Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 7. November 2010 bis Samstag 13. November 2010

Zweiunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. Alex Yeung LC, P. Edward Hopkins LC, P. Steven Reilly LC

Der Gott der Lebenden macht uns wahrhaft lebendigSonntag
Die Sünde ausmerzenMontag
Der unzerstörbare TempelDienstag
Das höchste aller GebeteMittwoch
Das innere ReichDonnerstag
Meine Begegnung mit Christus lebenFreitag
Bete mit VertrauenSamstag


Der Gott der Lebenden macht uns wahrhaft lebendig

7. November 2010

Zweiunddreißigster Sonntag im Jahreskreis

P. Alex Yeung LC

Lk 20,27-38
Von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, kamen einige zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind. Daß aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig. Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet.

Einführendes Gebet:  Mein Herr, ich liebe dich, weil du die Liebe selbst bist. Ich bin traurig über all das in mir, das nicht von deiner Liebe kommt und das deine Liebe nicht ausstrahlt. Ich kann nur so werden, wie du mich haben willst, wenn ich dir erlaube, in mir zu handeln.

Bitte: Herr Jesus Christus, hilf mir ein wahres Kind der Auferstehung zu sein.

1.  Unsere Oberflächlichkeit, seine Tiefgründigkeit. Die Begegnung in diesem Abschnitt des Evangeliums berührt uns etwas unangenehm. Sie erinnert an so viele ähnliche Begebenheiten, in denen wir erleben, dass Oberflächlichkeit tiefgründig erscheinen soll, aber wenig mehr als unangenehmes Geplapper ist. Wir alle haben Rockstars gehört, die sich für Propheten halten, oder Medienstars, die sich über Themen der Kirche, über Naturrecht und andere erhabene Wahrheiten äußern, ohne wirklich zu wissen, worüber sie sprechen. Sie können einfach nicht über ihre vorgefasste Meinung hinausgehen. Ihre Worte nerven und sind peinlich. Ähnliches geschieht hier. Die Sadduzäer konfrontieren unseren Herrn mit ihren eigenen Ansichten und Zielen und glauben, mit listiger Scharfsinnigkeit operieren zu können. Genau diese Oberflächlichkeit bietet Gelegenheit, Gottes Tiefgründigkeit zu offenbaren.

2. Christus gibt mehr als eine Antwort. Unsere Beschämung wegen der Sadduzäer wandelt sich in Bewunderung für Christus. Christus wusste ganz genau, was in den Herzen dieser Männer vorging, und er erklärte ihnen geduldig, wo sie sich irrten. Der fadenscheinigen Argumentation des Menschen wurde eine Antwort gegeben, die weit über den Bereich der Lehre hinausging. Sobald die Oberflächlichkeit der Sadduzäer offengelegt ist, leuchtet Gottes Barmherzigkeit auf. Diese Männer wurden demütig gemacht, nicht gedemütigt. Sie wurden nicht zurückgewiesen, weil sie irrten, vielmehr wurden sie eingeladen, tiefer in die Wahrheit einzudringen. Wenn wir dem Wort Gottes erlauben, in unsere Herzen zu gelangen, öffnet es uns völlig neue Perspektiven und führt uns aus der bequemen, berechenbaren Welt unserer vorgefassten Meinungen heraus. Damit dies jedoch geschehen kann, müssen wir offen für das Wort sein. Wenn das Wort Gottes erst einmal Einlass bei uns findet, wird es in uns wirken und neues Licht in unsere früher verfinsterten Herzen bringen.

