Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 15. November 2015 bis Samstag 21. November 2015

Dreiunddreißigste Woche im Jahreskreis

Bernadette Ballestrem, Renee Pomarico, Magda Sczuka

Auf dem Weg zum VaterSonntag
Güte, die heiltMontag
Suche nach dem WesentlichenDienstag
Von Talenten, die zur Tugend werdenMittwoch
Sanft und demütig von HerzenDonnerstag
Tempel Gottes in mirFreitag
Was würdest du tun, wenn du nur noch 24 Stunden hättest?Samstag


Auf dem Weg zum Vater

15. November 2015

Dreiunddreißigster Sonntag im Jahreskreis
Volkstrauertag

Bernadette Ballestrem

Mk 13,24-32
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Einführendes Gebet: Guter Jesus, ich wende mich jetzt deinem Wort zu. Du sprichst zu mir und zu uns allen in der Heiligen Schrift. Öffne mein Herz, meinen Geist und meinen Verstand für deine Botschaft und lass mich in deinen Worten deine Nähe erfahren. Danke für diese Zeit des Gebets.

Bitte: Herr, schenke uns ein tiefes Vertrauen!

1. Der Menschensohn wird kommen. Manchmal wird uns das Leben auf dieser Welt schwer und die Alltagssorgen drücken uns. Den ein oder anderen erdrücken sie sogar. Dann müssen wir die Augen zum Himmel richten und dürfen den Kopf nicht hängen lassen. Denn dieses Leben und die Sorgen des Daseins sind weder alles, noch das Ende.Eines Tages wird Jesus vom Himmel kommen und alles neu machen. Zuerst erschüttert er Himmel und Erde, Sonne, Mond und Sterne. Und dann schafft er einen neuen Himmel und eine neue Erde. Auf dieser neuen Erde wird es keine Sorgen mehr geben.Nützt das etwas für die momentane Zeit? Ja, denn Hoffnung und ein Ideal setzen die stärksten Kräfte in uns Menschen frei.

2. … mit großer Macht und Herrlichkeit. Dieser Text könnte, obwohl nichts Böses darin steht, spontan Angst hervorrufen. Man kann aber auch eine ganz positive Botschaft in ihm finden: Jesus kommt, wie gut! Und er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Wenn etwas herrlich ist, dann ist das schön. Wenn Jesus in Herrlichkeit kommt, dann wird das etwas Wunderbares und Unbeschreibliches sein. Und er kommt mit Macht: Nicht mit der Macht eines Tyrannen, sondern der Macht dessen, was er ist: Mit der Macht der Liebe. Wenn Jesus dann endlich kommt, wird er definitiv die Herrschaft der Liebe in uns und um uns herum aufrichten. Seine Macht wird alles mit der Herrlichkeit der Liebe erfüllen. Alles wird hell sein, scheinen und strahlen.So dürfen wir uns auf diesen Tag freuen und ihn herbeisehnen. Komm, Herr Jesus!

3. …und die Seinen von allen vier Windrichtungen sammeln. In der Sixtinischen Kapelle in Rom wird Jesus als der Richter dargestellt, vor dem so viele fliehen müssen. Seine Rechte ist hoch erhoben, seine Linke im Gegenzug abwehrend nach unten geneigt. Von hier aus erhält das ganze Bild seine Dynamik: Die Menschen zu seiner Rechten werden in die aufwärts strebende Bewegung hineingenommen, die zur Linken in den abwärts gerichteten Fall.Im heutigen Evangelium spricht Jesus von der aufwärts gehenden Bewegung: Nicht der abweisende Arm des strengen Herrn, sondern gleichsam die offenen Arme des Liebenden strecken sich uns entgegen, denn es heißt, er wird die Seinen, die von ihm Erwählten, zusammenholen, „damit auch ihr dort seid, wo ich bin“.Das sagt er in seiner Abschiedsrede im Johannesevangelium „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten…“ und dann werde ich wiederkommen „und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“.Am letzten Tag wird Jesus alle, die bei ihm sein wollen, auf ihn vertrauen und sich redlich bemüht haben, nach seinem liebevollen Willen zu leben, zu sich nach Hause holen. Welche Freude, wenn dieser Tag kommt und alles Schwere, Böse, Ängstigende endlich ein Ende hat. Jesus wird alles gut machen.

Gespräch mit Christus: Guter Herr, ich habe keine Angst vor dem Tag, an dem du wiederkommst. Vielmehr sehne ich ihn herbei, damit endlich das Gute siegt. In einer Welt, in der das Leben scheinbar immer schwieriger wird, erwarten wir voll Vertrauen und Zuversicht dein Kommen. Lass uns nie allein!

