Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 23. Oktober 2011 bis Samstag 29. Oktober 2011

Dreißigste Woche im Jahreskreis

P. Paul Campbell LC, P. James Swanson LC, P. Steven Reilly LC

Gott an erste Stelle setzenSonntag
Jesus fordert meine Bequemlichkeit herausMontag
Das Himmelreich durchdringt und bereichert alles, was es berührtDienstag
Durch das enge TorMittwoch
Gott will uns an sich ziehenDonnerstag
Heilige Simon und Judas Thaddäus: treu zum HerrnFreitag
Freund, rück weiter hinaufSamstag


Gott an erste Stelle setzen

23. Oktober 2011

Dreißigster Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionssonntag

P. Paul Campbell LC

Mt 22,34-40
Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Glauben, der dich nie auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe darauf, dass ich lerne, deinen Willen zu akzeptieren und zu befolgen, auch wenn ich aus meiner Perspektive keinen Sinn erkenne. Lass meine Liebe zu dir und zu den Menschen um mich herum der Liebe ähnlich werden, die du mir gezeigt hast.

Bitte: Herr, gib mir die Kraft dich an die erste Stelle zu setzen, alles andere ist zweitrangig.

1.  Gott an die erste Stelle setzen. Jesus gibt auf die Frage, welches Gebot das wichtigste sei, eine zweifache Antwort. Er bezieht sich zunächst auf Deuteronomium 6,15: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben...“ Dies war den Juden bekannt, weil sie diese Stelle im Gebet (das „Höre Israel“ betet der fromme Jude jeden Tag) mehrmals am Tag wiederholten und es auf ihre Türpfosten schrieben. Für uns ist es wie für die Juden wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, dass Gott an die erste Stelle in unserem Leben gesetzt werden muss. Wir schulden ihm alles. Alles, was wir haben, ist ein Geschenk von ihm. Zu oft stellen wir Gott zurück und ignorieren ihn, bis ein passender Moment kommt oder es unserer Laune passt. Gott an die erste Stelle zu setzen bedeutet, den besten Teil unseres Tages für das Gebet zu ihm zu reservieren und zu versuchen, seinen Willen aus Liebe zu ihm in jedem Moment zu erfüllen.

2. Sich auf andere konzentrieren. Jesus bezieht sich dann auf das Gebot, das in Levitikus 19,18 steht: „Du sollst deinen Nächsten lieben...“ Er verbindet beide Gebote auf eine solche Weise, dass man nicht das eine ohne das andere erfüllen kann. Man kann Gott nicht lieben, ohne andere Menschen zu lieben, die nach seinem Bild geschaffen sind. Auch kann Nächstenliebe nicht ohne eine reine und reinigende Liebe zu Gott existieren. Die Liebe zum Nächsten fordert von uns, andere vor uns zu stellen. Selbstliebe und Selbstbezogenheit führen nur in die Einsamkeit und Isolation. Sich auf andere zu konzentrieren ist der Schlüssel zu unserem Glück und unserer Erfüllung. Andere zu lieben bedeutet ihre guten Werte zu suchen, ihnen aus Liebe zum Herrn zu dienen. Wir müssen aus uns selbst herauskommen und hinter die engstirnigen Interessen unseres Egoismus und unserer Selbstliebe blicken. Je authentischer wir lieben, umso erfüllter wird unser Leben werden.

3. Für die beten, die uns Böses tun. Es ist nicht leicht aus egoistischen Verhaltensweisen auszubrechen. Aufgrund der Sünde haben wir die Neigung, unser Eigeninteresse auf ungeordnete Weise zu überhöhen. Das ist nicht gut. Wir müssen um die Kraft der Gnade bitten, unsere Herzen zu reinigen und uns die innere Stärke zu geben andere vor uns selbst zu stellen. Gott ist bereit uns diese Gnade zu geben, aber er möchte, dass wir ihn darum bitten. Schwierige Umstände und Beziehungen müssen wir mit Gebet und Opfern bewältigen. Wir müssen sogar für die beten, die uns Böses tun und Gott bitten, uns die Gnade und Stärke zu geben sie zu lieben, wie Gott sie liebt. „Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht“ (Röm 12,14).

