Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 23. Juni 2013 bis Samstag 29. Juni 2013

Zwölfte Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC, P. Edward MacIlmail LC, P. Shawn Aaron LC

Die einzige Frage, welche zähltSonntag
Die Bedeutung eines NamensMontag
Das enge TorDienstag
Die Wiederholung von RotkäppchenMittwoch
Klug gebautDonnerstag
Eine Krankheit, schlimmer als AussatzFreitag
Die Säulen der KircheSamstag


Die einzige Frage, welche zählt

23. Juni 2013

Zwölfter Sonntag im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 9,18-24
Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.

Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich und deine Liebe. Ich vertraue auf dich, du bist der Weg, auf dem ich gehen will. Ich hoffe auf die Macht deines Kreuzes, die mich von allem befreien kann, was mich von dir trennt. Ich liebe dich und sehne mich danach, dass meine Liebe immer wirklicher werde, damit ich deine reine und totale Liebe nachahmen kann.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir, dich so tief zu erkennen, dass ich mich selbst verliere und dir aus echter Liebe folgen kann.

1.  Öffentliche Meinung. Heutzutage ist es uns sehr wichtig, was die Leute über uns denken und sagen. Bei Christus hat jedoch Menschenfurcht keinen Platz. Er wollte immer den Willen des Vaters erfüllen. Wie sollen wir nun verstehen, dass Jesus die Jünger in einem Augenblick der Stille und des Gebets nach der Meinung der Leute über ihn fragt? Er möchte wissen, worüber seine Jünger sich Gedanken und Sorgen machen. Jesus lässt sie erkennen, dass sie sich zuviel Gedanken darüber machen, was andere über ihn sagen. Sie müssen erkennen, dass die Meinungen der Leute begrenzt sind, dass sie oft weit hinter der Wahrheit zurückbleiben. Die Jünger wissen es; sie wissen, dass Jesus mehr als ein Prophet ist, dass er DER Messias ist. Nicht das, was die Leute denken, die „Auffassung“ anderer, zählt, sondern die Wahrheit von Jesu Identität. Sie glauben, dass er der Messias ist und darum folgen sie ihm nach. Lege auch ich zu großen Wert darauf, was die Leute denken und sagen?

2. Was wirklich zählt. Nicht nur die Meinungen der Leute lassen viel zu wünschen übrig, sondern auch die Jünger haben noch nicht begriffen, wer der „Messias Gottes“ wirklich ist. Das Verständnis ihres Glaubens ist unreif und nicht tief. Darum betont Jesus sehr, dass er vieles erleiden muss und verworfen wird, und dass er getötet wird. Wie schwach und begrenzt ist unser Verstehen von Christus! Leiden und Schmerz müssen einem guten Gott doch fremd sein. Wenn wir gut sind, dann darf es für uns doch kein Kreuz, keinen Widerspruch, keinen Konflikt geben. Warum verbietet ihnen Jesus, die gute Nachricht, dass er der Messias ist, zu verbreiten? Vielleicht, weil die anderen noch mehr als die Jünger kein Verständnis für sein Kreuz hätten?

3. Mein Leben für ihn verlieren. Jesu Leben gibt eine viel bessere Antwort auf die Frage, wer er ist, als der Name „Prophet“ oder „Messias“. So drückt sich auch mein Glaube besser durch das aus, wie ich lebe, als durch das, was ich sage. „Wer er ist“ bestimmt, wie wir werden sollen. Christus zu kennen bedeutet den Weg seiner Jüngerschaft zu kennen. Ihn zu kennen lehrt uns, wie wir Gottes Liebe in unserem Leben verwirklichen können. Praktisch gesprochen bedeutet das Wort „Messias“, sich selbst für andere hinzugeben. Rettung geschieht durch Selbsthingabe, für andere das Leben, das uns geschenkt worden ist, hinzugeben. Wenn ich an ihn glaube und ihm nachfolgen will, muss ich annehmen, was nur der Glaube annehmen kann – nur wer sich selbst in diesem Leben stirbt, kann Gottes Wahrheit und Leben erkennen und daran Anteil erhalten. Geben die kleinen Opfer in meinem Alltag Zeugnis für meinen Glauben an Christus, der für mich und für uns alle sein Leben hingegeben hat?

