Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. August 2015 bis Samstag 15. August 2015

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

Birgit Gams

Die Speise für das ewige Lebennt>Sonntag
Ein TauschgeschäftMontag
FamilienähnlichkeitDienstag
Aus Liebe zurechtweisenMittwoch
Zerissene SchuldscheineDonnerstag
Eine Vision von LiebeFreitag
Aufblicken zum SternSamstag


Die Speise für das ewige Leben

9. August 2015

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis

Birgit Gams

Joh 6,41-51
In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.

Einführendes Gebet: Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht, stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht: Lass die Schleier fallen einst in deinem Licht, dass ich selig schaue, Herr, dein Angesicht (nach Thomas von Aquin).

Bitte: Jesus, schenke mir heute die Gnade, dich im Sakrament der Eucharistie tief zu empfangen und anzubeten.

1. Menschen mit Hunger und Durst. Dieser großen Offenbarungsrede Jesu über das Brot des Himmels geht die wunderbare Speisung der Volksmenge am See Tiberias voraus. Danach machen sich die Menschen auf die Suche nach Jesus. Schließlich finden sie ihn in der Synagoge von Kafarnaum. Doch Jesus konfrontiert sie und sagt: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Doch müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt.“ (Joh 6,26-27) Jesus spricht unseren wahren Hunger und unseren wahren Durst an. Er lädt uns ein, unserer tiefsten Sehnsucht, den tiefsten Bedürfnissen unseres Lebens nachzugehen, denn Sehnsucht und Verlangen sind auch wesentliche Merkmale des Christentums. Wann immer Jesus Menschen aufforderte, ihm zu folgen, weckte er zunächst die Sehnsucht in ihnen. „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt.“ (Joh 7,37-38) Ein Mensch ohne Hunger, ohne Durst und ohne Sehnsucht kann Gott nicht finden. Er wird nicht verstehen, was Jesus ihm anbieten möchte. Heute fragt mich Jesus: Wonach hungerst und dürstest du?

2. Das verhärtete Herz. Ist es nicht seltsam? Das Volk Israel murrt im Buch Exodus, weil es in der Wüste nichts zu essen und zu trinken hat und im heutigen Evangelium murren die Juden, weil Jesus ihnen das Brot vom Himmel, sich selbst, geben möchte. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass das Murren eine Art Grundhaltung des Menschen ist. Doch Jesus fordert die Juden auf: „Murrt nicht!“ Mit anderen Worten: „Verhärtet nicht euer Herz! Bleibt nicht bei dem stehen, was ihr über mich zu wissen glaubt.“ Dann beginnt Jesus sich ihnen in seiner Rede als das Brot des Lebens zu offenbaren. Wie schnell werden wir unzufrieden und beginnen zu murren, wenn es in unserem Leben anders kommt als wir es erhofft und uns vorgestellt haben. Wie schnell sagen wir: „Herr, warum? Wie kann das sein?“ und wir verschließen unser Herz. Doch in jedem Augenblick unseres Lebens – auch in den schwierigsten und verwirrendsten Situationen – möchte sich uns Jesus in seiner Liebe offenbaren. Er bittet mich nur um die Offenheit meines Herzens.

3. Das Brot, welches das Leben gibt. Die Eucharistie ist das Geschenk des Vaters an die Welt, es ist das Sakrament der Unsterblichkeit. Jesus verspricht uns: „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“Die Worte Jesu übersteigen alles, was wir erfassen und uns vorstellen können. Das Brot des Lebens verändert den, der sich von ihm nährt. Wenn wir kommen, um Jesus in der Eucharistie zu empfangen, wiederholt er uns dasselbe, das er einst zu Augustinus sagte: „Nicht du wirst mich in dich verwandeln, sondern du wirst in mich gewandelt werden.“(Confessiones 7,10) Ich werde das, was ich empfangen habe. Glaube ich, dass der Empfang der Eucharistie mein Leben verändern kann und bin ich zu dieser Veränderung bereit?

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass du mich einlädst mit dem Murren aufzuhören und stattdessen tiefer zu schauen, immer tiefer auf dich und den Vater. Danke, dass du die Sicherheit meines Lebens bist, mein „Lebensbrot“, das mich stärkt, nährt und mir Ausdauer gibt. Danke für dein Leben durch das ich leben kann.