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute das ein oder andere Mal den Blick voll Vertrauen zum Himmel richten und sagen: Komm, guter Herr Jesus!


Güte, die heilt

16. November 2015

Montag der dreiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Otmar von St. Gallen, Abt
Hl. Walter

Bernadette Ballestrem

Lk 18,35-43
Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder an der Straße und bettelte. Er hörte, dass viele Menschen vorbeigingen, und fragte: Was hat das zu bedeuten? Man sagte ihm: Jesus von Nazaret geht vorüber. Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte ihn Jesus: Was soll ich dir tun? Er antwortete: Herr, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen. Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen. Da pries er Gott und folgte Jesus. Und alle Leute, die das gesehen hatten, lobten Gott.

Einführendes Gebet: Mein Vater im Himmel, danke dass ich jetzt bei dir sein darf! Ich möchte innerlich still werden und an deinem Herzen ruhen. Danke für diesen Moment bei dem ich ganz ruhig bei dir, meinem Schöpfer, verweilen darf.

Bitte: Herr, bitte schenke mir ein barmherziges, gütiges Herz.

1. Die ärgerliche Menge. Wie leicht verurteilen wir doch andere! Die Menge meint es vielleicht gar nicht böse. Sie möchte nicht ein Wunder verhindern, sondern einfach dem großen Propheten, für den sie Jesus hält, Ärger ersparen. So sind wir Menschen oft: Wir „befehlen“ anderen zu schweigen, werden ärgerlich und unser Herz verhärtet sich. Der Kopf scheint manchmal gute Gründe dafür zu haben. Aber sind diese „guten Gründe“ letztlich entscheidend, wenn es nur einen gibt, der mit seinem Blick die Herzen bis auf den Grund durchschaut?

2. Der gütige Jesus. Jesus bleibt stehen. Inmitten des Lärmes, den die Menge macht, hört er die eine Stimme des Blinden. Er handelt nicht nach dem Befinden der Umstehenden, sondern hält an. Betrachten wir diesen gütigen, sanften Jesus. Mit ruhiger Stimme spricht er zu dem Blinden und mit Entschiedenheit und Güte heilt er ihn. Was hat der Blinde dafür getan? Nichts, außer sich bloßzustellen und um Erbarmen zu flehen. Nicht viel ist nötig, um das gütige Herz Jesu zu berühren.

3. Der dankbare Blinde. Der blinde Mann preist Gott. Mit der Eindringlichkeit, mit der er Jesus angefleht hat, lobt er ihn jetzt auch. Diese Begegnung wird er nie wieder vergessen. Die Güte Jesu hat sein Leben verändert. Hätte er Gott auch gepriesen, wenn er bei dieser Begegnung kein bleibendes Wunder an sich erfahren hätte? wenn Jesus ihm das Kreuz der Blindheit nicht abgenommen hätte? Hoffentlich schon, denn die echte Begegnung mit Christus verändert uns innerlich und ein gütiges Herz ist am Ende viel wichtiger als ein intakter Körper.

Gespräch mit Christus: Mein guter Jesus, danke, dass ich bei dir sein durfte und dich betrachten konnte. Berühre auch mich und hab Erbarmen mit mir. Schenke mir ein gütiges und barmherziges Herz, das nicht blind an den Nöten der Mitmenschen vorbeigeht. Liebe du heute durch mich!

Möglicher Vorsatz: Ich werde meinen Mitmenschen heute mit besonderer Güte begegnen.


Suche nach dem Wesentlichen

17. November 2015

Dienstag der dreiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Gertrud von Helfta OCist, Mystikerin
Hl. Hilda, Äbtissin

Bernadette Ballestrem

Lk 19,1-10
In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Einführendes Gebet: Guter Jesus, ich möchte jetzt bei dir sein. Wie Zachäus möchte ich mich bemühen, dir zu begegnen. Ich möchte die Anstrengung in Kauf nehmen, die mir das vielleicht abverlangt, weil ich weiß, wie reich du mich beschenkst, wenn ich bei dir bin.

Bitte: Jesus, erleuchte meinen Verstand, um besser zu verstehen, was im Leben wirklich wesentlich ist.

1. Der Reichtum der Welt. Zachäus war ein reicher Mann. Das bescherte ihm einige Freunde und auch einige Feinde. Sein Geld war nicht ehrlich verdient, aber er besaß es eben und erfreute sich an materiellen Gütern, die zumindest einmal das Glück in diesem Leben verheißen.

