Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. März 2014 bis Samstag 15. März 2014

Erste Woche in der Fastenzeit

P. Josè LaBoy LC, P. Alex Yeung LC, P. Barry O’Tool LC

Die Versuchung überwindenSonntag
Heiligkeit und GemeinschaftMontag
Herr, lehre uns zu betenDienstag
Selig sind, die reinen Herzens sindMittwoch
Niemals aufhören, nach Heiligkeit zu strebenDonnerstag
Echte und vorgetäuschte HeiligkeitFreitag
Wollt ihr wirklich vollkommen werden?Samstag


Die Versuchung überwinden

9. März 2014

Erster Sonntag in der Fastenzeit
Invocabit

P. Josè LaBoy LC

Mt 4,1-11
Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.

Einführendes Gebet:  Ich glaube, Herr, dass ich durch dein Vorbild und mit deiner Hilfe die Versuchungen in meinem Leben überwinden kann. Lass mich begreifen, dass du mir alles Notwendige gibst, um der Versuchung zu widerstehen. Ich hoffe auf dich, Herr, weil du weißt, dass ich schwach bin, und weil du mir deshalb deine Gnade schenkst, die stärker als die Sünde ist. Ich liebe dich, Herr, weil mir die Liebe zu dir und den Seelen die Kraft gibt, die Sünde in meinem Leben und im Leben der anderen zu tilgen.

Bitte: Herr, gib, dass das Gebet und die Wachsamkeit mir dabei helfen, nicht in Versuchung zu fallen.

1.  Das Geistige ist wichtiger als das Materielle. Jesus lehrt uns, dass wir das Geistige mehr schätzen sollen als das Materielle. Der Mensch ist aber schwach und meint oft, dass die Sorge um das Materielle es rechtfertigt, den Willen Gottes nicht zu beachten. Wenn wir dem Rat Christi nicht folgen, werden wir zum Beispiel das Beten unterlassen, wenn wir müde sind, oder wir werden aufgrund schlechter Laune die Nächstenliebe unterlassen, und wenn wir eine tolle Idee haben, glauben wir, dass wir so handeln können, wie wir wollen, und nicht, wie es uns beigebracht worden ist. Der Teufel will, dass wir mehr auf uns und unsere Bedürfnisse achten, statt auf Gott zu schauen, seinen Willen zu befolgen und auf die Bedürfnisse der Kirche und unserer Mitmenschen zu antworten.

2. Das Problem mit der Vermessenheit. Jesus lehrt uns, dass unser Handeln mit dem, was Gott von uns will, übereinstimmen muss, und nicht mit dem, was wir für Gottes Willen halten. Es besteht immer die Gefahr, dass wir meinen, Gott denke so wie wir, anstatt mit ganzer Kraft uns darum zu mühen, so zu denken wie Gott. Erinnern wir uns daran, was Christus Petrus erwiderte, als dieser sich herausnahm, Jesus Vorschriften zu machen (nämlich nicht über sein zukünftiges Leiden und seinen Tod zu sprechen): „Weg mit dir, Satan“. Die Fastenzeit ist die geeignete Zeit, um uns beständig an den Herrn zu wenden, der die einzige Quelle echten Glücks ist. Wir setzen unser Vertrauen in Gott, wenn wir ihn als Bezugspunkt nehmen für unsere Nöte, aber auch unsere Freude, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden, in Momenten abseits von allem um ein kurzes inniges Bittgebet zu sprechen. Setze ich mein Vertrauen in den Herrn über den Weg dieser Gebete?

