Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. April 2015 bis Samstag 2. Mai 2015

Vierte Woche in der Osterzeit

P. Karl Maurer LC

Ich bin der gute HirteSonntag
Jesus ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle habenMontag
Niemand kann uns seiner Hand entreißenDienstag
Ich werde euch Ruhe verschaffenMittwoch
Selige seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handeltDonnerstag
Euer Herz lasse sich nicht verwirrenFreitag
Wenn ihr um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tunSamstag


Ich bin der gute Hirte

26. April 2015

Vierter Sonntag in der Osterzeit
Weltgebetstag um geistliche Berufe

P. Karl Maurer LC

Joh 10,11-18
Jesus sagte: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Einführendes Gebet:  In dieser neuen Woche möchte ich mich ganz Jesus anvertrauen: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen... Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen... Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Vgl. Ps 23).

Bitte: Herr, birg mich in deiner Liebe.

1.  Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe. In früheren Zeiten gab es Hirten, die wirklich ihr Leben für die Herde hingegeben haben. Heute gibt es auch noch vereinzelt Hirten, doch, dass einer sein Leben für die Tiere hingibt, ist sehr unwahrscheinlich. Das liegt daran, dass die Herde heute nicht mehr unser ganzer Besitz, unser „Ein und Alles“ ist. In der Geschichte Israels gab es eine Zeit, in der das Volk in Zelten, wie ein Nomadenvolk lebte. Ihre Herden waren ihr ganzer Besitz und die Weiden, die sie suchten, buchstäblich ihr Überleben. In dieser Zeit waren die Hirten noch hoch angesehen. So war z.B. der Sohn Isais, David, ein Hirte. Er selber erzählt, was es für ihn bedeutet hatte, ein Hirte zu sein: „ Wenn eine Löwe oder ein Bär kam und ein Lamm aus der Herde wegschleppte, lief ich hinter ihm her, schlug auf ihn ein und riss das Tier aus seinem Mund.“ (Vgl. 1 Sam 17, 34-35). Diese Art von Hirten hat Jesus vor Augen, wenn er das Gleichnis erzählt.

2. Jesus gibt sein Leben hin. Ein guter Hirte ist also bereit, sein Leben hinzugeben. Die Hingabebereitschaft bis zum Vergießen des eigenen Blutes soll die rote Farbe der Kardinalskleidung symbolisieren, bis auf den heutigen Tag. Für wen aber? – Für die dem Hirten anvertrauten Menschen. Jesus gab sein Leben für uns alle hin, weil wir ihm alle am Herzen lagen. Die Osterzeit soll uns seine Liebe immer wieder neue vergegenwärtigen: Du hast dein Leben für mich hingegeben. Warum? – weil du mich liebst!In dem Text, den wir betrachten, gibt es aber noch eine weitere interessante Aussage: „Ich gebe mein Leben hin, um es wieder zu nehmen... Ich habe Macht es wieder zu nehmen.“ Was hat es mit diesem „Nehmen“ auf sich? Es klingt sogar etwas geheimnisvoll, wenn es da heißt: „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.“ Der Vater liebt Jesus also nicht nur, weil er sein Leben hingibt. Er liebt ihn, weil er sein Leben hingibt, um es wieder zu nehmen. Die Erniedrigung, die Jesus freiwillig auf sich nimmt, ist nicht Selbstzweck, ist nicht die Endstation. Sie dient seiner und unserer Erhöhung. Dieses „Nehmen“ steht also für eine Liebe, die den Tod überwunden und damit ewig geworden ist. Jesus gibt sein sterbliches menschliches Leben hin und das neue unsterbliche Leben, das er als Auferstandener besitzt, nimmt er, setzt er ein, um uns ewig zu lieben. So wird in Jesus das Wort Jeremias wahr: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir solange die Treue bewahrt.“ (Jer 31, 3).