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, dich an die erste Stelle in meinem Leben zu stellen. So oft stelle ich fest, dass ich andere Dinge dir vorziehe. Ich finde Zeit für die Dinge, die ich tun will, aber ich finde wenig Zeit für das Gebet. Ich finde Zeit, um mit meinen Freunden zu sprechen, aber wenig Zeit, um mit dir zu sprechen. Ich brauche deine Stärke, um dich zu lieben. Hilf mir andere zu sehen und zu lieben, wie du es tust.

Vorsatz:  Ich werde heute für jemanden beten, der mir lästig ist, und versuchen, sein Wohl vor meines zu stellen.


Jesus fordert meine Bequemlichkeit heraus

24. Oktober 2011

Montag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Antonius Maria Claret, Bischof & Ordensgründer

P. James Swanson LC

Lk 13,10-17
Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Glauben, der dich nie auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe darauf, dass ich lerne, deinen Willen zu akzeptieren und zu befolgen, auch wenn ich aus meiner Perspektive keinen Sinn darin erkenne. Lass meine Liebe zu dir und zu den Menschen um mich herum der Liebe ähnlich werden, die du mir gezeigt hast.

Bitte: Herr, bewahre mich vor Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit.

1.  Die Kennzeichen des Messias. Jesu Gegner waren verzweifelt. Sie wollten nicht glauben, dass er der Messias sei und sie wollten vor allem nicht, dass andere ihn für den Messias hielten. Da war aber das offensichtliche Problem seiner Wunder. Sie wussten, dass Gott seine Botschafter durch Wunder bestätigte, damit die Menschen ihnen glaubten. Diese Wunder waren der Beweis, dass die Person (in diesem Fall Jesus) von Gott gesandt wurde. Jesus tat sehr viele Wunder, und für viele Leute waren sie der Beweis, dass er von Gott gesandt worden war. Was konnten seine Gegner tun? Sie konnten nur versuchen, seine Wunder auf jede nur mögliche Weise zu diskreditieren.

2. Am Sabbat kann man viel mehr tun, als wir glauben. Dieses Wunder geschah am Sabbat. Der Synagogenvorsteher war damit nicht einverstanden. Hat Gott nicht am siebten Tag geruht? Sollten nicht auch wir dasselbe tun? Wie kann dieser Jesus am Sabbat heilen, wenn er wirklich von Gott kommt? In Wirklichkeit gab es am Sabbat viele Ausnahmen von der Regel. An einer anderen Stelle sagt Jesus selbst, dass der Sabbat für den Menschen da ist und nicht der Mensch für den Sabbat (Mk 2,27). Gewiss, die Beachtung des Sabbatgebots war immer der Übung der Nächstenliebe unterstellt. Es war immer erlaubt, die Sabbatruhe zu brechen, um einem Menschen in Not zu helfen. Jesus erwähnt auch Situationen, bei denen aus praktischen Gründen Arbeiten (z.B. notwendige Arbeiten auf einem Bauernhof, wie das Füttern der Tiere) verrichtet werden konnten, ohne die Sabbatruhe dadurch zu brechen. Es gilt also, die Extreme zu meiden: durch zu große Ängstlichkeit die Nächstenliebe vernachlässigen oder notwendige Arbeiten unterlassen, um Zeit beim Herrn zu verbringen.

3. Herr, lass mir meine Mittelmäßigkeit. Der Synagogenvorsteher will nicht glauben, weil das, was Jesus sagt und tut, ihm bedrohlich erscheint. Wenn Jesus der Messias ist, bedeutet das für ihn, dass er sein Leben ändern muss, aber das will er nicht. Das ist ihm so vielleicht nicht bewusst, aber das ist der springende Punkt. Auch wir können so sein. Wir wollen etwas, das Jesus uns durch die Kirche lehrt, nicht annehmen, weil das bedeuten würde, dass wir unser Leben ändern müssten, und genau das wollen wir nicht. Wir sind zufrieden mit uns. Manchmal ist schlicht die Furcht vor dem Neuen im Spiel. Jesus bietet uns etwas an, das wir nicht kennen, aber wir wollen es nicht. Wir wollen in unserem Schneckenhäuschen bleiben. Brechen wir also unseren begrenzten Horizont auf und haben wir keine Angst vor dem Unbekannten.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, hilf mir, dich ganz anzunehmen. Wenn ich dich und deine Lehre zurückweise, ohne es zu merken, dann zeig es mir. Hilf mir, den Versuch, mir mein eigenes kleines Universum zu schaffen, wo ich Gott bin, zu überwinden. Erneuere mich, Herr, und hilf mir, mich nicht in mich selbst zu verschließen, denn dadurch schließe ich dich aus.

