Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. August 2011 bis Samstag 3. September 2011

Zweiundzwanzigste Woche im Jahreskreis

P. Andrew Mulcahey LC, P. Matthew Green, P. Richard Gill LC, Matthew Reinhardt

Der Weg der Reinigung, Erleuchtung und VereinigungSonntag
Zeugen der WahrheitMontag
Christus zuhause in KapharnaumDienstag
Erlöste Menschen, berufen zum DienenMittwoch
Der große SteuermannDonnerstag
Erneuert werdenFreitag
Das Herz aller DingeSamstag


Der Weg der Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung

28. August 2011

Zweiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Matthew Reinhardt

Mt 16,21-27
Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.

Einführendes Gebet:  Gott, Herr, aus Staub bin ich gebildet, zum Staub kehr ich zurück. Aber du bist von Ewigkeit her, und alles Geschaffene wird von dir ins Dasein gerufen. Du hast mich im Schoß meiner Mutter mit unendlicher Liebe geformt und du wachst voll Güte über mir. Ich hoffe fest darauf, dass du bei meinem Tod meine Seele heim in den Himmel holst, um für immer bei dir zu sein. Ich danke dir, dass du dich um mich kümmerst und mich mit deiner Liebe segnest. Nimm als Dank meine Liebe entgegen. Ich schenke dir in Demut alles, was ich bin.

Bitte: Herr, hilf mir, heilig zu werden, indem ich mich selbst verleugne, mein Kreuz auf mich nehme und dir folge.

1.  Der Weg der Reinigung. Christus legt im heutigen Evangelium drei Wege zur christlichen Vollkommenheit dar: „Wenn einer mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Der erste Schritt der Selbstverleugnung wird von manchen Theologen als der „Weg der Reinigung“ beschrieben. Haben Sie schon einmal festgestellt, dass eine Zeit der Reinigung notwendig ist, um voranzuschreiten? Fußballmannschaften müssen bei der Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft zweimal am Tag hart trainieren. Auch die Kirche bietet uns mit der Advents- und Fastenzeit eine Zeit der Reinigung an, bei der wir uns reinigen können, bevor wir die großen Geheimnisse unseres Glaubens feiern. Dasselbe kann über unser Streben nach Heiligkeit gesagt werden; wir müssen auf vielerlei Weise gereinigt werden. Wesentlich dabei ist, dass wir die Sünde hassen und sie mit all unserer Kraft zu vermeiden suchen, indem wir gegen die Versuchung ankämpfen. Unsere Gefühle und Leidenschaften, unser Gedächtnis und unsere Phantasie müssen sich unserem Glauben, Verstand und Willen unterordnen. Wenn wir das Gebetsleben ernst nehmen wollen, müssen wir kämpfen und ausdauernd sein.

2. Der Weg der Erleuchtung. Ein zweiter Schritt im geistlichen Leben kann in dem Satz zusammengefasst werden: „und nehme sein Kreuz auf sich.“ Eine Seele, die diesen Schritt getan hat, hat ein gewisses Maß an Selbstkontrolle über ihre Leidenschaften erlangt, sie vermeidet jede schwere Sünde und ist tief von den Wahrheiten unseres Glaubens überzeugt. Ihre Aufgabe besteht nun darin, im Guten voranzuschreiten, besonders in den Werken der Nächstenliebe. Sie strebt danach, Christus in seinen Tugenden nachzuahmen und ihn zum Zentrum ihrer Gedanken, Neigungen und Handlungen zu machen. Wie glücklich und ausgeglichen wird unser Leben, wenn wir diese Stufe in unserem geistlichen Leben erreichen. Christus lädt uns ein, diese Stufe hinaufzusteigen, um tiefer mit ihm in Freundschaft verbunden zu werden; wir müssen dazu nur „Ja“ sagen, hart an uns arbeiten und auf Gottes Gnade vertrauen.

