Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 30. August 2015 bis Samstag 5. September 2015

Zweiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Klaus Einsle LC

Jesus blickt auf das Wesentliche Sonntag
Jesus lässt sich nie verbiegen Montag
Jesus und seine göttliche Vollmacht Dienstag
Jesus, der in uns Menschen verliebt ist Mittwoch
Wenn Gott ruft, beginnt das Abenteuer Donnerstag
Passt alt und neu zusammen? Was sagt der Bräutigam Freitag
Wie wird der Glaube echt und lebendig?Samstag


Jesus blickt auf das Wesentliche

30. August 2015

Zweiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

P. Klaus Einsle LC

Mk 7,1-8,14-15,21-23
In jener Zeit hielten sich die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte Recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen.

Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.

Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

Einführendes Gebet: Mein guter Jesus, ich sehne mich danach, ganz echt zu werden. Ich will mich nicht mit Oberflächlichkeit oder einer Maske in meinem Leben zufrieden geben. Ich will dich nicht mit den Lippen ehren und mit dem Herz weit weg von dir sein. Danke, dass du dir jetzt Zeit für mich nimmst. Schau mich an. Schau mein Inneres an und lass mich ruhig, still und friedvoll werden, damit ich diese paar Minuten ganz da sein kann. Danke, mein guter Jesus.

Bitte: Zieh mein Herz an dich. Lass mich deine Schönheit und Liebe erfahren, damit ich immer mehr dir gehöre und dich wirklich liebe.

1.  Formelhafter Glaube. Es ist so leicht, eine Gläubigkeit zu leben, die mit den Erfahrungen der echten Christen wenig zu tun hat. Die ersten Christen haben Jesus erlebt! Das sagt alles. Erlebt!! Sie sind direkt und existentiell in ihrer Beziehung zu Gott angesprochen, berührt und auch verändert worden.Es ist heute so leicht, gläubig zu sein, aber von Jesus nicht berührt und verändert zu werden. So waren die Pharisäer. Formeln, Einhaltung von Gesetzen, Riten – viel Frommes, aber es war einfach tot.

Wie ist das bei mir? Wie lebendig ist das, wenn ich mich bekreuzige? Wie lebendig ist das, wenn ich „Vater“ sage? Wie lebendig ist das, wenn ich in der Messe „Seht, das Lamm Gottes“ höre? Formeln oder Leben?

2. Der Blick auf das Wesentliche. Jesus ist so wunderbar, weil er immer den Blick auf das Wesentliche, den Kern und die Mitte gerichtet hat. Daher lässt er sich nie blenden. Er weiß, worum es geht: um unser Herz und dass dieses Herz des Menschen sich dem Guten zuwendet und so gut wird. Darin besteht der Sinn des Lebens. Wir sollen nach dem Bild Gottes „gute“ Menschen werden. Liebende Menschen, großzügige Menschen, mit dem Blick auf die anderen, freudig für die anderen da sein. Nicht Speisevorschriften, leere Ritenerfüllung, Gesetze und Normen sind das Ziel des menschlichen Lebens. Wo ist meine Mitte? Was liegt mir am meisten am Herzen? Womit verbringe ich die meisten Gedanken des Tages? Bin ich Jesus ähnlich? Oder ein verirrtes Schaf oder ein Formelmensch?

3. Die Sünde macht unrein. Jesus lenkt den Blick zielgenau auf das eigentliche „Problem“ (das auch mein Problem heute ist!!): Was dir heute wirklich schadet, ist nicht der Geldbeutel, der nicht ganz so voll ist, nicht einmal deine Krankheit, die dir eine Last auferlegt. Das ist unangenehm und schwer, aber es ist nicht wirklich tragisch in Gottes Augen. Tragisch für ihn ist die SÜNDE. Was ist das mit der Sünde? Letztlich ist sie immer dort, wo wir die anderen nicht lieben. Dort, wo wir uns selber mehr lieben als die anderen. Warum ist das so schlimm? Weil wir nach dem Abbild der Liebe geschaffen sind, nach dem Abbild Gottes. Er will uns so haben, wie er ist. So hat er uns gedacht, so hat er uns gemacht. Aber wir haben unsere Ähnlichkeit mit ihm verloren und sind leider viel zu oft zu einem Gegenteil seines Abbilds geworden: Eigenliebe, Neid, Stolz, Unzufriedenheit, undankbar, nörglerisch, kritisierend… Gut, dass Gott uns trotz allem nicht aufgibt, immer liebt und sich uns freudig zuwendet.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich will wieder heil werden. Es tut mir leid, dass ich egoistisch denke und handle. Ich will sein wie du. Aber es fällt mir schwer. Ich spüre in mir diesen Zug zu mir selber. Löse diese Bindung immer mehr auf. Befreie mich von mir selber. Lass mich zu deinem Abbild werden, zu einem Abbild deiner Liebe und Hingabe. Schenk mir die Gnade, einen neuen Lebensstil, DEINEN Lebensstil anzunehmen: ich will LIEBEN können. Danke, Herr. Danke.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte heute verschiedenen Menschen etwas Nettes sagen und sie loben. Dadurch zeige ich ein wenig von der Zuneigung Gottes zu ihnen.


