Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 4. Oktober 2015 bis Samstag 10. Oktober 2015

Siebenundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. William Webster LC

Der Kern der Liebe ist die HingabeSonntag
Die „ganz große Liebe“ gibt der Kirche GestaltMontag
Seine Wege sind nicht meine WegeDienstag
Beten: nicht nur meine WorteMittwoch
In das Herz Gottes schauenDonnerstag
Der Glaube: Wächter meines InnerenFreitag
Geborgen im Schoß MariensSamstag


Der Kern der Liebe ist die Hingabe

4. Oktober 2015

Siebenundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Erntedank
Hl. Franz von Assisi

P. William Webster LC

Mk 10,2-16
In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

Einführendes Gebet: O Herr, ich preise dich für deine Liebe, denn du hast sie mir niemals entzogen. Sie ist eine Liebe die keine Gegenleistung erwartet, die nur schenkt. Diese Liebe ist das Vorbild für meine Liebe.

Bitte: Jesus, schenke mir die Sichtweise von Ehe und Familie, die ihrer wahren Sendung in der Welt entspricht, wie sie von dir gewollt war. Hilf mir, mein Leben entschieden und hoffnungsvoll so zu führen, dass es immer mehr dieser Sichtweise entspricht und damit dein Reich in dieser Welt mit zu gestalten.

1. Der Wesenszug des Menschenherzens, die Hingabe. Nur wegen der Hartherzigkeit der Menschen erlaubte Mose die Scheidung. Jesus aber stellt in sich selbst den ursprünglichen Glanz des Menschenherzens wieder her. Das Menschenherz ist für jene Liebe geschaffen, die Hingabe ist, nicht für sich selbst. Liebe, die ihren eigenen Vorteil sucht, die ungeduldig ist, die sich über Unrecht freut, ist eine falsche Liebe (vgl. 1 Kor 13). Wie oft merken wir jedoch in unserem Alltag, dass unser Herz diese falsche Liebe sucht! Es ist ein edler Vorsatz, sich täglich zu besinnen und vorzunehmen, Liebe ohne Gegenleistung zu leben. Es gibt unserem Herzen die innere Schönheit zurück, der es entstammt und für die es geschaffen ist.

2. Fülle durch Hingabe. Die Ehe und das geweihte Leben sind Lebensformen, die Erfüllung schenken, wenn sie mit Hingabe gelebt werden. Nur eine solche Hingabe kann das Herz des Menschen wahrhaft lebendig und warm halten. Ehe und geweihtes Leben erblühen, wo der Mensch sich in Liebe verschenkt. Denn der Mensch ist für die Liebe zum Nächsten geschaffen, dafür, eine Gabe für den anderen zu werden. Wenn wir Blumensamen in die Erde streuen, aber den Boden nie gießen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn nichts aufgeht. Das Menschenherz blüht auf, wenn es mit dem Wasser der Hingabe und der selbstlosen Taten begossen wird.

3. Kindliche Hingabe. Kinder sind eine Gabe des Herrn für die Welt. Von kleinen Kindern dürfen wir lernen, wieder wir selber zu sein. Sie begreifen das Wesen der Liebe noch als Hingabe, weil sie noch völlig selbstvergessen und ohne Berechnung handeln können, sich am Glück des anderen vorbehaltlos freuen können. Wenn ein kleines Kind jemandem etwas schenkt, erwartet es das Geschenk nicht zurück und erhofft keine Gegenleistung, wie wir Erwachsene das meist tun. Es „versteht“ intuitiv, dass die Liebe Hingabe ist. Hingabe meint Übergabe, nicht nur beiläufige Gabe von „Etwas von mir“. So gibt auch Jesus sich uns hin. Ausgehend von dem, was wir in jedem Augenblick unseres Lebens von ihm empfangen, bittet er uns, wie Kinder zu werden, Hingabe zu üben.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, wenn die Liebe so ist, dann möchte ich wie ein Kind werden! Diese kindliche Liebe stärkt alle meine Beziehungen, vor allem aber die Liebe in meiner Familie. Herr, lass mich meine Hingabe nach dem Vorbild deiner Liebe gestalten und so mein Familienleben aufblühen. Ich danke dir, dass du mich immer begleitest und mich zur wahren Liebe erziehst.

