Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 5. April 2015 bis Samstag 11. April 2015

Erste Woche in der Osterzeit

P. Martin Baranowski LC

Persönliche ChristusbegegnungSonntag
Messe als ChristuserfahrungMontag
Weg zur FreudeDienstag
Frucht des WeinensMittwoch
Gereifter GlaubeDonnerstag
Unerwartetes GeschenkFreitag
Freudige ZeugenSamstag


Persönliche Christusbegegnung

5. April 2014

Erster Sonntag in der Osterzeit
Ostersonntag

P. Martin Baranowski LC

Joh 20,1-18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.

Einführendes Gebet:  Voll Freue möchte ich heute den Tag deiner Auferstehung feiern. Öffne mein Herz für die Botschaft des Evangeliums des Lebens, die mein Leben und auch die Welt verändert. Erneuere meinen Glauben an deinen Ostersieg, stärke meine Hoffnung, dass auch ich an diesem neuen Leben teilhaben kann, und entzünde in mir die Liebe, die mich dich beständig suchen lässt.

Bitte: Herr, schenke mir einen lebendigen Glauben an deine Auferstehung und lass mich teilhaben an dem neuen Leben, das deine Auferstehung gebracht hat.

1.  Überraschungen Gottes Obwohl Jesus eigentlich mehrfach seinen Tod und seine Auferstehung angekündigt hatte, waren seine Jünger durch die Ereignisse der Passion erst einmal vollkommen aus der Bahn geworfen und niedergedrückt. An eine Auferstehung am dritten Tag dachten sie überhaupt nicht. Oft geht es auch uns als Christen ähnlich: die Kreuze unseres Lebens treffen uns unvorbereitet und schlagen uns nieder. Oft erwarten wir dann vielleicht auch nicht wirklich die Erfüllung der Verheißungen Gottes und rechnen nicht mit seinem Wirken in unserem Leben. Die Erfahrung von Ostern möchte Licht und Mut in mein Leben bringen.

2. Botschaft der Kirche Das Evangelium stellt auf zweifache Weise einen besonderen Bezug zu Petrus her: Zuerst bringt ihm Maria von Magdala die Nachricht vom leeren Grab, dann lässt der Lieblingsjünger – obwohl er den Wettlauf zum Grab gewonnen hatte – Petrus respektvoll den Vortritt. Der Glaube an die Auferstehung gründet nicht allein auf subjektiven Erlebnissen, sondern wird von Petrus, der später zum Haupt der Kirche wird, bestätigt. Dies gibt uns die Sicherheit, dass die Botschaft von der Auferstehung Christi, welche die Kirche heute erneut in der ganzen Welt verkündet, wirklich glaubwürdig ist.

3. Persönliche Begegnung mit dem Herrn Das leere Grab, das die Apostel entdecken, ist an sich noch kein Beweis für die Auferstehung Jesu – dafür könnte es auch andere Erklärungen geben. Wirkliche Sicherheit erhalten sie erst durch die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen. So gründet auch unser christlicher Glaube nicht allein auf einer Zustimmung zur Glaubenslehre, sondern besonders auf der persönlichen Erfahrung und Begegnung mit dem lebendigen Jesus. Christlicher Glaube ist keine bloße Beschäftigung mit einer historischen Persönlichkeit, sondern eine Begegnung mit dem Herrn, der mir seine Freundschaft anbietet.

Gespräch mit Christus: Jesus, wie dein Jünger Johannes möchte ich heute „sehen und glauben“ – hilf mir, auf deine Wunder und dein Wirken in der Geschichte, sowie in meinem persönlichen Leben zu blicken. Dadurch kann ich im Glauben und Vertrauen auf dich wachsen.

Vorsatz:  Am heutigen Osterfest möchte ich besonders bewusst das Glaubensbekenntnis beten und damit meinen Glauben an den Herrn und meine Weihe an ihn in der Taufe erneuern.


Messe als Christuserfahrung

6. April 2014

Erster Montag in der Osterzeit
Ostermontag

P. Martin Baranowski LC

Lk 24,13-35
Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Einführendes Gebet:  Herr, lass mich in dem Weg der Emmausjünger auch meinen eigenen Weg entdecken und begreifen, dass du diesen Weg bei jeder Feier der heiligen Messe mit mir neu gehst. Bring auch mein Herz neu zum Brennen, lass mich dich erkennen und dich bezeugen.