3. Wir sind Kinder der Auferstehung. Der heilige Paulus sagt, da Christus auferweckt worden ist, hat Gott „uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben“ (Eph 2,6). Das mussten die Sadduzäer lernen, und wir müssen das auch noch lernen: unseren wahren Platz erkennen als „Kinder der Auferstehung“, die auch Glieder Christi und Erben des Himmelreichs sind. Wir sind wieder und wieder auferweckt worden, jedoch sind wir uns dessen häufig nicht bewusst. Gottes Wort mag unsere Ohren erreichen, aber es kann ein Leben lang dauern, bis diese Wahrheit schließlich unsere Herzen erreicht und unser Leben vollständig durchdringt. Wir sind wie Menschen, die aus dem Schlaf aufwachen und noch unfähig sind, ihre Gedanken schnell zu sammeln. Ganz allmählich bricht die Wahrheit in uns auf und die Wirklichkeit kommt ans Licht. Christi Wahrheit erstaunt uns, offenbart sich uns und lädt uns dann ein.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus Christus, plötzlich sehe ich, dass ich oft wie die Sadduzäer gehandelt habe. Hilf mir, ein offenes Herz zu haben, auf deinen Willen zu achten und bereit zu sein, mich diesem anzupassen. Vergib mir meinen Vernunftglauben und meine Engstirnigkeit. Ich vertraue auf dich.

Vorsatz:  Ich werde heute daran arbeiten, auch andere als Kinder der Auferstehung zu sehen.


Die Sünde ausmerzen

8. November 2010

Montag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 17,1-6
Er sagte zu seinen Jüngern: Es ist unvermeidlich, dass Verführungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet. Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt. Seht euch vor! Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben. Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen.

Einführendes Gebet:  Ich glaube an dich, Herr Jesus. Du bist der einzige, der mein Herz ausfüllen kann. Ich glaube daran, dass die Kraft des Glaubens mein Leben und das Leben anderer verändern kann. Ich vertraue darauf, dass du mir das Licht und die Kraft gibst, die Sünde aus meinem Leben zu verbannen. Ich komme zu dir im Gebet, damit ich dich noch mehr lieben kann und der Sünde energisch, und mit starkem Herzen entgegentrete.

Bitte: Oh Herr gib, dass ich „lieber sterbe als auch nur eine Sünde zu begehen.“

1.  Andere zur Sünde verführen. Die Sünde hat viele negative Auswirkungen: Sie beleidigt Gott, beschädigt mein Gewissen und meine Seele, verhärtet mein Herz, erzeugt schlechte Gewohnheiten, führt zum Verlust von Gnade und Willenskraft, erzeugt Distanz und Schwierigkeiten beim Beten. Keine Auswirkung ist jedoch so schädlich wie die der Verführung anderer zur Sünde. Warum wiegt gerade diese so schwer? Als Christ soll ich das Leben Christi leben und anderen lehren. Verführung zum Bösen verfälscht und widerspricht meiner Berufung und meinem Auftrag im Leben. Uns sind ganz besonders die „Kleinen“ anvertraut: Kinder, Familienmitglieder, Glaubensneulinge, Suchende, und die besonders Schwachen... Hier vor allem dürfen Sünde und Verführung keinen Raum einnehmen, will ich sie wirklich zu Christus führen. Wie ernst und aufrichtig ist es mir mit meiner Hingabe?

2. Ermahnen und Vergeben. Wir müssen die Sünde bekämpfen, wo immer wir ihr begegnen. Das fällt umso schwerer in einer Welt, wo Toleranz mehr gilt als Tugend! Sogar im Familienkreis sind wir versucht, die Dinge laufen zu lassen und Spannung und Ärger zu vermeiden. Wenn aber die Sünde unser größter Feind ist, müssen wir sie ausmerzen, und das bedeutet, stets mit dem Herzen Christi, dem Herzen der Liebe zu handeln: bereit dem Sünder zu vergeben, niemals sein Herz zu verurteilen, aber auch nie eine böse Tat zu verharmlosen. Wie gut lehre ich moralische Wahrheit? Unterscheide ich zwischen der Sünde und dem Sünder? Ist die Liebe Christi immer meine Motivation und erstrangige Botschaft?

