Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 22. Februar 2015 bis Samstag 28. Februar 2015

Erste Woche in der Fastenzeit

P. Robert Presutti LC, P. Richard Gill LC, P. Alex Yeung LC, P. Thomas Berg LC

Zeit der VersuchungSonntag
Heiligkeit und GemeinschaftMontag
Zeit des FastensDienstag
Sich der Gabe Gottes bewusst seinMittwoch
Niemals aufhören, nach Heiligkeit zu strebenDonnerstag
Echte und vorgetäuschte HeiligkeitFreitag
Vollkommen sein?Samstag


Zeit der Versuchung

22. Februar 2015

Erster Fastensonntag
Invocabit

P. Robert Presutti LC

Mk 1,12-15
Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du mich führst und dass ich nur dann in die Irre gehe, wenn ich meine Augen von dir abwende und dir nicht mehr nachfolge. Ich weiß, dass du mich niemals aufgibst. Ich danke dir für deine bedingungslose und heilbringende Liebe. Ich lege mein ganzes Vertrauen in dich, und ich will dich von ganzem Herzen, mit ganzer Kraft und ganzer Seele lieben.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir standhaft zu sein in der Stunde der Versuchung.

1.  Die Rolle der Versuchung. Das öffentliche Leben Jesu beginnt in einer Konfrontation mit dem Satan. Bevor der Herr irgendein Wunder tut, bevor er Gleichnisse erzählt und Schüler um sich schart, macht Jesus deutlich, worum es in seinem Leben gehen soll und wozu er gekommen ist - die Werke des Teufels zu zerstören und das Königreich der Barmherzigkeit aufzurichten. Um das zu tun, setzt sich Jesus der gefährlichsten Waffe des Teufels gegen den Menschen aus: der Versuchung. Satan verführt den menschlichen Geist zu einem Leben in Sünde, das darin besteht, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Jesus tritt dem Teufel auf dessen ureigenstem Gebiet entgegen und bleibt – angesichts ungeheuerlicher Versuchung – dem Vater und seinem Willen treu. Die Versuchung spielt eine wichtige Rolle im Heilsplan. Sie hilft uns zur Entscheidung - entweder richten wir unser Leben auf Gott aus und nehmen seine Gnade an oder wir leben nur für uns selbst und verharren in der Sünde.

2. Wilde Tiere und Engel. Wir sind zu beidem fähig, Heiliger zu sein oder Sünder. Niemandes Schicksal ist vorbestimmt. Sogar die Engel mussten sich zwischen Gut und Böse entscheiden und damit ihr persönliches Schicksal festlegen. Die Liebe und Hingabe der Engel, die das Gute wählten, machte sie zu verlässlichen Werkzeugen für Gottes Willen und Plan. Die sündige Selbstbezogenheit der Dämonen machte sie zu wilden Bestien, ständig auf der Suche nach neuen Opfern. Unsere Person und unsere intimsten und geheimsten Entscheidungen sind Teil dieses immerwährenden Kampfes zwischen Gut und Böse. Jede Stunde der Versuchung ist eine Stunde der Wahl und der Entscheidung. Je stärker die Versuchung, desto stärker muss die Entscheidung sein. Entscheiden wir uns oft für das Gute, wird dies zur guten Gewohnheit, und viele gute Gewohnheiten machen einen guten Charakter, und ein guter Charakter, der offen ist für Gottes Heil, ist Heiligkeit.