Möglicher Vorsatz: Wenn es mir heute nach „murren“ zumute ist, möchte ich tiefer schauen, tiefer fragen und meinen Blick auf Jesus und den Vater richten.


Ein Tauschgeschäft

10. August 2015

Montag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Laurentius, Märtyrer
Philomena; Asteria (Astrid)

Birgit Gams

Joh 12,24-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Einführendes Gebet: Jesus, ich komme zu dir mit meiner Sehnsucht dir zu folgen und für immer bei dir zu sein. Du weißt um meine Ängste. Trotzdem möchte ich alles loslassen und in deine Hand geben. Ich weiß, dass ich es zulassen kann, weil du alles hältst. Geh mit mir durch diese Zeit der Betrachtung und des Gebetes.

Bitte: Hilf mir, großzügig und mutig zu sein.

1. Reiche Ernte. Jesus ist in Jerusalem eingezogen. In seiner letzten öffentlichen Rede spricht er von sich selbst als dem Weizenkorn, das in die Erde fällt, stirbt und reiche Frucht bringt. Damit deutet er auf das Geheimnis der Kirche hin: Jesus wird in seinem Leiden zum gestorbenen Weizenkorn. Von diesem Weizenkorn her beginnt die große Brotvermehrung, die bis zum Ende der Zeit anhalten wird. Jesus ist das Brot des Lebens, das in Fülle für alle Menschen bereit steht. Die Kirche umfasst alle Völker der Erde, sie hat ihren Ursprung in der Hingabe des Lebens Jesu und sie wird geeint durch die Eucharistie, die das Geheimnis des Todes und der Auferstehung in sich trägt. Ich darf ein Glied dieser Kirche sein, eine Frucht der sich verschenkenden Liebe Jesu.

2. Der Schein trügt. Jesus spricht vom Verlieren und Gewinnen, vom Aufgeben und Wiederempfangen, von einem unsere ganze Existenz bestimmenden Tauschgeschäft. Wir sehnen uns nach Sicherheit und wir verwenden viel Energie darauf, die Risiken in unserem Leben zu verringern und unser Leben und das unserer Familie abzusichern. Doch der Schein trügt und was uns als sicher erscheint, steht oft auf schwankendem Grund. Jesus rüttelt uns auf und stellt unser Leben auf den Kopf: Der zu verlieren scheint, ist am Ende womöglich der Gewinner. Und wer alles gewonnen hat, steht am Ende mit leeren Händen da. Unser Glück liegt nicht in der Selbstverwirklichung und nicht in den Sicherheiten, die wir uns mühsam erarbeitet haben. Ich werde mich selbst gewinnen, wenn ich gelernt habe nicht nur immer auf mich selbst zu schauen. Nur wenn ich selbstvergessen schenken kann, finde ich mich selbst. Doch werde ich mich verlieren, wenn ich die Läden herunterlasse und möglichst nichts von meinem Leben preisgeben will. Jesus bittet mich, etwas von den Sicherheiten meines Alltags zu verschenken. Meine Zeit, meine Gaben, etwas von meinem Besitz im Tausch für eine neue Erfahrung: Die Erfahrung, dass nur Gott allein genügt und ich in ihm alles finden kann.

3. Um den Preis des eigenen Lebens. Jesus hat für die Liebe Zeugnis abgelegt, um den Preis seines eigenen Lebens. Für uns, die wir Jesus folgen möchten, beginnt der Kampf in dem Augenblick, wenn wir für Jesus Zeugnis ablegen sollen, auch wenn es zu unserem Nachteil ist oder es um den Preis unseres eigenen Lebens, unserer eigenen Existenz geht. Nie hat es eine größere Christenverfolgung gegeben als in unseren Tagen und es gehen Videos durch die Welt, die zeigen, wie Christen erhobenen Hauptes, den Blick zum Himmel gerichtet, ihren Henkern begegneten. Die noch einmal ein Gebet sprachen und deren letzte Worte, lauteten: Mein Herr Jesus! „Wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Mk 8,34-35) Diese Worte trösteten die ersten Märtyrer der Kirche. Der Heldenmut der Märtyrer ist nicht nur eine fromme Legende aus der Frühzeit des Christentums, sondern eine Realität auch in unserer Zeit. Wer fest genug glaubt, wer sein Leben im Herrn verankert, der fürchtet im Ernstfall keine Löwen, keine Folterqualen und auch nicht die Messer der verblendeten Mörder. Er kann voll Vertrauen in den Himmel schauen, wo der Vater bereits auf ihn wartet, um ihn zu ehren! Ich will mich der Fürsprache dieser Märtyrer anvertrauen und sie zum Vorbild für meinen Glauben nehmen. So wird ihr Martyrium nicht zu einer Niederlage, sondern zu einem Sieg, wie es Tertullian in seinem berühmten Wort bezeugt hat: „Das Blut der Märtyrer ist der Samen neuer Christen.“

