Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 27. Juni 2010 bis Samstag 3. Juli 2010

Dreizehnte Woche im Jahreskreis

P. Matthew Kaderabek LC, P. Jeffery Bowker LC, P. Steven Liscinsky LC und P. Robert DeCesare LC

Gott – über alles Sonntag
Entschiedene Jüngerschaft Montag
Die Säulen der Kirche Dienstag
Macht über Besessene Mittwoch
Das Erbarmen Christi ergründen Donnerstag
Sich nach Erbarmen sehnen Freitag
Zweifle nicht, sondern glaube Samstag


Gott – über alles

27. Juni 2010

Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis

P. Matthew Kaderabek LC

Lk 9,51-62
Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.

Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Einführendes Gebet:   Herr, ich will alle Ablenkungen beiseite legen und dir meine volle Aufmerksamkeit schenken. Heute will ich nichts Wichtigeres tun als deine Güte und deine aktive Rolle in meinem Leben im Gebet zu betrachten. Obwohl ich es nicht wert bin, in deiner Gegenwart zu sein, vertraue ich auf deine Gnade und Liebe. Durch diesen Moment des Gebets möchte ich dir näherkommen und lernen, mehr zu leben wie du.

Bitte:  Herr, mögen die Verlockungen der Welt im Vergleich zu dir stets blass aussehen.

1. Die richtige Wahl treffen. Die Versuchung ist eine Wahl zwischen Gut und Böse. Aber manchmal ist nicht die Wahl zwischen diesen Gegensätzen das Schwere, sondern die Wahl zwischen zwei guten Dingen. In solch einer Situation befinden sich die Männer aus dem heutigen Evangelium, die Jesu Jünger werden wollen. In solchen Fällen könnte man sagen, dass ein Gut gelegentlich der Feind des Besten wird. Manchmal müssen wir zu etwas Gutem Nein sagen, um das Eine, das notwendig ist, anzunehmen. Im heutigen Evangelium, wie auch in dem von morgen, treffen wir Menschen, die Christi engste Jünger hätten werden können, die sogar zu seinen Aposteln hätten erwählt werden können, wenn sie nicht von anderen Sorgen oder Motiven zurückgehalten worden wären. Ist mein Herz offen für Christus und seine Wege oder gibt es Bereiche in meinem Leben, die ich vor ihm verschließe?

2. Gott übertrifft alle. Die erste Episode ist eine Begegnung zwischen Jesu Boten und den Bewohnern des samaritischen Dorfes. Möglicherweise hatten die Bewohner von Jesus, dem Wundervollbringer, gehört und waren gespannt darauf, ein Zeichen zu sehen oder ihn predigen zu hören. Doch die Sorge, die sie zurückhält und davon abhält Jesus zu folgen, ist ihr Patriotismus. Die Samariter und die Juden waren Jahrhunderte lang bittere Feinde gewesen und mieden systematisch jeglichen unnötigen Kontakt miteinander. Als sie hörten, dass Jesus und seine Jünger Juden waren und sich auf dem Weg nach Jerusalem befanden, wandelte sich ihr Interesse in Feindseligkeit. Patriotismus und Interesse für die Angelegenheiten des eigenen Landes sind für sich gesehen nicht schlecht. Wenn man aber die Wirklichkeit - einschließlich der spirituellen ewigen Wirklichkeit – durch die Brille des Nationalismus oder ethnischer Gesinnungen sieht, läuft man Gefahr, die richtige Perspektive zu verlieren.

3. Schau niemals zurück. Betrachten wir den Mann, der Jesus folgen will, sich aber erst von seiner Familie verabschieden will. Wir können nicht anders als fühlen, dass wir genau dasselbe getan hätten, wenn wir Jesu Jünger hätten werden wollen. Haben uns unsere Eltern nicht beigebracht, ihnen Bescheid zu geben, wann wir das Haus verließen und wann wir wiederkämen, wo wir hingingen und mit wem? Diesem Mann bedeuten familiäre Werte offenbar etwas. Wenn alle Männer so sensibel wären, ihre Familien darüber zu informieren, wo sie sich aufhielten, wäre das gar nicht so schlecht. Trotzdem müssen soziale und familiäre Angelegenheiten hinter dem dringenden Ruf des Reiches Gottes zurückstehen. „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“ (Lk 9,62).

