Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 24. Oktober 2010 bis Samstag 30. Oktober 2010

Dreißigste Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC, P. Steven Reilly LC, P. Patrick Langan LC

Wir müssen Gott in Demut begegnenSonntag
Jesus fordert meine Bequemlichkeit herausMontag
Das Himmelreich durchdringt und bereichert alles, was es berührtDienstag
Durch das enge TorMittwoch
Heilige Apostel Simon und Judas Thaddäus: treu zum HerrnDonnerstag
Du wirst beobachtetFreitag
Freund, rück weiter hinaufSamstag


Wir müssen Gott in Demut begegnen

24. Oktober 2010

Dreißigster Sonntag im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 18,9-14
Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich, der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, hilf mir, die Demut des Zöllners zu haben.

1.  Der Pharisäer neigt zu Fehlern. In der kurzen Zeit, die dieser Pharisäer vor Gott verbringt, macht er viele Fehler. Zuerst meint er, dass er sich den Himmel verdienen kann. Sein zweiter Fehler ist sein Eigenlob für seine guten Taten. Auch wenn er sein Gebet mit einem Dank an Gott beginnt, so beendet er sein Gebet doch so, als verdiene er wirklich Lob. Wie ist mein Gebet? Rechtfertige ich mich selbst darin oder lobe ich mich selbst? Oder ist mein Gebet mit Demut und kindlichem Vertrauen auf Gott erfüllt? Entgleisen meine Gebete auch manchmal so?

2. Gegrüßet seist du, voll der Gnade: Hatte Maria einen Zwillingsbruder? Ein anderer Fehler: der Pharisäer unterschätzt das Böse in seinem eigenen Leben. Er scheint sich keiner Sünde bewusst zu sein – zumindest erwähnt er in seinem kurzen Monolog keine Sünde. Jesus sagt, dass sogar ein Gerechter sieben Mal am Tag sündigt, also gab es auch bei diesem Pharisäer Dinge, wofür er Gott um Verzeihung bitten musste. Vielleicht gleicht sein Gewissen einem Sieb, durch welches seine Sünden hindurchfallen, bevor sein Gewissen sie als solche erkennen kann. Leider scheint er sich keiner Sünde bewusst zu sein. Der Pharisäer hat ein getrübtes Gewissen. Allein deshalb, weil er seine Sünden nicht erwähnt, bedeutet das nicht, dass Gott sie nicht kennt. Wenn er um Vergebung bäte, würde Gott sie ihm gewähren, weil er aber so tut, als hätte er keine Sünden, bleiben seine Sünden bestehen.

3. Vergib mir Herr, ich habe wieder einmal gesündigt. Die Haltung des Zöllners ist ganz anders. Anstatt sich auf seine guten Seiten zu konzentrieren, sieht er zuerst seine Sündhaftigkeit. Er bittet Gott um Vergebung, nicht um Strafe. Das ist die richtige Haltung vor Gott. Wenn Gott uns unsere Sünden vergibt, brauchen wir uns ihretwegen nicht mehr zu ängstigen. Vielleicht gibt es in unserem Leben schon viele gute Taten, auf die wir verweisen könnten, wenn wir aber Gott nicht um Vergebung bitten für unsere Sünden, sind alle guten Werke nutzlos. Welche Haltung habe ich? Lege ich größeren Wert auf meine guten Werke oder auf mein Bedürfnis nach Gottes Barmherzigkeit? Es ist nicht notwendigerweise ein Zeichen von Pessimismus, wenn wir uns bemühen, unsere Fehler vor Gott zu erkennen (natürlich darf das nicht unsere ausschließliche Beschäftigung sein), sondern jene begehen einen großen Irrtum, die ihre Fehler ignorieren.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, hilf mir, meine Sünden zu erkennen und sie aufrichtig zu bereuen. Wenn mir irgendetwas nicht bewusst ist, hilf mir, es zu erkennen. Wenn ich etwas unterschätze, zeige mir, wenn etwas schlecht daran ist. Hilf mir, nicht zu vergessen, dass gute Werke ohne eine echte Haltung von Demut, die Vergebung sucht, wertlos sind.