3. Gott allein gebührt unsere Anbetung. Natürlich lehnen wir Gott nicht bewusst ab und beten Götzen an. Wir sollten aber nicht vergessen, dass unser Herz dort ist, wo unser Schatz ist. Wenn Christus nicht unser Schatz ist, werden wir stattdessen uns selbst, andere Menschen, Dinge, Geld, Ehren, Ruhm, usw. anbeten. Wir würden uns zwar nicht vor unserem Computer oder unserem modernen Outfit, das wir vor kurzem erst gekauft haben, niederknien, aber wir geben diesen Dingen größeres Gewicht als sie verdienen. Die Tatsache, dass Gott allein unsere Anbetung verdient, ist ziemlich herausfordernd. Es bedeutet, dass Gott der Mittelpunkt unserer Gedanken, Worte, Wünsche, Handlungen und Pläne sein muss. Wachsamkeit bedeutet eine stete Läuterung unserer Wünsche und Absichten, damit unser Herr in unserem Herzen regiert als derjenige, von dem wir kommen und zu dem wir streben, um das Ewige Leben zu erlangen. Ist Christus der König meines Herzens?

Gespräch mit Christus: Lieber Herr, hilf mir zu verstehen, dass das Gebet und das Sich-Loslösen von den materiellen Dingen notwendig sind, damit ich die Versuchungen überwinden kann. Hilf mir, mich daran zu erinnern, dass du die Versuchung überwunden hast, damit du mir dadurch ein Beispiel geben kannst, wie auch ich sie überwinden kann. Hilf mir, während des Gebetes wachsam und mit dir verbunden zu sein.

Vorsatz:  Im Moment einer Versuchung will ich mich darum bemühen, daran zu denken, was Gott von mir will und ihn um seine Hilfe bitten.


Heiligkeit und Gemeinschaft

10. März 2014

Montag der ersten Woche in der Fastenzeit
Gustav von Schweden

P. Alex Yeung LC

Mt 25,31-46
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du bist mein Retter und Erlöser. Ich setze alle meine Hoffnung und mein Vertrauen auf dein göttliches Herz. Mit dir ist alles möglich – sogar meine Heiligkeit. Wenn ich wie ein Kind an dich glaube und dir grenzenlos vertraue, wird deine Gnade in meinem Leben den Sieg davon tragen, dessen bin ich gewiss. Ich möchte heute an Heiligkeit zunehmen, so dass ich dich, meinen Gott, mehr liebe als alles andere. Amen.

Bitte: Herr, hilf mir, dankbar daran zu denken, dass das Wachsen in der Heiligkeit inmitten einer christlichen Gemeinschaft geschieht.

1.  Heiligkeit ist im Wesentlichen das Suchen nach dem Guten in anderen. Der Katechismus der Katholischen Kirche stellt Folgendes fest: „Die Liebe ist die Seele der Heiligkeit, zu der alle berufen sind: ‚Sie leitet und beseelt alle Mittel der Heiligung’“. Er erinnert uns mit einem Zitat der heiligen Theresia von Lisieux: „...wenn die Kirche ein aus verschiedenen Gliedern zusammengesetzter Leib ist, [dann darf ihr] das edelste Organ nicht fehlen; sie muss ein Herz haben, das von Liebe glüht. Ich begriff, dass die Liebe allein die anderen Glieder in Tätigkeit zu versetzen vermag, und dass, wenn sie je erlösche, die Apostel aufhören würden, das Evangelium zu verkünden, und die Märtyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen“ (Nr. 826). Im heutigen Evangelium gewährt Jesus ewiges Leben denen, die anderen, und damit ihm selbst, Gutes getan haben. Umgekehrt verurteilt er diejenigen zur ewigen Verdammnis, die nichts getan haben, um anderen, und damit ihm selbst, zu helfen.

2. Heiligkeit bedeutet unweigerlich auch eine Beteiligung an der christlichen Mission. Echte Nächstenliebe geht Hand in Hand mit einem Sinn für christliche Mission. Es gibt keine wirkliche Heiligkeit ohne entschiedene Ausrichtung am geistigen und materiellen Wohl anderer. Mit einem Wort, es gibt keine Heiligkeit ohne Mission. Papst Johannes Paul II. erinnert uns: „Die universale Berufung zur Heiligkeit ist eng mit der universalen Berufung zur Mission verbunden: jeder Gläubige ist zur Heiligkeit und zur Mission berufen. Dies war auch der dringende Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils: „Möge das Licht Christi ... durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, alle Menschen erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet“. Die missionarische Spiritualität der Kirche ist ein „Weg zur Heiligkeit“ (Redemptoris Missio, 90). Unsere Zeit schreit nach dieser Art Heiligkeit, die beflügelt ist von dem glühenden Vorsatz, so viele unserer Brüder und Schwestern zu Christus zu bringen wie möglich.

