Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 3. November 2013 bis Samstag 9. November 2013

Einundreißigste Woche im Jahreskreis

P. Steven Reilly LC, P. Michael Goodyear LC

Der kleine Mann auf dem BaumSonntag
Unsere GästelisteMontag
Der Herr bittet um unsere AntwortDienstag
Jüngerschaft: weder billig noch einfachMittwoch
Der Umgang mit Menschen ist prägendDonnerstag
Was höre ich da von dir?Freitag
Der unzerstörbare TempelSamstag


Der kleine Mann auf dem Baum

3. November 2013

Einunddreißigster Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionssonntag

P. Steven Reilly LC

Lk 19,1-10
Jesus kam nach Jericho und ging durch die Stadt. Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich. Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Einführendes Gebet:  O Herr, danke dass du mir erlaubst in deiner Gegenwart zu sein. Deine Liebe macht meine Seele groß. Ich sehne mich nach deinem Antlitz. Ich bete dieses Gebet mit dem Wunsch ganz bei dir zu sein, und unter deiner Liebe zu entspannen. Möge meine Anwesenheit hier Ausdruck meiner Liebe zu dir sein.

Bitte: Herr, hilf mir die Hindernisse für mein geistliches Leben zu überwinden.

1.  Auf Bäume klettern. Was muss das für ein Anblick gewesen sein – wie dieser rundliche, kleine Mensch auf einen Baum klettert. Die verwunderten Zuschauer werden gepfiffen und laut über den obersten Zollpächter gelacht haben, als er seine Würde vergaß und keuchend den Feigenbaum hochkletterte. Zachäus war absolut hartnäckig. Er war es gewohnt, Hindernisse zu überwinden, wenn es darum ging, die Steuerzahler Jerichos zu schröpfen. Aber nun brauchte er sein weltliches Geschick für einen völlig anderen Zweck: Er wollte Jesus sehen! Wenn wir doch halb so hartnäckig unsere geistlichen Ziele verfolgen würden wie unsere weltlichen! Wenn wir etwas wirklich wollen, können wir schieben, ziehen und zerren, um über, unter oder um ein Hindernis herum zu kommen, das uns von unseren Zielen abhält. Aber wenn es um unser Gebetsleben geht, scheint so etwas Einfaches wie eine Änderung im Tagesablauf schon unüberwindbar zu sein. Sehnen wir uns danach, Christus zu sehen! Wenn wir uns wirklich nach seiner Liebe sehnen, können wir sogar auf Bäume steigen, um sie zu erlangen!

2. Beim Namen genannt. Als die Leute Zachäus im Baum sahen, sahen sie in ihm den gehassten Feind, der es verdiente, verspottet und ausgelacht zu werden. Als Jesus Zachäus im Baum sah, sah er eine Seele mit Potential, die es verdiente, voll Liebe gerufen zu werden. Jesu Fähigkeit, in die Herzen zu schauen, ermöglichte es ihm, das ganze Bild von Zachäus zu sehen. Sicher, Geld war stets sein Antrieb gewesen, aber es gab eine Offenheit in seinem Herzen, die guter Boden für den Samen sein würde. Jesus lud sich selbst bei ihm zum Essen ein; das hätte Zachäus von sich aus nie zu tun gewagt. Der Herr schämte sich nicht für Zachäus, und wie die privilegierten Seelen seiner engsten Jünger, rief er ihn beim Namen. Er will auch uns rufen!

3. Christi Glaubwürdigkeit. Die Leute begannen über Jesus zu murren – wie konnte er mit solch einem Sünder Zeit verbringen? Seine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt. Die Antwort von Zachäus beweist, dass der Weg der Rechtschaffenheit, den Jesus verkündete, wahr und wirklich ist. Jesus heilte die Aussätzigen, ließ Lahme wieder gehen und erweckte sogar die Toten zum Leben, aber die dramatische Bekehrung schwerer Sünder muss das verblüffendste seiner Wunder gewesen sein. Es war schwerer, angesichts solcher Beweise Jesus NICHT zu glauben. Als Katholiken haben wir die Aufgabe auch Zeugen für die Glaubwürdigkeit Christi zu sein, der durch die Kirche wirkt. Wenn unser Leben Nächstenliebe und Selbstverleugnung ausstrahlt, bezeugen wir, dass die Gnaden wirklich sind, die wir durch die Eucharistie und durch all die anderen Sakramente und Gnaden, die wir als Katholiken besitzen, empfangen haben.

