Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. Dezember 2012 bis Samstag 15. Dezember 2012

Zweite Woche im Advent

P. Steven Reilly LC, P. Frank Formolo LC, P. Jason Koch LC, P.Walter Schu LC

Bereitet dem Herrn den Weg!Sonntag
Der Gelähmte und die PharisäerMontag
Der gute HirteDienstag
Das Joch der LiebeMittwoch
Sehnsucht nach dem HimmelDonnerstag
Die Augen des GlaubensFreitag
Bethlehem und das KreuzSamstag


Bereitet dem Herrn den Weg!

9. Dezember 2012

Zweiter Sonntag im Advent

P. Steven Reilly LC

Lk 3,1-6
Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

Einführendes Gebet:  Herr, du weißt, dass ich den aufrichtigen Wunsch habe, diese Zeit mit dir zu verbringen. Wenn ich nun diese Betrachtung beginne, glaube ich, dass du bei mir bist und mich niemals verlässt. Weil ich dich liebe, ist es mein einziger Wunsch, dir zu gefallen und dich in der Einsamkeit des Tabernakels zu trösten. Ich hoffe auf deine unendliche Barmherzigkeit, die dich zu deiner Menschwerdung bewogen hat. Lass mich dich einst in deinem Königreich im Himmel wiedersehen.

Bitte: Herr, gib mir die Gnade, meine Vorbereitung auf deine Ankunft zu erneuern.

1.  Das konkrete Ereignis. Das heutige Evangelium enthält große Namen aus der Zeit des ersten Jahrhunderts in Palästina, politische und religiöse. Warum? Der heilige Lukas will damit betonen, dass die wunderbaren Taten Gottes nicht in einem geschichtslosen Raum ablaufen, sondern in der konkreten Realität der Geschichte. Der größte Eingriff Gottes, die Menschwerdung – als das Wort Fleisch geworden ist – ereignete sich zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort. Das sollte unser geistliches Leben tief beeinflussen. Dass Jesus zu uns gekommen ist, darf nicht allein eine Lehre bleiben, die ich im Religionsunterricht oder von meinen Eltern gelernt habe. Jesus ist für MICH in diese Welt gekommen! Diese unglaubliche Liebe von ihm ruft mich zu einer dankbaren Antwort auf. Oder will ich diese Botschaft in einer sicheren Distanz von mir fern halten? Jesus ist in unsere Welt gekommen. Lasse ich ihn in meine Welt kommen?

2. Eine Stimme, die in der Wüste ruft. Johannes der Täufer spielte in Gottes Plan eine wichtige Rolle, denn er sollte das Volk für das Kommen des Messias vorbereiten. Er hatte großen Erfolg und bewegte viele Herzen zur Reue und zum Glauben an Jesus. Darum ist es irgendwie ironisch, dass der Satz „eine Stimme, die in der Wüste ruft“ üblicherweise eine Anstrengung zum Ausdruck bringt, die zwar nobel, aber letztlich nutzlos ist. Das kann aber leider der Fall sein, wenn ich jetzt zulasse, dass die Einflüsterungen des Heiligen Geistes in der „Wüste“ meiner Ich-Bezogenheit sterben. Bin ich so sehr in den materiellen Aspekten der Vorbereitung auf Weihnachten eingebunden, dass ich die geistige Vorbereitung dabei vergesse?

3. Bereitet dem Herrn den Weg. Die Erinnerung an die Menschwerdung und das beständige Drängen des Heiligen Geistes in unseren Herzen kommt in diesem Ausruf zum Ausdruck: „Bereitet dem Herrn den Weg.“ Als Christen sind wir dazu berufen, genau dies zu tun. Die heutige Gesellschaft hungert nach der Botschaft Christi. Darum müssen wir alle unsere Gebete und Taten im Geist des Glaubens verrichten, damit wir wirklich den Weg des Herrn bereiten.

