Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. Juli 2015 bis Samstag 1. August 2015

Siebzehnte Woche im Jahreskreis

Ellen Petermann

Fünf Brote und zwei FischeSonntag
Kleine Ursache – Große WirkungMontag
UnkrautDienstag
Individuelle HingabeMittwoch
Nur Gott allein darf richtenDonnerstag
Prophet im eigenen LandFreitag
Schlimmer geht es nichtSamstag


Fünf Brote und zwei Fische

26. Juli 2015

Siebzehnter Sonntag im Jahreskreis
Hll. Joachim und Anna, Eltern der Gottesmutter

Ellen Petermann

Joh 6,1-15
In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Einführendes Gebet: Jesus, wenn ich erfahre, dass meine menschlichen Kräfte nicht ausreichen, dann will ich noch mehr auf dich und deine göttliche Vorsehung vertrauen.

Bitte: Herr, ich glaube, mehre mein Vertrauen!

1. Bedürfnisse. Manchmal reicht es einfach nicht. Wir haben nur „fünf Brote und zwei Fische“, doch gibt es so viele Bedürfnisse! Auch die Menschen zur Zeit Jesu hatten viele Bedürfnisse, und Jesu Ruf als Heiler lockte die Massen an. Das Bedürfnis, ihn zu sehen, einmal vielleicht nur den Saum seines Gewandes berühren zu können, war so groß gewesen, dass sie alles stehen und liegen gelassen hatten und ihm gefolgt waren. Ja, sie hatten noch nicht einmal Proviant mitgenommen. Getrieben von ihrer Sehnsucht, vom Verlangen, in seiner Nähe zu sein, vielleicht Hilfe und Heilung zu erlangen, harrten sie aus und nahmen den Hunger und alle Unannehmlichkeiten in Kauf. Ich selber kann täglich gut gesättigt und ohne Unannehmlichkeiten ganz nah bei Jesus sein; zum Beispiel kann ich ihn in einer Kirche besuchen. Er wartet dort auf mich. Welche Bequemlichkeiten halten mich eigentlich davon ab? Oder habe ich nicht das Bedürfnis wie die Menschen von damals, Jesus aufzusuchen?

2. Hunger leiden. Vor einer solchen Menschenmenge nehmen sich die fünf Brote und zwei Fische verschwindend gering aus. Eine große Diskrepanz besteht aber auch zwischen der Anzahl von Menschen, die gerade jetzt, da Sie diese Zeilen lesen, Hunger leiden und dem Überschuss unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Im Wohlstand die einen, ohne Überlebenschance die anderen. Bin ich mir bewusst, dass mein Sattwerden nicht selbstverständlich ist? Gehe ich mit dem, was ich habe, verantwortungsbewusst um? Kann ich teilen, oder lasse ich mich vom Lebenshunger treiben und lebe in Maßlosigkeit und Überfluss? Außerdem leiden unzählige Menschen ganz großen Hunger in ihrer Seele, in ihrem Herzen. Da gibt es Hunger nach Liebe, nach Trost und Zuwendung. Dieser Hunger kann sehr quälend sein und furchtbar wehtun. Auch diesen Hunger möchte Jesus stillen. Wir müssen unsere Herzen weit machen, Jesus im Gebet, im Kreuz und in der Eucharistie aufsuchen, ihn hineinlassen und ihm vertrauen. Jesus wartet darauf, unseren Hunger zu stillen.

3. Jesus gibt im Übermaß. Unserer manchmal ausschweifenden, die Dinge für uns in Anspruch nehmenden Lebensweise, steht Jesu verschwenderisches Austeilen der Speisen gegenüber. Der Text schildert es: Jesus schenkt mehr als zum bloßen Überleben notwendig ist. Die Menschen werden nicht nur gerade so satt, sondern es bleibt noch viel übrig. Jesus gibt den Menschen so viel sie wollen. Das deutet schon auf einen Überfluss hin. Jesus gibt in Fülle, in verschwenderischem Übermaß. Es geht hier also nicht um eine einmalige Stillung irdischen Hungers, sondern um das Heil des ganzen Menschen. Denn Jesus gibt uns das Brot des Lebens, sich selbst. Wir haben Anteil an ihm, und so ist uns eine Sättigung geschenkt für die Ewigkeit, eine Heilung, die über das irdische Leben hinausgeht.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir für das Geschenk deines Lebens. Auch mich quält oft ein nagender Hunger nach deiner Liebe. Manchmal bringt mich mein mangelndes Vertrauen in deine Vorsehung und deine Weisheit zum Zweifeln. Mach mich beständig in der Suche nach dir.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute ganz bewusst etwas mit jemandem teilen.