3. Heiligkeit entsteht innerhalb der christlichen Gemeinschaft. Dieser universelle Ruf zu Heiligkeit und Mission soll im Zusammenhang einer christlichen Gemeinschaft gepflegt werden. Wir sollen uns gegenseitig anspornen durch unsere Hingabe, unser gutes Beispiel, durch Großzügigkeit und Ermutigung. „Denken wir, liebe Brüder und Schwestern, an den missionarischen Schwung der ersten Christengemeinden. Trotz der Armseligkeit der damaligen Transport- und Kommunikationsmittel erreichte die Verkündigung des Evangeliums in kurzer Zeit die Grenzen der Welt. Und dabei handelte es sich um die Religion eines am Kreuz gestorbenen Menschen, »für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit« (1 Kor 1,23)! Zugrunde liegt diesem missionarischen Dynamismus die Heiligkeit der ersten Christen und der ersten Gemeinden“ (Redemptoris Missio, 90). Bemühe ich mich, meine Familie und meine christliche Gemeinde mit einem Bewusstsein für die Mission aufzubauen? Schätze ich das gute Beispiel und die Hilfe, die ich bekomme und versuche ich, anderen auf dem Weg der Heiligkeit voranzueilen?

Gespräch mit Christus: Herr, lass mich nach wahrhaftiger Heiligkeit streben. Sie sei gekennzeichnet von einer tief empfundenen, wachsenden und umfassenden Liebe zu allen Menschen. Lass mein Herz im Gleichklang mit deinem schlagen. Öffne meine Augen für all das Gute, das ich für meine Brüder und Schwestern tun kann, und lass mich keine Gelegenheit versäumen, der Welt deine Liebe zu zeigen. Amen.

Vorsatz:  Ich will mir heute Zeit nehmen, mein Gewissen zu erforschen. Lass mich über die Spontaneität, Tiefe und Reichweite meiner Liebe zu anderen, vor allem zu denen, die ich am meisten lieben sollte, aufrichtig Rechenschaft geben.


Herr, lehre uns zu beten

11. März 2014

Dienstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Rosina, Einsiedlerin
Hl. Ulrich OCist, Abt

P.Josè LaBoy LC

Mt 6,7-15
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Einführendes Gebet:  Herr, ich bin mir bewusst, dass du weißt, was das Beste für mich ist, und darum glaube ich an dich. Du bist viel mehr um mein seelisches Wohlsein besorgt als ich, und darum vertraue ich auf dich. Du schenkst mir trotz meiner Sünden voll Liebe deine Vergebung, und darum liebe ich dich.

Bitte: Herr, lehre mich beten.

1.  Das Gebet ist die Frucht des Schweigens. Manche Leute reden gerne. Sie wollen, dass man ihnen zuhört, aber im Zuhören sind sie nicht so geduldig. Wenn man das Schweigen nicht gelernt hat, tut man sich mit dem Zuhören schwer. Die heilige Theresa von Kalkutta schrieb einmal, dass das Gebet die Frucht des Schweigens ist. Jesus will uns deutlich machen, dass Beten mehr ein Zuhören als ein Reden ist. Wenn wir mit jemandem zusammen sind, der viel über ein Thema weiß, das uns interessiert, beschränken wir uns darauf, Fragen zu stellen und hören dieser Person gerne zu. Jesus offenbart uns Gott den Vater. Das bedeutet, dass wir im Gebet Jesus vor allem fragen sollen, wie Gott Vater ist, und dann sollten wir ihm vor allem zuhören.