Gespräch mit Christus: Herr, welche Freude hat dir die Bekehrung des Zachäus gemacht. Er hat ganz auf deine Gnade geantwortet. Manchmal tue ich mich schwer, auch wenn ich fühle, dass du mich rufst, einen Schritt in meinem geistlichen Leben weiterzugehen. Hilf mir großzügig zu sein, damit andere Seelen sehen, wie wundervoll es ist, dir zu folgen!

Vorsatz:  Ich werde mich heute bemühen, alle Hindernisse für mein Gebetsleben zu überwinden.


Unsere Gästeliste

4. November 2013

Montag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Karl Borromäus, Bischof von Mailand

P. Steven Reilly LC

Lk 14,12-14
Jesus kam in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. Er sagte zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Einführendes Gebet:  Gott, danke für die Erlaubnis in deiner Gegenwart sein zu dürfen. Deine Liebe erweitert meine Seele. Ich sehne mich danach, dein Gesicht zu sehen. Mit diesem Gebet zeige ich mein Verlangen, ganz in deiner Nähe zu sein und unter deinem liebenden Blick zu entspannen. Möge meine Gegenwart hier ein Abbild meiner Liebe zu dir sein.

Bitte: Herr, gib mir die Gnade, deine Interessen über meine eigenen zu stellen.

1.  In göttlichen Kategorien denken. Einzigartig ist der Mensch, der nicht stets wenigstens mit einem Auge nach seinen eigenen Interessen schielt. Für viele geht es im Leben um Einfluss, und gute Taten sind eine Investition, die zukünftigen Profit bringen wird. In diesem Gleichnis lädt uns Jesus ein, nicht in menschlichen, sondern in göttlichen Kategorien zu denken. Gott erhält keinen persönlichen Gewinn dadurch, dass er uns seine unermessliche Liebe schenkt. Wir können ihm eben nichts geben, was er nicht schon hat. Sollten wir nicht vielleicht unsere Gästeliste erweitern?

2. Die Armen, die Krüppel, die Lahmen und die Blinden. Die selige Mutter Teresa lebte diese Stelle des Evangeliums in beispielhafter Weise. Es wird die Geschichte eines sterbenden Mannes erzählt, der auf der Straße liegend gefunden und zum Haus der Sterbenden der Barmherzigkeitsschwestern gebracht wurde. Sie gaben ihm eine Würde, die er nie gekannt hatte: „Ich habe mein ganzes Leben lang wie ein Hund gelebt. Aber jetzt werde ich wie ein Engel sterben.“ Manchmal haben auch wir die Gelegenheit, anderen in dringender Not zu helfen. Doch zumindest können wir, vielleicht gelegentlich jemandem helfen, der geistlich arm oder verkrüppelt ist. Vielleicht ist es derjenige, der immer schlechte Laune hat, oder der andere, der mal ein Gerücht über mich verbreitet hat. „Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten.

3. Eigennutz oder Auferstehung? Pater Joe sagte immer folgendes über das Priestertum: „Die Bezahlung ist schlecht, aber die Rente ist phantastisch.” Beim Eigennutz geht es darum, hier und jetzt etwas bezahlt zu bekommen. Wahre Liebe und Barmherzigkeit kann man nicht bezahlen. Nein, wir leben für die Ewigkeit. Bitten wir den Herrn, uns eine bessere Wahrnehmung des großen Bildes zu geben, um zu erkennen, dass diese unbezahlten guten Taten die Besten sind. Also, Eltern der Welt, fasst Mut! Eure Opfer werden wahrhaft belohnt werden „bei der Auferstehung der Gerechten.“

Gespräch mit Christus: Lieber Herr, wie oft denke ich: „Was habe ich denn davon?“ Hilf mir, meine Hand denen auszustrecken, die nicht zu meinem Umfeld gehören. Hilf mir zu sehen, dass du in jeder Seele bist, nicht nur in denen, die mich irgendwie zufrieden stellen.

