Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 26. Mai 2013 bis Samstag 1. Juni 2013

Achte Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC, P. Todd Belardi LC, P. Daniel Polzer LC, P. John Doyle LC

Drei Schritte des GlaubensSonntag
Wie viel kostet es?Montag
Der Lohn der SelbstverleugnungDienstag
Den Kelch Christi trinkenMittwoch
Eine unerwartete MahlzeitDonnerstag
Jesus und der FeigenbaumFreitag
Vom Himmel oder von der ErdeSamstag


Drei Schritte des Glaubens

26. Mai 2013

Achter Sonntag im Jahreskreis
Dreifaltigkeitssonntag
Philipp Neri, Ordensgründer und Mystiker

P. Edward Hopkins LC

Joh 16,12-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube an dich. Ich bekenne, dass du mich zum Glauben berufen hast und ich diesen Glauben mit anderen teilen soll. Ich vertraue darauf, dass du mich mit deinem Geist des Mutes und der Wahrheit erfüllst, so dass ich den Glauben treu verinnerlichen und weitergeben kann. Ich liebe dich. Ich möchte dich mehr lieben durch mein Gebet und mein Leben und so in die Gemeinschaft der Liebe hineinwachsen, die du mit deinem Vater und dem Heiligen Geist teilst.

Bitte: Offenbare dich mir, Herr.

1.  Kenntnis der Wahrheit. Die Heiligste Dreifaltigkeit ist ein Geheimnis, das mein Verstehen bei weitem übersteigt. Dennoch macht sie die Entwicklung des Glaubens und der christlichen Reife besonders deutlich. Wenn wir den Glauben empfangen, ist er wie ein Samenkorn, das sich entwickeln muss: „Aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“. Der Heilige Geist bringt uns zu einem vollkommeneren Verständnis, so dass unser Glaube in unserem Leben von selbst offenbar wird. Wir kommen so zu einem besseren Verständnis von Gott, von uns selbst, von unserem Leben und vom Leben anderer, besonders in einer Welt, die dazu neigt, das alles zu verdrehen. Wir müssen davon überzeugt sein, dass wir im Glauben wachsen, ihn vertiefen und verbreitern müssen, damit er alle Ebenen unseres Lebens umfasst. Wenn wir aufhören, unseren Glauben besser kennen zu lernen (das, was wir glauben), oder unseren Glauben zu vertiefen (das, wodurch wir glauben), durchkreuzen wir den Plan des Heiligen Geistes für unser Leben. Er hat uns noch mehr zu sagen! Glauben wir das und suchen wir es? Wie?

2. Die Wahrheit annehmen und leben. Jesus bezeichnet hier die Wahrheit des Glaubens als „seine“ Wahrheit – ebenso wie der Vater sie „hat“. So ist die Wahrheit etwas, was man persönlich besitzen muss. Sie muss uns gehören. Der Glaube kann uns nicht gehören, wenn wir ihn auf ein bloßes Gefühl oder eine rein persönliche Überzeugung reduzieren. Das gilt für jeden. Wir müssen uns nach dem Glauben richten, aber nicht er sich nach uns. Der Glaube wird persönlich gelebt, sein Inhalt ist aber für alle gleich, so wie auch die Auswahl aus einer Speisekarte einer Cafeteria für alle die gleiche ist. Wie auch Papst Benedikt XVI. in der Predigt vor seiner Wahl zum Papst klarstellt: „'Reif' ist nicht ein Glaube, der den Wellen der Mode und des letzten Schreis folgt; erwachsen und reif ist ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt ist“ (Predigt am 18. April 2005). Besitze ich meinen Glauben ganz? Oder empfinde ich ihn als mir aufgezwungen, so wie etwas Fremdes? Kommt mein Glaube von Herzen, und ist er ebenso von meinem Verstand angenommen? Nehme ich ihn in meinen Besitz, indem ich ihn akzeptiere, ihn mir zu Eigen mache, ihn liebe, in ihm wachse, ihn (aus)übe, ihn verteidige und ihn teile?