Gespräch mit Christus: Jesus, du bist in unsere Welt gekommen und hast unsere menschliche Natur angenommen. Diese Wahrheit war für mich viel zu lang nur eine Idee. Lass diese Wahrheit immer mehr in mein Herz hinein sinken und so meinen Willen zur Tat anregen. Du hast mich so sehr geliebt. Ich muss auf diese Liebe mit konkreten Taten antworten. Ich verpflichte mich erneut, für die Ausbreitung deines Reiches zu kämpfen.

Vorsatz:  Ich will im Laufe dieses Tages Jesus durch drei einfache Stoßgebete anrufen. Dabei möchte ich ihm sagen, dass ich ihn liebe und dass ich mein Herz für seine Ankunft an Weihnachten vorbereiten möchte.


Der Gelähmte und die Pharisäer

10. Dezember 2012

Montag der zweiten Woche im Advent
Hl. Angelina, Äbtissin

P. Frank Formolo LC

Lk 5,17-26
Eines Tages, als Jesus wieder lehrte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und Gesetzeslehrer; sie waren aus allen Dörfern Galiläas und Judäas und aus Jerusalem gekommen. Und die Kraft des Herrn drängte ihn dazu, zu heilen. Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Tragbahre. Sie wollten ihn ins Haus bringen und vor Jesus hinlegen. Weil es ihnen aber wegen der vielen Leute nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach, deckten die Ziegel ab und ließen ihn auf seiner Tragbahre in die Mitte des Raumes hinunter, genau vor Jesus hin. Als er ihren Glauben sah, sagte er zu dem Mann: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer: Wer ist das, dass er eine solche Gotteslästerung wagt? Wer außer Gott kann Sünden vergeben? Jesus aber merkte, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was habt ihr für Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Im gleichen Augenblick stand der Mann vor aller Augen auf. Er nahm die Tragbahre, auf der er gelegen hatte, und ging heim, Gott lobend und preisend. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten voller Furcht: Heute haben wir etwas Unglaubliches gesehen.

Einführendes Gebet:  Herr, du bist der Urheber aller Dinge und du allein kannst Sünden vergeben. Ich glaube an dich, aber mein Glaube ist noch so schwach. Ich vertraue auf deine Güte und Barmherzigkeit. Hier bin ich, Herr, und ich bitte dich sehnsüchtig um die Gnade, dich von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all meiner Kraft lieben zu dürfen.

Bitte: Herr, hilf mir, vor allem dich in meinem Leben zu suchen.

1.  Der Glaube der Pharisäer. Die Pharisäer sitzen vor Christus und beobachten, wie er den Kranken heilt. Schon zuvor haben sie viele andere Wunder erlebt, und trotzdem wollen sie nicht an Christus glauben. Ein Wunder nach dem anderen konnte ihre Gesinnung nicht ändern. Jesus entschließt sich, vor ihnen ein Wunder zu wirken, das ihnen helfen kann, an ihn zu glauben. Er heilt den Gelähmten, um ihnen zu zeigen, dass er die Macht hat, Sünden zu vergeben. Krankheit war für die Pharisäer ein Zeichen der Sünde, und deshalb hätten sie bereit sein müssen, Jesu Botschaft von Heilung und Vergebung anzunehmen. Aber sie waren zu sehr mit ihren eigenen Plänen und mit der Verteidigung ihrer eigenen Ehre beschäftigt, dass sie Gottes liebende Barmherzigkeit hinter dieser Heilung nicht erkennen konnten. Wie oft verlangen wir von Gott ein Zeichen, dass wir seinem Plan folgen können? Und wie oft sind wir nicht für das offen, was er uns mitteilt, aus dem einfachen Grund, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, unsere eigenen Pläne durchzusetzen.

