Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. Juni 2015 bis Samstag 4. Juli 2015

Dreizehnte Woche im Jahreskreis

P. Karl Maurer LC, P. Bertalan Egervári

Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheiltSonntag
Auf diesen Felsen baue ich meine KircheMontag
Warum habt ihr solche Angst?Dienstag
Wie viel ist mir Jesus wert?Mittwoch
Wohin es mein Herz ziehtDonnerstag
Der Finger in der WundeFreitag
Der göttliche BräutigamSamstag


Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt

28. Juni 2015

Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Karl Maurer LC

Mk 5,21-43
In jener Zeit fuhr Jesus im Boot ans andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Sofort hörte die Blutung auf und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein. Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jaïrus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Einführendes Gebet: Jesus, ich wünsche mir so sehr einen Glauben, der lebendig ist. Nichts wünsche ich mir mehr als einen Glauben, der mich im Innersten mit dir verbindet. Bitte schenke mir den Mut, dass ich mich mit dem gleichen tiefen und einfachen Glauben an dich wende wie die Frau, die den Saum deines Gewandes berührte.

Bitte: Ich bitte dich um ein einfaches Herz.

1. Viele waren Jesus körperlich nahe. Wie schön wäre es gewesen, wenn wir Jesus persönlich kennen gelernt hätten! Wer von uns hat denn nicht schon einmal solche oder ähnliche Gedanken gehabt? Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber doch genügt es nicht, ihn einfach nur gesehen oder „berührt“ zu haben. Das zeigt uns die heutige Evangeliumsstelle ganz klar. Der Heilige Augustinus kommentiert diese Stelle mit den Worten: „Viele haben Jesus leiblich berührt, diese Frau aber mit ihrem Glauben“.

2. Das Berühren mit dem Glauben. Dieses Berühren ist uns allen möglich. Was aber bedeutet denn eigentlich glauben? Es bedeutet festhalten und mit seinem ganzen Leben fest verwurzelt sein in dem, was man nicht sieht. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: dass ich mich ganz auf Jesus und seine Wort verlassen kann: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Vgl. Lk 21,33). Von diesem Glaubensgeist erfüllt können wir mit Paulus sagen: „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet“. (2 Kor 4,13).

3. Von Jesus ging eine Kraft aus. In demselben Augenblick als die Frau ihn berührte, fühlte Jesus, dass von ihm eine Kraft ausströmte. Das ist eine sehr bemerkenswerte Stelle im gesamten Neuen Testament. Der Glaube des Menschen und das Geschenk der heilenden Gnade Gottes stehen in einem ganz tiefen Verhältnis zueinander. Dort wo echter Glaube ist, fließt die Gnade.

Gespräch mit Christus: Jesus, du weißt wie schwach mein Glaube oft ist. Mir geht es da ähnlich wie dem Vater, der sein krankes Kind zu dir brachte und rief: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24) Jesus, du hast diesen Vater nicht abgewiesen und hast das Kind geheilt. Du wirst auch mich von meinem Unglauben heilen, wenn ich mich dir nur ohne „Masken und Schminke“ zuwende.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte mich heute ganz ehrlich und aufrichtig, ohne „wenn und aber“, ohne „Masken und Schminke“ Jesus in einem kurzen Gebet zuwenden und um die Vermehrung meines Glaubens bitten.


Auf diesen Felsen baue ich meine Kirche

29. Juni 2015

Montag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hll. Apostel Petrus und Paulus

P. Karl Maurer LC

Mt 16,13-19
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Einführendes Gebet: Jesus, ich danke dir, dass du deiner Kirche ein festes Fundament gegeben hast. Keine Macht vermag dieses Fundament zu erschüttern, weil du selbst es gelegt hast. Du hast Petrus deine Kirche anvertraut. Und von Petrus ausgehend hast du die Kirche durch die Jahrtausende bis hin zu unserem Papst Franziskus begleitet.

Bitte: Bitte erhalte und mehre in mir meine Loyalität zum obersten Hirten der Kirche. Ich bitte dich, dass dabei nicht die persönliche Sympathie zu dem einen Papst oder zu dem anderen im Vordergrund stehen mag. Vielmehr soll es der Glaube an dein Wort sein, das für jeden Papst gilt.

