Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 1. August 2010 bis Samstag 7. August 2010

Achtzehnte Woche im Jahreskreis

P. Patrick Murphy LC, P. Jason Wallace LC

Des Reichen TorheitSonntag
Ein karges MahlMontag
Mission Impossible?Dienstag
Dreiste HartnäckigkeitMittwoch
Der geheimnisvolle MannDonnerstag
Eine wahre WandlungFreitag
Das Unerträgliche ertragenSamstag


Des Reichen Torheit

1. August 2010

Achtzehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Patrick Murphy LC

Lk 12,13-21
Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du willst, dass ich Vertrauen in dich habe, ein Vertrauen, das vorbehaltlos auf deine Worte hört. Ich hoffe auf deine Worte und vertraue nicht ausschließlich auf meine eigene Kraft und meinen eigenen Verstand. Ich liebe dich. Du erstaunst mich immer wieder, wenn du mir zeigst, wie du Dinge anders tust als ich sie tue.

Bitte: Herr, lass mich dich mit ganzem Herzen, mit ganzem Verstand, mit all meiner Seele und all meiner Kraft lieben.

1. Vorsicht vor der Habgier. „Hütet euch vor jeder Art von Habgier…“ Habgier entsteht, wenn wir die materiellen Dinge und deren Besitz auf selbstsüchtige und ungeordnete Weise lieben. Gott schuf diese „Dinge“ – die materielle Wirklichkeit – mit bestimmter Absicht: sie sollen uns dabei helfen, unsere Mission in diesem Leben zu erfüllen. Die Gefahr besteht aber, dass wir diese Dinge über alle Maßen lieben und Reichtum um seiner selbst willen anhäufen wollen, anstatt sie dazu zu benützen, unsere Mission zu erfüllen und unsere Seele zu retten.

2. Ein Herz, eine Liebe. Jesus ruft uns dazu auf, Gott, unseren Herrn, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all unserer Kraft und mit all unserem Verstand zu lieben. Wir haben nur ein Herz, eine Seele, einen Willen und einen Verstand. Wenn ich materiellen Reichtum auf ungeordnete Weise liebe, dann werden mein Herz, meine Seele geteilt und gleichzeitig in verschiedene Richtungen gezogen. Und dann bin ich nicht mehr fähig, Gott mit vollkommener und treuer Liebe zu lieben. Mit geteiltem Herzen ist meine Liebe zu ihm und allen anderen schwach und verwässert.

3. Spät habe ich geliebt…  „Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, immer alt, immer neu, spät habe ich dich geliebt. Du warst in mir, und ich suchte dich in den äußeren Dingen; Ich suchte dich, und elend wie ich war, suchte ich das Geschaffene, ich ließ mich festhalten von den wunderbaren Werken deiner Hände“ (Hl. Augustinus, Bekenntnisse). Was meine Liebe verwässert, ist die ungeordnete Liebe zu den Dingen, die Gott geschaffen hat. Unser Herz kann viele Personen und Dinge lieben (Gott, Eltern, Kinder, Freunde), aber nur bis einem gewissen Grad ist es fähig, sich auf eines davon zu konzentrieren. Wenn wir Gott an erster Stelle lieben, gleicht das dem Benutzen einer Lupe. Die Sonnenstrahlen, das heißt die Liebe, die wir zu vielen Personen und Dingen haben, werden durch diese Lupe gebündelt und zu einem mächtigen Strahl vergrößert. Wenn wir Gott an erster Stelle lieben, wird auch die Liebe zu den anderen und der Welt vermehrt und intensiviert.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast mein Herz für die Liebe geschaffen. Oft verliebe ich mich in die Dinge, die du geschaffen hast. Ich kann sie sogar mehr lieben als dich und somit vergessen, dass du ihr Schöpfer bist und sie mir gegeben hast, damit sie mich zu dir führen. Hilf mir, dich über alles zu lieben, dir zu danken und dich auf vielfältige Weise zu preisen.