2. Der Glaube des Gelähmten. Der Gelähmte brauchte keine Zeichen. Er glaubte, dass Jesus ihm helfen kann. Sein Glaube war so stark, dass ihn keine Schwierigkeiten entmutigen konnten. Er konnte nicht gehen, also fand er Helfer, die ihn zu Jesus brachten. Als er ankam, konnte er Christus nicht erreichen, also trugen ihn seine Helfer aufs Dach hinauf. Er war entschlossen, Christus zu begegnen, weil er wusste, was Christus für ihn tun kann. Sein Glaube war so stark, dass er ihn zum Handeln veranlasste. Er hatte einen lebendigen Glauben, der weit mehr war als eine bloße Idee. Sein Glaube bewegte ihn dazu, unseren Herrn aufzusuchen, und keine Schwierigkeiten konnten ihn davon abhalten. Was tue ich, um Christus von Angesicht zu Angesicht zu begegnen? Wie bereite ich mich vor, um diese Gnade zu erlangen? Gebe ich das Gebet oder ein Apostolat bei der ersten Schwierigkeit auf?

3. Zur Ehre Gottes. Jesus hat dieses Wunder nicht für sich selbst oder für die eigene Ehre gewirkt. Er suchte immer allein Gottes Ehre. Im heutigen Evangelium erfahren wir, dass nach dem Wunder alle Gott loben. Man könnte fast meinen, dass sie Christus ganz vergessen haben. Christus war immer darum bemüht, nur das zu tun, was den Vater verherrlichen kann. Wie oft suchen wir unsere eigene Ehre, wenn wir bei einem Apostolat mitwirken oder eine Tat der Nächstenliebe tun? Wie oft hoffen wir, dass jemand uns bemerkt und sich bei uns bedankt, obwohl wir hier auf Erden sind, um das Reich Christi allein zur Ehre Gottes aufzubauen? Wir müssen immer wieder die Reinheit unserer Absicht erneuern.

Gespräch mit Christus: Herr, wie groß war doch der Glaube des Gelähmten! Er war so demütig und sein Glaube war so stark, dass nichts ihn daran hindern konnte, dich zu finden. Schenke mir ein so demütiges Herz und einen so starken Glauben, dass ich dich immer suche und mich eifrig mühe, dir in meinem Leben zu begegnen und deinen Willen zu erfüllen zu deiner Ehre und zum Wohl der anderen.

Vorsatz:  Ich will mich um die Lösung der Probleme bemühen, die mir heute begegnen werden, und ich will meine Absicht erneuern, die Pflichten dieses Tages zur Ehre Gottes zu erfüllen.


Der gute Hirte

11. Dezember 2012

Dienstag der zweiten Woche im Advent
Hl. Damasus, Papst

P. Jason Koch LC

Mt 18,12-14
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.

Einführendes Gebet:  Lieber Jesus, mein Herr und mein Gott, ich öffne mein Herz deiner unendlichen Liebe. Ich will die Eingebungen hören und ihnen antworten, die du mir an diesem Morgen geben willst. Ich glaube an dich. Ich hoffe auf dich. Ich liebe dich. Herr, du bist mein Hirte und der wahre Sinn meines Lebens.

Bitte: Jesus, du guter Hirte, schenke mir die Gnade, mein Herz deiner Barmherzigkeit zu öffnen.

1.  Nicht alle Hirten sind gleich. In der heutigen Zeit sagt das Bild eines Hirten den Menschen nicht mehr so viel wie zu Zeiten Jesu. Der Psalm 23 war wahrscheinlich ein Lieblingspsalm Jesu, denn er gebraucht das Bild des Hirten häufig: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“ Schafe vertrauen ihrem Hirten. Instinktiv wissen sie, dass der Hirte für sie sorgen wird. Christus ist unser Hirte, der uns liebt. In unserem Leben wollen Menschen oder materieller Besitz unser Glück sein und wollen uns veranlassen, ihnen zu folgen, als wären sie unser Hirte. Aber wenn eine schwere Prüfung kommt, verlassen sie uns gerade so, wie ein Mietling die Schafe verlässt, wenn der Wolf kommt. Lasst uns also unser Engagement für Christus, den guten Hirten, erneuern, da er der treue Hirte unserer Seelen ist.

