Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 17. April 2011 bis Samstag 23. April 2011

Karwoche

P. David Daly LC, P. James Swanson LC, P Alex Yeung LC

Christus ist der KönigSonntag
Blinde FührerMontag
Der Kollisionskurs von PetrusDienstag
Die Entlarvung des VerrätersMittwoch
Dienen und nicht bedient werdenDonnerstag
Einladung zur VertrautheitFreitag
Leuchtende MorgendämmerungSamstag


Christus ist der König

17. April 2011

Palmsonntag

P. David Daly LC

Mt 27,11-31
Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war. Jeweils zum Fest pflegte der Statthalter einen Gefangenen freizulassen, den sich das Volk auswählen konnte. Damals war gerade ein berüchtigter Mann namens Barabbas im Gefängnis. Pilatus fragte nun die Menge, die zusammengekommen war: Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen, Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt? Er wusste nämlich, dass man Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatte. Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum. Inzwischen überredeten die Hohenpriester und die Ältesten die Menge, die Freilassung des Barabbas zu fordern, Jesus aber hinrichten zu lassen. Der Statthalter fragte sie: Wen von beiden soll ich freilassen? Sie riefen: Barabbas! Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Da schrien sie noch lauter: Ans Kreuz mit ihm! Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Darauf ließ er Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen. Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus, führten ihn in das Prätorium, das Amtsgebäude des Statthalters, und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie zogen ihn aus und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Dann flochten sie einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und gaben ihm einen Stock in die rechte Hand. Sie fielen vor ihm auf die Knie und verhöhnten ihn, indem sie riefen: Heil dir, König der Juden! und sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen ihm damit auf den Kopf. Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.

Einführendes Gebet:  Jesus, unser Herr, ich möchte dich auf deinem Weg nach Golgatha nahe begleiten. Wenn ich öfter darüber nachdächte, wie du gegeißelt und blutend am Kreuz hängst, würde ich sicherlich mehr in deiner Liebe bleiben und meine Handlungen auf diese eine Wahrheit gründen. Ich weiß, dass du mich mit einer ewigen Liebe geliebt hast: du hast es dort am Holz des Kreuzes bewiesen. Deshalb sehne ich mich danach, dir mit Dankbarkeit, Friedfertigkeit und der festen Entschlossenheit, deine Liebe überall zu verbreiten, zu antworten.

Bitte: Herr, hilf, dass mein Glaube an dich wächst.

1.  Bist du der König der Juden? Pilatus, ein Nicht-Gläubiger, stellt Christus eine Frage. Es ist eine Frage, die sich viele Menschen in der heutigen Gesellschaft stellen, und auf die wir die Antwort haben. Christus ist nicht nur der König der Juden, sondern auch der König der Heiden und der König der Männer und Frauen aller Zeiten, der Herr des Lebens und der Geschichte. Er ist der Sohn Gottes. Ich muss diesen Glauben in meinem Leben zu einer Wirklichkeit machen; ich muss in meinem Gebet ganz tief meinen Glauben an Christus zum Ausdruck bringen. Ohne dieses Christus-zentrierte Gebet wäre ich wie die Menschen in der Menge am Palmsonntag, die Christus priesen, als er in Jerusalem einzog, aber ihn schon einige Tage später ablehnten. Jesus, unser Herr, gib mir die Gnade an dich zu glauben!

2. Sein Blut komme über uns und unsere Kinder. Diese Worte offenbaren die Leidenschaft der Menschenmenge. Diese Haltung hielt sie davon ab dafür einzustehen, was sie als den Willen Gottes kannten – diesen guten Mann zu verteidigen, der unrechtmäßig verurteilt worden war. Wir sind nicht anders. Jeder von uns hat den Herrn in seinem Leben durch eigene persönliche Sünden betrogen. Wir müssen in diesen Tagen ganz nah bei Christus in der Eucharistie leben. Der Heilige Vater sagt von der Kirche : „Ihr Fundament und ihre Quelle ist das gesamte Triduum Paschale (die drei Tage von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht). Dieses aber ist in der eucharistischen Gabe gewissermaßen gesammelt, vorweggenommen und für immer „konzentriert“. In dieser Gabe übereignete Jesus Christus der Kirche die immerwährende Vergegenwärtigung des Ostermysteriums. Mit ihr stiftete er eine geheimnisvolle „Gleichzeitigkeit“ zwischen jenem Triduum und dem Gang aller Jahrhunderte.“ (Ecclesia de Eucharistia, No. 5).