Jesus lässt sich nie verbiegen

31. August 2015

Montag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Paulinus von Trier, Bischof

P. Klaus Einsle LC

Lk 4,16-30
In jener Zeit kam Jesus nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, / damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Einführendes Gebet:  Jesus, ich will, dass wir beide uns heute begegnen und dass wir uns gegenseitig in meinem Herzen berühren. Öffne meinen Geist für dich. Komme auch zu mir, wie du nach Nazaret gekommen bist. Tue in meinem Leben Wunder und verändere mich und mein Umfeld.

Bitte: Ich bitte dich vor allem um innere Offenheit und die Bereitschaft, deine Botschaft ehrlich anzunehmen.

1. Jesus kommt nach Nazaret. Wir haben es alle schon erlebt: Mit fremden Leuten über den Glauben und Gott zu sprechen, das geht ja noch irgendwie. Aber mit der eigenen Familie, den Menschen, die mich gut kennen, da ist es manchmal schon besonders schwierig oder peinlich.Jesus kam nach Nazaret. Dort kannte ihn jeder von früher. Er war der Junge, der in der Schreinerei arbeitete. Er war der nette Junge aus der Synagoge. Er hatte Cousins und Verwandte dort. Er war einfach gut bekannt. Und trotzdem kommt er in sein Dorf und spricht mit aller Offenheit über Gott. Da steckt viel innere Überzeugung in ihm, von der auch wir lernen können.

2. Jesus und die Wahrheit. Es ist schön, wenn Menschen uns bewundern und uns loben. Vielleicht haben wir etwas Tolles in Facebook gepostet oder etwas Schlaues gesagt. Vielleicht ist uns etwas gut gelungen und die Menschen spenden uns Beifall. Jesus wusste, dass die Wahrheit, die er in Nazaret sagen würde, nicht allen gefällt. Die Nachbarn, die ihn bisher immer als den lieben Sohn von Maria und Josef gesehen und behandelt hatten, wurden plötzlich herausgefordert. Und sie begannen, Jesus als hochmütig, vielleicht als arrogant anzusehen. Jesus verlor von einem Augenblick auf den anderen bei mehreren sein Ansehen. Aber: das war ihm nicht wichtig. Ihm waren die anderen, ihr Weg mit Gott, ihre Umkehr wichtiger. Wir spüren eine große Selbstlosigkeit in seinem Tun und eine ganz echte Liebe zu den anderen. Diese Selbstlosigkeit und Liebe wird ihm im Lauf seines öffentlichen Lebens noch viele Probleme bereiten; und eines Tages bringt sie ihn ans Kreuz.

3. Jesus und seine Macht. Beeindruckend, wie Jesus auf einmal majestätisch wird. Er verbirgt so oft seine Macht, um uns nicht zu erschrecken. Aber das ein oder andere Mal blitzt seine wahre Größe auf, z.B. in diesem Moment. Er richtet sich auf, sein Blick wird strenger und er schreitet friedvoll und majestätisch durch die Menge derer, die wütend geworden sind. Seine Zeit ist noch nicht da. Später wird er sich schlagen lassen und wird seine Macht wieder verbergen. Aber er trägt sie in sich. Auch heute, in meinem Leben. Wir sind Nachfolger eines mächtigen Freundes, der uns liebt und alles kann. Spüren die anderen das in unserem Alltag?