2. Das verlorene Schaf wieder finden. In jeder Tierherde gibt es zumindest ein Tier, das unaufmerksam zu sein scheint und vielleicht verloren geht. Auch wir können unaufmerksam sein und uns von Christus trennen und von seinem Weg abkommen. Es ist die Sünde, die uns von Christus trennt. Wenn wir nicht aufpassen, können wir leicht von der Welt verführt werden, von dem Reiz der materiellen Güter oder von den Vergnügungen und unser Vertrauen auf sie setzen. Dennoch, wenn wir die Leere und den geistlichen Hunger spüren, der durch das Abirren von Gott, dem guten Hirten, kommt, brauchen wir uns nur zu erinnern, dass er darauf wartet, uns, seine eigensinnigen Schafe, auf seine Schultern zu heben und in die Geborgenheit seiner Herde zurückzubringen. Es ist tröstlich und ermutigend zu wissen, dass er sich danach sehnt, dass wir mit ihm versöhnt sind, so wie auch der Hirte losgeht, um das verlorene Schaf zu suchen.

3. Ein Grund zu feiern. Jeder, der Kinder hat und vorübergehend eines von ihnen „verliert“, kann die Freude nachempfinden, die Gott erlebt, wenn einer von uns wiedergefunden und mit ihm wiedervereinigt ist. Vielleicht versuchen wir, ihn in Liebe und Großzügigkeit zu übertreffen, aber das kann uns nicht gelingen. Seine Liebe übertrifft unsere gesamte Vorstellungskraft. Nehmen wir uns einen Moment Zeit, mit Gott über unsere Lebenssituation zu sprechen und uns zu entscheiden, Gott in unserem Leben wirken zu lassen. Könnte es einen besseren Weg geben, sich auf Weihnachten vorzubereiten, als ihm unser Herz zu öffnen? Christus ist da, er klopft an und bittet, in unser Inneres eintreten zu dürfen, damit er uns heilen und wieder ganz gesund machen kann. Es ist doch wunderbar, dass wir ihm schon gefallen können, wenn wir uns ihm nur zuwenden und zulassen, uns dort aufzuheben, wo wir gefallen sind, und wenn wir mit ihm wieder volle Freundschaft schließen dürfen. Gott will uns erkennen lassen, dass wir ihn dringend brauchen, er will, dass wir ihm unsere Sünden bekennen und ihn einladen, zurück in unser Herz zu kommen.

Gespräch mit Christus: Herr, ich darf dir immer wieder als dem guten Hirten begegnen, wenn ich falle. Du kommst ganz bestimmt, um mich wieder aufzurichten. Anstatt wegen meiner Sündhaftigkeit niedergeschlagen zu sein, will ich mich mehr über deine liebevolle Barmherzigkeit freuen. Ich weiß, dass du dich freust, wenn ich auf dich fest vertraue.

Vorsatz:  Jedes Mal, wenn ich heute falle, will ich sofort wieder aufstehen, weil ich auf die liebevolle Barmherzigkeit meines guten Hirten vertrauen will.


Das Joch der Liebe

12. Dezember 2012

Mittwoch der zweiten Woche im Advent

P. Walter Schu LC

Mt 11,28-30
Jesus sprach zu der Menge: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

Einführendes Gebet:  Herr, du kennst die Aufrichtigkeit meines Verlangens, diese Zeit mit dir zu verbringen. Wenn ich diese Meditation beginne, glaube ich, dass du hier bei mir bist und mich niemals verlässt. Weil ich dich liebe, besteht mein einziger Wunsch darin, dir zu gefallen. Ich hoffe auf deine grenzenlose Barmherzigkeit, die sich in deiner Menschwerdung offenbart hat. Mögen wir uns eines Tages in deinem himmlischen Reich wieder begegnen.

Bitte: Maria, die du das vollkommene Vorbild der Demut bist, hilf mir, bescheiden und demütig wie Christus, dein Sohn, zu sein, der aus Liebe zu mir ein hilfloses Kind in Bethlehem wurde.