Vorsatz:  Wo gibt es Dinge in meinem geistlichen Leben, die zur reinen Routine geworden sind? Unterlasse ich aus Bequemlichkeit manch wichtiges Gebet, weil ich mir sage, dass das nicht so wichtig ist? Ich will mich heute besonders anstrengen, diese Gebete zu sprechen. Gibt es sonst noch einen Aspekt in meinem geistlichen oder sittlichen Leben, den ich entfernt habe, damit das Leben für mich bequemer wird? Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um es von neuem wieder zu leben!


Das Himmelreich durchdringt und bereichert alles, was es berührt

25. Oktober 2011

Dienstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 13,18-21
Jesus sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Glauben, der dich nie auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe darauf, dass ich lerne, deinen Willen zu akzeptieren und zu befolgen, auch wenn ich aus meiner Perspektive keinen Sinn erkenne. Lass meine Liebe zu dir und zu den Menschen um mich herum der Liebe ähnlich werden, die du mir gezeigt hast.

Bitte: Herr, hilf mir, die unsichtbare Kraft des Himmelreiches zu verstehen: wie aus dem Kleinen und Schwachen plötzlich Starkes und Bereicherndes entsteht.

1.  Das Reich Gottes beginnt im Kleinen. Jesus erzählt uns zwei Gleichnisse, die uns das Himmelreich begreifen helfen. Was sollen wir darüber wissen? Wenn er vom Senfkorn spricht, betont er, dass aus etwas scheinbar Unwichtigem etwas von großer Wichtigkeit werden kann. Obwohl das Senfkorn so klein, ja fast unsichtbar ist, wächst es zu einem kleinen Baum, auf dem die Vögel nisten können. Seine Nützlichkeit geht weit über die eigenen Bedürfnisse hinaus. Es schützt und hilft anderen.

2. Man muss keine Ahnung von Biologie haben, um Bäcker zu sein. Im Gleichnis vom Sauerteig verhält es sich ähnlich. Der Sauerteig hat eine geheimnisvolle Eigenschaft. Obwohl er nichts Besonderes zu sein scheint, eine kleine Menge, so bewirkt er doch, wenn er unter den Teig gemischt wird, dass dieser aufgeht. Die Juden, die Jesus zuhörten, konnten das nicht erklären. Sie wussten nicht, dass der Sauerteig Hefepilze enthält, die unter geeigneten Bedingungen wie Wärme, Feuchtigkeit und Nährstoffen, zu wachsen beginnen und Kohlendioxid produzieren (welches den Teig aufgehen läßt). Für sie war diese Kraft des Sauerteigs, die den Teig aufgehen ließ, geheimnisvoll. Und doch wussten sie, dass schon eine kleine Menge davon einen riesigen Teig verwandeln kann, so dass das Brot, das daraus gebacken wird, nicht bloß ungesäuertes Brot wird, sondern ein leichtes, luftiges Brot, das viel schmackhafter zu essen war. Auf ähnliche Weise verwandelt die Gnade die gewöhnlichen Taten unseres Alltags, indem es sie in Gottes Augen viel schöner macht.