Vorsatz:  Ich will eine Gewissenserforschung machen, bei der ich vor allem erforsche, wo ich selbstgerecht handle. Einige Punkte könnten sein: Tendiere ich dazu, meine Fehler sehr schnell zu entschuldigen? Halte ich mich für besser als andere? Verweigere ich die Verantwortung für die Probleme meines Lebens und suche ich die Schuld bei dem, der nicht so intelligent ist wie ich, nicht so gut ist wie ich, nicht so geistreich ist wie ich?


Jesus fordert meine Bequemlichkeit heraus

25. Oktober 2010

Montag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 13,10-17
Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, bewahre mich vor vorzeitigem Altern in meinem geistlichen Leben.

1.  Die Kennzeichen des Messias. Jesu Gegner waren verzweifelt. Sie wollten nicht glauben, dass er der Messias sei und sie wollten vor allem nicht, dass andere ihn für den Messias hielten. Da war aber das offensichtliche Problem seiner Wunder. Sie wussten, dass Gott seine Botschafter durch Wunder bestätigte, damit die Menschen ihnen glaubten. Diese Wunder waren der Beweis, dass die Person (in diesem Fall Jesus) von Gott gesandt wurde. Jesus tat sehr viele Wunder, und für viele Leute waren sie der Beweis, dass er von Gott gesandt worden war. Was konnten seine Gegner tun? Sie konnten nur versuchen, seine Wunder auf jede nur mögliche Weise zu diskreditieren.

2. Am Sabbat kann man viel mehr tun, als wir glauben. Dieses Wunder geschah am Sabbat. Der Synagogenvorsteher war damit nicht einverstanden. Hat Gott nicht am siebten Tag geruht? Sollten nicht auch wir dasselbe tun? Wie kann dieser Jesus am Sabbat heilen, wenn er wirklich von Gott kommt? In Wirklichkeit gab es am Sabbat viele Ausnahmen von der Regel. An einer anderen Stelle sagt Jesus selbst, dass der Sabbat für den Menschen da ist und nicht der Mensch für den Sabbat (Mk 2,27). Gewiss, die Beachtung des Sabbatgebots war immer der Übung der Nächstenliebe unterstellt. Es war immer erlaubt, die Sabbatruhe zu brechen, um einem Menschen in Not zu helfen. Jesus erwähnt auch Situationen, bei denen aus praktischen Gründen Arbeiten (z.B. notwendige Arbeiten auf einem Bauernhof, wie das Füttern der Tiere) verrichtet werden konnten, ohne die Sabbatruhe dadurch zu brechen. Es gilt also die Extreme zu meiden: durch Skrupulosität die Nächstenliebe zu vernachlässigen oder notwendige Arbeiten zu unterlassen, um Zeit beim Herrn zu verbringen.

3. Herr, lass mir meine Mittelmäßigkeit. Der Synagogenvorsteher will nicht glauben, weil das, was Jesus sagt und tut, ihm bedrohlich erscheint. Wenn Jesus der Messias ist, bedeutet das für ihn, dass er sein Leben ändern muss, aber das will er nicht. Das ist ihm so vielleicht nicht bewusst, aber das ist der springende Punkt. Auch wir können so sein. Wir wollen etwas, das Jesus uns durch die Kirche lehrt, nicht annehmen, weil das bedeuten würde, dass wir unser Leben ändern müssten, und genau das wollen wir nicht. Wir sind zufrieden mit uns. Manchmal ist schlicht die Furcht vor dem Neuen im Spiel. Jesus bietet uns etwas an, das wir nicht kennen, aber wir wollen es nicht. Wir wollen in unserem Schneckenhäuschen bleiben. Brechen wir also unseren begrenzten Horizont auf und haben wir keine Angst vor dem Unbekannten.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, hilf mir, dich ganz anzunehmen. Wenn ich dich und deine Lehre zurückweise, ohne es zu merken, dann zeig es mir. Hilf mir, den Versuch, mir mein eigenes kleines Universum zu schaffen, wo ich Gott bin, zu überwinden. Erneuere mich, Herr, damit ich mich neuen Horizonten öffnen kann und mich nicht in mich selbst verschließe, denn dadurch schließe ich dich aus.