Vorsatz:  Ich werde eine Tat der Nächstenliebe für jemanden vollbringen, der mich nicht mag.


Der Herr bittet um unsere Antwort

5. November 2013

Dienstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Steven Reilly LC

Lk 14,15-24
Einer der Gäste sagte zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf. Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

Einführendes Gebet:  Oh Gott, danke, dass ich in deiner Gegenwart sein darf. Deine Liebe macht meine Seele weit. Ich sehne mich danach, dein Angesicht zu schauen! Ich komme zu dir mit großer Sehnsucht, um unter deinem liebenden Blick auszuruhen. Ich will dir diese Zeit schenken als Ausdruck meiner Liebe zu dir.

Bitte: Herr, hilf mir, alle Entschuldigungen fallen zu lassen, wenn ich zu deinem Festmahl eingeladen bin.

1.  Die Einladung wertschätzen. Manche der glücklichsten Momente in unserem Leben erleben wir bei Festmahlen. Dort werden Meilensteine gefeiert, Freundschaften intensiviert und Beziehungen erneuert. Hat Jesus vielleicht deswegen so oft dieses Bild benutzt, um den Himmel zu beschreiben? Denken wir einen Moment über die Freude des Himmels – dieses unendlichen Festes – nach. Wir können uns nicht vorstellen, wie es sein wird, Gott und die unerschöpfliche Schönheit seiner dreieinigen Majestät zu schauen. Und die Gesellschaft wird großartig sein! Beim himmlischen Festmahl kommt es nicht darauf an, wo du sitzt: Du wirst neben einem Heiligen sitzen, und die Unterhaltung wird wundervoll sein!

2. Bittet der Herr mit Recht um Antwort? Zu einem Festmahl zu gehen, macht Mühe. Du brauchst einen Babysitter, etwas Schönes zum Anziehen, und musst vielleicht vorherige Pläne ändern. Wenn man die Einladung nicht wertschätzt, wird man sich nicht die Mühe machen; stattdessen wird man sich entschuldigen. Die Entschuldigung hat vielleicht einen triftigen Grund – wie im Beispiel mit den Ochsen – aber sie verschleiert das eigentliche Problem: Dieses besondere Festmahl scheint es nicht wert zu sein, die eigenen Pläne zu ändern. Das sollte uns an die Entschuldigungen, die wir für unser geistliches Leben haben, erinnern. Verschleiern sie nur eine wachsende geistliche Mittelmäßigkeit?

3. Das Haus wird gefüllt sein! Der Herr des Hauses ist aufgebracht, weil die Leute, die seine Einladung als erstes hätten annehmen sollen, ihn im Stich lassen. Aber alles ist vorbereitet, und das Fest kann beginnen. Jemand anderes wird die Chance bekommen, es zu genießen. Hier ist vielleicht ein weiterer Punkt zum Nachdenken: Wir sind die Diener dieses Herren. Er will sein Haus voll sehen, und dafür braucht er uns. Die Diener sind schnell und agil, und sie verstehen, was der Meister will: „Es gibt immer noch Platz“. Lasst uns also auch den Herrn bitten, uns apostolische Herzen zu geben, die nicht ruhen, bis das Haus voll ist. Was für ein Fest wird das sein!

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, ich sehne mich nach dem Tag, an dem wir mit dir vereint beim himmlischen Fest sein werden. Hilf mir, zu verstehen, dass die Freude und das Glück dieses Festmahls das Aufopfern jeder rein weltlichen Priorität wert sind. So oft habe ich Entschuldigungen. Gib mir die Kraft, mich niemals von dir wegziehen zu lassen.