2. Gott ist unser liebender Vater. Jesus sagt uns, dass Gott als unser Vater weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn darum bitten. Trotzdem sollen wir bitten, denn durch das Bitten wird uns bewusst, dass wir Bedürfnisse haben, die allein Gott unser Vater erfüllen kann. Wir lernen dadurch, Gott um das zu bitten, was wir am meisten für unser Heil brauchen. Darum hat uns Jesus das „Vater Unser“ gelehrt. Wenn wir das „Vater Unser“ beten, erinnern wir uns daran, dass er der Vater aller Menschen ist, und dass somit jeder Mensch wirklich unser Bruder ist. Wenn wir das „Vater Unser“ beten, bitten wir vor allem um drei Dinge: dass Gott den ersten Platz in unserem Leben einnimmt, dass er uns die nötige materielle und geistige Nahrung gibt, und dass er uns seine Vergebung schenkt.

3. Vergeben, um Vergebung zu erlangen. Jesus betont die Wichtigkeit der Vergebung. Der erste Johannesbrief erinnert uns daran, dass wir alle Sünder sind (vgl. 1,8). Ein wesentliches Merkmal christlichen Lebens ist die Erfahrung von Jesu liebendem Erbarmen. Wir können es wirklich nur erfahren, wenn wir selbst Barmherzigkeit üben. Wir können einen Fallschirmspringer, der aus einem Flugzeug springt, bewundern, wir werden dessen Erfahrung aber erst dann verstehen können, wenn wir selbst mit dem Fallschirm springen. Wir verstehen die wahre Bedeutung der Barmherzigkeit erst, wenn wir anderen vergeben. Unser Erbarmen wird nicht dasselbe wie das von Christus sein: Er hat niemals gesündigt, und darum vergibt er uns, auch wenn wir seine Vergebung nicht verdienen. Wenn Christus uns vergeben hat, wie können wir es dann wagen, anderen nicht zu vergeben?

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir, dass du mich lehrst, wie ich zum Vater beten kann. Ich bete nicht immer so, wie ich eigentlich beten sollte. Bitte lehre mich, zu beten. Bitte hilf mir, dass ich Gott von ganzem Herzen den ersten Platz in meinem Leben geben will und seinen Willen immer meinem Willen vorziehe. Hilf mir, die anderen so zu behandeln, wie ich von ihnen behandelt werden möchte, und ihnen zu vergeben, wenn sie mich verletzen.

Vorsatz:  Ich will heute eine bestimmte Zeit für das Gebet reservieren.


Selig sind, die reinen Herzens sind

12. März 2014

Mittwoch der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Almud CBM, Abtissin
Hl. Engelhard OFM
Hl. Beatrix OPraem

P. Alex Yeung LC

Lk 11,29-32
Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein. Doch weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse, die Gerechtigkeit aber und die Liebe zu Gott vergesst ihr. Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube an dich, weil du die Wahrheit selbst bist und weil du mir immer mehr den Sinn und Zweck meines Lebens offenbarst. Ich vertraue auf dich, weil du jeden Tag auf mich wartest und an meine Tür klopfst, weil du immer bereit bist, mir zu vergeben und mich durch das Gebet und die Sakramente näher an dich zu ziehen. Ich liebe dich, weil du dich am Kreuz ganz mir geschenkt hast und mich so gelehrt hast, was es bedeutet, sich in der Liebe ganz zu erfüllen. Amen.

Bitte: Herr, hilf mir zu erkennen, dass Heiligkeit und Demut Hand in Hand gehen.

1.  Christus ist das Bild der Heiligkeit. Wir alle leben mit einem „Ego“, einem Bild von Vollkommenheit, das wir uns in unserer Phantasie von uns bilden. Dieses Bild ist seit der Kindheit in uns: der Sportstar, der Rockstar, das Hollywoodidol, welches wir schon immer werden wollten. Ebenso wie diese Vorstellung, fallen wir leicht in die Versuchung, uns unsere Heiligkeit als vollkommen und fehlerlos vorzustellen – ohne Schwächen, Schwierigkeiten und Makel. Wir meinen, wir könnten so eines Tages werden, wenn wir uns nur von unseren zahlreichen Fehlern lösen könnten. Das ist durch und durch pure Phantasie! Das Streben nach Heiligkeit ist nicht das Streben nach einem Ideal, einem „vollkommenem“ Ich. Nein. Gott allein weiß, wie unsere Heiligkeit letztendlich sein wird. Unser Ziel ist nicht das Erreichen dieses Ichs unserer Phantasie, sondern unser Ziel ist Christus. Er ist zugleich die Quelle und der Höhepunkt unserer Heiligkeit.