3. Der Auftrag.  Aus Liebe sein Leben für die Menschen hinzugeben und aus Liebe die Menschen nun für immer weiter zu lieben, hat Jesus erfüllt. Er tat dies aber nicht, weil er dazu gezwungen war. Bei Gott gibt es kein Müssen, bei Ihm gibt es nur eine einzig Motivation: Liebe, echte Liebe. Es war die Liebe zum Vater und die Liebe zu uns, die ihn dazu bewegte. Paulus hat das im Hohelied der Liebe sehr gut wiedergeben. Da heißt es: „Und wenn ich mein Leben dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.“ (1 Kor 13, 3). Es nützt nichts, wenn man ohne Liebe für jemanden stirbt. Und es würde auch nichts nützen, wenn man ewig leben würde, ohne zu lieben.

Gespräch mit Christus: Jesus, nach nichts sehne ich mich mehr, als zu lieben, wie du geliebt hast. Ich weiß, dass ich das nicht aus mir heraus – aus meinen Kräften – kann. Ich bitte dich, lass mich an deiner Liebe Anteil nehmen, so wie die Rebe ihre Lebenskraft vom Weinstock empfängt.

möglicher Vorsatz:  Ich werde dich täglich um diese Liebe bitten, die ich mir selber nicht geben kann.


Jesus ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben

27. April 2015

Montag der vierten Woche in der Osterzeit
Hl. Petrus Canisius SJ, Kirchenlehrer
Hl. Floribert, Bischof
Hl. Zita

P. Karl Maurer LC

Joh 10,1-10
Jesus sagte: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Einführendes Gebet:  Du, Jesus, bist die Tür zum Leben. Ich möchte durch diese Tür eingehen. Heute gibt es so viele Wege und so viele „Türen“, die Glück und Erfüllung versprechen. Bitte lass nicht zu, dass ich falsche Wege einschlage. Sei du meine Tür, die zum Leben führt.

Bitte: Schenke mir eine tiefe Erkenntnis deiner Liebe. Eine Erkenntnis, die auf Erfahrung beruht. Ich möchte vor dir wie ein Kind sein, das auf die erfahrbare Liebe der Eltern angewiesen ist. So möchte ich auch deine Liebe wirklich erfahren.

1.  Einem Fremden werde ich nicht folgen. Jesus, warum folgen dir so wenige Menschen? Es sind doch nur wenige, sehr wenige, die dir aus ganzem Herzen folgen. Wie viele kenne ich aus meiner Umgebung? Da gibt es kaum jemanden. Wenn das schon mir weh tut, dass das so ist, wie sehr erst dann dir? Du bist doch allmächtig, kannst du da nicht etwas daran ändern? Warum laufen so viele „falschen Göttern“ nach? Warum wirst du so verkannt? Was antwortest du mir auf diese Frage? „Weil sie nicht meine Stimme kennen!“. – Jesus deine Liebe ist abgrundtief: Du gehst uns voraus und wir folgen dir, denn wir kennen deine Stimme. Einem Fremden aber folgen wir nicht, vielmehr fliehen wir vor ihm, weil wir seine Stimme nicht kennen. Ein kleines Kind macht es genauso: Wenn es die Stimme eines Fremden hört, flieht es und läuft zu den Eltern. Es will bei den Eltern sein und nicht bei einem Fremden, denn es weiß, bei ihnen bin ich beschützt und geborgen.Aber ich will nicht nur an die Menschen denken, die dich schon kennen: Herr, lass immer mehr Menschen deine Stimme erkennen.

2. Die Jünger verstanden das Gleichnis nicht. Die Jünger aber verstanden den Sinn dessen nicht, was er ihnen gesagt hatte. Zuerst einmal sollte man hier würdigen, dass die Jünger zugeben, dass sie die Worte Jesu nicht verstehen. Ehrlichkeit ist der erste Schritt. Wenn wir nicht vor uns selber ehrlich sind, werden wir weder menschlich noch geistig wachsen können. Was verstehe ich bei diesem Gleichnis nicht? Legen wir es offen vor Jesus hin. Dann und nur dann, hat er die Möglichkeit, uns zu helfen.