3. Heil dir, König der Juden! Diese Worte aus dem Evangelium richteten sich an Christus als Spott und als eine Beleidigung dadurch, dass sie einen totalen Mangel an Glauben an den Sohn Gottes signalisierten. Dieselben Worte wurden von denen benutzt, die Jesus am Palmsonntag in Jerusalem willkommen hießen. Dasselbe kann uns geschehen. Äußere Eindrücke, Gefühle, Gruppenzwang, Pragmatismus und viele andere Einflüsse machen unseren Glauben oft zunichte. Aber einige treue Anhänger – am beachtenswertesten die Heilige Jungfrau Maria und der Heilige Johannes – blieben mit unerschütterlichem Glauben vom Anfang bis zum Ende bei Christus. Heute braucht Christus dasselbe von uns. Mögen diese Worte für immer auf unseren Lippen sein: „Lang lebe Christus der König!“

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, ich glaube, dass du der König einer jeden Seele bist. Ich erkenne, dass ich zu verschiedenen Zeiten in meinem Leben nicht treu war, aber ich danke dir mit einer frohen Dankbarkeit für deine Vergebung. Wenn du nicht die leidensvolle Heilige Woche durchlebt hättest, wo wäre ich jetzt? Ich möchte dir für immer mit Treue und Dankbarkeit antworten.

Vorsatz:  Heute werde ich zur Heiligen Jungfrau Maria beten, um die Heilige Woche mit ihrer Führung und Fürsprache zu begehen.


Blinde Führer

18. April 2011

Montag der Karwoche

P. James Swanson LC

Joh 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg zum Kalvarienberg begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geißelung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Versöhnungsbereitschaft und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte: Herr, schenke mir den Glauben an die Auferstehung der Toten.

1.  Absichtlich Blind. Jesus wirkt eines seiner überzeugendsten Wunder – ein sicheres Zeichen dafür, dass er von Gott gesandt ist: Er erweckt einen Mann von den Toten. Die Hohenpriester können dieses Wunder nicht leugnen. Dieses Wunder ereignete sich nicht im entfernten Galiläa, sondern in Bethanien, ganz in der Nähe von Jerusalem. Lazarus wohnte dort. Jeder, der ihn sehen wollte, konnte ihn und Jesus dort besuchen. Die Hohenpriester wollen Jesus trotzdem nicht als Messias annehmen. Sie lehnen ihn weiter ab. Ihre Ablehnung ist total. Sie sollten in der Lage sein, in diesem Wunder die göttliche Macht zu erkennen, aber sie weigern sich, das zu akzeptieren. Und weil ihnen nichts einfällt, womit sie die Leute überzeugen können, dass er nicht der Messias ist, beschließen sie, Jesus und Lazarus umzubringen. Manchmal bringt die Gemeinschaft mit Jesus schwere Folgen mit sich. Welche Ironie zeigt sich hier: jemand soll getötet werden, weil er von den Toten auferweckt worden war!

2. Verhärtet nicht eure Herzen. Eigentlich hätten die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer Jesus als Messias anerkennen sollen. Sie kannten die Schriften am besten. Sie hätten am ehesten den Messias ersehnen sollen. Sie hätten erkennen müssen, dass Jesus alles tat, was über den Messias geschrieben war. Aber abgesehen von wenigen Ausnahmen (Nikodemus, Josef von Arimathäa) versagen sie und erkennen ihn nicht als Messias an. Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Gottes Pläne und sein Wirken bleiben dem rein rationalistischen Denken verschlossen, weil dieses selbst im Bereich des Geistigen wissenschaftlich nachprüfbare Beweise fordert. Bemühe ich mich, meinen Verstand und mein Herz Gottes Wegen zu öffnen oder verlange ich Beweise von ihm? Oft scheint das Kreuz in unserem Leben keinen Sinn zu haben. Aber eines Tages werden wir es verstehen, indem wir es zuerst annehmen und tragen.

