Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 12. April 2015 bis Samstag 18. April 2015

Zweite Woche in der Osterzeit

P. William Webster LC

Von der Barmherzigkeit her lebenSonntag
Wann „Suche“ zur „Begegnung“ wirdMontag
Aus dem stillen Gebet lebenDienstag
Barmherzigkeit schenkt FriedenMittwoch
Von Gott geliebt zu werden verleiht IdentitätDonnerstag
Aus der Begrenztheit Liebenswürdigkeit entdeckenFreitag
Über den Tod hinaus lebenSamstag


Von der Barmherzigkeit her leben

12. April 2014

Zweiter Sonntag in der Osterzeit
Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit

P. William Webster LC

Joh 20,19-31
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Einführendes Gebet:  Jesus, Sohn Gottes, mein Erlöser, du kommst jedem entgegen, der dich, wie der ungläubige Thomas, mit aufrichtigem Herzen sucht. Nun suche ich dich. Dass du dich für mich interessierst und mir vergibst, verleiht mir neue Würde. Du lädst mich ein, mit der Erfahrung deiner barmherzigen Liebe ausgestattet, deine Barmherzigkeit zu verkündigen, zu praktizieren, und sie für andere zu erflehen. Sie dient nicht nur meinem Seelenheil, sondern auch dem anderer Menschen, auf die ich mit Achtung und Erbarmen zugehen soll.

Bitte: Herr, hilf mir das Neue an deiner Botschaft der Barmherzigkeit tiefer zu begreifen, damit sich durch deine Gnade und meine Mitarbeit mein Denken und Handeln wandeln.

1.  Die Barmherzigkeit Jesu betrachten Aus Angst vor den Juden befanden sich die Jünger noch hinter verschlossenen Türen. Sie hatten gehört, dass Jesus einigen Frauen erschienen war, glaubten es aber nicht. Nicht nur Thomas zweifelte an den Erscheinungen. Sie alle hatten gesehen, wie Jesus im Garten Getsemani verhaftet worden war. Keiner sprach ein Wort zu seiner Verteidigung. Selbst Petrus hatte Jesus dreimal verleugnet. Das alles lag ihnen schwer auf der Seele und sie waren betrübt über die Ereignisse der Passion. Die Erfahrung ihrer menschlichen Schwäche hatte einen dunklen Schatten auf ihre sonst so muntere Seele geworfen… Und dann tritt er plötzlich in den Saal ein! Sie freuen sich, sind ohne Worte. Und Jesus lässt ihnen Zeit, damit der Eindruck von seiner leibhaftigen Gegenwart in sie eindringen kann. Als Auferstandener ergreift Jesus die Initiative. Er kommt den Seinen entgegen, vergibt ihnen ihre Schuld („Friede!“) und schenkt ihnen diesen neuen Geist – den Geist der Barmherzigkeit. Der Christ, dem vergeben wurde, ist berufen, ebenso Erbarmen zu zeigen, aus der Liebe heraus zu leben, an einer Gesellschaft der Barmherzigkeit mitzubauen.

2. Aus „Dives in Misericordia“, Nr. 12 & 14, vom Hl. Johannes Paul II. „Sollen die Beziehungen der Menschen zueinander vom Geist höchster Achtung des wahrhaft Menschlichen und gegenseitiger Brüderlichkeit geprägt werden“, wird das Erbarmen zu einem unerlässlichen Element. „Es ist unmöglich, dieses Band [der Brüderlichkeit] unter den Menschen zu knüpfen, wenn ihre Beziehungen zueinander keinen anderen Maßstab kennen als den der Gerechtigkeit. Diese muss in allen Bereichen zwischenmenschlicher Beziehung sozusagen eine tiefgreifende „Korrektur“ erfahren: durch die Liebe, welche nach dem Hohen Lied des Hl. Paulus „langmütig“ und „gütig“ ist, oder, anders ausgedrückt, die für das Evangelium und das Christentum so wesentlichen Züge des Erbarmens trägt.“