Gespräch mit Christus: Jesus, du legst dich in meine Hände und in mein Herz, damit dein Wort in mir wachsen und Frucht bringen kann. Du schenkst dich durch den Tod des Weizenkorns hindurch, damit auch ich es wage, mein Leben zu verlieren, um es zu gewinnen; damit ich mich der Verheißung des Weizenkorns anvertraue. Hilf mir, dich mehr und aufrichtiger zu lieben und dich zu bekennen -auch dann, wenn ich auf Ablehnung und Unverständnis stoße. Wie das Weizenkorn aufsteht aus der Erde als Halm und Ähre, so bist du nicht im Grab geblieben. Lass mich in dieser Hoffnung froh sein und von dir Zeugnis ablegen.

Möglicher Vorsatz: Ich bete heute für meine Brüder und Schwestern, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden.


Familienähnlichkeit

11. August 2015

Dienstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Klara von Assisi OSCI
Hl. Nikolaus von Kues, Kardinal
Hl. Susanna von Rom, Märtyrerin

Birgit Gams

Mt 18,1-5,10,12-14
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.

Einführendes Gebet: Jesus, ich komme zu dir mit meiner Schwachheit und meinem Unvermögen, aber auch mit dem Wunsch etwas Schönes und Gutes aus meinem Leben zu machen. Lass das heutige Evangelium ein Licht auf meinem Weg zu dir sein, damit ich auf mein Leben mit deinen Augen schaue.

Bitte: Hilf mir, mein Leben nicht nach den Maßstäben der Welt zu beurteilen, sondern zeige mir was in deinen Augen groß ist.

1. Ein Kind ist uns geschenkt. Jesus ist so viel daran gelegen, dass unsere Beziehung zum Vater der seinen ähnlich ist. Wann immer er vom Vater spricht, spricht er wie ein Sohn, der voller Liebe und Bewunderung auf seinen Vater schaut und weiß, dass er alles, was er ist, von ihm empfangen hat. Er ist ein Kind, ein Sohn, und auf diese Weise tritt Jesus auch in die Welt ein. In der Haltung eines Kindes vertraut er sich Maria und Josef an. Er wird Mensch, um uns zu Kindern Gottes zu machen und für uns die Sohnschaft zu erlangen. „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,4-5).

2. Jesus im Herzen. Heilig sein heißt nicht Fehler in meinem Herzen zu suchen und sie herauszuschneiden, bis keine mehr da sind. Heilig sein heißt, ganz von Gott erfüllt sein. Wenn ich auf meine Fehler und Unvollkommenheiten schaue, möchte ich oft ganz mutlos werden und aufgeben. Aber Jesus ist ein kleines Kind geworden, um mir zu zeigen, dass er mitfühlen kann mit meiner Schwäche. Wenn ich mir meiner Fehler so bewusst bin und dann Jesus in der Eucharistie empfange, denke ich oft, dass Jesus sich in meinem Herzen nicht wohlfühlen kann, weil so viele Dornen darin sind. Aber Jesus ist als Kind in einem Stall geboren zwischen Ochs und Esel, um mir zu zeigen, dass er sich wohlfühlt in mir. Jesus, komm immer wieder in mein Herz!

3. Das Kleine in der Welt hat Gott erwählt. Jesus macht unmissverständlich klar, dass er die Kleinen unter seinen persönlichen Schutz gestellt hat. „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten!“ Paulus bekräftigt dies im ersten Korintherbrief (1,27-29): „…das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,…und das Schwache,… und das Niedrige,…damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott“ (1,27-29. Ein Mensch, der wie ein Kind geworden ist, der aus sich nichts besitzt und sich deshalb nicht rühmen kann, ist bereit, sich von Gott beschenken zu lassen und von ihm alles zu empfangen. Der Vater im Himmel wird das Vertrauen seines Kindes nicht enttäuschen.