Vorsatz:  Heute werde ich Gottes Einladung annehmen und nichts meinem Gebetsleben vorziehen.


Jüngerschaft: weder billig noch einfach

6. November 2013

Mittwoch der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Leonhard, Einsiedler von Limoges

P. Steven Reilly LC

Lk 14,25-33
Viele Menschen begleiteten Jesus; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Einführendes Gebet:  Herr, Gott, ich glaube, dass du in diesem Moment des Gebets gegenwärtig bist. Selbst wenn ich mich gar nicht nach dieser gemeinsamen Zeit gesehnt habe, weiß ich, dass du auf mich gewartet hast. Aus Dankbarkeit und Liebe will ich mich dir nun ganz in dieser Betrachtung hingeben.

Bitte: Herr, hilf mir zu erkennen, dass es sich lohnt, sich für die Heiligkeit anzustrengen.

1.  Kampf für die Heiligkeit. Unser Herr mahnt uns hier, dass wir die Kosten genau ausrechnen und die notwendigen Ressourcen einschätzen müssen, wenn wir ein Haus bauen wollen. Das hört sich wie eine Machbarkeitsstudie an, der erste Schritt für jedes gut geplante Unternehmen. Ob nun die Pfarrgemeinde einen neuen Saal bauen will, oder eine Schule ein neues Gebäude errichten will, es führt kein Weg daran vorbei, sehr viel Arbeit auf die Planung zu verwenden, um das Unternehmen erfolgreich durchführen zu können. Der Herr sagt etwas Vergleichbares über unser geistliches Leben. Wir müssen wissen, was es dazu braucht, um das Ziel zu erreichen. Wie lautet seine Antwort? Viele Opfer sind notwendig. Das könnte uns erschrecken. Aber so wie es wunderbar ist, das abbezahlte und fertige Haus endlich benutzen zu können, so wird das Kämpfen für die Heiligkeit mit der herrlichen Ewigkeit belohnt werden!

2. Was ist das erste Ziel eines Strategieplans? Die Antwort ist einfach: Lass dich nicht besiegen! Das zweite Bild unseres Herrn weist auf einen anderen wichtigen Punkt der Nachfolge hin. Wenn eine Niederlage in Aussicht steht, sollte man besser andere Taktiken finden, um das Ziel zu erreichen. Das gleiche trifft auf die Nachfolge zu. In unserem Kampf um die Heiligkeit, können manche Kämpfe leicht gewonnen werden. Andere wiederum müssen ganz vermieden werden. Wir dürfen uns also nicht durch falsche Überschätzung unserer Kapazitäten besiegen lassen. Das passiert besonders dann, wenn wir die Gelegenheiten zur Sünde nicht vermeiden, weil wir meinen, dass wir selbst stark genug sind, um mit ihnen fertig zu werden. Manchmal ist die beste Strategie nicht der Kampf, sondern die Flucht.

3. Welchen Platz nehmen unsere Beziehungen ein? Bei dieser Betrachtung über Pläne und Ressourcen benutzt der Herr einige extrem radikale Worte über Beziehungen. Wenn er sagt, dass wir Vater und Mutter „hassen“ sollen, will er uns etwas Wichtiges sagen: So vital diese Beziehungen auch sind, sie dürfen nicht den ersten Platz in unserem Herzen einnehmen. Diesen Platz soll die Quelle unserer ganzen Existenz einnehmen, der Eine, der uns mit zärtlicher und leidenschaftlicher Liebe liebt – Gott selbst. Darum ist das Kreuz so wichtig. Wenn wir sehen, wie Jesus den Willen Gottes über alles andere stellt, zeigt er uns den Weg, dem wir folgen sollen. Die göttliche Ironie aber ist, dass dieses „Hassen“ in einer größeren und hingebungsvolleren Liebe mündet, wenn wir Christus auf dem Kreuzweg nachfolgen.