3. Hier und Jetzt. Christus tritt in Galiläa auf und ruft zur Entscheidung. Jesus Christus gegenüber kann niemand gleichgültig bleiben; niemand hört seine Botschaft, ohne sich danach in einer Weise zu entscheiden. Jesus ruft alle Männer und Frauen in sein Reich, und dieser Ruf bewirkt ständig, dass die Menschen sich entweder für ihn oder gegen ihn entscheiden. Der beste Moment für die Entscheidung ist immer jetzt, und der beste Ort ist immer hier. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier, wo dann? „Die Kirche versteht die Fastenzeit daher als einen besonderen Aufruf, das Böse an seinen Wurzeln zu bekämpfen. Die Versuchung ist nicht nur eine Gelegenheit zur Sünde, sie ist auch eine Wurzel der Sünde. Der Mensch wird nicht nur angezogen vom Bösen, er ist manchmal umgeben davon. Christus macht uns das gleich zu Beginn dieses Weges, der Fasten heißt, klar. Gleichzeitig weist er jeden von uns auf die rettende Macht des Evangeliums hin“ (Predigt Johannes Paul II., 24.2.1985).

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich möcht mich immer für dich entscheiden, aber ich weiß, dass ich schwach bin. Bitte gib mir Kraft in der Stunde meiner Versuchung. Bitte mach mich standhaft und entzünde mein Herz mit Liebe, damit ich dich und deine Wege auch dann wähle, wenn es mich etwas kostet. Mögen die Versuchungen, denen ich standhalte, den Weg zu einem heiligen Leben säumen.

Vorsatz:  Herr Jesus, hilf mir standhaft zu sein in der Stunde der Versuchung.


Heiligkeit und Gemeinschaft

23. Februar 2015

Montag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Polykarp, Bischof und Märtyrer
Hl. Willigis, Erzbischof

P. Alex Yeung LC

Mt 25,31-46
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du bist mein Retter und Erlöser. Ich setze alle meine Hoffnung und mein Vertrauen auf dein göttliches Herz. Mit dir ist alles möglich – sogar meine Heiligkeit. Wenn ich wie ein Kind an dich glaube und dir grenzenlos vertraue, wird deine Gnade in meinem Leben den Sieg davon tragen, dessen bin ich gewiss. Ich möchte heute an Heiligkeit zunehmen, so dass ich dich, meinen Gott, mehr liebe als alles andere. Amen.

Bitte: Herr, hilf mir, dankbar daran zu denken, dass das Wachsen in der Heiligkeit inmitten einer christlichen Gemeinschaft geschieht.

1.  Heiligkeit ist im Wesentlichen das Suchen nach dem Guten in anderen. Der Katechismus der Katholischen Kirche stellt folgendes fest: „Die Liebe ist die Seele der Heiligkeit, zu der alle berufen sind: ‚Sie leitet und beseelt alle Mittel der Heiligung’“. Er erinnert uns mit einem Zitat der heiligen Theresia von Lisieux: „...wenn die Kirche ein aus verschiedenen Gliedern zusammengesetzter Leib ist, [dann darf ihr] das edelste Organ nicht fehlen; sie muss ein Herz haben, das von Liebe glüht. Ich begriff, dass die Liebe allein die anderen Glieder in Tätigkeit zu versetzen vermag, und dass, wenn sie je erlösche, die Apostel aufhören würden, das Evangelium zu verkünden, und die Märtyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen“ (Nr. 826). Im heutigen Evangelium gewährt Jesus ewiges Leben denen, die anderen, und damit ihm selbst, Gutes getan haben. Umgekehrt verurteilt er diejenigen zur ewigen Verdammnis, die nichts getan haben, um anderen, und damit ihm selbst, zu helfen.

2. Heiligkeit bedeutet unweigerlich auch eine Beteiligung an der christlichen Mission. Echte Nächstenliebe geht Hand in Hand mit einem Sinn für christliche Mission. Es gibt keine wirkliche Heiligkeit ohne entschiedene Ausrichtung am geistigen und materiellen Wohl anderer. Mit einem Wort, es gibt keine Heiligkeit ohne Mission. Papst Johannes Paul II. erinnert uns: „Die universale Berufung zur Heiligkeit ist eng mit der universalen Berufung zur Mission verbunden: jeder Gläubige ist zur Heiligkeit und zur Mission berufen. Dies war auch der dringende Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Möge das Licht Christi ... durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, alle Menschen erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet“. Die missionarische Spiritualität der Kirche ist ein „Weg zur Heiligkeit“ (Redemptoris Missio, 90). Unsere Zeit schreit nach dieser Art Heiligkeit, die beflügelt ist von dem glühenden Vorsatz, viele unserer Brüder und Schwestern zu Christus zu bringen.