Gespräch mit Christus: Lieber Herr, hilf mir, dass ich keine Angst davor habe, was andere von mir denken oder sagen könnten. Ich will nur dich kennen und lieben lernen. Öffne meine Seele, dass ich dich so empfange, wie du wirklich bist, der Christus am Kreuz, der Christus des Opfers und der Selbsthingabe. Befreie mich von einer falschen und schwachen Liebe, die einen falschen Christus widerspiegelt. Schenk mir die Gnade, mir selbst zu sterben in den kleinen Dingen des Alltags und jeden Tag deinen Willen voll Freude zu erfüllen.

Vorsatz:  Wenn ich eine Enttäuschung oder Widerspruch in meinem Leben erfahre, will ich mich nicht beklagen, sondern diese Erfahrung freudig Christus aufopfern als ein Zeugnis meiner Liebe zu ihm.


Die Bedeutung eines Namens

24. Juni 2013

Montag der zwölften Woche im Jahreskreis
Geburt Johannes des Täufers

P. Edward McIlmail LC

Lk 1,57-66.80
Für Elisabeth kam die Zeit der Niederkunft, und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen. Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes. Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott. Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken, und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa. Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war. Das Kind wuchs heran, und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.

Einführendes Gebet:  Herr, ich bemühe mich zu beten um meiner Seele und der Seelen meiner Angehörigen willen. Ich glaube, dass du für uns gestorben bist und dass du uns für immer bei dir im Himmel haben willst.

Bitte: Schenke mir, Herr, erneute Hochachtung für alle, die Eltern geworden sind oder im Begriff sind, es zu werden.

1.  Ihr Stolz und ihre Freude. Zu jeder Zeit ist die Geburt eines Babys eine Quelle der Freude gewesen. Durch die Babys sagt uns Gott, dass die Welt weiter bestehen soll. Jedes Neugeborene strahlt eine Facette der unendlichen Schönheit und des unergründlichen Geheimnisses Gottes aus. Und indem uns die Kleinen Geduld und Selbstlosigkeit abverlangen, helfen sie uns, in die Heiligkeit hineinzuwachsen. Mit ihrer kindlichen Einfachheit lehren sie uns, einfach zu bleiben. Ihre Bedürftigkeit kann und sollte unsere Herzen erweichen. Aber es müssen nicht unbedingt unsere eigenen Kinder sein; wir können auch eine Verpflichtung empfinden, anderen Kindern zu helfen, denn ihr Leben bereichert uns alle. Was habe ich in letzter Zeit getan, um den Kleinen, den Geborenen oder den Ungeborenen, zu helfen? Gibt es eine Schwangerschaftsberatungsstelle, die meine Hilfe brauchen könnte? Habe ich gut über Eltern gesprochen, die für eine große Familie offen sind?

2. Erwählt von Gott. Für die Juden bestimmte früher ein Name die Identität einer Person, erklärte sie auch. So war es bezeichnend für Elisabeth, ihren Sohn „Johannes“ zu nennen. Dieser Name zeigte, dass sie dem großen Plan Gottes für ihr Kind zustimmt. Johannes war von Anfang an in der besonderen Obhut des Allmächtigen. Auch heute wird jedes einzelne Kind von Gott geliebt und hat einen bestimmten Platz im himmlischen Plan des Vaters. Jeder hat eine Berufung, eine bestimmte Aufgabe in der Kirche. Weiß ich die Rolle zu würdigen, die die Kleinen in Gottes Plan einnehmen? Respektiere ich ihre Würde? Oder versuche ich, ihnen meine Vorurteile aufzudrängen? Sie sind die Erwachsenen von morgen. Bin ich bemüht, ihnen ein Beispiel zu geben, an das sie sich immer erinnern werden?

3. Gelöste Zunge. Zacharias hatte an Gott gezweifelt und war auf der Stelle stumm. Er gewinnt seine Sprache erst zurück, als er öffentlich den Plan Gottes annimmt und zustimmt, dass sein neugeborener Sohn den Namen Johannes erhält. Auch wir haben vielleicht ein bisschen von Zacharias in uns. Wir widerstehen Gott und landen dann in einer Sackgasse. Schlechte Freundschaften, die Gewohnheiten schwerer Sünde, aufkommende Verzweiflung – alles kann uns zerstören. Aber Reue kommt nur langsam auf. Warum? „Wir meinen, dass das Böse im Grunde genommen gut sei“, sagt Papst Benedikt XVI. (8. Dezember 2005). „Wir denken, dass wir es, zumindest ein wenig, brauchen, um die Fülle des Seins zu erleben. … Wenn wir uns allerdings die Welt um uns herum anschauen, können wir sehen, dass es sich eben nicht so verhält; dass vielmehr das Böse den Menschen immer vergiftet, ihn nicht erhöht, sondern ihn erniedrigt und demütigt...“ Widersetze ich mich dem Plan Gottes?