3. Der Glaube entwurzelt die Sünde. All dies – Bekämpfung der Sünde bei sich und bei anderen – scheint die Apostel ein wenig zu überfordern. Sie bitten um eine Stärkung des Glaubens. Zu glauben heißt zu verstehen, was das Übel der Sünde nach Gottes Definition ist, und zu versuchen dementsprechend zu leben. Aber es ist nicht leicht, die Sünde zu überwinden, und bloßes Verstehen reicht nicht aus. Wir müssen die Sünde bei uns ausreißen und sie ständig im Leben anderer abwehren. Nur die Liebe Christi gibt uns dazu die nötige Kraft, und oft kann nur sie uns die nötige Ausdauer im Kampf mit immer denselben Sünden verleihen. Nur durch ihn kann unser Herz so erfüllt werden, dass es nicht zu den alten Gewohnheitssünden zurückkehrt.

Gespräch mit Christus: Herr, gib mir den Mut, die Sünde in meinem Leben zu bekämpfen. Gib mir dein Herz o Herr, damit ich ohne Feigheit, unermüdlich und unverdrossen kämpfen und leiden kann; auch wenn andere das nicht verstehen und es mir nicht danken. Hilf mir, die Sünde aus meinem Leben zu verbannen und dir den ersten Platz einzuräumen.

Vorsatz:  Ich will mich bemühen, in meinem Familien- oder Erwerbsleben die Sünde durch Liebe zu überwinden. Ich will sie meiden und auch andere freundlich aber bestimmt dazu auffordern.


Der unzerstörbare Tempel

9. November 2010

Dienstag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Weihetag der Lateranbasilika

P. Steven Reilly LC

Joh 2,13-22
Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube dass du hier bei mir bist und ich vertraue auf deine grenzenlose Gnade und Liebe. Danke, dass du über mich wachst und ich deiner Freundschaft sicher sein kann. Danke für das große Geschenk der Kirche.

Bitte: Herr, vermehre meinen Eifer!

1.  Der unzerstörbare Tempel Heute feiern wir den Weihetag der Lateranbasilika, welche die Mutter und das Haupt aller Kirchen genannt wird. Wenn wir nach Rom gehen und diese wunderbare Kirche besuchen, die nun schon 1700 Jahre alt ist, wird uns die Dauerhaftigkeit der katholischen Kirche auch augenscheinlich richtig bewusst. Aber noch länger als das Gebäude gibt es die Gemeinschaft der Kirche. Sie besteht schon so lange und wird weiter bestehen, genau genommen bis zum Tag des Gerichts. Egal, was die Welt auch unternommen hat, sie konnte den Tempel der Kirche nicht zerstören. Es sollte uns mit tiefem Vertrauen erfüllen, dass der Herr bei uns ist, bei unserem Gang durch die Geschichte.

2. Die Reinigung. Unzerstörbar zu sein bedeutet jedoch nicht, dass die katholische Kirche keiner Reinigung bedarf. Als unser Herr in den Tempel von Jerusalem kam, entdeckte er viele Dinge, welche den Geist des Gebets und der Hingabe, für welche dieses heilige Gebäude bestimmt war, behinderten. Seine heftige Reaktion soll die hohe Berufung zur Heiligkeit unterstreichen, zu der das erwählte Volk bestimmt war. Wir Katholiken haben diese Berufung geerbt; aber viel zu oft schleichen sich die Wege der Welt in unsere Seelen ein. Jeder von uns hat es notwendig, sich der Reinigung unseres Herrn zu unterwerfen. Das wird für unser Gewissen eine Herausforderung sein, manchmal kann es sogar sehr weh tun, so wie ein Peitschenhieb. Wenn wir aber in unserem Wollen ehrlich sind, können wir die Reinigung in Demut annehmen, weil wir wissen, dass unsere Seelen lebendige Tempel Gottes sind.

3. Verzehrender Eifer. Als die Apostel das Verhalten unseres Herrn im Tempel beobachteten, beschrieben sie es mit dem Wort „Eifer“. Jesus ist voller Eifer, weil er den Ist-Zustand etablierter Mittelmäßigkeit nicht akzeptiert. An dem Tag, an dem er ankommt, kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen: Das Haus seines Vaters WIRD geachtet werden. Viel zu oft drücken uns Trägheit und Gleichgültigkeit nieder und lassen unseren Eifer erlöschen. Wir müssen jeden Tag beten, dass der Herr unsere Herzen erneut mit dem Feuer seiner Liebe entzünde. Der Eifer, wie wir unseren Glauben leben, ist Teil von Gottes Wirken, damit der Tempel der Kirche unzerstörbar bleibt. Wollen wir nicht mit dieser Liebe mitwirken, damit die Pforten der Hölle nicht siegen werden?

