Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 10. August 2014 bis Samstag 16. August 2014

Neunzehnte Woche im Jahreskreis

P. Steven Reilly LC, P. Martin Connor LC

Petrus auf dem Wasser und im WasserSonntag
Tod und SteuernMontag
Keine billigen SeelenDienstag
Harte AugenblickeMittwoch
Menschliche Unversöhnlichkeit und die Barmherzigkeit eines HeiligenDonnerstag
Gott erhöht die NiedrigenFreitag
Menschen wie ihnen gehört das HimmelreichSamstag


Petrus auf dem Wasser und im Wasser

10. August 2014

Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Steven Reilly LC

Mt 14,22-33
Gleich darauf forderte Jesus die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Einführendes Gebet:  Vater, ich glaube an dich mit ganzem Herzen. Ich vertraue deiner Güte und Gnade. Ich danke dir für deine geduldige Führung durch mein Leben. Ich liebe dich und gebe das, was ich habe und was ich tue, um deinen Ruhm zu mehren und um Seelen zu retten.

Bitte: Herr, hilf mir auf dich zu vertrauen, wenn ich Entscheidungen treffe.

1.  Der Name Gottes. Als ob das Toben von Wind und Wellen nicht schon ausgereicht hätte, die Apostel in Angst und Schrecken zu versetzen, sahen sie nun auch noch eine geisterhafte Gestalt über das Wasser gleiten. Sie waren starr vor Entsetzen! Wer wäre das nicht gewesen? Jesus spricht ihre Furcht direkt an: „Habt Vertrauen, ich bin es“ – wörtlich, in der frühen griechischen Übersetzung: „Ich bin da“. Das ist die Sprache eines biblischen Codes, die machtvoll die Gegenwart Gottes beschwört. Als Moses völlig verzagt vor dem brennenden Dornbusch steht und absolut nicht weiß, wie er als stotternder Flüchtling aus Ägypten zum Pharao zurückkehren und diesen hartherzigen Mann überreden soll, die versklavten Israeliten freizugeben, da antwortet Gott auf das Zögern und die Zweifel des Moses damit, dass er ihm seinen Namen nennt: „Ich bin der Ich-bin-da“. Der Name Gottes bedeutet Gegenwart, und diese Gegenwart gibt Sicherheit. Wir sind den Herausforderungen des Lebens nicht hilflos ausgeliefert.

2. Auf dem Wasser gehen. Petrus glaubt den Worten Jesu spontan. „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Während die übrigen Jünger noch immer am Boden kauern und um ihr Leben bangen, richtet er sich im Boot auf und macht sich für den kühnen Sprung bereit. Das Beispiel des Petrus inspiriert uns: Manchmal stehen wir ja auch vor wichtigen Entscheidungen und fühlen uns wie vor einem Sprung ins Wasser. Unsere Unentschlossenheit mag dabei durchaus vernünftig erscheinen. Schließlich wollen wir nicht ertrinken. Aber der Sprung des Petrus ist nicht einfach blind oder tollkühn. Allein auf sich gestellt, wäre er mit einer Schwimmweste besser dran, und das weiß er. Aber Christus sagt: „Komm“. Es ist dies die Geschichte eines Gehorsams aus dem Glauben. Wenn wir tief in unserem Herzen sicher sind, dass Jesus sagt: „Komm“, dann ist der Sprung eine gute Entscheidung, denn er beruht auf Glauben und Vertrauen.

3. Die helfende Hand. Petrus springt, aber er nimmt all seine Fehlerhaftigkeit mit ins kalte Wasser. Wind und Wellen triumphieren schließlich über die Gewissheit des Wunders, und mit dem Zweifel geht Petrus auch schon unter. Wie schön, dass er sich in dieser verzweifelten Lage wieder auf seinen Glauben besinnt. Er versucht nicht, sich durch Schwimmen wieder ins Boot zu retten. Er schreit: „Herr, rette mich“. Das Herz des Herrn ist voller Mitleid. Sofort streckt er die Hand aus, um seinen durchnässten Statthalter zu retten. Er will, dass Petrus – und wir – unsere Lektion lernen: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ Mit anderen Worten: „Wende deine Augen nie von mir ab, und ich werde dich stets über Wasser halten.“

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, du hast Petrus aufgefordert, auf dem Wasser zu gehen. So lange er an dich und deine Macht glaubte, ging alles gut, aber der Zweifel hat ihn übermannt. Stärke meinen Glauben, damit ich dir folgen kann. Hilf mir, wenn Wind und Wellen heftig werden und Zweifel sich melden. Hilf mir, über Wasser zu bleiben!