Bitte: Hilf mir, den Wert und das Geschenk der heiligen Messe neu zu entdecken und zu schätzen.

1.  Die heilige Messe Während die Emmausjünger noch in der Vergangenheit leben und zu ihrer alten Lebensweise zurückkehren wollen, steht Jesus in der Gegenwart und will ihren Blick auf die Zukunft richten. Wie Jesus zunächst unerkannt zu den Emmausjüngern kommt, so begegnet er auch uns jedes Mal in der heiligen Messe verborgen in der Gestalt des Priesters. Er hört sich geduldig unsere Sorgen, Fragen und Enttäuschungen an, um eine neue Perspektive aufzuzeigen. Aus dem frustrierten „wir aber hatten gehofft“ soll eine neue und realistischere Hoffnung werden.

2. Der Wortgottesdienst Die Emmausjünger sind eigentlich bestens informiert. Sogar die Botschaft vom leeren Grab haben sie bereits erhalten. Doch sie begreifen nicht deren tiefe Bedeutung und Sinn. Alles ist für sie eine kalte Theorie, die ihr Herz nicht zu erfüllen vermag. Oft geht es uns auch so, dass wir gewisse Schriftstellen schon oft gehört haben, ja sogar auswendig kennen, ohne jedoch ihre tiefe Bedeutung erfasst zu haben. Der christliche Glaube gründet sich letztlich nicht auf die Texte eines Buches, sondern auf das lebendige Wort, das Fleisch geworden ist und uns den Sinn der Schrift erschließt: auf die Person Jesus Christus.

3. Die Eucharistiefeier Erst beim Brechen des Brotes erkennen die Jünger den Herrn. Diese Erfahrung kann bei jeder Eucharistiefeier vergegenwärtigt werden, da Christus dort in unsere Mitte kommt und erfahrbar wird. Der Empfang der Kommunion ermöglicht die Begegnung mit dem lebendigen Christus. Wer das erlebt, kann das nicht für sich behalten, nicht ruhig schlafen gehen, sondern ist wie die Emmausjünger erfüllt, gestärkt und motiviert, um aufzubrechen und die Freude dieser Erfahrung mitzuteilen. Sie eilen nach Jerusalem zu den Aposteln. Jede echte Christuserfahrung führt somit zum Apostolat und zur Gemeinschaft der Kirche.

Gespräch mit Christus: Jesus, hilf mir, dass jede Mitfeier der heiligen Messe für mich eine lebendige Begegnung mit dir wird. Gib mir den Mut, mich dir zu öffnen, auf dein Wort zu hören, dich in mein Herz einzuladen und dich dann bezeugen zu können.

Vorsatz:  Heute möchte ich besonders bewusst und andächtig die heilige Messe mitfeiern: bewusst mitbeten, aufmerksam auf die Worte der Schrift hören und Jesus eifrig in der heiligen Kommunion empfangen.


Weg zur Freude

7. April 2014

Dienstag der Osteroktav
Hl. Johann Baptist de la Salle FSC

P. Martin Baranowski LC

Mt 28,8-15
Maria Magdalena und die andere Maria verließen schnell das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen

Noch während die Frauen unterwegs waren, kamen einige von den Wächtern in die Stadt und berichteten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Diese fassten gemeinsam mit den Ältesten den Beschluss, die Soldaten zu bestechen. Sie gaben ihnen viel Geld und sagten: Erzählt den Leuten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Falls der Statthalter davon hört, werden wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu befürchten habt. Die Soldaten nahmen das Geld und machten alles so, wie man es ihnen gesagt hatte. So kommt es, dass dieses Gerücht bei den Juden bis heute verbreitet ist.

Einführendes Gebet:  Herr, lass diese Meditation zu einer persönlichen Begegnung mit dir werden, damit ich dich als lebendige Person erfahren und bezeugen kann.

Bitte: Herr, schenke mir durch die Betrachtung deiner Auferstehung Mut und Hoffnung und lass mich dich und dein Wirken in meinem Leben erkennen.