Möglicher Vorsatz: Heute nehme ich mir vor, eine selbstlose Tat der Nächstenliebe in und für meine Familie zu verrichten.


Die „ganz große Liebe gestaltet die Kirche

5. Oktober 2015

Montag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Meinolf von Paderborn

P. William Webster LC

Lk 10,25-37
Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Einführendes Gebet: Herr, die Liebe deines Herzens war grenzenlos. Du beugtest dich zu uns verwundeten Menschen herab, um uns die ganz große Liebe zu zeigen. Dafür preise ich dich.

Bitte: Jesus, es scheint mir oft unmöglich, das Gebot, dich von ganzem Herzen zu lieben, zu erfüllen. Hilf mir, aus meiner Gotteskindschaft heraus zu leben und so zu handeln, dass ich dich in meinem Nächsten liebe.

1. Verwundungen wahrnehmen. Wahrhaft Kirche zu gestalten heißt, die Liebe „von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all seiner Kraft“ in die Tat umzusetzen. Das ist nicht leicht für uns, denn unsere Seele ist durch die Sünde verwundet. Wenn wir diese Verwundung wahrnehmen, uns auch eingestehen, werden wir feinfühlig für die Verwundungen anderer, so wie der Samariter feinfühlig war und die Wunden des Geschlagenen wahrnahm. Seine Liebe ist wie die Liebe eines Verwundeten zu einem anderen Verwundeten, sie leidet seine Wunden mit. Der Priester und der Levit waren so sehr von ihrem „Heilsein“, ihrer Rechtschaffenheit überzeugt, dass es für sie vielleicht kein Problem gewesen wäre, einem Gesunden auf dem Weg zu helfen. Verwundete jedoch stellen eine Herausforderung dar. Es verlangt Demut, um diesen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, denn ich muss mich zu ihnen in ihrer Schwachheit niederbeugen. Es ist notwendig- im wahrsten Sinne des Wortes „Not wendend“-, dass jeder Mensch auch in sich selbst den Verwundeten wahrnimmt, um auf andere Verwundete in Liebe zugehen zu können.

2. Öl und Wein – Sakramente heilen. Nicht seine leibliche, sondern seine seelische Heilung, sein Seelenheil zu erreichen, ist das größere Wunder beim Menschen. So wie Öl und Wein die leiblichen Wunden heilen helfen, so heilen die Sakramente die Wunden unserer Seele. Menschen zu den Sakramenten zu führen, bedeutet Heilung zu schenken, Heilung ihrer Seele. Wenn ich ein Medikament gegen Krebs kennen würde, und einem Krebskranken davon nichts erzählte, wäre das nicht Liebe. Warum nur tun wir uns so schwer, Menschen zu den Sakramenten zu führen? Weil unser Glaube an ihre Wirkmacht zu schwach ist. Wir sehen die seelischen Verwundungen des anderen allzu oft als seine Privatangelegenheit an – „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ (Gen 4,9). Wir gehen an dem Verwundeten vorbei und meinen, jemand anderes müsse ihm helfen. Würden wir so handeln, wenn unser Glaube stärker wäre?

3. Was wahrhaft Kirche gestaltet. Die Kirche wird aufgebaut, wenn in uns die Glaubensgewissheit lebt, dass die Sakramente heilen, ganz gleich wie groß die Gottesferne ist, in der ein Verwundeter lebt. Die Kirche wird auferbaut durch unser Vertrauen, dass sie, wie der Wirt der Herberge, ein Zimmer und ein Bett für jeden Verwundeten hat, denn Jesus sagte: Ich gehe zu meinem Vater, um für euch einen Platz zu bereiten. Das bedeutet, dass jeder willkommen und erwünscht ist. Die Kirche nimmt Gestalt an, weil der Herr für alles bezahlt, denn er gibt uns alle Kraft und Gnaden, die wir für die täglichen Anforderungen der Liebe benötigen. Wenn wir hierüber Gewissheit im Glauben besitzen, dann sind die Neuevangelisierung, der Aufbau der Kirche, die Nächstenliebe nicht nur ein frommer Wunsch, sondern eine Lebenseinstellung, die in die Tat umgesetzt wird. Dann wird jedes Opfer süß und jeder Verzicht eine Quelle der Freude.