Gespräch mit Christus: Jesus, ich bin so beeindruckt von dir. Du bist so stark und gleichzeitig so gut. Ich möchte dich besser kennen lernen. Ich möchte dir ähnlich werden. Du bist so wahrhaftig. Niemals verbiegst du dich oder suchst nach der Anerkennung der Menschen. Lehre mich, vor dem Vater zu leben und einzig ihm die Ehre zu erweisen. Danke für dein großes Vorbild, mein Herr.

Möglicher Vorsatz: Ich will mich heute nicht verstellen und anderen nach dem Mund reden; sondern heute (und in Zukunft) will ich ganz echt sein.


Jesus und seine göttliche Vollmacht

1. September 2015

Dienstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Rut, Ahnfrau Jesu
Hl. Ägidius Abt
Hl. Verena, Einsiedlerin

P. Klaus Einsle LC

Lk 4,31-37
In jener Zeit ging Jesus hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte die Menschen am Sabbat. Sie waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er redete mit göttlicher Vollmacht. In der Synagoge saß ein Mann, der von einem Dämon, einem unreinen Geist, besessen war. Der begann laut zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der Dämon warf den Mann mitten in der Synagoge zu Boden und verließ ihn, ohne ihn jedoch zu verletzen. Da waren alle erstaunt und erschrocken und einer fragte den andern: Was ist das für ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen. Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Einführendes Gebet: Mein Herr und mein Gott, ich glaube an dich. Du bist nun da. In der Stille meines Herzens und meines Zimmers (dieses Raumes, dieser Kirche) bist du anwesend. Dein liebevoller Vaterblick ruht auf mir und auf allen Menschen. Blicke tief in mein Inneres. Ich lege es voll Vertrauen vor dich hin. Ich möchte dir ganz und gar vertrauen, wie ein Kind seinem guten und liebevollen Papa vertraut. Öffne mich. Gib mir deinen Geist des Friedens, der Freude und der Kraft. Danke, dass du dir für mich Zeit nimmst.

Bitte: Lass mich dich heute tiefer und besser erkennen und mehr auf deine Macht – auch in meinem Leben – bauen und vertrauen.

1. Jesus redet mit göttlicher Vollmacht. Wir merken es einem Menschen sehr schnell an, ob er das, was er sagt, wirklich ernst meint oder nicht. Man merkt einem Prediger sehr schnell an, ob er das, was er sagt, wirklich ernst meint oder nicht. Von manchen Predigern waren und sind die Menschen enttäuscht. Sie spüren, dass das oft nur eine Rolle ist, die sie spielen. Bei Jesus spüren die Leute auch etwas: Er redet anders als die anderen Prediger. Hier sagen sie „er redet mit göttlicher Vollmacht“. Später, als die Tempelwache Jesus gefangen nehmen soll, kehrt sie unverrichteter Dinge zurück und sagt genau dasselbe: „Noch nie hat jemand so gesprochen“ (Joh 7,46). Jesus redet nicht über Theorien. Er redet über das, was er gesehen, gelebt und erfahren hat. Er redet über das Leben Gottes, sein Leben.

2. Jesus handelt mit göttlicher Vollmacht. Die Worte und Taten Jesu stimmen überein. Ein Mann aus einem Guss. Er redet nicht nur klug, tut dann aber nichts. Nein, sein Wort und seine Tat sind eins. Göttliche Vollmacht in Worten, göttliche Vollmacht in Taten. Nur Gott hat Macht über die Welt der Geister, auch der bösen. Denn er hat alles geschaffen. Mit dieser Macht gebietet er. Und die geistige Welt gehorcht. „Schweig und verlass ihn.“ Hier wird seine Gottheit ganz deutlich. Daher waren die Menschen erstaunt, erschrocken und fasziniert. Jesus ist einzigartig. Auch in deinem Leben?

3. Jesus hat göttliche Vollmacht. Jesus ist mehr als nur ein begnadeter Mensch. Jesus ist Gott. Er ist der Allerhöchste, der Schöpfer des Universums, der sich aus Liebe zu uns Menschen herab begeben hat. Er verdient unsere Anbetung und unsere Hingabe. Aber wie schön, dass er sie nicht einfordert, sondern sie mit seiner eigenen, zarten und sanften Liebe zu uns gewinnen möchte. Was für ein wunderbarer Gott. Was für ein Jesus!