2. Der Reichtum Jesu. Jesus besaß keinen materiellen Reichtum. Denn sein Reich ist nicht von dieser Welt! Und doch ist Zachäus von ihm fasziniert, denn Jesus schenkt etwas, was man mit Geld nicht kaufen kann. Er schenkt bedingungslose Liebe. Liebe, die nicht die Bezahlung für eine erbrachte Leistung ist. Barmherzige, gütige Liebe, vor der alle in dieser Welt gleich sind.

3. Mein Reichtum. Wie viel sorge ich mich um irdische Dinge? Was ist das Wertvollste in meinem Leben? Auch ich darf jetzt, wie Zachäus, vor Jesus stehen, der zu mir sagt: „Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Jesus möchte auch mir den wahren Reichtum zeigen: seine bedingungslose Liebe zu mir.

Gespräch mit Christus: Guter Jesus, danke dass du in mein einfaches Haus kommen möchtest. Ich möchte es für dich öffnen und dich hineinlassen, auch wenn ich nicht so viel zu bieten habe. Danke für deine Liebe zu mir – allein deine Liebe genügt mir.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich, wenn ich an einer offenen Kirche vorbeikomme, Jesus fünf Minuten im Allerheiligsten besuchen.


Von Talenten, die zur Tugend werden

18. November 2015

Mittwoch der dreiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Odo von Cluny OSB

Renee Pomarico

Lk 19,11-28
In jener Zeit meinten die Menschen, weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis. Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie Geld im Wert von zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme. Da ihn aber die Einwohner seines Landes hassten, schickten sie eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird. Dennoch wurde er als König eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ließ er die Diener, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen. Er wollte sehen, welchen Gewinn jeder bei seinen Geschäften erzielt hatte. Der erste kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet. Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden. Der zweite kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine fünf Minen erwirtschaftet. Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen. Nun kam ein anderer und sagte: Herr, hier hast du dein Geld zurück. Ich habe es in ein Tuch eingebunden und aufbewahrt; denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast. Der König antwortete: Aufgrund deiner eigenen Worte spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können. Und zu den anderen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm das Geld weg, und gebt es dem, der die zehn Minen hat. Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn. (Da erwiderte er:) Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde - bringt sie her, und macht sie vor meinen Augen nieder! Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf.

Einführendes Gebet: Himmlischer Vater, danke, dass du uns, deine Kinder, mit Gaben beschenkst und dass du uns die Aufgabe anvertraust, an deinem Erlösungswerk mitzuwirken. Gib uns die Gnade, die Talente, die wir empfangen haben, gut einzubringen und einst mit dir im Himmel den Lohn, den du hierfür schenkst, zu genießen.

Bitte: Herr, hilf mir, meine Talente großzügig mit anderen zu teilen.

1. Vermehrung der Talente. Der König vertraut seinen „guten und treuen“ Dienern die Verwaltung mehrerer Städte an. Der Erste, der 1 Mine oder Münze (etwa 570 g Gold) bekommen hat, erwirtschaftet damit zehn; der Zweite fünf. An erster Stelle erkennen wir, dass der König seine Diener mit Gaben beschenkt. Zweitens vertraut er ihnen, und überlässt es ihnen, diese Gaben so einzubringen, wie sie es für richtig halten. Und letztendlich belohnt er ihren Fleiß. Wir können diese Münzen als Bild für das Potential, dass in jedem von uns steckt, sehen. Gott liebt uns, beschenkt uns mit Gaben, vertraut darauf, dass wir in Freiheit auf seine Liebe antworten, indem wir unsere Talente einsetzen. Er sehnt sich danach, uns im Himmel zu belohnen. Diejenigen, die darauf antworten, indem sie tugendhaft leben, werden ihren ewigen Lohn dafür erhalten.

2. Versteckte Talente. Der dritte Diener versteckt seine Mine, sagen wir seine Talente, aus Angst. Der König liebt diesen Diener und vertraut ihm. Er will auch ihn belohnen, aber er kann es nicht. Der dritte Diener steht für den Menschen, der kein tugendhaftes Leben gelebt hat, der nicht geliebt hat, der aus Faulheit in Ängste und Unsicherheiten geriet und diese als Vorwand benutzte, um sein Versagen zu verteidigen. Er kann nicht mit leeren Händen in den Himmel kommen. Er erinnert uns an die Notwendigkeit, ein tugendhaftes Leben zu leben, und unsere Talente aktiv in den Dienst der Menschen zu stellen, damit sie für das Reich Gottes Frucht bringen.

