Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 15. September 2013 bis Samstag 21. September 2013

Vierundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. David Daly LC, P. Shane Lambert LC, P.Robert Presutti LC, P. Barry O’Toole LC

Verloren und wiedergefundenSonntag
Herr, sprich nur ein Wort…Montag
Weine nichtDienstag
Ewig unzufriedenMittwoch
Die heilende Kraft der LiebeDonnerstag
Liebe ist nicht eitelFreitag
Durch die Brille des GlaubensSamstag


Verloren und wiedergefunden

15. September 2013

Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Lk 15,1-32
Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um uns Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, die meine Seele durch deine Gnade von der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit verwandeln kann. Herr, ich liebe dich und mein Herz verlangt, dich an die erste Stelle in meinem Leben zu setzen. Ich will dich lieben von ganzem Herzen, mit allen Gedanken, mit meiner Seele und meiner ganzen Kraft.

Bitte: Herr, befreie mich von meinen sündhaften Gewohnheiten und stärke mich in meinen Tugenden.

1.  „Dieser Mann gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.“ Jesus will mit uns Mahl halten. „Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören.“ Mit anderen Worten, mein Herr und Erlöser schaut nicht auf meine Unwürdigkeit – er will mit mir sprechen. Das zieht mich an. Ich kenne meine Schuld und doch fühle ich mich nicht von ihm verurteilt, und darum komme ich zu ihm, um ihn zu hören. So oft suche ich nur meinen Vorteil; ich nehme gern einen Gefallen von anderen an, ja verlange ihn sogar manchmal und schaue dabei aber nicht, was die anderen oder die Allgemeinheit brauchen. Oft ist da kein großer Unterschied zwischen meinem Lebensstil und dem der Zöllner oder Sünder. Jesus ist bereit, sich zu erniedrigen und sich an meinen Tisch zu setzen; trotz der Kritik und dem Tadel setzt er sich für mich ein. Ich kann Jesus auf seinem Niveau begegnen, weil er sich auf mein Niveau erniedrigt hat, um mich zu erheben.

2. „Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.“ Für Christus ist jede Seele wertvoll. Jede Seele wurde von ihm erschaffen, nach Gottes Bild und Gleichnis. Sein Erbarmen ist in dieser Zeit überreich, und so gibt es keine Sünde, die von der unendlichen Liebe des Erlösers nicht erreicht werden kann. Christus hat sein Blut vergossen, er hat sein Leben hingegeben, ging durch den Tod hindurch, um jene Seelen zu retten, die in ihren Sünden gestorben sind, und ihnen das Leben neu zu schenken. Wir müssen nur auf die Stimme des Hirten hören, die nach uns ruft und uns dort findet, wo wir sind. Ich muss mich nur finden lassen, mich in seine Arme nehmen lassen, die Dunkelheit und Angst in mir durch die Wärme seines Lichts vertreiben lassen, wenn er mich zur Herde zurückbringen will. „Die Rechtfertigung besteht im Sieg über den durch die Sünde verursachten Tod und in der neuen Teilhabe an der Gnade“ (KKK 654). Jede Sünde, die gebeichtet wird und jede Tugend, die erlangt wird, ist ein Sieg der Gnade Gottes in meiner Seele.

3. „Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden die ich verloren hatte.“ In Christus ist Gemeinschaft. Kein Christ steht alleine da. Gottes Gnade in einer Seele strahlt auf andere aus. Das ist die Frucht, die Christus durch die Erlösung gebracht hat: die Seele wird mit seinem mystischen Leib vereinigt. Dadurch entsteht Freude zwischen den Gliedern von Christi Leib und ich soll diese Freude weitergeben. Und so können die anderen den Vater im Himmel preisen, wenn immer das Licht der Gnade Gottes in meinen guten Werken durchscheint (Mt 5), und auch ich soll Gott preisen, wenn immer ich seine Güte in den anderen entdecke. „Jesus selber bezeichnet nach der Auferstehung seine Jünger als seine Brüder: Geht und berichtet es meinen Brüdern. Wir sind seine Brüder nicht durch die Natur, sondern die Annahme an Kindes statt gewinnt uns eine wahre Teilhabe am Leben des einzigen Sohnes, welches bei seiner Auferstehung in seiner ganzen Fülle offenbar wurde.“ (KKK 654)

Gespräch mit Christus: Herr, ich erkenne, dass du mich nicht verurteilst, solange ich auf deine Stimme höre und ihr antworte. Bitte schenke mir weiterhin deine barmherzige Gnade, damit dein Ruf zur Heiligkeit im Leben meiner Seele den Sieg erringen wird. Lass mich dich mit den anderen lobpreisen.