Gespräch mit Christus: Vater, du bist jeden Augenblick mit mir verbunden und du umarmst mich in der Wirklichkeit, in der ich lebe. Du bist mitten in meinem Alltag und nicht außerhalb von ihm. Lass mich deine Umarmung in meinem Leben erkennen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute in meiner Arbeit für einen Moment innehalten und mir bewusst machen, dass ich als geliebtes Kind vor Gott lebe.


Aus Liebe zurechtweisen

12. August 2015

Mittwoch der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Johanna Franziska von Chantal OVM
Radegunde
Karl Leisner

Birgit Gams

Mt 18,15-20
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Einführendes Gebet: Jesus, ich danke dir für diese Zeit des Gebetes und der Betrachtung. Du bittest uns in Eintracht und Frieden miteinander zu leben. Ich bringe dir die Situationen, in denen mir das schwer fällt, und vertraue mich deiner Führung und Barmherzigkeit an.

Bitte: Hilf mir, dass diese Betrachtung fruchtbar für mein Leben wird.

1. Brüderliche Zurechtweisung. Jesus zeigt uns verschiedene Wege auf, wie wir uns verhalten sollen, wenn jemand an uns schuldig geworden ist. Er möchte, dass wir auf den zugehen, der etwas gegen uns hat, um ihm die Versöhnung anzubieten (vgl. Mt 5,23f). In der Bergpredigt lädt er uns ein, auf Gegenwehr zu verzichten, wenn uns jemand etwas Böses antut! (vgl. Mt 5,38-41) Heute zeigt er uns noch einen anderen Weg: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn … zurecht“. Häufig neigen wir dazu wegzuschauen. Das Leid, die Not, der Streit der andern sind uns unangenehm und wir möchten lieber nicht mit hineingezogen werden. Sind wir selbst vom Unrecht eines andern betroffen, schweigen wir oft und ziehen uns von ihm zurück. Jesus mahnt uns angesichts der Sünde unserer Mitbrüder nicht einfach still zu verhalten, verlangt aber auch nicht, im Leben der anderen so lange herumzustöbern, bis wir einen Fehler oder eine Schwäche finden, um ihn dann zu verurteilen. Wenn wir jemanden auf einen Fehler hinweisen, dann soll es aus Liebe geschehen, und nicht um ihm zu schaden oder um uns über ihn zu erheben.

2. Erlösende Worte. Ein einziges Wort kann alle Spannungen lösen, den anderen aus einer heiklen Situation befreien oder einen Menschen zum Lächeln bringen. Oft genügt auch schon ein einziger Blick oder einfach das Zuhören, und ein Mitmensch ist verwandelt. Bin ich mir dessen bewusst, dass ich durch mein Handeln und meine Reaktion auf ein erlittenes Unrecht den andern von seiner Schuld und seiner Scham befreien oder ihn durch mein Schweigen und meinen inneren Rückzug noch tiefer an sein Unrecht binden kann? Manchmal besteht die größere Liebe auch darin, eine Schuld öffentlich zu machen, anstatt sie zu vertuschen. Immer wieder brauchen wir die Unterscheidungsgabe des Geistes, damit wir erkennen können, wann wir schweigen und wann wir reden sollen.

3. Vergebung der Sünden In jeder Beichte verkündet uns der Priester im Namen Gottes die frohe Botschaft: „Ich spreche dich los von deinen Sünden!“ Von dieser Autorität, den Himmel an die auf Erden zur Heiligung der Gläubigen entschiedenen Fragen zu binden, leitet die Kirche die Macht her, Sünden zu vergeben. Diese Gnade gehört zum Kern ihres Mysteriums und Dienstes. Die Kirche ist nicht eine Gemeinschaft von Vollkommenen, sondern von Sündern, die zugeben müssen, dass sie der Liebe Gottes bedürfen und es nötig haben, von Gott gereinigt zu werden (vgl. Kat. 1445).

Gespräch mit Christus: Jesus, zeige mir, wo ich die Einheit verhindert habe, weil in meinem Herzen kein Friede war. Wo hatte ich zwar Recht, aber keine Liebe? Wo habe ich dem andern das Wohlwollen versagt? Wo die Wahrheit missbraucht, um dem anderen gehörig meine Meinung zu sagen? Befreie mich von Überempfindlichkeit, wenn jemand an mir schuldig wird. Lehre mich zu unterscheiden, wann ich schweigen soll und wann es die Liebe erfordert zurechtzuweisen.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute im Gebet einen Mensch vor Gott bringen, mit dem ich noch unversöhnt bin und ich bitte den Heiligen Geist mir zu zeigen, wie ich mich verhalten soll. Ich entscheide mich, dieser Person mit Wertschätzung und Offenheit zu begegnen.