3. Aus der Quelle der Barmherzigkeit schöpfen und sie weitergeben Der hl. Johannes Paul II. war ein Apostel der Barmherzigkeit. Er lehrte, dass der Christ durch seine Teilhabe an Christi Barmherzigkeit zur barmherzigen Liebe fähig wird. Deswegen muss er stets in seinem eigenen Leben aus der Quelle der Barmherzigkeit Gnade schöpfen. Der „Barmherzigkeitssonntag“ ist ein Aufruf an jeden Christen, mit Widrigkeiten, schwierigen Menschen und Situationen nicht nur gerecht, sondern im Sinne der Barmherzigkeit umzugehen und so seinem Leben jene „Korrektur“ zu geben, von der der hl. Johannes Paul sprach. Die Quelle der Barmherzigkeit ist Jesu Herz, das seinen Jüngern am Ostertag nicht zurechtweisend entgegentritt, sondern Freude ausstrahlt, Vergebung, Frieden und Vertrauen schenkt. Zusammen mit Jesus am Kreuz ist auch der unbeugsame alte Mensch in mir gestorben, der mehr „das Recht“ als „das Wohl des anderen“ im Sinne hat. Je persönlicher die Begegnung mit der Barmherzigkeit des Auferstandenen ist, desto mehr wird in uns die Fähigkeit geweckt, Mitmenschen geschwisterlich zu begegnen.

Gespräch mit Christus: Herr, manchmal behandle ich Menschen „geschäftlich“, „professionell“, „sachlich“, ohne Erbarmen, obwohl ich es gar nicht so meine. Aber wahre christliche Gerechtigkeit verlangt von mir, dass ich jeden Menschen aufgrund seiner Würde achte. Auch wenn diese Menschen Fehler machen, mich beleidigen, meine Zeit verschwenden, mich belästigen sollten, möchte ich ihnen aus christlicher Barmherzigkeit dennoch Liebe bezeigen. Denn auch sie sind Kinder Gottes und Pilger auf dem Weg, so wie ich. Ich weiß, wie am Ostersonntag würdest du ihnen mit den Worten „der Friede sei mit dir!“ entgegengehen. Ich danke dir, dass du mir so entgegenkommst und möchte anderen Menschen dieselbe Liebe erweisen.

Vorsatz:  Heute will ich mit einem armen oder leidenden Menschen Zeit verbringen, ohne dabei meinen Vorteil zu suchen. Das kann ich zum Beispiel durch ein Gespräch auf der Straße, ein Gebet oder einen Telefonanruf tun.


Wann „Suche“ zur „Begegnung“ wird

13. April 2014

Montag der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Martin I. Papst

P. William Webster LC

Joh 3,1-8
Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden. Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du bist wahrhaft auferstanden. Es gelingt mir nicht immer, dich im Gebet zu finden. Wer dich aber mit aufrichtigem Herzen sucht, wird nie von dir enttäuscht. Dass du lebst und heute in meinem Leben wirkst, das ist mein Glaube. Ich hoffe auf die Begegnung mit dir. Du weißt, dass ich dich liebe.

Bitte: O Herr, erwecke in mir eine tiefere Sehnsucht, dich zu suchen und dich zu lieben. Hilf mir, geduldig mit anderen umzugehen, die, wie ich, auf der Suche sind nach dir.

1.  Begegnung mit Jesus bei „Nacht“ Nikodemus – „ein führender Mann unter den Juden“, sucht Jesus bei Nacht, also heimlich, auf. Er war angesehen und wenn sein Besuch bei Jesus bekannt geworden wäre, hätte das Aufsehen erregt. „Wenn die Leute das wüssten…!“ dachte er wohl. Selbst noch nicht ganz im Licht, kommt er bei Nacht. Er stellt Jesus keine klare Frage. Doch hinter seinem Bekenntnis „Du kommst von Gott“ steht eine Bitte: Erkläre mir deine Lehre. Nikodemus kann mit der Lehre Jesu von der Wiedergeburt zunächst nichts anfangen. Ist das notwendig, ja gar möglich? Die Antwort Jesu scheint ihm rätselhaft – neues Leben? Jesus begegnet dem aufrichtigen Nikodemus mit Geduld und erklärt ihm, dass wahrer Glaube dem Menschen neue Horizonte eröffnet. Der Vater ist es, der uns seinen Geist sendet, – und das führt uns zur Begegnung mit Gott. Dies geschieht durch eine neue „Geburt“, die Taufe. Und dorthin gelangt man über einen Weg der Demut, der „Nacht der Sinne“ und der Läuterung – d.h., indem man sich vertrauensvoll von der unsichtbaren Hand Gottes leiten lässt.