Gespräch mit Christus: Herr, du hast aus gutem Grund die Familie und Freunde in mein Leben gebracht. Ich soll ihnen helfen, zu dir zu gelangen, und sie sollen mir helfen, dasselbe zu erreichen. Erinnere mich an diese Wahrheit und hilf mir besonders, dass ich mich nicht in den Plan einmische, den du für die Kinder hast.

Vorsatz:  Ich werde ein Gesätz des Rosenkranzes dafür beten, dass meine Familie zu dir in den Himmel gelangen kann.


Das enge Tor

25. Juni 2013

Dienstag der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. Dorothea von Montau

P. Edward McIlmail LC

Mt 7,6.12-14
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten. Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an die Macht des Gebets. Diese Zeit mit dir ist die wichtigste Zeit meines Tages. Hilf mir, auf deine Gegenwart und Liebe zu vertrauen, damit ich den größtmöglichen Nutzen aus diesen besonderen Augenblicken ziehen kann.

Bitte: Herr, hilf mir, die Schönheit des christlichen Glaubens mehr zu schätzen.

1.  Den Hunden vorwerfen. Wir geben uns große Mühe, das zu schützen, was höchst wertvoll für uns ist. Richtig? Die Wahrheit ist, dass wir häufig das, was äußerst kostbar ist, aufs Spiel setzen. Wir sagen, wir schätzen Leib und Leben, aber Geschwindigkeitsübertretungen im dichten Straßenverkehr stören uns nicht. Wir sagen, wir möchten in den Himmel kommen, aber wir beschäftigen uns häufig nicht ernsthaft mit der Sünde, selbst nicht mit der schweren Sünde. Wir surfen auf gewagten Internetseiten. Wir bringen Kollegen durch unser Gerede in Verruf. Wir verschließen unsere Herzen vor Notleidenden. Wir stimmen gewohnheitsmäßig für Politiker, die Abtreibung befürworten. Wir nehmen die Sünde ja so leicht. Ebenso geben wir vielleicht die Heiligkeit unseres Glaubens auf und vernachlässigen das Sakrament der Versöhnung. Wir empfangen die heilige Kommunion unwürdig. Wir schweigen, wenn eine Verwandte damit prahlt, zu verhüten. Wir tun nichts, wenn sich ein Kind täglich über fünf Stunden in die Welt des Internets zurückzieht. Sollte ich nicht entschiedener gegen diese Dinge einschreiten?

2. Das tut auch ihnen. Um zu entscheiden, was in einer gegebenen Situation zu tun ist, können wir uns selbst fragen, wie wir behandelt werden möchten. „Denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt“ (Lk 6,38). Die Achtung, die wir vor uns selbst haben, spiegelt sich häufig wider in der Achtung, die wir anderen entgegen bringen. Unhöflichkeit, Gleichgültigkeit und Reizbarkeit gegenüber anderen verraten ein Problem bei uns selbst. Die Goldene Regel gilt nicht nur für andere; sie schützt ebenso unsere eigene Würde. Gibt es Leute, denen gegenüber ich üblicherweise unfreundlich bin? Bin ich mir darüber im Klaren, dass dieser Mangel an Nächstenliebe mir mehr schaden kann als ihnen?

3. Das enge Tor. Die Moderne ist wie ein Geschäft, das 24 Stunden geöffnet hat. Wir können alles und zu jeder Zeit erhalten. Wir denken dann schließlich, dass alles im Leben leicht sei, zum Beispiel die Ehe, die Selbstdisziplin oder sogar unsere Erlösung. Die Illusion der Leichtigkeit sollte uns nicht täuschen. An unserer Rettung zu arbeiten ist schwere Arbeit. Die Erbsünde hinterließ tiefe Spuren bei uns allen. Unsere Rettung erfordert Gebet, Opfer und ständige Wachsamkeit. Bin ich der Meinung, dass es leicht ist, meinen Glauben in der heutigen Zeit zu leben? Wenn es so ist, dann lebe ich ihn wahrscheinlich nicht richtig. Wo habe ich die enge Straße der Heiligkeit gemieden? Hänge ich zu sehr am Essen, an der Kleidung oder an der Meinung anderer?