3. Stolz und Neid kann euer Untergang sein. Das Problem der Pharisäer ist ihr Stolz. Sie meinen, dass sie alles durchschauen. Sie sind der Meinung, dass Jesus nicht der Messias sein kann. Er passt nicht in ihre Vorstellungen und sie sind nicht bereit, sich zu ändern – der Gedanke, dass sie vielleicht im Irrtum seien, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Sie sind sich so sicher, dass sie recht haben, dass sie dabei übersehen, dass Jesus die Schrift erfüllt. Sie gehen sogar so weit, dass sie die Auferweckung des Lazarus von den Toten nicht wahrhaben wollen! Sie klammern sich an die schwächsten Vorwände, um ihn zu diskreditieren: „Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt“ (Lk 7,39); „Lies doch nach: Der Prophet kommt nicht aus Galiläa“ (Joh 7,52). Gott passt sich nicht unseren Plänen und Ideen an. Er erwartet von uns, dass wir uns ihm anpassen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, es fällt mir so schwer, zu glauben. Ich sollte mir bewusst sein, wie viel Gutes du schon in meinem Leben getan hast. Hilf mir, mit unerschütterlichem Glauben an dich zu glauben, mit einem Glauben wie die Menschen ihn hatten, die deine Auferweckung des Lazarus miterleben durften.

Vorsatz:  Heute will ich mein vergangenes Leben betrachten und mir alles, was Christus für mich schon getan hat, von Neuem bewusst machen. So kann mein Glaube und mein Vertrauen in Christus tiefer werden.


Der Kollisionskurs von Petrus

19. April 2011

Dienstag der Karwoche

P. James Swanson LC

Joh 13,21-33,36-38
Nach diesen Worten war Jesus im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.

Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg zum Kalvarienberg begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geißelung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Versöhnungsbereitschaft und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte: Herr, hilf mir, die Fallen des Stolzes zu sehen und zu vermeiden.

1.  Vertrauen in die Liebe Christi. Petrus liebt Jesus. Jesus ist sein bester Freund. Petrus würde alles für ihn tun. Wie uns, so beunruhigt auch Petrus der Gedanke, dass er von Jesus getrennt werden könnte. Er fühlt die Stärke seiner Liebe und zögert nicht, zu verkünden, dass er bereit ist, für Jesus zu sterben. Er meint es ernst. In derselben Nacht wird er im Garten von Getsemani sein Schwert ziehen und sich ganz allein einer Kohorte professioneller Soldaten gegenüberstellen. Mit einem mächtigen Schlag wird er das Ohr eines Dieners des Hohenpriesters abschlagen. Er liebt Jesus wirklich und ist bereit, für Jesus Opfer zu bringen. Aber wie bei uns, so fehlt auch Petrus immer noch etwas. Zuweilen mag ich mich so bereit fühlen, alles aus Liebe zu Christus auf mich zu nehmen. Aber sobald etwas auf mich zukommt, erfahre ich meine Schwachheit. Angesichts meines Versagens verliere ich immer wieder den Mut.

2. Eine armselige Auswahl. Wir wissen, dass Petrus eine schlechte Entscheidung treffen kann, weil er es in der Vergangenheit oft genug getan hat. Kurz nachdem er zum Anführer der Apostel erklärt worden ist, rät er Jesus, den Plan des Vaters aufzugeben, einen Plan, der beinhaltet, nach Jerusalem zu gehen, um zu leiden und zu sterben. Jesus reagiert stark und lehnt den Einwand des Petrus völlig ab: Niemand darf sich zwischen ihn und den Willen des Vaters stellen. Petrus hat einen großen Fehler begangen, und Jesus sagt das deutlich: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23). Und dies war nur ein Fehler unter vielen; das Evangelium zählt noch mehrere auf. Dass Petrus uns trotzdem so sympathisch ist, liegt daran, dass er uns so sehr gleicht. Wir machen jeden Tag viele Fehler. Wie Petrus denken wir nicht an den Willen Gottes, sondern an unseren eigenen Willen. Aber wie wir wissen, wird Petrus es am Ende schaffen, demütig zu werden und dem Herrn treu zu dienen.

3. Falsche Beurteilung der Situation. Petrus ist selbstgefällig. Er denkt, dass er die Situation versteht. Alles geht gut. Die Menschen haben Jesus endlich als den Messias ausgerufen. Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer sind erzürnt, aber machtlos. Sie versuchen, Jesus infrage zu stellen und ihn vorzuführen, werden aber immer von Jesus übertroffen. Es scheint, als ob es nicht mehr lange dauern könne, bis Jesus alle überzeugt hat, dass er der Messias sei, und dass von da an alles klar sei. Petrus ist dabei, blind für die wahre Einschätzung der Situation zu werden, aber er merkt es nicht. Der einzige Ausweg für ihn wäre es, das zu tun, was Jesus von ihm will, aber er erkennt das nicht. Trotz seines Respekts für Jesus ist er doch sicher, dass er weiß, was für ihn das Beste ist. Bin ich davon überzeugt, dass mein Leben im Gebet und in der Einheit mit Gott wurzeln muss?

