Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 11.März. 2012 bis Samstag 17. März 2012

Dritte Woche in der Fastenzeit

P. Daniel Polzer LC

Lebendiges WasserSonntag
Zuhause abgewiesenMontag
Von Herzen vergebenDienstag
Etwas einhalten oder aufhebenMittwoch
Jesus oder SatanDonnerstag
Diskussion mit den SchriftgelehrtenFreitag
In den Abgrund unserer UnwürdigkeitSamstag


Lebendiges Wasser

11. März 2012

Dritter Sonntag in der Fastenzeit

Joh 4,5-42
So kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her! Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus). Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du? oder: Was redest du mit ihr? Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen. Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät, und ein anderer erntet. Ich habe euch gesandt, zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit. Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube, dass du in meinem Leben gegenwärtig bist. Ich glaube, dass du mein Schöpfer bist und dass du mich zu jeder Zeit in deinen Händen hältst. Ich hoffe auf dich, weil ich weiß, dass du mich erschaffen hast und das Beste für mich willst. Ich weiß, dass du mir das lebendige Wasser geben willst, dass du der samaritischen Frau versprochen hast. Ich bin derjenige, der dir Hindernisse in den Weg stellt. Mein Mangel an Glauben, meine Hingezogenheit zu weltlichen Dingen, mein Egoismus und meine Eitelkeit stehen mir im Weg, wenn ich deine Gaben empfangen will. Ich komme heute im Gebet mit einem demütigen und zerknirschten Herz zu dir. Du kennst mein Elend und weißt, wie sehr ich deine Gnade brauche. Nimm heute mein Gebet als ein Zeichen meiner Sehnsucht nach dir an, die Hindernisse auszuräumen, die zwischen uns stehen.

Bitte: Herr, hilf mir, mich an dich, der Quelle des ewigen Lebens, zu wenden, damit du meinen Durst stillst.

1.  Zum Brunnen gehen. Die samaritische Frau kommt zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, wie sie es schon oft getan hat. Wenn das Wasser ausgeht und sie Durst bekommt, muss sie wieder zum Brunnen zurückgehen. Das Wasser, das sie aus dem Brunnen schöpft, hat nur für eine kurze Zeit die Kraft ihren Durst zu stillen. Wir können genau wie diese Frau durchs Leben gehen und nach den kleinen Dingen im Leben suchen, die unseren Durst stillen – vielleicht Vergnügen, Neuigkeiten, ein interessanter Beruf oder eine Freundschaft. All diese Dinge stellen uns zufrieden, aber die Zufriedenstellung ist begrenzt, und wir müssen immer wieder zu ihnen zurückkehren. Woran wenden wir uns, um unseren Durst nach Glück und Erfüllung zu stillen? Bedenken wir, wie begrenzt diese Erfüllung ist, und wie oft wir zurückgehen müssen, um unseren Durst zu stillen.

2. Das lebendige Wasser.  Die samaritische Frau kommt, um Wasser zu schöpfen, aber dieses Mal ist dort ein jüdischer Mann am Brunnen, der sie um etwas zu trinken bittet. Sie ist verblüfft über diese Bitte, weil die Juden nicht mit den Samaritern verkehren. Ein Jude würde einen Samariter nie darum bitten, etwas zu trinken zu bekommen, weil nach jüdischem Gesetz die Eimer, die die Samariter benutzen, unrein waren. Trotz ihres anfänglichen Schocks ist sie bereit mit ihm zu reden, und sie ist verwirrt, als er ihr lebendiges Wasser anbietet. Es ist schnell klar, dass er über etwas viel Größeres als Brunnenwasser spricht. Er spricht über das Leben der Gnade - das lebenspendende Wasser, das er allen Menschen geben möchte. Er teilt dieses Leben der Gnade mit uns im Überfluss – so sehr, dass wir, wenn wir seine lebenspendende Gnade annehmen, nicht länger unwichtigere Befriedigungen brauchen.