1. Für wen halten die Leute den Menschensohn? Jesus wurde von den meisten Zeitgenossen verkannt. Ähnlich geht es heute den Päpsten. Sie sind ja die Stellvertreter Christi auf Erden. Im Leben Jesu gab es Momente, in denen ihm alle zujubelten (Palmsonntag) und Momente, in denen die aufgewiegelte Menge rief: „Ans Kreuz mit ihm!“ (Karfreitag). Unser Glaube aber soll nicht wie ein „wankendes Schilfrohr sein“. Paulus beschreibt diesen, sagen wir einmal von den „Medien“ abhängigen Glauben sehr gut: „Wir wollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt.“ (Eph 4,14).

2. Wir wollen nicht mehr unmündige Kinder sein. Die „Welt“ versucht uns mit ihrer Verschlagenheit zu täuschen. Sie versucht, uns einzureden, dass wir unmündige Kinder sind, wenn wir dem Papst und dem Lehramt der Kirche folgen. Wem aber folgen wir, wenn wir in Fragen des Glaubens und der ethischen Überzeugungen nicht dem Stellvertreter Christi folgen? Den Dogmen der Gesellschaft mit ihren selbsternannten „Päpsten“? Meinungen, die verbreitet werden, ohne dass wir genau wissen, wer sie letztlich zu verantworten hat? Oder uns selber und unseren vielleicht begrenzten Einsichten? Das Urteil der Kirche ist im Schmelztiegel der Jahrhunderte gereift. Wird unser Urteil oder das der heutigen Gesellschaft aus eigener Kraft vor Gott genauso bestehen?

3. Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart. Natürlich lebt ein mündiger Christ seinen Glauben in Freiheit! Allein der Glaube macht wahrhaft frei, denn nur ein lebendiger Glaube verschafft uns Zugang zur Erlösung, die uns wiederum von der Sünde und dem Gefangen sein in uns selbst befreit. Unser Glaube an das Petrusamt gründet nicht auf einer Meinung, sei es die eigene oder der anderer Menschen, sondern im Wort Gottes. Jesus hat Petrus in sein Amt eingesetzt, um der Kirche in den wichtigsten Fragen über den Glauben und das christliche Leben Einheit und Wahrheit zu schenken. Wenn der Papst sein Lehramt ausübt und „ex cathedra“ spricht, dann erfüllt sich auch heute das Wort, das Jesus zu Petrus gesagt hat: Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Gespräch mit Christus: Jesus, du hast in Petrus und Paulus zwei unermüdliche Apostel gehabt. Was für ein wunderbares Zeugnis gab uns Paulus, als er alles, was er tat und lehrte, dem ersten Apostelkonzil vorlegte: „Ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin.“ (Gal 2,2).

Möglicher Vorsatz: Ich möchte als mündiger Christ unseren christlichen Glauben immer besser kennen und aus diesem Glauben heraus leben. Dazu werde ich eine aktuelle Lehre der Kirche im Lichte des Lehramts vertiefen oder mich darüber erkundigen.


Warum habt ihr solche Angst?

30. Juni 2015

Dienstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Otto von Bamberg, Bischof
Hl. Ernst von Prag, Bischof
Hl. Donatus

P. Karl Maurer LC

Mt 8,23-27
In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, und seine Jünger folgten ihm. Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief. Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde! Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein. Die Leute aber staunten und sagten: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?

Einführendes Gebet: Jesus, ich möchte, dass du das Ruder meines Lebens in die Hand nimmst. Es gibt ein wunderbares Bild, auf dem ein kleiner Junge das Steuerrad eines Schiffes auf tobendem Meer in Händen hält. Sein Gesicht ist mit Zuversicht und Ruhe erfüllt. Hinter dem Jungen steht Jesus und umschließt ihn mit seinen Armen. So möchte auch ich durch das Leben gehen.

Bitte: Herr, mein Unglaube macht sich immer wieder bemerkbar, wenn sich schwierige Situationen ergeben und dunkle Wolken in meiner Seele aufziehen. Ich bitte dich, vermehre meinen Glauben.

1. Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los. So ist unser Leben auf dieser Erde. Oft ganz unvorbereitet verändert sich alles von einem Moment auf den anderen: ein tragischer Unfall, eine Krankheit, eine Enttäuschung... . Beherzigen wir die Worte Jesu im Gleichnis über die fünf klugen Jungfrauen! Sie hatten außer ihren brennenden Lampen auch noch Öl mitgebracht, denn es brannten nicht nur ihre Lampen, sondern auch ihre Herzen. Neben dem äußeren Feuer gab es ein inneres. Das Feuer der Lampen, das wir als unseren guten äußeren Gemütszustand betrachten können, kann vom Sturm ausgelöscht werden. Dann kommt es darauf an, dass bei uns das innere Feuer der Liebe zu Christus noch weiter brennt, dass wir auf ihn zugehen, ihn um Hilfe bitten und unser Glaube belohnt wird.