Zerissene Schuldscheine

13. August 2015

Donnerstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Pontianus und Hippolyt, Märtyrer
Hl. Wigbert OSB
Hl. Gerold, Bischof

Birgit Gams

Mt 18,21-19,1
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

Einführendes Gebet: Jesus, ich komme zu dir, um bei dir zu sein und auf dein Wort zu hören. Ich weiß, dass du mich rufst, wenn ich ins Gebet gehe. Du möchtest mein Gesicht sehen und meine Stimme hören. Jesus, ich will mit einem offenen Herzen zu dir kommen und nichts vor dir verbergen.

Bitte: Jesus, lass mich klar und aufrichtig vor dir sein.

1. Bin ich bereit zu vergeben? Jesus erzählt das Gleichnis eines Mannes, der einen ganzen Berg von Schulden beim König hat. Aber der König ist barmherzig und erlässt dem Diener die Schuld. Seinerseits fehlt es dem Mann jedoch an Größe und Einsicht, denn er ist nicht einmal bereit, einem Kleinschuldner von ihm entgegen zu kommen. Wie oft empfangen wir die Vergebung von Gott und wie schwer kann es für uns sein, denen, die an uns schuldig geworden sind, von Herzen zu vergeben! Denn wie kann ich dem vergeben, der mein Vertrauen enttäuscht, meinen Ruf ruiniert oder meine Ehre verletzt? Oft klagt unser Herz an. Doch vor Gott hat keiner ein Anrecht, ob er auch in dieser Welt als Sieger oder Verlierer, als Kläger oder Richter auftritt, denn alle bedürfen seiner Gnade.

2. Schmerzliche Wahrheit. Der Diener ist nicht bereit, weiterzugeben, was er selbst empfangen hat. Das tun wir alle, mal in kleineren, mal in größeren Dingen. Die unangenehme Wahrheit ist: Wenn wir anderen unseren beruflichen oder häuslichen Ärger erzählen, schließen wir meist nicht die Punkte ein, die einen Schatten auf unsere eigene Verantwortung werfen. Für die eigenen Fehler finden wir leicht Entschuldigungen und mildernde Umstände, doch leicht reden wir unbarmherzig über die unserer Nachbarn oder Mitarbeiter. Die Barmherzigkeit Gottes ist grenzenlos. Wir empfangen sie immer wieder als Geschenk. Doch dieses Geschenk verpflichtet uns umso mehr, wahrhaftig auf unser Leben zu schauen, unsere eigene Unbarmherzigkeit zu erkennen und Jesus in der Liebe und Barmherzigkeit nachzueifern.

3. Sich an Jesus halten. Als der König von der Unbarmherzigkeit seines Dieners hört, verwandelt sich seine Barmherzigkeit in Zorn. Dies zeigt uns, wie wichtig es für Jesus ist, dass die Kinder Gottes vergebungsbereit sind, so wie Gott auch uns seine Vergebung schenkt.. Wir erweisen uns als Kinder Gottes, wenn wir Frieden stiften und die Menschen erkennen daran unsere Zugehörigkeit zur Gottesfamilie. Erst wenn wir vergeben haben, finden auch unsere Gebete Gehör. Die Vergebung räumt die Altlasten aus dem Weg und bewirkt, dass sich das Reich Gottes auf Erden ausbreiten kann. Jesus weiß, wie schwer uns die Vergebung oft fällt und er ist bereit uns zu helfen. „Je enger ihr euch an Jesus haltet, umso mehr werdet ihr fähig, euch auch untereinander nahe zu sein; und in dem Maß, wie ihr konkrete Gesten der Versöhnung vollzieht, werdet ihr Vertraute seiner Liebe werden.“ (Johannes Paul II., Botschaft zum 12. Weltjugendtag, 1997)

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist den Weg ans Kreuz gegangen, ohne Hass und Groll gegen deine Peiniger. Ich bringe dir die Menschen, die mich verletzt haben, damit aus mir jeder Wunsch nach Vergeltung verschwindet. Ich bringe dir auch die Male, wo ich nicht vergeben und um Verzeihung gebeten habe: Schenk mir ein Herz, das bereut und das sanft und demütig ist, wie dein Herz.