Vorsatz:  Ich will meine Liebe zu Gott erneuern und während dieses Tages immer wieder auf eine reine Absicht bei all meinem Tun achten.


Das Himmelreich durchdringt und bereichert alles, was es berührt

26. Oktober 2010

Dienstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 13,18-21
Jesus sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, hilf mir, von der unsichtbaren Kraft des Himmelreiches ergriffen zu werden und dass durch mein Zutun das Reich Gottes sich ausbreite.

1.  Das Reich Gottes beginnt im Kleinen. Jesus erzählt uns zwei Gleichnisse, die uns das Himmelreich begreifen helfen. Was sollen wir darüber wissen? Wenn er vom Senfkorn spricht, betont er, dass aus etwas scheinbar Unwichtigem Wichtiges werden kann. Obwohl das Senfkorn so klein, ja fast unsichtbar ist, wächst es zu einem kleinen Baum, auf dem die Vögel nisten können. Seine Nützlichkeit geht weit über die eigenen Bedürfnisse hinaus. Es schützt und hilft anderen.

2. Man muss keine Ahnung von Biologie haben, um Bäcker zu sein. Im Gleichnis vom Sauerteig verhält es sich ähnlich. Der Sauerteig hat eine geheimnisvolle Eigenschaft. Obwohl er nichts Besonderes zu sein scheint – eine kleine Menge – so bewirkt er doch, wenn er unter den Teig gemischt wird, dass dieser aufgeht. Die Juden, die Jesus zuhörten, konnten das nicht erklären. Sie wussten nicht, dass der Sauerteig Hefepilze enthält, die unter geeigneten Bedingungen wie Wärme, Feuchtigkeit und Nährstoffen, zu wachsen beginnen und Kohlendioxid produzieren (welches den Teig aufgehen läßt). Für sie war diese Kraft des Sauerteigs, die den Teig aufgehen ließ, geheimnisvoll. Und doch wussten sie, dass schon eine kleine Menge davon einen riesigen Teig verwandeln kann, so dass das Brot, das daraus gebacken wird, nicht bloß ungesäuertes Brot wird, sondern ein leichtes, luftiges Brot, das viel schmackhafter zu essen war. Ebenso verwandelt Gottes Gnade die Aktivitäten unseres Alltags und macht sie in seinen Augen gefälliger.

3. Die Kirche verwandelt die Gesellschaft. Beide Gleichnisse beziehen sich auf das Himmelreich. Als Jesus vom Senfkorn sprach, hatte er nur wenige Apostel bei sich, die seine Botschaft nur schwer begriffen. Das Himmelreich war so klein, ja unsichtbar, wie das Senfkorn. Und doch ist es dazu bestimmt, unglaublich groß zu werden, und es würde der ganzen Menschheit helfen, nicht nur jenen, die zu ihm gehörten. Als er vom Sauerteig sprach, bezog er sich nicht nur auf das Wachstum des Himmelreichs im Laufe der Jahrhunderte, sondern auch auf die Verwandlung, die es in den Gesellschaften, in die es eindringt, bewirken würde. Wir sehen das in unserer heutigen Welt. Die Kirche ist nicht nur gewachsen, sondern sie hat vielen, die noch nicht in der Kirche sind, einen Sinn von menschlicher Würde und Solidarität verliehen. Die Apostel konnten noch nicht sehen, welch große Wirkung das Reich Jesu in der Welt haben würde, aber sie glaubten an Jesu Worte und wirkten mit, dass sein Reich wachse. Wir, die wir viel mehr sehen können, haben umso mehr einen Grund, durch unseren Glauben und unsere Mitarbeit das Reich Christi aufzubauen.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, ich habe so viel von deinem Reich gesehen, dass ich ohne zu Zögern glauben sollte, und doch zweifle ich manchmal an seiner endgültigen Ausbreitung. Hilf mir, fester zu glauben und mitzuhelfen, dein Reich in meiner Gesellschaft und Kultur auszubreiten.