2. Warum habt ihr solche Angst? Die Jünger hatten Angst. Und auch wir haben oft Angst, wenn wir von widrigen Lebensumständen hin und her gerüttelt werden. Uns fehlt die innere Flamme. Dieses innere Feuer ist ein lebendiger Glaube, der uns mit der Person Jesu verbindet. Die Jünger sehen Jesus schlafen und meinen, dass sie nun untergehen werden. Auch uns kommt es oft so vor, als ob Jesus schlafen würde, und wir meinen in unserer Hilflosigkeit, dass unser Leben untergeht. Wenn wir mehr lebendigen Glauben hätten, dann würden wir uns diese Sorgen nicht machen brauchen.

3. Rette uns! Obwohl der Glaube der Jünger an Jesus noch klein war, taten sie doch etwas ganz entscheidend Wichtiges: Sie gingen in ihrer Not zu Jesus. So birgt jede Not die Chance, das innere Feuer des Glaubens wieder neu zu entfachen. Genau das können auch wir immer wieder tun und sagen: „Jesus, ich möchte all meine Not offen vor dich hinlegen. Du kannst mich retten. Dir ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben. Du weißt, was für mich am besten ist. Du kannst wieder vollkommene Ruhe in mein Leben einkehren lassen.“ Das aus dem Herzen kommende Gebet, das von Liebe und Glaube getragen ist, ist das „Feuerzeug“, mit dem man seinen Glauben wieder entfachen kann.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich will dir einfach immer mehr vertrauen. Ich weiß, dass du uns nicht von allem Leid dieser Welt befreihst. Das Leid ist Teil unseres Lebens. Du aber willst alles mit deiner Liebe erfüllen – auch das Leid und besonders das Leid. Ich danke dir für deine Nähe.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte meine persönliche Gebetsweise finden, um den Funken eines lebendigen Glaubens, immer wieder neu in mir entfachen zu können.


Wie viel ist mir Jesus wert?

1. Juli 2015

Mittwoch der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Theoderich OSB
Hl. Eckart OPraem

P. Karl Maurer LC

Mt 8,28-34
Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet von Gadara, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeiführte. Sofort begannen sie zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen? In einiger Entfernung weidete gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde! Er sagte zu ihnen: Geht! Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. Und die ganze Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um. Die Hirten flohen, liefen in die Stadt und erzählten dort alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war. Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

Einführendes Gebet: Jesus, ich danke dir für deine Nähe und für deine Freundschaft, die mein Leben mit Licht und Freude erfüllen. Bitte, lass nie zu, dass für mich ein menschlicher Vorteil wichtiger ist als du.

Bitte: Ich bitte dich um die Treue zu unserer Freundschaft. Ich bitte dich auch um die Gnade, dass diese Freundschaft immer tiefer wird und mein ganzes Leben umfasst.

1. Was habe ich mit dir zu tun? Die Dämonen kannten Jesus. Der richtige Informationsstand über Gott allein hilft uns recht wenig. Man kann tausend Dinge über den Glauben wissen. Doch was nützt das, wenn es um Freundschaft und Liebe geht? Mehr noch, Information ohne innere Anteilnahme, verzerrt die Wirklichkeit, denn Fakten, denen kein tieferer Sinn abzugewinnen ist, sind letztlich unmenschlich, bringen niemandes Herz in Schwingung. Erkennen im biblischen Sinn bedeutet innere Anteilnahme. So möchte ich nun im Gebet auch mein Inneres Gott öffnen: „Herr, alles in meinem Leben hat mit dir zu tun.“

2. Die Hirten liefen in die Stadt und erzählten dort alles. Die Hirten erzählten, was sie gesehen hatten: Tausende von Schweinen, die den Abhang hinunter stürzten und zwei Besessene, die sich wieder ganz normal verhielten. Die Leute der Stadt wussten nicht wer dieser Jesus war. Für sie wog der Schaden der ums Leben gekommenen Schweine viel schwerer als die beiden gesund gewordenen Menschen. Darum baten sie Jesus, er solle ihr Gebiet verlassen. Laufe ich nicht auch Gefahr ähnlich zu handeln? Wie viel ist mir die Treue und die Freundschaft zu Jesus wert? Wie viel darf sie mich kosten? Ist ein Menschenleben nicht wichtiger als der ganze Rest der Schöpfung?