Gespräch mit Christus: Vermehre in mir, o Jesus, den Glauben an die Wirkkraft der Sakramente deiner Kirche! Durch sie willst du dieser Welt Heilung schenken. Ich danke dir für deine Nähe in den Sakramenten. Lass mich diese Freude und diesen Glauben teilen, vor allem durch eine werktätige Nächstenliebe.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich besonders an die Teilnehmer der Bischofssynode denken und ein Gebet zum Heiligen Geist für gute Beratungen sprechen.


Seine Wege sind nicht meine Wege

6. Oktober 2015

Dienstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Bruno der Kartäuser

P. William Webster LC

Lk 10,38-42
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Einführendes Gebet: O Herr, wie schön ist es zu wissen, dass du Freunde unter den Menschen hast! Zu ihnen möchte auch ich gehören. Das willst du auch, und das tröstet mich. Das Bessere zu wählen, bedeutet, bei dir zu verweilen, dich und dein Wort aufzunehmen.

Bitte: Jesus Christus, ich bitte dich, gewähre mir die Gnade, wahrhaft daran zu glauben, dass das Gebet vorrangig ist. Es fällt mir schwer, nicht auf mein eigenes Schaffen und Tun zu schauen, wenn ich in meiner Beziehung zu dir wachsen will. Ich vertraue aber, dass deine Gnade mich innerlich verwandeln kann.

1. Liebe schenken wollen. Jesus lobt Maria, die sich der Betrachtung seiner Worte hingibt. War Marthas aktives Verhalten denn falsch? Suchen wir nach einer Antwort aus dem Hergang der Geschehnisse: Wir dürfen zunächst annehmen, dass der Besuch Jesu unangekündigt war. Das war wohl damals die Regel, denn es gab kein Telefon. Die Schwestern konnten sich nicht auf Jesu Kommen einstellen, nichts vorbereiten. Es war daher nur recht und billig, dass Martha sich so sehr bemühte, um diesem Gast die größte Ehre zu erweisen. Ihre Mühe entstammte ihrer Liebe zu Jesus. Sie wollte ihm diese Liebe zeigen.

2. Das wahre Bedürfnis der Liebe erkennen. Doch Jesus stellte keine Forderungen. Martha hingegen wollte seine Wünsche erahnen und gleich erfüllen, damit er sich wohlfühlen konnte. Das war zwar eine edle Absicht, doch hatte Jesus nicht darum gebeten. Er nahm wahr, dass sie sich sehr um ihn bemühte, und das bewegte ihn. Stellen wir uns ein Herz vor, das das ganze Spektrum des menschlichen Empfindens, Fühlens, Leidens umfasst, und zwar in unbegrenztem Maß. Jesus besitzt dieses Herz und will es jedem offenbaren. Doch er kann dies nur dem offenbaren, der sich ihm im Vertrauen öffnet. Martha hatte gute Absichten, setzte sie aber auf eine Art und Weise um, die sie zu sehr in sich befangen hielt, bei dem was sie tun wollte, und deswegen ist sie nur auf halbem Weg zum Ziel gelangt. Denn die Liebe besteht nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Also darin, dass er uns zuerst geliebt hat.

3. Sich lieben lassen. Jesus wollte mit seinem Besuch den Gastgebern, die doch seine Freunde waren, seine persönliche geistliche Nähe schenken. Martha aber nahm dieses Geschenk nicht ganz wahr, sondern stellte ihre Gabe, den Erweis ihrer Liebe, in das Zentrum. Wenn Jesus mich besucht, will er nicht meine Leistung, meine Performance, meine eilfertigen Dienste. Er will mich selbst, um sich mir zu schenken. Um seine Liebe erfahren zu können, muss ich mich ihm öffnen, und diese Öffnung vollzieht sich im Gebet, in der Stille und der Betrachtung. Jesus lobte Marthas Schwester Maria, weil sie ihm ganz zugewandt, ganz offen für ihn war. Martha hatte keinen grundsätzlich falschen oder schlechten Weg gewählt. Sie war aber nicht vollkommen ans Ziel gelangt, weil sie nicht das entscheidende Mittel zum Einblick ins Herz Jesu wählte. Das Wesentliche hatte sie vergessen: Sich von Ihm lieben zu lassen.