Kleine Ursache – Große Wirkung

27. Juli 2015

Montag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Berthold, Mönch
Hl. Natalie, Märtyrerin

Ellen Petermann

Mt 13,31-35
In jener Zeit erzählte Jesus der Menge ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse; er redete nur in Gleichnissen zu ihnen. Damit sollte sich erfüllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund und rede in Gleichnissen, ich verkünde, was seit der Schöpfung verborgen war.<

Einführendes Gebet: Vater, in meiner ganzen Kleinheit komme ich jetzt zu dir, um zuzuhören, was du mir zu sagen hast. Vielleicht ist es nur ein kleiner Auftrag, den du heute für mich vorgesehen hast, vielleicht aber werde ich auch mutig sein müssen.

Bitte: Herr, lass mich ein unerschrockener Apostel für dein Reich sein.

1. Winzigkeit. Jesus erklärt den Menschen das Reich Gottes anhand von Gleichnissen und wählt dazu alltägliche Vorgänge, die die Menschen gut nachvollziehen können. Im Gleichnis vom Senfkorn vergleicht Jesus das Wachstumspotential des Reiches Gottes mit dem eines Senfkornes: So wie dieses überaus winzig kleine Körnchen zur größten Pflanze unter den Feldpflanzen heranzuwachsen vermag, so wird auch das anfänglich kleine Reich Gottes mit der Zeit zum größten aller Reiche werden. Wie sieht es mit dem Reich Gottes in meinem Herzen aus? Hege und pflege ich das kleine Pflänzchen meines Glaubens auch fürsorglich? Ich muss es nähren durch eine persönliche, tiefe Beziehung zu Gott, der die Quelle allen Wachstums ist. Dann kann auch das winzig kleine Körnchen meines Glaubens zu einer großen Pflanze heranwachsen.

2. Verborgenheit. Das Gleichnis vom Sauerteig spielt auf das Durchsetzungsvermögen des himmlischen Reiches an. Gottes Reich wirkt als Ferment für die ganze Gesellschaft. Im Vergleich zur Masse scheint der Anteil des Sauerteiges entmutigend gering zu sein. Ja, der Sauerteig ist sogar ganz schnell im Mehl verborgen, er geht darin unter, man sieht ihn gar nicht mehr. Dennoch vermag dieser Sauerteig den ganzen Teig zu durchsäuern, ihn zu verändern, wenn man ihn geduldig und mit Ausdauer knetet und ziehen lässt. Dieses Gleichnis provoziert und tröstet zugleich: Wir sind aufgerufen, Sauerteig zu sein. Und selbst wenn wir wenige sind, sollen wir als unerschrockene Missionare die Gesellschaft mit dem Geist Gottes erfüllen, denn das Reich Gottes hat die Welt schon erfasst, auch wenn man es noch nicht sehen kann, weil es wie der Sauerteig noch verborgen ist.

3. Unscheinbarer Anfang. Ist es uns nicht allen schon so ergangen: Da ist eine Idee oder ein Wunsch, ein kleiner zaghafter Gedanke, eine Sehnsucht, oder sogar eine ganz konkrete Vision, die uns vorschwebt. Wir fühlen uns zu etwas gedrängt, würden gern etwas bewirken, etwas in die Tat umsetzen. Aber dann sehen wir die Hindernisse, die größer zu sein scheinen als die Hoffnung auf ein glückliches Gelingen unseres Vorhabens. Allzu oft lassen wir uns dann abschrecken. Aber Gott macht es uns im Schöpfungs- und Heilsgeschehen vor: Täglich können wir wahrnehmen, wie aus kleinen Dingen Großartiges entstehen kann, wenn wir geduldig sind und zuversichtlich. Wenn wir Gott mit hineinnehmen in unser Vorhaben. Die Vorfreude auf das Große, das wir sicher erwarten dürfen, soll unsere Herzen entzünden und die notwendige Energie liefern, den kleinsten Anfang zu wagen, um mit Gottes Hilfe etwas Großes zu erreichen. Will uns das Jesus nicht mit diesen beiden Gleichnissen vermitteln?