Möglicher Vorsatz: Ich entscheide mich, einem Menschen nicht nachzutragen, was er mir angetan hat und versuche zu verstehen, was mein eigener Anteil an den Differenzen ist. Ich bitte um die Gnade, einen Schritt der Vergebung tun zu können, indem ich mein Verhalten ändere.


Eine Vision von Liebe

14. August 2015

Freitag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maximilian Maria Kolbe, Märtyrer
Hl. Meinhard CanA, Bischof

Birgit Gams

Mt 19,3-12
In jener Zeit kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen? Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will? Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so. Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

Einführendes Gebet: Jesus, ich danke dir, dass wir aus Liebe und für die Liebe geschaffen sind. Ich danke dir, dass du uns so geschaffen hast, dass wir Liebe empfangen und Liebe geben können.

Bitte: Schenke mir, dass ich nicht auf mich selbst bezogen bleibe, sondern mich aufrichtig hingeben kann.

1. Gottes ursprünglicher Plan. Die Pharisäer stellen Jesus eine Frage: „Darf man seine Frau aus der Ehe entlassen?“ Doch Jesus lässt sich nicht in moralische Streitfragen verwickeln, ohne vorher sicherzustellen, dass genügend Licht auf sie geworfen wird, um sie zu lösen. So hebt er das Gespräch auf eine ganz andere Ebene: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.“ (Mt 19,8) Jesus möchte, dass wir nicht auf unsere Gebrochenheit schauen und diese zum Maßstab unseres Handelns nehmen. Vielmehr richtet er unseren Blick auf den „Anfang“, auf die ursprüngliche Schönheit und Unversehrtheit des Menschen vor dem Sündenfall. Jesus offenbart uns den ursprünglichen Plan Gottes für die Liebe. Er kennt aber auch unsere Gebrochenheit und führt uns auf den Weg der Liebe und der Erlösung.

2. Gott ist treu. Die Liebe Gottes ist treu – das ist eine Gewissheit, die sich durch die ganze Heilige Schrift zieht. Jesus hat dieses Treueversprechen mit der Hingabe seines eigenen Leibes besiegelt und dafür am Kreuz all unsere Sünden auf sich genommen. Am Tag unserer Hochzeit erinnern wir uns an diese treue Liebe Gottes und versprechen, einander die Treue zu halten in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod uns scheidet - so wie Jesus es getan hat. Ein solches Versprechen abzulegen erscheint vielen Menschen unmöglich und gestützt auf unsere eigenen Kräfte wäre es das auch. Doch gestützt auf die Liebe Gottes ist die Treue möglich.

3. Ein Vorgeschmack des Himmels. Wie reagieren die Jünger auf die Worte Jesu über die Ehescheidung? „Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es besser nicht zu heiraten.“ Doch Jesus fordert seine Jünger noch mehr heraus. Von frühester Jugend an waren die Juden vertraut mit der Verheißung Gottes an Abraham, dass dieser ihn fruchtbar und zum Vater vieler Völker machen wird. (Gen1,28) Und es gab die Verheißung, dass der Messias aus Abrahams Same hervorgehen wird. „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären...“ (Jes 7,14). Diejenigen, die nicht in der Lage waren, Kinder zu zeugen und zu empfangen, galten als von Gott verworfen und aus seinem Königreich ausgeschlossen. Doch nun sagt Jesus, dass Männer und Frauen es freiwillig auf sich nehmen würden, sich für den Rest ihres Lebens zu enthalten - um des Himmelreiches willen. Eine solche Wahl war für die Jünger nicht einfach zu verstehen. Doch so wunderbar die Ehe und die eheliche Intimität in diesem Leben auch sein mögen, sie bleiben immer nur ein Vorgeschmack, eine Vorbereitung auf das, was noch kommt, die Hochzeit des Lammes. Der Mensch, der um des Himmelreichs willen zölibatär lebt, gibt seine ganze Sehnsucht nach Liebe und Gemeinschaft mit einem Ehepartner hin und tut das um der Liebe Christi willen, im Hinblick auf diese ewige Hochzeit mit Christus im Himmel.