Vorsatz:  Ich will beten, und dann Entscheidungen treffen, damit es Entscheidungen aus dem Glauben werden.


Tod und Steuern

11. August 2014

Montag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Klara von Assisi
Hl. Susanna von Rom, Märtyrerin

Mt 17,22-27
Als sie in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden, und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Da wurden sie sehr traurig. Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, gingen die Männer, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht? Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten? Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoss erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib den Männern als Steuer für mich und für dich.

Einführendes Gebet:  Herr und Gott, ich glaube an deine Anwesenheit hier bei mir, wenn ich jetzt diesen Moment des Gebetes beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du immer auf mich achtgeben wirst. Ich möchte, dass diese Zeit mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein soll.

Bitte: Herr, hilf mir, deine Größe mit meinen Worten und Taten anzuerkennen.

1.  Keine Steuerfreiheit, nicht einmal für Jesus. Jesus entlockt Petrus das Eingeständnis, dass die Eintreiber der Tempelsteuer ihn nicht als den Sohn Gottes anerkannten, denn dann wäre der Tempel ja das Haus seines Vaters. Sie meinten deshalb, dass er der Tempelsteuer unterliegen würde. Daraus, dass sie die Steuer von ihm verlangten, ergibt sich, dass sie ihn als Steuersubjekt oder als einen Fremden ansahen. Zusammen mit seiner Vorhersage seiner Passion, erinnert uns diese Schriftstelle an den Anfang des Johannesevangeliums: „Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.” (Joh 1,10-11). Wie schwer muss es für Christus gewesen sein, dass er sich nicht willkommen sah bei denen, die er zu retten kam! Und doch, wie oft lassen wir Christus allein in unseren Kirchen und Kapellen! Niemand, der ihn besucht oder seine Gegenwart anerkennt!

2. Ein Ort, an dem Christus willkommen ist. Was bedeutet es, wenn wir Christus in unserem Leben willkommen heißen? Es sollte mehr als ein Gefühl sein. Vielmehr sollte es eine Öffnung unserer Selbst für seine Gegenwart sein, für ihn, der zu uns kommt, um Wohnung in uns zu nehmen und unser Leben zu teilen. Wir haben einen Gott, der uns so nahe ist und der eine Beziehung zu uns haben möchte. Er will unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit. Ihn willkommen zu heißen bedeutet, ihn nicht als Fremden zu betrachten, der von der Ferne kommt, um sich uns aufzudrängen, sondern als unseren persönlichen Herrn, unseren Meister und Retter. Wir sollten anerkennen, dass nur er die Worte des Lebens hat, und wir sollten ihm unser Leben in liebendem Gehorsam zuwenden. Die Folge davon wird innerer Friede und tiefe Freude sein.

3. Eine Gesellschaft ohne Christus ist leer und verwirrt. Heute sehen wir, wie oft Christus der Eintritt in diese Welt verwehrt wird, und wie oft er von den Mächtigen in unserer Kultur und Gesellschaft beiseite gedrängt wird. Ganz bewusst wird er ausgeschlossen von der Welt der Politik, der Wissenschaft, der Kunst, des Geschäftslebens, des Rechtswesens, der Medizin.... In den Massenmedien wird er oft nur dann genannt, wenn sie sich entschließen, ihn lächerlich zu machen. Als Jünger Christi sollten wir ihn und sein Wort des Lebens in alle Gebiete menschlichen Schaffens zurückbringen, denn eine Welt ohne Christus ist eine Welt, die weder ihren Ursprung noch ihr Ziel kennt; es ist eine Welt, die sich letztlich gegen den Menschen selber wenden wird.

Gespräch mit Christus: Jesus, schenke mir den Mut, deine Anwesenheit in meiner Umwelt gegenwärtig zu machen. Lass mich keine Angst davor haben, zu zeigen, dass mein Glaube an dich das Zentrum meines Lebens ist, und dass er allem, was ich tue, einen Sinn gibt. Lass mich Zeugnis für die Freude ablegen, die ich darin erfahre, dass ich mein Leben nach deinem Gesetz ausrichte.

Vorsatz:  Ich werde mir heute Zeit für Christus im Allerheiligsten nehmen. Oder ich will heute einen Weg finden, öffentlich, inmitten meiner täglichen Aufgaben, Zeugnis für Christus abzulegen.