Vorsatz:  Heute will ich ganz bewusst eine Tugend üben, die mit einer meiner sündhaften Gewohnheiten bricht.


Herr, sprich nur ein Wort…

16. September 2013

Montag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Kornelius, Papst,
Hl. Cyprianus von Karthago, Bischof & Märtyrer

P. David Daly LC

Lk 7,1-10
Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um uns Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, die meine Seele durch deine Gnade von der Sündenverfallenheit zur Heiligkeit verwandeln kann. Herr, ich liebe dich und mein Herz verlangt, dich an die erste Stelle in meinem Leben zu setzen. Ich will dich lieben von ganzem Herzen, mit allen Gedanken, mit meiner Seele und meiner ganzen Kraft.

Bitte: Herr Jesus, gewähre mir das Geschenk eines tieferen Glaubens.

1.  Der Hauptmann. Häufig erkennen jene Menschen Gott am wenigsten, die er am meisten beschenkt hat. Aus diesem Grund bietet er das Geschenk des Glaubens auch anderen Männern und Frauen an, vor allem jenen, die ein einfaches und demütiges Herz haben. Der Hauptmann veranschaulicht diese Kraft der Gnade Gottes in unserem Leben. Wir sollten uns bemühen, einfach und demütig wie er zu sein und ebenso auf sein kraftvolles Wirken in unserem täglichen Leben zu vertrauen.

2. Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Diese Worte offenbaren die Demut des Hauptmanns. Sie sollten ebenso unsere Demut und unseren Glauben an die Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie offenbaren, denn es sind die gleichen Worte, die wir in jeder heiligen Messe beten, bevor wir den Herrn in der heiligen Kommunion empfangen. Wenn wir das Allerheiligste empfangen, empfangen wir in Wahrheit Jesus Christus – seinen Leib, sein Blut, seine Seele und seine Gottheit. Unser Glaube ist der Schlüssel, um unsere Herzen für die heiligmachende Gnade Christi zu öffnen.

3. Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Wollen wir nicht, dass Jesus solche Worte zu uns sagt? Sind sie nicht viel besser als folgende andere Worte Christi: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ (Lk 18,8). Christus fordert uns auf, eine sprudelnde Quelle des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu sein, so dass er, selbst wenn er nirgendwo mehr Glauben findet, durch unseren unsterblichen Glauben getröstet werden kann.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich möchte diese Worte des Hauptmanns nachsprechen. Ich glaube an dich und an deine Realpräsenz in der Eucharistie. Wenn mich Glaubenszweifel oder Schwäche im Glauben überkommen, will ich zu dir rufen: „Sprich nur ein Wort und ich werde gesund!“

Vorsatz:  Ich will mir vornehmen, heute diese Worte aus ganzem Herzen in der heiligen Messe beim Empfang der heiligen Eucharistie oder beim geistigen Kommunizieren zu beten.


Weine nicht

17. September 2013

Dienstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Hildegard von Bingen

P. Shane Lambert LC

Lk 7,11-17
Einige Zeit später ging er in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube, dass mein Leben vom Beginn meiner Schöpfung bis zu meinem letzten Tag in deinen Händen liegt. Herr, ich hoffe auf dich, denn du hast meinem Leben Sinn verliehen. Herr, ich liebe dich, weil du mich so sehr liebst.

Bitte: Herr, hilf mir, dass ich alle meine Hoffnung auf dich setze.

1.  „Weine nicht.“ Es gibt viele Gründe für Verzweiflung. Für so viele Schwierigkeiten im Leben gibt es kein menschliches Heilmittel. Besonders, wenn es um Leben und Tod geht, erlebe ich mich zu schwach, um anderen zu helfen. Die Liebe aber, die ich im Herzen trage, leidet mit denen, die jemanden verlieren. Jesus aber bietet eine andere Sichtweise: „Weine nicht.“ Seine unendliche Macht befreit uns aus tragischen, menschlichen Begrenztheiten. „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind“ (Röm 8,28). Jesus ruft mich vor allem dazu auf, zu hoffen gegen alle Hoffnung. Er handelt, er tritt als Erlöser für mich ein. Dieses „Weine nicht“ hat das Gewicht eines Befehls. Wie endgültig Leiden und Tod auch erscheinen mögen, letztlich offenbart Jesus eine Leben spendende Liebe: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“ (Offb 21,4). Die Witwe von Naïn empfängt eine unbegreifliche Gnade in ihrem Leid. Auch ich soll auf Christi Liebe zu mir und meinen Lieben vertrauen.