Gespräch mit Christus: Oh Herr. Ich sehe, wie groß, stark und erhaben du bist. Du bist wirklich Gott. Das ist so eine einfache Wahrheit, aber sie dringt so schwer in mein Inneres ein. Die Hostie, die ich am Sonntag zu mir nehme, der Jesus, mit dem ich im Gebet spreche, ist der unendliche Schöpfer, Gott. Gib mir deinen Geist, damit ich diese Wahrheit tief verkosten und leben kann.

Möglicher Vorsatz: Ich will mich heute, wenn ich bete, besonders andächtig bekreuzigen und eine respektvolle Haltung einnehmen. Wenn es geht, will ich mich hinknien.


Jesus, der in uns Menschen verliebt ist

2. September 2015

Mittwoch der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Ingrid OP, Priorin
Hl. Apollinaris Morel OFMCap, Märtyrer
Hl. Franz Urban, Märtyrer

P. Klaus Einsle LC

Lk 4,38-44
In jener Zeit verließ Jesus die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon hatte hohes Fieber, und sie baten ihn, ihr zu helfen. Er trat zu ihr hin, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu weichen. Da wich es von ihr und sie stand sofort auf und sorgte für sie. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle. Von vielen fuhren auch Dämonen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da fuhr er sie schroff an und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Messias war. Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern wegzugehen. Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen Judäas.

Einführendes Gebet: Mein Herr, ich glaube an dich. Du bist da. Ich bin auch da. Mit meinem ganzen Herzen, mit meinem ganzen Sinn. Wir beide sind da – beieinander. Ich hoffe auf dich, Herr. Nur du bist stark und gut und kannst mein Leben auch allen Anfeindungen zum Trotz auf dem rechten Weg führen. Und weil du mich liebst, wirst du es auch tun. Ich liebe dich, Herr. Mit meinem Denken, mit meinem Willen und mit meinem Fühlen. Ich bin klein vor dir – aber geliebt. Und das freut mich. In dieser Demut und Freude möchte ich nun bei dir sein.

Bitte: Jesus, du hast so viele geheilt. Heile auch mich – an Körper und Seele. Ich vertraue, dass du mich ändern und heil machen kannst. Ich lege vor dich vor allem meinen Wunsch, dass ich endlich… [persönliches Anliegen einfügen] kann. Danke, dass du mich erhörst. Dein Wille geschehe.

1. Jesus heilt die Kranken. „Er legte jedem die Hände auf und heilte alle.“ Was muss das für ein Erlebnis für die Menschen gewesen sein, dass Jesus so viele Menschen heilte. Sehr viele erlebten, dass sie selber oder einer ihrer Angehörigen krank war. Jesus sprach nur einen Befehl aus, legte nur einmal die Hand auf diese Menschen. Und sofort waren sie gesund. Wer ist dieser Jesus, der Kranke heilen kann? Was für eine Kraft wirkt da in ihm? Wer ist dieser Jesus für dich? Glaubst du mit lebendigem Glauben an ihn als Gott? Glaubst du, dass er dich und andere heilen kann? An Leib und Seele? Oder ist dein Glaube im Lauf der Zeit schwach und leblos geworden? Ist Jesus ein gezähmter Gott in deinem Leben? Im Leben deiner Pfarrei?

2. Jesus treibt Dämonen aus. „Von vielen fuhren auch Dämonen aus.“ Heute versucht man, diese Aussagen zu relativieren. Dämonen sind dann nur noch epileptische Anfälle oder andere Krankheiten, die man damals fälschlicherweise als Besessenheit interpretiert hat. Aber Jesus erklärt an anderer Stelle genau, was es damit zu tun hat, dass er den bösen Geistern gebietet: Das Reich Gottes kommt. Durch das Vertreiben des Bösen und dessen Urhebern (der bösen Geister) beginnt der Herr, in dieser Welt sein Reich zu errichten. Es ist das Reich des Guten, der Liebe und der Wahrheit. Auch heute bedarf es dieser Kraft und Gnade Gottes, damit sein Reich wachsen und sich ausbreiten kann.Bitten wir ihn, dass er auch heute das Böse vertreibt, überall dort, wo es sich aufhält und sein Unwesen treibt. Er hat diese Macht, weil er der Herr ist. Vertrauen wir ihm die ausweglosen Situationen an, wo anscheinend nur noch Spaltung, Hass, Unfrieden und Hoffnungslosigkeit herrschen und bitten wir ihn: Komm Jesus, und vertreibe mit dem Finger Gottes die Mächte der Dunkelheit. Bring dein Licht und deine Wärme in die Kälte des Hasses und der Spaltung.