3. Heiligkeit entsteht innerhalb der christlichen Gemeinschaft. Dieser universelle Ruf zu Heiligkeit und Mission soll im Zusammenhang einer christlichen Gemeinschaft gepflegt werden. Wir sollen uns gegenseitig anspornen durch unsere Hingabe, unser gutes Beispiel, durch Großzügigkeit und Ermutigung. „Denken wir, liebe Brüder und Schwestern, an den missionarischen Schwung der ersten Christengemeinden. Trotz der Armseligkeit der damaligen Transport- und Kommunikationsmittel erreichte die Verkündigung des Evangeliums in kurzer Zeit die Grenzen der Welt. Und dabei handelte es sich um die Religion eines am Kreuz gestorbenen Menschen, für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit (1 Kor 1,23)! Zugrunde liegt diesem missionarischen Dynamismus die Heiligkeit der ersten Christen und der ersten Gemeinden“ (Redemptoris Missio, 90).. Bemühe ich mich, meine Familie und meine christliche Gemeinde mit einem Bewusstsein für die Mission aufzubauen? Schätze ich das gute Beispiel und die Hilfe, die ich bekomme und versuche ich, anderen auf dem Weg der Heiligkeit voranzueilen?

Gespräch mit Christus: Herr, lass mich nach wahrhaftiger Heiligkeit streben. Sie sei gekennzeichnet von einer tief empfundenen, wachsenden und umfassenden Liebe zu allen Menschen. Lass mein Herz im Gleichklang mit deinem schlagen. Öffne meine Augen für all das Gute, das ich für meine Brüder und Schwestern tun kann, und lass mich keine Gelegenheit versäumen, der Welt deine Liebe zu zeigen. Amen.

Vorsatz:  Ich will mir heute Zeit nehmen, mein Gewissen zu erforschen. Lass mich über die Spontanität, Tiefe und Reichweite meiner Liebe zu anderen, vor allem zu denen, die ich am meisten lieben sollte, aufrichtig Rechenschaft geben.


Zeit des Fastens

24. Feburar 2015

Dienstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Apostel Matthias

P. Richard Gill LC

Joh 15,9-17
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Einführendes Gebet:  Herr, du weißt, wie sehr ich dich brauche und wie sehr ich in allem von dir abhängig bin. Du kennst meine Schwächen und meine Fehler. Ich setze meine ganze Hoffnung auf deine Liebe und Barmherzigkeit. Ich will auf deine Macht, auf dein Versprechen und auf deine Gnade jeden Tag vertrauen. Ich möchte dir heute mit deiner Hilfe auf dem Kreuzweg voll Liebe und Großzügigkeit nachfolgen, um dir immer näher zu kommen.

Bitte: Herr, lehre mich, das Opfer als Weg der Sühne und Reinigung gerne anzunehmen.

1.  Jetzt ist die Zeit. Jesus sagte, dass die Zeit kommen würde, in der seine Jünger fasten werden. Jetzt, da der Herr in Herrlichkeit zu seinem Vater heimgekehrt ist, liegt es an uns, das Heilswerk fortzuführen. „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24), wie der heilige Paulus sagt. Wir verbinden unser Opfer mit dem von Christus, um ihn nachzuahmen und uns und den anderen Gnaden zu erwerben. Jedes christliche Leben muss von einem gesunden Geist des Opfers und der Selbstverleugnung erfüllt sein.