Vorsatz:  Ich will mich fragen, was ich alles liebe und mir von neuem vornehmen, Gott an die erste Stelle zu setzen.


Ein karges Mahl

2. August 2010

Montag der achtzehnten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Murphy LC

Mt 14,13-21
Als Jesus all das hörte, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du willst, dass ich Vertrauen in dich habe, ein Vertrauen, das vorbehaltlos auf deine Worte hört. Ich hoffe auf deine Worte und vertraue nicht ausschließlich auf meine eigene Kraft und meinen eigenen Verstand. Ich liebe dich. Du erstaunst mich immer wieder, wenn du mir zeigst, wie du Dinge anders tust als ich sie tue.

Bitte: Herr Jesus, vermehre meinen Glauben.

1. Fruchtige Früchte. Unsere Mission besteht darin, das Reich Christi unter den Menschen zu verbreiten. Jeder von uns muss dies entsprechend seiner oder ihrer gesellschaftlichen Stellung tun. Bisweilen mag es so aussehen, als ob unsere Bemühungen nicht zu den erhofften Ergebnissen führen. Wir lieben Christus so sehr, und doch sind es so viele aus unserer Familie, von unseren Freunden und Bekannten, die ihn überhaupt nicht kennen oder lieben. Wir lieben unser Land und wünschen uns, dass auch alle unsere Landsleute die Schönheit unseres katholischen Glaubens für sich selbst entdecken. Wir wissen, dass in diesem Glauben alle Antworten auf die Grundfragen und Sehnsüchte des menschlichen Herzens liegen. Wir arbeiten hart, wir starten Initiativen, wir treffen uns mit anderen und bemühen uns, unser Bestes zu tun, und dennoch scheint es manchmal, dass viele die Botschaft Christi nicht hören. Was läuft falsch? Was können wir noch tun?

2. Gebt ihr ihnen zu essen! Unser Herr sagt den Aposteln, dass sie der Menge zu essen geben sollen. Wie nur hätten sie 5.000 Männer speisen können, dazu noch Frauen und Kinder? Sie hatten nur fünf Brote und zwei Fische. Das war sicherlich eine Parabel, dachten sie. Sie waren zu sehr auf das Wenige, das sie tun konnten, konzentriert; über ihren begrenzten Horizont hinaus sahen sie nicht. Was ging ihnen durch den Kopf, als er sagte, dass sich die Menschen setzten sollten. Was sagten sie in diesem Moment? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass sie auf Christus hörten. Sie taten, was ihnen aufgetragen wurde. Sie begannen nicht zu beklagen, dass dies zwecklos sei. Und so begannen sie durch ihren Akt des Gehorsams tatsächlich, die Menschen zu speisen.

3. Sich auf Gott verlassen. Unser Herr vermehrte kraft seiner göttlichen Vollmacht die Anzahl der Brote und Fische. Interessanterweise speiste er die Menschen durch die zwölf Apostel. Die Apostel waren trotz ihrer Schwäche diejenigen, die das vermehrte Brot und die Fische an die Menschen austeilten. Christus kann ebenso auch an und durch uns große Dinge tun, wenn wir ihn lassen. Wenn wir angesichts der Herausforderungen der Neuevangelisierung Christus unsere Schwächen und Grenzen eingestehen und bereit sind zu tun, was er sagt, dann werden auch wir große Frucht bringen.

Gespräch mit Christus: Wiederum, mein Herr, zeigst du uns deine Güte und Freundlichkeit. Die Apostel wandten sich dir zu und schütteten ihr Herz aus. Und du beantwortetest ihre Gebete und gabst ihnen Früchte über alle Maßen. Herr, ich will beten, wie sie beteten. Ich möchte so wie sie in Glaube und Liebe tun, was du mir aufträgst.