3. Sie trafen Jesus. Die Leute der Stadt haben Jesus getroffen. Sie durften sein Angesicht schauen. Sie sahen auch die zwei Männer, die wieder völlig gesund waren. Das Evangelium sagt uns aber nichts darüber, ob sie sich mit ihm unterhalten haben. Es heißt nur: Sie baten ihn ihr Gebiet zu verlassen. Jesus respektiert unsere Freiheit. Er verlässt unser Gebiet, wenn wir ihn dort nicht haben wollen. Ich aber möchte nicht so handeln. Vielmehr bitte ich ihn, dass er mein trockenes Land – mein Inneres – besuchen möge: Wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt... aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wassers fließen. (Joh 7,38).

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist mir viel mehr wert als all materieller Besitz. Ich möchte das nicht nur so schnell daher sagen. Ich möchte mit meinem ganzen Herzen und meinem ganzen Leben hinter dieser Aussage stehen. Himmel und Erde werden vergehen, aber was wir aus Liebe zu Jesus getan haben, wird nicht vergehen.

Möglicher Vorsatz: Heute nehme ich mir vor, alle Dinge und alles, was mir widerfährt aus der Perspektive der Ewigkeit zu betrachten.


Wohin es mein Herz zieht

2. Juli 2015

Donnerstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Mariä Heimsuchung

P. Karl Maurer LC

Lk 1,39-56
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn, / und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. /Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan /und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht /über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: /Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron /und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben /und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an /und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, /Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Einführendes Gebet: Meine Seele preist die Größe des Herrn, denn auch in meinem Leben hast du so viel Gutes gewirkt. Heute möchte ich dir aus ganzem Herzen dafür danken. Was wäre meine Leben ohne dich? Du hast mir Anteil an deinem Leben geschenkt!

Bitte: Ich bitte, dass dieses neue Leben der Gnade immer mehr in mir zunimmt. In dir Liebe zu dir verwurzelt und auf sie gegründet, will ich leben.

1. Maria macht sich eilig auf den Weg. Was für ein wunderbarer Mensch muss Maria gewesen sein! Kaum hatte ihr der Engel verkündet, dass Elisabeth noch im hohen Alter schwanger geworden war, machte sie sich eilig auf den Weg. Ich möchte von Maria lernen, es um der wahren Liebe willen eilig zu haben. Oft zieht es uns zu sinnlichen Dingen stark hin... und da sind wir sehr schnell, um sie zu genießen. Heute aber möchte ich Jesus um ein eilig liebendes Herz bitten.

2. Meine Seele preist die Größe des Herrn. Warum hatte es Maria eilig? Der tiefste Ansporn ihres Lebens war ihre Liebe zu Gott. Ihre Seele preist die Größe des Herrn und ihr Geist jubelt über Gott ihren Retter. Sie ist ganz ihrem Gott zugeneigt. Ich möchte in meinem Gebet auch diese Zuneigung erfahren. Jemandem zugeneigt sein bedeutet ja, ihn vom Herzen her gern haben. Und ganz zugeneigt sein bedeutet ihn zu lieben.

3. Die Größe des Herrn in meinem eigenen Leben. Maria „bewegte“ alles was ihr widerfahren ist, in ihrem Herzen „hin und her“. Dieses „Hin- und Herbewegen“ ist nicht nur ein Darüber-Nachdenken. Vielmehr ist es ein liebendes Betrachten. Sie versuchte alles von der Liebe Gottes her zu ergründen, sogar so schmerzliche Worte wie: „ein Schwert wird deine Seele durchbohren“. Sie war zutiefst davon überzeugt, dass Gott die Liebe ist und dass letztendlich alles, was er zulässt, der Liebe dient. Ich bitte Maria, mich diese gleiche Herzenshaltung zu lehren.

Gespräch mit Christus: Herr, es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben nicht verstehe. Ich bin genauso wie Maria gerufen, durch das Halbdunkel des Glaubens hindurch zu gehen. Ich danke Dir für Maria, ihr Leben ist wie ein Stern, der uns leuchtet. Ihr Leben ist ein Kompass, der uns führt.