2. Fühlt den Hunger. Der Hunger, den wir haben, wenn wir fasten, ist ein Symbol für den tieferen geistigen Hunger, den wir nach Gott und dem Himmel haben sollten. Diese Welt macht uns oft alles zu bequem, und wir vergessen schnell, dass sie nicht unser wahres Zuhause ist. Wir sind Pilger in einem fremden Land, weit weg von unserem letzten Ruheplatz. Der echte Christ sehnt sich voll Hoffnung nach dem Himmel, wo wir für immer bei Gott sein werden und ewiges Glück erfahren werden. Er weiß, dass alle guten Dinge dieser Welt nur ein Schatten sind im Vergleich zu den wunderbaren Dingen, welche Gott für die vorbereitet hat, die ihn lieben (vgl. Röm 8,28).

3. Hunger nach Seelen. Vom Kreuz herab sagte Jesus: „Mich dürstet“. Das war sein Durst nach der Versöhnung aller Menschen mit dem Vater. Es war der Durst nach Seelen, danach, dass sie umkehren und Gott lieben und den Weg in sein himmlisches Reich finden mögen. Das freiwillige Opfer und die Selbstverleugnung, aufgeopfert für die Bekehrung der Herzen der anderen, bringt ihnen die Gnade, die sie brauchen, um sich zu ändern und zu Gott umzukehren. Niemand kann sich selbst bekehren, und niemand, der in schwerer Sünde lebt, kann sich die Gnade Gottes verdienen. Darum müssen wir durch unser stellvertretendes Gebet und Opfer für die anderen eintreten, damit sie die übernatürliche Gnade bekommen, die sie brauchen, um ihre Hindernisse zu überwinden. Der größte Akt der Nächstenliebe, den wir bringen können, und die größte Freude, die wir erfahren können, ist die Rettung einer Seele für Gott. Wie viele Seelen warten auf unser Gebet und Opfer?

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, großzügig und voll Freude Opfer zu bringen, denn ich weiß ja, dass das Opfer mich mehr mit dir verbindet und dass es die Bekehrung so vieler Seelen bewirkt, die du geliebt hast und für die du gestorben bist.

Vorsatz:  Ich will eine Person wählen, die Gottes Gnade braucht, und für sie heute alle meine Opfer bringen.


Sich der Gabe Gottes bewusst sein

25. Februar 2015

Mittwoch der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Walburga OSB, Äbtissin
Hl. Adeltrud OSB, Äbtissin

P. Robert Presutti LC

Lk 11,29-32
Als immer mehr Menschen zu ihm kamen, sagte Jesus: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein. Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo. Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.

Einführendes Gebet:  Jesus, unser Herr, ich glaube an dich, weil du die Wahrheit selbst bist und mir mehr und mehr die Bedeutung und den Sinn meines Lebens offenbarst. Ich vertraue auf dich, weil du jeden Tag auf mich wartest, an meine Tür klopfst, stets bereit mir zu vergeben, stets bereit, mich im Gebet und in den Sakramenten an dich zu ziehen. Ich liebe dich, weil du dein ganzes Sein für mich am Kreuz gegeben hast und mich gelehrt hast, was es bedeutet, mich selbst in der Liebe zu vollenden.

Bitte: Heiliger Geist, hilf mir, aufmerksam für die vielen täglichen Zeichen deiner Gegenwart und Liebe zu sein.

1.  Niemals richtig zufrieden. Jesus hat schon Blinde sehend gemacht, Lahme geheilt, Tote auferweckt und Dämonen ausgetrieben. Doch es gibt Menschen, die immer noch nicht überzeugt sind. Sie fragen nach noch einem weiteren Zeichen. Ihr wahres Problem besteht nicht darin, dass es zu wenig Zeichen gibt, sondern dass ihr Herz nicht bereit ist, die Wahrheit anzunehmen. Wenn es Widerstand oder Unstimmigkeiten gegenüber Gottes Willen gibt, brauchen wir keine Zeichen, sondern eine Veränderung im Herzen und eine Bereitschaft, das zu akzeptieren, was Christus uns sagt und zeigt. Oft suchen wir Zeichen, nicht weil Gott verborgen ist, sondern weil wir etwas anderes hören wollen. Der Grund könnte Furcht, Egoismus oder mangelnde spirituelle Tiefe sein. Das Ergebnis ist stets Unzufriedenheit, Unsicherheit und Rechtfertigungsdruck. Und die Lösung ist stets dieselbe: Mein Herz reinigen, meine Kriterien verändern und Abstand von dem nehmen, was ich im Geheimen hören will. Lassen wir Christus über uns regieren und nehmen wir seine Bedingungen und Forderungen an uns an.