1.  Jesus kommt entgegen Die Entdeckung des leeren Grabes allein begründet noch nicht die Osterbotschaft und den christliche Glauben an die Auferstehung Christi. Erst die wiederholte Begegnung mit dem lebendigen Christus, die von vielen verschiedenen Personen zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten erlebtund dann unerschrocken bezeugt wird, gibt die Sicherheit, dass die Auferstehung Jesu keine Einbildung, Wunschtraum oder Täuschung sein kann, sondern Wirklichkeit ist. Jesus möchte in dieser Meditation auch mir entgegen kommen, um mich seine lebendige Gegenwart erfahren zu lassen.

2. Von der Furcht zur Freude Zu Beginn ihres Weges waren die Frauen noch voll Furcht und dennoch auch mit Freude erfüllt. Die Begegnung mit Jesus nimmt ihnen die Furcht und stärkt die Freude. Die Auferstehung Christi ist nämlich der Sieg der Liebe. Diese Liebe will Jesus auch in uns entzünden, und das Feuer dieser Liebe vertreibt die Dunkelheit von Angst, Furcht und Sorgen: „Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht“ (1 Joh 4,18). Wer sich jedoch der Botschaft der Auferstehung verschließt wie die Wächter und die Hohenpriester, der muss Wege finden, um die Wahrheit zu verschleiern. Er trägt seine Ängste, Sorgen und Probleme nicht vor Jesus hin, sondern behält sie für sich und wird unzufrieden.

3. Einfachheit der Glaubens Auch wenn der christliche Glaube oft anspruchsvoll ist, kann man doch mit Kardinal Faulhaber sagen: „Man glaubt nicht, wie viel man glauben muss, um ungläubig zu sein.“ Die Wachen erklären, sie hätten geschlafen, aber dabei wollen sie doch genau bemerkt haben, wie die Jünger den Leichnam Jesu stahlen. Die Hohenpriester versprechen, beim Statthalter für dessen Soldaten, die angeblich versagt haben, Fürsprache einzulegen … Frei nach Chesterton: Es gibt keinen Unsinn, den der Mensch nicht bereit wäre zu glauben, wenn er damit die Wahrheit des christlichen Glaubens umgehen kann.

Gespräch mit Christus: Jesus, hilf mir, die verschiedenen Ausreden in meinem Leben zu durchschauen und gib mir durch deine Liebe die Kraft, furchtlos die befreiende Wahrheit anzunehmen, umzusetzen und zu verkünden.

Vorsatz:  Heute möchte ich versuchen, einige gute Eigenschaften meiner Mitmenschen ehrlich zu sehen und zu loben.


Frucht des Weinens

8. April 2014

Mittwoch der Osteroktav
Hl. Walter von Rebais OSB
Hl. Julia Billart SND

P. Martin Baranowski LC

Joh 20,11-18
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Einführendes Gebet:  Herr, rufe mich heute bei meinem Namen wie du Maria Magdalena angesprochen hast. Hilf mir auch, deine Stimme zu erkennen so wie sie dich erkannt hat.

Bitte: Herr, verwandle mein Weinen in Freude und meine Zweifel in Glauben.

1.  Das Weinen lernen Eine wichtige Grundlage für die Begegnung mit Jesus ist die Kunst des Weinens. Papst Franziskus gibt zu bedenken: „Gewisse Realitäten des Lebens sieht man nur mit Augen, die durch Tränen reingewaschen sind. Ich lade jeden von euch ein, sich zu fragen: Habe ich gelernt zu weinen?“ (Ansprache von Papst Franziskus in Manila bei der Begegnung mit den Jugendlichen am 18. Januar 2015). Ohne Sensibilität für die Nöte und Sorgen der Welt, die Anteilnahme am Leiden der Mitmenschen und die Trauer über die eigenen Sünden, finden wir Gott nicht. Maria Magdalena wird fähig Jesus zu erkennen, weil sie durch Weinen gereinigt wurde. Worüber weine ich?