Vorsatz:  Ich will um die Gnade bitten, als Christi Werkzeug der Evangelisation zu dienen und mich bemühen, trotz aller Schwierigkeiten den Mut nicht zu verlieren.


Mission Impossible?

3. August 2010

Dienstag der achtzehnten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Murphy LC

Mt 14,22-36
Gleich darauf forderte Jesus die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Sie fuhren auf das Ufer zu und kamen nach Gennesaret. Als die Leute dort ihn erkannten, schickten sie Boten in die ganze Umgebung. Und man brachte alle Kranken zu ihm und bat ihn, er möge sie wenigstens den Saum seines Gewandes berühren lassen. Und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du willst, dass ich Vertrauen in dich habe, ein Vertrauen, das vorbehaltlos auf deine Worte hört. Ich hoffe auf deine Worte und vertraue nicht ausschließlich auf meine eigene Kraft und meinen eigenen Verstand. Ich liebe dich. Du erstaunst mich immer wieder, wenn du mir zeigst, wie du Dinge anders tust als ich sie tue.

Bitte: Herr, möge mein Gebet heute bewirken, dass ich den Schritt aus meiner Bequemlichkeit heraus wage.

1. Einsamkeit und Gebet. Jesus schickte die Menge fort und ging auf einen Berg, um zu beten. Er war bereit, auf die Gesellschaft anderer zu verzichten, um allein mit Gott zu sein. Ohne andere allein in der Stille zu sein kann für kurze Zeit zu einem Gefühl der Einsamkeit und der inneren Leere führen. Vielleicht fühlen wir das Verlangen, die Gesellschaft anderer zu suchen – um so den Schmerz des Alleinseins zu betäuben. Wenn das der Fall ist, müssen wir im Gebet ausharren. Der Schmerz der Stille kann sich in Freude und Frieden verwandeln. Wir müssen aber mit Gott verbunden bleiben und lernen, uns über seine Gegenwart im stillen Gebet zu freuen.

2. Furcht vor dem Gebet. „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht.“ Petrus antwortete ihm: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Manchmal kann unsere Furcht vor dem stillen Gebet größer sein als die Furcht, die Petrus empfand. Wir haben uns so sehr an das Zusammensein mit anderen gewöhnt, wir sind oft sehr beschäftigt, werden oft gebraucht, dass wir uns davor fürchten, diese Gewohnheiten zu verlassen, und sei es auch nur für die Zeit eines kurzen Gebets. Wir müssen bereit sein, diese Gewohnheiten aufzugeben, zumindest zeitweise, wenn wir Beten lernen wollen. Wir müssen frei von uns selbst werden, um mit Christus erfüllt zu werden und uns auf seine Stärke zu verlassen und ihm zu vertrauen.

3. Ein fester Entschluss. „Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.“ Wenn wir einmal „im Boot sind“, das heißt, wenn wir uns entschließen, stilles und konzentriertes Beten zu üben, werden sich unsere Ängste und Befürchtungen wie der Wind legen. Wir müssen den festen Entschluss fassen, uns tief aufs Gebet einzulassen und alle Trägheit überwinden, wenn wir die wahre Freiheit, den Frieden und die Freude echten Gebets erleben wollen. Bitten wir den Herrn um diese Gnade und seien wir großzügig, wenn wir beginnen.

Gespräch mit Christus: Herr, du kennst die Schwerfälligkeit, die ich erlebe, wenn ich beten will. Du weißt, wie oft ich versucht werde, mit dem Beten aufzuhören und etwas anderes zu tun. Gib mir einen tiefen Glauben und großen Mut, den Schritt ins Tiefe zu wagen und mit ganzem Herzen mein Beten zu beginnen.

Vorsatz:  Ich will den festen Entschluss fassen, heute intensiv zu beten.