Gespräch mit Christus: Lieber Herr, wie Petrus bin auch ich oft gefallen. Es lag jedes Mal daran, dass ich auf mich vertraut habe statt auf dich. Hilf mir, auf deine Eingebungen und deine innere Stimme im Gebet zu hören. Ich werde nur durch die Haltung der Demut verhindern können, zukünftig zu fallen. Bitte hilf mir, die Tugend der Demut zu erlangen, Herr.

Vorsatz:  Ich werde heute alles, was ich tue, mit einem Gebet anfangen und die Früchte für Gott aufopfern. Nach jeder Aktivität werde ich Christus, meinem Freund, für all seine Hilfe danken. Ich werde ihm meinen Erfolg anbieten und ihn bitten, mir mein Versagen zu vergeben.


Entlarvung des Verräters

20. April 2011

Mittwoch der Karwoche

P. James Swanson LC

Mt 26,14-25
Darauf ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern. Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg zum Kalvarienberg begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geißelung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Versöhnungsbereitschaft und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte: Herr Jesus, hilf mir, fest in meinem Glauben zu stehen.

1.  Einer der Zwölf ein Verräter? Wir meinen oft, dass Judas verschieden gewesen sein muss, schlechter als die anderen Jünger. Wenn das gestimmt hätte, hätte jeder sofort ihn verdächtigt, als Jesus sagte: „Einer von euch wird mich verraten.“ Sie hätten vermutet: „Es muss Judas sein. Er war schon immer böse. Er ist fähig, Jesus zu verraten. Ich verstehe nicht, warum Jesus ihn ausgewählt hat.“ Doch Judas schien sich nicht so offensichtlich von ihnen zu unterscheiden. Sonst hätten sie ihn ja sofort verdächtigt. Jeder von uns kann ein Judas werden, nach und nach, indem wir unsere Prinzipien immer mehr aufgeben, zuerst in den kleinen Dingen, und dann auch in wichtigen Angelegenheiten. Im christlichen Leben braucht es immer eine gesunde Spannung zwischen dem Vorwärtsstreben und der Wachsamkeit. Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist es auch in den Großen.

2. Bin ich es? Alle Apostel fragen: „Bin ich es?” Warum? Wollte vielleicht jeder von ihnen ihn verraten? Nein, aber sie befanden sich in einer gefährlichen Lage. Die Pharisäer hatten beschlossen, Jesus umzubringen. Die Apostel wussten das. Darum waren sie alle für eine Weile nach Jericho gegangen. Jerusalem war zu gefährlich. Sie konnten sich alle denken, dass sie am nächsten Tag, wenn sie mit Jesus in den Tempel gingen, im Trubel der Menge gepackt werden und mit dem Tod bedroht werden könnten, um zu verraten, wo Jesus in der Nacht gefunden werden kann. Was würden sie dann sagen? Würde ich Jesus verraten, wenn mein eigenes Leben in Gefahr wäre? Aus diesem Grund fragen sie: „Bin ich es?“ Wenn es ernst wird, was kommt dann in meinem Leben zuerst? Käme ich jemals auf den Gedanken, Jesus für etwas anderes zu verkaufen?

3. Wachsamkeit des Herzens. Judas hatte alles besessen, um ein großer Apostel zu werden. Jesus hat ihn wegen seiner Qualitäten ausgewählt. Gott legt niemals im Voraus das Verderben einer Person fest. Was war also mit ihm geschehen? Irgendwann hat er aufgehört, seine Freundschaft mit Christus zu pflegen. Manchen fällt hier vielleicht die Rede Jesu über das Brot des Lebens im sechsten Kapitel des Johannes ein. Judas konnte vielleicht nicht akzeptieren, dass er den Leib und das Blut Jesu essen sollte. Jesus hatte nicht recht und musste darum ein falscher Messias sein. In Johannes 6,64 lesen wir, dass Jesus wusste, wer sein Verräter sein würde. In Johannes 6,67 gibt Jesus Judas eine Chance, die Gruppe zu verlassen und ein gerechter Mann zu bleiben. Er bleibt aber und wird so zu einem Heuchler – ein „Teufel“ mit den Worten Jesu – und beginnt den Weg, der ihn zum Verrat führen wird. Wir wissen, dass unser Glaube das kostbarste Geschenk ist, das wir von Gott empfangen haben. Sind wir wachsam und geben unserem Glauben Nahrung, damit er wächst und stärker wird?