2. „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!“ Jesus tröstet mich nicht, indem er mir meine Gefühle nimmt, oder indem er bewirkt, dass ich die Dinge anders sehe, als sie in Wirklichkeit sind. Wenn ich jemanden verliere, den ich sehr liebe, bin ich wirklich traurig. Doch Christus kommt, um das zu erneuern, was verloren war. Er nimmt wirklich die Ursache von Schmerz und Pein weg: „Denn ich, der Herr, bin dein Arzt.“ (Ex 15,26) Als Jesus zur Witwe von Naïn sagt: „Weine nicht“, macht er ihr damit nicht den Vorwurf, eine gefühlsbetonte Frau zu sein, die die Dinge zu ernst nimmt. Ganz im Gegenteil! Jesus empfindet für sie tiefes Mitleid über den Verlust ihres Sohnes. Darum sollte ich von ganzem Herzen und ganzer Seele der Hoffnung gehorsam sein. Mein Leben liegt in Gottes Händen. Wenn ich lebe, lebe ich für Christus; wenn ich sterbe, sterbe ich für Christus (vgl. Röm 14,8).

3. „Gott hat sein Volk besucht.“ Bei seiner Geburt wird der Sohn Gottes, der unsere Menschennatur angenommen hat, „Emmanuel“ genannt: „Gott mit uns“. Unser Retter wird uns gleich nicht nur im Leben und in der Gnade; er wird für uns zur Sünde und gibt sein Leben hin, um uns zu erlösen. „Gott hat sein Volk besucht“ trifft auch auf die Sünder zu: jene, die den Tod als letzte Folge der Sünde, der Erbsünde wie der persönlichen Sünden, erleiden. Ich kann jubeln, denn Gott findet mich, wo ich bin, er heilt mich und macht mich neu für das ewige Leben. Wenn ich so viel Liebe bekommen habe, sollte ich mit Liebe darauf antworten. Christus hat sein Leben für mich hingegeben. Christus ist mein Leben. Ich sollte die Liebe Christi zu anderen bringen; so wie ich sie erfahren habe.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich vertraue deiner Fürsorge mein ganzes Leben und das Leben meiner Lieben an. Lass mich in der Liebe zu dir wachsen, damit ich bis zum letzten Tag meines Lebens in deiner Gnade lebe, welche zum ewigen Leben führt. Lass mich auf deine Auferstehung hoffen, wenn ich dir meine alltäglichen Leiden aufopfere.

Vorsatz:  Ich will heute bei einem Gespräch mit jemandem über das Leben als Weg sprechen, der uns für den Himmel vorbereiten und dorthin führen soll.


Ewig unzufrieden

18. September 2013

Mittwoch der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Lambert, Bischof

P. Robert Presutti LC

Lk 7,31-35
Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie ähnlich? Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. Johannes der Täufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

Einführendes Gebet:  Ewiger Gott, das Gebet ist ein Geschenk von dir an mich. Ich glaube, dass du mir damit einen vollständigen und unbegrenzten Zugang zu deiner Macht und Gnade gibst. Ich möchte dieses Geschenk über alles schätzen. Wenn ich jetzt diese Meditation beginne, erneuere ich damit meinen Glauben, meine Hoffnung und meine Liebe zu dir.

Bitte: Herr, schenke mir die Gnade der Unterscheidung der Geister und gib mir Beständigkeit in meinen Anstrengungen, dir nachzufolgen.

1.  Endlose Ausreden. In den Tagen Jesu beschwerten sich gute und religiöse Menschen über den kargen Lebensstil Johannes des Täufers, des Vorläufers Christi. „Er muss verrückt sein", sagten sie. Sie klagten auch über die, wie sie meinten, zu weit gehende Freundschaft Jesu zu Sündern und Ungläubigen. Die Gewohnheit, die Realität immer nur durch den Filter unserer scheinbar fertigen Meinungen zu beurteilen, kann uns dazu bringen, die Dinge Gottes abzulehnen. Das ist dann das Gegenteil von Glaube. Und nicht nur das, es steht auch im Gegensatz zu jeder Vernunft und ist selbstbeschränkender Rationalismus. Anstatt Gott in die von uns definierte Kiste zu stecken, sollten wir uns nach Gottes Maßstab formen lassen.