3. Wir müssen um dieses Wasser bitten. Christus sagt zu der Frau: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Die Frau weiß nicht, dass sie zur wahren Quelle des Lebens und der Gnade spricht. Wenn sie nur gewusst hätte, dass sie mit Christus gesprochen hätte, hätte sie um das lebendige Wasser gebeten, dass Christus uns anzubieten hat. Ohne Zweifel sind wir Christus oft im Gebet oder in der Eucharistie nahe, ohne ihn zu erkennen. Wir sind wie diese samaritische Frau – nicht wissend, dass wir mit Christus sprechen. Nur wenn wir uns wirklich bewusst sind, wie nahe Christus ist und der große Schatz, den er uns anbietet, können wir ihn um das lebendige Wasser seiner Gnade bitten und im Gebet mit ihm sprechen.

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, ich möchte über das Gewöhnliche hinaussehen und die Wahrhaftigkeit dessen, was du mir anbietest, erfassen. Du starbst am Kreuz, damit ich Anteil erhalte am lebendigen Wasser, das aus deiner Seite floss. Gib mir deine Gnade des lebendigen Wassers, und lehre mich nur danach zu dürsten.

Vorsatz:  Ich werde Christus in kurzen Bittrufen während des Tages bitten, mir das lebendige Wasser seiner Gnade zu geben.


Zuhause abgewiesen

12. März 2012

Montag der dritten Woche in der Fastenzeit

Lk 4,24-30
Jesus sagte zu den Leuten in der Synagoge von Nazareth: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, in dieser Zeit der Vorbereitung auf Ostern wende ich mich im Gebet an dich. Ich glaube, dass du mein Schöpfer bist und dass du mich geschaffen hast, um dich zu kennen, zu lieben und dir zu dienen. Ich glaube, dass du mir hilfst, meine Lebensaufgabe zu erfüllen; darum bist du auf die Erde gekommen und hast gelitten und bist gestorben. Ich widme dir dieses Gebet als kleines Zeichen meiner Dankbarkeit und Sehnsucht, für dich zu leben. Ich weiß, dass ich es immer wieder zulasse, dass sich Dinge zwischen uns schieben. Bei diesem Gebet will ich dir meine ganze Aufmerksamkeit schenken, damit du – und nicht mein Egoismus oder meine Leidenschaften – die Entscheidungen meines Lebens bestimmen.

Bitte: Herr, hilf mir, in Demut deinen Willen für mein Leben anzunehmen.

1.  Keine besonderen Privilegien. Die Leute aus Nazareth empören sich über Jesus, weil er sie darauf hinweist, dass Gott im Lauf der Geschichte seine Gunst den Heiden erwies und nicht nur den Juden. Sie sind empört, weil sie sich ganz auf ihr jüdisches Erbe und die Verheißungen, welche Gott den Patriarchen geschenkt hatte, verlassen haben. Weil sie Juden sind, meinen sie, dass Gott sie gegenüber den Heiden bevorzugen müsse. Auch wir können diesen Fehler begehen. Wir meinen vielleicht, weil wir einer bestimmten Organisation angehören oder weil wir eine bestimmte Stellung haben, müsse Gott uns mehr beachten und uns besondere Privilegien geben. Ist das nicht oft die Ursache für unseren Unwillen? Wir regen uns auf, wenn wir nicht bevorzugt behandelt werden. Wir meinen, dass wir mehr verdienen. Besteht vielleicht sogar die Gefahr, dass diese Entrüstung so groß in uns wird, dass wir uns von Christus trennen wollen?