Gespräch mit Christus: Vater, ich danke dir für meine Kleinheit, denn sie lässt mich demütig sein. Ich schenke dir meine Kleinheit, denn ich weiß, dass du wunderbare Dinge damit tun kannst. Schenke du mir Vertrauen, Zuversicht und Durchhaltevermögen, damit mein kleines Samenkorn wächst und ich ein mutiger Zeuge meines Glauben sein kann.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich jemandem, der verzweifelt ist über die aktuelle Situation der verfolgten Christen, Mut zusprechen.


Unkraut

28. Juli 2015

Dienstag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Innozenz I., Papst
Hl. Benno von Osnabrück, Bischof

Ellen Petermann

Mt 13,36-43
In jener Zeit verließ Jesus die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Einführendes Gebet: Allmächtiger Vater, auch wenn du jetzt nicht sichtbar vor mir stehst, weiß ich, dass du da bist, ganz tief in mir. Du kennst mich von Ewigkeit her, besser als ich mich je kennen werde. Ich möchte dir meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und mich durch nichts und niemanden ablenken lassen.

Bitte: Herr, schenke mir offene Ohren und erfülle mich mit deinem Heiligen Geist, damit ich höre und verstehe, was du mir in Liebe sagen möchtest.

1. Das gute Saatgut. Dieses Gleichnis trägt apokalyptische Züge, denn es ist hier vom Ende der Welt, vom jüngsten Gericht die Rede. Jesus redet auch nicht mehr zur großen Menge, sondern er hat sich in ein Haus zurückgezogen, und er spricht zum exklusiven Kreis seiner Jünger. So erhalten seine Jünger eine Art Wissensvorsprung, um für das Ende gut gerüstet zu sein. Jesus redet in aller Offenheit. In diesem Gleichnis repräsentiert der Same Menschen, die auf Gottes Acker gesät werden. Jesus selbst sät die Kinder seines Reiches als guten Samen in die Welt. Auch dich und mich hat er als Kinder des Reichs in diese Welt gesät. Er hat uns erwählt für sein Reich und er verspricht sich viel davon. Dass wir fleißige und gute Arbeiter sein werden und einmal reiche Frucht bringen. Am Ende der Welt wird Gott uns in sein Reich einziehen lassen, und wir werden prachtvoll und herrlich leuchten wie die Sonne.

2. Erntearbeiter. Aber der Teufel, dem Gottes Reich ein Dorn im Auge ist, und der es immer bekämpfen und zerstören will, hat viel schlechten Samen, das Unkraut, dazwischen gesät. Als Kinder Gottes müssen wir also überall auf der Welt mit den Kindern des Bösen zusammenleben. Diese Koexistenz verursacht viele Probleme und großes Leid. Mancher mag sich fragen, was Gott sich dabei gedacht hat. Hätte er nicht von Anfang an das Unkraut ausrotten können? Er ist doch allmächtig! Gott hingegen lässt beides, Gut und Böse, miteinander wachsen bis zur Ernte. Dann wird aber auch der Unterschied ganz klar sein, denn jeder wird mit seinen freien Entscheidungen gezeigt haben, wes Geistes Kind er ist, und Gottes Gericht wird als gerecht offenbar. Seine Erntearbeiter, die Engel werden ihre Arbeit tun und allem Bösen wird in Ewigkeit ein Ende bereitet sein.

3. Wer Ohren hat, der höre. Welche Kenntnis vermittelt uns dieses Gleichnis über Gott? Wir erfahren hier etwas über Gottes weise Voraussicht. Er kennt unsere Lage in dieser Welt, unseren Kampf und die Gegner seines Reiches. Nichts ist seiner Kontrolle entzogen oder unvorhergesehen. Positiv gesehen, können, ja sollen wir als gute Saat, als Kinder Gottes im Hinblick auf unsere herrliche Zukunft leben, ungeachtet des Bösen, das uns täglich begegnet. Wir sollen wachsen und reife Frucht bringen, dann wird Gott uns am Tag der Ernte reichlich belohnen und wir werden große Herrlichkeit erlangen. Dieses Gleichnis ist für die aktuelle Phase, in der sich Kirche und Glaube befinden, hochaktuell.