3. Ich bin gekommen, damit ihr das Leben in Fülle habt. Wenn wir heute Setzlinge pflanzen, dann können wir unmöglich morgen schon einen Wald ernten. Wachstum braucht Zeit. Wir alle sind zu einem Leben in Fülle bestimmt. In uns ist dieses neue Leben wie ein Same angelegt. Es reift in uns, wenn wir mit der Quelle des Lebens – Jesus Christus – in Kontakt sind. So wie die Wurzeln eines Setzlings mit der Feuchtigkeit und den Nährstoffen des Bodens in Kontakt sein müssen, so brauchen auch wir die Verbundenheit zu Jesus. Dieser Kontakt wird dann, mit der Zeit, immer mehr zu einer Beziehung heranreifen. Und diese Beziehung bringt nach und nach eine echte und wahre Liebe hervor. Und schließlich verwandelt diese Liebe – seine Liebe – mein Leben.Wie weit darf ich denn in dieser Liebe gehen? Die Antwort ist tröstlich. Gott will mit uns diesen Weg für immer gehen. Wir brauchen nur mitzugehen. Er ist der gute Hirte, der uns führt. Lassen wir ihn in unser Leben eintreten, und er wird unser Herz umgestalten. So werden wir zu der Fülle gelangen, zu der er uns ruft.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich danke dir, dass du meine Freiheit so sehr respektierst. Du drängst dich nicht in mein Leben. Du schenkst mir diesen inneren Raum, den du nicht ohne meine Erlaubnis betrittst. Du klopfst an, blickst mich voll Liebe an und sagst: „Wenn du willst…“

möglicher Vorsatz:  Ich möchte mir des Geschenkes meiner Freiheit bewusst werden. Meine Freiheit ist aber kein Selbstzweck. Freiheit braucht die Liebe, um sich zu entfalten. Ohne die Liebe ist sie ziel- und orientierungslos. Ich nehme mir vor, meine Freiheit einzusetzen, um wirklich zu lieben.


Niemand kann uns seiner Hand entreißen

28. April 2015

Dienstag der dritten Woche in der Osterzeit
Hl. Pierre Chanel, Märtyrer
Hl Ludwig Maria Grignion de Montfort

P. Karl Maurer LC

Joh 10,22-30
Um diese Zeit fand in Jerusalem das Tempelweihfest statt. Es war Winter, und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab. Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange noch willst du uns hinhalten? Wenn du der Messias bist, sag es uns offen! Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab; ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

Einführendes Gebet:  Herr, schenke mir Glauben. Ohne Glauben werde ich deine Botschaft nie verstehen. Schenke mir einen lebendigen Glauben. Schenke mir einen Glauben, der in Gedanken, Worten und Werken der Liebe fühlbar, hörbar und sichtbar wird.

Bitte: Schenke mir ein Herz, das nach deinem Herzen, gebildet ist. Ich bitte dich um die Demut, mich von dir führen zu lassen.

1.  Wie lange willst du uns noch hinhalten? Eine besonders schwer durchschaubare Versuchung im geistlichen Leben besteht darin, dass wir meinen, es genüge, über die Dinge Bescheid zu wissen. Die Menschen zur Zeit Jesu wollten wissen, ob er der Messias ist. Sie meinten, mit dem Wissen sei es getan. Die unreinen Geister, die Jesus austrieb, wussten wer er war, aber das hatte ihnen nichts genutzt.Wir brauchen also nicht allein ein äußeres, informatives Wissen. Wir brauchen vor allem ein inneres Erkennen. Beim Propheten Hosea heißt es: „Ich traue dich mir an um den Brautpreis... von Liebe und Erbarmen... um den Brautpreis meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen.“ (Vgl. Hos 2, 21-22).Nur wenn wir von innen her bereit werden, einen Bund der Freundschaft und Liebe mit Jesus einzugehen, werden wir erkennen wer er ist. Die Stelle aus dem Propheten Hosea geht aber noch tiefer. Sie bezieht sich auf Christus und das, was er für uns getan hat. Erst wenn wir seine Liebe, die für uns bis zum Äußersten gegangen ist, verinnerlichen, werden wir erkennen, wer er ist.