2. Gottes Segen suchen. Warum sandte Gott Elija zu der Witwe in Sarepta und Elischa zum Syrer Naaman? Wohl nicht so sehr, weil sie menschlich betrachtet wichtige oder auch religiös hervorstechende Menschen waren. Gott erwählte sie, weil sie ihn aufnahmen und in ihrem Herzen annahmen. Die Witwe in Sarepta beeilte sich voll Freude, Elija etwas Wasser zu holen, als er sie darum bat und gab ihm bereitwillig das letzte Essen, das sie besaß. Naaman bereute seine Entrüstung und ging sich im Jordan baden, wie Elischa ihm befohlen hatte. Gott gibt seine Gaben denen, die ihn aufnehmen und von Herzen annehmen.

3. Bereitwillig Christus annehmen. Den Leuten aus Nazareth ist Christus vielleicht zu vertraut. Sie können nicht erkennen, wer er wirklich ist. Sie empören sich über seine Worte und darum nehmen sie ihn nicht an. Nehme ich Christus in meinem Leben an? Vielleicht ist er mir zu vertraut. Ich meine, dass ich weiß, wer er ist. Vielleicht bin ich nicht bereit, seine Lehren anzunehmen. Vielleicht stört es mich, dass er andere mehr gesegnet hat als mich. Die Leute aus Nazareth wollten Jesus von einer Klippe stürzen, aber es gelang ihnen nicht. Ihr Angriff war umsonst. Christus ging einfach weg. Man kann Christus nicht loswerden. Vielleicht gibt es in meinem Leben Zeiten, wo ich Christus loswerden möchte, aber ich kann ihn niemals auslöschen. Er ist immer da und wartet darauf, dass ich ihn annehme.

Gespräch mit Christus: Herr, bitte hilf mir, damit mir nicht meine Vorstellung darüber, wie die Dinge sein sollten, die Sicht auf dein wahres Wesen verdunkelt. Reinige mich bei meiner Vorbereitung auf Ostern von allem Egoismus, aller Sinnlichkeit, Eitelkeit und Stolz, damit ich deine Liebe mit offenem Herzen annehmen kann.

Vorsatz:  Ich will während des Tages einen Augenblick suchen, wo ich Christi Lehre in mein Leben freudig aufnehmen kann


Von Herzen vergeben

13. März 2012

Dienstag der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Leander

Mt 18,21-35
Da trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, in dieser Zeit der Vorbereitung auf Ostern wende ich mich im Gebet an dich. Du warst barmherzig mit mir. Oft hast du mir meine große Schuld vergeben. Ich vertraue auf deine barmherzige Liebe und möchte deine Liebe auch anderen treu weitergeben. Herr, ich bin bereit, von deinem barmherzigen Herzen zu lernen.

Bitte: Herr, hilf mir, deine Barmherzigkeit zu erkennen.

1.  Unbezahlbare Schulden. Petrus fragt Jesus, wie oft er seinem Bruder vergeben solle. Jesus gibt eine kurze Antwort und erzählt ein Gleichnis zum besseren Verständnis. Im Gleichnis ist Gott der König, und wir alle sind die Diener, welche dem König eine Unmenge Geld schulden. Wir alle stehen bei Gott in großer Schuld. Er hat uns erschaffen, er erhält uns am Leben und gibt uns alle Gaben, Talente und Tugenden, die wir haben. Wir verdanken Gott alles. Er schuldet uns nichts. Spiegeln meine täglichen Gedanken und Handlungen diese Wahrheit wider?

2. Ein König, der vergibt. Der Diener, der nicht zahlen kann, fällt auf seine Knie und bittet um mehr Zeit, damit er die Schulden zurückzahlen kann. Der König bietet ihm mehr an als nur Zeit – er erlässt ihm alle Schuld. Gott ist großzügig. Wenn wir uns ihm zuwenden und ihn um Vergebung bitten, schenkt er uns mehr, als wir jemals erhoffen könnten – er vergibt uns alle Schuld. Wir könnten nun fragen, warum der König dann darauf besteht, dass dieser Diener die ganze Schuld bezahlen muss. Warum vergibt er die Schuld nicht sofort, und gibt stattdessen den Befehl, den Diener zusammen mit seiner Frau und den Kindern zu verkaufen? Er zieht den Diener zur Rechenschaft, damit dieser erkennt, wie viel er schuldet und so begreift, dass er Gott im Umgang mit seinen Kollegen nachahmen soll. Gott will nicht, dass wir für unsere Sünden bestraft werden. Er will uns die große Schuld, die wir ihm schulden, vergeben, aber er verlangt Rechenschaft für unsere Sünden, weil er hofft, dass wir dadurch begreifen, wie viel wir von ihm empfangen haben und wie viel wir ihm schulden, damit wir um seine Vergebung bitten können.