Vorsatz:  Ich will optimistischer sein im Hinblick auf die Stellung der Kirche in der Gesellschaft und erkennen, wie viel Gutes sie in unserer Gesellschaft schon bewirkt hat – Liebe zu den Armen, Liebe zu den Feinden, und vieles mehr. Ich weiß, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird, und darum will ich heute einen Weg finden, um gut von der Kirche zu reden und für sie etwas Konkretes zu tun.


Durch das enge Tor

27. Oktober 2010

Mittwoch der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 13,22-30
Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, schenke mir Aufrichtigkeit, Demut und Ehrlichkeit, um durch das enge Tor zu gelangen.

1.  Eine Frage, die beunruhigt. Das ist eine Frage, die beunruhigen kann: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Jesus gibt keine direkte Antwort; stattdessen gibt er einen Rat. Es hat fast den Anschein, als ob er der Frage ausweicht, als ob die Antwort nur entmutigen würde. Er will aber Mut machen, gleichzeitig betont er aber die Schwierigkeit, Erfolg zu haben. „Bemüht euch mit allen Kräften“, sagt er, „durch das enge Tor zu gelangen.“ „Bemüht euch mit allen Kräften“ ist der Schlüsselsatz, denn das Tor ist eng und es erfordert größte Anstrengung, hindurchzugelangen.

2. Eine beunruhigende Antwort. Diese Worte – dass viele hindurch gelangen wollen, es aber nicht schaffen – sind beunruhigend. Heutzutage sind wir es gewohnt, genaue Statistiken zu besitzen. Jesus sagt es nicht direkt, wir gewinnen aber den Eindruck, als ob es nur wenige sein würden. Die Möglichkeit des Scheiterns ist sehr real. Wer wird scheitern? Vielleicht jene Menschen, die alle andere Dinge mehr lieben als Jesus? Die Kirche unterstreicht die Wichtigkeit, unsere Herzen allein mit Gott zu füllen. Das ist das Ziel eines asketischen Lebens.

3. Wie stark ist mein Glaube wirklich? Jesus fährt fort, indem er sagt, dass viele, die meinen, genug zu tun, überrascht sein werden, wenn sie erkennen, dass sie zu wenig getan haben. Sie meinen, dass sie gute Christen sind, sie werden aber erfahren müssen, dass sie es nicht sind. Sie werden Jesus sagen, dass sie mit ihm gegessen und getrunken haben, und dass sie jeden Sonntag die Kommunion empfangen haben. Sie werden sagen, dass sie ihn oft in ihren Straßen predigen hörten und dass sie viel Geld gespendet haben, aber das wird nicht genug sein. Ja sogar andere, die scheinbar in ihrem Leben nicht so gut waren, werden vor ihnen in Gottes Reich kommen. In welcher Gruppe werde ich mich befinden? Jesus warnt mich. Ich muss ihm so aufrichtig und ehrlich wie möglich folgen und seinen Willen tun, nicht meinen eigenen. Am Ende meines Lebens werde ich allein die Liebe, die ich Gott und meinem Nächsten erwiesen habe, mit in die Ewigkeit nehmen.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, deine Worte beunruhigen mich. Ich sehe, wie oft ich fehle bei dem, was ich für dich tun sollte. Ich sehe, dass ich mit meiner Kraft allein das nicht erfüllen kann. Sende mir deinen Heiligen Geist, damit er mir hilft zu erkennen, wo ich deinen Erwartungen nicht entspreche, bevor es zu spät ist. Hilf mir, durch das enge Tor zu gelangen.