Möglicher Vorsatz: Heute möchte ich mich von der inneren Herzenseinstellung Mariens leiten lassen. Ich möchte, wie sie, die Dinge nicht nur mit dem kühlen Verstand betrachten, sondern vielmehr mit einem von Vertrauen erfüllten, liebenden Herzen.


Der Finger in der Wunde

3. Juli 2015

Freitag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Apostel Thomas

P. Bertalan Egervári LC

Joh 20,24-29
Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Einführendes Gebet: Komm, Heiliger Geist, erleuchte meine Gedanken, damit ich dein Wort besser verstehe. Entzünde mein Herz, damit ich mit immer mehr Liebe lebe. Stärke meinen Willen, damit ich immer die Kraft besitze, dir und deinen Geboten treu zu sein.

Bitte: Lass mich glauben, ohne zu sehen!

1. Thomas war nicht bei ihnen. Ausgerechnet in Abwesenheit des Thomas musste Jesus den Aposteln erscheinen. Vielleicht hatte Thomas einen guten Grund.. Pech gehabt, könnten wir sagen und uns nichts dabei denken. Aber bei Gott gibt es keine Zufälle. Wir können sicher sein, dass Jesus den Moment genau gewählt hat. Eine Folgerung, die wir vielleicht aus diesem Sachverhalt ziehen können, bezieht sich auf die Bedeutung der Gemeinschaft. Der Schrift nach zu urteilen, ist Jesus nach seiner Auferstehung im ganz überwiegenden Teil der Fälle einer Gruppe von Menschen erschienen und nur in Ausnahmefällen einzelnen Personen. Wer der kirchlichen Gemeinschaft fern bleibt, wer wie Thomas nur seinen eigenen Plänen folgt, auch wenn sie völlig legitim sind, wer den Glauben nur privat für sich lebt, läuft Gefahr, das Wirken Christi schlichtweg zu verpassen.

2. Wenn ich nicht sehe, glaube ich nicht. Das ist wenigstens eine klare und ehrliche Aussage. Der Glaube des Thomas ist begrenzt. Er braucht Beweise, er will sehen. Wie oft ist auch unser Glaube schwach, wie oft wünschen auch wir uns wenigstens ein kleines Zeichen, einen Hinweis oder einfach nur Klarheit. Aber der Weg Jesu ist ein anderer. Glaube bedeutet eben nicht schon objektive Gewissheit, sondern vieles bleibt im Dunkeln und erfordert einen gewissen „Sprung ins Ungewisse“, den man aber aufgrund der subjektiven oder inneren Gewissheit bzw. Überzeugung wagen kann. Dabei ist der Glaube nie unvernünftig oder widersprüchlich. Er überflügelt einfach die bloße Vernunft und geht über sie hinaus. Gründe zu glauben, gab es für Thomas genug: Jesus selbst hat seine Auferstehung angekündigt. Alle Apostel, ausnahmslos verlässliche und glaubwürdige Menschen, behaupteten das Gleiche. Auch einige Frauen hatten schon von der Auferstehung gesprochen. Nur Thomas selbst hatte sein Zeichen noch nicht bekommen.

3. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Acht Tage später erreicht dann auch Thomas die große Gnade: Er darf den Auferstandenen sehen und sogar seine Wunden berühren. Eine größere Glaubenshilfe kann es kaum geben. Wir könnten denken, es wäre viel einfacher, wenn Gott alle Menschen diese Erfahrung machen ließe. Aber scheinbar ist Gott der schwierigere Weg lieber. Es muss ein großer Wert darin liegen zu glauben, ohne zu sehen. Sonst würde der Herr mehr Menschen erscheinen und sich zeigen. Vielleicht wissen wir nicht, worin die Seligkeit derer besteht, die nicht sehen und doch glauben. Aber wir dürfen uns sicher sein: Nicht, um uns zu strafen, lässt uns Jesus im Dunkeln, sondern um uns besondere Gnaden zu schenken. Außerdem ist mit dem Glauben scheinbar ein Verdienst verbunden: „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben“ (vgl. Gal 3,11).

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, in meinem Leben gibt es oft Situationen, in denen mein Glaube gefordert ist, in denen ich nicht weiter weiß und gerne ein Zeichen von dir hätte. Wenn du mir schon diese Zeichen nicht geben möchtest, so stärke wenigstens meinen Glauben und lass mich den rechten Weg erkennen, damit ich deinen Willen erfüllen und dir nachfolgen kann. Stärke die Gemeinschaft der Kirche und offenbare dich immer mehr Menschen, damit sie ausrufen können: Mein Herr und mein Gott!