3. Ungleiche Behandlung und Missbrauch der Freiheit. Nachdem ihm vergeben worden war, behandelt der Diener seinen Kollegen, der ihm Geld schuldet, nicht auf dieselbe barmherzige Weise. Er wirft ihn ins Gefängnis. Er hatte das Recht dazu. Dem Recht nach schuldete ihm sein Kollege Geld; weil er ihm aber nicht vergibt, missbraucht er die Freiheit, die ihm eben erst gegeben worden war. Er hält nicht inne und erinnert sich daran, dass er in diesem Augenblick dem Recht nach ein Sklave wäre, verkauft zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern, um für seine Schuld zu bezahlen. Es fällt ihm nicht ein, dass er seinem Kollegen nur deshalb begegnen kann, weil der König zuerst mit ihm Mitleid hatte und ihm die Freiheit gegeben hatte. Die Verstöße, die wir von unseren Mitmenschen erleiden, sind wirkliche Verstöße, aber bevor wir Gerechtigkeit fordern, sollten wir innehalten und daran denken, dass wir nur deshalb frei sind und Wiedergutmachung von unseren Mitmenschen verlangen können, weil Gott uns zuerst unsere Sünden vergeben hat. Diese Überlegung muss uns dazu führen, unseren Mitmenschen dasselbe Erbarmen zu schenken, das wir von Gott empfangen haben.

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir für diese Zeit des Gebets. Ich habe erkannt, wie barmherzig du mit mir warst und dass du mir meine große Schuld vor dir vergeben hast. Ich danke dir, dass du mir schon so oft eine zweite Chance gegeben hast. Hilf mir in dieser Fastenzeit mit denen barmherzig zu sein, die mir gegenüber in irgendeiner Weise schuldig geworden sind.

Vorsatz:  Ich will an jemanden denken, der mich verletzt hat und Gott bitten, dass er mir hilft, ihm zu vergeben.


Etwas einhalten oder aufheben

14. März 2012

Mittwoch der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Mathilde

P. Daniel Polzer LC

Mt 5,17-19
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Einführendes Gebet:  Herr, ich möchte dir in dieser Fastenzeit ganz nahe sein. Ich weiß, dass ich dein Geschöpf bin und dass ich dir Lob und Preis schulde. Ich will alles zu deiner Ehre tun, indem ich deine Lehren befolge. Ich brauche deine Hilfe, um die Wahrheit deiner Lehren deutlich zu erkennen und dich dafür zu lieben. Hier bin ich, Herr, und sehne mich allein nach dir. Ich weiß, dass du mich nicht mit leeren Händen wegschicken wirst.

Bitte: Herr, lehre mich, was es heißt, das Gesetz zu erfüllen.

1.  Die Fülle des Gesetzes. Es gibt zwei Wege, das Gesetz zu erfüllen: indem wir alles tun, was dieses verlangt, oder indem wir das ergänzen, was noch fehlt. Jesus ergänzt das Gesetz des Alten Testaments mit dem neuen Gesetz der Liebe. Es ist das der Neue Bund, der bedeutet, einander zu lieben, wie er uns geliebt hat. Jesus erfüllt das Gesetz nicht nur, indem er jede einzelne Vorschrift einhält, sondern indem er aufzeigt, worin der Sinn und Zweck dieser Vorschriften besteht: Gott über alles zu lieben. Wenn wir also das Gesetz der Liebe erfüllen, erfüllen wir das ganze Gesetz.