3. Evangelisierung. Die Einheit der Heiligsten Dreifaltigkeit ist nicht statisch, sondern eine lebendige dynamische Kraft. Sie lebt und handelt in der Einheit. „… er wird von dem, was mein ist, nehmen … „ Das hat zwei Auswirkungen. Der Auftrag des Heiligen Geistes besteht genau darin, uns an das zu erinnern, was Jesus lehrte (vergleiche Joh 14,26). Seinem Auftrag getreu, lehrt er Christus. Auch uns, die wir den Glauben besitzen, veranlasst er, ihn zu teilen. Was lebendig ist, wächst gewöhnlich. „Wer Christus wirklich begegnet ist, kann ihn nicht für sich behalten, er muss ihn verkündigen. Das Angebot Jesu Christi muss voll Vertrauen an alle ergehen.…“ (Papst Johannes Paul II., Botschaft vom 5. Juni 2001). Wir müssen die eine Wahrheit, die wir empfangen haben, verkünden. „Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört.“ Unsere Liebe zu Christus lässt sich daran messen, wie wahrheitsgemäß wir seine Botschaft weitergeben. Wie stark ist meine Liebe zu ihm?

Gespräch mit Christus: Lieber Jesus, sende mir deinen Heiligen Geist, so dass ich dich besser erkennen und lieben kann. Gib mir ein Verlangen, dich besser kennen zu lernen und dich inniger zu erleben. Möge mein Wissen über dich mein Herz so entflammen, dass ich dich nicht mehr für mich behalten kann. Hilf mir, mit dir und deiner Botschaft der Liebe treu verbunden zu sein.

Vorsatz:  Ich will mich zu einem regelmäßigen Studium meines Glaubens (wieder) verpflichten, wobei ich den Katechismus oder das Kompendium des Katechismus benutzen werde.


Wie viel kostet es?

27. Mai 2013

Montag der achten Woche im Jahreskreis
Hl. Augustinus von Canterbury, OSB
Hl. Bruno von Kärnten, Bischof

P. Todd Belardi LC

Mk 10,17-27
Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?

Einführendes Gebet:  Herr, ich komme erneut zu dir im Gebet. Auch wenn ich dich nicht sehe, vertraue ich darauf, dass du gegenwärtig bist und mich in deiner Lehre unterweisen willst. So wie du mir deine Liebe dadurch zeigst, dass du diese Zeit mit mir verbringst, so will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich diese Zeit mit dir im Geist des Glaubens, des Vertrauens und des aufmerksamen Hinhörens verbringe. Hier bin ich, Herr, um dich zu hören und mit Liebe zu antworten.

Bitte: Herr, hilf mir, von den Dingen dieser Welt so losgelöst zu sein, dass ich dir nachfolgen kann.

1.  Gott ist die Liebe. Der reiche Jüngling erkannte, dass Christus gut war. Er kniet vor ihm nieder, weil er weiß, dass Christus etwas besitzt, das er nicht hat. Was ist es? Der Geist der bedingungslosen Liebe. Christus hilft uns, aus uns herauszugehen und ihm mehr zu vertrauen. Und darum ermutigt uns auch unser emeritierter Papst Benedikt: „Ich sage euch, liebe Jugendliche: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts weg, er gibt euch alles. Wenn wir uns ihm schenken, empfangen wir das Hundertfache zurück. Ja, öffnet eure Türen weit für Christus – und ihr werdet das wahre Leben finden“ (Predigt vom 24. April 2005).

2. Die gute Seite der Dinge sehen. Es ist leicht, bei einer Sache nur zu sehen, was sie einen kostet. Der junge Mann wird traurig, weil er mehr auf die Kosten als auf den Lohn schaut. Den Preis würde er zuerst spüren, der Lohn würde erst später kommen. Wie oft machen wir diese Erfahrung im Leben! Die Welt, in der wir leben, will alles und sofort, ohne dafür bezahlen zu wollen. Anstatt uns auf die Kosten zu konzentrieren, sollten wir auf den Lohn schauen, den Gott uns versprochen hat. Wir werden entdecken, dass die Kosten gering sind und dass der Lohn für immer bleibt. Der Lohn für einen Apostel Christi ist buchstäblich „nicht von dieser Welt“. Besitze ich Ausdauer im geistlichen Leben? Kann ich auf den Herrn warten und „investiere“ ich geduldig in die Güter, die in Ewigkeit nicht vergehen?