2. Aus „Redemptor Hominis“, Nr. 10 (hl. Johannes Paul II.) „Der Mensch, der sich selbst bis in die Tiefe verstehen will - nicht nur nach unmittelbar zugänglichen, partiellen, oft oberflächlichen und sogar nur scheinbaren Kriterien und Maßstäben des eigenen Seins -, muss sich mit seiner Unruhe, Unsicherheit und auch mit seiner Schwäche und Sündigkeit, mit seinem Leben und Tode Christus nahen. Er muss sozusagen mit seinem ganzen Selbst in ihn eintreten, muss sich die ganze Wirklichkeit der Menschwerdung und der Erlösung »aneignen« und assimilieren, um sich selbst zu finden.“

3. Einem Suchenden geduldig begegnen Manchmal erfahren wir im Gebet keinen Trost, spüren wir keine Erfüllung. Natürlich kann das an unserer Nachlässigkeit liegen. Hier aber hat es mit einer „Nacht der Sinne“, also mit einer von Gott ausgehenden Läuterung unserer Person, zu tun. Es ist für uns etwas Rätselhaftes, wir verstehen uns selbst nicht. Straft uns Gott? Müssen wir irgendwie erraten, was ihm gefällt, um ihm näher zu kommen? Nein – Gott führt uns in die Tiefe der Selbst- und Gotteserkenntnis. Diese Erfahrung soll uns lehren, darauf zu vertrauen, dass der Wind weht, wo er will, und dass der Heilige Geist uns näher zum Vater führt, auch wenn wir das nicht spüren. Es ist gut, dass wir uns stets dem Heiland zuwenden. Wir sollen uns seine Kriterien immer mehr aneignen, besonders wenn es uns schwerfällt, weil wir keinen Trost empfinden. Aufgrund dieser Erfahrung gehen wir mit anderen geduldiger um, die, wie wir, auch Suchende sind. Wir sollten alle auf der Suche bleiben: danach trachten, seine Botschaft tiefer zu begreifen und wirksamer umzusetzen, mit anderen gütiger umzugehen, unseren Willen dem seinen anzupassen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, jeder hat seinen persönlichen und einzigartigen Weg zu dir. Nikodemus schien ein gotterfülltes Leben zu besitzen, doch auch er war auf der Suche. Auch ich bin auf der Suche, um dich tiefer zu kennen, mehr zu lieben. Erleuchte meinen Verstand, um deine Wahrheit zu begreifen. Stärke meinen Willen, um deinen Willen zu tun. Entzünde mein Herz mit deiner Liebe, um anderen gütig und geduldig zu begegnen, um dich in meinem Nächsten zu entdecken und dadurch näher zu dir zu kommen.

Vorsatz:  Für den heutigen Tag will ich Gott danken, dafür, dass er mich erschaffen hat und bei mir bleibt. Ich will das zum Ausdruck bringen, indem ich mich über nichts beschwere. Ich werde dem Herrn im Inneren dafür danken, wenn ich ihn bei Nacht suchen muss. Denn ich weiß, er lässt sich finden.


Aus dem stillen Gebet leben

14. April 2014

Dienstag der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Lidwina, Mystikerin

P. William Webster LC

Joh 3,7-15
Jesus sagte zu Nikodemus: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus erwiderte ihm: Wie kann das geschehen? Jesus antwortete: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht? Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir, und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an. Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche? Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

Einführendes Gebet:  Allmächtiger Gott, du hast uns deinen Sohn gesandt, um uns aus der Finsternis der Unwissenheit und Selbstbezogenheit zu befreien. Erhöre mein Gebet und erleuchte meinen Verstand, damit ich die himmlischen Dinge verstehe, das stille Gebet pflege, mich bei dir ausruhe, und so Kraft schöpfe, um dein Zeuge zu sein.

Bitte: Herr Jesus, dein Gespräch mit Nikodemus lädt mich ein, auf dich zu schauen. Ich bitte dich: Öffne mein Herz für deine Weisheit und Liebe, damit ich in dir das ewige Leben habe und diese Freude mit anderen teile.

1.  Stilles Gebet erfüllt uns mit Weisheit und Liebe Nikodemus sehnt sich nach innerer Erkenntnis, und der Herr weist ihm die Quelle der Weisheit: das Kreuz. Wie Paulus später sagen würde: Im Kreuze Christi offenbart sich Gottes Macht und Gottes Weisheit. Nikodemus scheinen diese himmlischen Dinge (wie auch uns) zu weit entfernt. Lärm, Mobilität, Informations- und Bilderflut im Alltag versetzen uns in Unruhe. Das stille Gebet ist der Weg, um sich dieser Quelle der Weisheit zu nähern. Gerade bei Nacht, das heißt in der Stille, in der Ruhe, offenbart sich der Menschensohn unseren Herzen. Dann lernen wir, dass nur er, der vom Himmel herabkam, uns den Weg zum Himmel weist, nur er, der erhöht wurde, uns Heilung spendet. Weisheit und Liebe sind Gaben, die er denjenigen schenkt, die geduldig und gläubig nach ihm Ausschau halten.