Gespräch mit Christus: Hilf mir, Herr, zu erkennen, dass meine tatsächliche Würde darin besteht, andere gut zu behandeln und meinen ungeordneten Leidenschaften abzuschwören. Lass mich die Mittelmäßigkeit meines spirituellen Lebens abschütteln und das Beste aus der Zeit machen, die du mir heute schenkst.

Vorsatz:  Heute werde ich mich für einen meiner Lieben besonders einsetzen.


Die Wiederholung von Rotkäppchen

26. Juni 2013

Mittwoch der zwölften Woche im Jahreskreis
Johannes und Paulus von Rom, Märtyrer

P. Edward McIlmail LC

Mt 7,15-20
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.

Einführendes Gebet:  Herr, bevor ich etwas tun kann, was in meinem Leben von Bestand ist, muss ich mit dir im Gebet vereint sein. Da ich mir meiner Schwäche und meiner Neigung zur Sünde bewusst bin, vertraue ich umso mehr auf deine Vergebung und Gnade. Ich glaube an deine Gegenwart in der Eucharistie. Sie gibt mir die Gewissheit, dass du wirklich in deiner Kirche lebst bis an das Ende der Zeit.

Bitte: Herr, hilf mir das Gute bei den Menschen in meiner Umgebung leichter zu erkennen.

1.  Wölfe in Schafsfellen. Heute werden wir mit Informationen überschüttet, haben aber nur wenig Führung. Die Medien erzählen uns, dass Abtreibung in Ordnung ist, die Forschung an Stammzellen menschlicher Embryonen eine Frage des Mitgefühls mit Kranken und schließlich gleichgeschlechtliche Trauung Ausdruck der Toleranz sei. In ihrem eigenen Denken verhaftete Gläubige missachten oder verunglimpfen die päpstlichen Lehren. „Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden“ (2 Tim 4,3-4). Wie beurteile ich das, was ich täglich höre oder was ich beispielsweise in den Medien höre? Sauge ich alles, was ich dort erfahre, auf wie ein Schwamm? Oder versuche ich herauszufinden, was die Kirche dazu sagt? Bin ich mir bewusst, wie sehr mir durch vieles aus den Medien mein innerer Frieden abhanden kommen kann? Dass ich nur noch weltlich denke?

2. Schaut auf ihre Früchte. Unser Herr gibt uns einen guten Maßstab für die Beurteilung der Taten anderer: wir schauen auf das, was sie hervorbringen. Die Menschen, die wir täglich im Fernsehen sehen – erscheint ihr Leben friedlich und glücklich? Sind ihre Familien stabil? Häufig leben diejenigen von uns sehr ausgeglichen, die zurückgezogen leben. Oft zieht Gott es vor, nicht im Rampenlicht zu wirken. Er wird in solchen Familien tätig, die ihre Kinder ohne Aufhebens im Glauben aufziehen. Welche dauerhaften Früchte bringe ich für Gott hervor? Bin ich offen für neues Leben? Widme ich anderen eine angemessene Zeit, ihnen behilflich zu sein? Helfe ich meinen Freunden, Christus kennen zu lernen? Unterstütze ich Wohltätigkeiten, die dies verdienen?

3. Falsche Beurteilung. Die Beurteilung kann in die falsche Richtung gehen. Nehmen wir einmal an, wir denken, jemand sei kein guter Mensch oder nicht sehr begabt. Doch einige Jahre später sind wir überrascht zu sehen, dass dieselbe Person in einer nahezu perfekten Ehe lebt, eine glückliche Familie aufbaut oder eine erfolgreiche Arbeit der Nächstenliebe ausübt. War unsere ursprüngliche Beurteilung falsch? Wenn ja, warum? Erkennen und würdigen wir Tugenden bei anderen? Oder achten wir nur auf Äußerlichkeiten: ihr Aussehen, ihren Reichtum, ihre lebhafte Persönlichkeit? Was sagt das über meine Rangfolge der Werte aus?

Gespräch mit Christus: Herr, ich bin umgeben von weltlichen Ansichten – so unterschiedliche Meinungen, so viele Informationen. Manchmal fühle ich mich wie zugeschüttet. Lass mich die Beiträge, die von deinem Stellvertreter auf Erden, dem Papst, kommen, als eine Orientierung und einen guten Weg sehen und ihm inmitten von Verwirrung folgen.