Keine billigen Seelen

12. August 2014

Dienstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Karl Leisner, Märtyrer
Hl. Johanna Franziska de Chantal

P. Martin Connor LC

Mt 18,1-5,10,12-14
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters. Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.

Einführendes Gebet:  Herr und Gott, ich glaube, dass du hier bei mir bist, wenn ich dieses Gebet beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du dich immer meiner annehmen wirst. Ich möchte, dass diese Zeit hier mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein wird. Dir will ich gefallen, ohne geistlichen Trost für mich zu erwarten.

Bitte: Herz Jesu, mach mein Herz dem deinen ähnlicher!

1.  Die Aufgabe der Engel. Auf Raffaels berühmtem Marienbild, der „Sixtinischen Madonna“, gibt es ein Detail, das dem Betrachter sofort ins Auge springt. Unterhalb der Madonna sind zwei kleine Engel in einmaliger Pose abgebildet. Sie sehen ein wenig gelangweilt aus angesichts der großen Aufmerksamkeit, die der heilige Papst Sixtus und die heilige Barbara der Madonna und dem Kind widmen: Sie sehen aus, als könnten sie es kaum erwarten, bis der ganze Rummel vorbei ist und sie wieder zum Spielen ins Freie können. Raffaels Sinn für Humor wird der Natur von Engeln sicherlich nicht gerecht. Als höchst intelligente geistige Wesen schauen Engel „stets das Antlitz des himmlischen Vaters“. Ihre Aufgabe? Über uns zu wachen und uns zu beschützen. Zeigt uns das nicht, wie Gott jeden einzelnen von uns liebt? Zeigt uns das nicht den Wert jeder einzelnen Seele?

2. Verantwortung des Hirten. Der Herr lüftet den Schleier über der unsichtbaren Welt der Engel, damit wir verstehen, wie sehr uns Gott liebt; jetzt kommt er zurück auf die Erde mit dem kostbaren Bild vom Hirten, der das verlorene Schaf sucht. Mutig trotzt der Hirte widrigen Elementen und den Gefahren durch wilde Tiere bei seiner unablässigen Suche nach dem einen Schaf, das sich von der Herde entfernt hat. Der Herr will seine Herde unbedingt zusammenhalten. Ist uns das ebenso ein Anliegen?

3. Keiner wird zurückgelassen. Die Amerikaner lieben den krassen Individualisten, der sich aus eigener Kraft emporarbeitet. Das ist sicher nichts Schlechtes, aber Katholiken brauchen einen breiteren Horizont. Neben den verlorenen Schafen gibt es auch schwache, kranke und an den Rand gedrängte. Wenn wir das Herz von Christus haben, dürfen wir keinen zurücklassen. Jedes mal wenn wir aus aufopfernder Liebe handeln, machen wir Christus in der Welt gegenwärtig. Wir sind aufgerufen, seine Botschafter zu sein!

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, deine Liebe macht uns Hoffnung. Du hast uns Engel gegeben, um über uns zu wachen, und du selbst bringst immer wieder das verlorene Schaf zurück zur Herde. Gib uns Herzen wie das deine, erfüllt von christlicher Nächstenliebe!

Vorsatz:  Ich will mich einem Kranken zuwenden oder einem, der sich von der Kirche entfernt hat.


Harte Augenblicke

13. August 2014

Mittwoch der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Wigbert OSB
Hl. Gerold, Bischof

P. Steven Reilly LC

Mt 18,15-20
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Einführendes Gebet:  Vater, ich danke dir für diese Gebetszeit. Hilf mir, den Eingebungen des Heiligen Geistes aufmerksam zu lauschen. Dieser Tag mag voller Herausforderungen und Aufgaben sein, dennoch will ich dich einladen, durch alle diese bei mir zu sein.

Bitte: Herr, hilf mir, ein Werkzeug deines Friedens zu sein.

1.  Wenn dein Bruder gegen dich sündigt. Das Leben eines Katholiken ist ein Auf und Ab. Die Seele der Kirche ist der Heilige Geist, aber die einzelnen Glieder können durchaus unheilig sein. Gelegentlich regen sich die Menschen darüber auf, dass es in der Kirche „menschelt“. „Er ist doch Katholik. Wie kann er so etwas tun?“ Jesus aber wundert sich nicht, und wir hören im heutigen Evangelium seine Empfehlung, wie mit sündhaftem Benehmen umzugehen ist. Unsere Liebe zur Kirche ist realistisch: Jesus ist gekommen, um die Sünder zu retten; wir dürfen nicht erstaunt sein, wenn wir der Sünde begegnen. Aber Realismus ist nicht zynisch. Wir wissen, dass Gott unendlich viel mächtiger ist als unsere Sündhaftigkeit. „Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20).