1.  Wer ist dieser Mensch? Wer ist dieser Mensch, der in diesem Evangelium vor uns steht – der Mensch, dessen Blick in die meist verborgene Nische unserer Seele eingedrungen ist und aufgedeckt hat, was dort verborgen liegt. Ein Mensch, der erkennt, dass wir uns plagen, dass wir durch die Anforderungen des Lebens schwere Lasten tragen, dass wir durch unsere Sünden und Unzulänglichkeiten schuldbeladen sind und dass wir durch die Last unserer Leidenschaften und unerfüllten Wünsche geschwächt sind. Wer ist dieser Mensch, der sich traute, uns das zu versprechen, was wir im Innersten unseres Gewissens immer ersehnt haben, aber was wir uns bisher niemals zu erhoffen erlaubten. Wer könnte eine so einfache, einfühlsame und erstrebenswerte Einladung aussprechen, die über das hinaus geht, wofür wir uns selbst jemals würdig halten würden: „Kommt alle zu mir … ich werde euch Ruhe verschaffen“. Wer anders als Gott selbst?

2. Wie können wir zu ihm gelangen? Wie können wir eine Einladung eines Mensch-gewordenen-Gottes annehmen? Wie können wir zu Ihm kommen? Wie können wir bekommen, was sich unsere Seele alle Tage unseres Lebens ersehnt hat? Christus selbst gibt uns die Antwort: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“. Er erniedrigt sich selbst, damit er an Weihnachten zuerst zu uns kommen kann. Wenn wir uns der Krippe nähern, wo der König der Könige so hilflos liegt, können wir lernen, wie wir uns ihm in unserer Sündhaftigkeit und unserem Egoismus zuwenden können.

3. Ein Geheimnis der Demut und der Liebe. Bethlehem ist ein Geheimnis der Demut und der Liebe. Christus ist als hilfloses Kind doch so demütig? Ohne große Worte und lange Reden gibt er uns ein Beispiel, das wir mit der ganzen Intensität, zu der wir fähig sind, nachahmen sollen. Können wir uns eine andere Situation vorstellen, in der die Güte und Demut Gottes klarer erstrahlt? Vor diesem hilflosen Kind, dem Mensch gewordenen Gott, verharren wir in stillem Staunen. Der ganze eitle Ehrgeiz verblasst, aller Zorn und die bitteren Leiden sind abgemildert und alles nutzlose Streben und Trachten ist weit aus unseren Herzen verbannt. Das Joch, das uns drückte, ist zerbrochen und an seine Stelle ist das leichte und nicht drückende Joch der Liebe getreten.

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, tiefer in das Geheimnis deiner Geburt als hilfloses und unschuldiges Kind in Bethlehem einzudringen. Hilf mir, an Herzensgüte zuzunehmen, damit ich deine Güte an die Menschen meiner Umgebung ausstrahlen kann.

Vorsatz:  Heute will ich über Christus nachdenken, der sanftmütig und demütig in der Krippe zu Bethlehem liegt. Ich will seine liebevolle Demut nachahmen und mich voll Vertrauen mit meinen Anliegen an ihn wenden.


Sehnsucht nach dem Himmel

13. Dezember 2012

Donnerstag der zweiten Woche im Advent
Hl. Luzia, Märtyrerin

P. Walter Schu LC

Mt 11,11-15
Jesus sagte zu der Menge: Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. Seit den Tagen Johannes' des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich. Denn bis hin zu Johannes haben alle Propheten und das Gesetz über diese Dinge geweissagt. Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Ja, er ist Elija, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube, dass du hier bei mir bist, während ich demütig vor dir kniee, um dich zu ehren und zu preisen. Ich sehne mich nach der Belohnung, die du denen versprochen hast, die dich mit ungeteiltem Herzen lieben. Mein Herz ist unruhig, bis es ruht in dir.

Bitte: Herr, hilf mir bei meinem Streben nach der unbeschreiblichen Freude des Himmels.

1.  Keiner ist größer als Johannes. Christus spricht voller Bewunderung über Johannes: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“. Und Christus offenbart, warum: er ist der letzte der Propheten und derjenige, der das Zeitalter der Gesetze und der Propheten zu einem Abschluss bringt. Aber er ist sogar noch mehr. Er ist Elija, derjenige, der vor dem verheißenen Messias gesandt war, um ihm den Weg zu bereiten. Doch dann kommt eine unerwartete Wende: „Doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er“. Wecken die Worte Christi in unseren Herzen nicht eine brennende Sehnsucht nach dem Himmel? Was sonst könnte in unserem Leben von Bedeutung sein als dort hinzugelangen, wo der Kleinste von uns größer sein wird als der Größte dieser Welt?