3. Die Kirche verwandelt die Gesellschaft. Beide Gleichnisse beziehen sich auf das Himmelreich. Als Jesus vom Senfkorn sprach, hatte er nur wenige Apostel bei sich, die seine Botschaft nur schwer begriffen. Das Himmelreich war so klein, ja unsichtbar, wie das Senfkorn. Und doch ist es dazu bestimmt, unglaublich groß zu werden, und es würde der ganzen Menschheit helfen, nicht nur jenen, die zu ihm gehörten. Als er vom Sauerteig sprach, bezog er sich nicht nur auf das Wachstum des Himmelreichs im Laufe der Jahrhunderte, sondern auch auf die Verwandlung, die es in den Gesellschaften, in die es eindringt, bewirken würde. Wir sehen das in unserer heutigen Welt. Die Kirche ist nicht nur gewachsen, sondern sie hat vielen, die noch nicht in der Kirche sind, einen Sinn von menschlicher Würde und Solidarität verliehen. Die Apostel taten sich schwer, das anzunehmen, weil sie noch nicht sehen konnten, welch große Wirkung das Reich Jesu in der Welt haben würde. Wir können diese große Wirkung in der Gesellschaft sehen, und doch zweifeln und zögern wir immer noch.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, ich habe so viel von deinem Reich gesehen, dass ich ohne zu zögern glauben sollte, und doch zweifle ich manchmal an seinem endgültigen Triumph. Hilf mir, fester zu glauben, und nicht nur zu glauben, was du gesagt hast, sondern auch mitzuhelfen, dein Reich in meiner Gesellschaft und Kultur auszubreiten.

Vorsatz:  Ich will optimistischer sein im Hinblick auf die Stellung der Kirche in der Gesellschaft und erkennen, wie viel Gutes sie in unserer Gesellschaft schon bewirkt hat – Liebe zu den Armen, Liebe zu den Feinden, und so weiter. Ich weiß, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird, denn wie oft schon hat Gott alles zum Besten gewendet, als alles für die Kirche schlecht aussah. Hat Johannes Paul II. nicht vorausgesagt, dass wir gerade dabei sind, in ein neues Zeitalter der Evangelisation einzutreten?


Durch das enge Tor

26. Oktober 2011

Mittwoch der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 13,22-30
Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, schenke mir Aufrichtigkeit, Demut und Ehrlichkeit, um durch das enge Tor zu gelangen.

1.  Eine Frage, die beunruhigt. Das ist eine Frage, die beunruhigen kann: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Jesus gibt keine direkte Antwort; stattdessen gibt er einen Rat. Es hat fast den Anschein, als ob er der Frage ausweicht, als ob die Antwort nur entmutigen würde. Er will aber Mut machen, gleichzeitig betont er aber die Schwierigkeit, Erfolg zu haben. „Bemüht euch mit allen Kräften“, sagt er, „durch das enge Tor zu gelangen.“ „Bemüht euch mit allen Kräften“ ist der Schlüsselsatz, denn das Tor ist eng und es erfordert größte Anstrengung, hindurchzugelangen.

2. Eine beunruhigende Antwort. Diese Worte – dass viele hindurch gelangen wollen, es aber nicht schaffen – sind beunruhigend. Heutzutage sind wir es gewohnt, genaue Statistiken zu besitzen. Jesus sagt es nicht direkt, wir gewinnen aber den Eindruck, als ob es nur wenige sein würden. Die Möglichkeit des Scheiterns ist sehr real. Wer wird scheitern? Vielleicht jene Menschen, die alle andere Dinge mehr lieben als Jesus? Die Kirche unterstreicht die Wichtigkeit, unsere Herzen allein mit Gott zu füllen. Das ist das Ziel eines asketischen Lebens.

3. Wie stark ist mein Glaube wirklich? Jesus fährt fort, indem er sagt, dass viele, die meinen, genug zu tun, überrascht sein werden, wenn sie erkennen, dass sie zu wenig getan haben. Sie meinen, dass sie gute Christen sind, sie werden aber erfahren müssen, dass sie es nicht sind. Sie werden Jesus sagen, dass sie mit ihm gegessen und getrunken haben, und dass sie jeden Sonntag die Kommunion empfangen haben. Sie werden sagen, dass sie ihn oft in ihren Straßen predigen hörten und dass sie viel Geld gespendet haben, aber das wird nicht genug sein. Ja sogar andere, die scheinbar in ihrem Leben nicht so gut waren, werden vor ihnen in Gottes Reich kommen. In welcher Gruppe werde ich mich befinden? Jesus warnt mich. Ich muss ihm so aufrichtig und ehrlich wie möglich folgen und seinen Willen tun, nicht meinen eigenen. Am Ende meines Lebens werde ich allein die Liebe, die ich Gott und meinem Nächsten erwiesen habe, mit in die Ewigkeit nehmen.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, deine Worte beunruhigen mich. Ich sehe, wie oft ich fehle bei dem, was ich für dich tun sollte. Ich sehe, dass ich mit meiner Kraft allein das nicht erfüllen kann. Sende mir deinen Heiligen Geist, damit er mir hilft zu erkennen, wo ich deinen Erwartungen nicht entspreche, bevor es zu spät ist. Hilf mir, durch das enge Tor zu gelangen.