2. Beharrliche Suche Während viele Jünger nach den Ereignissen des Karfreitags schockiert und entmutigt sind, lässt sich Maria Magdalena nicht davon abbringen, weiter nach Jesus zu suchen. Selbst in der scheinbaren Sinnlosigkeit kommt sie zum Grab, fragt nach dem Leichnam, will Jesus festhalten. Die Begegnung mit Jesus ist ein unverdientes Geschenk; doch demjenigen, der beständig sucht, wird sich der Herr zeigen: „Lehre mich, dich zu suchen, und zeige dich dem Suchenden; denn ich vermag dich nicht zu suchen, wenn du mich nicht lehrst; ich kann dich nicht finden, wenn du dich nicht zeigst. Ich möchte dich suchen in Sehnsucht, nach dir verlangen im Suchen. Ich will dich finden im Lieben und dich lieben im Finden“ (Anselm von Canterbury, Proslogion, Cap. 1).

3. Eine Sendung Maria Magdalena will den Herrn festhalten und nicht mehr loslassen. Wie gerne möchte auch ich Jesus und die schönen Momente mit ihm festhalten! Wie sehr wünsche ich, dass die Verbundenheit mit ihm nicht abbricht! Doch diese Freude ist dem Himmel vorbehalten. Wie Maria Magdalena sendet Jesus auch mich mit einer frohen Botschaft aus. Die christliche Sendung ist daher kein Aktivismus und keine Propaganda, sondern Folge einer Begegnung mit dem Herrn.

Gespräch mit Christus: Herr, wandle auch meine Trauer in Freude und hilf mir, für meine Mitmenschen ein Zeuge für jene Freude zu werden, die du allein zu schenken vermagst.

Vorsatz:  Ich möchte heute besonders einfühlsam und aufmerksam für die Anliegen und Bedürfnisse meiner Mitmenschen sein und eine Gelegenheit suchen, jemanden eine Freude zu machen.


Gereifter Glaube

9. April 2014

Donnerstag der Osteroktav
Hl. Waltrud OSB, Äbtissin
Hl. Konrad I., Erzbischof

P. Martin Baranowski LC

Lk 24,35-48
Die Jünger Jesu erzählten, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür.

Einführendes Gebet:  Herr, dieses Gebet soll für mich eine persönliche Ostererfahrung werden, eine freudige Überraschung von deiner lebendigen Nähe. Lass mich alle Ablenkungen, Sorgen und Stumpfheit ablegen, damit ich meinen Geist und mein Herz für dich öffnen kann.

Bitte: Herr Jesus, erlaube auch mir, in dieser Meditation deine Gegenwart zu erfahren. Nimm alle Zweifel von mir und zeige dich mir. Öffne auch mir Augen und Herz für das Verständnis der Schrift und lass mich dein Zeuge sein.

1.  Gewachsener Glaube Während damals wie heute immer wieder behauptet wird, die Jünger Jesu hätten mit einem genialen Täuschungsplan die Leiche Jesu gestohlen, um die Auferstehung verkünden und eine neue Religion gründen zu können, zeigt das Evangelium ein ganz anderes Bild. Die Jünger Jesu hatten die Auferstehung gar nicht erwartet. Obwohl sie nun schon verschiedene Zeugen gehört haben, fällt ihnen dieser Glaube schwer. Selbst als ihnen der Auferstandene begegnet, zweifeln sie und können es kaum fassen. Der Auferstehungsglaube wird daher weder von ihnen selbst erdacht – im Gegenteil: sie müssen erst mühsam zu ihm gelangen – noch ist er Frucht einer naiven Leichtgläubigkeit. Auch mein Glaube soll nicht selbst gebastelt oder naiv sein, sondern sich von Gott formen und führen lassen.

2. Keine Einbildung Das Evangelium möchte mit aller Klarheit verkünden, dass die Jünger den auferstandenen Jesus wirklich gesehen, erlebt und berührt haben, so dass eine Täuschung oder Einbildung auszuschließen ist. Sie haben seine Wunden erkannt, ihn angefasst, ihn Fisch essen sehen, mit ihm gesprochen. So soll sich auch mein Glaube nicht auf irgendwelche fixe Ideen, vage Vorstellungen oder rein persönliche Gedanken gründen, sondern auf die reale Begegnung mit dem Herrn. Diese ist möglich, wenn ich seine Wunden betrachte, ihn mit meinem Leben berühre, mit ihm rede und seine Gegenwart erlebe.