2. Aus einer Predigt von Papst Benedikt XVI. in Mariazell, September 2007 „Wir brauchen Gott, den Gott, der uns sein Gesicht gezeigt und sein Herz geöffnet hat: Jesus Christus. Johannes sagt von ihm zu Recht, dass er der einzige ist, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht (vgl. Joh 1,18); so konnte auch nur er aus dem Innern Gottes selbst uns Kunde bringen von Gott – Kunde auch, wer wir selber sind, woher wir kommen und wohin wir gehen… Nur ER ist Gott, und nur ER ist daher die Brücke, die Gott und Mensch wirklich zueinander kommen lässt. Wenn wir Christen ihn daher den einzigen, für alle gültigen Heilsmittler nennen, der alle angeht und dessen alle letztlich bedürfen, so ist dies … das Ergriffensein von dem, der uns angerührt und uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können… Wir brauchen Wahrheit. Aber freilich, aufgrund unserer Geschichte haben wir Angst davor, dass der Glaube an die Wahrheit Intoleranz mit sich bringe. Wenn uns diese Furcht überfällt, die ihre guten geschichtlichen Gründe hat, dann wird es Zeit, auf Jesus hinzuschauen, wie wir ihn hier im Heiligtum zu Mariazell sehen. Wir sehen ihn da in zwei Bildern: als Kind auf dem Arm der Mutter und über dem Hochaltar der Basilika als Gekreuzigten. Diese beiden Bilder der Basilika sagen uns: Wahrheit setzt sich nicht mit äußerer Macht durch, sondern sie ist demütig und gibt sich dem Menschen allein durch die innere Macht ihres Wahrseins. Wahrheit weist sich aus in der Liebe. Sie ist nie unser Eigentum, nie unser Produkt, so wie man auch die Liebe nicht machen, sondern nur empfangen und weiterschenken kann.“

3. Ausharren in Geduld gebiert Glaube, Hoffnung, Liebe Wenn ich mich dem stillen Gebet widme, muss ich die Sehnsucht nach Jesus lebendig erhalten. Auch wenn meine fünf Sinne allen möglichen Ablenkungen hinterherlaufen möchten, betet dann der Heilige Geist durch mich zum Vater. Mir das bewusst zu machen, heißt, den tiefsten Wunsch nach Vereinigung mit Gott in mir zu entdecken und zu fördern. Das kann ich mit guten Gedanken und Affekten tun. Gott will sich dem Menschen schenken. Lassen wir also dem neuen Menschen Raum, damit er durch die Anregungen des Heiligen Geistes und das Wirken der Gnade wächst. Das geduldige Ausharren im stillen Gebet gebiert den neuen Menschen, von dem Jesus spricht. Sein Glaube ist lebendig, seine Hoffnung voll Zuversicht und seine Liebe rein. Er kennt den Gekreuzigten, und weiß sich von ihm erkannt und geliebt.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, du sprichst zu mir in der Stille meines Herzens. Mach mich hellhörig für deine Eingebungen. Ich bin ich ganz auf dich angewiesen. Was soll ich anderen geben, außer dir? Erfülle mein Herz mit deiner Liebe und Weisheit, und mach mich zu einer Bereicherung für andere.

Vorsatz:  Heute werde ich ein paar Minuten in Betrachtung vor dem Gekreuzigten verweilen und dabei für einen Menschen in Not beten.


Barmherzigkeit schenkt Frieden

15. April 2014

Mittwoch der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Nidgar von Ausgsburg, Bischof

P. William Webster LC

Joh 3,16-21
Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Einführendes Gebet:  O Herr, du sprichst von Liebe, Gericht und Licht. Das Wort vom Gericht macht mir Angst. Du aber willst retten. Ich will mein Vertrauen auf dich stärken, und mich in deiner Gegenwart sammeln, um gemeinsam mit dir über deine Barmherzigkeit nachzudenken.

Bitte: Herr, gib mir die Kraft, die Mühen dieses Lebens und auch die wirklich schweren Stunden, die jeden erwarten, mit Mut und Entschiedenheit zu tragen. Schenk mir die Vergebung für meine Sünden und hilf mir mich an deiner Seite, durch dich und in dir dem Vater hinzugeben.