Vorsatz:  Ich möchte diejenigen für ihre verborgene, aber beständige Arbeit loben, die sie für das Reich Gottes verrichten.


Klug gebaut

27. Juni 2013

Donnerstag der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. Cyrill von Alexandria, Bischof

P. Edward McIlmail LC

Mt 7,21-29
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes! Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört. Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Einführendes Gebet:  Herr, bevor ich etwas Dauerhaftes in meinem Leben aufbauen kann, muss ich mit dir im Gebet verbunden sein. Ich weiß, dass ich schwach und zur Sünde geneigt bin, darum vertraue ich umso mehr auf deine Vergebung und deine Barmherzigkeit. Ich glaube, dass du in der Eucharistie gegenwärtig bist. Dieser Glaube verleiht mir die Sicherheit, dass du bei deiner Kirche bis ans Ende der Zeit bist.

Bitte: Herr, hilf mir, das in meinem Leben zu verbessern, was ich bisher vernachlässigt habe.

1.  Herr, Herr. „Glaube ohne Werke ist nutzlos“(Jak 2,20). Es ist entscheidend, unseren Glauben durch unsere Werke zu bezeugen. Es ist nicht genug, am Sonntag in die heilige Messe zu gehen, die Bibel im Bücherschrank zu haben und den Rosenkranz im Auto am Rückspiegel aufzuhängen. Glaube an Christus bedeutet tägliche Bekehrung, unser Leben zu ändern, damit es mit seinem Willen übereinstimmt. „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). Den Willen des Vaters tun, heißt, Werke der Nächstenliebe, der Geduld, des selbstlosen Dienstes vollbringen. Echtes Glaubenszeugnis fordert, dass wir uns selbst hingeben. Echter Glaube lässt keine Selbstgefälligkeit aufkommen. Fühle ich mich manchmal selbstgerecht, weil „ich für den Papst bin“? Weil ich niemals ertappt wurde, etwas falsch zu machen? Macht mich mein Glaube an Christus selbstzufrieden? Oder treibt er mich zu Werken der Nächstenliebe an?

2. Fester Grund. Gott zu lieben, ihn zu erkennen, ihm in dieser Welt zu dienen und mit ihm für immer in der kommenden Welt glückselig zu sein, so kann man den Zweck unseres Lebens zusammenfassen (vergleiche Katechismus der Katholischen Kirche, 1). Wenn wir auf Christus hören und ihm folgen, so folgen wir dieser unserer Lebensbestimmung. Wenn wir sündigen, brechen wir nicht nur mit Christus, sondern auch mit uns. Wir fühlen uns innerlich von unseren Gefühlen hin- und her gerissen, von unserem Ärger, unserer Eitelkeit und Gier. Christus lädt uns ein, „nach Hause zu kommen“, das zu sein, wozu wir bestimmt sind. Dies ist das sicherste Fundament, das wir haben können, wenn eine Krise eintritt. Wo „baue ich auf Sand“? Ist mein Gebetsleben schwach? Bin ich knauserig mit meinem Besitz? Bin ich hartherzig zu einem Familienmitglied?

3. Bloße Fassade. Wir können vermuten, dass das Haus, das auf Sand gebaut wurde, standfest aussah – daher dachte keiner daran, seine Festigkeit zu prüfen, bevor der große Sturm aufkam. In unserem Leben kann es sich ähnlich verhalten. In Zeiten der Ruhe scheint alles in Ordnung zu sein. Keine Sorgen, keine Ängste. Alles sieht von außen gut aus, wie jene alten Hollywood Filme: alles Kulisse, aber keine Echtheit. Unter der Oberfläche mögen Zerfall, seit langem bestehende Probleme, ungelöste Angelegenheiten und Leere liegen – alles, weil Christus nicht der Mittelpunkt unseres Lebens ist. Lebe ich oberflächlich? Will ich nur einen guten Eindruck auf meine Nachbarn machen? Auf meine Eltern? Auf meinen Ehegatten? Auf meine(n) Liebste(n)? Auf meinen Pfarrer? Welche Probleme muss ich aus meinem Leben beseitigen?