2. Ihr glaubt nicht. Jesus, bewahre mich vor Unglauben. Bitte, bewahre mich davor, alles bloß mit der Vernunft betrachten zu wollen; vor dem Drang, alles wissen zu wollen, um die Dinge eigenmächtig zu beherrschen, ohne aber der Stimme meines Herz zu folgen. Wenn wir diesen Fehler begehen, dann darf Jesus nicht größer sein als das, was wir begreifen können. Wir zwängen Jesus dabei in die Schublade unserer kleinen Einsichten.

3. Ich kenne sie, und sie folgen mir. “Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben.“ Ja, auch ich möchte deine Stimme kennen – ich möchte, dass sie mir vertraut ist. Deine Stimme, das ist dein Wort. In deinen Worten, bist du selber gegenwärtig. Und so stimmt es, dass die Heilige Schrift das Buch des Lebens ist. Das Zweite Vatikanische Konzil lädt uns ein, uns dem Wort Gottes mit der gleichen Ehrfurcht zu nähern, wie Christus in der Eucharistie. Sein Wort hat die Kraft, in uns lebendig zu werden. Wie aber wird es lebendig? Es wurde schon gesagt: Wenn wir uns in Ehrfurcht nahen. Wenn wir es in Liebe aufnehmen. Wenn wir es in unserem Herzen liebend betrachten. Wie sehr hilft uns da das Beispiel Mariens: „Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.“ (Lk 2, 51). Maria hat alles in ihrem Herzen erwogen. Was heißt das aber, im Herzen bewahren, im Herzen erwägen? Im Herzen bedeutet in Beziehung zu dem, den man liebt. Und das war für Maria eindeutig Gott. Nur so kann in uns ein lebendiger Glaube reifen.

Gespräch mit Christus: Jesus, wie sehr brauche ich eine herzliche Verbundenheit mit dir. Ich kann das nicht „machen“. Ich kann das nur erbitten. Ich möchte dir dabei keine Hindernisse in den Weg stellen.

Vorsatz:  Ich möchte mir heute in meinem ganz konkreten Alltag Maria als Vorbild nehmen und alles mit Schlichtheit und Einfachheit tun. Warum war ihr Leben nicht kompliziert? Weil ihr Kopf frei war. Sie wusste sich zutiefst in Gott geborgen: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen... muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.“ (Vgl. Ps 23).


Ich werde euch Ruhe verschaffen

29. April 2015

Mittwoch der vierten Woche in der Osterzeit
Hl. Katharina von Siena OSD, Kirchenlehrerin
Hl. Roswitha, Äbtissin

P. Karl Maurer LC

Mt 11,25-30
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.

Einführendes Gebet:  Was könnte ich mir mehr wünschen als Ruhe für meine Seele? Ich will in der hektischen Welt von heute nicht untergehen. Ich will in dieser hektischen Welt auch nicht aufgehen, mit ihr eins werden. Ich will einen Anker für meine Seele finden.

Bitte: Zeige mir den Weg dorthin. Ich möchte dich bitten, dass heute für mich deine Worte wahr werden: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

1.  Ich preise dich Vater. Jesus, wofür preist du deinen Vater? – Du preist ihn, weil er all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hat. Ich möchte dieses Wort verstehen, auch wenn mein Verstand sich im ersten Moment dagegen auflehnt. Wer will denn heute noch unmündig sein? Was versteht aber die Heilige Schrift mit den Bezeichnungen: „Weise“, „Kluge“ und „Unmündige“? Sie spricht hier von Weisen und Klugen im weltlichen Sinn. Mit dieser Weisheit und Klugheit werden wir Gott nicht erfassen können. Diese Eigenschaften sind nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil! Sie sind etwas Gutes! Aber wenn es um Gott, geht reichen Sie nicht aus. Da brauchen wir eine andere Weisheit und Klugheit: die eines Kindes! Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Reich Gottes kommen. Was steht hinter diesen Worten Jesu? Ein Kind braucht eine Bezugsperson. Und je kleiner ein Kind ist, desto mehr ist es ganz von den Eltern abhängig. Es spricht noch nicht für sich selbst. Es denkt noch nicht selbst. Es entscheidet noch nicht für sich selbst. Dass nennt man unmündig sein.Aber was hat das mit Gott zu tun? Wenn wir selber in unserer Beziehung zu Gott die Bezugsperson sind, dann geht alles schief. Denn, dann schreiben wir Gott vor, was er uns sagen darf und was nicht, etc. Das kann wohl nicht richtig sein.