2. Brüderliche Zurechtweisung. Sehr häufig begegnen wir der Sünde unter unserem eigenen Dach. Brüderliche Zurechtweisung kann ein notwendiger Akt der Nächstenliebe sein; wenn wir allerdings diesen Gedanken genießen, ist das ein schlechtes Zeichen. Wir müssen unseren Vorsatz von verletztem Stolz oder jeglichem Gedanken an Vergeltung reinigen. Unser Motiv muss es sein, dem anderen wirklich zu helfen. Und natürlich möchte man dabei effektiv sein, und das heißt, es richtig machen. An die Öffentlichkeit zu gehen ist nicht der erste Schritt, das macht der Herr ganz klar. In aller Stille Versöhnung zu suchen, kann dagegen viel dazu beitragen, die gestörten Beziehungen wiederherzustellen.

3. Die Kraft des Gebets. Zwischenmenschliche Konflikte können zu den schwersten Kreuzen gehören, die wir zu tragen haben. Wenn Verletzungen und Kränkungen so zahlreich geworden sind, dass Vergebung schwer zu gewähren oder zu erhalten ist, was bleibt dann zu tun? Der Herr will uns sagen: „Betet! Ermuntert auch andere dazu, mit und für uns zu beten.“ „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...“ Der Herr will in unserem Gebet und durch dieses handeln. Als Katholiken, die an das Evangelium glauben, wissen wir, dass Wunder geschehen können. Manchmal mag es scheinen, als könne nur ein Wunder Versöhnung bringen. Wunder geschehen aber nur denen, die darum bitten.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast uns gelehrt, uns zum Gebet zu versammeln. Verleih deiner Kirche mehr Einheit und Barmherzigkeit. Hilf uns, einander zu helfen und mach uns demütig, damit wir Zurechtweisungen annehmen können. Ich glaube, dass deine Liebe siegen wird!

Vorsatz:  Ich will ganz bewusst beten, bevor ich jemanden zurechtweise.


Menschliche Unversöhnlichkeit und die Barmherzigkeit eines Heiligen

14. August 2014

Donnerstag der neunzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maximilian Maria Kolbe, Märtyrer

P. Steven Reilly LC

Mt 18,21-19,1
Petrus trat zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

Einführendes Gebet:  Herr und Gott, ich glaube, dass du hier bei mir bist, wenn ich dieses Gebet beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du dich immer meiner annehmen wirst. Möge diese Zeit hier mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein. Dir allein will ich gefallen.

Bitte: Herr, verleih mir ein vergebendes Herz!

1.  Menschliche Unbarmherzigkeit. „Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist.“ Das Evangelium gibt hier ein erschreckendes Beispiel menschlicher Unbarmherzigkeit. Karl Fritzsch, Lagerkommandant von Auschwitz, beschloss ein grausames Exempel zu statuieren, um die Gefangenen von Ausbruchsversuchen abzuhalten. Zehn Männer aus Block 13 werden ausgesondert und zum Hungertod verdammt. Wenn wegen eines Ausbruchsversuchs Unschuldige sterben müssen, würde doch sicher jeder Gedanke an Flucht im Keim erstickt werden. In unserem Evangelium ärgert sich der Herr über die Unbarmherzigkeit seines Dieners. Wir können nur mutmaßen, wie groß der Ärger des Herrn über die Unbarmherzigkeit eines Ortes wie Auschwitz war, den Papst Benedikt „einen Ort des Schreckens“ und „nie dagewesener Massenverbrechen“ genannt hat (28. Mai 2006). Wir wollen unser Herz vom Übel der Unbarmherzigkeit befreien, die solches Elend über unsere eigene Seele bringt.