2. Das Zeichen des Jona. Ninive bekehrte sich nach der Predigt des Jona, tat Buße und verhinderte ihre Zerstörung. Jonas Botschaft fand in der ganzen Stadt großen Widerhall, und jeder, vom geringsten Bürger bis zum König, tat Buße und veränderte sein Leben. Jonas Predigt war ein Zeichen des Gerichtes Gottes und der bevorstehenden Zerstörung, aber auch ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes und der unzähligen Möglichkeiten zur Umkehr und Rettung. Gott wünscht sich nicht den Tod des Sünders, sondern, dass der Sünder sich ändert und gerettet wird. Jona und Ninive zeigen, dass die Sünde an sich kein Hindernis auf dem Weg zu Gott ist. Gott kann vergeben und aus einem Sünder einen Heiligen machen. Das Problem liegt eher in der Hingezogenheit zur Sünde und im Widerstand gegen Veränderung und Glauben.

3. Die Königin des Südens und die Bewohner Ninives. Ich habe unzählbare Gnaden und unvergleichlichen Segen von Gott erhalten. Welche Früchte der Reue und der Veränderung haben diese Gnaden in mir schon bewirkt? Wer weiß, ob die Personen, auf die ich herabschaue, nicht auf dem Weg der Heiligkeit weiter wären, wenn sie den Segen und die Gelegenheiten gehabt hätten, die Gott mir gegeben hat. Viele andere haben mit weniger Gnaden mehr vollbracht. Demut, Reue und Dankbarkeit Gott gegenüber wären passender als der versteckte Stolz, die Selbstzufriedenheit und Selbsttäuschung, die ich zuweilen empfinde. Ich muss mich bemühen, Früchte der Reue jeden Tag zu zeigen.

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, danke für deine Warnung und deinen Weckruf. Hilf mir, eine tiefe innere Demut zu haben, damit ich erkenne, wie sehr ich der Veränderung bedarf. Hilf mir, nicht so sehr darauf zu schauen, wie gut ich angeblich schon bin, sondern darauf, wie sehr ich mich verbessern kann. Lehre mich die Demut der Wahrheit.

Vorsatz:  Ich werde mich heute nicht mit anderen vergleichen, sondern so großzügig wie möglich auf Gottes Gnade antworten.


Niemals aufhören, nach Heiligkeit zu streben

26. Februar 2015

Donnerstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mechthild
Hl. Ulrich Opraem
Hl. Hilarius, Bischof und Märtyrer

P. Alex Yeung LC

Mt 7,7-12
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten. Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

Einführendes Gebet:  Himmlischer Vater, ich nutze diesen Moment, um dich zu verehren und in deine liebende Gegenwart zu treten. Ich wage es, dir zu sagen, dass ich an dich glaube, obwohl du weißt, wie schwach mein Glauben ist. Du bist der Grund für all meine Hoffnung in meinem Leben. Herr, ich zähle auf dich, wenn ich danach strebe, dich vollkommener zu lieben und die Heiligkeit des Lebens zu erlangen, zu der du mich berufen hast. Amen.

Bitte: Herr, lehre mich beten.