2. Die Liebe hat etwas Offenbarendes. Was hat denn der Vater den Jüngern Jesu – die im Vertrauen zu ihm sich wie Kinder verhalten haben – offenbart? Er hat ihnen seine Liebe offenbart. Diese Liebe hat etwas Geniales. Sie ist eben nicht so wie wir, wenn wir jemanden mit kleinlichen Methoden erziehen wollen! Sie macht uns nicht ständig Vorschriften über das, was wir sagen dürfen und was nicht, über das, was wir tun und lassen sollen und was nicht.Das Buch der Weisheit verschafft uns einen Einblick in das „Geheimnis“ der Weisheit Gottes : „Es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt... deine Stärke ist die Grundlage der Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles, lässt dich gegen alles Nachsicht üben... Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst.“ (Vgl. Weish 12, 13-18).Bei solch einer Bezugsperson kann ich mich voll entfalten. Was ich aber zuerst brauche, ist ein kindliches Vertrauen, damit ich den „Anker meines Lebens“ in ihm und nicht in mir festmache.

3. So werdet ihr Ruhe finden. In Jesus Christus ist diese „ewige Weisheit“ zu uns gekommen. Jesus war für seine Jünger die Bezugsperson schlechthin. Als guter Meister lehrt er uns, dass wir das „Haus unseres Lebens“ nicht auf Sand bauen dürfen – d.h. auf uns selber, denn dann wird es in sich zusammenstürzen. Er will uns mit dieser Beschreibung keine Angst machen. Seine Beschreibung ist sehr sachlich: Noch kein Mensch ist glücklich geworden, indem er auf sich selbst gebaut hat.Wenn wir uns aber einmal frei entschlossen haben, unser Haus auf diesen Felsen – auf Ihn – zu bauen, dann führt er uns immer weiter ein in die Freiheit der Kinder Gottes.Das sind keine leeren Worte. Jesus tut das wirklich: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Joh 15,15). In dieser Beziehung mit ihm, die uns im Leben immer mehr zu einer echten Freundschaft mit Gott heranreifen lässt, findet unsere Seele Ruhe.

Gespräch mit Christus: Jesus, den meine Seele liebt, ich bin bereit, dein Joch auf mich zu nehmen. Jeder muss auf dieser Erde ein „Joch“ tragen: die Gebrechlichkeit unsere Leibes, die Verwundbarkeit unserer Psyche oder die Begrenztheit dieser Welt, welche die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens nicht erfüllen kann. Mit dir aber wird diese Last leicht und drückt nicht. Deine Liebe hebt uns in einer gewissen Weise schon aus dieser Welt heraus, auch wenn wir noch ganz in ihr engagiert bleiben.

möglicher Vorsatz:  Ich mache es mir zum Vorsatz, das „Joch“ meines Lebens auf mich zu nehmen. Auf dich will ich schauen. Von dir will ich lernen, wie du als Mensch gelebt hast und dein Joch getragen hast.


Selige seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt

30. April 2015

Donnerstag der vierten Woche in der Osterzeit
Hl. Pius V. , Papst
Hl. Pauline von Mallinckrodt SCC, Generaloberin

P. Karl Maurer LC

Joh 13,16-20
Als Jesus die Füße seiner Jünger gewaschen hatte, sagte er zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr, und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt. Ich sage das nicht von euch allen. Ich weiß wohl, welche ich erwählt habe, aber das Schriftwort muss sich erfüllen: Einer, der mein Brot aß, hat mich hintergangen. Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt: Ich bin es. Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Einführendes Gebet:  Du hast den Jüngern die Füße gewaschen. Das war nicht nur eine äußere Geste. An ihr können wir ablesen, wie Gott ist. Du offenbarst uns hier das Wesen Gottes.