3. Die Frucht unserer Arbeit. „Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.“ Dies ist eine Einladung an uns, Gott die Früchte eines tugendhaften Lebens darzubringen wenn wir am Tag des Gerichts vor ihn treten. Wenn wir nach einem Leben voller Möglichkeiten nichts darzubringen haben, müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, dass unsere Chancen verspielt sind. Jetzt, da wir Zeit haben, ruft Gott uns dazu auf, diese gut zu nutzen, großzügig zu sein, die Bedürfnisse der anderen vor unsere Bequemlichkeit zu stellen, Gott zu vertrauen, der uns Talente geschenkt hat. Lasst uns der Gnade entsprechen, die wir bekommen haben!

Gespräch mit Christus: Lieber Herr Jesus, guter und großzügiger Lehrer. Voller Freude erkenne ich, dass du mir Talente geschenkt hast, und dass du dich danach sehnst, dass ich in Ewigkeit bei dir bin. Ich bitte dich um dein Licht: Zeige mir den Weg, meine Talente mit anderen zu teilen. Hilf mir, sie trotz meiner Ängstlichkeit, Unsicherheit oder meines Egoismus nicht zu verstecken. Fülle mein Herz mit deiner Liebe und hilf mir, deiner Gnade großzügig zu entsprechen.

Möglicher Vorsatz: Zum Zeichen dafür, dass ich Jesu Liebe mit anderen teilen will, werde ich heute jemandem einen konkreten Dienst erweisen.


Sanft und demütig von Herzen

19. November 2015

Donnerstag der dreiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Elisabeth von Thüringen
Hl. Mechthild von Hackeborn, Mystikerin

Bernadette Ballestrem

Lk 19,41-44
In jener Zeit, als Jesus näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.

Einführendes Gebet: Jesus, danke, dass wir diese Zeit nun gemeinsam verbringen dürfen. Es geht mir sehr zu Herzen, dass du weinst. Zeige mir nun, was dein Herz so sehr trifft, dass dir der Blick auf die Stadt Tränen des Mitleids entlockt. Schenke auch mir ein Herz, das Mitleid mit den anderen hat. Danke für dein Dasein!

Bitte: Jesus, sanft und demütig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen.

1. Jesus kommt uns nahe. Wenn man das Evangelium liest und dabei ein wenig den Blick und die Augen Jesu betrachtet, dann sieht man etwas Besonderes: Jesus geht nicht mit einem in sich gekehrten Blick durch die Welt, ist nicht etwa mit wichtigen Gedanken beschäftigt, sodass er dadurch vieles übersieht. Nein: Jesus hat einen offenen und klaren Blick. Seine Augen nehmen die Dinge wahr, voller Interesse, Lebendigkeit und Klarheit. Er kommt der Stadt näher und nimmt sie wahr. Er blickt auf sie. Er sieht, er betrachtet, er liebkost mit seinem Blick.Auch uns liebkost der Herr mit seinem gütigen und sanften Blick. Er ist ja sanft und demütig von Herzen. Lassen wir uns von diesem Blick erreichen und berühren, einem Blick voll Liebe und Sanftmut.

2. Jesus weint über die Stadt. In Jerusalem, wie in so vielen Städten, gibt es Menschen jeder Art: Gute, Großzügige, Selbstverliebte, Pflichtbewusste, Eigenwillige, Böse, Heilige und Gauner, Jung und Alt. Jesus hat die Herzen dieser vielen Menschen vor Augen. Denn „der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7). Er kennt jeden einzelnen und er liebt jeden einzelnen. Kennen, ohne zu lieben, ist gefährlich. Lieben, ohne zu kennen, ist oberflächlich. Jesus kennt und liebt. Und weil er kennt und liebt, weint er. Denn er sieht in der Tiefe, dass Menschen ihn und damit das Gute, die Wahrheit, die Liebe einfach nicht annehmen wollen. Diese Menschen, die er sieht, sind sein Jerusalem. Wäre er hart und streng, würde er richten. Wäre er gleichgültig, würde es ihn kalt lassen. Aber Jesus ist weder hart, noch streng, noch gleichgültig. Jesus liebt. Darum weint er und darum ermahnt er. Die Liebe schenkt uns das rechte Verhältnis zu den Menschen: der Familie, den Kindern, den Kollegen, Kameraden, Mitstudenten, den Flüchtlingen, Andersgläubigen usw. Nur die Liebe Jesu schenkt den rechten Blick.