2. Heiligkeit bedeutet, Gott das Steuer unseres Lebens zu überlassen. Wir können oft in den Biografien von Heiligen lesen, wie sie in ihrem spirituellen Leben Schwierigkeiten erfuhren, wie unvollkommen sie sich angesichts ihrer Berufung durch Gott vorgekommen sind. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn wir innere Prüfungen, Unsicherheiten und Verwirrungen erfahren, je mehr wir uns Gott anvertrauen. Wenn wir uns selbst Gott übergeben und den Ruf zur Heiligkeit ernst nehmen, müssen wir Gott das Steuer unseres Lebens überlassen. Das bedeutet, dass wir loslassen müssen. Wir müssen ihm die Kontrolle bei unserem Streben nach Heiligkeit überlassen. Dann, und nur dann, wird dieses Streben echt sein.

3. Die Niedrigen werden erhöht werden. Heiligkeit bedeutet nicht, dass wir keine Fehler mehr haben, oder dass nach außen hin eine Tugend allen offensichtlich erscheint. Im Gegenteil, weil das Wachsen in der Heiligkeit unsere Seele immer mehr in Berührung mit dem göttlichen Licht bringt, macht Gott uns fähig, unsere Seele immer mehr so zu sehen, wie er sie sieht. Und das bedeutet, dass wir mehr und mehr unsere Sünden erkennen, dass wir vor allem die Wurzelsünden unseres Lebens klarer erkennen, was uns tief erschüttern muss. Kein Wunder, dass so viele Heilige einmal in der Woche beichteten, wenn nicht sogar öfters! Sicherlich bringt Heiligkeit Wachstum in der Tugend und das Bleiben im Stand der Gnade mit sich, aber sie bedeutet kaum die Abwesenheit von Fehlern, von Versagen und leichten Sünden jeglicher Art. Wesentlich ist nicht Fleckenlosigkeit, sondern eine echte Selbsthingabe an Gott und seinen Willen. Vielleicht hat aus diesem Grund der heilige Augustinus einst erklärt, dass für das Streben nach Heiligkeit drei Tugenden wesentlich sind: als erstes die Demut, als zweites die Demut und als drittes … die Demut!

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich danke dir, weil du mir das Streben nach Heiligkeit ermöglichst! Ich danke dir, weil du mir Tag für Tag zeigst, wie ich in der Freundschaft zu dir wachsen kann. Hilf mir, aus meinen Fehlern zu lernen und sie als Gelegenheiten zu nutzen, in der Demut zu wachsen. Hilf mir, niemals an dir zu zweifeln; hilf mir, niemals an meiner Berufung zur Heiligkeit zu zweifeln. Amen.

Vorsatz:  Wenn ich heute in einer kleinen oder großen Angelegenheit versage, will ich mein Versagen Gott bekennen (in der festen Absicht, eine ernste Angelegenheit so bald als möglich zu beichten), mich schnell wieder erheben und mutig voranschreiten.


Niemals aufhören, nach Heiligkeit zu streben

13. März 2014

Donnerstag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Pauline von Paulinzella OSB
Hl. Leander, Erzbischof

P. Alex Yeung LC

Mt 7,7-12
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten. Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

Einführendes Gebet:  Himmlischer Vater, ich nutze diesen Moment, um dich zu verehren und in deine liebende Gegenwart zu treten. Ich wage es, dir zu sagen, dass ich an dich glaube, obwohl du weißt, wie schwach mein Glauben ist. Du bist der Grund für all meine Hoffnung in meinem Leben. Herr, ich zähle auf dich, wenn ich danach strebe, dich vollkommener zu lieben und die Heiligkeit des Lebens zu erlangen, zu der du mich berufen hast. Amen.