Bitte: Ich bitte dich um die Gnade, mich ein wenig in das Geheimnis, das sich in der Fußwaschung verbirgt, „hineinblinzeln“ zu lassen. – Nicht um eine Neugierde zu befriedigen, sondern um für mein Leben zu lernen.

1.  Jesu Vorbild. Jesus kam, um zu dienen. Wir hingegen lassen uns oft selber lieber bedienen. Manchmal fällt es uns sehr schwer, uns zu erheben, auf den anderen zuzugehen und ihm einen Dienst zu erweisen. Jesus aber tut noch unendlich viel mehr als das. Er macht sich zum Kleinsten der ganzen Runde.Das Waschen der Füße war der niedrigste Dienst. Jüdische Sklaven waren sogar davon befreit. Jesus wollte gerade durch diese Tat ein Zeichen setzen. Er wollte uns zeigen, wie weit die Liebe geht. Seine Liebe geht bis zum Äußersten.

2. Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt. Wissen allein genügt der Liebe nicht. Sie ruft uns auch auf, nach diesem tiefen Wissen zu handeln. Man könnte nun meinen, ein starker Wille befähigt uns dazu. Doch eine bloße Willensanstrengung genügt nicht, um zu lieben, wie er uns geliebt hat. Es gelingt nur, wenn wir uns von seiner Liebe anziehen und in Besitz nehmen lassen. Paulus schreibt in diesem Zusammenhang von einer Ergriffenheit (vgl. Phil 3,12). Diese Ergriffenheit hat etwas mit unserem Herzen zu tun. Wir „müssen“ zulassen, dass Jesus uns die Füße wäscht, dass wir ganz unverdient seine Liebe empfangen, dass seine zugleich sanfte und starke Liebe uns durchdringt.

3. Ich bin es! Judas hat nicht erkannt, wer Jesus war. Er hat in ihm nur den Menschen gesehen. Er hat sein Denken nicht gewandelt und als Jesus nicht mehr seinem Denken entsprach, hat er ihn schon innerlich verlassen.Jesus ist der wahre Mensch schlechthin. Aber er ist nicht nur wahrer Mensch, er ist auch wahrer Gott: der einzige Sohn des Vaters, der an seinem Herzen ruht, und zu uns gekommen ist.Nur wenn wir von innen her verstehen, wer er ist, können wir ihm folgen. Es übersteigt zwar unsere menschlichen Kräfte, seine Botschaft zu leben, doch zugleich erfüllt sie unsere tiefsten Sehnsüchte und so befähigt sie uns zu mehr, als wir selbst erahnen können.

Gespräch mit Christus: Selig – glücklich zu preisen – seid ihr, wenn ihr versteht und tut, was ich an euch getan habe. Beides, das Verstehen und Tun wird uns in dem Maß gegeben, in dem wir uns von dir zuerst lieben lassen.

möglicher Vorsatz:  Heute möchte ich den Tag damit verbringen, den Menschen, denen ich begegne zuzuhören, sie als Botschafter Jesu aufzunehmen.


Euer Herz lasse sich nicht verwirren

1. Mai 2015

Freitag der vierten Woche in der Osterzeit
Hl. Josef der Arbeiter

P. Karl Maurer LC

Joh 14,1-6
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Einführendes Gebet:  Oft verwirren gar viele Dinge mein Herz. Bitte hilf mir, meinen Blick darüber hinweg zu erheben. Ich will ihn nicht von der Welt abwenden. Voll Mitgefühl will ich für meine Brüder und Schwestern sein, die in Not sind. Aber was könnte ich ihnen schon geben, wenn mir selbst die Kraft und der Mut zum Leben fehlt? Darum erhebe ich meinen Blick zu dir.