3. Bindungen an Unwichtiges. Der heilige Paulus sagt, dass nichts über Christus gehen sollte. Im Fall des jungen Mannes hatte dieser aber etwas anderes Christus vorgezogen. Der Komfort, die Sicherheit und die materiellen Dinge waren ihm wichtiger als die persönliche Einladung Christi zur Vollkommenheit. Abhängigkeit führt zur Traurigkeit; in einem Herzen, das mit den Dingen dieser Welt ganz erfüllt ist, gibt es keinen Platz für Gott. Nur das Loslassen führt zu wahrer Freude. Gott gibt sich dem, der ihn ohne Bedingungen sucht.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, hilf mir, ein Leben der Freiheit zu leben. Hilf mir zu erkennen, wie gut du bist. Lass mich durch den Glauben die gute Seite der Dinge sehen und in allen Dingen eine Gelegenheit erkennen, dich zu lieben. Ich möchte allein von dir abhängig sein und ganz losgelöst sein von meinen Sünden.

Vorsatz:  Ich will etwas aussuchen, von dem ich mich heute loslösen kann.


Der Lohn der Selbstverleugnung

28. Mai 2013

Dienstag der achten Woche im Jahreskreis

P. Daniel Polzer LC

Mk10,28-31
Petrus sagte zu Jesus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.

Einführendes Gebet:  Herr, ich komme erneut zu dir im Gebet. Auch wenn ich dich nicht sehe, vertraue ich darauf, dass du gegenwärtig bist und mich in deiner Lehre unterweisen willst. So wie du mir deine Liebe dadurch zeigst, dass du diese Zeit mit mir verbringst, so will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich diese Zeit mit dir im Geist des Glaubens, des Vertrauens und des aufmerksamen Hinhörens verbringe. Hier bin ich, Herr, um dich zu hören und mit Liebe zu antworten.

Bitte: Herr, hilf mir, meine Taten der Selbstverleugnung aus reinen Motiven heraus zu tun.

1.  Die Frage des Petrus. Auf den ersten Blick hin scheint Petrus eigensüchtig zu sein, wie wenn er fragen wollte: „Wir haben alles aufgegeben, was bekommen wir nun dafür?“ Seine Frage kommt nicht aus einem Egoismus heraus, sondern ist eher eine Antwort auf die Feststellung Jesu, die dieser zuvor gemacht hatte, nämlich dass es für einen reichen Mann sehr schwer ist, in den Himmel zu kommen. Aufgrund dieser Schwierigkeit des Reichtums möchte Petrus wissen, wie die Chancen für jemanden stehen, der alles für die Nachfolge Christi aufgegeben hat, in das Reich Gottes zu kommen. Wie sehr müssen wir vom materiellen Besitz losgelöst sein, um einen sicheren Platz im Himmel zu haben? Jesus gibt uns keine konkrete Antwort auf diese Frage, aber er sagt uns, dass die, welche alles aufgegeben haben, nicht nur den Lohn des ewigen Lebens erhalten, sondern auch in diesem Leben einen großen Lohn erhalten.

2. Der wahre Beweggrund. Einen Lohn bekommen nicht nur die, welche Dinge aufgeben, sondern vielmehr diejenigen, welche aus Liebe zu Christus und seiner Frohen Botschaft Dinge aufgeben. Ein Opfer um des Opfers willen, aus eigensüchtigen Motiven, ist in Gottes Augen nichts wert. Ein Opfer ist nur dann wertvoll, wenn es aus Liebe zu Christus und seinem Evangelium getan wird. Die Motivation unserer Selbstverleugnung muss in der Verherrlichung Christi oder im Zeugnis für das Evangelium gründen. Ist das der wahre Beweggrund meiner Selbstverleugnung?