3. Zeuge sein Die Jünger Jesu sollen keine blinden Fans, Schwärmer oder Fanatiker sein, sondern wahre Zeugen. Ein Zeuge darf keine Phantasien oder Wunschträume erfinden, sondern muss nüchtern das berichten, was er selbst gesehen und erlebt hat. Der christliche Glaube ist somit wesentlich ein Zeugnis vom Wirken Gottes, eine Überzeugung von einer Wahrheit, die nicht selbst erfunden, sondern persönlich entdeckt und erlebt wurde. Dazu gibt es so viele Wege wie es Menschen gibt. So bin auch ich eingeladen zu erfahren und zu bezeugen, wie Gott in mein Leben eingetreten ist und gewirkt hat.

Gespräch mit Christus:  „Herr, schau her, erhöre, erleuchte uns und zeige uns dich selbst! Gib dich uns wieder, damit es uns wohlergehe; denn wir sind arm ohne dich. Hab Erbarmen mit unseren Mühen und unseren Versuchen, zu dir zu kommen; denn wir vermögen nichts ohne dich!“ (Anselm von Canterbury, Proslogion, Cap. 1)

Vorsatz:  Ich möchte heute bei einer passenden Gelegenheit von einer persönlichen Glaubenserfahrung berichten.


Unerwartetes Geschenk

10. April 2014

Freitag der Osteroktav
Hl. Engelbert, Abt
Hl. Magdalena Gabriela von Canossa FDC

P. Martin Baranowski LC

Joh 21,1-14
Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Einführendes Gebet:   „Auf, du kleiner Mensch, flieh ein wenig deine Geschäftigkeit, und versteck dich eine kleine Weile vor deinen lauten Gedanken! Wirf die Sorgen ab, die auf dir lasten, und lass deine Zerstreuungen! Gönne dir Zeit für Gott, komm bei ihm zur Ruhe!“ (Anselm von Canterbury, Proslogion, Cap. 1)

Bitte: Herr, erlaube mir, in dieser Meditation in das Boot des Petrus – die Kirche – zu steigen, um dort dir zu begegnen und Nahrung für meinen Tag und mein Leben zu finden.

1.  Mit Petrus zu Jesus Einige Jünger steigen mit Petrus ins Boot. Auch wenn sie zunächst keinen Erfolg beim Fischen haben, so kommen sie an seiner Seite doch zur Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. So ist es auch heute mit der Kirche. Rein menschlich scheint sie oft klein, schwach und erfolglos. Aber in ihr können wir auch heute immer wieder Jesus begegnen. Für niemanden ist die Einstiegshürde zu hoch, und gerade Petrus, der den Herrn verleugnet hat, zeigt, dass es nicht auf persönliche Verdienste, sondern auf ein offenes Herz ankommt.

2. Der Sprung ins Wasser Schon einmal hatte sich Petrus aus dem Boot aufs Wasser getraut, nachdem er erkannt hatte, dass Jesus vor ihm steht. Auch hier zögert er nicht lange, die Sehnsucht nach Jesus lässt ihn nicht warten. Doch in beiden Fällen ist sein Weg kein Triumphzug. Beim Gang auf dem Wasser wurde beim Blick auf Wind und Wellen sein Glaube schwach, er begann zu versinken und musste von Jesus aus dem Wasser gezogen werden. Nun hat er den Herrn im Angesicht der Passion dreimal verleugnet und braucht seine Vergebung. Auch auf unserem Glaubensweg erleben wir das Einsinken und Hinfallen, wir brauchen die helfende Hand des Herrn.

3. Geheimnisvolle Nähe Jesu Die Netze der Jünger bleiben zunächst leer. Erst als sie auf das Wort Jesu hin erneut ausgeworfen werden, füllen sie sich und bringen einen reichen Fang an Land. Jesus lässt seine Jünger nicht hungrig und mit leeren Händen stehen. Er kann und möchte sie sättigen. Das erfordert allerdings auch ihre Mitarbeit. Dann erleben sie die eigentümliche Sicherheit, dass es der Herr ist, der sie begleitet, stärkt und hilft. Auf diese Weise ist uns Gott oft auch auf unserem Lebensweg nahe. Er lässt zuweilen auch Misserfolg zu. Doch gerade die leeren Netze helfen uns, neu auf ihn zu hören und auf ihn zu vertrauen. So erfahren auch wir seine liebevolle Nähe.