Gespräch mit Christus: Jesus, du schenkst uns verschiedene Weisen, dir zu folgen und die Liebe zu leben. Ich danke dir für das Zeugnis der Liebe, dass mir Männer und Frauen geben, die um des Himmelreiches willen ehelos leben. Ich bitte dich, dass unsere Ehen und Familien ihnen in der Liebe nicht nachstehen. Ich danke dir für jeden Menschen, der in seinem Stand und in seiner konkreten Lebenssituation dir nachfolgt und sich hingibt. Lass uns alle tiefer verstehen, dass wir einander brauchen und gemeinsam die Kirche bilden.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute ein konkretes Zeichen der Liebe setzen für eine gottgeweihte Person: durch ein Gebet, eine Ermutigung oder eine konkrete Unterstützung.


Aufblicken zum Stern

15. August 2015


Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

Birgit Gams

Lk 1,39-56
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Einführendes Gebet: Blick auf zum Stern! Rufe Maria!Wenn du ihr folgst, kommst du nicht vom Weg ab.Wenn du sie bittest, wirst du nicht verzweifeln.Wenn sie dich hält, wirst du nicht stürzen.Wenn sie dich schützt, hast du nichts zu fürchten.Wenn sie dir gut ist, kommst du ans Ziel! (nach Bernhard von Clairvaux)

Bitte: Maria, lass mich teilhaben an deiner Schönheit.

1. Selig ist die, die geglaubt hat. Maria macht sich auf den Weg. Sie hat den Sohn Gottes empfangen und Gott nimmt in ihrem Leib Fleisch an. Maria ist die erste Zeugin der Menschwerdung Gottes und sie tut, was jeder Zeuge Christi tun sollte: Sie macht sich auf den Weg. Maria war eine sehr junge Frau und alles war für sie aufregend genug. Ihr ganzes zukünftiges Leben hing an der Botschaft, die ihr der Engel gebracht hatte. Es wäre so verständlich, wenn sie vor Freude und Aufregung Tage und Wochen ganz mit ihrem eigenen Schicksal beschäftigt gewesen wäre und ganz vergessen hätte, was um sie herum geschah. Doch sie hatte den Engel sagen hören, dass Elisabeth bereits im sechsten Monat schwanger sei. Diesen Hinweis hat sie als einen Impuls Gottes aufgenommen, um sich auf den Weg zu Elisabeth zu machen und ihr behilflich zu sein.

2. Eine Begegnung im Bergland. Zunächst wollte Maria wohl einfach bei Elisabeth sein, ihre Zeit zur Verfügung stellen. Gott aber hat diesen Dienst angenommen, um seine Geschichte weiterzuschreiben. Es kommt zu einer vorgeburtlichen Begegnung zwischen dem Erlöser, Christus, und seinem Propheten, Johannes. Johannes erkennt die Mutter des Herrn, es ist seine erste Begegnung mit Christus. Gott ist schon in die Welt gekommen und das Geschöpf begrüßt seinen Schöpfer. Im Johannesprolog hören wir die Klage: „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Doch hier in dem kleinen Dorf im Bergland von Judäa wird Christus aufgenommen von Johannes, Elisabeth und Maria.

3. Das Lied Marias. Maria war sich der Bedeutung dieses Augenblicks bewusst, denn sie stimmt nach der Begrüßung durch Elisabeth ihr Lied an: Meine Seele preist die Größe des Herrn. Maria bringt ihr einfaches, verborgenes junges Leben mit den Taten Gottes in Verbindung. Sie stellt ihr persönliches Geschick in die großen Zusammenhänge der Heilsgeschichte. Das kleine Nazareth und das Bergland von Judäa werden zu Orten, an denen Gott handelt. So kann Gott auch bei uns scheinbar unbedeutenden Menschen seine Heilsgeschichte weiterschreiben. Wir können in jeder Stunde, die uns geschenkt ist, bei jeder Tätigkeit, die wir ausüben, die Brücke zum Herrn finden und ihm alles bringen, was uns gerade widerfährt. Nichts ist für ihn zu klein und unbedeutend.

Gespräch mit Christus: Maria, heute möchte ich dir ganz gehören. Ich schenke mich dir, damit du aus meinen kleinsten Handlungen, Gedanken und Worten ein schönes Geschenk für Jesus machst.

Möglicher Vorsatz: In einem Moment in dem ich heute auf mich selbst bezogen bin, will ich an jemanden denken, der meine Hilfe braucht und eine kleine Tat der Nächstenliebe vollbringen.