Gespräch mit Christus: O Jesus, dir zu folgen ist nicht einfach. Du bittest mich, alles außer dir hintanzustellen und mein Kreuz jeden Tag auf mich zu nehmen. Ohne deine Gnade kann ich das nicht. Ich bin schwach, aber ich glaube, dass du mir so viel Kraft geben wirst, wie ich brauche.

Vorsatz:  Ich werde mir Zeit nehmen und über meine Prioritäten nachdenken, um sicher zu sein, dass Gott immer zuerst kommt.


Der Umgang mit Menschen ist prägend

7. November 2013

Donnerstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Willibrord, Bischof von Utrecht

P. Steven Reilly LC

Lk 15,1-10
Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Einführendes Gebet:  Herr Gott, ich glaube, dass du in diesem Moment des Gebets gegenwärtig bist. Selbst wenn ich mich gar nicht nach dieser gemeinsamen Zeit gesehnt habe, weiß ich, dass du auf mich gewartet hast. Aus Dankbarkeit und Liebe will ich mich dir nun ganz in dieser Betrachtung hingeben.

Bitte: Herr, schenke mir größeren Eifer für die Rettung der Seelen.

1.  Der Umgang mit Menschen prägt uns. Die Pharisäer kritisierten unseren Herrn besonders deshalb, weil er sich Menschen zuwandte, die von ihnen verachtet wurden. Damals wurden „Sünder“ an den Rand der Gesellschaft gedrängt und mit Verachtung gestraft. Heute ist das anders. Menschen, die damals für Sünder gehalten worden wären, gehören heute zur breiten Masse; einige von ihnen wären heute sogar Berühmtheiten. Eines ist aber noch wie damals: Die Menschen beurteilen andere nach den Menschen, mit denen sie Umgang pflegen. Gut oder schlecht, die Menschen werden nach ihrem Umgang beurteilt. Das führt zu einer guten Frage. Ich bin Katholik. Ich empfange häufig die heilige Kommunion. Jesus verbringt viel Zeit mit mir. Könnten nun die Menschen erkennen, dass ich viel Zeit mit dem Herrn verbringe? Was würden sie über Christus und seinen Einfluss auf mich denken? Sind die Maßstäbe des Herrn in meinem Leben sichtbar?

2. Die 99 sicheren Schafe. Dass Jesus den Sündern hinterhergeht ist wirklich tröstlich für uns. Vielleicht weckt das in uns eine schöne Erinnerung, wie er uns gerettet hat, als wir uns weit weg von der Herde verirrt hatten. Die Szenerie ist nun aber eine andere. Ich gehöre jetzt zur Herde. Wie bleibe ich bei ihr und hüte mich davor, wegzulaufen? Der Gute Hirte gibt uns so viele Hilfen, ich muss sie aber auch nutzen. Wenn ich in meinem Gebet nachlasse und die Sakramente routinemäßig und ohne Eifer empfange, interessiere ich mich irgendwann für andere Weiden. Also ist es wichtig, dass wir der guten Herde der Kirche die Treue halten.

3. Freude im Himmel. Wenn wir nun nochmals zum Gedanken zurückkommen, wie Menschen nach ihrem Umgang beurteilt werden, können wir nun leicht verstehen, warum es zu solchen Urteilen kommt: Menschen, die viel Zeit miteinander verbringen, werden sich immer ähnlicher, weil sie viele Interessen miteinander teilen. Jesus offenbart in diesem Gleichnis, welches sein leidenschaftliches Interesse ist: Die Rettung jeder einzelnen Seele. „Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“ Der Herr will, dass im Himmel Freude herrscht über jede neue Bekehrung. Wenn ich oft mit Jesus zusammen bin, handle ich immer mehr so, wie er handeln würde. Wenn nicht, muss ich mich fragen, ob ich wirklich genügend Zeit mit ihm verbringe. Versuche ich, das verlorene Schaf, das ich kenne, zurückzubringen?