Dreiste Hartnäckigkeit

4. August 2010

Mittwoch der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Jean Marie Vianney, Pfarrer von Ars

P. Patrick Murphy LC

Mt 15,21-28
Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du willst, dass ich Vertrauen in dich habe, ein Vertrauen, das vorbehaltlos auf deine Worte hört. Ich hoffe auf deine Worte und vertraue nicht ausschließlich auf meine eigene Kraft und meinen eigenen Verstand. Ich liebe dich. Du erstaunst mich immer wieder, wenn du mir zeigst, wie du Dinge anders tust als ich sie tue.

Bitte: Herr, erfülle mein Herz mit Dankbarkeit und Zuversicht, selbst wenn jene, die ich liebe, leiden.

1. Meine Tochter…  „Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.“ Das Leiden anderer Menschen erfüllt uns mit Mitleid. Wenn aber ein Sohn oder eine Tochter leidet, dann kann unsere Angst übergroß werden. Stellen wir uns das Leiden dieser Frau im Evangelium vor. Stellen wir uns den tiefen Schmerz vor, den sie in ihrem Herzen fühlte. Ihre Liebe aber nährte ihre Hoffnung und ließ sie Jesus suchen. Wenn jene, die wir lieben, leiden, müssen wir dasselbe tun.

2. Neue Dimensionen. Nur eine Mutter oder ein Vater wissen um ihre starke Liebe zu einem Kind: „Worte können das nicht beschreiben…“ Wir verstehen erst dann die Liebe richtig, wenn es um Menschen geht, die wir kennen und lieben. Betrachten wir das Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Stellen wir uns die falschen Anklagen vor, die Geißelung, die Demütigungen und die Kreuzigung. Und jetzt stellen wir uns unseren eigenen Sohn oder unsere eigene Tochter vor, oder unsere Mutter oder unseren Vater oder sonst eine geliebte Person, die das gleiche Schicksal erleiden. So nimmt das Leiden Christi eine neue Dimension an.

3. Unser Anspruch auf Gottes Gnade. „Ja, du hast recht, Herr! Denn selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Glauben und Demut rühren das Herz Christi. Wie schnell benehmen wir uns wie verwöhnte Kinder und meinen, dass wir mehr verdienen. „Die Erde schuldet dir nicht den Lebensunterhalt,“ lautet der Spruch eines Weisen. „Sie war vor dir da.“ Wie viel glücklicher sind wir, wenn wir unser Kleinsein, unsere Unwürdigkeit anerkennen, wenn wir uns als Geschöpfe Gottes erkennen, die von ihm das Leben, den Atem und ihr Herz empfangen haben. Alles, was wir besitzen, ist ein Geschenk seiner schöpferischen Liebe. Wie glücklich sind wir, wenn wir dankbar sind und ihm unseren Dank auf vielerlei Weise während eines Tages ausdrücken.

Gespräch mit Christus: Herr, ich lobe dich und danke dir von ganzem Herzen für all das, was du für mich getan hast. Ich weiß, dass auch das Leiden aus deiner Hand kommt, weil es zu meinem Besten ist. Ich verstehe das nicht immer gleich. Schenk mir Dankbarkeit, Glauben und Vertrauen, damit ich mein Kreuz annehmen kann und mich über deine erfinderische Liebe, die stets Neues schafft, freuen kann.

Vorsatz:  Ich will heute dem Herrn den Tag hindurch öfters Dank sagen.


Der geheimnisvolle Mann

5. August 2010

Donnerstag der achtzehnten Woche im Jahreskreis

P. Patrick Murphy LC

Mt 16,13-23
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du willst, dass ich Vertrauen in dich habe, ein Vertrauen, das vorbehaltlos auf deine Worte hört. Ich hoffe auf deine Worte und vertraue nicht ausschließlich auf meine eigene Kraft und meinen eigenen Verstand. Ich liebe dich. Du erstaunst mich immer wieder, wenn du mir zeigst, wie du Dinge anders tust als ich sie tue.

Bitte: Herr, lass mich dich durch den Glauben und eine großzügige Nachfolge immer mehr erkennen.