3. Der Weg der Vereinigung. Der dritte Schritt im geistlichen Leben, der Weg der Vereinigung, kann mit Christi Worten beschrieben werden: „Folge mir nach.“ Wenn wir unseren Körper und unsere Seele gereinigt haben und fest in den Tugenden verwurzelt sind, sind wir bereit, unter die engsten Nachfolger Christi, die Heiligen, gezählt zu werden! Mit diesem Schritt sind wir frei von den geschaffenen Dingen, und unser Hauptaugenmerk richtet sich auf den Schöpfer, der in unseren Herzen wohnt. Die Liebe zu Gott wird zur treibenden Kraft in unserem Leben und wir können mit unserem Herrn sagen: „Ich tue immer das, was ihm gefällt“ (Joh 8,29). Tiefe Vereinigung mit Gott im Gebet, der Gnade nie ein Hindernis in den Weg legen, und die vollkommene Beherrschung unserer selbst befähigen uns, Kreuze und Schwierigkeiten mit großer Freude anzunehmen. Viele Seelen haben diesen Zustand des Himmels auf Erden erreicht: Johannes Paul II., Mutter Teresa und so viele unbekannte Väter und Mütter, Studenten und Schüler, Geschäftsleute und Hausfrauen, die den Ruf Christi ernst genommen haben und ihm vor allem anderen nachgefolgt sind. „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich bitte dich um den Mut, deinem Ruf zur Heiligkeit weiterhin zu folgen. Hilf mir zu erkennen, wie und wo ich dir ähnlicher werden soll und gib mir die Kraft, der Heilige zu werden, dessen Weg du mir zeigen willst. Mutter Maria, ich vertraue dir mein geistliches Leben an. Führe mich so, wie du deinen Sohn geführt hast.

Vorsatz:  Ich will heute jemanden zur Sonntagsmesse einladen.


Zeugen der Wahrheit

29. August 2011

Montag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Enthauptung Johannes‘ des Täufers

P. Richard Gill LC

Mk 6,17-29
Herodes hatte Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an deine wunderbar strahlende Herrlichkeit, auch wenn sie meinen Augen noch verborgen ist. Ich hoffe auf den Frieden und die niemals endende Freude der kommenden Welt, denn diese Welt ist ein Tal der Tränen. Ich liebe dich, auch wenn ich nicht immer in der Lage bin, die Liebe in deinem göttlichen Plan zu erkennen, wenn du es zulässt, dass ich leide. Du bist mein Herr und mein Gott.

Bitte: Herr, hilf mir, keine Angst vor den Konsequenzen zu haben, wenn ich die Wahrheit spreche.

1.  Die Wahrheit auch Mächtigen gegenüber bekennen. Obwohl Herodes ein grausamer Tyrann war, zögerte Johannes nicht, sein ehebrecherisches Verhalten und seine Sünde öffentlich zu verurteilen. Johannes wurde vom Heiligen Geist bewegt, Zeugnis zu geben und die Menschen zu lehren, dass niemand Gottes Gebote legitim verletzen darf, auch nicht ein König. Johannes fürchtete nicht die Konsequenzen seines Handelns, weil er wusste, dass Gott ihm beistehen und ihn niemals verlassen würde, wenn er treu bleibt, auch wenn er für die Wahrheit leiden müsste. Auch wir sollen mutige Zeugen sein: vor unserer Familie, unseren Freunden und der Gesellschaft im Ganzen. Wenn wir das tun, wird Gott uns beistehen und wir werden nichts zu fürchten haben.

2. Die in Liebe gesprochene Wahrheit kann Herzen bewegen. Der Evangelist Markus erzählt uns, dass Herodes, obwohl er Johannes den Vorwurf des Ehebruchs übel nahm, ihm gerne zuhörte und dadurch unruhig und ratlos wurde. Weil er moralisch schwach war, änderte er sein Leben nicht, und doch drangen die Rufe des Propheten nach Reue in sein Gewissen. Herodes wusste nicht, was er tun sollte; etwas rührte sein Gewissen an; der Heilige Geist wollte sein Inneres zur Reue über seine Sünden bewegen. Gott verlässt die Sünder nicht, er gibt ihnen die Gnade zur Umkehr. Wir dürfen also nie die Hoffnung für jemanden verlieren, der verloren scheint und in Sünde lebt. Wir sollen nie aufhören, die Wahrheit in Liebe zu sprechen und für seine Umkehr zu beten. Gott kann selbst das Herz des schlimmsten Sünders wandeln. Er hat uns so viel vergeben, er kann auch anderen ebenso vergeben.