Bitte: Schenke mir ein hoffnungsvolles Herz. Wer Hoffnung hat, der zieht alle mit sich. Du bist der tiefste Grund meiner Hoffnung und meiner Zuversicht.

1.  Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Wovon lässt sich denn mein Herz verwirren? Von den Problemen, den Sorgen, der anscheinenden Aussichtslosigkeit? Habt keine Angst – ruft uns Jesus immer wieder zu – Ich habe die Welt besiegt. All die dunklen Kräfte, die es in dieser Welt gibt und die Stunde der Finsternis, die über Jesus hereinbrach, haben ihn nicht besiegen können. Augustinus sagt dazu sehr treffend: Sein Sieg ist unser Sieg. Wir brauchen die Welt mit unserer „Anstrengung“ nicht noch einmal erlösen. Sie ist schon erlöst. Dem Bösen ist endgültig eine Grenze gesetzt. Es hat kein Anrecht mehr, über uns zu herrschen. Der Widersacher ist aus dieser Welt hinausgeworfen worden. Er hat nur noch die Kraft, die wir ihm freiwillig geben.Darum: Lasst euch nicht verwirren. Christus lebt und in ihm ist uns ein neues Leben geschenkt.

2. Ich komme wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Wie tröstlich ist es, zu wissen, dass auf mich der schönste überhaupt vorstellbare Platz wartet. Das ist tausendmal besser als der wundervollste Traumurlaub, den jemand für mich gebucht hätte. Auf diesen Platz und diese Wohnung brauche ich aber nicht teilnahmslos zu warten. In gewisser Weise kann ich schon jetzt dorthin gelangen. Denn es heißt: das Reich Gottes ist schon mitten unter euch. Es ist überall dort, wo wir in Christus sind und Christus in uns.Wie aber ist das möglich? Es ist uns heute in der gleichen Art und Weise möglich, wie es damals für die Frau möglich war, die Jesus berührte, weil sie glaubte, allein durch die Berührung könne sie geheilt werden. Sie, die an Blutfluss litt, dachte bei sich: Wenn ich auch nur den Saum seines Kleides berühre, werde ich geheilt. Jesus drehte sich um, weil er spürte, dass eine Kraft von ihm ausging, und fragte: Wer hat mich berührt? Und dann sagte er der Frau: Dein Glaube hat dich geheilt. Auch wenn wir heute Jesus nicht physisch berühren können, mit einem so unmittelbaren Glauben wie diese Frau ist es auch mir möglich, auf lebendige Weise mit Jesus in Verbindung zu treten.

3. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wir können uns an Jesus als dem Weg, der uns zum Ziel unseres Lebens führt, orientieren, auch wenn der für uns oft im Halbdunkel verläuft. Paulus vergleicht deshalb den Weg des Glaubens mit einem Bronzespiegel, in dem man nur andeutungsweise die zukünftige Wirklichkeit sieht: Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin. (1 Kor 13, 12). Jesus ist der Weg, der uns zum Vater führt. Und im Vater ist die Fülle der Wahrheit und des Lebens. In ihm ist die Fülle des Glücks.

Gespräch mit Christus: Kein Auge hat gesehen und kein Ohr gehört, was Gott für die bereitet hat, die ihn lieben. So groß wird dieses Glück sein, dass es mit Worten nicht beschreibbar ist. Es beinhaltet alles Schöne dieser Welt und noch unendlich viel mehr. Jesus, nach nichts sehne ich mich mehr, als eines Tages ganz bei dir und deinem Vater zu sein.

möglicher Vorsatz:  Heute möchte ich meinen Blick erheben. Ich möchte mit deinem Blick auf die Menschen schauen. Ich möchte die Beziehungen zu meinen Mitmenschen, besonders jenen, die mir am nächsten sind, mit Liebe füllen.


Wenn ihr um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun

2. Mai 2015

Samstag der vierten Woche in der Osterzeit
Hl. Athanasius von Alexandrien, Patriarch
Hl. Zoé, Märtyrerin

P. Karl Maurer LC

Joh 14,7-14
Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

Einführendes Gebet:  Alles, worum wir dich in deinem Namen bitten, wirst du tun. Was heißt das aber: In deinem Namen um etwas bitten? Das möchte ich heute verstehen und das möchte ich heute zu leben beginnen.