3. Es wird eine Zeit für dich kommen…! Manche Menschen lesen diese Zeilen, in denen die Zerstörung Jerusalems vorausgesagt wird, als ein Drohwort Jesu, ja manchmal sogar als Strafankündigung. Aber in dieser Szene, in der eher seine Sanftmut erscheint, droht er nicht, sondern sagt einfach voraus, was geschehen wird, damit die Menschen damit umzugehen wissen, wenn es denn geschieht. Tatsächlich ist Jerusalem im Jahr 70 n.Chr. von den römischen Truppen des Titus dem Erdboden gleichgemacht worden. In seiner prophetischen Macht sah Jesus das und wusste es; und er hat die Menschen gewarnt, damit das kommende Übel sie nicht unvorbereitet trifft.Jesus hat keine Freude am Leid und an der Not der Menschen. Jesus liebt uns als seine „Kinder“ (vgl. Joh 13,33). An dieser Stelle des Evangeliums dürfen wir, wenn wir seine Worte lesen, in ihren Klang etwas Sanftes und Gütiges legen und wohl ausschließen, dass er in diesem Moment beabsichtigte, mit Strenge oder Härte zu verurteilen.Das Sanfte verharmlost nicht den Ernst der Situation. Aber es gibt ihr eine Milde und einen Frieden, der sie tragbar und göttlich macht.

Gespräch mit Christus: Guter und starker Jesus, lehre mich, dich so zu erkennen, wie du wirklich bist: Sanft und demütig von Herzen. Und schenke mir die Gnade, dich von Herzen zu lieben und dir ähnlicher zu werden im Umgang mit den Menschen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde versuchen, den einen oder anderen Menschen mit Jesu sanftem und gütigem Blick anzusehen und wahrzunehmen.


Tempel Gottes in mir

20. November 2015

Freitag der dreiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Korbinian, Bischof
Hl. Bernward von Hildesheim OSB, Bischof
Hl. Edmund, Märtyrer

Magda Sczuka

Lk 19,45-48
In jener Zeit ging Jesus in den Tempel und begann, die Händler hinauszutreiben. Er sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. Er lehrte täglich im Tempel. Die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die übrigen Führer des Volkes aber suchten ihn umzubringen. Sie wussten jedoch nicht, wie sie es machen sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihn gern.

Einführendes Gebet: Jesus, hilf mir, dass mein Herz jetzt zu einem Haus des Gebetes wird, wo wir beide ungestört miteinander sprechen können. Ich möchte deine Stimme hören, hilf mir, alles hinauszuwerfen, was mich von dir trennt. Danke, dass du mit mir reden willst.

Bitte: Hilf mir, Herr, dass ich alles aus meinem Leben hinauswerfe, was mich daran hindert, ganz bei dir zu sein.

1. Die Räuberhöhle. Der Tempel, der heiligste Ort des Volkes Israel, war zu einer „Räuberhöhle“ geworden: Dort, wo der Ort der Begegnung mit dem Gott Israels war, machten die Leute Geschäfte, es war laut und es ging nicht mehr um Gott, sondern ums Geld. Durch die Taufe ist unser Herz auch ein Tempel Gottes, ein Tempel des Heiligen Geistes. Doch wenn es uns in unserem Leben nicht mehr hauptsächlich um Gott und sein Reich geht, sondern um andere Götter, dann lassen wir den Tempel Gottes zu einer Räuberhöhle verkommen.

2. Das Haus des Gebets. Jesus ist tief davon betroffen, das Haus seines geliebten Vaters, das Haus des Gebets und der Begegnung mit dem Heiligen in diesem Zustand anzutreffen. Er sehnt sich danach, dass hier Stille, Anbetung und Andacht herrschen, damit die Menschen, die hierher kommen, seinem Vater begegnen können. Wenn unsere Herzen voll sind von Liebe, Hingabe und Ruhe, dann werden die Menschen, die wir treffen, in uns dem himmlischen Vater begegnen können, denn dann wohnt er selbst in uns.

3. Das ganze Volk hing an ihm und hörte ihn gern. Jesus handelt hier voller Leidenschaft, aber nicht von blindem Zorn bewegt, sondern aus Liebe. Das merken die Menschen um ihn herum, und so heißt es: Das ganze Volk hing an ihm und hörte ihn gern. Um an Jesus zu hängen und ihn zu hören, brauchen wir das Gebet, das möglich wird, wenn wir in unserem Alltag einen Raum der Stille für das Alleinsein, für das Gespräch mit IHM, schaffen.