1.  Das Gebet ist der Weg zu echter Heiligkeit. Papst Johannes Paul II. erinnert uns: „Der notwendige und unersetzliche Weg, um in der Heiligung voranzuschreiten, ist das Gebet: Wenn wir beim Herrn sind, werden wir Freunde des Herrn, sein Blick wird nach und nach unser Blick, sein Herz wird unser Herz“ (Predigt an die Priester der Diözese Rom, 6. März 2003). Wieder sind wir mit dem grundlegenden Prinzip unserer Heiligung konfrontiert: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Christus muss in uns immer größer werden. Das ist es, was echtes Gebet bewirkt, ein Gebet, das in einer Unterhaltung unter vier Augen mit dem Herrn besteht, welche das Herz, den Verstand und den Willen mit einschließt. Kann es sein, dass ich nach Heiligkeit strebe, ohne mich ernsthaft dazu entschlossen zu haben, jeden Tag, ja mein ganzes Leben, im Gebet zu verankern?

2. Kindliches Vertrauen. Warum scheint die Aussicht auf unsere eigene Heiligkeit uns so fremd? Warum zögern wir innerlich zu glauben, dass Gott, der Allmächtige, der uns aus dem Nichts erschaffen hat, uns auch heiligen kann? Möglicherweise entmutigt uns unser Widerwille, den Teil unserer Heiligung, der von uns abhängt, wirklich in Angriff zu nehmen. Aber auch hier drängt Christus uns, mit Vertrauen zu beten: „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten“ (Mt 7,11). Fällt es uns zu schwer zu glauben und zu vertrauen, dass Gott unseren Willen auf dem Weg der Heiligkeit stärken wird? Wird er uns etwa seine Gnade vorenthalten, wenn wir mit vollkommenem Vertrauen und kindlicher Zuversicht um unsere Heiligung bitten?

3. Welch geheimnisvoller Zusammenhang. Gebet, Heiligkeit und apostolische Frucht sind miteinander eng verknüpft. Wenn wir als Laienapostel Früchte in all unseren apostolischen Bemühungen sehen wollen, wissen wir, dass es zu einem großen Teil von unserem Grad der Heiligkeit abhängt: der Grad unserer wirklichen Verbundenheit mit Gott, der Grad, in dem sein göttliches Leben durch uns fließt. Dieses göttliche Leben, das uns in der Taufe geschenkt wurde und durch unser sakramentales Leben gewachsen ist, kann jeden Tag im persönlichen Gebet, in welchem der Durst nach Gott nicht gestillt, sondern vielmehr vergrößert wird, vermehrt werden. Wir sollten jederzeit beten, damit das Gebet das Geheimnis unserer Heiligkeit und der apostolischen Errungenschaften wird. Das Gebet ist immer noch die größte Kraft auf der Erde. Es muss im Zentrum unseres ganzen Strebens stehen.

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, danke für diese Zeit des Gebets. Danke, dass du mich innerlich Schritt für Schritt lehrst, wie ich beten kann. Ich bitte dich um die Gnade der Heiligkeit, um der Männer und Frauen willen, deren Heil auf geheimnisvolle Weise irgendwie mit meinem Leben und meiner Treue zu dir verbunden ist! Amen.

Vorsatz:  Ich werde meine Entschiedenheit, mir jeden Tag Zeit für das Gebet zu nehmen, erneuern, und sicher gehen, dass es Teil meiner täglichen Routine wird oder weiterhin bleibt.


Echte und vorgetäuschte Heiligkeit

27. Februar 2015

Freitag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Augustin Tchao und Gefährten, Märtyrer
Hl. Markward OSB, Abt

P. Alex Yeung LC

Mt 5,20-26
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich danke dir für diese gemeinsame Zeit mit dir. Du schenkst mir immer so viele Gnaden. Wie undankbar bin ich manchmal! Ich möchte mit deiner Hilfe vollkommener daran mitarbeiten, dein Reich auf Erden aufzurichten. Ich liebe dich, Herr, und mit Hilfe deiner Gnade will ich mich bemühen, ein Mensch zu werden, zu dem jeder kommen kann, um deine Wahrheit, dein Leben und deine Liebe zu entdecken. Nimm mein Leben, nimm diesen Tag und mach ihn zu deinem. Amen.