Bitte: Herr, lehre mich Beten.

1.  Das Gebet ist der Weg zu echter Heiligkeit. Papst Johannes Paul II. erinnert uns: „Der notwendige und unersetzliche Weg, um in der Heiligung voranzuschreiten, ist das Gebet: Wenn wir beim Herrn sind, werden wir Freunde des Herrn, sein Blick wird nach und nach unser Blick, sein Herz wird unser Herz“ (Predigt an die Priester der Diözese Rom, 6. März 2003). Wieder sind wir mit dem grundlegenden Prinzip unserer Heiligung konfrontiert: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Christus muss in uns immer größer werden. Das ist es, was echtes Gebet bewirkt, ein Gebet, das in einer Unterhaltung unter vier Augen mit dem Herrn besteht, welche das Herz, den Verstand und den Willen mit einschließt. Kann es sein, dass ich nach Heiligkeit strebe, ohne mich ernsthaft dazu entschlossen zu haben, jeden Tag, ja mein ganzes Leben, im Gebet zu verankern?

2. Kindliches Vertrauen. Warum scheint die Aussicht auf unsere eigene Heiligkeit uns so fremd? Warum zögern wir innerlich zu glauben, dass Gott, der Allmächtige, der uns aus dem Nichts erschaffen hat, uns auch heiligen kann? Möglicherweise entmutigt uns unser Widerwille, den Teil unserer Heiligung, der von uns abhängt, wirklich in Angriff zu nehmen. Aber auch hier drängt Christus uns mit Vertrauen zu beten: „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten“ (Mt 7,11). Fällt es uns zu schwer zu glauben und zu vertrauen, dass Gott unseren Willen auf dem Weg der Heiligkeit stärken wird? Wird er uns etwa seine Gnade vorenthalten, wenn wir mit vollkommenem Vertrauen und kindlicher Zuversicht um unsere Heiligung bitten?

3. Welch geheimnisvoller Zusammenhang. Gebet, Heiligkeit und apostolische Frucht sind miteinander eng verknüpft. Wenn wir als Laienapostel Früchte in all unseren apostolischen Bemühungen sehen wollen, wissen wir, dass es zu einem großen Teil von unserem Grad der Heiligkeit abhängt: der Grad unserer wirklichen Verbundenheit mit Gott, der Grad, in dem sein göttliches Leben durch uns fließt. Dieses göttliche Leben, das uns in der Taufe geschenkt wurde und durch unser sakramentales Leben gewachsen ist, kann jeden Tag im persönlichen Gebet, in welchem der Durst nach Gott nicht gestillt, sondern vielmehr vergrößert wird, vermehrt werden. Wir sollten jederzeit beten, damit das Gebet das Geheimnis unserer Heiligkeit und der apostolischen Errungenschaften wird. Das Gebet ist immer noch die größte Kraft auf der Erde. Es muss im Zentrum unseres ganzen Strebens stehen.

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, danke für diese Zeit des Gebets. Danke, dass du mich innerlich Schritt für Schritt lehrst, wie ich beten kann. Ich bitte dich um die Gnade der Heiligkeit, um der Männer und Frauen willen, deren Heil auf geheimnisvolle Weise irgendwie mit meinem Leben und meiner Treue zu dir verbunden ist! Amen.

Vorsatz:  Ich werde meine Entschiedenheit, mir jeden Tag Zeit für das Gebet zu nehmen, erneuern, und sicher gehen, dass es Teil meiner täglichen Routine wird oder weiterhin bleibt.


Echte und vorgetäuschte Heiligkeit

14. März 2014

Freitag der ersten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mathilde

P. Alex Yeung LC

Mt 5,20-26
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich danke dir für diese gemeinsame Zeit mit dir. Du schenkst mir immer so viele Gnaden. Wie undankbar bin ich manchmal! Ich möchte mehr daran mitarbeiten, dein Reich auf Erden aufzurichten. Ich liebe dich, Herr, und mit Hilfe deiner Gnade will ich mich bemühen, ein Mensch zu werden, zu welchem jeder kommen kann, um deine Wahrheit, dein Leben und deine Liebe zu entdecken. Forme diesen Tag zu deinem Tag in meinem Leben. Amen.