Vorsatz:  Heute will ich mein Gewissen aufrichtig erforschen, um zu sehen, ob ich in irgendeinem Bereich meines Lebens „Nein“ zu Jesus sage oder ob ich es mir in meinem Leben zu bequem mache. Bequemlichkeit, besonders im geistlichen Leben, ist ein Zeichen dafür, dass ich mich nicht „mit allen Kräften bemühe, durch das enge Tor zu gelangen.“


Gott will uns an sich ziehen

27. Oktober 2011

Donnerstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 13,31-35
Zu dieser Zeit kamen einige Pharisäer zu Jesus und sagten: Geh weg, verlass dieses Gebiet, denn Herodes will dich töten. Er antwortete ihnen: Geht und sagt diesem Fuchs: Ich treibe Dämonen aus und heile Kranke, heute und morgen, und am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden. Doch heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiterwandern; denn ein Prophet darf nirgendwo anders als in Jerusalem umkommen. Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt. Darum wird euer Haus von Gott verlassen. Ich sage euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, in der ihr ruft: Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Glauben, der dich nie auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe darauf, dass ich lerne, deinen Willen zu akzeptieren und zu befolgen, auch wenn es aus meiner Perspektive keinen Sinn macht. Lass meine Liebe zu dir und zu den Menschen um mich herum der Liebe ähnlich werden, die du mir gezeigt hast.

Bitte: Herr, ich möchte von deiner persönlichen Liebe zu mir überzeugt sein.

1.  In der Sendung standhaft bleiben. Jesus begegnet auf seiner Reise nach Jerusalem Widerstand. Pharisäer kommen, um ihn vor Herodes zu warnen. Jesus lässt sich nicht verunsichern. Er weiß, dass der Wille des Vaters für ihn darin besteht, nach Jerusalem zu gehen und sein Leben am Kreuz hinzugeben. Er versteckt sich nicht oder versucht, dem Willen des Vaters zu entkommen. Er weiß, dass das Kreuz vor ihm liegt, aber er weiß auch, dass der Tod und das Kreuz nicht das Ende sind. Jenseits des Todes ist die Auferstehung: „Am dritten Tag werde ich mein Werk vollenden.“ Christi Beispiel sollte uns Zuversicht geben, mitten in unseren eigenen Schwierigkeiten und Kämpfen vorwärts zu schreiten. Wir sollten uns ihm zuwenden, weil er weiß, wie man in der Sendung standhaft bleibt. Und weil er in unser Leben miteinbezogen werden möchte, wird er uns auf unserem Weg begleiten. Er ist immer bei uns, bereit, uns mit seiner Gnade und der Stärke seiner Hand zu helfen.

2. Ein offenes Herz für andere. Jesus weinte um Jerusalem. Sein Herz war anderen nicht verschlossen. Er war nicht in sich selbst oder seinen eigenen Problemen gefangen. Er opferte sein Leben aus freien Stücken für andere. Andere lehnten ihn ab, er aber lehnte sie nie ab. Er war denen gegenüber, die ihn leiden ließen, nicht ablehnend. Er liebte sie, und er hörte nie auf, sie zu lieben. Wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt, so sehnt sich Gott danach, alle Frauen und Männer an sich zu ziehen. Wir müssen Gott erlauben, uns an sich zu ziehen.

3. Betet für die, die euch verfolgen. Jesus setzt ein Beispiel, dem wir folgen sollen. Unsere Herzen sollten nicht verschlossen sein. Wir müssen offen für die Nöte der anderen sein, sogar für die, die die Kirche womöglich angreifen und uns verfolgen. Jesus liebte seine Jünger. Er betete für die, die ihn verfolgten. Er segnete die, die ihn verfluchten. Er wollte nur ihr Bestes, und opferte sich selbst für sie. Er zeigt uns, wie wir ein authentisches christliches Leben führen können. Um ihm treu zu sein, müssen wir uns in Liebe sogar zu den Menschen ausstrecken, die nicht wie wir denken und handeln.