Vorsatz:  Heute will ich mein Gewissen aufrichtig erforschen, um zu sehen, ob ich in irgendeinem Bereich meines Lebens „Nein“ zu Jesus sage oder ob ich es mir in meinem Leben zu bequem mache. Bequemlichkeit, besonders im geistlichen Leben, ist ein Zeichen dafür, dass ich mich nicht „mit allen Kräften bemühe, durch das enge Tor zu gelangen.“


Heilige Apostel Simon und Judas Thaddäus: treu zum Herrn

28. Oktober 2010

Donnerstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Simon und Judas Thaddäus, Apostel

P. Steven Reilly LC

Lk 6,12-16
In diesen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube, dass du mein Schöpfer und Erlöser bist. Ich hoffe auf deine Güte und Barmherzigkeit. Ich liebe dich von ganzem Herzen. Diese Zeit der Meditation lege ich in deine Hände. Ich danke dir, dass du mir diese Gelegenheit gibst, in der Liebe zu deinem heiligen Willen zu wachsen.

Bitte: Hilf mir, Herr, wie die Apostel beharrlich zu bleiben.

1.  Unmögliche Fälle. Der heilige Judas ist bekannt als der Patron der hoffnungslosen Fälle. Er war ein Verwandter unseres Herrn und schrieb einen der Briefe des Neuen Testaments. Sein Patronat der hoffnungslosen Fälle meint natürlich, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Welchen hoffnungslosen Fall habe ich gerade? Welcher geistige Berg steht vor mir, der mir unüberwindbar erscheint? Ist es tatsächlich so unmöglich, oder fehlt nur mein Vertrauen und mein Beginnen?

2. Eifer für das Reich Gottes. Der heilige Simon wurde Zelot genannt. Die Zeloten waren dafür bekannt, dass sie politisch gegen die römischen Besatzer kämpften. Wenn Simon zu dieser Gruppe gehörte, musste er sicher viel lernen, um Jesu Botschaft vom wahren, geistigen Reich Gottes zu begreifen. Die Tatsache, dass er zu den Aposteln gehört, zeigt, dass Jesus ihm zutraute, sich zu ändern. Vielleicht könnte Simon der Patron für die Bereitschaft, sich zu ändern, sein – dann hat sein gemeinsamer Gedenktag mit dem heiligen Judas richtig Sinn. Sich und seine Sichtweise zu ändern, scheint manchmal wirklich ein hoffnungsloser Fall zu sein. Die Apostel sind aber der Beweis dafür, dass Christus mächtiger als unsere Schwächen ist, solange wir den wirklichen Wunsch haben, ihm zu folgen.

3. Stütze sein. Wenn wir an die Apostel denken, nennen wir Simon und Judas nicht als erstes. Nicht jeder muss ein Hauptdarsteller sein, um eine felsenfeste Stütze für die Kirche zu sein. Das aber waren Simon und Judas: Männer, die Christus treu waren und die Mission, die er ihnen anvertraute, beharrlich erfüllten. Wir brauchen keine Stars, wir brauchen treue Apostel.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast nicht die Besten dieser Welt zu Aposteln erwählt. Sie wurden aber unendlich mehr: Heilige. Hilf mir, an die Macht deiner Gnade zu glauben, die mich verwandeln und heilig machen kann.

Vorsatz:  Ich will demütig sein und dort Stütze sein, wo ich gebraucht werde.


Du wirst beobachtet

29. Oktober 2010

Freitag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Langan LC

Lk 14,1-6
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Da stand auf einmal ein Mann vor ihm, der an Wassersucht litt. Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die Pharisäer und fragte: Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen, oder nicht? Sie schwiegen. Da berührte er den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen. Zu ihnen aber sagte er: Wer von euch wird seinen Sohn oder seinen Ochsen, der in den Brunnen fällt, nicht sofort herausziehen, auch am Sabbat? Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, mach mich zu deinem Zeugen in einer Welt, die dir oft gleichgültig gegenüber steht.