Möglicher Vorsatz: Ich möchte dieses Gebet besonders für Menschen mit Glaubenszweifeln aufopfern.


Der göttliche Bräutigam

4. Juli 2015

Samstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Ulrich von Augsburg, Bischof
Hl. Isabella von Aragon
Hl. Berta OSB, Äbtissin

P. Bertalan Egervári LC

Mt 9,14-17
In jener Zeit kamen die Jünger Johannes’ des Täufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; dann werden sie fasten. Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt man nicht neuen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten.

Einführendes Gebet: Guter Gott, voller Hoffnung komme ich nun zu dir. Ich vertraue fest darauf, dass du mein demütiges Gebet annimmst. Ich weiß, dass ich kein Anrecht darauf habe, von dir erhört zu werden, aber du selbst bist es, der mich zu diesem Gebet einlädt. Sei mir also nahe und begleite mich mit deiner Gnade.

Bitte: Lass mich deine glühende Liebe erfahren!

1. Warum fasten deine Jünger nicht? Diese Frage stellen nicht etwa Feinde Jesu, sondern gute Leute. Ihre Frage ist durchaus berechtigt, schließlich war es für einen guten Juden verpflichtend, die Fastengebote einzuhalten. Aber offensichtlich war der Wille Gottes für die Jünger Jesu ein anderer. Sie sollten nicht fasten, solange der Bräutigam bei ihnen war. Auch uns fällt es oft auf, wenn jemand sich nicht an menschliche Gebote hält, sondern von ihnen abweicht und stattdessen etwas Unübliches tut. Nur zu schnell geraten wir dabei in die Versuchung, diese Menschen zu verurteilen. Und oft liegen wir mit unserem Urteil falsch, obwohl die Fakten, wie auch im Fall der Jünger des Johannes, offensichtlich für uns sprechen. „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“. Das gilt auch dann, wenn wir allen Grund zu einem schlechten Urteil haben.

2. Jesus, der Bräutigam. Nicht selten in den Evangelien nennt sich Jesus den Bräutigam. Auch hier stellt er die ganze Situation in einen „bräutlichen“ Kontext. Aber wo ist denn hier eine Hochzeit? Wer ist die Braut? In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. Da entrückte er mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam (…) Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.“ Die Braut des Lammes Gottes ist also das himmlische Jerusalem, das auf den zwölf Aposteln gegründet ist: die Kirche. Wie schön, dass Jesus jedes Glied der Kirche, jeden Getauften, so liebt, wie ein Bräutigam seine Braut!

3. Die Liebe eines Bräutigams. Im Buch Jesaja heißt es: „Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, so vermählt sich mit dir dein Erbauer. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.“ Auch bei dieser Stelle geht es interessanterweise um die Stadt Gottes, um Jerusalem. Wieder dürfen wir als Getaufte uns mit der Braut identifizieren und uns der Liebe unseres Erbauers und Gottes sicher sein. Diese Liebe Gottes ist wie die eines Bräutigams eine leidenschaftliche, sehnsüchtige Liebe, die nichts mehr wünscht, als beim Geliebten zu sein; die nur das Beste für den Geliebten möchte; die immer nach Gelegenheiten sucht, dem anderen die Liebe neu auszudrücken; die sich danach sehnt, auch nur ein kleines Lächeln des Geliebten zu erhaschen; die sich über eine kleine Aufmerksamkeit, ein Lächeln oder ein gutes Wort so freut, als wäre es das Größte auf Erden. Der Feind will uns ununterbrochen vom Gegenteil überzeugen, aber so groß und noch größer ist die Liebe Gottes zu uns.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir für die grenzenlose Liebe, die du zu mir hast. Viel zu wenig denke ich darüber nach, viel zu wenig bin ich mir dessen bewusst, wie sehr du mich liebst und mir nahe sein möchtest. Sehnsüchtig wartest du auf jede kleine Aufmerksamkeit von mir. Viel mehr möchte ich dir künftig schenken. Lass mich dich immer besser kennen lernen und deine Liebe immer tiefer erfahren, damit ich deine Liebe der ganzen Welt bringen kann.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte Jesus im Laufe des Tages eine kleine Aufmerksamkeit schenken.