Gespräch mit Christus: Herr, du liebst mich so sehr, dass du dich nicht nur einfach neben mich stellst und mich oberflächlich leben lässt. Du weißt, wie schwer es mir fällt, meine Maske fallen zu lassen, weil es niemals leicht für mich ist, mich meinen Schwächen zu stellen. Gib mir die Kraft, dem ins Auge zu sehen, was ich in meinem Leben ändern muss.

Vorsatz:  Ich will mir eine Situation merken, in der ich dem Bild, das ich in der Öffentlichkeit abgebe, nicht entspreche. Dann werde ich ein Gesätz des Rosenkranzes aufopfern, um diesen Fehler oder diese Schwäche zu überwinden.


Eine Krankheit, schlimmer als Aussatz

28. Juni 2013

Freitag der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. Irenäus von Lyon, Bischof & Märtyrer

P. Shawn Aaron LC

Mt 8,1-4
Als Jesus von dem Berg herabstieg, folgten ihm viele Menschen. Da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und sagte: „Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will es - werde rein!“ Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein. Jesus aber sagte zu ihm: „Nimm dich in acht! Erzähl niemand davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis deiner Heilung sein.“

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich und deine Liebe. Ich vertraue auf dich, du bist der Weg, auf dem ich gehen will. Ich hoffe auf die Macht deines Kreuzes, die mich von allem befreien kann, was mich von dir trennt. Ich liebe dich und sehne mich danach, dass meine Liebe immer wirklicher werde, damit ich deine reine und totale Liebe nachahmen kann.

Bitte:  Herr, hilf mir, mich von der Sünde abzuwenden.

1.  Mehr als eine magische Wand. Immer wenn wir zur Beichte gehen, möchten wir die Worte dieses demütigen Aussätzigen sprechen: „Jesus, du kannst mir helfen, mich von dem, was mich schmerzt, nämlich von meinen Sünden, zu heilen. Dieser Glaubensakt des Aussätzigen ist vergleichbar mit dem Glauben des guten Räubers. Obwohl er neben unserem Herrn ans Kreuz genagelt war, sagte er: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ In beiden Fällen sahen sie mit den Augen des Glaubens über das hinaus, was ihnen die Augen ihres Körpers mitteilen. Wenn wir mit den Augen des Glaubens unsere Sünden beichten, wollen wir über den Priester hinaus Jesus sehen, ihn, der nicht nur unsere Sünden vergibt, sondern auch unsere Seelen heilt.

2. Jesus berührte ihn. Die Pharisäer fragten einst die Jünger: „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ (Mt 9,11). Jesus fürchtet sich nicht vor meiner Lepra; er fürchtet sich nicht vor meiner Sünde. Seine Liebe ist einfach viel stärker als irgendeine Sünde, mag sie noch so schwer sein. Er hat weder Angst, mit Sündern zu verkehren, noch Leprakranke zu berühren. Es war dieselbe Liebe, die das „Wort“ dazu bewegte, Fleisch anzunehmen, das unter uns gewohnt hat (Joh 1,14). Er hat selbst die menschliche Natur angenommen und „streckte seine Hand aus und berührte uns“. Wenn wir Jesus unsere Sünden übergeben, nagelt er sie an das Kreuz - und wir entdecken direkt am Kreuz zwei Dinge: die wahre Wesensart der Sünde und die unendliche Liebe, die Jesus veranlasst, uns zu berühren.

3. Gott will es. Jesus wollte, dass der Aussätzige geheilt wird; ebenso will er, dass du und ich geheilt, rein und vollkommen sind. Durch die Hände des Priesters streckt uns Jesus seine eigene Hand entgegen und lädt uns ein, rein zu sein, so dass wir nicht wieder in die Sünde zurückfallen. Die Sünde pocht an die Tür unseres Lebens, aber dank Jesus müssen wir nicht in ihr verbleiben. Wenn Jesus uns heilt, gibt er uns auch die Kraft (Gnade), gesund zu bleiben. Er heilt uns, so dass wir frei mit ihm gehen und ihn in unserem Leben nachahmen können. Aber möchte ich wirklich von all meinen Sünden ablassen? Würde der ehemalig Aussätzige sich jemals wünschen, zu seinen Leprakranken zurückzukehren? Letztlich ist es das Herz, das rein werden muss durch das ständige Gebet, die Sakramente und ein aufrichtiges Bemühen, das zu tun, was Gott gefällt.