2. Im neuen Gesetz ist alles enthalten. Das Gesetz der Liebe reicht bis an die Enden der Erde. Es gibt nichts Geschaffenes im Universum, das außerhalb dieses Gesetzes der Liebe ist, das Jesus uns durch seine Menschwerdung gelehrt hat. Es gibt kein Wesen, nicht einmal das Kleinste, das nicht in die Forderungen dieses Gesetzes eingeschlossen ist. Wenn Jesus das Bild vom „kleinsten Buchstaben“ gebraucht, will er uns die Lückenlosigkeit dieses Gesetzes zeigen. Die Liebe und ihre Forderungen reichen bis zu den entferntesten Enden des Universums, zu den kleinsten Geschöpfen und zum Ende der Zeit. Kann man in meinem Herzen und in meinen Handlungen die Überzeugung erkennen, dass das Gesetz der Liebe von mir verlangt, alle Menschen zu lieben, nicht nur meine Familie, Freunde und jene, die mir wohlgesonnen sind?

3. Nach Vollkommenheit streben. Die Gebote des alten Gesetzes, wie sie in den Zehn Geboten ausgedrückt werden (z.B. „Du sollst nicht töten“; „Du sollst nicht die Ehe brechen“; usw.) sind schwerwiegende Übertretungen, aber leicht zu definieren, weil sie sich auf externe Handlungen beziehen. Christi Gebote (z.B. keinen Ärger zu zeigen; in seinem Herzen zu begehren; unseren Feinden zu vergeben; usw.) sind innerlich formuliert und aus diesem Grund auch schwerer einzuhalten. Einen Menschen, der diese Gebote mit der rechten Einstellung und auf besonnene und hingebungsvolle Weise lebt, kann man zu Recht groß nennen. Wer die Liebe als Beweggrund seines Handelns hat, gewinnt nicht nur den Himmel, sondern erlangt dort einen größeren Anteil an Gottes Glück und Herrlichkeit.

Gespräch mit Christus: Herr, ich danke dir für diese Zeit des Gebets. Hilf mir, mich nicht nur mit den minimalsten Forderungen meines Glaubens zufrieden zu geben. Hilf mir, mich nicht damit zufrieden zu geben, schwere Sünden zu vermeiden. Hilf mir, das Gesetz der Nächstenliebe ganz zu leben. Herr gewähre mir die Gnade, dass diese Fastenzeit eine Zeit sei, in der ich in der Liebe wachse.

Vorsatz:  Wenn ich die Kirchengebote einhalte, will ich darüber nachdenken, wie sie sich in das größere Gesetz der Liebe einfügen.


Jesus oder Satan

15. März 2012

Donnerstag der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Klemens Maria Hofbauer, Apostel von Wien

Lk 11,14-23
Jesus trieb einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beelzebub, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden und ein Haus ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebub austreibe. Wenn ich die Dämonen durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen. Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, in dieser Zeit der Vorbereitung auf Ostern wende ich mich im Gebet an dich. Ich möchte dich mit den Augen des Glaubens sehen. Ich möchte die Erlösung, die du mir zu schenken gekommen bist, mit einem demütigen Herzen aufnehmen und annehmen. Jetzt, in dieser Zeit des Gebets, möchte ich dir alles anvertrauen, damit deine Liebe und Wahrheit mein Leben lenken.

Bitte: Herr, hilf mir deine Wahrhaftigkeit mit einem geradlinigen Glauben anzunehmen.