3. Das ewige Leben. Der Lohn für unsere Selbstverleugnung beginnt in diesem Leben und erreicht seinen Höhepunkt im kommenden Leben. Der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen liegt darin, dass es in diesem Leben auch Verfolgungen geben wird. In diesem Leben dürfen wir uns der Liebe Christi zu uns erfreuen, müssen aber gleichzeitig auch seinetwillen Verfolgungen erleiden. Dieses Leben ist ein Leben, in welchem unsere Liebe und unsere Beweggründe gereinigt werden. Indem jetzt unsere Liebe erprobt wird, werden wir uns in alle Ewigkeit an einem Leben mit Christus erfreuen dürfen.

Gespräch mit Christus: Herr, du weißt, wie sehr ich an mir selbst, meinem Besitz und meinen Bequemlichkeiten hänge. Hilf mir, das aufzugeben, was ich aufgeben muss – aus Liebe zu dir und deinem Evangelium, nicht aus Liebe zu mir selbst oder zu dem, was dabei für mich herausspringt. Hilf mir, mich nicht vor der Selbstverleugnung zu fürchten, denn durch sie ziehst du mich immer näher an dich.

Vorsatz:  Ich will etwas aufgeben, was Gott daran hindern könnte, mich näher an sich zu ziehen.


Den Kelch Christi trinken

29. Mai 2013

Mittwoch der achten Woche im Jahreskreis
Hl. Irmtrud

P. Daniel Polzer LC

Mk 10,32-45
Während die Jünger auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die Jünger aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand. Er sagte: Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf; dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben; sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Aber nach drei Tagen wird er auferstehen.

Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Einführendes Gebet:  Herr, ich komme erneut zu dir im Gebet. Auch wenn ich dich nicht sehe, vertraue ich darauf, dass du gegenwärtig bist und mich in deiner Lehre unterweisen willst. So wie du mir deine Liebe dadurch zeigst, dass du diese Zeit mit mir verbringst, so will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich diese Zeit mit dir im Geist des Glaubens, des Vertrauens und des aufmerksamen Hinhörens verbringe. Hier bin ich, Herr, um dich zu hören und mit Liebe zu antworten.

Bitte: Herr, hilf mir, das Beispiel deines Dienens aus Liebe nachzuahmen.

1.  Der feste Entschluss Jesu. Jesus geht seinen Jüngern voraus, fest entschlossen. Manche von denen, die ihm nachfolgen, wird es immer unwohler dabei, aber Jakobus und Johannes scheinen den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben. Jesus hat Begleiter, aber in einem gewissen Sinne ist er allein. Immer wieder hat er versucht, seinen Jüngern zu erklären, dass er in seiner Sendung abgelehnt und beschimpft werden wird und irgendwann sogar den grausamsten Tod erleiden wird. Aber es scheint so, dass sie den Sinn dieser Botschaft nicht begreifen können; diese Botschaft leuchtet ihnen nicht ein. Auch wir hören manchmal Christi Worte, dass wir unser Kreuz jeden Tag auf uns nehmen und unser Leben für ihn verlieren sollen, und diese Aussicht erschreckt uns gewaltig. Jesus lädt uns aber immer wieder ein, seinen Spuren zu folgen und unsere täglichen Kreuze zu tragen, dabei aber unseren Blick auf unser himmlisches Zuhause, das Neue Jerusalem, zu richten.