3. Die Sünde kann Gottes Gnade auslöschen. Im Evangelium hören wir, wie Herodes durch sein unkluges Versprechen, das er der Tochter der Herodias gemacht hat, sich daran gebunden fühlte und aus Angst, sein Gesicht zu verlieren, den Befehl gab, Johannes zu enthaupten. Seine moralische Schwäche war stärker als das beginnende Wirken der Gnade zur Umkehr. Aufgrund seiner Sinneslust und seiner Eitelkeit verschloss er sein Herz dem Wirken von Gottes Gnade und ließ einen unschuldigen Menschen umbringen. Die Sünde kann das Gewissen verdunkeln und Gottes Gnade im Herzen eines Menschen auslöschen, der allein seine Leidenschaften befriedigen will.

Gespräch mit Christus: Herr, ich will deinen Lehren treu bleiben und denen, die ich liebe, dein Wort offen sagen, wenn sie es hören sollen. Ich weiß, dass hier Klugheit, Mut und Standfestigkeit notwendig sind. Hilf mir, dir immer treu zu bleiben. Gib mir die Gnade eines reinen Gewissens und hilf mir, immer die Wahrheit mit Geradheit und aus Liebe zu deinem Gesetz zu sagen.

Vorsatz:  Ich werde um die Gnade bitten, die Wahrheit zu bezeugen, ob das nun gefällt oder nicht, und egal, was für Konsequenzen das mit sich bringt.


Christus zuhause in Kapharnaum

30. August 2011

Dienstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Heribert von Köln, Bischof

P. Andrew Mulcahey LC

Lk 4,31-37
Jesus ging hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte die Menschen am Sabbat. Sie waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er redete mit göttlicher Vollmacht. In der Synagoge saß ein Mann, der von einem Dämon, einem unreinen Geist, besessen war. Der begann laut zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der Dämon warf den Mann mitten in der Synagoge zu Boden und verließ ihn, ohne ihn jedoch zu verletzen. Da waren alle erstaunt und erschrocken, und einer fragte den andern: Was ist das für ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen. Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Einführendes Gebet:  Herr, du hast auf mich mit Wohlwollen geschaut. Du hast in meiner Seele fruchtbaren Boden gesehen und dort dein Wort in Erwartung einer reichen Ernte eingepflanzt. Ich hoffe, dich niemals zu enttäuschen, indem ich dir keinen Glauben schenke. Ich will von ganzem Herzen, dass du mich als deinen Jünger zur Fülle meiner Berufung führst.

Bitte: Jesus Christus, möge mein Eifer, in der Freundschaft mit dir immer mehr zu wachsen, so groß werden, dass ich alle Sünden aus meinem Leben wegräume.

1.  Hohe Erwartungen. Jesus hatte große Pläne für Kafarnaum – eine große Stadt, am See gelegen, am „Weg zum Meer“, eine Hauptverkehrsstraße für Reisende. Sie war ein idealer Knotenpunkt, das Evangelium zu verbreiten. Würde jemand aus einer so großen Stadt ein Interesse an seiner Botschaft haben? Christus ließ sich dort nieder. Der größere Teil seines öffentlichen Auftretens fand in Kafarnaum statt und er beschenkte die Stadt mit mehr als einem Drittel all seiner Wunder. Sie war völlig anders als Nazareth. Christus erwartet von uns, dass wir unser Kafarnaum finden – indem wir nach dieser Nische suchen, solche Begabungen nutzen und einer solchen Zuhörerschaft das Evangelium predigen – wo wir die tüchtigsten Apostel für ihn werden können. Das mag eine größere Liebe von uns erfordern, aber wir können sehen, wie Christus diese Bemühung mit seiner Gegenwart, seinem Geist und seiner heilenden Kraft segnet.