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir, dass du mich dazu auserwählt hast, gute Saat für dein Reich zu sein. Manchmal fühle ich mich von einem Wald von Unkraut umgeben und habe Angst, davon erdrückt zu werden. Dann brauche ich deine Hilfe, um nicht mutlos zu werden und die Müdigkeit meines Geistes abschütteln zu können.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich als Antwort auf Gottes Ruf ganz bewusst das Glaubensbekenntnis beten und um Jesu willen allem Bösen widersagen.


Individuelle Hingabe

29. Juli 2015

Mittwoch der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Marta von Betanien
Hl. Ladislaus von Ungarn
Hll. Luzilla und Flora, Märtyrerinnen

Ellen Petermann

Lk 10,38-42
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Einführendes Gebet: Jesus, du kennst mich durch und durch. Du siehst meine Hingabe im Gebet, aber auch im täglichen Dienst an den Nächsten. Deine Liebe zu mir ist immer gleich und unabhängig von meinem Verhalten. Das weiß ich, und dafür danke ich dir.

Bitte: Jesus, oft ist meine Liebe armselig und klein. Entzünde sie täglich neu!

1. Maria. Jesus ist unterwegs nach Jerusalem und macht einen Besuch bei Marta und Maria. Marta tritt zunächst als Hauptperson auf, denn sie ist es, die Jesus in ihr Haus aufnimmt und sofort beginnt, für ihn zu sorgen. Maria setzt sich zu Füßen ihres Herrn und lauscht gebannt seinen Worten. Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt nur ihm, sie hängt an seinen Lippen und nimmt jedes Wort auf, das er sagt. Alles andere scheint in diesem Moment unwichtig geworden zu sein. Ihre Haltung ist die einer Schülerin, die von ihrem Meister lernen möchte. Ganz klar räumt sie Jesus die erste Stelle in ihrem Leben ein. Auf jeden Fall sollen auch wir immer offene Ohren für das haben, was Jesus uns sagen möchte. Oftmals sind wir zu beschäftigt und abgelenkt. Wir schieben „wichtige“ Dinge vor und haben keine Zeit für das Gebet. Jesus hat es verdient, den ersten Platz in unserem Leben einzunehmen, vor allem und vor allen anderen.

2. Marta. Marta hat die Lage gut erkannt. Jesus ist mit den zwölf Aposteln angekommen. Das sind alle Männer mit großem Hunger. Sie wird ein Essen zubereitet haben. Es ist nicht gesagt, dass Marta dem, was Jesus erzählt, nicht zuhört, denn Wohnraum und Küche sind ein einziger Raum. Marta hört also auch zu, aber sie übt gleichzeitig eine zweite Tätigkeit aus, und das ist ihre „Diakonia“, ihr Dienst am Nächsten. Obwohl Marta an Maria den Anspruch stellt, sie solle ihr helfen, tadelt Jesus sie nicht wirklich. Er sagt lediglich, Maria habe den besseren Teil gewählt, den man ihr nicht nehmen dürfe. Jesus wertet also in keiner Weise Martas Hingabe ab, sie soll aber ihre Schwester Maria nicht von dem abbringen, was sie selbst zu tun gewählt hat.

3. Verschiedene Berufungen in der Nachfolge. Marta und Maria sind leibliche Schwestern und beide möchten Jesus mit ganz verschiedenen Formen der Hingabe, Taten und Aufgaben, aber mit gleicher Absicht und Andacht verehren. Beide sind Jüngerinnen, beide wollen sich mit Jesus befassen und sich von ihm herleiten, denn in ihm findet sich sowohl das aktive wie das kontemplative Leben. Die Hauptaussage dieser Bibelstelle ist wohl, dass es in der Nachfolge Jesu verschiedene Berufungen gibt und geben darf. Diese Berufungen laufen parallel und dürfen nicht oberflächlich miteinander verglichen oder gegeneinander ausgespielt werden. Jesus liebt mich um meiner selbst willen, er möchte meine ganz persönliche Hingabe und meinen Dienst, auch wenn mein Tun und Beten noch so hilflos, klein und armselig ist, denn seine Maßstäbe sind nicht von dieser Welt.