1. Halbwissen. Wir erlangen Wissen durch Erfahrung. Die Menschen in dieser Bibelstelle versuchten Jesus zu kennen, indem sie ihn mit anderen identifizierten. Einige sagten, er sei Johannes der Täufer, der wie der Herr Reue und Umkehr predigte. Andere verglichen ihn mit Jeremia, dessen Prophetien einen neuen Bund ankündigten, den Gott mit dem Haus Israel schließen würde, wo Gott sein Gesetz in ihre Herzen schreiben würde. „Ich werde ihr Gott sein,“ sagte er, „und sie werden mein Volk sein.“ (Jer 31,33). Wieder andere hörten von Jesu außerordentlichen Werken und hielten ihn für Elias, der auf einem feurigen Wagen zum Himmel emporgefahren war.

Alle diese Personen sind Jesus auf ihre Art ähnlich. Aber sie offenbaren nicht sein ganzes Mysterium. Bin ich damit zufrieden, nur Teilaspekte von ihm zu kennen, oder will ich ihn in- und auswendig kennenlernen?

2. Ein Abglanz. Jesus gleicht in der Tat den Propheten und Patriarchen des Alten Bundes. Er gleicht ihnen, übersteigt sie aber auch bei weitem. Keiner dieser heiligen Männer erreicht die Dimensionen der Person Christi. Sie sind die Strahlen, er ist die Sonne. Die Apostel wissen, dass der Herr mehr ist als Moses, Elias, Jeremia oder sogar Johannes. „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ „Du bist der Messias, der Sohn Gottes.”

Wie wunderbar ist es doch, im Glauben zu wissen, dass Jesus wahrhaftig der Sohn Gottes ist. Schätze ich dieses wunderbare Geschenk, meinen Gott, Schöpfer und Erlöser durch die Person Jesus Christus zu kennen? Ich kann mich in ihm ausruhen und Kraft, Hoffnung und Freude in ihm finden. Ruhe ich in ihm?

3. Schließlich ahnte er die Wahrheit und er begann, Licht zu sehen. „Selig bist du, Simon, Sohn des Jona. Denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Die Apostel hatten Jesus zuerst mit den heiligen Männern aus Israels Vergangenheit verglichen, sahen aber bald, dass er sie alle übertraf. Seine Tugenden, seine Güte und Macht nahmen immer mehr zu, bis er alle Vergleiche in Luft auflöste. Er war nicht nur quantitativ mehr, sondern auch qualitativ viel, viel mehr. Der Vater im Himmel schenkte ihnen die Erleuchtung, und schließlich glaubten sie.

Es ist nötig für mich, im Licht zu leben, das so hell geleuchtet hat und weiterhin leuchtet. Christus sagt uns, dass er das Licht der Welt ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Schätze ich meinen Glauben an Jesus Christus, schütze ich diesen Glauben und bemühe ich mich, ihn wachsen zu lassen und Frucht zu bringen?

Gespräch mit Christus: Herr, wenn ich das Evangelium lese, staune ich über deine Größe, aber allein die Gnade kann bewirken, dass ich glaube. Nur die Gnade kann meinen Glauben stärken und mir helfen, die Dinge so zu sehen und zu verstehen, wie du das tust. Gib mir die Gabe des Glaubens, damit ich diese Grenzen überschreiten und dich als mein höchstes Gut erkennen kann.

Vorsatz:  Ich will heute um das Geschenk des Glaubens für jene bitten, die nicht glauben.


Eine wahre Wandlung

6. August 2010

Freitag der achtzehnten Woche im Jahreskreis
Verklärung des Herrn

P. Patrick Murphy LC

Lk 9,28b-36
Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.