1.  Alles zur Ehre Gottes. Als Christus dieses einfache Wunder wirkt, sind die Leute erstaunt. Sie sind erstaunt darüber, was Christus getan hat, aber sicherlich waren sie auch erstaunt über das, was der Stumme sagte. Wir wissen nicht, was er sagte, aber es ist wahrscheinlich, dass es Worte waren, die Gott in Dankbarkeit für sein Wunder ehrten. Die Freiheit, die Christus durch das Lösen der Zunge des Stummen schenkt, besteht darin, dass die Schöpfung und das Geschöpf seinen Schöpfer loben können. Wenn Jesus den Stummen von Satan befreit – der nicht will, dass Gott verehrt wird, und der die Menschheit in den Ketten der Sünde halten will -, bewirkt er, dass Gott verehrt werden kann. Strebe ich in meinem Leben danach, Gott für die Wunder seiner Schöpfung und für alles Gute, das er für mich getan hat, zu verehren?

2. Wahrheit oder Lügen. Jesu Gegner konnten das Wunder, das er gerade vollbracht hatte, nicht bestreiten. Doch anstatt seine Macht, böse Geister auszutreiben, anzuerkennen, kamen sie mit der Anklage, dass es Beelzebub sei, der das Wunder vollbracht habe. Ihr Neid nimmt ihnen ihren gesunden Menschenverstand. Neid versucht immer einen Weg um die Wahrheit herum zu finden. Er fordert ein Zeichen oder bringt eine falsche Anklage auf. Jesus kontert die fehlgeleitete Vernunft des Neids mit einfacher direkter Logik: „Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden und ein Haus ums andere stürzt ein.“ Es kann nicht sein, dass es die Macht Beelzebubs ist, mit der er die Dämonen austreibt, weil das bedeuten würde, dass Beelzebub seine eigenen Dämonen austreiben würde. Hilft mir mein eigener Glaube zwischen Lügen, die ich höre, und der Wahrheit zu unterscheiden?

3. Jesus fordert Satans Herrschaft heraus. Der starke Mann, von dem Jesus spricht, ist der Teufel. Er hat die Menschheit seit Adams und Evas Fall unter Kontrolle. Er musste sich bislang um nichts Sorgen machen, weil er der starke Mann war, der seinen Preis der gefallenen menschlichen Natur in alle Richtungen verteidigen konnte. Aber Jesus ist stärker, und er ist gekommen, um den Teufel anzugreifen und von ihm zurückzugewinnen, was er genommen hat. Er nimmt seine Waffen des Bösen, des Hasses, der Wut, der Lust und des Egoismus weg. Er erlöst die Menschheit von den Fesseln des Bösen. Kann ich wirklich sagen, dass ich mein ganzes Vertrauen, meinen Glauben auf Gott setze, und dass er wirklich das Gute hervorbringt trotz der natürlichen Übel oder der schlechten Absichten und Handlungen anderer, eingeschlossen die des Teufels selbst?

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir deine Wunder in meinem Leben anzunehmen, damit mein Leben dir in meinen Gedanken, Worten und Werken Ehre verleiht. Lass mich nicht blind für die Macht deiner Liebe in der Welt sein. Ich weiß, dass du stärker als Satan bist. Ich möchte in deinem Lager sein. Ich möchte durch die Allmacht deiner Liebe von den Fesseln der Sünde befreit werden.

Vorsatz:  Wenn ich einer Versuchung gegenüberstehe, werde ich mir ins Bewusstsein rufen, dass Jesus stärker ist als der Satan und mir die Kraft geben kann, der Versuchung zu widerstehen.


Diskussion mit Schriftgelehrten

16. März 2012

Freitag der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Heribert von Köln, Erzbischof

Mt 12,28-34
Einer der Schriftgelehrten kam zu Jesus und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Einführendes Gebet:  Herr, während ich mich in dieser Fastenzeit darauf vorbereite, das große Geheimnis deiner Auferstehung zu feiern, komme ich im Gebet zu dir, damit du mich formen und leiten kannst. Ich sehne mich danach, dass die Sündhaftigkeit meines Lebens verbrannt wird, damit ich dich mit einem reinen und reuevollen Herz verherrlichen kann. Du kennst meine Sünden. Du kennst meinen Stolz und mein Verhaftetsein in Äußerlichkeiten. Ich halte dir heute mein Gebet als kleinen Liebesbeweis hin. Meine Hoffnung besteht darin, dass du mich lehrst, von meinem geringen Anfang des Liebens hin zu einer Liebe mit einem großmütigen Herzen zu gelangen.