Bitte: Vater, hilf mir, alle Heuchelei von mir zu weisen und wahre Heiligkeit zu suchen.

1.  Subjektive Eindrücke. Wie viel Gerechtigkeit brauchen wir, um die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer zu übertreffen? Wir denken vielleicht, nicht viel. Wenn wir die Evangelien lesen, fällt es uns leicht, die bösen Pharisäer zu verurteilen. Und oft denken wir vielleicht, dass wir uns niemals der eigenen Heiligkeit rühmen würden. Aber haben wir nicht oft viel Selbstbetrug, Selbstgefälligkeit in uns, die die eigenen Fehler allzu schnell entschuldigt? Darum müssen wir immer bereit sein, uns selbst vor Christus mit einem klaren Bewusstsein über unsere eigenen Fehler und Begrenztheiten zu prüfen. Bemühe ich mich in meinem Leben wirklich ehrlich darum, heilig zu werden oder suche ich nur meine eigene Ehre?

2. Demut ist die wahre Überprüfung der Heiligkeit. Stolz und persönliche Heiligkeit lassen sich ebenso wenig vermischen wie Wasser und Öl. Wo unser Ego ist, da bleibt kein Raum für Gott. Ein Jünger Christi zu sein, bedeutet doch ein Mensch zu sein, der sich ganz mit Gott erfüllen lässt, um Christus allen zu bringen. Aber welche Verbindung, Gnade oder Freundschaft mit Gott kann es in einer stolzen Seele geben? Zwischen Gott und einer stolzen Seele kann es keinen Kompromiss geben – entweder muss sich diese Seele von sich selbst loslösen oder Gott müsste aufhören Gott zu sein.

3. Integrität ist das Entscheidende. Im Herzen echter Heiligkeit ist die Tugend der Integrität, eine Tugend, die reich an Nuancen und Bedeutungen ist. Integrität bedeutet, eine Person mit nur einem Gesicht zu sein, eine Person, die innen und außen dieselbe ist: „Das, was du siehst, bekommst du auch“. Tatsächlich ist die Integrität grundlegend für die Heiligkeit, weil sie das Wesen der persönlichen Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit ausmacht, welche die Voraussetzungen für ein tugendhaftes Leben und das Saatbeet für viele andere Tugenden sind. In unserem Streben nach Heiligkeit sollten wir niemals Falschheit gleich welcher Art zulassen. Wir sollten selbst die geringste Spur von Ambivalenz in unseren Absichten oder Nichtübereinstimmung zwischen unseren Gedanken, Urteilen, Entscheidungen und Handlungen unbedingt meiden. Es kann wirklich kein echtes menschliches Glück geben, wenn es nicht auf der Basistugend der Integrität beruht.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich möchte, dass du Sinn und Zentrum meines ganzen Lebens bist. Hilf mir, immer kleiner zu werden, damit du in meinem Leben immer größer werden kannst. Ich möchte immer ein Werkzeug für die Rettung der Menschen sein, indem ich eine Heiligkeit lebe, die echt, demütig und wahr ist. Amen.

Vorsatz:  Ich will mein Leben auf Integrität hin prüfen und in den Bereichen, wo ich eine Nichtübereinstimmung mit der Wahrheit entdecke, einen konkreten Schritt hin zu mehr Integrität tun.


Wollt ihr wirklich vollkommen werden?