Einführendes Gebet:  Herr, ich glaube an deine wunderbare leuchtende Herrlichkeit, auch wenn sie meinen Augen verborgen ist. Ich hoffe auf den Frieden und die ewige Freude der kommenden Welt, denn diese Welt ist ein Tal der Tränen. Ich liebe dich, auch wenn es mir schwer fällt, deine Absichten zu erkennen, wenn du es zulässt, dass ich Leid erfahre. Du bist mein Gott und mein alles.

Bitte: Herr, mach mein Herz frei von der Welt und gewähre mir die Gnade, allein aus Liebe zu dir zu leben.

1. Gespräch über sein Ende. Jesus redete mit Moses und Elija über sein Ende: die Befreiung der Menschheit aus der Sklaverei der Sünde. Er redete nicht über die Wunder, die er vollbringen wollte, über die Schönheit dieser Welt oder über seine Ambitionen. Er machte sich keine Gedanken darüber, wie er seine Talente am besten nutzen könnte, wie er Großes erreichen könnte, wie er die Wertschätzung der Leute gewinnen könnte, wie er sich einen Namen machen könnte, oder wie er sich ein bequemes Leben machen könnte. Jesus redete über keines dieser Dinge. Er dachte einzig und allein an sein Ende, sein Leiden, seinen Tod und seinen Fortgang aus dieser Welt, um seinen Vater zu verherrlichen, indem er seinen Willen, die Menschheit zu retten, erfüllte.

2. Das verheißene Land. Unser Herz kann viele Dinge lieben und sich zu ihnen hingezogen fühlen: Ambitionen, Wünsche, Hoffnungen, Ehre, Komfort, Erfolg, Selbstverwirklichung. Unser Herr hat alle diese Dinge seiner Liebe zum Vater untergeordnet. Christus nachzufolgen und frei von der Welt zu sein bedeutet: bereit zu sein, alle diese Dinge aus Liebe zu Christus aufzugeben, wenn er das von uns verlangt. Wir müssen Christus so lieben, dass er uns mehr wert ist als alles andere. Das ist das verheißene Land und die wahre Befreiung aus der Sklaverei des Egoismus. Wenn wir so uns selbst sterben, werden wir mit den Früchten der Freude, des Friedens, der Liebe und des ewigen Lebens belohnt.

3. Die Ichbezogenheit muss ausgerissen werden. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein“ (Joh 12,24). Unsere Liebe muss gereinigt werden, muss sterben, wie das Korn in der Erde, weil unsere Liebe sehr ichbezogen ist. Diese Ichbezogenheit muss ausgerissen werden und sterben. Wenn wir das analysieren, was wir lieben, werden wir erkennen, dass das stimmt. Eine Frau, die ihren Mann liebt, kann in ihrer Liebe eine Ichbezogenheit feststellen, die verursacht, dass sie die Kontrolle über ihren Mann haben will. Ein Vater, der seinen Sohn liebt, bestraft ihn aus Ärger und nicht zu dessen größerem Nutzen. Das ichbezogene Element unserer Liebe macht diese arm und matt und bewirkt, dass wir weniger lieben, als wir in Wirklichkeit könnten.

Gespräch mit Christus: Herr, mach meine Liebe frei von aller Ichbezogenheit. Hilf mir, den großzügigen Schritt zu tun und mir selber abzusterben. Hilf mir zu verstehen, dass ich so wirklich frei werde und Freude in meinem Herzen erfahren werde und so fähig werde, mein Leben im wahren Geist der Hingabe zu leben.

Vorsatz:  Ich will mich heute bemühen, die Ichbezogenheit in einer Beziehung zu überwinden.