2. Einfacher Glaube. Christus heilte in Kafarnaum einen Mann an einem Sabbat und niemand äußert Kritik. In Jerusalem wird er das Gegenteil erfahren. Die Menschen hier haben einen einfachen Glauben und machen sich weniger Gedanken über oberflächliche Rechtgläubigkeiten. „Hier kann ich predigen. Hier kann ich heilen. Hier kann ich wirken!“ Christus fühlt sich zuhause und willkommen. Hier findet er Berufungen: Petrus, Andreas, Jakob, Johannes und Matthäus. Hier findet Christus Glauben sogar unter den Heiden: der römische Hauptmann, der um eine Heilung bittet. Man kann bei Christus eine gewisse Vorliebe für diese Stadt spüren. Von jenen, denen mehr gegeben wurde, wird mehr erwartet.

3. Ein Aufruf zu mehr Großzügigkeit. Sobald eine Seele großzügig antwortet, zeigt Christus ihr bei passender Gelegenheit die Fülle ihrer Berufung. Ermutigt durch den Glauben in Kafarnaum erwartet Christus mehr; gerade so, wie er den reichen jungen Mann forderte. Welcher Ort hätte für Christus, wie wir später im Evangelium sehen werden, geeigneter sein können, als das vom Glauben erfüllte Kafarnaum, um der Welt eine seiner schwierigsten Botschaften mitzuteilen, nämlich die, sich selbst als das lebendige Brot zu bezeugen, das vom Himmel herabgekommen ist? Nach dieser Botschaft verlässt ihn die große Mehrheit. „Wollt auch ihr weggehen?“ fragt Christus seine Jünger. Bis auf den heutigen Tag bezeugen die Ruinen von Kafarnaum die Wahrheit der Warnung, die Christus ausgekündigt hat: „Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute. Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir“ (Mt 11,23-24).

Gespräch mit Christus: Herr, du kennst mich ganz und gar. Lass mich nicht blind werden durch die Überheblichkeit meiner eigenen Meinung und meiner Ideen. Hilf mir, dass ich dich immer vor Augen habe als das Ziel meines Lebens, als die nicht mit Gold aufzuwiegende Perle, für die ich gern alles, was ich besitze, verkaufe.

Vorsatz:  Ich will eines meiner Talente nutzen, um heute jemandem zu helfen.


Erlöste Menschen, berufen zum Dienen

31. August 2011

Mittwoch der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Andrew Mulcahey LC

Lk 4,38-44
Jesus stand auf, verließ die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon hatte hohes Fieber, und sie baten ihn, ihr zu helfen. Er trat zu ihr hin, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu weichen. Da wich es von ihr, und sie stand sofort auf und sorgte für sie. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle. Von vielen fuhren auch Dämonen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da fuhr er sie schroff an und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Messias war.

Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn, und als sie ihn fanden, wollten sie ihn daran hindern wegzugehen. Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen Judäas.

Einführendes Gebet:  Herr, ich danke dir, dass du in mein Haus eingekehrt bist. Es ist für mich eine so große Ehre, dass du mich besuchen willst. Ich bin dir außerordentlich dankbar für deine persönliche Aufmerksamkeit, die du mir schenkst, besonders wenn es mir schlecht geht und ich deine Gnade brauche.

Bitte: Herr, heile mich von meinen geistigen Krankheiten, damit ich dir in den anderen dienen kann.

1.  Christus hebt uns empor. Der Evangeliumstext berichtet mit einer gewissen Sachlichkeit über die Heilung: keine besonderen Worte von Jesus, kein Wort des Dankes, keine Reaktion der Menschen. Es ist, als ob Jesus einfach wie immer das Haus betrat und einer sehr kranken Frau aus dem Bett half. Nicht das typische Wunder, das eine große Aufmerksamkeit erregt. Während wir in unserem Leben auf das lang ersehnte Wunder hoffen, übersehen wir vielleicht eines dieser ganz gewöhnlichen Wunder, die Gott uns so oft gewährt. Im geistlichen Bereich kann es eine gute Beichte oder der Empfang der heiligen Kommunion, eine geistliche Leitung oder eine gründliche Gewissenserforschung sein. Im physischen Bereich kann es schlicht eine gute Vorsorge für meine Gesundheit durch gesundes Essen oder ausreichenden Schlaf sein. Wir müssen nicht um besondere Heilungen bitten, sondern sollten eher dadurch ermutigt sein, dass Christus immer seinen Blick auf uns gerichtet hat.