Gespräch mit Christus: Herr, ich liebe deine Kirche. Ich danke dir für das unbezahlbare Geschenk meines katholischen Glaubens. Schütze die Kirche vor allen ihren Feinden und hilf mir, ein wirksamer Apostel zu werden, der von echtem Eifer erfüllt ist.

Vorsatz:  Ich will in der Kirchengemeinde mitarbeiten oder bei einem anderen katholischen Apostolat aus Liebe zur Kirche mitwirken.


Das höchste aller Gebete

10. November 2010

Mittwoch der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Leo der Große, Papst und Kirchenlehrer

P. Alex Yeung LC

Lk 17,11-19
Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Einführendes Gebet:  Mein Herr, ich liebe dich, weil du die Liebe selbst bist. Vergib alles in mir, das nicht von deiner Liebe kommt und das deine Liebe nicht ausstrahlt. Ich kann nur so werden, wie du mich haben willst, wenn ich dir erlaube, in mir zu handeln.

Bitte: Herr, die Fähigkeit, dir zu danken, ist schon ein Geschenk an sich. Gewähre mir dieses Geschenk, damit ich niemals die Gemeinschaft mit dir verliere.

1.  Vom Empfänger zum Geber. Diese armen Leprakranken sind Ausgestoßene, ausgeschlossen von jedem gesellschaftlichen Umgang. Ihre einzige Hoffnung ist Christus. Sie haben nichts zu verlieren, wenn sie ihn anrufen, und so flehen sie ihn an. Sie stehen in einiger Entfernung von Christus, wie es das Gesetz vorschreibt, erkennen ihre eigene Hilflosigkeit und bitten um Erbarmen. Sie erhalten es: Christus heilt sie, sie ziehen weiter und sind zufrieden mit seinem Erbarmen. Zum Missfallen unseres Herrn kehrt jedoch nur einer zurück, um sich zu bedanken. Sich zu bedanken heißt im Griechischen Eucharistia. Nur einer ist eucharistisch; nur einer wird gerettet.

2. Eine angemessene Erwiderung. Unser Herr belohnt Dankbarkeit. Warum ist unser Danksagen so wichtig für Gott? In gewisser Hinsicht geben wir Gott, indem wir Dankbarkeit zeigen, angemessen zurück, was ihm gebührt. Nehmen wir das Beispiel der Leprakranken: sie sind hilflos Ausgestoßene. Sie können nichts für sich selbst tun, außer betteln – ganz so, wie es unsere Situation vor Gott ist. Wir sind auch Leprakranke, und zwar geistige, die um Gottes Gnade bitten. Wenn wir Gottes Geschenk ohne Dank annehmen würden, würden wir zu bloßen Verbrauchern seiner Gnade erniedrigt, unfähig, irgendetwas zurückzugeben. Aber Gott möchte uns diese missliche Lage ersparen und erwartet unsere Danksagung - Eucharistia.

3. Von der Danksagung zur Gemeinschaft. Was ist die Triebkraft der Danksagung? Wenn wir danken, sind wir nicht länger passive Empfänger; wir werden aktive Geber: wir geben Gott zurück, der uns gegeben hat, was wir nicht verdienen. Wenn wir aktive Geber werden, stellt Gott uns auf eine andere Stufe – ein anderes Niveau, von dem aus man fähig wird, sogar noch mehr von ihm zu empfangen. Indem der Leprakranke für das, was er empfing, dankte, konnte er mehr von Gott empfangen. Und wirklich, er empfing mehr: er wurde gerettet. Gerettet durch Gottes Gnade war er nun fähig, noch mehr zu empfangen: eine wachsende Vertrautheit mit Gott. Gott lädt uns heute auch zu einer persönlichen Beziehung ein, zu einer eucharistischen Beziehung, in der wir nicht mehr bloß passive Empfänger seiner Gnade sind, sondern Mitarbeiter an seinem Erlösungswerk. Indem wir ein Leben der Danksagung, ein eucharistisches Leben, leben, erhalten wir reichen Segen für unsere eigene Seele, unsere Familien, unsere Gemeinde und für Seelen, die sich in der Gefahr befinden, verloren zu gehen.