3. Der zärtliche Gott. „Er trat zu ihr hin, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu weichen“. Aus dieser Geste Jesu spricht so viele Zärtlichkeit. Er ist kein Gott, der ständig mit seiner Macht Angst hervorruft oder Menschen ihre Kleinheit spüren lässt. Jesus verbirgt seine Gottheit so oft und lässt seine ganze Zartheit und Güte aufscheinen, damit wir diesem Gott vertrauen können. „Wir heißen Kinder Gottes“, sagt Johannes später mit Staunen und Begeisterung. Ein Kind hat keine Angst vor den Eltern, wenn diese gut sind. Jesus will, dass wir uns ihm, seinem Vater, dem Dreifaltigen als Kinder vertrauensvoll nähern. Ohne Angst und mit dem Bewusstsein, dass wir einen allmächtigen und guten Vater haben.

Gespräch mit Christus: Mein Herr und mein Gott. Danke für diesen Augenblick der Betrachtung. Danke, dass ich bei dir sein und deine gütige Liebe erfahren darf. Danke, dass du mich nach deinem Abbild formst und auch ich immer liebender werden darf. Richte meinen Blick und mein Herz immer mehr auf das einzig Notwendige: von dir geliebt zu werden und dadurch selber liebend zu werden.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute am Arbeitsplatz (der Schule, der Familie) einigen Menschen um Jesu willen besonders liebevoll und bewusst in die Augen sehen – eben mit dem liebevollen Blick Jesu.


Wenn Gott ruft, beginnt das Abenteuer

3 September 2015

Donnerstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Gregor der Große, Papst
Hl. Sophie von Minden, Märtyrerin

P. Klaus Einsle LC

Lk 5,1-11
In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

Einführendes Gebet: Guter Vater, ich möchte mich nun in die Stille begeben, um mit dir und deinem Sohn zu sein. Beruhige meine Gedanken, meine Vorstellung. Zieh sie an dich und bereite mein Herz. Du weißt, wie oft und wie einfach ich zerstreut bin und an anderes denke. Schenke mir ein Bild, das nun meine Phantasie festhält und mir hilft, bei dir zu bleiben. Ich stelle mir einen See vor, ein Boot und zwei Ruder. Mit denen rudere ich hinaus. Du sitzt in meinem Boot. Und weit draußen, wenn es ganz still geworden ist, will ich mit dir allein sein – und beten. Mach mich still – Frieden – Weite – Ruhe und Gelassenheit. Danke.

Bitte: Gib mir Klarheit in meiner Berufung. Hilf mir, sie deutlich(er) zu erfassen und ihr jeden Tag treu zu sein. Lass mich auf dem Weg festen Schrittes gehen, die Augen immer auf das Ziel gerichtet: das ewige Leben, den Himmel.

1. Petrus und seine Berufung. Simon (später wird er Petrus heißen) lebt ein einfaches Berufs- und Familienleben wie so viele andere Menschen auf dieser Welt. Nichts Besonderes: Arbeit, Familie, fischen, schlafen, die Ware auf dem Markt verkaufen…

Eines Tages tritt Gott in sein Leben ein. Alles ändert sich. Plötzlich bekommt sein Leben eine viel größere Dimension „Ich werde dich zu einem Menschenfischer machen“. Petrus erahnt noch nicht, was das alles bedeuten wird. Er hat noch keinen blassen Schimmer davon, dass er der erste Papst der anbrechenden Kirche sein wird. Jesus weiß es schon.So ist das immer, wenn Gott ruft. Er tritt in das konkrete Leben ein, beginnt leise einzuladen und zu rufen, und dann wächst die Berufung in etwas unendlich Wertvolles und Gnadenreiches. Der Gerufene weiß nie zu Beginn, was das alles noch mit sich bringen wird. Ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass er hört – auf das leise Rufen des Herrn im Alltag. Und dass er antwortet – großzügig und schnell. Und dass er schließlich den ersten Schritt geht – kleine und noch unsichere Schritte. Jesus führt dann immer weiter. Eine Liebesgeschichte, die in der Ewigkeit ihre Vollendung findet.

Welchen Schritt gehst du heute?