1.  Die Ordnung der Barmherzigkeit Es ist Jesus ein Anliegen, uns deutlich zu machen, dass wir verantwortlich für unsere Entscheidungen sind (auch wenn wir sie umgehen). Er will uns nicht verurteilen, sondern er ist gekommen, um uns zu retten. Wir selbst sprechen uns durch unsere Sünden das Urteil. Gottes Barmherzigkeit lässt ihn in Treue zu seinem ursprünglichen Bund stehen, trotz der Untreue des menschlichen Bundespartners. Er kommt uns Sündern in Jesus Christus zu Hilfe und vergibt dem Reumütigen seine Sünden. Er lässt das mit unseren Sünden verbundene Unheil in der Welt zu, um dadurch etwas Gutes, ja sogar Besseres, hervorzubringen (vgl. Röm 8,28). Leid soll in erster Linie zu Einsicht und Umkehr führen und nicht so sehr als Mittel strafender Gerechtigkeit dienen. Es zielt auf Barmherzigkeit ab. In der Ordnung der Barmherzigkeit sind wir immer in den gütigen Händen des liebenden Vaters.

2. Aus „Dives in Misericordia“, Nr. 7, vom Hl. Johannes Paul II. „Das auf Golgotha errichtete Kreuz… erwächst aus dem innersten Kern jener Liebe, die dem Menschen, der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen ist, gemäß dem ewigen Plan Gottes geschenkt worden ist. Gott, wie Christus ihn geoffenbart hat, bleibt nicht nur als Schöpfer und letzter Seinsgrund in enger Verbindung mit der Welt. Er ist auch Vater: mit den Menschen, den er in der sichtbaren Welt ins Dasein gerufen hat, verbinden ihn Bande, welche die des Erschaffens an Tiefe übertreffen. Es sind dies die Bande der Liebe, die nicht nur das Gute hervorbringt, sondern am Leben Gottes selbst, des Vaters, des Sohnes, und des Heiligen Geistes, teilhaben lässt. Wer liebt, den drängt es ja, sich selbst zum Geschenk zu machen… An diese Liebe glauben heißt an das Erbarmen glauben. Dieses ist ja die unerlässliche Dimension der Liebe, die spezifische Art, wie sie sich zeigt und vollzieht angesichts der Wirklichkeit des Übels in der Welt, das den Menschen trifft und bedrängt.“

3. Ans Licht treten mit gutem Gewissen Das Gewissen ist ein Echo der Stimme des Herrn, das mir hilft, seinem Gesetz zu folgen. Es ist eine freundliche Stimme, auch wenn es Grund dazu hat, manche meiner Vorhaben und Entscheidungen zu verurteilen. Der Lohn für die Sünde, wie es in der Schrift heißt, ist der Tod. Das Blut des Lammes reinigt das Gewissen durch das Sakrament der Versöhnung. So kann ich die Verstöße gegen den Bund mit Gott, die ihm und mir weh tun und eine objektive Unordnung in die Welt hineinführen, nach der Begegnung mit seiner Barmherzigkeit hinter mir lassen. So kann ich dem Herrn ein ruhiges und gutes Gewissen aufopfern, denn die wahre Reue bedeutet auch der feste Entschluss, ihn nicht wieder zu beleidigen. Die Fähigkeit, barmherzig zu sein, erlange ich durch die Teilhabe an der göttlichen Barmherzigkeit. Daher muss ich immer wieder – ja täglich – aus den Quellen der göttlichen Barmherzigkeit schöpfen. Nur so kann ich in der Freiheit der Kinder Gottes leben und täglich meinen Mitmenschen unter die Augen treten, denn der Blick meines liebenden himmlischen Vaters ruht auf mir.

Gespräch mit Christus: Allmächtiger Gott, ich danke dir für die Erfahrung deiner barmherzigen Liebe. In deinem Licht schöpfe ich neues Vertrauen, wenn ich den Schmerz über meine Sünden hinter mir lassenkann. Schenke mir deine Gnade, auf dass ich nicht sündige, und wenn ich oder andere Menschen sündigen, schenk uns deine Vergebung.

Vorsatz:  Heute will ich mich mithilfe einer Gewissenserforschung auf die Beichte vorbereiten, um mich ganz ins Licht des himmlischen Vaters zu stellen.


Von Gott geliebt zu werden verleiht Identität

16. April 2014

Donnerstag der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Bernadette Soubirous, Seherin von Lourdes

P. William Webster LC

Joh 3,31-36
Er, der von oben kommt, steht über allen; wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch. Er, der aus dem Himmel kommt, steht über allen. Was er gesehen und gehört hat, bezeugt er, doch niemand nimmt sein Zeugnis an. Wer sein Zeugnis annimmt, beglaubigt, dass Gott wahrhaftig ist. Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet die Worte Gottes; denn er gibt den Geist unbegrenzt. Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.