Bitte: Vater, hilf mir, alle Heuchelei von mir zu weisen und echte Heiligkeit zu suchen.

1.  Subjektive Eindrücke. Wie viel Gerechtigkeit brauchen wir, um die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer zu übertreffen? Wir denken vielleicht, nicht viel. Deren Heiligkeit war doch bloßer Schein, also keine Heiligkeit. Und was befindet sich im Innern einer solchen Seele? Viel Selbstbetrug, viel Selbstgefälligkeit, welche die eigenen Fehler selbst entschuldigt, viel Stolz. Wenn wir die Evangelien lesen, fällt es uns leicht, die bösen Pharisäer zu verurteilen. Und oft denken wir vielleicht, dass wir uns niemals der eigenen Heiligkeit rühmen würden. Darum müssen wir immer bereit sein, uns selbst vor Christus mit einem klaren Bewusstsein über unsere eigenen Fehler und Begrenztheiten zu prüfen. Bemühe ich mich in meinem Leben wirklich ehrlich darum, heilig zu werden oder suche ich nur meine eigene Ehre.

2. Demut ist die wahre Überprüfung der Heiligkeit. Stolz und persönliche Heiligkeit lassen sich ebenso wenig vermischen wie Wasser und Öl. Wo unser Ego ist, da bleibt kein Raum für Gott. Ein Jünger Christi zu sein, bedeutet doch ein Mensch zu sein, der sich ganz mit Gott erfüllen lässt, um ihn zu allen zu bringen. Aber welche Verbindung, Gnade oder Freundschaft mit Gott kann es in einer Seele geben, die nur ihre eigene Ehre sucht? Zwischen Gott und einer stolzen Seele kann es keinen Kompromiss geben – entweder muss sich diese Seele von sich selbst lösen oder Gott müsste aufhören Gott zu sein.

3. Integrität ist das Entscheidende. Im Herzen echter Heiligkeit ist die Tugend der Integrität, eine Tugend, die reich an Nuancen und Bedeutungen ist. Integrität bedeutet, eine Person mit nur einem Gesicht zu sein, eine Person, die innen und außen dieselbe ist: „Das, was du siehst, bekommst du auch“. Tatsächlich ist die Integrität grundlegend für die Heiligkeit, weil sie das Wesen der persönlichen Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit ausmacht, welche die Voraussetzungen für ein tugendhaftes Leben und das Saatbeet für viele andere Tugenden sind. In unserem Streben nach Heiligkeit sollten wir niemals Falschheit gleich welcher Art zulassen. Wir sollten selbst die geringste Spur von Ambivalenz in unseren Absichten oder Nichtübereinstimmung zwischen unseren Gedanken, Urteilen, Entscheidungen und Handlungen unbedingt meiden. Es kann wirklich kein echtes menschliches Glück geben, wenn es nicht auf der Basistugend der Integrität beruht.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich möchte, dass du der Sinn und das Zentrum meines ganzen Lebens bist. Hilf mir, immer kleiner zu werden, damit du in meinem Leben immer größer werden kannst. Ich möchte immer ein Werkzeug für die Rettung der Menschen sein, indem ich eine Heiligkeit lebe, die echt, demütig und wahr ist. Amen.

Vorsatz:  Ich will mein Leben auf Integrität überprüfen und in den Bereichen, wo ich eine Nichtübereinstimmung mit der Wahrheit entdecke, einen konkreten Schritt hin zu mehr Integrität tun.


Vollkommen sein?

28. Februar 2015

Samstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Silvana, Märtyrerin

P. Thomas Berg LC

Mt 5,43-48
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du bist Mensch geworden, um mir in deinem eigenen Fleisch und Blut den Weg zur Heiligkeit zu zeigen. In jedem Wort und jeder Tat von dir, aufgeschrieben im Evangelium, lehrst du mich und offenbarst du mir das Geheimnis eines Lebens, das die Ewigkeit verdient. Ich glaube, dass du jetzt bei mir bist und dass du diese Augenblicke des Gebets nutzen willst, um meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu vermehren. Hier bin ich, Herr, um dich mit ganzem Herzen kennen, lieben und dir dienen zu lernen. Amen.