Gespräch mit Christus: Herr, mache mich aufmerksam auf die vielen Geschenke, die du mir gegeben hast, so dass ich auf sie antworten und dir geben kann, was du verdienst: meine von Herzen kommende Danksagung. Möge ich noch dankbarer werden und auf diese Weise meine Gemeinschaft mit dir vertiefen.

Vorsatz:  Ich will heute zu einer eucharistischen Anbetung gehen und über die vielen Geschenke nachdenken, die Gott mir gemacht hat. In der Anbetung werde ich ihm mit meinem ganzen Sein danken.


Das innere Reich

11. November 2010

Donnerstag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Martin, Bischof von Tours

P. Edward Hopkins LC

Lk 17,20-25
Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er! so geht nicht hin und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an deine Gegenwart in meinem Leben. Du hast mir angeboten, Anteil an deinem Glauben und deiner Liebe zu haben. Ich will darauf vertrauen, dass du mir hilfst, dir näher zu kommen. Ich liebe dich, Herr, hier und jetzt. Ich will diesen Tag im Gebet verbringen.

Bitte: Herr, hilf mir, dein Reich besser zu verstehen.

1.  Wann? Weil die Pharisäer das Reich Gottes falsch verstanden, konnten sie kaum die richtigen Fragen dazu stellen. Sie glaubten, dieses Reich sei ein irdisches Reich, das die Fremdherrschaft hinwegfegen und Israels Souveränität wiederherstellen werde. Aber das Reich Gottes hat mehr mit dem Zustand der Seele und dem Kampf zwischen Gut und Böse zu tun als mit Nationen. Die Fehleinschätzung der Pharisäer verhinderte, dass sie Christus und sein Reich erkannten. Mehrere tausend Jahre später sind auch wir nicht ganz gefeit gegen die Irrtümer der Pharisäer. In unserem Fall kann fehlender Glaube die Einsicht verhindern, dass das Reich Gottes nur dann kommt, wenn wir Jesus zum König unserer Seele machen. Nur wenn er unser Leben beherrschen und regeln darf, kann sein Reich kommen. Dann ist „Wann“ jetzt. Jetzt ist die Zeit, Christus zu begegnen und ihn zu unserem König zu machen.

2. Wo? Auch die Schüler des Herrn tun sich schwer, das Wesen des Gottesreiches zu verstehen. Sie wollen „die Tage des Menschensohns“ erleben, eine mächtige Herrschaft und Christus als Herrscher über die ganze Welt. Aber Christus will zuerst in den Herzen jedes Menschen herrschen. Glaube ich in meinem eigenen Herzen an Christus und akzeptiere ich seinen Willen? Liebe ich ihn und bringe Opfer, um seinen Willen zu tun? Baue ich in mir das Reich Gottes mit Gebet und einem Leben der Gnade auf?

3. Wie? Wenn das Reich Gottes hier und jetzt da ist, wie kommen wir hinein? Auf demselben Weg wie unser König - durch das Tor des Leidens und der Ausdauer. „Zuerst muss er vieles erleiden und...verworfen werden.“ Glaube ist nicht einfach ein einmaliger Akt. Er muss durch die großen und kleinen Anfechtungen unseres Lebens hindurch getragen werden. So machen wir uns den Glauben und das Reich Gottes immer mehr zu Eigen. Wir müssen stets bedenken, dass am Ende das Reich Gottes – und der König selbst – zu uns kommt wie der Blitz quer über den Himmel.