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, deinen Eingebungen immer zu folgen. Oft will ich das Gute tun, aber dann zögere ich und halte mich zurück. Hilf mir, immer von neuem zu geben, auch wenn ich müde und ausgezehrt bin. Lehre mich, dass du immer bei mir bist und dass ich nie alleine bin.

Vorsatz:  Ich werde offen für das sein, was ein Familienmitglied oder ein Arbeitskollege brauchen könnte, und ich werde versuchen, meine Hilfe anzubieten.


Heilige Simon und Judas Thaddäus: treu zum Herrn

28. Oktober 2011

Freitag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Simon, Hl. Judas Thaddäus, Apostel

P. Steven Reilly LC

Lk 6,12-16
In diesen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube, dass du mein Schöpfer und Erlöser bist. Ich hoffe auf deine Güte und dein Erbarmen. Ich liebe dich von ganzem Herzen. Ich lege diese Zeit der Betrachtung in deine Hände. Danke, Herr, dass du mir diese Gelegenheit bietest, in der Liebe zu deinem heiligen Willen zu wachsen.

Bitte: Hilf mir, Herr, wie die Apostel beharrlich zu bleiben.

1.  Unmögliche Fälle. Der heilige Judas Thaddäus ist bekannt als der Patron der unmöglichen Fälle. Er war ein Verwandter unseres Herrn und schrieb einen der Briefe des Neuen Testaments. Sein Patronat der unmöglichen Fälle meint natürlich, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Welchen unmöglichen Fall habe ich gerade? Welcher geistige Berg steht vor mir, der mir zu steil zum Hochklettern ist? Ist es tatsächlich so unmöglich, oder muss ich nur mehr vertrauen und härter arbeiten?

2. Eifer für das Reich Gottes. Der heilige Simon wurde Zelot genannt. Die Zeloten waren dafür bekannt, dass sie politisch gegen die römischen Besatzer kämpften. Wenn Simon zu dieser Gruppe gehörte, musste er sicher viel lernen, um Jesu Botschaft vom wahren, geistigen Reich Gottes zu begreifen. Die Tatsache, dass er zu den Aposteln gehört, zeigt, dass Jesus ihm zutraute, sich zu ändern. Vielleicht könnte Simon der Patron sein für die Bereitschaft, sich zu ändern – dann ergibt sein gemeinsamer Gedenktag mit dem heiligen Judas Thaddäus richtig Sinn. Sich und seine Sichtweise zu ändern, scheint manchmal wirklich ein unmöglicher Fall zu sein. Die Apostel sind aber der Beweis dafür, dass Christus mächtiger ist als unsere Schwächen, solange wir den wirklichen Wunsch haben, ihm zu folgen.

3. Stütze sein. Wenn wir an die Apostel denken, nennen wir Simon und Judas nicht als erstes. Nicht jeder muss ein Hauptdarsteller sein, um eine felsenfeste Stütze für die Kirche zu sein. Das aber waren Simon und Judas: Männer, die Christus treu waren und die Mission, die er ihnen anvertraute, beharrlich erfüllten. Wir brauchen keine Stars, wir brauchen treue Apostel.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast nicht die Besten dieser Welt zu Aposteln erwählt. Sie wurden aber etwas unendlich größeres: Heilige. Hilf mir, an die Macht deiner Gnade zu glauben, die mich verwandeln und heilig machen kann.

Vorsatz:  Ich will demütig sein und dort Stütze sein, wo ich gebraucht werde.


Freund, rück weiter hinauf

29. Oktober 2011

Samstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Sel. Maria Restituta Kafka, Ordensfrau & Märtyrerin

P. James Swanson LC

Lk 14,1,7-11
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Glauben, der dich nie auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe darauf, dass ich lerne, deinen Willen zu akzeptieren und zu befolgen, auch wenn ich aus meiner Perspektive keinen Sinn erkenne. Lass meine Liebe zu dir und zu den Menschen um mich herum der Liebe ähnlich werden, die du mir gezeigt hast.