Bitte: Herr, hilf mir, die Heiligkeit aus Liebe zu dir und den anderen zu suchen. Amen.

1.  Ihr sollt vollkommen sein. Wer sagt uns, dass wir vollkommen sein sollen? Christus, das Wort, durch den alles, was ist, geworden ist, durch den wir das Leben bekommen haben: unser Herr, unser Schöpfer, der sich von Ewigkeit her danach sehnt, uns in der Liebe vervollkommnet zu sehen. Das ist kein Vorschlag; das ist ein Befehl. Er sagt es den Jüngern kraftvoll, auch wenn er weiß, dass sie allein dazu nicht in der Lage sind. Für Gott ist aber nichts unmöglich. Wir werden heute daran erinnert, dass unsere Heiligkeit möglich ist; sie ist Gottes Plan. Wunder geschehen, wenn wir glauben. Gott lässt uns nicht fallen. Aber Gott will von uns, dass wir vollkommen sind. Ich muss jetzt, in diesem Augenblick, damit beginnen, vollkommen zu sein.

2. Warum befiehlt uns Gott, vollkommen zu sein? Dass Gott uns befiehlt, nach der vollkommenen Heiligkeit zu streben, wird verständlicher, wenn wir die immer schlimmer werdende Situation unserer Welt betrachten. Diese Welt, die die Rettung durch Christus so dringend braucht, ist der größte und handgreifliche Grund, warum jeder von uns die Heiligkeit erstreben sollte. Welchen Wert hat christliche Heiligkeit in der Welt? Ein christlicher Apologet aus der Frühkirche drückte es so aus: „Um alles in einem Wort zusammenzufassen – was die Seele im Körper ist, das sind die Christen in der Welt. Das Fleisch hasst die Seele und kämpft gegen sie, obgleich die Seele ihm nichts antut, weil es daran gehindert wird, weltliche Freuden zu genießen; die Welt hasst ebenso die Christen, obwohl sie durch sie keinen Schaden erleiden, weil sie den weltlichen Freuden entsagen. Die Seele liebt das Fleisch, welches sie hasst, und sie liebt ebenso die Glieder; auf gleiche Weise lieben die Christen jene, die sie hassen“ (Brief an Diognetus).

3. Nach Heiligkeit streben ist ein Werk der Liebe. In einer Welt von Treibsand können wir festen Grund anbieten; in einer Welt blinder Mächte von geistiger und materieller Gewalt, können wir die überzeugende Macht der christlichen Güte anbieten. Die selige Mutter Teresa von Kalkutta sagte, dass Heiligkeit kein Privileg für ein paar wenige sei, sondern eine Verpflichtung für alle. Wenn wir uns mit einem einfachen und tiefen Glauben in diese Verbindung unseres Strebens nach Heiligkeit und der Rettung der Seelen vertiefen, können wir einen neuen Antrieb und neue Kraft entdecken. Die Herausforderung des Strebens nach Heiligkeit kann so zu einem Werk der Liebe werden, das angetrieben wird von einem Herzen, das aus Eifer für die Rettung aller unserer Schwestern und Brüder brennt.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, die Welt braucht Männer und Frauen Gottes; die Welt braucht Heilige. Ich weiß das. Ich weiß, dass du mich persönlich dringend dazu aufrufst, heilig zu werden. Um des Heiles meiner Schwestern und Brüder willen mach mich heilig, Herr. Amen.

Vorsatz:  Ich will mir heute Zeit nehmen, um zu Maria zu beten und ihr mit einem lebendigen und kindlichen Glauben das ganze Vorhaben meiner persönlichen Heiligung anzuvertrauen.