2. Ehrgeizige Nachfolger. Jakobus und Johannes waren vom Herrn persönlich berufen worden. Sie durften Jesus oft begleiten, wenn er allein wegging, um zu beten. Beide liebten unseren Herrn sehr, und darum darf es uns nicht überraschen, dass sie ganz in seiner Nähe sein wollten, wenn er in seine Herrlichkeit eintreten würde. Jesus tadelt sie nicht wegen ihrer Bitte, auch wenn sie zu einer Zeit kommt, als sein Herz von großen Sorgen erfüllt ist. Jesus lädt sie ein, über die Folgen ihrer Bitte nachzudenken. Auf der rechten und linken Seite Jesu in seiner Herrlichkeit zu sitzen bedeutet, durch eine ähnliche Prüfung hindurchzugehen, wie diejenige, durch die er selbst bald hindurchgehen muss – sie werden zu seiner Rechten und Linken stehen müssen an dem Tag, an welchem er auf das Kreuz erhoben wird. Jesus lädt auch uns ein, „die Dinge von oben“ zu suchen und unser Streben auf den Himmel zu richten und nicht auf irdischen Ruhm.

3. Der Größte muss dienen. Die meisten von uns befehlen lieber, als dass sie gehorchen. Ehrgeiz führt schnell zu Rivalität und bitteren Gefühlen, wie es auch bei den zwölf Aposteln war. Jesus tritt schnell dazwischen und gibt uns eine wertvolle Lektion über die Bedeutung der Autorität, eine Lektion, die wir uns zu Herzen nehmen sollten. Autorität jeglicher Art hat nur einen Zweck: zu dienen. Sehe ich die Autorität, die mir gegeben ist, als Dienst an? Ist es mir wichtiger, dass mir gehorcht wird – unmittelbar und exakt – als dass ich ein Beispiel für andere sein soll? Wie kann ich Jesus ähnlicher werden beim Ausüben meiner Autorität? Habe ich erkannt, dass dies eine besondere Weise sein kann, mein Kreuz auf mich zu nehmen und Jesus nachzufolgen?

Gespräch mit Christus: Jesus, hilf mir, voll Eifer nach den Dingen von oben zu suchen. Lass nicht zu, dass mein Herz von Ehrgeiz erfüllt ist, sondern vielmehr wie dein Herz sanftmütig und demütig ist.

Vorsatz:  Ich will anderen dienen, egal, wer oder was sie sind.


Eine unerwartete Mahlzeit

30. Mai 2013

Donnerstag der achten Woche im Jahreskreis
Fronleichnam

Lk 9,11b-17
Aber die Leute erfuhren davon und folgten ihm. Er empfing sie freundlich, redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten. Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen. Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen. Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten. Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, heute möchte ich meinen Glauben an deine wahre Gegenwart in der heiligen Eucharistie erneuern. Ich glaube, dass du bei jeder Messe vom Himmel in die Hostie herabkommst und im Tabernakel anwesend bleibst. Du bist die Quelle all meiner Hoffnung. Hilf mir, in der Liebe zur dir zu wachsen und eine immer größere Verehrung für die heilige Eucharistie zu empfinden.

Bitte: Herr, schenke mir die Gnade, deine Gegenwart in der Eucharistie tiefer wahrzunehmen und zu schätzen.

1.  Eine Person, keine Volksmenge. Stellen Sie sich vor, wie Jesus am See von Galiläa zu einer Volksmenge spricht. Der See ist tief blau und umgeben von Hügeln, die mit grünem Gras bewachsen sind. Und unser Herr trägt eine besondere weiße Tunika. Vielleicht kann ich mir jetzt vorstellen, dass ich dort bin und seinen Worten lausche. Mit einem schnellen Blick auf sein Herz kann ich seine Liebe sehen, die er für jeden in dieser Menge empfindet. Diese Liebe zu uns ist so groß, dass es Jesus nicht völlig zufrieden stellt, wenn er nur zu uns spricht oder uns heilt. Er möchte seine tiefe und persönliche Liebe dadurch gleichsam beweisen, dass er uns etwas zu essen gibt. Er möchte mich ernähren und sättigen.

2. Wirkliches Brot vom Himmel. Der Wunsch Christi, die Volksmenge am See zu ernähren wird zur vollständigen Realität im Letzten Abendmahl, als er dieses Fest begründete, das die Kirche heute feiert: Die Feier des Leibes und des Blutes Christi. In Nr. 1374 des Katechismus der Katholischen Kirche steht, „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten“. Die Liebe, die Christus für mich hat, ist so groß, dass er mich nicht mehr nur durch fünf Brote und zwei Fische ernähren will, sondern durch seinen eigenen Leib und sein Blut.