Gespräch mit Christus: Jesus, du hast den Sündern neuen Mut gemacht – so viele von ihnen sind Heilige geworden. Deine göttliche Gnade möge mich ganz durchdringen, damit dein Wirken in meiner Seele, in meinem Handeln zum Ausdruck kommt. Schenke mir einen kleinen Teil deiner brennenden Sehnsucht, die du hattest, um das verlorene Schaf zurückzubringen.

Vorsatz:  Ich will einem Freund oder Verwandten, der sich von der Kirche entfernt hat, einen Brief oder eine E-Mail schreiben, in der Hoffnung, dass sogar ein klein wenig Aufmerksamkeit einen guten Samen in seiner Seele sät.


Was höre ich da von dir?

8. November 2013

Freitag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Michael Goodyear LC

Lk 16, 1-8
Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib „fünfzig“. Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib „achtzig“. Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihres gleichen klüger als die Kinder des Lichtes.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus Christus, zu wem außer dir darf ich jeden Tag kommen? Eines Tages werde ich für immer zu dir kommen dürfen. Aber wie bei allen Dingen bestimmst du über mein Leben und schützt und leitest mich. Du schaust immer voll Liebe auf mich und siehst voll Freude mein Bemühen, deinen Willen zu tun. Diese Zeit des Gebets soll mir helfen, mich auf meine Begegnung mit dir vorzubereiten.

Bitte: Herr, hilf mir, besser auf deine Liebe zu antworten.

1.  Was höre ich? „Was höre ich da über dich?“ Das ist natürlich nur ein Gleichnis. In Wirklichkeit braucht Gott nichts über uns zu „hören“, da er allwissend ist. Doch könnte er durchaus zu uns sagen: „Was höre ich!“ wenn er den Ablauf unseres Lebens prüft und uns daran erinnert, dass wir verantwortlich für unsere freien Handlungen sind. Lasst uns in unserem Gebet jetzt auf das Gesicht des Vaters schauen, der fragt: „Was höre ich!“ Drückt das nicht eine Sorge über eine Wunde in unserer Seele aus, über etwas, das die Schönheit unseres Bildes, als Söhne und Töchter seines Vaters, verunstaltet hat?

2. Volle Abrechnung. Ja, wir werden diese volle Abrechnung leisten müssen. Das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, gibt uns nach Vorbereitung in Gebet und Gewissenserforschung die Gelegenheit zu solch einer Abrechnung. Schritt für Schritt können wir uns damit auf die große Abrechnung am Ende vorbereiten. Was für eine Gnade! Ziehen wir Nutzen aus diesem Vorteil?

3. Verschwender. Könnte uns Gott vorwerfen, dass wir Verschwender sind? Das ist nicht die einzige Stelle im Evangelium, wo solch ein Vorwurf zu lesen ist. Ich erinnere mich, dass der Verlorene Sohn beschuldigt wurde, seines Vaters Reichtum verschleudert zu haben. Etwas zu verschleudern ist ein Missbrauch, genauso wie es Verschwendung und unvernünftiger Gebrauch sind. Wie steht es mit all den Gnaden, die Gott uns gegeben hat: unseren Glauben, die katholische Kirche, die Sakramente, die Heilige Schrift, das Beispiel der Heiligen, der Reichtum der katholischen Tradition, die Mittel, die uns heute in die Hände gelegt worden sind, die Zeit und die Talente, die uns gegeben sind. Sind wir Verschwender? Verschleudern wir? Wie kann ich besser auf die vielen Gnaden antworten, die der Herr mir gegeben hat? Wie kann ich meine Talente für die Ausbreitung des Reiches Gottes besser „einsetzen“?

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, mache mich aufmerksam für deine Gaben und mache mich eifrig und großzügig, sie für meine Brüder und Schwestern, die du mir zur Seite gestellt hast, einzusetzen. Hilf mir durch meine tägliche Gewissenserforschung, ein guter Verwalter zu sein, sodass ich eines Tages bei dir ankommen möge und dich im Paradies als meinen ewigen Lohn genießen darf.