15.März 2014

Samstag der ersten Woche der Fastenzeit
Hl. Klemens Maria Hofbauer CSsR, Apostel von Wien
Louise de Mavillac FdC

P. Barry O’Tool LC

Mt 5,43-48
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du bist Mensch geworden, um mir durch dein eigenes Fleisch und Blut den Weg zur Heiligkeit zu zeigen. In jedem Wort und jeder Tat von dir, aufgeschrieben im Evangelium, lehrst du mich und offenbarst du mir das Geheimnis eines Lebens, das die Ewigkeit verdient. Ich glaube, dass du jetzt bei mir bist und dass du diese Augenblicke des Gebets nutzen willst, um meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu vermehren. Hier bin ich, Herr, um dich mit ganzem Herzen kennenzulernen, zu lieben und dir zu dienen. Amen.

Bitte: Herr, hilf mir, die Heiligkeit aus Liebe zu dir und den anderen zu suchen. Amen.

1.  Wahre Vollkommenheit. Wer sagt uns, dass wir vollkommen sein sollen? Christus, das Wort, durch den alles, was ist, geworden ist, durch den wir das Leben bekommen haben: unser Herr, unser Schöpfer, der sich von Ewigkeit her danach sehnt, uns in der Liebe vollendet zu sehen. Das ist kein Vorschlag; das ist eine Mahnung, ein dringender Wunsch. Er sagt es den Jüngern kraftvoll, auch wenn er weiß, dass sie allein dazu nicht in der Lage sind. Für Gott ist aber nichts unmöglich. Wir werden heute daran erinnert, dass unsere Heiligkeit möglich ist; sie ist Gottes Plan. Wunder geschehen, wenn wir glauben. Gott lässt uns nicht fallen. Aber Gott will von uns, dass wir vollkommen sind. Ich muss jetzt, in diesem Augenblick, damit beginnen, vollkommen zu sein.

2. Warum sollen wir vollkommen werden? Dass Gott von uns verlangt, nach der vollkommenen Heiligkeit zu streben, wird verständlicher, wenn wir auf die Situation unserer Welt schauen. Diese Welt, die die Rettung durch Christus so dringend braucht, ist der größte und handgreifliche Grund, warum jeder von uns die Heiligkeit erstreben sollte. Welchen Wert hat christliche Heiligkeit in der Welt? Ein christlicher Apologet aus der Frühkirche drückte es so aus: “Um alles in einem Wort zusammenzufassen – was die Seele im Körper ist, das sind die Christen in der Welt. Das Fleisch hasst die Seele und kämpft gegen sie, obgleich die Seele ihm nichts antut, weil es daran gehindert wird, weltliche Freuden zu genießen; die Welt hasst ebenso die Christen, obwohl sie durch sie keinen Schaden erleiden, weil sie den weltlichen Freuden entsagen. Die Seele liebt das Fleisch, welches sie hasst, und sie liebt ebenso die Glieder; auf gleiche Weise lieben die Christen jene, die sie hassen“ (Brief an Diognetus).

3. Das Werk der Liebe. In einer Welt von Treibsand können wir festen Grund anbieten; in einer Welt blinder Mächte von geistiger und materieller Gewalt, können wir die überzeugende Macht der christlichen Güte anbieten. Die selige Mutter Teresa von Kalkutta sagte, dass Heiligkeit kein Privileg für ein paar wenige sei, sondern eine Verpflichtung für alle. Wenn wir uns mit einem einfachen und tiefen Glauben in diese Verbindung unseres Strebens nach Heiligkeit und der Rettung der Seelen vertiefen, können wir einen neuen Antrieb und neue Kraft entdecken. Die Herausforderung des Strebens nach Heiligkeit kann so zu einem Werk der Liebe werden, das angetrieben wird von einem Herzen, das aus Eifer für die Rettung aller unserer Schwestern und Brüder brennt.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, die Welt braucht Männer und Frauen Gottes; die Welt braucht Heilige. Ich weiß das. Ich weiß, dass du mich persönlich dringend dazu aufrufst, heilig zu sein. Um des Heiles meiner Schwestern und Brüder willen mach mich heilig, Herr. Amen.

Vorsatz:  Ich will mir heute Zeit nehmen, um zu „Unserer Lieben Frau“ zu beten und ihr mit einem lebendigen und kindlichen Glauben das ganze Vorhaben meiner persönlichen Heiligung anzuvertrauen.