2. Wankelmütigkeit. Wankelmütigkeit im geistlichen Leben führt uns unweigerlich zur Ablehnung Gottes. Die Unfähigkeit einem einmal eingeschlagenen Weg im geistlichen Leben bis zum Ende zu folgen, lässt uns auf eben diesem Wege allein, und zwar weit vom Ziel entfernt. Es ist gar nicht so wesentlich, ob wir dem strengen Weg des Johannes folgen oder dem scheinbar liberalen Weg der Jünger Christi. Wesentlich ist, jenem Pfad bis zum Ende zu folgen, den Gott uns persönlich als den unseren gegeben hat. Solange wir uns vorwärts bewegen, kann Gott unsere Schritte leiten. Sobald wir stehen bleiben, kann Gott uns nicht mehr führen. Auf den richtigen oder gar den perfekten Moment zu warten, ist in Wirklichkeit Launenhaftigkeit und die Unfähigkeit, sich auf etwas festlegen zu können.

3. Weisheit. Weisheit ist ein Geschenk des Heiligen Geistes, das es uns erlaubt, göttliche und menschliche Dinge und Angelegenheiten mit Gottes Augen zu sehen. Weisheit führt uns zu ausgeglichenen und ausgewogenen Entscheidungen und Beurteilungen. Wir können uns auf dieses Geschenk vorbereiten, indem wir uns bemühen, gute Entscheidungen zu treffen und uns auch an diese zu halten. Geschenke Gottes bauen auf menschlichen Tugenden auf.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, deine Lehren und dein Beispiel sind ein Geschenk an uns. Hilf mir, dass ich aus ihnen für mein Leben lerne und verhindere, dass ich sie jemals gering achte. Hilf mir, in meinen Entscheidungen beständig zu sein, damit ich dir immer näher kommen und dir so besser dienen kann.

Vorsatz:  Ich werde heute vermeiden, irgendwelche Entschuldigungen und Ausflüchte zu machen.


Die heilende Kraft der Liebe

19. September 2013

Donnerstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Januarius, Bischof
Theo von Canterbury, Bischof

P. Robert Presutti LC

Lk 7,36-50
Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden.

Einführendes Gebet:  Heilige Dreifaltigkeit, ich kann dich nicht sehen, dennoch bist du bei mir. Ich kann dich nicht anfassen, dennoch bin ich in deiner Hand. Ich kann dich nicht vollständig begreifen, dennoch liebe ich dich mit ganzem Herzen.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir, offen und demütig zu sein, damit ich innerlich wachsen kann.

1.  Angebliche Aufgeschlossenheit und Hochmut des Geistes.  Simon der Pharisäer ist dem Herrn gegenüber scheinbar aufgeschlossen. Er lädt ihn zum Essen ein. Er beobachtet ihn. Darüber hinaus führt er mit ihm ein freundliches Gespräch. Dennoch, im Innersten taxiert Simon den Herrn, tut ihn ab wie eine Farce und lehnt ihn letztlich auch ab. Die Pharisäer versuchen vor allem, Gott unsere vorgefasste Meinung darüber, wie er handeln sollte, aufzuzwingen. Die Pharisäer hatten die richtige Einstellung zu moralischen Prinzipien; Simon und Jesus sind sich darin einig, dass die Frau eine Sünderin ist. Hier aber ist es der Hochmut der Pharisäer, der sie hindert, ihre eigenen Sünden einzugestehen. Dieser Hochmut äußert sich in der unausgesprochenen Überzeugung, dass Gott sich unserer Art zu leben und zu handeln anzupassen hat.

2. Erlösung.  Der Pharisäer glaubt, er sei ohne Sünde, und er gibt nicht zu, dass er einen Erlöser braucht. Seine hochmütige „Bewertung“ des Herrn resultiert aus einem noch größeren Hochmut, der ihn blind macht zu erkennen, wer er wirklich vor Gott ist: ein einfaches Geschöpf, das göttliche Hilfe und Gnade braucht. Simon möchte, dass sich Gott seiner vorgefassten Meinung anpasst, und steigert sich da hinein bis zur Ablehnung Christi. Das ist das Paradebeispiel für Hochmut. Er verzerrt die Wirklichkeit und schmiedet seine egozentrische Welt, zu der Christus keinen Zutritt hat. Die Frau weiß, dass sie eine Sünderin ist, und erkennt den Weg zu ihrem Heil in den Worten Jesu und in seinem Vorbild. Schmerzlich erkennt sie, wer sie ist, und sehnt sich brennend nach Erlösung. Die Worte Christi und das Beispiel seiner Barmherzigkeit finden großen Widerhall in ihrem Herzen und fordern sie zur Reue auf. Das ist das Paradebeispiel für Demut. Die Wahrheit erkennen und demütig annehmen, macht die Erlösung möglich.