Gespräch mit Christus: Lieber Jesus, hilf mir dein Reich richtig zu verstehen. Errichte dein Reich in mir, in meinen Gedanken und Wünschen. Werde du mein Leben und meine Liebe. Beseitige allen Abstand zwischen uns. Lass mein Leben zum Licht und Salz für alle werden, die meinen Weg kreuzen, damit dein Reich sich ausbreitet.

Vorsatz:  Ich will mir heute mehr Zeit und Ruhe nehmen, um mein Gewissen zu erforschen und sowohl nach den Fortschritten als auch den Gefährdungen des Gottesreiches in mir suchen.


Meine Begegnung mit Christus leben

12. November 2010

Freitag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Heiliger Josaphat, Bischof und Märtyrer

P.Edward Hopkins LC

Lk 17,26-37
Und wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und alle kamen um. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart. Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren. Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei Männern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zurückgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben Mühle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zurückgelassen. Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.

Einführendes Gebet:  Ich glaube an dich, Herr, mein Begleiter und meine Stärke. Ich glaube, dass du jeden Tag kommst, um mir zu begegnen und mich dazu aufzufordern, mich mehr auf dich und weniger auf die Geschöpfe zu verlassen. Ich hoffe auf dich, Herr, als der, der meine Sehnsucht, zu lieben und geliebt zu werden, erfüllt. Ich liebe dich hier und jetzt durch mein Gebet und durch mein Verlangen, in den kleinen Dingen, die du von mir verlangst, treu und großzügig zu sein.

Bitte: Herr, hilf mir dich an den ersten Platz in meinem Leben zu stellen.

1.  Sie aßen und tranken. Zur Zeit Noahs und Lots soll das Gericht Gottes auf den Menschen herabgekommen sein. Doch der wahre Moment des Gerichts für einen jeden von uns kommt in der Stunde unseres Todes. Dann wird uns das Reich Gottes vollkommen offenbar, und es wird sich entscheiden, ob wir ein Teil davon sein werden oder nicht. Aber im Laufe meines Lebens wird schon über meine Möglichkeit, ins Reich Gottes aufgenommen zu werden, entschieden. Gott kommt jeden Tag zu mir. Wie werde ich darauf antworten? Meine Antwort jetzt und jeden Tag entscheidet über meinen ewigen Platz im Reich Gottes.

2. Kehre nicht um zu dem, das du zurückgelassen hast. In den meisten Katastrophen haben die Menschen kaum eine Chance, ihr Hab und Gut zu retten; wer das versucht, ist meist verloren. Dasselbe wird für das letzte Gericht gelten – oder bei unserem eigenen Tod; wenn Jesus kommt, werde ich dann bereit sein? Was bedeutet mir am meisten? An was ich mich klammern muss, ist mein Verhältnis zu Christus. Und das bedeutet auf so viele Weisen mein Leben hier zu verlieren. Lebe ich mit der Haltung, mein Leben jeden Tag ein bisschen mehr zu verlieren, mich von Dingen, Aktivitäten und Leuten zu lösen, um freier dafür zu sein, Jesus zu lieben und zu dienen und mit ihm zusammen zu sein?

3. Wo der Körper ist? „Wo Herr?“ fragen die Jünger; wo wird der Tag des Menschensohnes sich ereignen? Er wird sich überall ereignen, sagt Jesus, wo ihr seid. Ob wir sterben und Christus in einem persönlichen Gericht begegnen oder leben und dem Herrn bei seiner Wiederkunft und dem Jüngsten Gericht begegnen, die Realität ist dieselbe. Neben einem Heiligen zu stehen oder neben einem Sünder wird unser Schicksal nicht ändern. Wen wir kennen oder welche Beziehungen wir haben wird nichts nützen. Wo wir in unserer Beziehung zu Christus sind, wird der einzig wahre entscheidende Faktor sein. Wo bin ich heute, Herr, in meiner Beziehung zu dir?

Gespräch mit Christus: Jesus, unser Herr, vergrößere mein Verlangen, mein Leben in engem Verhältnis zu dir zu leben. Ordne all meine Aktivitäten nach deinem Willen und alle meine Beziehungen nach deinem Herzen. „Ich will, was immer du willst, wie du es willst, und wie lange du es willst“ (Gebet des Papstes Clemens XI.).