2. Sehnsucht nach dem Himmel. Wie sehr sehnen wir uns wirklich danach, unser letztes Ziel zu erreichen? Müssen wir nicht bekennen, dass wir oft zu Gott sprechen: „Herr, bitte lass mich in den Himmel kommen – aber noch nicht jetzt!“? Der heilige Cyprian bemerkt dazu in einer seiner Predigten: „Wie unvernünftig ist es zu beten, dass Gottes Wille geschehe, aber dann nicht unverzüglich zu gehorchen, wenn er uns aus dieser Welt ruft! Stattdessen ringen und widerstehen wir wie eigensinnige Diener, die jammernd und klagend vor den Herrn gebracht werden, ohne seinem Willen freiwillig zugestimmt zu haben, vielmehr erzwungen durch das Unvermeidliche. Und doch erwarten wir, von jenem den Lohn des Himmels zu erlangen, zu dem wir gegen unseren Willen kommen!“

3. Dem Himmelreich wird Gewalt angetan. Eine wahre Sehnsucht nach dem Himmel ist nötig, weil es nicht leicht ist, dorthin zu gelangen. Christus beteuert: „Dem Himmelreich wird Gewalt angetan“. Was meint unser Herr mit dieser rätselhaften Aussage? Sicherlich beabsichtigt er nicht, seinem eigenen neuen Gebot der Liebe zu widersprechen. Das „Gewalt antun“, von dem Christus spricht, betrifft ausschließlich das Verhalten uns selbst gegenüber. Um heilig zu werden, müssen wir den Spuren des heiligen Johannes des Täufers folgen und gegen unsere schlechten Neigungen kämpfen. Bin ich bereit, auf Dinge zu verzichten, an denen ich sehr hänge? Bitte ich den Herrn um Demut? „Dass andere mehr geliebt werden als ich? Dass andere beruflich womöglich eine Stelle bekommen und ich vergessen werde? Dass andere in jeder Hinsicht mir gegenüber bevorzugt werden? Herr Jesus, mach das zu meinem Gebet“ (Litanei der Demut).

Gespräch mit Christus: Herr, du zeigst mir, dass der Himmel nicht für die Lauen und Gleichgültigen da ist, sondern für diejenigen, die mutig ihre Leidenschaften beherrschen und nur für dich und andere Seelen leben. Hilf mir, in Starkmut zu wachsen, um so den Himmel zu gewinnen.

Vorsatz:  Wenn ich heute etwas Schmerzliches oder Schwieriges erlebe, will ich diese Unannehmlichkeiten Gott aufopfern, auch wenn ich weiß, dass sie nichts sind im Vergleich zum Lohn des Himmels, der mich erwartet.


Die Augen des Glaubens

14. Dezember 2012

Freitag der zweiten Woche im Advent
Hl. Johannes vom Kreuz, Kirchenlehrer

P. Jason Koch LC

Mt 11,16-19
Jesus sagte zu der Menge: Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz sitzen und anderen Kindern zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte Hochzeitslieder gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.

Einführendes Gebet:  Jesus, unser Herr, danke für diesen neuen Tag und die Gnaden, mit denen du mich segnen willst. Ich glaube an dich und deine Liebe zu mir. Ich möchte dir meine Liebe zeigen, indem ich mich auf das Wichtigste während dieser Gebetszeit konzentriere: dich und deinen heiligen Wille zu erfüllen.

Bitte: Jesus, unser Herr, hilf mir, deine Taten und die Taten anderer mit den Augen des Glaubens zu sehen.