Gespräch mit Christus: Herr, ich habe dich so oft verraten, auch dann, wenn ich beim Essen in einem Restaurant nicht den Mut hatte, vor dem Essen zu beten, aus Angst, als frommer Katholik erkannt zu werden. Dein Leiden und Tod mögen mir helfen, den Mut zu haben, meine Überzeugungen immer zu leben.

Vorsatz:  Heute will ich die Forderungen meines Glaubens erfüllen und offen zu meinem Glauben stehen. Ich will Christus nicht verraten, auch nicht in den kleinen Dingen.


Dienen und nicht bedient werden

21. April 2011

Gründonnerstag

P. Alex Yeung LC

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg zum Kalvarienberg begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geißelung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Versöhnungsbereitschaft und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte: Herr, schenke mir die Gnade äußerster Beharrlichkeit im Glauben.

1.  Der Beweis seiner standhaften Liebe „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ Trotz der Schwierigkeiten, denen er gegenüberstand, litt Jesus im Alter von dreiunddreißig Jahren nicht an einer Midlife-Crisis. Er wusste, wer er war, woher er kam und wohin er ging. Er kannte die Prüfungen, die bald seinen sterblichen Körper vernichten würden. Sie würden dazu dienen, seine Liebe zu beweisen. „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.“ Liebe erträgt alles. Liebe kann sogar die schlimmsten Situationen zum Guten wenden. Liebe erlöst. Gerade der Verrat an seiner Freundschaft lässt ihn die Aufrichtigkeit seiner eigenen Freundschaft unter Beweis stellen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“

2. Akzeptiere die Liebe Christi. Jesus hat nicht um „Erlaubnis“ gebeten, demütig zu sein und zu dienen. Die Frage des Petrus, „du, Herr, willst mir die Füße waschen?“, ist nicht als eine wirkliche Nachfrage zu verstehen, sondern eher als eine kritische Bemerkung zu dem, was Jesus zu tun beabsichtigte. Brauchen Demut und Liebe unsere „Erlaubnis“? Die Frage lautet: wer ist demütig genug, um die Liebe eines anderen zu empfangen? Bin ich demütig genug, um Jesu Liebe zu mir zu empfangen? Jesu Demut und Nächstenliebe wirken reinigend. Und tatsächlich muss gerade die Einstellung, „niemals sollst du mir die Füße waschen“, weggewaschen werden. Nur die Armen im Geist, die, die ein reines Herz haben, und die, die wie die Kinder sind, werden in das Himmelreich eingehen: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“. Dann soll Christus mich reinwaschen entsprechend seinem gnadenreichen Beispiel. Sonst werde ich meinen Anteil an ihm verlieren. Doch wenn er mich durch sein Wort reingewaschen hat, dann muss ich nur noch meine Füße sauber halten.

3. Eine wertvolle Lektion. Wenn ich ein Jünger bin, muss ich sorgfältig das verstehen und annehmen wollen, was er mir durch sein Beispiel beibringen will. Jesus fragt: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Wenn überhaupt, dann könnte der Meister von seinem Diener verlangen, dass er ihm die Füße wäscht und nicht umgekehrt. Jesus ist der Herr und Meister, er ist der gute Lehrer. Ich bin sein Jünger. Dennoch hat er seine Autorität nicht demonstriert, indem er Gehorsam durch Machtausübung einforderte, sondern eher dadurch, dass er die Macht der Tugend offenbarte: Demut und Nächstenliebe – und deren Fähigkeit, zu lehren und zu überzeugen. „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“ Er hat uns sein Vorbild zum Nachahmen gegeben, so dass ich ebenso handeln kann. Wessen Füße soll ich waschen?

Gespräch mit Christus: Herr, fahre fort, mich durch dein Wort zu läutern, damit ich als rein befunden werden kann. Gewähre mir die Demut und Nächstenliebe, damit ich deine Tugenden nachahmen kann. Ich möchte lernen, die Füße der anderen zu waschen, darum gib mir die Gnade, mich nicht weiter zu sträuben und das Gute zu tun, ohne mich darum zu sorgen, wie andere darauf reagieren könnten.