Vorsatz:  Ich werde meiner Beziehung zu Christus den Vorrang geben. Ich werde heute vor jeder Mahlzeit beten.


Bete mit Vertrauen

13. November 2010

Samstag der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 18,1-8
Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?

Einführendes Gebet:  Ich glaube an dich, Herr, weil du mein bist und mir deine Liebe zu mir bewiesen hast. Ich vertraue auf dich, weil du mich nie enttäuscht hast und weißt, was für mein Leben das Beste ist. Ich liebe dich, Herr, aufgrund all deiner Geschenke. Ich will dich lieben und deinen Willen tun.

Bitte: Herr, lehre mich immer beten.

1.  Wenn wir nachlässig werden. Es mag sein, dass wir nachlässig im Gebet werden, wenn wir keine Ergebnisse sehen. Das geschieht entweder, weil wir eine verzerrte Vorstellung vom Gebet haben, oder weil wir weltliche Ansichten angenommen haben, die unsere Anerkennung seines wahren Wertes zugrunde richten, oder einfach weil wir etwas erfahren, dass als Versagen im Gebet empfunden wird (vgl. KKK 2726-2728). Das Gebet ist ein Geschenk und kommt vom Heiligen Geist. Es ist weder eine Maschine noch ein Zauberspruch. Es erfordert Bemühung auf unserer Seite, denn es ist ein Akt selbsthingebender Liebe. Das Gebet gelingt, wenn ich beharrlich bleibe und Gott erlaube zu handeln. Manchmal werde ich seine Auswirkungen nicht sehen. Die beste Frucht des Gebets ist stets, Gott weiterhin im Gebet zu suchen. Verlasse ich mich auf ihn?

2. Der Richter. Wenn es beim Gebet darum geht, mich selbst zu geben und mich mehr auf Gott zu verlassen, muss ich mir die Frage stellen, wie kann ich Gott verstehen. Ich verlasse mich nur auf die, denen ich vertraue, und ich vertraue nur denen, die mir ihre Liebe und ihre Fähigkeit mich zu unterstützen bewiesen haben. Glaube ich wirklich, dass Gott ganz gut, ganz liebend und allmächtig ist? Glaube ich, dass er sich um mich sorgt? Gott ist für uns ein Richter, aber auch so viel mehr. Er ist zuallererst ein liebender Vater und ein hingebungsvoller, bedingungsloser Retter und Geliebter. Als ein liebender Vater will er, dass wir uns voll Vertrauen auf ihn verlassen. Er will, dass wir glauben.

3. Die Auserwählten. Wer sind wir für Gott? Wir sind mehr als einfache Geschöpfe, mehr als wertlose Sklaven. Wir sind geliebte Kinder, für die er starb und denen er alles gibt. Wir sind die frustrierten Gelehrten und verletzten Geliebten, die er emporheben will, um ihnen seine grenzenlose Treue und Liebe zu schenken. Wir sind die Auserwählten, auserwählt für ihn, für das Glück, für die Ewigkeit. Aus der Dunkelheit und der Knechtschaft der Sünde befreit er uns, sodass seine Herrlichkeit in uns leuchten wird. Wenn wir also all dies und noch mehr für Gott sind, warum zweifeln wir dann im Gebet? Lasst uns all unser Vertrauen auf ihn setzen.

Gespräch mit Christus: Lieber Herr Jesus, vergrößere mein Wissen um und mein Vertrauen auf deine Liebe zu mir. Hilf mir dir in meinem Alltag zu vertrauen. Öffne mein Herz, damit ich beständig im Gebet bleibe. Gib mir die Demut zu sehen, wie ich immer und auf so viele Weisen beten muss. Lehre mich, was das Gebet ist, und wie ich aus Liebe zu dir gut bete.

Vorsatz:  Ich will heute einfache, kleine Anrufungen und Gebete sprechen, die meine Liebe, meine Dankbarkeit und mein Vertrauen auf Gott ausdrücken.