3. Die Güte Christi.  Die Art und Weise, wie Jesus mit der Frau und mit Simon umgeht, zeigt ebenso, wie ausgewogen die Güte unseres Herrn ist. Er vermeidet sorgsam die Extreme: einerseits die Verdammung der Sünden und andererseits die Gleichgültigkeit gegenüber den Sünden anderer. Unser Herr kann Hoffnung und Trost dem reuigen Sünder ebenso anbieten wie er den Hochmütigen mit einem sanften Ruf zur Reue auffordern kann, weil er für beide sterben wird. Hierin sehen wir die Güte Gottes. Er will uns alle retten, nur müssen wir bereit sein, seine Güte anzunehmen.

Gespräch mit Christus: Jesus, hilf mir, zu erkennen, wer ich bin und wer du bist. Lehre mich Dankbarkeit für deine Güte und Hoffnung auf deine Barmherzigkeit. Hilf mir, meinen Stolz zu erkennen und mich zu bemühen, ihn zu überwinden, damit du mein Leben mit deiner Güte erfüllen kannst.

Vorsatz:  Ich will heute vermeiden, andere in Gedanken oder durch Worte zu verurteilen.


Liebe ist nicht eitel

20. September 2013

Freitag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Andreas Kim Taejon, Märtyrer,
Hl. Eustachius

P. David Daly LC

Lk 8,1-3
In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um uns Sünder zu erlösen. Ich hoffe auf dich und deine Macht, die meine Seele durch deine Gnade von der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit verwandeln kann. Herr, ich liebe dich und mein Herz verlangt, dich an die erste Stelle in meinem Leben zu setzen. Ich will dich lieben von ganzem Herzen, mit allen Gedanken, mit meiner Seele und meiner ganzen Kraft.

Bitte: Herr, lehre mich ein Leben der Barmherzigkeit zu führen.

1.  Die Zwölf begleiteten ihn.  Diese eher banale Aussage im Evangelium zeigt uns die grenzenlose Nächstenliebe Jesu. Er berief seine zwölf Apostel aus sehr unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Die meisten von ihnen wären wohl nie Freunde geworden, wenn Christus nicht gewesen wäre. Matthäus war Zöllner; Petrus, Jakobus und Johannes waren Fischer; Judas war gebildeter als der Rest. Und doch machte sie Jesus alle zu seinen engsten Mitarbeitern. Auf diese Weise lernten sie zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu achten. Wenn Christus der Mittelpunkt einer Gemeinschaft ist, können Schwierigkeiten nicht nur überwunden werden, sondern sich sogar zu Stärken entwickeln.

2. Maria aus Magdala.  Er berief aber nicht nur Männer zu engen Mitarbeitern, im Evangelium hören wir auch von „Frauen, die Jesus und die Jünger unterstützten mit dem, was sie besaßen“. Jesus teilte ihnen unterschiedliche Rollen zu, aber er rettete und verwandelte ihrer aller Leben. Wir kennen Maria Magdalena als enge Freundin des Herrn, aber wir wissen auch, dass er sie mit der Kraft göttlicher Gnade verwandelte, indem er sie von sieben Dämonen befreite.

3. Die Frau eines Beamten des Herodes.  Unter den Frauen, die Jesus folgten war auch „Johanna ... die Frau eines Beamten des Herodes.“ Das Evangelium konnte also sogar im Herrschaftsbereich von Herodes Wurzeln schlagen, eines Mannes, der keinerlei Achtung vor dem Herrn hatte. Wir dürfen daher niemals jemanden „abschreiben“. Gebet, Opfer und Zuwendung können wirksame Mittel sein zur Bekehrung des ärgsten Sünders. Die Botschaft Jesu hat in allen sozialen Gruppierungen und Schichten Getreue berufen können. Entsprechend sollen auch wir auf allen Ebenen unserer säkularisierten Welt das Reich Gottes bauen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, du zeigst uns, wie man jeden einzelnen Menschen bedingungslos lieben kann. Es kümmert dich nicht, woher wir kommen oder wie viele Sünden wir begangen haben. Deine Barmherzigkeit ist grenzenlos und immerwährend! Bitte lehre mich so grenzenlos zu lieben.

Vorsatz:  Ich werde heute Barmherzigkeit gegenüber jemandem üben, der mir nicht besonders nahesteht.