Gespräch mit Christus: Jesus, auch ich laufe oft Gefahr, in Aktivismus zu verfallen, weil ich es allen Menschen recht machen möchte und meine Kräfte falsch einschätze. Manchmal verliere ich dann für kurze Zeit den Kontakt zu dir, weil ich zu sehr mit mir und meinen Dingen beschäftigt bin. Wenn ich es bemerke, ist es oft zu spät. Gerade dann brauch ich dich, um wieder umkehren und in deinen barmherzigen Armen zur Ruhe kommen zu können.

Möglicher Vorsatz: Ich will mir heute Zeit nehmen und meinen konkreten Weg in der Nachfolge Christi betrachten. Ich will nachdenken, auf welchen Weg Gott mich geschickt hat.


Nur Gott allein darf richten

30. Juli 2015

Donnerstag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Petrus Chrysologus, Kirchenlehrer
Hll. Friedrich Rubio und 69 Gefährten

Ellen Petermann

Mt 13,47-52
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.

Einführendes Gebet: Herr, ich bin gekommen und möchte diese Zeit jetzt ganz mit dir allein verbringen. Vielleicht ist mein Herz noch unruhig und meine Gedanken sind noch bei anderen Dingen, aber ich vertraue, dass dein Geist der Liebe mich durch diese Meditation allen Zerstreuungen zum Trotz führen wird.

Bitte: Vater, bitte schenke mir dieses Vertrauen in deinen Heiligen Geist und nimm alles weg, was sich diesem Vertrauen entgegensetzt.

1. Schleppnetz. Wieder spricht Jesus zu seinen Jüngern, und wieder geht es um das Verständnis des Himmelreiches. Und noch einmal wählt er ein Beispiel aus dem Alltag seiner Jünger, denn einige von ihnen sind Fischer. Er redet vom Fischfang, von einem Netz. Es muss sich um ein großes Netzt handeln, vielleicht um eine Art Schleppnetz, denn es werden viele Fische aller Art gefangen. Vielleicht ist dieses Netz ein Bild für die Kirche. Dieses Gleichnis hat eine ähnliche Bedeutung wie das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. In beiden Gleichnissen finden sich Elemente von Gut und Böse. Es geht hier allerdings nicht in erster Linie um die Koexistenz von Gut und Böse, sondern vornehmlich um deren Trennung.

2. Menschenfischer. Die Auslese, die gehalten wird, deutet hin auf das Weltgericht. Durch andere Bibelstellen wissen wir, dass Jesus, der Herr, selber die Trennung von Gut und Böse vornehmen wird (vgl. Mt 25 und Joh 5,22). Doch diese Stelle lehrt uns, dass dabei auch den Engeln eine Rolle zukommen wird, indem sie nämlich die Auslese in seinem Auftrag durchführen. Auf diese Weise wird uns Gott selbst als der große Menschenfischer vorgestellt, der in der Kirche sein Netz über die Menschheit auswirft, Gut und Böse einsammelt und mithilfe der Engel die Guten als Gute identifiziert und herausfischt. Diejenigen, die Jesus in seine Nachfolge beruft, sollen ihm zur Hand gehen. Sie sollen Menschen vor dem drohenden göttlichen Gericht bewahren, indem sie ihnen das Evangelium verkünden und zur Umkehr verhelfen. Auch sie sollen dadurch Menschenfischer werden.

3. Nur Gott richtet. Jesus wusste nur zu gut, wie gerne wir Menschen Gut und Böse fein säuberlich getrennt hätten und wie voreilig wir unsere Schlüsse ziehen. Wie oft fälle ich mein Urteil über jemanden, ohne überhaupt genau über die Begleitumstände informiert zu sein und über seine Beweggründe Bescheid zu wissen! Vielleicht möchte ich für klare Verhältnisse sorgen und Leute „aussortieren“, die unbequem oder einfach befremdlich sind? Aber wir dürfen nicht „vor der Zeit“ richten, denn bis zum jüngsten Gericht besteht für jeden Menschen, solange er lebt, die Möglichkeit, umzukehren, Buße zu tun und sich zu verändern. Nur Gott allein weiß, wie es um das Herz eines jeden Menschen steht. Meine Aufgabe ist es nicht, Menschen zu beurteilen, sondern sie liebevoll im Netz der Kirche aufzufangen, ihnen Hilfe anzubieten und vor allem für sie zu beten.