2. Die Berufung trifft immer auch das Umfeld. Als Petrus auf seinem Boot diese vielen Fische einholt, da ruft er seine Mitarbeiter und Kollegen zu Hilfe. Er schafft es nicht allein, er braucht andere dazu. Und indem andere helfen, werden auch sie vom Herrn gerufen, an seiner Sendung teilzunehmen.Plötzlich sehen sich auch Andreas, der Bruder von Simon, und das Brüderpaar Johannes und Jakobus in dieses Geschehen hineingezogen. Petrus wird, ohne es zu ahnen, zum Berufungssucher der drei anderen. So geht es auch uns oft, wenn wir den Weg mit Gott gehen: er macht unser Leben sofort fruchtbar, indem er durch uns andere mit hinein nimmt. Nicht so, wenn wir unseren Weg mit Gott verbergen und im Geheimen leben wollen. Dann zieht es keine Kreise. Aber wenn wir offen mit unseren Gotteserfahrungen, unserem Glauben umgehen, dann schon. Wie der Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht. Gottes Ruf ist sehr fruchtbar. Verbirg ihn nicht in deinem Alltag.

3. Gott ist gleichzeitig groß und gütig. Das typische Empfinden bei einer Begegnung mit Gott ist doppelt. Auch bei Petrus. Er spürt einerseits diese unsagbar gütige und milde Ausstrahlung der Liebe Jesu. Und gleichzeitig zieht es ihn vor der Macht und Größe, die er erahnt, auf die Knie. Diese beiden Bewegungen, in einem harmonischen Gleichgewicht, sollten auch unser geistliches Leben kennzeichnen. Wer in Gott nur den Großen, Mächtigen, Anbetungswürdigen sieht, wird schwerlich eine herzliche Beziehung zu ihm haben können. Wer hingegen Jesus nur zu seinem „Kumpel“ macht und seine Gottheit ganz aus den Augen verliert, der wird dem Großen im Herrn nicht gerecht.

Wie ist es bei dir: Bist du zu weit weg von Gott, weil er nur machtvoll in deinem Leben zu sein scheint? Oder verliert er seine Bedeutung, weil er nur Freund ist? Oder wächst die Harmonie beider Wahrheiten in deiner Seele, wenn du betest?

Gespräch mit Christus: Gott und Mensch, Macht und Milde, Kraft und Bedürftigkeit, Allmächtiger und Freund. Danke, dass ich in der Fülle dieser Beziehung leben darf. Danke, dass ich dein Kind und dein Gefährte bin. Du erhebst mich immer wieder. Nie erdrückst du mich. Du setzt mich frei vor allen inneren und äußeren Feinden und Widerständen. Danke, mein Gott, für deine übergroße Güte.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute voll Freude leben, ein Lächeln schenken, denn Gott ist jedem nahe und liebt uns alle.


Passt alt und neu zusammen? Was sagt der Bräutigam?

4. September 2015

Freitag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Suitbert, Bischof,
Hl. Rosalia
Hl. Ida von Herzfeld

P. Klaus Einsle LC

Lk, 5,33-39
In jener Zeit sagten die Pharisäer und Schriftgelehrten zu Jesus: Die Jünger des Johannes fasten und beten viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; deine Jünger aber essen und trinken. Jesus erwiderte ihnen: Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. Und er erzählte ihnen auch noch ein Gleichnis: Niemand schneidet ein Stück von einem neuen Kleid ab und setzt es auf ein altes Kleid; denn das neue Kleid wäre zerschnitten und zu dem alten Kleid würde das Stück von dem neuen nicht passen. Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Denn der neue Wein zerreißt die Schläuche; er läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.

Einführendes Gebet: Heiliger Geist, ich bereite mich auf diese Zeit mit dir vor. Hilf mir, gut zu beten. Du bist da. Du bist über mir, vor mir, neben mir, in mir. Du belebst mich und ordnest alles. Du bist die Liebe in Person, die ich ersehne und die mich beschenkt. Lass dieses Gebet gut gelingen. Hilf, dass Jesus und ich uns berühren können und dass alles in mir langsam neu und frisch und lebendig wird. Danke, dass du da bist. Ich liebe dich.

Bitte: Nimm mir die Angst, Neues zu wagen und schenke mir die Freude daran, Unfruchtbares in meinem Leben abzustoßen.