Durch die Brille des Glaubens

21. September 2013

Samstag der vierundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Apostel und Evangelist Matthäus

P. Barry O‘Tool LC

Mt 9,9-13
Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Einführendes Gebet:  Du bist die wahre Güte und das Leben, Herr. Dir nahe zu sein bringt Frieden und Freude. Du verdienst mein ganzes Vertrauen und meine Liebe. Danke für das Geschenk des Lebens, meiner Familie und vor allem meines Glaubens. Auch bin ich dankbar für das Geschenk der Kirche, die du auf den Aposteln gegründet hast.

Bitte: Herr, hilf mir in meinem Glauben einfach und direkt zu sein.

1.  Einfachheit ist Glückseligkeit.  Steuereintreiber wurden vom jüdischen Volk als Verräter angesehen, da sie für die Römer arbeiteten, die „Unterdrücker“ Gottes erwählten Volkes. Ein normaler Jude würde mit einem wie diesem nicht einmal sprechen. Aber Jesus sagt zu ihm: „Folge mir nach.“ Matthäus stand auf und folgte ihm sofort, ohne Fragen oder Bedingungen zu stellen. Welch schöne Einfachheit! Er wusste nicht, dass Christus ihn zu einem der Zwölf machen würde. In gewissem Sinne könnten wir sagen, dass er einen Blankoscheck ausfüllte und ihn Jesus gab. Matthäus setzt sich nicht hin und rechnet, er akzeptiert einfach. Dann geht er einen Schritt weiter: Er lädt Jesus zum Essen in sein Haus ein. Ein Jude lud im Allgemeinen nur seine wahren und engsten Freunde und Verwandten zum Essen ein. Es war ein Zeichen der Intimität, der Freundschaft und Liebe. Matthäus wirft dieses Verhaltensmuster über Bord und legt den roten Teppich für Christus in seinem Leben aus.

2. Komplizierte Berechnungen.  Als Gegensatz zur Direktheit des Matthäus sehen wir die „Rechtschaffenheit“ der Pharisäer. Dass Jesus mit einem Sünder wie Matthäus isst, ist für sie ein Skandal. Sie müssen diesen Rabbi wirklich für sein „schändliches Verhalten“ zur Rechenschaft ziehen. Das Problem besteht darin, dass sie das Wichtigste über den Messias nicht verstanden haben. Ihr Ausgangspunkt ist falsch. Sie betrachten Christus (und Gott) von einer rationalen Perspektive, obwohl der Glaube und die Liebe der einzig gültige Blickwinkel ist. Dies passiert in unserem Leben oft, wenn wir anfangen, Ereignisse, Umstände und Anderes ohne Glauben und Nächstenliebe zu beurteilen. Bevor wir das bemerken, mögen wir unseren Nächsten, eine staatliche Autorität oder einen Priester oder Bischof abgelehnt oder sogar diffamiert haben. Wir betrachten die Dinge nicht von einem übernatürlichen Ausgangspunkt, sondern eher mit einfachen menschlichen Standards.

3. Zurück zu den Wurzeln.  Christus stellt alles ins richtige Verhältnis. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ Wieder lädt Jesus uns ein, unsere Gedanken zu einer übernatürlichen Ebene zu erheben. Warum wurde Gott Mensch? Wir wiederholen es häufig, wenigstens jeden Sonntag im Glaubensbekenntnis: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen...“ Es ist wichtig, zu untersuchen, in welchem Maße ich alles in meinem Leben durch die Brille des Glaubens sehe und beurteile. Ein wahrer Glaubender, ein wahrer Apostel, muss in allen Geschäften des Tages einen „sechsten Sinn“ entwickeln. Wir können diese Haltung durch das Gebet, unser häufiger und intimer Kontakt mit Gott, entwickeln. Wir müssen Gott um das Geschenk des Glaubens, der uns eine neue Sichtweise des Lebens gibt, bitten.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich möchte ein einfacher Mensch sein, der dich und deine Forderungen ohne Berechnung und Komplikationen annimmt. Befreie mich von allem, was mich hindert auf dem Weg zu dir und gib mir deine Gnade, damit ich ein überzeugter, treuer und unerschrockener Apostel für dein Reich werde, wie es der heilige Matthäus war.

Vorsatz:  Im betenden Gespräch mit Gott werde ich wenigstens drei Ereignisse meines Tages untersuchen. (Das kann ich auch zuhause, im Auto oder in der Warteschlange usw. tun).