Bitte: Herr, lehre mich, dich mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all meinen Gedanken und all meiner Kraft zu lieben

1.  Eine korrekte Hierarchie der Gesetze. Die Frage nach dem ersten Gebot wurde von den Schriftgelehrten und Pharisäern viel diskutiert. Der Mensch hat die Sehnsucht, zu wissen, was an erster Stelle steht und was an zweiter: die Fähigkeit, die Dinge zu ordnen. Wir fühlen uns oft hingezogen zu dem Versprechen dieses oder jenes Gurus, der uns das eine Geheimnis geben soll, das uns glücklich, gesund oder erfolgreich im Beruf machen wird. So will auch unsere natürliche Neugierde wissen, was das erste Gebot ist, was wir vor allem befolgen müssen. Wir möchten sagen: „Sag mir schlicht und einfach, was ich tun muss, und ich werde es tun.“ Hier legt uns Jesus schlicht und einfach dar, wie wir unser Leben führen müssen: Gott lieben mit allem, was wir sind, und unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Findet sein Gebot in meinem Herzen und meinen Taten Widerhall?

2. Liebe geht über Formalitäten hinaus. Der Schriftgelehrte kommentiert, dass diese Gebote größer sind als alle Brandopfer und anderen Opfer. Ein Opfer oder Brandopfer ohne Liebe ist leer. Allein die Liebe zu Gott und unseren Nächsten gibt unseren Opfern, Prüfungen und guten Werken ihren Wert. Die Liebe ist das Herzstück unserer Vollkommenheit, und wenn wir uns an dieses größte der Gebote halten – Gott mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben – werden alle geringeren Dinge im Leben auf ihren Platz verwiesen. Bezeugt mein Leben diese Hierarchie der Werte? Kommt wirklich das zuerst, was zuerst kommen sollte? Haben die zweit- und drittrangigen Dinge wirklich den richtigen Platz? Wenn nicht, was muss ich tun oder zustande bringen, um die richtige Ordnung herzustellen?

3. Sehnsucht nach der Erfahrung der Liebe Gottes. Jesus beglückwünscht den Schriftgelehrten zu seiner Verständigkeit und sagt ihm, dass er nicht weit vom Reich Gottes entfernt ist. Das gibt uns Gelegenheit, uns selbst zu fragen: „Wie weit bin ich vom Reich Gottes entfernt?” Das Wissen dieses Schriftgelehrten war nicht bloß Lehrwissen, denn wir erlangen das Reich Gottes nicht dadurch, dass wir eine gewisse Anzahl an Wahrheiten kennen. Es war vielmehr ein verinnerlichtes Kennen der Liebe – das praktische Wissen, wie man sein Herz, seine Seele, seinen Verstand und seine Kraft Gott übergibt. Besteht meine größte Priorität darin, dem Reich Gottes näher zu kommen? Was muss ich tun, um auf den richtigen Weg zu kommen oder dort zu bleiben? Habe ich unseren Herrn, demütig, vertrauensvoll und voll Eifer um die Gnade seiner Hilfe gebeten?

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, dein Gebot der Liebe präsent zu halten und es mit all meiner Kraft zu leben. Ich möchte meinen Glauben nicht mit einer bloß verstandesmäßigen Kenntnis deiner Gebote leben; ich möchte ihn mit einer tiefen innerlichen Kenntnis leben, die Früchte wahrer Heiligkeit hervorbringt.

Vorsatz:  Vor jeder Aktivität dieses Tages werde ich innehalten und mich fragen, wie ich sie mit Liebe füllen kann.