3. Die Nahrung eines Heiligen. Haben Sie irgendwann einmal einen Tag erlebt, wo Sie nichts zu essen hatten, oder wo Sie vielleicht einfach das Frühstück verpasst haben? Dann werden Sie sich am Ende eines solchen Tages ziemlich schwach gefühlt haben. In der Nummer 1294 des Katholischen Katechismus steht, „So wie die leibliche Nahrung verlorene Stärke zurückbringt, so stärkt die Eucharistie unsere Liebe.“ Die Eucharistie ernährt unsere Seele und gibt uns Kraft, in der Liebe zu leben und heilig zu werden. Mit Christus als Nahrung in der Eucharistie kann uns nichts stoppen in unserem Kampf, ein Heiliger zu werden.

Gespräch mit Christus: Ich liebe dich, Herr, für deine Eucharistie, diesem großen Geschenk deiner selbst, denn als du nichts anderes zu geben hattest, gabst du uns deinen Leib. So liebtest du uns bis zum Ende in einer so überwältigenden Art von Liebe, dass unsere Herzen in dieser Liebe erzittern mit Liebe, Dankbarkeit und Respekt.

Vorsatz:  Wenn ich heute die heilige Kommunion empfange, will ich alle Zerstreuungen und Ablenkungen vermeiden und genau der Botschaft zuhören, die Jesus mir erzählen will. Und dann werde ich diese Botschaft heute jemandem mitteilen.


Jesus und der Feigenbaum

31. Mai 2013

Freitag der achten Woche im Jahreskreis
Hl Petronella (Petra), Märtyrerin

P. John Doyle LC

Mk 11,11-25
Jesus zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.

Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger. Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.

Dann kamen sie nach Jerusalem. Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug. Er belehrte sie und sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil alle Leute von seiner Lehre sehr beeindruckt waren. Als es Abend wurde, verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt.

Als sie am nächsten Morgen an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war. Da erinnerte sich Petrus und sagte zu Jesus: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. Jesus sagte zu ihnen: Ihr müsst Glauben an Gott haben. Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen. Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt.

Einführendes Gebet:  Herr, ich komme erneut zu dir im Gebet. Auch wenn ich dich nicht sehe, vertraue ich darauf, dass du gegenwärtig bist und mich in deiner Lehre unterweisen willst. So wie du mir deine Liebe dadurch zeigst, dass du diese Zeit mit mir verbringst, so will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich diese Zeit mit dir im Geist des Glaubens, des Vertrauens und des aufmerksamen Hinhörens verbringe. Hier bin ich, Herr, um dich zu hören und mit Liebe zu antworten.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir, Gebet und Tun zu vereinen.

1.  Die Unfruchtbarkeit eines sündigen Lebens. Wir sehen, dass Jesus einen unfruchtbaren Feigenbaum zum Verdorren bis auf die Wurzeln bringt, obwohl er weiß, dass es gar nicht die Zeit ist, um Feigen zu ernten. Jesus hat nie ein Wunder für sich selbst gewirkt, darum wissen wir, dass er den Baum nicht deswegen bestraft, weil er nicht seinen Hunger stillt. Dieses Ereignis geschieht unmittelbar vor seinem Eintritt in den Tempel von Jerusalem, wo er mit Menschen rechnet, die sich eifrig für die Dinge seines Vaters abmühen. Stattdessen trifft er Menschen, die sich für weltliche Geschäfte abmühen, oft sogar in betrügerischer und ungerechter Weise. Die Früchte der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, die Jesus erwartet, sind nirgends zu finden; und so symbolisiert in gewisser Weise der Feigenbaum Jerusalem. Bin ich ehrlich im Umgang mit anderen? Weiß ich, dass der Herr von mir Früchte erwartet? Nutze ich meine Zeit gut, um Früchte im Gebet und in meinem Tun zu bringen?