2. Er hilft uns wieder auf die Beine. Beachten wir, wie schnell alles im heutigen Evangelium geht. Christus richtet die Schwiegermutter des Simon sofort auf. Sie lässt es ohne Skepsis oder Worte des Protestes zu. Sie glaubt an Christus. Seine Gnade wirkt vollkommen. Die Heilung erfolgt sofort und vollständig. Er ermöglicht es uns, wieder aufzustehen und unsere Pflichten zu erfüllen.

3. Er heilt uns so, dass wir wieder dienen können. Wir wollen oft viel für uns empfangen, sind aber nur schwer bereit, anderen zu helfen. Die Schwiegermutter des Petrus beginnt sofort, Christus, der sie wieder gesund gemacht hatte, zu bedienen. Sie vergisst sofort sich selbst - ihre Probleme, wie sie sich fühlt, um wie viel Zeit ihre Krankheit sie zurückgeworfen hatte – und stattdessen stellt sie sich ganz auf die Bedürfnisse anderer ein. Christus bewahrt die Christen vor dem Tod durch die Sünde und ruft sie auf, zu dienen. Christen sind erlöste Menschen, deren Berufung es ist, zu dienen.

Gespräch mit Christus: Lieber Herr, jeder sucht dich. Du hast mich gesund gemacht und mich aufgefordert zu dienen, wie du es in deinem Leben getan hast. Hilf mir, mit meinem Leben, das du mir wiedergegeben hast, freigiebig umzugehen, so dass auch ich die Interessen deines Reiches über meine eigenen Pläne stelle.

Vorsatz:  Ich werde Christus ernsthaft bitten, mich von dem Fehler zu heilen, der mich am meisten beherrscht, indem ich einen konkreten Schritt tue, mir eine Tugend anzueignen, die sich diesem Fehler widersetzt.


Der große Steuermann

1. September 2011

Donnerstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Ägidius, Abt

P. Andrew Mulcahey LC

Lk 5,1-11
Als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

Einführendes Gebet:  Herr, während ich mit dieser Meditation beginne, fühle ich, dass du in mein Boot eingestiegen bist. Ich nehme ein wenig Abstand von der Küste, Abstand von meinen alltäglichen Sorgen, so dass ich nur dich höre. Es gibt nur dich und mich, und ich fühle, dass du mich um etwas bitten willst. Ich bin ganz demütig und dankbar, dass du so viel Zeit mit mir allein verbringst.

Bitte: Christus, hilf mir, deinen Ruf zur Heiligkeit zu verstehen und von Herzen anzunehmen.

1.  Lehrer. Jesus lehrte am See. Wir wissen, dass er auch in vielen anderen Orten gelehrt hat: im Tempel, in Synagogen, auf Bergen und bei Kindern. Heute hatte er am See eine große Menschenmenge um sich. Für diese Menschen war der See alles: Wasser, Nahrung, Transportweg, ein wunderschöner Ort zur Erholung. Aber unter seiner normalerweise stillen und tiefblauen Oberfläche befand sich eine ganz andere Welt, die sie nicht kannten. Wie passend, dass Christus ihnen, gleich neben dem See, dessen Tiefe er ausloten könnte, viele Glaubensgeheimnisse und den göttlichen Plan offenbarte! Er kann uns helfen, so viele Dinge zu verstehen, die Teil unseres täglichen Lebens sind und uns dennoch in vielfacher Hinsicht fremdartig oder unverständlich bleiben.

2. Christus gefallen. Die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen, ist eine Sache, sie zu motivieren, sich und ihr Leben deiner Sache hinzugeben, eine ganz andere. Christus wusste, dass es nicht genügte, nur eine interessante Geschichte zu erzählen, damit sich jemand einer Sache verschreibt. Es brauchte die Aufmerksamkeit der Person. Christus stieg in das Boot von Petrus und bat ihn um einen kleinen Gefallen: „Fahr hinaus auf den See.“ Christus stellt uns zu Beginn einfache Aufgaben: das zur Verfügung stellen materieller Dinge und ein wenig Großzügigkeit. Wenn wir ihn aber lang genug mitfahren lassen, wird er uns irgendwann um etwas bitten, das Glauben verlangt und mit dem wir vielleicht nicht einverstanden sind oder das für uns sehr unbequem ist. Wir wollen, dass Christus uns für das Gute gewinnt, aber wie kann er das tun, wenn wir es nicht zulassen, dass er mit uns hinaus auf den tiefen See fährt.