1.  Und sie beobachteten ihn. Der Herr kennt die Gedanken dieser Männer. Mit seiner Frage stellt er ihre Falschheit bloß: Gott legte großen Segen auf den siebten Tag, doch sie wollen gute Werke an diesem Tag verbieten. Somit könnte es so aussehen, dass der Tag, an dem gute Werke zu tun verboten ist, ein verfluchter Tag sei. Wir wollen uns also immer bemühen, den Willen Gottes in unserem Leben zu erfüllen, damit wir jede Minute unseres Tages zur größeren Ehre Gottes nutzen können.

2. Sie aber schwiegen. Der Mann, der an Wassersucht litt, bittet nicht um Heilung, vielleicht aus Furcht vor den beobachtenden Pharisäern, aber Christus weiß, was er in seinem Herzen ersehnt. Jesus macht sich keine Sorgen, dass diese gute Tat die Pharisäer empören könnte; er ist immer nur bestrebt, Gutes zu tun. Die Pharisäer schweigen, weil sie wissen, dass Jesus diesem Mann etwas geben wird, was sie nicht haben – ihre Herzen blieben diesem kranken Mann gegenüber verschlossen. Wir sollen allen Gutes wünschen. Ein Zeichen dafür, dass unsere Herzen dem Herrn gegenüber verhärtet sind, ist, wenn wir anderen Glück nicht gönnen oder ihnen sogar schlechtes wünschen. Wenn wir nicht vergessen, dass wir vor Gott Bettler sind, dann fällt es uns wesentlich leichter, anderen gegenüber barmherzig zu sein.

3. Immer auf Christus schauen. In diesem Evangelium schauen die Pharisäer und der Mann, der an Wassersucht litt, auf Christus. Die Pharisäer schauen voll Skepsis auf Christus, und kein Wunder kann diese Skepsis überwinden; der leidende Mann schaut mit den Augen seines Herzens auf Christus. Dieser Mann ersehnt etwas, das nur Christus ihm geben kann, und Christus lässt sich an Großzügigkeit nicht übertreffen. Wir wissen nicht, was aus diesem Mann geworden ist. Wir können uns nur vorstellen, dass er begeistert von Christus Zeugnis abgelegt hat und davon wie er ihn geheilt hat, selbst unter dem strengen Blick der Pharisäer. Es gilt also, was Papst Johannes Paul II. so oft wiederholt hat: „Fürchtet euch nicht!“

Gespräch mit Christus: Herr, lass mich mit den Augen des Glaubens all das sehen, was du in meinem Leben gewirkt hast, besonders dann, wenn ich nicht verstehe, warum du es so gemacht hast. Hilf mir, anderen Zeugnis von den Dingen zu geben, die du mir oder meiner Familie getan hast. Lass mich die Gnaden, die du mir schenkst, nie für selbstverständlich nehmen.

Vorsatz:  Ich will heute ein Gebet für jemanden sprechen, von dem ich weiß, dass er sein Herz Christus noch nicht geöffnet hat, aus Mangel an Glauben oder aus Skepsis gegenüber dem Glauben. Ich will versuchen, durch mein Gebet und mein Beispiel, Christus wieder in das Herz dieses Menschen zu bringen.


Freund, rück weiter hinauf

30. Oktober 2010

Samstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis

P. James Swanson LC

Lk 14,1,7-11
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an dich mit einem Vertrauen, das dich nicht auf die Probe stellen will. Ich vertraue auf dich und hoffe zu lernen, deinen Willen zu akzeptieren und ihm zu folgen, auch wenn ich gerade seinen Sinn nicht erkenne. Ich liebe dich, Herr. Möge meine Liebe zu dir und den Menschen um mich der Liebe ähnlich sein, die du mir erwiesen hast.

Bitte: Herr, hilf mir, meine Selbstsucht durch Liebe zu ersetzen.