Gespräch mit Christus: Es ist wahr, Herr, dass der, der sich lieben lässt, deine Liebe erfahren wird. So oft meine ich, ich wäre derjenige, der diese Liebe beweisen müsste. Du aber bist der Herr aller Herzen und der ewige Bräutigam unserer Seele. Lass mich ganz für dich da sein.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich einen Besuch bei Jesus im Allerheiligsten Sakrament machen und bei ihm eine Viertelstunde verweilen.


Beten: nicht nur meine Worte

7. Oktober 2015

Mittwoch der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz

P. William Webster LC

Lk 11,1-4
Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

Einführendes Gebet: Verborgener Gott, wie gütig bist du, da du uns in dein Herz hineinschauen lässt! Um wieviel gütiger bist du, weil du uns lehrst, wie man in rechter Weise betet! Am allergütigsten aber bist du Herr, weil du mich persönlich in das Geheimnis deiner dreifaltigen Liebe hineinnimmst!

Bitte: O Jesus, ich bitte dich um die Gnade, dass ich immer mehr zurücktrete und immer mehr du der Gestalter unserer Beziehung bist und so die Liebe in mir Gestalt annimmt. Bete und liebe mit deinem Herz in meinem Herzen.

1. Jesu Gebetswelt. Beten war für Jesus wie Atmen. Er brauchte das Alleinsein mit seinem Vater, um selbst als Gott, der er war, sein Menschenherz immer wieder mit der Liebe des himmlischen Vaters in Berührung zu bringen und es von ihm „füllen“ zu lassen. Seine Begegnung mit dem Vater im Gebet war wie ein Sich-Ineinander-Schauen, ein gegenseitiges zutiefst Erkannt-Werden, ein Sich-Einander-Schenken. Alles in einem, alles zugleich. Die Jünger müssen am ins Gebet versunkenen Jesus etwas für sie noch völlig Unfassbares wahrgenommen haben, denn es hat sie sehr beeindruckt. So entstand in ihnen eine Sehnsucht nach dieser Fülle, denn sie stellten sich Gott noch weit entfernt und unnahbar vor. Auch wir erfahren Gott manchmal als fern, denn wir tragen in uns die Sehnsucht nach seiner Nähe.

2. Beten lernen. Jesus nimmt seine Jünger noch nicht mit in sein intimes Gebet zum Vater hinein. Sie hätten es noch nicht begriffen. Sie hatten noch nicht den Heiligen Geist empfangen. Sie wären überfordert gewesen. Aber er offenbart ihnen, auf welche Weise sie beten sollen: Das rechte Beten enthält Lob und Bekenntnis, aber auch Fürbitte und die Bereitschaft, nach Gottes Willen zu leben. Jesus möchte sie behutsam ins rechte Beten einführen, indem er ihnen anhand der Bitten des Vaterunsers etwas über das Wesen Gottes offenbart. So bereitet er sie auf eine ganz neue Beziehung zu ihrem Gott vor. Einem Gott der Nähe, einem Gott des Erbarmens, damit auch sie lernen, nach seinem Vorbild zu handeln: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

3. Die Verwandlung. Mit der Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten werden die Worte des Vaterunsers tiefere Dinge über das intime Gebet zwischen Vater und Sohn enthüllen. Dank der Gabe des Heiligen Geistes betet seit Pfingsten der Sohn in uns zum Vater. Das Vaterunser ist seitdem mehr als die Weise, wie wir beten sollen. Es ist zum vollkommenen Ausdruck des betenden Sohnes in uns geworden. Das, was Gott uns im Heiligen Geist geschenkt hat – seine Gegenwart in uns – ist uns dadurch übereignet und anvertraut worden. Wenn wir in diesem uns geschenkten Geist beten, schenken wir dem Vater den in uns gegenwärtigen Herrn, Jesus. So wird Gebet zur spontanen Antwort auf Gottes Liebe. Eine ganz natürliche Angelegenheit. Denn wir sind nicht länger ausgeschlossen aus dem Innenleben der Dreifaltigkeit . Im Gegenteil, wir sind beheimatet in ihrem Herzen.