2. Der heilige Maximilian tritt vor. Gottes Antwort an Petrus in diesem Evangelium, „nicht siebenmal sondern siebenundsiebzigmal“ zu vergeben, weist auf eine heldenhaft gelebte Tugend der Nächstenliebe und Vergebung hin. Durch den heiligen Maximilian Kolbe ist uns ein Beispiel solcher Liebe geschenkt worden. Er war nicht unter den zehn ausgewählten Opfern des Kommandanten. Die anderen, die es nicht getroffen hatte, werden sicherlich vernehmlich aufgeatmet haben. Maximilian aber trat vor und bot an, an die Stelle des ausgewählten Franciszek Gajowniczek zu treten, den die Sorge um seine Familie zu einem verzweifelten Aufschrei veranlasst hatte. Wir können nur verwundert den Kopf darüber schütteln, dass die Flamme der Liebe an diesem „Ort des Schreckens“ so hell brennen konnte.

3. Das Kreuz ist der Maßstab. Das Beispiel der Heiligen fordert uns heraus. Sie geben uns kein „übermenschliches“ Beispiel, sondern bezeugen nur, wozu Männer und Frauen fähig sind, wenn sie die Gnade Gottes in ihren Herzen wirken lassen. Auch uns bieten sich immer wieder Gelegenheiten, ein tugendhafteres Leben zu führen, aber oft genug lassen wir die Dinge zu sehr schleifen. Als Petrus fragte, ob man siebenmal vergeben müsse, war er schon sehr großzügig. Aber die „siebenundsiebzigmal“, von denen Jesus spricht, sind der Maßstab des Kreuzes, des Symbols der unendlichen Liebe und Vergebung Gottes. Heilige wie Maximilian Kolbe haben das begriffen. Wir wollen es heute versuchen, im Großen wie im Kleinen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich kann nur staunen über dein Wirken durch die Seele des heiligen Maximilian Kolbe. Du hast es ihm möglich gemacht, sein Leben für das eines anderen hinzugeben, so wie du es in deiner selbstaufopfernden Liebe getan hast. Hilf auch mir, von ganzem Herzen diesen Weg der Liebe und der Vergebung zu gehen.

Vorsatz:  Ich will sofort alles vergeben, was mir heute Unrechtes geschieht, und ich will versuchen, mich im Verborgenen für einen anderen aufzuopfern.


Gott erhöht die Niedrigen

15. August 2014


Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

P. Steven Reilly LC

Lk 1,39-56
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an deinen Ruhm auch wenn er vor meinen Augen verborgen bleibt. Ich hoffe auf eine kommende Welt voll Friede und Freude, während diese Welt oft ein Tränental ist. Ich liebe dich, auch wenn ich deine Liebe im Leid nicht immer erkennen kann. Du bist mein Gott.

Bitte: Herr, hilf mir, demütig zu sein!

1.  Es werden mich selig preisen alle Geschlechter.  Als Pius XII. das Dogma der Himmelfahrt Mariens definierte, löste dies in der gesamten katholischen Welt große Freude aus. Was man schon jahrhundertelang geglaubt hat, war nun offizielles katholisches Dogma. Die Mutter Gottes wird in den Himmel erhoben und teilt dort die Herrlichkeit und die Freude ihres Sohnes und unseres Herrn. Wir haben Maria stets als unsere Mutter angesehen, und so macht uns das Fest ihrer Himmelfahrt immer wieder glücklich. Sie ist bei Christus, und sie ist mehr denn je unsere Mutter. Wir vertrauen uns ihr an mit den Worten des Papstes Johannes Paul II.: „Totus Tuus“. Totus tuus bedeutet übersetzt „ganz dein / ganz der Deine“. Diese Worte drücken die vollkommene Hingabe an Jesus durch Maria aus.

2. Die Hochmütigen zerstreuen. Hochmütige Menschen kümmern sich im Allgemeinen ausschließlich um ihr eigenes Wohl. Das Wort „zerstreuen“ beschreibt sehr gut, was mit ihnen geschehen wird, wenn Gott in Aktion tritt. Maria jubelt über das „Zerstreuen“, aber wer sind die Hochmütigen? Vielleicht werden wir bei der Suche gleich bei uns selbst fündig. Wie hart kämpfen wir doch gegen diese Ursünde des Hochmuts! Maria freut sich, wenn der Hochmut zerstreut wird und sich unsere Perspektive ausdehnt. Anstatt die Dinge nur von unserem eigenen kurzsichtigen Standpunkt aus zu betrachten, öffnet dieses Zerstreuen die „Gedanken unserer Herzen“ auf die anderen und ihre Nöte hin. Nichts ist mehr im Sinne Marias als dies.