2. Ein Tag im Leben von… Dieser Evangeliumsabschnitt würde einen guten Stoff für einen Dokumentarfilm über einen Tag im Leben von Christus bieten. Er bricht früh in Betanien nach Jerusalem auf, er geht in den Tempel hinein, zieht den Zorn jener auf sich, deren Tische er umwirft, und anschließend gibt er seinen Jüngern Unterweisungen auf seiner Rückkehr spät am Abend nach Betanien. Gleich am nächsten Tag beginnt er seinen Dienst wieder mit einer Lehre über die Wichtigkeit des Glaubens beim Beten. Jesus vergeudet nicht eine Sekunde seiner Zeit; immer will er den Willen seines Vaters erfüllen. Trotzdem war er kein Wichtigtuer. Im Normalfall mischt er sich nicht in die Geschäfte der anderen ein, aber er lässt es ganz bestimmt nicht zu, dass im Haus seines Vaters unehrliche Geschäfte gemacht werden. Und darum treibt er die unehrlichen Händler aus dem Tempel heraus. Nutze ich meine Zeit gut? Schließt das auch eine Zeit für das Gebet mit ein? Ist mein Verhalten in einem Gotteshaus, wo der Herr in der Eucharistie wohnt, ehrfürchtig?

3. Glauben an die Macht des Gebets. Gebet und Tun sind aufs Innigste miteinander verbunden. Jesus hatte Recht, als er die Geldwechsler und Tiere aus dem Tempel trieb. Und auch wir sollen uns ganz bestimmt nicht um weltliche Geschäfte sorgen, wenn wir in der Kirche sind. Es ziemt sich aber sehr wohl, unsere Ängste und Sorgen, unsere Freuden und unser Versagen Christus im Gebet hinzuhalten. Es ist gut für uns, unseren Herrn zu fragen, wie er unsere Sorgen sieht und um seine Gnade zu bitten, ihm weiter nachzufolgen. Und wenn wir uns eine besondere Zeit für das Gebet reservieren, um Christus zu begegnen, werden wir darin die Kraft und den Wunsch finden, seine Botschaft anderen weiterzugeben. Im Gebet werden wir mit apostolischem Eifer erfüllt. Wenn unser Alltag von einem Dienen aus Liebe zu Gott bestimmt wird, wird er selbst zum Gebet. Ist mein Gebet die Quelle innerer Stärke, und ist mein Tun ein mit Liebe erfülltes Gebet?

Gespräch mit Christus: Mein Jesus, du verlangst viel von mir, aber du stehst mir immer zur Seite mit deiner Gnade und deiner Gegenwart. Hilf mir, meine Zeit klug für die Ausbreitung deines Reiches zu nutzen.

Vorsatz:  Ich nehme mir heute vor, fünf Minuten länger zu beten mit dem Anliegen, Christus besser zu dienen.


Vom Himmel oder von der Erde

1. Juni 2013

Samstag der achten Woche im Jahreskreis
Justin der Märtyrer, Kirchenvater

P. John Doyle LC

Mk 11,27-33
Jesus und seine Jünger kamen wieder nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm und fragten ihn: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir die Vollmacht gegeben, das zu tun? Jesus sagte zu ihnen: Zuerst will ich euch eine Frage vorlegen. Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue. Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Antwortet mir! Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Sollen wir also antworten: Von den Menschen? Sie fürchteten sich aber vor den Leuten; denn alle glaubten, dass Johannes wirklich ein Prophet war. Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.

Einführendes Gebet:  Herr, ich komme erneut zu dir im Gebet. Auch wenn ich dich nicht sehe, vertraue ich darauf, dass du gegenwärtig bist und mich in deiner Lehre unterweisen willst. So wie du mir deine Liebe dadurch zeigst, dass du diese Zeit mit mir verbringst, so will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich diese Zeit mit dir im Geist des Glaubens, des Vertrauens und des aufmerksamen Hinhörens verbringe. Hier bin ich, Herr, um dich zu hören und mit Liebe zu antworten.