Gespräch mit Christus: Herr, stärke mich, damit ich immer wieder den Weg zu dir finde – auch durch Misserfolge, Scheitern, Reinfälle und Zweifel hindurch. Lass mich die Freude und Sicherheit erfahren, die deine Nähe schenkt.

Vorsatz:  Ein Anliegen, das mir besonders am Herzen liegt, möchte ich heute besonders dem Herrn anvertrauen und mir dazu eine gute Zeit zum Gebet suchen.


Freudige Zeugen

11. April 2014

Samstag der Osteroktav
Hl. Stanislaus von Krakau, Bischof

P. Martin Baranowski LC

Mk 16,9-15
Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammen gewesen waren und die nun klagten und weinten. Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht. Darauf erschien er in einer anderen Gestalt zweien von ihnen, als sie unterwegs waren und aufs Land gehen wollten. Auch sie gingen und berichteten es den anderen und auch ihnen glaubte man nicht. Später erschien Jesus auch den Elf, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!

Einführendes Gebet:  Herr, in dieser Meditation möchte ich auf deine Stimme hören und die Ereignisse meines Lebens in deinem Licht betrachten. Lass mich die Zeichen deiner Gegenwart und deines Wirkens in meinem Leben erkennen und deinen Auftrag für diesen Tag verstehen.

Bitte: Herr, gibt mir Mut und Kreativität, um deinen Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums konkret in meinem Umfeld umsetzen zu können.

1.  Ein neues Leben Das heutige Evangelium fasst noch einmal verschiedene Erscheinungen des Auferstandenen zusammen. Dabei wird deutlich, dass es bei der Auferstehung Jesu nicht nur um eine Fortsetzung des irdischen Lebens geht, sondern um ein neues Leben. Während seines irdischen Lebens rief Jesus die Tochter des Jaïrus, den Jüngling von Naïn und den Lazarus ins Leben zurück. Diese mussten aber später wieder sterben. Die Auferstehung ist keine Wiederbelegung einer Leiche, sondern ein Leben, das einerseits in der Kontinuität des bisherigen steht (Wundmale Jesu, Körper der angefasst werden kann, gemeinsames Essen) andererseits auch neu und anders ist (verschiedene Gestalten, erscheint und verschwindet, durchschreitet verschlossene Türen). Auch mein christliches Leben soll gleichzeitig normal im Alltag stehen und doch auch besonders und neu sein.

2. Glaubwürdige Zeugen Jesus selbst bestätigt die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die seine Auferstehung verkünden. Er sucht sich Menschen aus, durch die er diese Botschaft verbreiten möchte. Der christliche Glaube verbreitet sich nicht durch Bücher, sondern durch Menschen, die mit ihrem Leben für das Evangelium einstehen. Die Lebendigkeit der Kirche ist nicht an Mitgliederzahlen, Kirchensteuereinnahmen oder Aktivitäten zu bemessen, sondern an der Zahl und dem Zeugnis derer, die dem lebendigen Christus wirklich begegnet sind. Bin ich einer davon?

3. Ein großer Auftrag Die Auferstehung Christi ist eine Botschaft, welche die Welt verändert und deshalb überall verkündet werden muss. Denn mit der Auferstehung Christi wurden Sünde und Tod besiegt. Insofern antwortet sie auf ein tiefes Bedürfnis und eine Sehnsucht, die in jedem Menschenherzen zu finden sind. Die Verkündigung des christlichen Glaubens möchte niemandem eine Weltanschauung oder Meinung aufzwingen, sondern eine Botschaft der Freude und Befreiung verbreiten, auf die alle – bewusst oder unbewusst – warten. Bin ich bereit, diesen Auftrag Jesu in meinem Umfeld zu erfüllen?

Gespräch mit Christus: Herr, reiße mich wie deine Jünger heraus aus dem Sumpf des Unglaubens, der Angst, der Unentschlossenheit und der Verschlossenheit in den eigenen Gedanken. Zeige mir, was du mit mir vorhast und wie du durch mich wirken möchtest.

Vorsatz:  Heute möchte ich mir überlegen, auf welche Weise ich am Evangelisierungsauftrag Jesu bereits mitwirke und was ich dafür noch tun kann.