Gespräch mit Christus: Es ist unfassbar, liebster Jesus, dass du in mir wohnst und durch mich zum Vater betest. Diese Worte sind deine aber auch meine Worte. Und so will ich es auch. Ich danke dir für dieses unverdiente Geschenk. Hilf, dass ich mein Leben so führe, dass es dieser Würde entspricht.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich in der Stille einmal langsam und bewusst das Vaterunser beten.


In das Herz Gottes schauen

8. Oktober 2015

Donnerstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Simeon von Jerusalem

P. William Webster LC

Lk 11,5-13
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Einführendes Gebet: O Herr, die Offenbarung deines Herzens tut mir so gut, denn mein Herz braucht Heilung. Du allein bist gut und heilig. Du lädst mich ein, im Vertrauen auf deine Güte um alles zu bitten, was ich brauche. Ich vertraue auf dich.

Bitte: Jesus, lass mich in das Geheimnis des Herzens des Vaters ein. Du allein kennst den Vater und willst mir sein Herz offenbaren. Möge deine Gnade meinen Glauben und meine Hoffnung stärken.

1. Das Herz Gottes. Gestern haben wir betrachtet, dass Christus durch den Heiligen Geist in uns gegenwärtig ist, wodurch er uns in Berührung mit dem Vater bringt. Dieser Zugang zum intimen Verhältnis zwischen Vater und Sohn gibt uns nicht nur einen Einblick in das betende Herz des Sohnes, sondern vor allem in das liebende Herz des Vaters. Dieses liebende Herz Gottes offenbart er uns auch in den Worten des heutigen Evangeliums. Es ist kein Herz, das verurteilt oder züchtigt, das immer nur die Mängel des Menschen sieht und ihn daran erinnert, dass er nicht gut genug ist. Es ist im Gegenteil ein schenkendes Herz, das ihn ermutigen will, das ihm vermitteln will, dass er geliebt, gewollt, erwünscht ist.

2. Unser Herz heilen lassen. Der Vater sieht in mir sein Kind, das Abbild des Sohnes, das ich durch die Taufe widerspiegele. Die Sünde verzerrt dieses Bild des Sohnes in mir oder zerstört es gar durch den Widerspruch, der aus der Selbstbezogenheit (das Bild des alten Menschen) kommt und sich gegen die Hingabe (Christi Bild in mir) auflehnen will. Wie Wasser und Öl sich nicht vermischen, so ist die Sünde unvereinbar mit der Würde der Person eines Getauften. Denn sie entspricht nicht dem Wesen eines Gotteskindes. Wenn wir aber mit Reue und liebevollem Vertrauen, wie ein Kind, Gott um Hilfe bitten, vermag er nicht anders, als uns zu Hilfe zu kommen, uns zu verzeihen und mit Seiner Gnade zu erneuern.

3. Der Liebe Gottes trauen. Gott antwortet auf unsere Bitten auf eine der drei Weisen, aber immer aus Liebe. Er sagt: Ja sofort; oder: Ja, aber noch nicht; oder: Nein, denn ich habe etwas Besseres für dich. Manchmal würde ein sofortiges Ja von Gott negative Folgen für mich haben, wenn zum Beispiel das Erbetene auf eine noch unreife oder stolze Haltung meines Herzens trifft. Ich könnte meinen, ich hätte Gott „im Griff“. Wenn der Herr sich Zeit lässt, bevor er meine Bitte erhört, darf ich darauf vertrauen, dass er das bessere Timing kennt, und ich Geduld üben soll. Ein Nein von ihm aber will immer darauf hinweisen, dass dieser Vater keine billigen Sofortlösungen mag, sondern das Beste für meine Heiligung im Sinn hat. Wenn ich so auf die Liebe Gottes vertraue, werde ich für jede Antwort, die Gott mir gibt, dankbar sein.