Gespräch mit Christus: Jesus, du weißt, wann ich sitze und wann ich stehe. Bevor ein Wort auf meinen Lippen ist, kennst du es bereits ganz; du bist vertraut mit all meinen Wegen (Psalm 139). Hilf mir, in dem Licht zu Leben, das deiner Gnade entspricht, und die heilsame Freude zu erfahren, die der Freundschaft mit dir entspringt.

Vorsatz:  In dieser Woche will ich zur Beichte gehen und mir die Zeit nehmen, mich gut darauf vorzubereiten.


Die Säulen der Kirche

29. Juni 2013

Samstag der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. Apostel Petrus und Paulus

P. Edward McIlmail LC

M16,13-19
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Einführendes Gebet:  Jesus, ich glaube an dich. Ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um durch dein Leiden und Sterben mir die Chance zur ewigen Erlösung zu geben. In diesem Gebet möchte ich dir näher kommen. Möge diese Zeit, die ich mit dir verbringe, ein Ausdruck meiner Liebe sein.

Bitte: Hilf mir, Herr, in eine innigere persönliche Beziehung zu dir einzutreten.

1.  Identitätskrise. Jesus ist nicht daran interessiert, was „andere“ über ihn denken. Er möchte wissen, was ich von ihm denke. Die Prüfung jeder Beziehung ist die Antwort auf die Frage, wie verantwortlich die Menschen füreinander sind. Irgendwann wird sich eine junge Frau fragen, wie ernsthaft es ihr Geliebter mit ihr meint. Nach ein paar Unterrichtswochen möchte der Professor wissen, wie ernst die Studenten ihr Studium nehmen. Ebenso macht sich unser Herr Gedanken über uns. Was bedeutet Christus für mich? Ist er nur eine Darstellung auf einem Heiligenbild? Ein unscharf wahrgenommener Wohltäter der Vergangenheit? Oder hat er wirklich einen Platz in meinem Leben? Er ist schließlich die zweite Person der Dreifaltigkeit, die in die Welt gekommen ist, um uns zu retten. Wie wirkt sich diese Wahrheit auf meinen Glauben aus?

2. Himmlische Offenbarung. Petrus bezeugt, dass Jesus der Christus ist, der Messias. Und Jesus entgegnet ihm, dass dieses Wissen nicht aus der Welt ist. Es kommt von Gott, dem Vater. Jesus als den Christus zu erkennen, heißt zu glauben. Immer wieder versuchen Nichtgläubige, Jesus zu erforschen, indem sie ihren Verstand und die Methoden der Forschung anwendeten. Aber seit wann versuchen wir, eine Person in ihrer Ganzheit mit dem Verstand zu erfassen? Eine andere Person kennen zu lernen, kann oftmals persönlichen Kontakt mit ihr erfordern und vor allem, ihr oder ihm zuzuhören. Versuche ich, auf Jesus im Gebet und in der Heiligen Schrift zu hören? Oder versuche ich bloß, ihn „auszufragen“?

3. Binden und Lösen. Schlüssel waren ein Symbol für Autorität. Unser Herr hatte alle Vollmacht auf der Erde (vgl. Mt 28,18 und Mk 2,10). Und er verlieh Petrus, als dem ersten Papst, die Macht, zu binden und zu lösen; das bedeutet, Richtlinien innerhalb der Kirche zu erlassen. Autorität, auch die päpstliche Autorität, so wie Jesus sie versteht, besteht aber nicht darin, Strafen zu verhängen, sondern vielmehr im Dienen. Die einzigartige Autorität des Papstes gibt uns eine sichere Führung in moralischen Fragen. Der Papst hat keine Macht, Grundsätze der Moral aufzustellen, sondern eher vorhandene Grundsätze verbindlich auszulegen. Wie gut kenne ich die päpstliche Lehre? Bemühe ich mich zu verstehen, warum er lehrt wie er lehrt? Wenn ein Problem aufkommt, ziehe ich die kirchliche Lehre zu Rate? „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab“ (Lk 10,16).

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, meinen Glauben als Ausdruck meiner persönlichen Freundschaft zu dir zu leben. Bewahre mich davor, dass ich in meinem Glauben nachlasse. Gewähre mir eine erneute Wertschätzung des Geschenkes der päpstlichen Autorität.

Vorsatz:  Ich will einige Abschnitte des katholischen Katechismus lesen, zum Beispiel einige über das Papsttum (KKK 880-887, 895, 1559).