1.  Ich möchte alles über mich wissen. Früher oder später macht jeder einmal die unangenehme Erfahrung, mit jemandem zusammen zu sein, der immer nur an sich selbst denkt. Vielleicht tun wir das selbst, ohne zu merken, wie das den Menschen um uns herum missfällt. Ich erinnere mich, selbst einmal mit so einem Menschen zusammengearbeitet zu haben. Er war ansonsten der netteste Mensch der Welt, aber er sprach ständig über sich selbst. Er war sich selbst sein Lieblingsgesprächsthema. Es war sein einziger offensichtlicher Fehler, aber ein fataler. Ich bin mir sicher, dass es ihm nicht bewusst war. Wenn man ihn gefragt hätte, ob er mehr als andere über sich selbst spräche, hätte er wohl gesagt, dass er das nicht tue. Er hatte sehr viele Tugenden und wenn er diese eine Untugend losgeworden wäre, hätte ihn das wohl zu einer sehr beliebten Person gemacht. Aber dadurch, dass er sich selbst immer an die erste Stelle setzte, gaben wir ihm in unseren Herzen immer die letzte.

2. Wer nimmt den ersten Platz in unserem Herzen ein? Manchmal begegnen wir aber auch Menschen, die nicht sich selbst beweihräuchern. Sie scheinen nur für andere zu leben. Wir nehmen sie nicht immer wahr, wenn sie um uns herum sind, wir nehmen aber die Auswirkungen wahr. Alle sind glücklicher. Es gibt weniger Unruhe. Die Menschen scheinen weniger besorgt zu sein. Diese Leute sind wie das Öl im Getriebe. Wenn wir Hilfe brauchen, sind sie da, ohne dass wir sie bitten müssen. Ihre Hilfe und Freundschaft sind selbstverständlich. Wir können auf sie zählen. Sie sind in der Lage, die Menschen um sie herum so zu fördern, dass alles effektiver vorangeht. Alle mögen sie. Sie sind vielleicht nicht immer die größten Persönlichkeiten oder die geselligsten Menschen, aber das stört niemanden. Ihre Güte ist ausstrahlend. Während sie bescheiden und unwichtig zu sein scheinen, werden sie von allen in höchsten Tönen gelobt. Ohne es zu merken, nehmen sie in den Herzen vieler einen sehr hohen Platz ein.

3. Wächst mein Ehrgeiz oder meine Liebe? Was bin ich für ein Mensch? Fördere ich nur mich selbst? Oder tue ich, was ich kann, wann immer ich kann, um anderen zu helfen und sie glücklich zu machen? Das ist der Weg zu echter Erfüllung. Außerdem sagt Jesus, dass diejenigen, die die Ersten sein wollen, die Letzten sein werden, die allen dienen müssen. Bedeutet das, dass Jesus damit sagen will, um den ersten Platz zu bekommen, muss ich den Dienst an den anderen in Kauf nehmen? Keineswegs. Jesus geht es nicht darum, dass wir unseren Ehrgeiz stillen. Er sagt uns, wie wir in seinem Herzen den ersten Platz gewinnen können, ja sogar in den Herzen der anderen. Wenn wir den ersten Platz im Herzen Jesu gewinnen wollen, dann müssen wir allen anderen dienen. Mehr noch, wenn wir die Demut haben, anderen zu dienen, werden wir auch im Herzen der anderen einen hohen Platz einnehmen. Wenn wir einen niedrigen Platz einnehmen, werden sie uns immer weiter hinauf rücken.

Gespräch mit Christus: Liebster Jesus, ich diene oft mir selbst und meinem Ehrgeiz, du aber willst, dass ich den Wunsch habe, anderen zu dienen. Hilf mir mehr auf das zu achten, was wirklich zählt – zu lieben – als auf äußere Ehren zu setzen, die nur meine Selbstsucht befriedigen wollen.

Vorsatz:  Heute will ich jemandem einen Dienst erweisen – wenn möglich, ohne dass er oder sie das merkt. Das sind die Taten, die am tiefsten die Liebe zum Ausdruck bringen. Denken wir daran, dass immer dann, wenn wir für unser Tun einen Lohn erwarten, und sei es auch nur Dank, das nicht mehr Liebe ist, sondern Geschäft.