Einführendes Gebet:  O Herr, wer glaubt ist nicht allein. Die Worte, die du sprichst, schenken mir Mut und Zuversicht, dass Du in allen Situationen meines Lebens gegenwärtig bist. Ich glaube an dein Wort, dass du der Sohn Gottes bist und dass ich durch dich zum Vater kommen kann.

Bitte: Hilf mir, Jesus, dass die Liebe in mir so sehr wachsen kann, dass ich niemanden mehr betrüben muss. Schenk mir die Freude, dich zu finden und damit wahrhaft glücklich zu werden. Stärke meinen Willen, die schweren Augenblicke des Lebens zu bestehen und dich darin immer mehr zu lieben.

1.  Im Geliebt-werden entdeckt der Mensch sein wahres Sein Um Zeugnis geben zu können, muss man zuerst Zeuge eines Ereignisses sein. Ein Ereignis, das einen aus der Bahn wirft, wird sicher nicht gerne bezeugt. Deshalb wünschten sich alle Jünger nach der Auferstehung zunächst, dass die Dinge wieder in den „Normalzustand“ zurückkehrten. Petrus meinte nach der Auferstehung Jesu, er könne sich wieder mit einem Leben als Fischer begnügen. Das kannte er ja. Er suchte Sicherheit in alten Gewohnheiten. Maria aus Magdala wollte den auferstandenen Herrn festhalten. Sie wollte ihren alten Jesus wieder haben – den Jesus, an dessen Seite sie sich sicher fühlte, den sie umarmen konnte. Sie suchte ihre Sicherheit darin, Jesus physisch zu besitzen. Auch Thomas brauchte und suchte sichtbare Beweise, bevor er an die Auferstehung glauben konnte. Doch allen Jüngern begegnete Jesus mit der Aufforderung umzudenken: Willst du mein Zeuge sein? Glaube und fühle zuerst, dass du geliebt bist. Wer sich von Gott geliebt weiß, entdeckt sein wahres Sein.

2. Aus den privaten Schriften der hl. Bernadette „O Jesus und Maria, lass mein einziger Trost in dieser Welt sein: euch zu lieben und für die Sünder zu leiden. O Jesus, ich würde lieber tausendmal sterben, als dir untreu zu sein! Ich muss mir immer wieder sterben und Prüfungen akzeptieren ohne zu klagen. Ich arbeite, ich leide und ich liebe kein anderes Vorbild als [dein] Herz. Wer nicht bereit ist, alles für [dich] zu leiden und [deinen] Willen in allen Dingen zu tun, ist nicht des süßen Namens würdig. Denn hier unten, Liebe ohne Leiden gibt es nicht. Ich werde alles für den Himmel tun, meine wahre Heimat. Dort werde ich [dich] meine Mutter in all dem Glanz [deiner] Herrlichkeit finden. Ich werde mit dir in der Freude an Jesus in vollkommener Sicherheit erfüllt sein. Jesus, mein Gott, ich liebe dich über alles.“

3. Himmlisch denken Wir spüren immer wieder, wie sehr wir nur um unseren kleinen alltäglichen Horizont kreisen. Wie arm sind wir! Doch wenn wir im Glauben dem lebendigen Jesus begegnen, vermögen wir himmlisch zu denken. Das heißt, dass wir unseren Blick auf Werte und Gedanken lenken, die dann auch unseren Alltag prägen können. Ich bemühe mich, Gott zu lieben und tue dann auch seinen Willen. Dann spielt es keine so große Rolle mehr, ob ich von anderen Menschen gelobt oder vielleicht abgelehnt werde. Ich bin selbstbewusst, weil ich Gottes Kind bin und liebe daher alle Mitmenschen. Muss ich Prüfungen erleiden? – Der Glaube an den Sohn Gottes lässt mich in ihnen bestehen.

Gespräch mit Christus: O Herr, wie wenig verstehe ich es, in dir mein Glück zu suchen. Ich glaube, dass du auferstanden bist. So möchte ich nach deinem Willen an deiner Seite stehen. Gib mir Verständnis und Geduld, in allem deine liebende Hand zu entdecken.

Vorsatz:  Heute werde ich meinen Glauben üben, indem ich in einer mir unangenehmen Situation Geduld übe, aushalte und in einem Stoßgebet Gott danke.