Bitte: Schenke mir einen Zugang zu deinem Herzen. Wie sonst könnte ich deine Worte verstehen? Mir geht es aber nicht nur um das Verstehen, mir geht es vor allem darum, lieben zu lernen.

1.  Wenn ihr mich erkannt habt. Es ist sehr interessant, wie Jesus hier zu seinen Jüngern in diesen sogenannten Abschiedsreden spricht und dabei in die Zukunft blickt: „Wenn ihr mich erkannt habt, dann...“ Der Abschnitt lebt gleichsam aus dem Vorblick auf Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Eine Erkenntnis, die Jesus in den Reden schon hat, bei den Jüngern aber erst noch erfahren werden und reifen muss. Erst nachdem die Jünger verstanden, dass Jesus aus Liebe zu uns Menschen gestorben war, sollten sie erkennen, wer er war und welche Bedeutung die Liebe hatte, von der er die ganze Zeit gesprochen hatte.Es hatte nicht genügt, dass sie zu bloß Zeugen seiner furchtbaren Hinrichtung geworden waren. Es genügte nicht einmal, dass ihnen Johannes, der selbst unter dem Kreuz gestanden hatte, von der Liebe berichtete, mit der Jesus all sein Leiden durchlitten hatte. Was den Jüngern die Kraft gab, den Glauben an Jesus Christus zu verkündigen, war, ihn als dem Auferstandenen selbst erfahren zu haben.Johannes hat diesen Glauben besonders erlebt. Er lief mit Petrus zum leeren Grab. Er sah die zusammengelegten Binden und glaubte. Er glaubte schon, bevor er Jesus als Auferstandenen sah. Ahmen wir diesen Glauben nach: Glauben wir an Jesus, noch bevor wir ihn sehen – was im Himmel geschehen wird.

2. Die Worte, die ich euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Die Liebe lebt nie aus sich selbst. Jesus lebt verschenkt an seinen Vater und der Vater lebt verschenkt in seinem Sohn. Deswegen lebt Jesus aus seinem Vater heraus: Philippus glaubst du nicht, dass... der Vater in mir ist? Dies gilt nicht nur für die außergewöhnliche Beziehung zwischen Jesus und seinem Vater. Auch wir sind genau zu dieser Art Beziehung gerufen. Das war der letzte Wunsch, den Jesus im Abendmahlsaal aussprach: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 18,21).

3. Wer an mich glaubt... wird noch größere Werke vollbringen. Hinter diesen Werken verbirgt sich nochmals etwas sehr Großes. Wir fragen uns: Kann denn jemand größere Werke als Jesus vollbringen? Antwort: Nein. Was will uns dann aber Jesus hier sagen? Diese größeren Werke werden wir nur verbunden mit ihm vollbringen: Er in uns und wir in ihm. Denn wir alle – alle Menschen – sind gerufen, in ihm eins zu werden. Und je mehr das geschieht, desto mehr wird sich die Erlösung der Welt verwirklichen.

Gespräch mit Christus: Deine Liebe hat keine Grenzen. Darum bitte ich dich, hebe meine Grenzen, die mich daran hindern, deine Liebe zu empfangen, auf. Du schenkst deinen Geist (der Liebe) unbegrenzt. Nimm mich ganz in deine Liebe hinein – lass mich in dieser Liebe schon einen Vorgeschmack von deiner grenzenlosen Liebe erfahren. Lass mich aber auch die Grenzen, die ich in diesem Leben habe, mit Liebe annehmen und mit Liebe tragen.

möglicher Vorsatz:  In der menschlichen Schwachheit kommt die Gnade Gottes zur Vollendung. So möchte ich dir auch heute im Gebet und bei der Arbeit meine Schwäche anvertrauen und dich bitten, dass du sie mit deiner Liebe umschließt.