1. Der Bräutigam und die Hochzeitsgäste.  So manche Menschen haben eine Beziehung zu Gott, die nicht von Freude und Vertrauen geprägt ist. Obwohl sie beten und in die Kirche gehen, ist Gott doch weit weg; manchmal finden sie ihn grausam, weil er im Alten Testament Menschen töten lässt (richtiger also dargestellt, zuließ, dass unvollkommene Vorstellungen, wie die Notwendigkeit der Ausmerzung von Menschen, enthalten waren). Von einer Herzensbeziehung gibt es jedenfalls wenig.Wenn Jesus das Bild vom Bräutigam nimmt, dann will er damit vieles ausdrücken. Das Herz des Bräutigams – und durch den Vergleich auch das Herz Jesu – ist ein frohes. Es liebt die Braut und freut sich, es ist großzügig und lädt alle ein. Der Bräutigam nimmt die vielen herzlichen Bezeugungen der Nähe der Hochzeitsgäste voller Dankbarkeit und Liebe auf.

Ist das der Gott in deinem Leben: froh, voller Freude, großzügig, nahe, liebevoll, einladend? Wenn nicht, dann ist dieses Gebet heute ein guter Zeitpunkt, dein Bild von Gott im Gespräch mit ihm zu reinigen und der Wahrheit anzunähern.

2. Das neue und das alte Kleid. Wie einfach Jesus doch spricht: Niemand schneidet von einem neuen Kleid (einer neuen Jeans oder einem neuen Top) etwas heraus, um es auf die alte Kleidung zu nähen. Klar, macht keiner. Das wäre dumm. Aber was möchte Jesus mit diesem Gleichnis sagen? Er erklärt den Pharisäern (das alte Kleid im Gleichnis), dass jetzt etwas Neues beginnt, und dass man das nicht einfach auf das Alte aufnähen kann. Er sagt voraus, dass sich das alte Judentum, in dem die Pharisäer großgeworden sind, für viele ihr Zuhause bleiben wird; und viele werden es besser finden als das, was Jesus an Neuem bringt.Und diejenigen, die Jesus in seiner Neuheit kennenlernen, die werden nicht mehr zum Alten zurückkehren wollen.

3. Alt und Neu heute. Auch heute passiert das in ähnlicher Weise immer wieder. Da gibt es neue Aufbrüche des Glaubens, da gibt es Gruppen, in denen das Wirken Gottes so lebendig und frisch ist, dass die „alten“ Strukturen damit nicht klar kommen. Man kann das Neue nicht in das Alte zwängen, aber das Alte ist oft auch nicht fähig, sich dem Neuen anzupassen. Es darf also sein – und wird auch so sein, dass viel „Altes“ in der Kirche bleiben und sich wenig ändern wird. Gleichzeitig wird auch Neues entstehen und wachsen und immer mehr seinen Platz finden. Wir sollten für beides offen sein, keines absolut setzen und keines ausgrenzen. Es gibt nun mal alten und neuen Wein. Der Heilige Geist lässt sich nicht begrenzen. Was du auswählst, liegt bei dir. Tue es vor Gott und mit Ihm. Wenn das Herz lebendig wird, dann ist auch der Geist da.

Gespräch mit Christus: Mein Herr, nicht immer fällt es mir leicht, die gute Mitte zwischen zwei Extremen zu finden. Mehr beten, aber gleichzeitig so viel Arbeit? Nächstenliebe, aber gleichzeitig muss ich auch an mich denken! Freude an den Dingen dieser Welt, aber die Dinge des Glaubens sind eigentlich wesentlicher. Wagemutig sein, aber gleichzeitig nicht unvernünftig…Nur du, Heiliger Geist, kannst mir den rechten Weg zeigen. Gib mir Mut und Begeisterung, dass ich vielen Menschen den Weg zum Himmel zeigen kann und mich ganz für deine Anregungen öffne. Lass mich immer schnell „ja“ sagen zu dir.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute dreimal ganz schnell und entschieden „ja“ sagen, wenn ich in meinem Inneren die Einladung erhalte, etwas zu tun oder zu sagen, was von Gott kommt.


Wie wird der Glaube echt und lebendig?