Aus der Begrenztheit Liebenswürdigkeit entdecken

17. April 2014

Freitag der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Eberhard OPraem, Propst
Hl. Katharina

P. William Webster LC

Joh 6,1-15
Jesus ging an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du offenbarst deine Größe denjenigen, die erkennen, dass du sie einerseits berufst, dir zu dienen, dass aber andererseits ihr Beitrag unendlich geringer ist als das, was du uns schenkst.

Bitte: Allmächtiger Gott, erleuchte meinen Verstand, um deinen Willen großzügig und fügsam zu erfüllen. Lass mich deine heilende und barmherzige Gegenwart in meinem Umfeld erleben. Gib mir Kraft, deinem Willen zu folgen.

1.  Vertrauen, wenn Gott zulässt, dass ich an meine Grenzen komme. Die Jünger befanden sich zur Zeit dieses Wunders noch im Freudenrausch über den wachsenden Ruhm ihres Meisters. Sie sind näher an ihn herangerückt. Und so schien es ihm recht, sie nun zu prüfen. Er bat sie um etwas Schwieriges: Sie sollten den Menschen zu essen geben. Das hätten sie mit menschlichen Mitteln nie bewerkstelligen können. Was sie aus eigener Kraft beisteuern konnten, war gering – nicht einmal ein paar Brote brachten sie zusammen. Selbst dazu brauchten sie noch die Hilfe eines Jungen. Aber sie gehorchten und erfüllten trotz ihrer Mängel seine Bitte. – Und aus dem sehr wenigen wurde sehr viel, ja überfließend viel.

2. Aus dem Brief „Mysterium Fidei“ vom sel. Paul VI. „Außerdem sollen sie es nicht unterlassen, das allerheiligste Sakrament, - das an einem bevorzugten Ort und mit größter Ehrfurcht den liturgischen Gesetzen entsprechend in den Kirchen aufzubewahren ist - tagsüber zu besuchen; ein solcher Besuch ist ein Beweis der Dankbarkeit und ein Zeichen der Liebe und der schuldigen Verehrung gegenüber Christus, dem Herrn, der hierin gegenwärtig ist… Christus ist der wahre Emanuel, d.h. der ,,Gott mit uns“. Tag und Nacht weilt er in unserer Mitte und wohnt in uns voll Gnade und Wahrheit. Er formt unser sittliches Verhalten, er nährt die Tugenden, tröstet die Trauernden, stärkt die Schwachen und lädt alle, die zu ihm kommen, zu seiner Nachfolge ein, damit sie an seinem Beispiel lernen, sanftmütig und demütig von Herzen zu sein und nicht sich, sondern Gott zu suchen. Jeder, der eine besondere Andacht zur heiligen Eucharistie hat und sich bemüht, die unendliche Liebe Christi zu uns vorbehaltlos und großmütig zu erwidern, erfährt daher und erfasst zutiefst mit großer innerer Freude und Frucht, welchen hohen Wert ein Leben hat, das mit Christus in Gott verborgen ist und was es bedeutet, mit Christus Zwiesprache zu pflegen: hier auf Erden das Beglückendste und auf dem Weg zur Heiligkeit das Wirksamste.“

3. Gott das wenige geben, was ich geben kann.  Wenn ich mich Jesus anvertraue, beginnt er, an mich kleine Bitten zu richten. Sie machen mich manchmal unruhig, weil ich nicht weiß, wie ich sie erfüllen soll. Wenn ich aber genauer hinschaue, so bittet er mich einfach darum, ihm zu vertrauen. Er könnte alles auch ohne mich tun. Er will aber die Freude an seinem Heilswerk mit mir teilen. Er wählt den Weg über mich, und setzt mich damit gleichsam als Mittler für sein Wirken ein –mit meiner Großzügigkeit, mit meiner Fügsamkeit, aber auch mit meiner Kleinlichkeit und meinem Unvermögen. Wenn er mich um etwas Schwieriges bittet, so tut er es, damit meine Liebe wächst. Ich brauche seine Nähe, denn von mir aus bin ich schwach. Er allein ist wahrhaft bewundernswert.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, du vermagst alles. Bewirke in mir ein größeres Vertrauen, damit ich nicht vor den Herausforderungen des Lebens versage. Das einzige Versagen im Leben besteht darin, den Weg ohne dich zu gehen. Denn wenn ich bei dir bin, habe ich alles und bin vollständig.

Vorsatz:  Ich nehme mir heute vor, bei einem Besuch vor dem Allerheiligsten Sakrament mit Jesus Zwiesprache zu suchen.