Das Unerträgliche ertragen

7. August 2010

Samstag der achtzehnten Woche im Jahreskreis

P. Jason Wallace LC

Mt 17,14-20
Als sie zurückkamen, begegneten sie einer großen Zahl von Menschen. Da trat ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Immer wieder fällt er ins Feuer oder ins Wasser. Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen. Da sagte Jesus: O du ungläubige und unbelehrbare Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Dann drohte Jesus dem Dämon. Der Dämon verließ den Jungen, und der Junge war von diesem Augenblick an geheilt. Als die Jünger mit Jesus allein waren, wandten sie sich an ihn und fragten: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? Er antwortete: Weil euer Glaube so klein ist. Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, ich glaube, dass du willst, dass ich Vertrauen in dich habe, ein Vertrauen, das vorbehaltlos auf deine Worte hört. Ich hoffe auf deine Worte und vertraue nicht ausschließlich auf meine eigene Kraft und meinen eigenen Verstand. Ich liebe dich. Du erstaunst mich immer wieder, wenn du mir zeigst, wie du Dinge anders tust als ich sie tue.

Bitte: Herr, gib mir die Gnade, auf dich zu vertrauen.

1. Keine Zeit für Selbstzufriedenheit. Kurz vor diesem Ereignis hatten die Apostel die Verklärung Christi miterlebt. Sind auch Sie schon einmal voller Begeisterung von Exerzitien nach Hause gekommen und wollten die Welt verändern? Aber dann sind unerwartete Kreuze gekommen – ein ablehnendes Wort, eine Versuchung, die Sie zuvor niemals kannten, eine Familientragödie. Wenn wir uns ganz von Gottes Herrlichkeit umfangen fühlten, mussten wir plötzlich die harte Realität dieser Welt erfahren. Die glücklichen Momente, in denen wir Gott wirklich erfahren, sollen uns die Kraft geben, die Herausforderungen, die noch vor uns liegen, mit Kraft und Ausdauer anzugehen. Wir müssen voranschreiten, selbst wenn uns wie den Soldaten im Krieg die Kugeln nur so um die Ohren fliegen. Wir brauchen dazu einen starken Glauben.

2. Die geheimnisvolle Zutat. Die Apostel waren losgezogen und meinten, dass sie die Leute heilen könnten, aber sie vergaßen dabei die geheimnisvolle Zutat – den Glauben. Es sind nicht die Apostel, die diese Werke vollbringen; Gott wirkt durch sie. Könnte es sein, dass sie das vergessen hatten und anmaßend geworden waren? Wie oft passiert es auch uns, dass wir eine großartige Erfahrung beim Gebet machen; kaum sind wir aber aus der Haustüre hinausgegangen, verfallen wir gleich wieder in unseren Egoismus. Getrennt von Christus haben wir aber keine Kraft. Wir müssen unseren Glauben in die Tat umsetzen. Achten wir aber darauf, dass unsere Taten mit und durch Christus getan werden.

3. Zurückblicken. Stellen wir uns vor, wie Petrus zurückblickte auf die vielen Erlebnisse, die er mit Christus hatte und dabei feststellte, wie geduldig unser Herr immer wieder mit ihm gewesen war. Er erinnerte sich auch daran, wie barmherzig Jesus mit den Menschen gewesen war. Ist diese Geduld und Barmherzigkeit Jesu auch meine tägliche Stütze? Oder verliere ich oft meine Geduld und werde unsicher, weil ich nicht weiß, wie ich mit den Fehlern anderer Menschen oder mit Konfliktsituationen umgehen soll? Ist es schwer für mich, wenn die Menschen das Offensichtliche nicht erkennen wollen? Geh ich mit dem Versagen und den Fehlern der Anderen nicht richtig um? Gehen wir zu Christus. Schauen wir auf ihn, auf sein sanftes Lächeln und erinnern wir uns daran, wie lang er warten musste, bis wir ihm in die Augen schauten und unser Leben änderten.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, du streckst mir immer deine Hände entgegen, aber oft benutzte ich meine Hände für meine eigenen Ziele. Nimm mich jetzt an der Hand und führe mich dorthin, wohin ich nach deinem Willen gehen soll.

Vorsatz:  Wenn ich heute bete, will ich auf den Weg zurückblicken, den ich bis jetzt schon gegangen bin, und dankbar sein.