5. September 2015

Samstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Sel. Mutter Teresa
Hl. Roswitha von Gandersheim, Chorfrau

P. Klaus Einsle LC

Lk 6,1-5
Als Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder ging, rissen seine Jünger Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen sie. Da sagten einige Pharisäer: Was tut ihr da? Das ist doch am Sabbat verboten! Jesus erwiderte ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren, wie er in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote nahm, die nur die Priester essen dürfen, und wie er sie aß und auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus fügte hinzu: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Einführendes Gebet: Denk du in mir, o Jesus, dann denk ich licht und klar.

Sprich du durch mich, o Jesus, dann sprech ich mild und wahr.

Wirk du in mir, o Jesus, gesegnet ist mein Tun;

geheiligt meine Arbeit, geheiligt auch mein Ruh´n.

Durchdring mein ganzes Wesen, erfüll mein ganzes Sein,

dass man in mir kann lesen die große Liebe dein.

Mach, dass ich hier auf Erden durch deiner Gnad´ Gewalt

kann allen alles werden. Herr, werd´ in mir Gestalt. Amen.

(Autor unbekannt)

Bitte: Herr, lehre mich beten. Erneuere du mich. Lass mich dich erfahren mit einem lebendigen Glauben.

1. Routine und das Wesentliche. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Das ist gut und gleichzeitig gefährlich. Auch im Glauben sind wir schnell in einer gewissen Routine gefangen. Die brauchen wir zwar, sie kann aber auch den Kern ersticken. Der Kern der Botschaft des Alten Testaments ist klar: Gott über alles und den Nächsten wie sich selbst zu lieben. Aber durch die Routine, durch das Erfüllen von Formeln und vieler Gesetze ist den Pharisäern das Wichtigste abhandengekommen. Sie lieben nicht mehr, sondern sie verachten, sind überheblich und kritisieren. Und das alles im Namen des Glaubens. Jesus lenkt den Blick auf das Wesentliche. Und wie sieht es bei dir aus?

2. Echter Glaube und tote Formeln. Wir glaubende und praktizierende Christen müssen auf der Hut sein. Es ist so leicht, auch zu „Formelvollziehern“ zu werden. Ein ganzer Gottesdienst kann zur Formel verkommen. Ein Gebet kann leere Formel werden. Unsere schönen Riten und Volksfrömmigkeiten können toter Vollzug sein oder werden.

Überlege nur einmal, was es für dich überhaupt bedeutet, ein Kreuzzeichen zu machen? Ist das lebendig oder Formel? Oder die Kniebeuge?Oder wenn du in der Messe antwortest „und mit deinem Geiste!“ und „wir haben sie beim Herrn“? Ist das echt? Ein Priester sagte einmal versehentlich „Erhebet die Füße“ (ohne Witz). Und alle Gläubigen antworteten, ohne zu zögern „Wir haben sie beim Herrn“.

3. Wie wird der Glaube echt? Mein Tipp: Vermeide jede Formelhaftigkeit im Gebet. Sei ganz echt, meine jedes Wort ernst. Und wenn du es nicht ernst meinst, dann sag es nicht. Diese absolute Echtheit beim Beten ist so viel wert. Erst dann öffnet sich der Zugang zu Gottes Herz. Denn er will echte Beziehungen, keine Show und kein Theater.Vermeide im persönlichen Gebet alle Floskeln. Sei echt. Sei du! Sei einfach, direkt und klar. Wenn du es nicht so meinst, dann sage nicht „Oh unnahbare Dreifaltigkeit, sei gepriesen und gebenedeit…“. Du könntest auch sagen „Mein himmlischer Vater (oder Papa), das hast du toll gemacht. Ich bin stolz auf dich.“ Ist das weniger ehrfürchtig? Ich glaube nicht. Wenn Gott mein Vater ist und ich sein Sohn, dann dürfen wir beide ganz vertrauensvoll miteinander reden.Schaue auf die Worte und Floskeln, die du jetzt nutzt, wenn du zu beten beginnst. Sind die echt, oder sind sie leer?Sei ganz echt, sei ganz du, meine es ernst. Du wirst sehen, wie schön und erfüllend die Beziehung zu Gott dann werden wird.

Gespräch mit Christus: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott, nimm alles mir, und gib mich ganz zu eigen dir.

(Gebet von Bruder Klaus von der Flüe)

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute in meinem Gebet jede leere Floskel und Formel vermeiden und mit Gott ganz so sprechen, wie ich immer rede, wie mit einem guten Freund.