3. Die Niedrigen erhöhen. Das Fest Mariä Himmelfahrt beweist uns, dass Gott im wörtlichen Sinne die Niedrigen erhöht. Wie ihr Sohn bei seiner Himmelfahrt, so wird auch Maria von Gott in das Reich des ewigen Lebens entrückt. Manchmal halten wir an unserem Hochmut aus einer Art Selbsterhaltungstrieb fest – „Wenn ich nicht für mich sorge, wer dann?“ Doch Marias Demut ist ein Lehrstück für uns. In Wahrheit liegt unsere Selbstverwirklichung darin, täglich mehr von Gott erfüllt zu werden. Wir wollen Maria bitten, uns zu helfen, mehr wie sie zu leben und die wahre Freude – das Erhöhtwerden – zu erleben, das aus der Demut erwächst.

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir, dass du uns eine so wundervolle Mutter geschenkt hast. Sie hilft mir, auf dem Weg der Erfüllung deines Willens zu bleiben. Hilf mir, dass ich in meiner eigenen Seele ein Magnificat singen kann: „...denn der Allmächtige hat Großes an mir getan“!

Vorsatz:  Ich will großzügig und freudig helfen, wenn ich darum gebeten werde.


Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich

16. August 2014

Samstag der neunzehnten im Jahreskreis
Hl. Stephan von Ungarn
Hl. Theodor, Bischof

P. Steven Reilly LC

Mt 19,13-15
Da brachte man Kinder zu Jesus, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die Hände auf und zog weiter.

Einführendes Gebet:  Herr und Gott, ich glaube an deine Anwesenheit hier bei mir, wenn ich jetzt diesen Moment des Gebetes beginne. Ich hoffe auf dich. Ich weiß, dass du immer auf mich achtgeben wirst. Ich möchte, dass diese Zeit mit dir ein Zeichen meiner Liebe zu dir sein soll. Dir möchte ich eine Freude machen, ohne dabei geistlichen Trost für mich zu erwarten.

Bitte: Herr, hilf mir, den Verpflichtungen meiner gesellschaftlichen Stellung gewissenhaft nachzukommen.

1.  Die Kinder zu Jesus bringen. Vater oder Mutter zu sein ist ein sehr hoher Anspruch. Wer mit der ganzheitlichen Bildung und dem ewigen Heil eines anderen menschlichen Wesens betraut ist, mag angesichts dieser Aufgabe durchaus verzagen. Das Wichtigste, was Eltern tun müssen, ist dem guten geistigen Instinkt des heutigen Evangeliums zu folgen: Sie müssen ihre Kinder zu Jesus bringen. Sie müssen sie lehren zu beten, zur Messe zu gehen und vor allem zu begreifen, dass Jesus wirklich ihr bester Freund ist, mit dem sie alles teilen können. Kann man seinen Kindern ein größeres Geschenk machen?

2. „Hindert sie nicht”. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Kind daran zu hindern, den Weg zu Christus zu finden. Eine der effektivsten ist ein schlechtes Vorbild. Wenn wir selbst nicht so handeln wie wir es von unseren Kindern verlangen, werden sie sich daran ein Beispiel nehmen. Es ist besonders niederschmetternd, die eigenen Fehler bei den Kindern wiederzufinden. Es kann uns als Warnung dienen, unser christliches Leben authentischer zu leben. Unser Beispiel muss ein Katalysator zum Guten sein.

3. Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Alle rein menschlichen Bemühungen, unsere eigenen Fehler in der Erziehung zu meiden, bleiben aber im letzten fruchtlos, wenn wir nicht das große Vertrauen auf Christus als denjenigen setzen, der unsere Kinder erzieht. Auch die Eltern müssen umkehren, und von ihren Kindern lernen, wie der Weg des Vertrauens auf Christus hin gelingen kann. Christus ist der größte Mutmacher der Eltern! Sein größter Wunsch ist es, dass Eltern dereinst ihre Kinder im Himmel wiedersehen und die wundervollen Worte hören werden: „Danke, dass ihr mir geholfen habt, hierher zu kommen.“

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, danke für meine Eltern und alles, was sie getan haben, damit ich im Glauben wachse. Es tut mir leid, wenn ich manchmal hart über sie geurteilt habe. Gib ihnen deinen reichen Segen.

Vorsatz:  Ich will ein besonderes Gebet für meine Eltern sprechen (vor allem, wenn sie schon gestorben sind) und sie anrufen, um ihnen zu danken.