1.  Die Augen des Glaubens. Gott kommt jeden Tag auf verschiedene Weisen zu uns. Manchmal offenbart er uns seine Güte, wenn er uns erlaubt, Erfolg im Leben zu haben. Ein andermal erlaubt er Prüfungen in unserem Leben, damit wir uns mehr an ihm festhalten. Die rechte Antwort auf Gottes beständiges Wirken in unserem Leben können wir erst dann geben, wenn wir fähig sind, dieses Handeln auch wirklich zu erkennen. Wir brauchen die Augen des Glaubens. Wir müssen die „innere Sehkraft“ des Glaubens und Vertrauens auf Gott üben und schärfen, dann können wir in größerem Frieden leben und erkennen ein klares Ziel vor Augen.

2. Weltliche Denkweise. Jesus wirft der Menge vor, dass sie ihn nach innerweltlichen Maßstäben beurteilt. Die „Menge“ ist in ihrer Haltung gefangen und verurteilt ihn allzu vorschnell. Sie klagt Jesus an, von einem Dämon besessen zu sein, ein Trinker zu sein, und anderes mehr. Wie leicht gehen auch wir in der Haltung der „Menge“ auf und es passiert uns, dass wir andere verurteilen und sie nur aufgrund äußerer Dinge akzeptieren oder ablehnen? Wie sieht unsere innere Haltung anderen gegenüber aus? Herr, hilf mir, nicht nach innerweltlichen Maßstäben zu urteilen, sondern alle Menschen anzunehmen und so zu lieben, wie du sie liebst, und das Urteilen dir zu überlassen.

3. Die Weisheit hat durch ihre Taten recht bekommen. Obwohl er von vielen abgelehnt und schroff verurteilt wurde, tat Jesus weiterhin Gutes. Das will er mit den Worten sagen: „Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.“ Auf die gleiche Art lehrte er auch, dass man einen Baum an seinen Früchten erkennen könne. Weil wir wissen, wie leicht es ist, andere falsch zu beurteilen, dürfen wir uns nicht darüber Sorgen machen, was andere über uns sagen oder denken könnten. Vielmehr müssen wir wie Jesus stets das Gute tun. Gute Taten sprechen für sich selbst, auch wenn es dauern kann, bis andere das merken oder anerkennen. Wenn wir so – durch diese guten Taten - seine Botschaft verbreiten, können wir sicher sein, dass Gott uns segnet und dass er bewirkt, dass unsere guten Taten auch Früchte hervorbringen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich danke dir, dass ich diese Zeit mit dir im Gebet verbringen durfte. Möge mich diese Zeit zu einem größeren Glauben an dich führen, damit ich die Sendung, die du mir anvertraut hast, gut ausführen kann. Es ist immer eine große Hilfe, meine Taten, die Taten anderer und deine Taten im Licht deiner Liebe und deines guten Willens zu überdenken. Ich glaube, dass du alles, was in meinem Leben geschieht, zulässt, damit daraus etwas Größeres werden kann. Herr, lass meinen Glauben immer größer werden.

Vorsatz:  Ich werde mich bemühen, das Gute in den Taten der anderen zu erkennen und nicht auf ihre vermeintlichen Fehler zu schielen.


Bethlehem und das Kreuz

15. Dezember 2012

Samstag der zweiten Woche im Advent
Hl. Christiane

P. Walter Schu LC

Mt 17,9a10-13
Während sie den Berg hinabstiegen, fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elija kommen? Er gab zur Antwort: Ja, Elija kommt, und er wird alles wiederherstellen. Ich sage euch aber: Elija ist schon gekommen, doch sie haben ihn nicht erkannt, sondern mit ihm gemacht, was sie wollten. Ebenso wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.

Einführendes Gebet:  Herr, deine Jünger versuchten aufrichtig, dich besser kennenzulernen und an dich zu glauben. Ich stehe heute vor dir mit meinen Zweifeln und Problemen. Doch habe ich auch Hoffnung, in diesem Gebet eine Antwort auf mein tiefstes Verlangen zu finden. Ich möchte, dass mein Glaube unerschütterlich ist, und ich möchte dich mit aufrichtigem Herzen lieben. Im Gebet wird mir voller Dankbarkeit alles bewusst, was ich von dir bekommen habe.