In den Abgrund unserer Unwürdigkeit

17. März 2012

Samstag der dritten Woche in der Fastenzeit
Hl. Gertrud

Lk 18,9-14
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich. Ich glaube, dass du mich erschaffen und von der Sünde befreit hast. Ich glaube, dass alles, was gut ist in meinem Leben, von dir kommt: meine Existenz, mein Glauben, meine Erziehung, und die Tugenden, die ich habe. Ich komme heute im Gebet zu dir, um mein Leben vor dich zu bringen. Ich weiß, dass du die Quelle alles Guten in mir bist. So oft überlege ich, ob ich wirklich weiß, wie man betet. Ich überlege, wie fruchtbar mein Gebet ist. Angesichts meines Elends biete ich dir das Eine an, das ich wirklich habe: meine Demut vor deiner majestätischen Größe.

Bitte: Herr, hilf mir, demütig zu sein, wenn ich mich dir im Gebet nähere.

1.  Parallele Monologe, keine Konversation. Der Pharisäer ging in den Tempel, um zu beten. Wir können annehmen, dass es seine Absicht war, mit Gott zu reden. Als er hier im Tempel stand, glaubte er zu beten: Er war am richtigen Ort, er wandte sich in die richtige Richtung, er schien das Richtige zu tun. Aber sein Gebet war verzerrt. Tatsächlich war es gar kein Gebet; es war ein selbstgerechtes Gespräch. Wenn ein Freund ihn am nächsten Tag gefragt hätte, ob er seine Gebete gesprochen hätte, hätte er „Ja“ gesagt. Ist mein eigenes Gebet manchmal ein falsches Gebet wie das des Pharisäers? Meine ich, dass ich bete, weil ich alle richtigen Dinge tue, aber in Wirklichkeit gar nicht bete, sondern mich nur selbst rechtfertige?

2. Ein Minimum an Offenbarung genügt nicht. Der arme Pharisäer wird in diesem Gleichnis als der „Bösewicht“ dargestellt. Aber in Wahrheit ist er nach außen keine böse Person. Er begeht keine schweren Sünden. Er ist ehrlich, seiner Ehefrau treu, großzügig beim Geben. Aber sein Stolz blendet ihn, sodass er keine tiefere Beziehung mit Gott erlangen kann. Er lebt seine Religion minimalistisch, indem er keine schweren Sünden begeht. Sein Gebet ist unfruchtbar. Ich muss mich selbst erforschen, um sicherzustellen, dass ich nicht dasselbe tue: zu denken, dass ich das Richtige tue, aber in Wahrheit nicht wirklich Gott suche, sondern mich selbst und so meinen Glauben nicht lebe.

3. Demut: Ein grundlegendes Element für das Gebet. Der Zöllner ist gerechtfertigt, nicht weil er alle richtigen Dinge getan hat, sondern weil er die Demut hat, seine eigene Sündhaftigkeit zu erkennen. Vielleicht hörte er, was der Pharisäer sagte, und es veranlasste ihn noch mehr, um Gottes Gnade zu bitten. Eines der wichtigsten Merkmale unseres Gebets ist, dass es demütig sein muss. Wenn wir beten, müssen wir uns Gott nähern, indem wir unsere Sünden und unsere Schwachheit erkennen und die Tatsache, dass wir von ihm all das Gute, was wir haben, empfangen haben. Dies ist es, was unser Gebet fruchtbar macht. Gott liebt ein demütiges, reuevolles Herz.

Gespräch mit Christus: Lieber Herr, gib mir ein demütiges und reuevolles Herz. Du kennst mein Elend. Ich gebe dir das Elend meiner Sündhaftigkeit, damit du es reinigen kannst und damit machen kannst, was du willst. Ich möchte im Leben nicht nur die großen Sünden vermeiden. Ich möchte eine tiefe und innige Beziehung zu dir haben, die auf einer wirklichen Demut gründet.

Vorsatz:  Ich werde zu Beginn jedes Gebetes einen Akt der Demut üben.