3. Motivierer. Bin ich überrascht, wenn Christus etwas Wunderbares in meinem Leben vollbringt? Packt mich das Staunen? Vielleicht bin ich auch nicht überrascht. Vielleicht denke ich: kommt es nicht von mir selbst, was gut oder erfolgreich bei mir verlaufen ist? Solches Denken zeugt von Stolz. Stolz ist auch eine Person, die Gottes Hand erkennt und dennoch antwortet: „Geh weg von mir, Herr, ich bin ein Sünder”. Wenn Christus schon einmal ein Wunder durch den Gehorsam eines Sünders vollbringen konnte, warum sollte er es nicht noch einmal tun können? Warum antworte ich: „Geh weg von mir, Herr”, es sei denn, ich bin nicht bereit, noch einmal zu gehorchen? Wenn ich andere herbeirufe, das herauszufinden, tue ich dies, damit auch andere von dieser Erfahrung mit Christus berührt werden? Oder mache ich dies nur, um ihnen zu beweisen, wie großartig ich doch bin? Wenn ich ein Menschenfischer wie Petrus werden soll, muss ich mich auch von diesen allzu menschlichen Verhaltensweisen reinigen. Keine Sorge, unsere Armseligkeit stört Christus nicht. Hören wir auf ihn: „Fürchte dich nicht. Von jetzt an wirst du…”

Gespräch mit Christus: Herr, es gibt so viele Seelen, die durch die Welt hasten, ohne zu wissen, wohin sie gehen und ohne deine Freundschaft zu genießen, so wie ich es darf. Ich weiß nicht, ob es viele oder wenige sind, die du durch mich erreichen möchtest, aber ich denke, es sind viele. Mein Herz ist bereit, Herr. Erfülle mich mit apostolischem Eifer.

Vorsatz:  Ich will mich heute anstrengen, andere immer wieder zu ermutigen.


Erneuert werden

2. September 2011

Freitag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis

P. Matthew Green

Lk 5,33-39
Die Schriftgelehrten und Pharisäer sagten zu Jesus: Die Jünger des Johannes fasten und beten viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; deine Jünger aber essen und trinken. Jesus erwiderte ihnen: Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; in jenen Tagen werden sie fasten. Und er erzählte ihnen auch noch ein Gleichnis: Niemand schneidet ein Stück von einem neuen Kleid ab und setzt es auf ein altes Kleid; denn das neue Kleid wäre zerschnitten und zu dem alten Kleid würde das Stück von dem neuen nicht passen. Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Denn der neue Wein zerreißt die Schläuche; er läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Und niemand, der alten Wein getrunken hat, will neuen; denn er sagt: Der alte Wein ist besser.

Einführendes Gebet:  Gott, Herr, aus Staub bin ich gebildet, zum Staub kehr ich zurück. Aber du bist von Ewigkeit her, und alles Geschaffene wird von dir ins Dasein gerufen. Du hast mich im Schoß meiner Mutter mit unendlicher Liebe geformt und du wachst voll Güte über mir. Ich hoffe fest darauf, dass du bei meinem Tod meine Seele heim in den Himmel holst, um für immer bei dir zu sein. Ich danke dir, dass du dich um mich kümmerst und mich mit deiner Liebe segnest. Nimm als Dank meine Liebe entgegen. Ich schenke dir in Demut alles, was ich bin.

Bitte: Erneuere mein geistliches Leben, Herr.