Gespräch mit Christus: Wenn du, o Herr, für uns bist, wer ist dann gegen uns? Wovor soll ich mich fürchten, wenn ich in meiner Not immer zu dir kommen kann? Ich danke dir, dass du mich immer erhörst. Du willst nur das Beste für mich.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich ein Herzensanliegen vor Gott tragen und ihn um Hilfe bitten, im festen Vertrauen, dass sein Wille geschehen wird.


Der Glaube: Wächter meines Inneren

9. Oktober 2015

Freitag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Johannes Leonardo, Priester

P. William Webster LC

Lk 11,14-26
In jener Zeit trieb Jesus einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beelzebub, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden und ein Haus ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebub austreibe. Wenn ich die Dämonen durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Ein unreiner Geist, der einen Menschen verlassen hat, wandert durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann. Wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und wenn er es bei seiner Rückkehr sauber und geschmückt antrifft, dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer werden als vorher.

Einführendes Gebet: O Herr, du weißt, was wir denken. Du bist der Allmächtige und der Schöpfer jedes Menschenherzens. Du siehst, dass wir uns mit dem Glauben schwer tun. Aber ich vertraue, dass du unseren Glauben stärken willst.

Bitte: Jesus, hilf mir, wahrhaft zu sehen. Die leeren Versprechungen dieser Welt beunruhigen mich. In mir ist nicht alles in Ordnung. Bringe, o Herr, alles durch den Glauben in eine Ordnung, die mir Frieden schenkt und die dir wohlgefällt.

1. Wahrhaft Sehen lernen. Jesus war verwundert über den Unglauben der Menschen. Man warf Jesus vor, böse Absichten in seinem Herzen zu hegen – dem, der nur Gutes getan hat. Immer wenn wir die Welt und unsere Mitmenschen allein aus der Perspektive unseres Ichs betrachten, werden wir das in sie hineininterpretieren, was eigentlich in uns ist: Gier, Neid, Stolz, Eitelkeit. In solchen Momenten sind wir Gott nicht nahe. Ihm müssen wir uns dann anvertrauen, damit er unsere Augen wieder öffnet. Er wird uns seine Sichtweise ins Herz legen und unsere Augen heilen. Alles mit den Augen Gottes zu betrachten – zu sehen, wie Er sieht –, das ist Glaube.

2. Schutz im Glauben finden. Der Glaube wird uns davor schützen, dem Bösen ausgeliefert zu sein. Der lebendige Glaube ist wie ein bewaffneter Wächter, der meine innere Wohnung beschützt. Denn er bestimmt die Perspektive, aus der ich die Welt betrachte. Vielleicht fehlt mir zuweilen die Kraft dazu. Aber immer kann ich den Glauben ersehnen und Gott um das Geschenk dieses Glaubens bitten. Er wird mir helfen und meinen Glauben stärken. Durch den Glauben kann ich wie der hl. Paulus in allem Gottes liebende und führende Hand entdecken: „Bei denen, die Gott lieben, führt Gott alles zum Guten“ (Röm 8,28).

3. Den Glauben leben – heil werden. Der Glaube muss genährt werden. Man stärkt ihn durch ganz einfache Mittel: durch das Gebet, durch die Lesung der Heiligen Schrift, durch den häufigen Empfang der Sakramente der Eucharistie und der Buße, durch die gelebte Nächstenliebe. All diese Glaubenswerke fügen sich ein in die Pflege meiner wahren Identität. Wenn ich glaube, dass der Schöpfer allein gut ist und danach verlangt, mir Anteil an seiner Güte zu geben, befreit das mich von dieser unguten Vorstellung, selbst alles Gute leisten zu müssen. Alles Gute in mir ist schon Gnade, es beweist, dass Gott sich persönlich für mein Gedeihen und Aufblühen interessiert. Er ist der Herr, der heilt, vereint, sammelt.