Gespräch mit Christus: Jesus, du kennst mein Herz, das manchmal eher einer Räuberhöhle als einem Ort des Gebets ähnelt. Komm du in mein Herz! Hilf mir, alles hinauszuwerfen, was mich von dir trennt: Meine Ängste, das Misstrauen, meine falschen Ambitionen, meine Komplexe, damit du selber in mir wohnen kannst. Welche große Ehre ist das für mich, dass du in meinem Herzen zu Hause sein willst!

Möglicher Vorsatz: Ich will eine Zeit der Stille und Anbetung halten, und mir dessen bewusst werden, dass ich Tempel Gottes bin.


Was würdest du tun, wenn du nur noch 24 Stunden hättest?

21. November 2015

Samstag der dreiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Unsere Liebe Frau in Jerusalem

Renee Pomarico

Lk 20,27-40
In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der Erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der Zweite, danach der Dritte, und ebenso die anderen bis zum Siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig. Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet. Und man wagte nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

Einführendes Gebet: Lieber Jesus, du liebst mich und hast mich erschaffen, um in Gemeinschaft mit dir zu leben. Hilf mir, meine Liebe zu dir in kleinen, alltäglichen Dingen auszudrücken. Bitte lass mich ewig mit dir verbunden sein.

Bitte: Herr, lass mich immer besser verstehen, dass alles, was ich für andere tue, ein Ausdruck meiner Liebe zu dir ist.

1. Leben. Das Leben auf dieser Erde kommt und geht. Das „Timing“ ist in Gottes Händen. Wahres Leben ist Anteil haben an Gottes Leben. Aber auch schon hier auf Erden gilt: Wenn er uns nicht im Sein erhalten würde, dann wäre unser Leben sofort zu Ende. Er will, dass wir leben, atmen, lieben, Beziehungen eingehen, ihn kennen lernen. Er gibt uns das Leben auf dieser Erde als ein kostbares Geschenk, damit wir es einsetzen, um das wahre Leben zu erlangen. Das, was wir in diesem Leben tun, kann uns – je nachdem – helfen, Gottes Liebe zu erfahren, oder es kann uns auch von seiner Liebe trennen. Wir wollen aber mit der Liebe verbunden sein. So wie die Rebe lebt, wenn sie mit dem Weinstock verbunden ist, so leben wir geistig, wenn wir mit der Quelle des Lebens, die Gott selbst ist, verbunden sind.

2. Tod.  Gott, der, das Leben schenkt, nimmt es auch wieder. Gott wollte ursprünglich, dass wir für immer bei ihm glücklich sind. Doch durch die Schuld Adams und Evas wurden wir von ihm getrennt. In Christus hat Gott die ursprüngliche Freundschaft wieder hergestellt, und uns die Chance gegeben, in Ewigkeit bei ihm zu wohnen. Ob wir diese Chance wahrnehmen, hängt von unseren Entscheidungen ab. In der Schule hat einmal ein Freund diese Frage gestellt: „Was würdest du tun wenn du nur noch 24 Stunden zum Leben hättest?“ Ich habe geantwortet, dass ich beichten gehen würden, die anderen meinten, sie würden aus einem Flugzeug springen, oder andere verrückte Dinge tun… Das hat mir zu denken gegeben. Sind wir uns eigentlich bewusst, dass es ein Leben nach dem Tod gibt?

3. Ewigkeit.  Da sagte Jesus zu ihnen: „Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.“ Die Liebe, die wir in dieser Welt erfahren, ist ein Vorgeschmack der Liebe, die Gott uns schenken will. Eheliche Liebe ist wunderschön! Besonders dann, wenn sie Gottes reine und selbstlose Liebe widerspiegelt. Bei denen, „die Gott für würdig hält“, bereitet die Erfahrung der Gemeinschaft miteinander auf die ewige Gemeinschaft mit Ihm vor.Lasst uns unser Leben in Liebe leben! Lasst uns lernen, mit einer reinen Liebe zu lieben, um Gemeinschaft mit Gott zu erlangen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, danke, dass du mich liebst und mir die Möglichkeit gibst, für immer bei dir im Himmel zu sein.Hilf mir zu verstehen, dass alles, was ich in diesem Leben tue, vergehen wird, außer dem, was ich aus Liebe zu dir tue.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte am Sonntag die Kommunion mit der Sehnsucht empfangen, meine Seele mit Gott zu vereinigen, der mich mit ewiger Liebe geliebt hat.