Vorsatz:  Heute werde ich mich selbst demütigen, um jemandem in Not zu dienen, besonders jemandem, dem gegenüber ich Widerwillen verspürt habe.


Einladung zur Vertrautheit

22. April 2011

Karfreitag

P. David Daly LC

Joh 18,1-19
Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der Verräter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?

Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein. Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas. Simon Petrus aber stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Nein. Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, der Karfreitag ist der Tag, an dem du die Sünde durch deinen Tod am Kreuz besiegt hast. Du hast gezeigt, dass dein Erbarmen nicht zerstört werden kann. Je mehr du verspottet und angegriffen wurdest, umso größer war die Vergebung, die aus deinem heiligsten Herzen kam. Danke, Herr, für das demütige, große Geschenk deiner selbst inmitten so schweren Leidens. Ich möchte dir heute in deinem Leiden ganz nahe sein. Ich möchte dich immer mehr erkennen und dir immer mehr nachfolgen, alle Tage meines Lebens.

Bitte: Herr, überzeuge mein Herz, dass du wirklich aus Liebe zu mir persönlich gestorben bist.

1.  Die Bestätigung. „Ich bin es.“ Diese mächtigen Worte sagte Christus zu den Soldaten, die gekommen waren, um ihn im Garten Getsemani gefangen zu nehmen. Diese Worte hatte Gott benutzt, als er Moses am Berg Sinai seinen Namen geoffenbart hat. Es sind die Worte, die die christlichen Denker benutzen, um den Schöpfer aller Dinge zu beschreiben. Es sind die Worte, durch die Christus seine Gottheit vor den Soldaten bekennt und ausruft. Aus diesem Grund stürzen sie zu Boden. Wenn wir das Leiden Christi betrachten, wollen wir uns an seine Gottheit erinnern. Er ist mein Gott, und er ist mein Retter.

2. Die Verleugnung. Diese Worte des Petrus stehen in starkem Kontrast zu den Worten, mit denen Christus seine Gottheit ausruft. Wir könnten sagen, dass sie alles beschreiben, was schwach und zerbrechlich an den Menschen ist, ausgesprochen vom Mund des heiligen Petrus. Im Gegensatz zu Christus im Garten Getsemani steht Petrus am warmen Feuer; nicht Soldaten stellen ihm eine Frage, sondern eine Dienerin. Er leugnet aber, dass er ein Jünger Christi ist; dadurch bestätigt Petrus, dass er schwach ist und die Gnade und das Erbarmen Gottes braucht. Wir sollten uns mit Petrus identifizieren und anerkennen, dass wir das Opfer Christi brauchen. Wann sagen wir, dass wir nicht zu Christus gehören? Wann lassen wir uns von unserer Schwäche herunterziehen? Was muss ich tun, damit ich solche Stürze in meinem Leben vermeide und Christus treuer nachfolge?

3. Aus Liebe zu mir. Das heutige Evangelium stellt die Verleugnung des Petrus und das Todesurteil gegen Jesus gegenüber. Der Tod Christi wäre auch ohne die Verleugnung des Petrus geschehen, aber welche Wirkung hatte sie auf unseren Herrn? Jesus stirbt für Petrus und für alle Menschen, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Daran hat der Unglauben und die mangelnde Liebe des Petrus nichts geändert. Als er umkehrte und wieder glaubte, erkannte er, dass Jesus das alles für ihn getan hat, und von da an verkündete er diese Wahrheit überall. Möge der Herr uns helfen, dass wir erkennen, dass Christus alle unsere Handlungen sieht. Wir müssen fest daran arbeiten, eine zweite Natur in uns aufzubauen, damit wir in Momenten der Versuchung unser Herz zuerst Jesus zuwenden und daran denken, wie viel Leid wir ihm durch unser Versagen zufügen würden. Dann wird unser Wille die Kraft bekommen, das böse Tun abzuweisen, um so allein unserem Herrn und Erlöser zu gefallen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich habe deine Selbsthingabe aus Liebe zu mir betrachtet und ich bitte dich, mein Herz mit deiner Gnade zu erfüllen, dass ich dich immer mehr erkenne und liebe. Meine Untreue und Schwäche hat zu deinem schweren Leiden beigetragen. Du hast all das aus Liebe zu mir und zu jedem einzelnen Menschen getan. Danke, Herr.