Bitte: Jesus, schenk mir wahre Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit im Leben.

1.  Das Übel der Unehrlichkeit. Jesus hatte einen Tag zuvor einen Aufruhr im Tempel verursacht. Er hatte die Tische der Geldwechsler umgestoßen und die Tiere hinausgetrieben. Jeder andere wäre im Gefängnis gelandet, aber hier war Christus, und seine Stunde war noch nicht gekommen. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten wollten aber eine Erklärung – besser gesagt eine Entschuldigung – um Jesus anklagen zu können. Er antwortet auf ihre Frage sehr schlau mit einer Gegenfrage, welche sie nicht beantworten können aus Furcht, dass ihre Unehrlichkeit der Menge dadurch bekannt werden könnte. Wie sehr verletzte unseren Herrn diese Unehrlichkeit auf Seiten der Schriftgelehrten und Pharisäer! Er wollte zu ihnen nicht offen sprechen, weil sie beabsichtigten, seine Worte zu verdrehen. Verabscheue ich Unehrlichkeit wie er? Gibt es in meinem Leben Spuren von Unehrlichkeit? Bin ich mehr darüber besorgt, was andere von mir denken, als was Christus von mir denkt?

2. Glauben verlangt Umkehr. Jesus hat diese Worte nicht gesagt, aber sie wussten, dass er sie hätte sagen können. Ihr unruhiges Gewissen sagte ihnen, dass die Anklage richtig gewesen wäre. Warum hatten sie dem Vorläufer des Herrn nicht geglaubt? War es nicht derselbe Grund, aus welchem sie auch dem Herrn selbst nicht glaubten? Johannes der Täufer bezichtigte sie der Unehrlichkeit. Sie waren gekommen, um die Taufe der Umkehr zu empfangen, aber in Wirklichkeit wollten sie ihr Leben nicht ändern. Hätte Jesus Grund, mich wegen Unehrlichkeit zu tadeln? Empfange ich manchmal das Sakrament der Buße ohne das echte Verlangen, mein Leben zu ändern? Oder meide ich die Beichte überhaupt, weil ich denke, dass in meinem Leben nichts geändert werden muss?

3. Unwissen ist eine billige Entschuldigung. Es ist sicher nicht das erste oder letzte Mal, dass man Unwissen vorschiebt, um die Konsequenzen der Wahrheit zu verhindern, aber diese Art Unwissen ist ganz klar schuldhaft. Die Sprecher waren keine ungebildeten Leute, sondern sie waren Führer des Gottesvolkes, und als solche hatten sie die Verantwortung, die Leute so zu führen, dass sie den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hatte, einhielten. Die Leute hatten in Johannes einen großen Propheten gesehen, der die Sünder durch seine Predigt und sein Beispiel der Entsagung zur Umkehr aufgerufen hatte, doch die jüdischen Autoritäten wollten nicht akzeptieren, dass sich irgendjemand außer ihnen das Recht nehmen könnte, in Gottes Namen zu sprechen. Eigentlich wussten sie es, aber sie waren nicht bereit, die Wahrheit anzunehmen. Schütze ich mich manchmal mit dem Argument des Unwissens, wenn ich etwas tue, von dem ich mir nicht sicher bin, ob es richtig ist?

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, manchmal weiß ich, was du von mir willst, aber es kostet mich viel, deinen Willen in die Tat umzusetzen. Manchmal habe ich soviel Angst davor, was andere sagen oder denken könnten, oder ich habe Angst vor den Konsequenzen. Schenke mir den Geist der Ehrlichkeit und Stärke, damit ich deinen Willen immer annehmen und ihm folgen kann.

Vorsatz:  Ich will heute früher zum Gottesdienst kommen, um noch ein paar Minuten in Stille vor unserem Herrn zu verbringen und ihn um die Gnade zu bitten, immer ehrlich und aufrichtig in meinem Tun zu sein.