. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Heute würde man sagen: Ihre biologische Uhr war abgelaufen, die Erfüllung ihres Kinderwunschs chancenlos. Aber auch damals schon, zur Zeit Abrahams, hat Gott Unmögliches möglich gemacht und das verheißene Kind kam. Ähnlich ergeht es Zacharias und Elisabeth. Das Schicksal dieser beiden Ehepaare ist nicht „zufällig“ gleich, denn Lukas schreibt Heilsgeschichte, er berichtet darüber, wie das geschichtliche Handeln Gottes offenbar wurde. Gott war immer und ist immer aktiv, vor tausenden von Jahren, heute, morgen und in Ewigkeit.

2. Gott ergreift die Initiative. Herzstück oder Zentrum dieser Erzählung ist die Begegnung des Zacharias mit dem Engel des Herrn. Der Engel Gabriel handelt und spricht im Auftrag Gottes. Also ergreift Gott die Initiative. Zacharias erschrickt zunächst, als er von Gabriel erfährt, dass seine Frau ihm einen Sohn gebären wird, dem er den Namen Johannes geben soll. Damit hat Zacharias nun gar nicht mehr gerechnet und die Botschaft des Engels geht ja noch weiter: große Verheißungen sind mit diesem Kind verbunden. Zacharias weiß nicht, ob er wach ist oder träumt. Weiß der Engel denn gar nicht, wie alt sie beide schon sind? Zacharias ist in diesem Moment nicht in der Lage, Gottes Möglichkeiten zu erkennen, er schaut nur auf seine menschlichen Grenzen. Er möchte einen Beweis und bittet indirekt um ein Zeichen. Gott geht auf diese Bitte ein und handelt. Zacharias wird stumm. Er bekommt ein ganz persönliches Zeichen, aber es richtet gleichzeitig über seinen Unglauben. Elisabeth ihrerseits ist begeistert, als das Kind in ihr heranwächst, und sie lobt Gott für seine Taten. Er hat ihr die Schande der Kinderlosigkeit genommen, mit der sie in den Augen der damaligen Menschen beladen war.

3. Bei Gott ist nichts unmöglich. Gott handelt. Er möchte auch die dunklen Zeiten unseres Lebens mit seinem Licht erfüllen. Zacharias seinerseits hatte nicht mehr damit gerechnet, dass Gott eingreift. Auch für uns ist das Warten auf Gottes Eingreifen sehr schwierig und verlangt eine Menge Geduld und Vertrauen. Selbst bei häufiger Versuchung dürfen wir unser Vertrauen nicht aufgeben, denn Gott weiß, was er tut und wann er es tut. Und er tut es.Seit ihrer Begegnung mit Maria hat Elisabeth nun ihren Sohn als den Vorboten Jesu erkannt hat. Eine Gebetserhörung der besonderen Art. Damit hätte sie in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet. Und dieser Gott, der die Geschichte der Menschheit schreibt, schreibt auch deine und meine Geschichte. Es ist Advent. Gott möchte kommen. Er kommt auch in die Dunkelheit unseres Lebens und wir müssen den Mut haben, unsere Finsternis anzuschauen und sie in sein Licht zu halten. Wir dürfen unbedingt vertrauen, denn bei Gott ist nichts unmöglich.

Gespräch mit Christus: Vater, lass mich, wie Zacharias und Elisabeth, nicht aufgeben, schenke mir Beständigkeit im Gebet, die Gewissheit, dass du jedes Gebet erhörst. Hilfe mir, dass die Hoffnung immer größer ist als meine persönlichen Finsternisse.

Möglicher Vorsatz: Ich bete heute ein Gesätz vom Rosenkranz für alle mutlosen und bedrückten Menschen.