Vorsatz:  Ich bitte heute um die Gnade, dass ich begreife, dass Christus mich ganz persönlich liebt, gerade wenn ich sein Leiden und seinen Tod betrachte.


Leuchtende Morgendämmerung

23. April 2011

Karsamstag

Liturgische Anmerkung: Am Karsamstag gibt es keine Liturgie. Es ist Tradition, dass die Kirche an diesem Tag am Grab des Herrn wacht und sein Leiden und Tod betrachtet. Die Meditation des heutigen Tages basiert auf dem Evangelium der Ostervigil vom Ostersonntag.

Mt 28,1-10
Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.

Einführendes Gebet:  Jesus, du bist mein treuer Freund, im Leben und im Tod. Deine Auferstehung gibt mir die feste Hoffnung auf das ewige Leben. Deine Liebe, die du mir am Kreuz gezeigt hast, verdient es, dass ich dir voll Glauben, Hoffnung und Liebe nachfolge. Ich schenke mich dir in Demut und Dankbarkeit. Du allein bist der Herr meines Lebens. Du bist der wahre Sinn meines Lebens. Ich sehne mich danach, dein liebendes Angesicht zu schauen, aber ich muss in Hoffnung darauf warten, dich in der Ewigkeit zu schauen.

Bitte: Herr Jesus, vermehre meine Hoffnung auf dich.

1.  Der Anbruch der Neuen Schöpfung. Sowie der Tag anbricht, machen sich Maria Magdalena und die andere Maria am „ersten Tag“ der Woche auf den Weg zum Grab. Aber heute nimmt der „erste Tag“ der Woche einen neuen Platz ein. Im Buch Genesis hat Gott damals am „ersten Tag“ gesagt: „Es werde Licht“. Jetzt bricht ein neues Licht an. Ostern ist der Anbruch einer Neuen Schöpfung. Die alte Schöpfung ist wiederhergestellt und erhöht durch die Gnade der Auferstehung Christi. Es gibt ein Erdbeben – nicht weil die Natur erzittert, wie am Karfreitag - sondern weil ein Engel vom Himmel herabgekommen ist. Vom Himmel schlägt kein Blitz ein, doch die Erscheinung des Engels ist wie ein Blitz. Sein Gewand ist weiß wie Schnee, doch kein Schneesturm begräbt die verzweifelten Jünger. Die Erlösung von der Sünde ist errungen worden: „Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee; wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle“ (Jes 1,18). Ich will meine Seele in dieses Osterlicht eintauchen; möge ich so leuchtend weiß werden, wie kein irdisches Licht mich erleuchten könnte.

2. Furchtlos. Der Grund unserer Furcht ist verschwunden: „Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Nach der Verzweiflung am Karfreitag war das Schlimmste erwartet worden; stattdessen erfüllt Ostern die größte Hoffnung auf unvorstellbare Weise. Das Grab, in dem Christus gelegen hatte, ist nun leer. Die Soldaten, die das Grab bewacht hatten, liegen vielmehr wie tot am Boden. Oh Tod, wo ist dein Stachel? Der Tod hat sich als wehrlos gegen die Auferstehung erwiesen. Furchtlose Freude treibt mich an, dies den Jüngern zu berichten.

3. Seid gegrüßt! Jesus wartet nicht lange, bis er die Seelen, die er erlöst hat, aufsucht. Er hält die beiden Frauen an, die den Weg entlang gerannt kommen: „Seid gegrüßt!“ Nur er hat Worte des ewigen Lebens. Er ist die Auferstehung. Er muss angebetet werden als die Quelle des Lebens selbst. Sein Licht vertreibt auch den letzten Schatten der Furcht. Er bestärkt die Jünger im Glauben. Dies ist die Frohe Botschaft: alle seine Brüder werden den auferstandenen Herrn bezeugen. Und wir sollen seine Zeugen sein bis zum Ende der Welt!

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, ich sehne mich danach, dir im Osterlicht zu begegnen. Wasche meine Seele weiß wie Schnee. Vertreibe alle Dunkelheit aus meinem Herzen. Überflute mich mit deiner Freude. Erlaube mir, dein Zeuge zu sein bis an die Grenzen der Welt.

Vorsatz:  Nach der Osternachtsmesse und bevor der Ostersonntag vorbei ist, will ich jemanden voll Freude mit dem Ruf „Der Herr ist auferstanden!“ grüßen.