1.  Nach den falschen Richtlinien bemessen. Wieder einmal sehen wir Jesus bei einem Mahl, dieses Mal bei Levi (Matthäus) und seinen Freunden. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind vorbeigekommen, um Jesus und seine Jünger zu prüfen, da sie seine Lehren, die nicht mit ihrer Gesetzestreue und ihren gewohnten Formvorschriften übereinstimmten, leid waren. Die Feststellung, die sie hier über das Fasten machen, beinhaltet implizit ein Urteil: Du und deine Jünger folgen unseren Traditionen des Fastens nicht; deshalb könnt ihr nicht wahrhaft heilig sein. Sie präsentieren es nicht als Frage, sondern als Feststellung, als eine Anklage. Sie sind nicht offen dafür, die Dinge in einem neuen Licht zu sehen. Auch wir können andere Christen voreilig verurteilen, wenn wir sie dabei beobachten, wie sie anders als wir handeln. Unsere Richtlinie ist nicht das, was wir gewohnt sind, sondern das, was die Kirche, geleitet vom Heiligen Geist, lehrt und billigt, seien es alte Traditionen oder neue Kundgebungen des Heiligen Geistes im Leben der Kirche.

2. Für alles gibt es eine Zeit. Jesu Antwort ist einfach: Es gibt eine Zeit und einen Ort sowohl für das Fasten als auch für das Feiern. Manche Menschen haben eine besondere Berufung zu einem Leben der außergewöhnlichen Entsagung, aber den meisten von uns gibt das liturgische Jahr einen natürlichen Kreislauf von Freude und Buße. Manchmal jubeln wir mit dem „Bräutigam“, wie Weihnachten und Ostern, wenn wir die Geburt Christi und seine Auferstehung feiern. Zu anderen Zeiten tun wir mehr Buße, wie in der Fastenzeit, in der wir uns darauf konzentrieren, unsere Trennung von Gott aufgrund unserer Sünden wieder aufzuheben, oder im Advent, wenn wir unsere Herzen reinigen, um den Herrn an Weihnachten zu empfangen. Der Jahreskreis hat seine eigenen Feste und Gelegenheiten besonderer Bedeutung. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Leben wir diese liturgische Wirklichkeit, oder vernachlässigen wir sie? Betreffen die Feste und das Fasten der Kirche mein Leben, oder sind die liturgischen Zeiten höchstens Kuriositäten, die ich kaum beachte?

3. Das neue Ich. Dann präsentiert Jesus allen Anwesenden eine Herausforderung in Form eines Gleichnisses. Beide Bilder – das Kleid und die Schläuche – betonen, dass wir umdenken müssen, um seine Botschaft zu verstehen. Wir gewöhnen uns leicht an unsere Routine und werden zufrieden und lau in unserem Glauben. Schlimmer ist es, wenn wir Gewohnheiten der Sünde haben. Um Christus und seinem „Evangelium“ wirklich zu folgen, müssen wir hinter uns lassen, was der heilige Paulus das „alte Ich“ nannte, um neue Menschen in Christus zu werden (Kol 3,9-10). Für die Pharisäer würde das bedeuten, ihren strikten Formalismus und ihre verurteilende Haltung hinter sich zu lassen. Für Matthäus und seine Freunde bedeutete es, ihren weltlichen Sinn und ihre sündhafte Lebensweise aufzugeben. Einen Bruch mit unserem alten Ich zu machen ist schwierig – der „alte Wein“ ist das, was wir gewohnt sind – aber wir müssen den Schritt tun und erkennen, woraus unser altes Ich besteht, und müssen uns dann entscheiden, es hinter uns zu lassen, um Christi Botschaft, die immer herausfordernd, immer neu ist, anzunehmen.

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, hilf mir, mich mehr darauf zu konzentrieren dir zu folgen als andere zu verurteilen. Zeige mir, wer ich bin, und wie du mich haben möchtest. Gib mir die Gnade, das Leben deiner Kirche mit Begeisterung zu leben, die Feste und das Fasten, damit du mich zu einem neuen Geschöpf machen kannst.

Vorsatz:  Ich werde den heutigen Freitag als Gedenktag des Todes unseres Herrn leben, indem ich ein kleines Opfer als Buße für meine Sünden bringe – und den kommenden Sonntag werde ich voll echter Freude als das Fest seiner Auferstehung leben.