Gespräch mit Christus: O Herr, du allein bist heilig und gut. Du schenkst mir so viele Hilfen, um meinen Glauben zu stärken. Ich möchte sie nutzen, um mein Inneres zu stärken und mich vor dem Bösen zu bewahren. Schaffe in meinem Inneren einen Ort des lebendigen Glaubens, der glühenden Hoffnung und der tätigen Liebe.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich eines der Mittel, die meinen Glauben nähren und stärken, sorgfältig nutzen.


Geborgen im Schoß Mariens

10. Oktober 2015

Samstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Viktor von Xanten
Hl. Gereon, Märtyrer

P. William Webster LC

Lk 11,27-28
In jener Zeit, als Jesus zum Volk redete, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.

Einführendes Gebet: O Maria, ich weiß, dass du immer das Wort deines Sohnes gehört und befolgt hast. Du bist meine Mutter und mein Vorbild im Glauben. Ich vertraue auf deine Fürsprache und will mich dir ganz weihen, um deinem Sohn näher zu sein.

Bitte: Allmächtiger Gott, du hast mir Maria als Mutter anvertraut. Gewähre mir die Gnade, eine kindliche Liebe zu ihr zu entwickeln, damit ich auch dein Herz besser kennen und lieben lernen kann und immer den Weg deiner Gebote befolge.

1. Mit Maria Gottes Wort hören und befolgen. Diejenigen, die das Wort Gottes hören und es befolgen, sind nicht irgendwelche Sonderlinge. Wir alle sind damit gemeint! Weit davon entfernt, mit diesem Wort alle zu verurteilen, die sich mit Gottes Wort schwer tun, möchte Jesus damit uns Getaufte einladen, alle Mittel einzusetzen, um Gottes Willen herauszufinden und ihn zu befolgen. Bei wem könnten wir uns das besser abschauen als bei der, die Jesus am besten kennt, und die er mit diesen Worten meinte? Wahrhaft selig ist die, an deren Brust das Jesuskind sich ernährte, vor allem weil sie in der vollkommensten Weise Gottes Wort hörte und befolgte!

2. Mutter und Sohn sind innig vereint. Maria trug Jesus neun Monate in ihrem Schoss. Wie andere gläubige Frauen der damaligen Zeit hörte sie in der Synagoge die Propheten, hörte auch die Lieder vom Gottesknecht und, dass die Leute ihren Messias verstoßen würden. Aber in ihrem Herzen wusste sie bereits, dass er der Sohn des Höchsten ist.. So konnte sie wohl ahnen, welche Herausforderungen auf sie noch zukommen würde, aber sie hatte die Gewissheit, Gott ist in diesem Kind mit ihr.

3. In Mariens Schoß geborgen. Der Mensch würde aus eigenen Kräften niemals fähig sein, diese Höhen zu erreichen, teilzuhaben am göttlichen Leben in Heiligkeit. „Siehe deine Mutter!“ Dieses Wort, das Jesus vom Kreuz herab an Johannes richtet, bezeugt Marias Stellung als unsere Mutter und beschreibt ihre Sendung: Sie soll uns alle zu Gott führen. Wir sollten diese Rückbindung bejahen, denn sie entlastet uns. Sie birgt uns wie ein kleines ohnmächtiges Kind in Mariens Schoß. Jesus sagte: „Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen!“ Das sagte er nicht zu unserer Entmutigung, sondern um uns eine Tür zur Hoffnung aufzustoßen: Wer sich Maria anvertraut, gibt die Antwort des Geschöpfs, des Kindes, das sich helfen lassen will. So wie Gott Maria seinen Sohn anvertraute, sollen wir zulassen, dass Gott auch uns ihrem Herzen und ihrem Schoß anvertraut. Wir tun dann nichts anderes, als das, was Jesus schon lange vor uns getan hat. So wie der Schoß Mariens der sicherste Platz für Gottes Sohn war, wird er es auch für uns sein.

Gespräch mit Christus: Mutter Maria, mit dir finde ich den Weg zu deinem Sohn. Danke dafür! In deine Hände lege ich alles, was ich habe und tue, damit du es ihm bringen kannst. Ich weihe mich deinem Unbefleckten Herzen.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich besonders andächtig einen Rosenkranz beten, in der Gewissheit, dass Maria mich liebt, schützt und zu ihrem Sohn führt.