Über den Tod hinaus leben

18. April 2014

Samstag der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Wigbert von Augsburg, Bischof

P. William Webster LC

Joh 6,16-21
Als es aber spät geworden war, gingen seine Jünger zum See hinab, bestiegen ein Boot und fuhren über den See, auf Kafarnaum zu. Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen. Da wurde der See durch einen heftigen Sturm aufgewühlt. Als sie etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gefahren waren, sahen sie, wie Jesus über den See ging und sich dem Boot näherte; und sie fürchteten sich. Er aber rief ihnen zu: Ich bin es; fürchtet euch nicht! Sie wollten ihn zu sich in das Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten.

Einführendes Gebet:  Allmächtiger Gott, ich knie vor dir in Ehrfurcht, denn ich weiß, dass du allein heilig bist. Ich hoffe auf dich, denn du kennst mich beim Namen und trägst mich in deiner väterlichen Hand. Ich liebe dich, denn zuvor hast du mir immer wieder deine Liebe erwiesen. Ich danke dir, dass du an mich denkst und mich zu dir führst.

Bitte: Herr, meine Ängste machen mich unruhig. Die Unsicherheiten des Lebens sind eine Last für meine Seele. Stärke in mir die Hoffnung auf deiner Gegenwart und dein Erbarmen. Sei mir gnädig und stärke meinen Glauben an die Eucharistie. Er möge mir helfen, dass ich dich als Gott-mit-uns erlebe.

1.  Quelle der Zuversicht Die Jünger hatten Angst, denn nach damaliger Auffassung galt ein großer See als Einfallstor zur Unterwelt. Dass jemand nachts über das Wasser ging war also Grund genug, außer sich vor Angst zu geraten. Ihnen war noch nicht klar, dass Jesus alles vermag, dass er auch Herr über die Elemente der Natur, über Leben und Tod, ist. Jesus schenkt ihnen den Trost, den sie brauchen, um den Weg mit ihm weiterzugehen. Schon vor seinem Tod und seiner Auferstehung, hinterlässt er ihnen die Eucharistie als Quelle der Stärke, der Zuversicht, des Erbarmens.

2. Brief an seinen Pfarrer, sel. Franz Jägerstätter (Märtyrer, †1943) [Ich] muss Ihnen mitteilen, dass Sie vielleicht bald wieder eines Ihrer Pfarrkinder verlieren werden. Habe heute den Einberufungsbefehl [zur Wehrmacht] bekommen und sollte schon am 25. des Monats in Enns sein. Da mir eben niemand Dispens geben kann über das, was ich mir bei diesem Verein am Seelenheile Gefahr zuziehen würde, so kann ich halt meinen Entschluss [mich dem Befehl zu widersetzen], wie Sie ja wissen, nicht ändern. Es heißt zwar immer, man soll das nicht tun wie ich, wegen Lebensgefahr, ich bin aber der Ansicht, dass auch die anderen, die da mitkämpfen, nicht ganz außer Lebensgefahr sind.

3. Glaube und Liebe, die über den Tod hinaus tragen Der Glaube an die Eucharistie ist ein Glaube an die Allmacht Jesu. Dieser Glaube trägt mich durch das Leben und über den Tod hinaus. Wenn er ruft: „Fürchtet euch nicht! Ich bin es!“, ist dies ein Ruf, der sich an die Jünger aller Orten und Zeiten richtet. Der eucharistische Jesus ist „Unterpfand der künftigen Herrlichkeit“, wie der hl. Thomas von Aquin es ausdrückte. Viele Heilige und Selige der Kirche schöpften ihre Kraft aus dem Sakrament der Eucharistie, und nicht einmal die Furcht vor dem Tod konnte sie von ihrem Glauben und ihrer Liebe zu Jesus abhalten. Auch ich will im Glauben an die Eucharistie wachsen, denn ich bin zur gleichen Herrlichkeit berufen.

Gespräch mit Christus: O Herr, das Leben vieler Heiliger, wie das des sel. Franz Jägerstätter, ermutigt mich, in meinem Glauben zu wachsen. Du weißt um mich, und schenkst mir den Glauben, den ich brauche. Dieser Glaube wächst, wenn ich ihn mit anderen teile. Gib mir den Mut dazu.

Vorsatz:  Heute werde ich jemandem, der in Not ist oder Trost braucht, zuhören und ihn anschließend zu einem Besuch des Allerheiligsten Sakraments einladen. Wenn er der Einladung nicht folgen kann oder will, mache ich selbst solch einen Besuch für ihn.