Gespräch mit Christus: Vater, ich danke dir. Ich habe etwas gelernt. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Schwächen habe, aber ich weiß, dass ich immer auf deine ungeteilte Liebe und große Barmherzigkeit zählen kann.

Möglicher Vorsatz: Heute werde ich mich bemühen, niemanden zu verurteilen.


Prophet im eigenen Land

31. Juli 2015

Freitag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Ignatius von Loyola SJ
Hl. Germanus von Auxerre, Bischof

Ellen Petermann

Mt 13,54-58
In jener Zeit kam Jesus in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen dort in der Synagoge. Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun? Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder? Leben nicht alle seine Schwestern unter uns? Woher also hat er das alles? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat und in seiner Familie. Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.

Einführendes Gebet: Mein Vater, heute komme ich zu dir, um zu beten. Ich weiß, dass du schon auf mich wartest, dass du dich nach mir sehnst. Ich möchte hören, was du mir zu sagen hast, und ich möchte dir antworten. In aller Einfachheit bin ich vor dir und weiß, dass ich ohne dich nichts vermag.

Bitte: Herr, ich bitte dich um die Gnade, deine Weisheit in meinem Leben zu erkennen.

1. Der Sohn des Zimmermanns. In seiner Heimatstadt hat Jesus nur wenige Wunder gewirkt. Für die Menschen dort war er eben nur der Sohn des Zimmermanns, ein ganz gewöhnlicher Mensch. Ein Zimmermann war ein Arbeiter, ein einfacher Mann, dem keine große Bildung eigen war, der aber seine Arbeit gewissenhaft und ordentlich auszuführen hatte. Und jetzt kommt dieser Jesus daher, der ja lediglich der Sohn dieses Zimmermanns ist, geht in die Synagoge und will die Menschen belehren. Diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun, kann er unmöglich von seinem Vater Josef haben. Was für eine Anmaßung von ihm, er muss ein Betrüger sein! Was bildet er sich eigentlich ein, wer er ist?! Sie lehnen ihn ab, weil sie meinen, er halte sich für etwas Besseres. Sie möchten nicht von seinen Lehren hören.

2. Jesus, Sohn der Maria. „Sohn des Zimmermanns“ ist offenkundig eine abwertende Bezeichnung für Jesus. Die Menschen wollen ihn nicht als Sohn Gottes sehen, sondern eben als Sohn des Zimmermanns, von dem eh noch nie viel zu erwarten war, wie denn dann von seinem Sohn. Aber was hat Josef alles getan: Er stand zu Maria und verließ sie nicht, stand Maria bei der Geburt bei und rettete seine kleine Familie vor den Soldaten des Herodes. Jesus, Sohn des Zimmermanns! Aber auch Jesus, Sohn der Maria und Jesus, Sohn Gottes, geboren von der Jungfrau Maria! Das ist schon etwas ganz Anderes. Aber das wollen die Menschen nicht sehen, denn dann wäre es nicht mehr so einfach, ihn abzulehnen, dann hätte sich Gott tatsächlich unvorstellbar erniedrigt.

3. Gegen die Wand reden. Ergeht es uns nicht oft genauso wie Jesus in seiner Heimat, wenn wir bei Freunden und Bekannten, ja selbst in der eigenen Familie Zeugnis von unserem Glauben ablegen möchten? Wollen die Menschen dann wirklich hören, was wir zu sagen haben, was unser Herz erfüllt? Manchmal stoßen wir auch hier auf heftigen Widerstand und es entstehen hitzige Diskussionen oder man bekommt überhaupt keine Antwort mehr. Halten wir es auch hierin wie Jesus: Er hat seine Herkunft nicht geleugnet, ja er hat die Seinen geliebt und aus der Ablehnung, die er in der eigenen Heimat erfahren hat, kein Aufhebens gemacht. Er war sogar bereit, jene zu heilen, die doch noch zu ihm kamen und freute sich über ihren Glauben. Sind wir bereit, in der Nachfolge dessen zu stehen, der ein Zeichen war, dem widersprochen wurde?

Gespräch mit Christus: Vater, in dieser Meditation hast du mir viel Trost gespendet. Viel leichter kann ich jetzt Widerstände und Ablehnung ertragen, denn ich weiß, Jesus ist es genauso ergangen. Schenke mir in diesen Situationen Klugheit und Gelassenheit.