Das Herz aller Dinge

3. September 2011

Samstag der zweiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Gregor der Große, Papst

Matthew Reinhardt

Lk 6,1-5
Als Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder ging, rissen seine Jünger Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen sie. Da sagten einige Pharisäer: Was tut ihr da? Das ist doch am Sabbat verboten! Jesus erwiderte ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote nahm, die nur die Priester essen dürfen, und wie er sie aß und auch seinen Begleitern davon gab? Und Jesus fügte hinzu: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Einführendes Gebet:  Herr, ich bete dich an, weil ich von dir komme. Ich sehne mich nach dir, weil du mich für dich geschaffen hast. Ich preise dich, denn du bist jederzeit mein Helfer. Ich rufe dich an als meinen mächtigen Beschützer. (Gebet von Papst Clemens XI.)

Bitte: Herr, reinige mein Herz.

1.  Das Herz der Pharisäer. Manchmal offenbart ein kurzer Satz sehr viel darüber, was im Innern einer Person vor sich geht. Vor dreißig Jahren, als Papst Johannes Paul II. zum Papst gewählt wurde, zeigte der einfache Satz: „Habt keine Angst“ seine Haltung an, die er die folgenden 26 furchtlosen Jahre seines Pontifikates beibehalten sollte. In diesem Evangelium sagen die Pharisäer mit diesem kurzen Satz so viel über den Zustand ihres eigenen Herzens: „Was tut ihr da? Das ist doch am Sabbat verboten!“ Hier erkennt man, dass die Pharisäer an den Äußerlichkeiten des Gesetzes steckengeblieben waren und das Große, das Christus brachte, nicht erkannten: grenzenlose Liebe zu Gott und heldenhafte Liebe zum Nächsten. Als Christen sollen wir kein Herz haben, das die Kosten kalkuliert, sondern ein Herz, das von bedingungsloser Liebe erfüllt ist.

2. Das Herz eines Königs. Ein anderer Charakter in diesem Evangelium ist König David, dessen Verhalten Christus als Beispiel vorbrachte. Von der Geschichte mit David und Goliath erfahren wir, welch mutiges Herz der junge David hatte und wie er in allen seinen Begrenztheiten ganz auf Gott vertraute. Das Herz des jungen David war ehrlich und demütig: König Saul hatte ihn töten wollen, doch als David die Möglichkeit hatte, Saul in der Höhle zu töten, empfand er Mitleid mit ihm und versöhnte sich später mit Saul. Davids Herz war schwach, als er sich in die Frau Uriahs verliebte und diesen daraufhin töten ließ. Trotzdem wurde sein Herz durch diese Sünde nicht kalt; er bereute diese Sünde sehr tief: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde“ (Ps 51). Mit der Zeit und viel Geduld formte sich David ein bemerkenswertes Herz, das Gott und den Nächsten liebte.

3. Das heiligste Herz Jesu. Wie groß ist die Liebe, die Christus in diesem Evangelium seinen Aposteln zeigt. Stellen wir uns diese Szene vor: Christus geht mit seinen besten Freunden durch ein reifes Ährenfeld, alle sind fröhlich und gut gelaunt, reden über die Stadt, die sie gerade besucht hatten, sprechen über ihre Träume, und brechen dabei ein paar reife Ähren ab. Das Herz Christi liebte diese Männer, die einmal die Säulen der Kirche werden würden und die seine Botschaft in die ganze Welt tragen würden, sehr. Seine Gedanken waren weit weg von der Kleinlichkeit leerer Einzelheiten abgenutzter Gesetze! Sein Gesetz ist das neue Gesetz der Liebe: „Seht das Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat.“ Christus schaut uns genauso wie die Apostel auf dem Ährenfeld an – er sieht in uns seine Freunde, die gerufen sind, die Säulen der Neuevangelisation zu werden, die Apostel, die seine Worte bis an die Enden der Erde bringen sollen. Er braucht unser „Ja“ auf diesen Ruf!

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich danke dir für die bedingungslose Liebe deines Herzens. Ich möchte diese Liebe weitergeben, indem ich dich mit der gleichen Intensität liebe. Ich weiß, dass ich dies niemals erfüllen kann, aber du kennst mein Herz, und du weißt, dass ich dir nahe bleiben will bis zu dem Tag, an dem ich dich von Angesicht zu Angesicht in alle Ewigkeit schauen werde.

Vorsatz:  Ich will heute mit tiefer Reue in meinem Herzen zur Beichte gehen.