Vorsatz:  Ich will heute die Zeit meiner Gewissenserforschung dafür nutzen, Gott für alle Gnaden und Segnungen, die er mir geschenkt hat, zu danken. Ich will mir von neuem der Verantwortung über das bewusst werden, was Gott in meine Hände gelegt hat.


Der unzerstörbare Tempel

9. November 2013

Samstag der einunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Weihetag der Lateranbasilika

P. Steven Reilly LC

Joh 2,13-22
Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube, dass du jetzt hier bei mir bist, und ich hoffe auf deine grenzenlose Barmherzigkeit und Liebe. Ich danke dir, dass du über mir wachst und mir deine Freundschaft schenkst. Ich danke dir für das kostbare Geschenk unserer Mutter, der Kirche.

Bitte: Herr, vermehre meinen Eifer!

1.  Der unzerstörbare Tempel. Heute feiern wir den Weihetag der Lateranbasilika, welche die Mutter und das Haupt aller Kirchen genannt wird. Wenn wir nach Rom gehen und diese wunderbare Kirche besuchen, die nun schon 1700 Jahre alt ist, wird uns die Dauerhaftigkeit der katholischen Kirche richtig bewusst. Sie besteht schon so lange und wird weiter bestehen, genau genommen bis zum Tag des Gerichts. Egal was die Welt auch unternommen hat, sie konnte den Tempel der Kirche nicht zerstören. Es sollte uns mit tiefem Vertrauen erfüllen, dass der Herr bei uns ist bei unserem Gang durch die Geschichte.

2. Die Reinigung. Unzerstörbar zu sein bedeutet jedoch nicht, dass die katholische Kirche keiner Reinigung bedarf. Als unser Herr in den Tempel von Jerusalem kam, entdeckte er viele Dinge, welche den Geist des Gebets und der Hingabe, für welche dieses heilige Gebäude bestimmt war, behinderten. Seine heftige Reaktion soll die hohe Berufung zur Heiligkeit unterstreichen, zu der das erwählte Volk bestimmt war. Wir Katholiken haben diese Berufung geerbt; aber viel zu oft schleichen sich die Wege der Welt in unsere Seelen ein. Für jeden von uns ist es notwendig, sich der Reinigung unseres Herrn zu unterwerfen. Das wird für unser Gewissen eine Herausforderung sein, manchmal kann es sogar sehr weh tun wie ein Peitschenhieb. Wenn wir aber in unserem Wollen ehrlich sind, können wir die Reinigung in Demut annehmen, weil wir wissen, dass unsere Seelen lebendige Tempel Gottes sein sollen.

3. Verzehrender Eifer. Als die Apostel das Verhalten unseres Herrn im Tempel beobachteten, beschrieben sie es mit dem Wort „Eifer“. Jesus ist voller Eifer, weil er den Ist-Zustand etablierter Mittelmäßigkeit nicht akzeptiert. An dem Tag, an dem er ankommt, kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen: Das Haus seines Vaters wird geachtet werden. Viel zu oft drücken uns Trägheit und Gleichgültigkeit nieder und lassen unseren Eifer erlöschen. Wir müssen jeden Tag beten, dass der Herr unsere Herzen erneut mit dem Feuer seiner Liebe entzünde. Der Eifer, mit dem wir unseren Glauben leben, ist Teil von Gottes Wirken, damit der Tempel der Kirche unzerstörbar bleibt. Wollen wir nicht mit unserer Liebe dazu beitragen, dass „die Pforten der Hölle nicht siegen werden?“

Gespräch mit Christus: Herr, ich liebe deine Kirche. Ich danke dir für das unbezahlbare Geschenk meines katholischen Glaubens. Schütze die Kirche vor allen ihren Feinden und hilf mir, ein wirksamer Apostel zu werden, der von echtem Eifer erfüllt ist.

Vorsatz:  Ich will in der Kirchengemeinde mitarbeiten oder bei einem anderen katholischen Apostolat aus Liebe zur Kirche mitwirken.