Möglicher Vorsatz: Heute bete ich ein Gesätz vom Rosenkranz für alle Menschen, die sich vom Glauben abwenden.


Schlimmer geht es nicht

1. August 2015

Samstag der siebzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Alfons Maria von Liguori CssR
Hl. Peter Faber SJ

Ellen Petermann

Mt 14,1-12
In jener Zeit hörte der Tetrarch Herodes, was man von Jesus erzählte. Er sagte zu seinem Gefolge: Das ist Johannes der Täufer. Er ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und in Ketten ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen. Der König wollte ihn deswegen töten lassen, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn man hielt Johannes für einen Propheten. Als aber der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen. Und sie gefiel Herodes so sehr, dass er schwor, ihr alles zu geben, was sie sich wünschte. Da sagte sie auf Drängen ihrer Mutter: Lass mir auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes herbringen. Der König wurde traurig; aber weil er einen Schwur geleistet hatte noch dazu vor allen Gästen -, befahl er, ihr den Kopf zu bringen. Und er ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Man brachte den Kopf auf einer Schale und gab ihn dem Mädchen und sie brachte ihn ihrer Mutter. Die Jünger des Johannes aber holten den Leichnam und begruben ihn. Dann gingen sie zu Jesus und berichteten ihm alles.

Einführendes Gebet: Herr, du weißt, dass ich ein Sünder bin, und ich weiß, dass ich immer wieder zu dir zurückkommen kann. Du wartest mit offenen Armen auf mich, um mir zu vergeben. Deine Barmherzigkeit ist grenzenlos. Ich komme zu dir, als dein geliebtes Kind, und du schenkst mir Vergebung.

Bitte: Vater, lass nicht zu, dass ich jemals von dir weglaufe.

1. Menschliche Verderbtheit. Herodes ist von dem Wahn besessen, Jesus sei die Reinkarnation Johannes des Täufers. Für das Volk war Johannes ein Prophet und nur deshalb hatte Herodes ihn am Leben gelassen und ins Gefängnis geworfen. Johannes hatte ihm ob seines sündigen Lebens ins Gewissen geredet. Doch anstatt seine Sünden zu bekennen, Buße zu tun und umzukehren, hatte Herodes Johannes ins Gefängnis werfen lassen. Was sich dann durch die arglistige Verschwörung einer Ehebrecherin und ihrer zügellosen Tochter ereignet, ist ein erschreckendes Zeugnis menschlicher Verderbtheit, wie man es sich kaum schlimmer vorstellen kann.

2. Die Liebe der Jünger des Täufers. Erst im letzten Satz dieses Evangeliumsabschnittes kehren jene Nüchternheit und Traurigkeit ein, wie sie die Wahrheit vermittelt und wie sie der Rausch dieses zügellosen und mörderischen Festes zu vernebeln vermochte. Ein Heiliger ist tot. Und die, die ihn liebten, sind von Trauer erfüllt. Seine Jünger nehmen seinen Leichnam und begraben ihn. Dann bringen sie Jesus die Nachricht vom Tod seines Cousins. Tröstlich ist das Zeugnis der Liebe der Jünger und die Gewissheit, dass diese Gräueltat Johannes direkt in die ewige Gegenwart seines Schöpfers gebracht hat.

3. Meine eigene Sündhaftigkeit. Diese Bibelstelle, in der wir über derartig ungeheuerliche Ereignisse erfahren, sollte uns lehren, wie wichtig es ist, uns von unseren Sünden abzukehren, solange noch Zeit dazu ist und was geschehen kann, wenn wir immer wieder den Ruf zur Umkehr ignorieren. Irgendwann können unsere sündigen Neigungen zu festen Verhaltensmustern werden, die wir nicht mehr abzuschütteln vermögen. Es ist besser, das Steuer frühzeitig herumzureißen, als weiter in die verkehrte Richtung zu laufen und vor Gott unsere Schuld anwachsen zu lassen.

Gespräch mit Christus: Barmherziger Vater, schenke mir wahre Erkenntnis meiner Sünden, tiefe Reue und den festen Willen zur Umkehr. Lass mich ein liebender Jünger sein und Zeugnis davon geben.

Möglicher Vorsatz: Ich nehme mir vor, bei nächster Gelegenheit zur Beichte zu gehen.