Bitte: Herr, hilf mir, meine Selbstsucht mit Liebe zu ersetzen.

1.  Ich möchte alles über mich wissen. Früher oder später macht jeder einmal die unangenehme Erfahrung, mit jemandem zusammen zu sein, der immer nur an sich selbst denkt. Vielleicht tun wir das selbst, ohne zu merken, wie das den Menschen um uns herum missfällt. Nehmen wir einen Mann, sonst der Netteste der Welt, der ständig über sich selbst spricht. Er ist sich selbst sein Lieblingsobjekt. Wenn man ihn fragen würde, ob er mehr als andere über sich selbst spricht, würde er sagen, dass er nicht mehr als andere über sich selbst spricht. Er hat viele Tugenden und ich bin mir sicher, dass er der beliebteste Mensch wäre, wenn er seinen Hauptfehler ablegen würde. Aber er will immer an erster Stelle sein, und in unserem Herzen nimmt er so immer einen der letzten Plätze ein.

2. Wer nimmt den ersten Platz in unserem Herzen ein? Manchmal begegnen wir aber auch Menschen, die nicht sich selbst beweihräuchern. Sie scheinen nur für andere zu leben. Wir nehmen sie nicht immer wahr, wenn sie um uns herum sind, wir nehmen aber die Auswirkungen wahr. Alle sind glücklicher. Es gibt weniger Unruhe. Die Menschen scheinen weniger besorgt zu sein. Diese Leute sind wie Schmierfett für die Räder. Wenn wir Hilfe brauchen, sind sie da, ohne dass wir sie bitten müssen. Ihre Hilfe und Freundschaft sind selbstverständlich. Wir können auf sie zählen. Sie sind in der Lage, die Menschen um sie herum so zu fördern, dass alles effektiver vorangeht. Alle mögen sie. Sie sind vielleicht nicht immer die größte Persönlichkeit oder sind nicht immer die geselligsten Menschen, aber das stört niemanden. Ihre Güte ist ausstrahlend. Während sie bescheiden und unwichtig zu sein scheinen, werden sie von allen in höchsten Tönen gelobt. Ohne es zu merken, nehmen sie in den Herzen vieler einen sehr hohen Platz ein.

3. Wächst mein Ehrgeiz oder meine Liebe? Was bin ich für ein Mensch? Fördere ich nur mich selbst? Oder tue ich, was ich kann, wann immer ich kann, um anderen zu helfen und sie glücklich zu machen? Das ist der Weg zu echter Erfüllung. Außerdem sagt Jesus, dass diejenigen, die die Ersten sein wollen, die Letzten sein werden, die allen dienen müssen. Bedeutet das, dass Jesus damit sagen will, dass ich dienen muss, um den ersten Platz zu bekommen? Keineswegs. Jesus geht es nicht darum, dass wir unseren Ehrgeiz stillen können. Er sagt uns, wie wir in seinem Herzen den ersten Platz gewinnen können, ja sogar in den Herzen der anderen. Wenn wir den ersten Platz im Herzen Jesu gewinnen wollen, dann müssen wir allen anderen dienen. Mehr noch, wenn wir die Demut haben, anderen zu dienen, werden wir auch im Herzen der anderen einen hohen Platz einnehmen. Wenn wir einen niedrigen Platz einnehmen, werden sie uns immer weiter hinauf rücken.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, ich diene oft nur mir selbst und meinem Ehrgeiz, du aber willst, dass ich den Wunsch habe, anderen zu dienen. Hilf mir mehr auf das zu achten, was wirklich zählt – zu lieben – als auf weltliche Ehrenpreise, die nur meine Selbstsucht befriedigen wollen.

Vorsatz:  Heute will ich jemandem einen Dienst erweisen – wenn möglich, ohne dass er oder sie das merkt. Das sind die Taten, die am tiefsten die Liebe zum Ausdruck bringen. Denken wir daran, dass immer dann, wenn wir für unser Tun etwas bekommen wollen, und sei es auch nur Dank, das nicht mehr Liebe ist, sondern Geschäft.