Bitte: Maria, hilf mir, Gottes Willen so anzunehmen, wie du den Plan Gottes für unsere Erlösung angenommen hast.

1.  Johannes der Täufer als Elija. Noch einmal erwähnt das Evangelium Johannes den Täufer als den, der dazu berufen ist, uns auf den Einen vorzubereiten, der kommen soll. Durch den Propheten Maleachi war die Erwartung der Juden auf die Rückkehr Elijas gewachsen, der den Weg für den versprochenen Messias bereiten würde. Aber sie erwarteten einen Mann mit viel Macht, der andere durch seine schiere Gewalt beeindruckt. So konnten sie Elija in der Person Johannes des Täufers nicht erkennen, dessen einzige Macht aus Gottes Geist herrührt, um alle Menschen zur Bekehrung der Herzen aufzurufen, damit sie Christus empfangen. Wie oft misslingt es mir, die Gegenwart Christi in meinem Leben zu erkennen, weil ich etwas anderes suche als das, was Christus verspricht? Christus bietet keinen Weg der Bequemlichkeit an.

2. Bethlehem und das Kreuz. Warum wurde Christus ein hilfloses Baby in Bethlehem? Warum nahm er einen gebrechlichen menschlichen Körper an? Weil er so das Menschsein in der Weise verwandeln konnte, um uns zu erlösen. Was bedeutet das für unser Leben als Christen? Es bedeutet, dass wir auch die vermeintlich negativen Seiten und die Gebrechen des Menschseins durch die Menschwerdung Christi mit anderen Augen sehen können, sie gleichsam geadelt, geheiligt sind. Es ist die sanfte Liebkosung des Vaters, wenn er uns nach dem Bild seines Sohnes formt. Und dazu gehört auch die Botschaft vom Kreuz. Das Kreuz kann so zu einer Quelle unserer Fruchtbarkeit werden, nicht nur im Hinblick auf unser persönliches geistliches Wachsen, sondern auch hinsichtlich des Auftrags, Gnaden für andere zu gewinnen, für alle jene Seelen, die Gott in seiner Vorsehung unserer Sorge anvertraut hat.

3. Gehorsam bis zum Tod. Der Wunsch Christi, das Leiden anzunehmen, entsprang seinem Gehorsam aus Liebe gegenüber dem Plan seines Vaters. Dieser Gehorsam aus Liebe gibt dem Leiden seinen erlösenden Wert. Vom Augenblick seiner Geburt in Bethlehem an zeigt uns Christus, was es bedeutet, aus Liebe zu gehorchen. Bethlehem ist eine Schule des Gehorsams. Christus lehrt uns, dass nur ein Gehorsam aus Liebe befreien, erlösen, heiligen und reich machen kann. Nur der Gehorsam aus Liebe rettet und befreit uns von der Sünde, und nur der Gehorsam aus Liebe gefällt Gott. Wir wollen also das Kreuz des Gehorsams annehmen in den Herausforderungen unseres täglichen Lebens, in den Prüfungen, die wir in unserem Leben durchmachen, und in der Trauer, die wir empfinden, wenn Gott einen lieben Angehörigen zu sich ruft. Der Gehorsam aus Liebe ist der Weg zur Heiligkeit, der Weg zum Haus des Vaters.

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir, dass du mir bereits in Bethlehem den annehmenden und liebenden Gehorsam als den Weg zeigst, den auch ich gehen kann. Es ist für mich wie ein Motto, unter das ich dein ganzes Leben und insbesondere deinen Erlösertod am Kreuz betrachten kann. Hilf mir, die eigenen Gebrechen und auch Leiden, die auf mich zukommen, so wie du anzunehmen, denn durch Kreuz und Leid willst du mich heilig machen und lässt mich Gnaden für die Seelen gewinnen.

Vorsatz:  Ich will mich bemühen, mir Gottes Gegenwart hier und heute bewusst zu machen. Außerdem will ich mich bemühen, das Leid und die Prüfungen, die er zulässt, bereitwillig anzunehmen. Gott kann dadurch Größeres bewirken.