Gespräch mit Christus:  Herr, ich werde von so vielen Dingen im Leben abgelenkt. Auch wenn viele legitim sind, muss ich lernen, meine Augen auf dich gerichtet zu halten und auf dich zu vertrauen. Halbherzige Hingabe interessiert dich nicht. Du willst mein ganzes Herz. Hilf mir, es dir bereitwillig und freudig zu schenken.

Vorsatz:   Ich will heute wieder mit ganzem Herzen für Gott leben, mögen auch manche Familienmitglieder mich einen „Fanatiker“ nennen oder mir sagen, dass ich „den Verstand verliere“.


Entschiedene Jüngerschaft

28. Juni 2010

Montag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Irenäus, Bischof und Märtyrer

P. Jeffery Bowker LC

Mt 8,18-22
Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben! Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme zu dir in dieser Betrachtung und bin bereit, das zu tun, was du von mir verlangst. Ich selbst will oft den einfachen und bequemen Weg nehmen, aber ich weiß, dass der Weg eines Christen durch das enge Tor führt. Du bist der Grund, warum ich den einfachen Weg verlasse, um den Auftrag der Liebe vollkommener erfüllen zu können. Ich bin bereit, die Bedeutung deines Aufrufs zur Nachfolge zu lernen.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, wahre Heiligkeit zu suchen, indem ich dir nachfolge.

1. Seinen Spuren folgen. Der Wandel zum Jünger Christi ist nicht einfach. Während der eine Jünger großzügig seinen eigenen Willen dem Herrn bedingungslos übergibt, sucht der Schriftgelehrte im heutigen Evangelium immer noch seinen eigenen Willen durchzusetzen, so edel, wie dieser auch sein mag. Die Jüngerschaft folgt auf die Einladung: „Folge mir nach.“ Dieser Schriftgelehrte hat noch nicht die totale Freiheit des Herzens, die für ein Leben mit Christus Voraussetzung ist. Wo stehe ich? Wir identifizieren uns mit Christus nicht durch ein Anhäufen von Lehren, Prinzipien und Techniken, sondern indem wir unser Leben mit Christus leben, uns ganz mit seinem Willen identifizieren. Ich will auf Christi Stimme hören, er zeigt mir den Weg zur Heiligkeit und lädt mich ein, meinen eigenen Willen um des neuen Lebens willen, das er mir geben will, aufzugeben.

2. Den besseren Weg wählen. Christus ignoriert den Schriftgelehrten nicht, sondern er versucht, ihm einen anderen Lebensweg zu zeigen, ein Leben einfacher Armut. Unser Herr hat ein Leben in Armut und Selbstentäußerung gelebt, das weit über das der ärmsten Menschen hinaus geht. Christi Armut stößt aber nicht ab. Vielmehr zieht uns sein Leben an, denn es zeugt von Gottes Reichtum, aus dem Christus lebt und handelt. Das lebendige Zeugnis Christi befähigt die Menschen, ihre bisherige Lebensweise für etwas Besseres, Edleres und Wertvolleres als das Leben, das sie bisher gelebt hatten, zu verlassen. Möge auch mein Beispiel anderen dabei helfen, einen besseren und heiligeren Weg für ihr Leben zu finden.

3. Falsche Klugheit. Christi Antwort auf die Entschuldigungen und klugen Ausreden, ihm nachzufolgen, ist ziemlich schonungslos. Das Losgelöstsein von allen persönlichen Wünschen und Sehnsüchten ist der Weg zu einem einfachen Herzen. Einfachheit des Herzens verlangt von uns, dass wir äußerst ehrlich mit uns selbst sind. Was kommt in unserem Leben zuerst? Was bewegt in Wirklichkeit unser Herz, wenn wir Entscheidungen treffen? Ist das wirklich Gottes Willen? Gottes Willen für uns ist niemals kompliziert; vielleicht ist er schwierig, aber niemals kompliziert. Wir sollen nicht spitzfindige Analysen darüber aufstellen, wie viele Hindernisse vorliegen, um Gottes Willen zu tun. Alles, was wir brauchen, um Gottes Willen vollkommen zu erfüllen, ist ein großzügiges Herz.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich weiß, dass du mich gerufen hast; ich bitte dich um deine Kraft, dir mit Einfachheit und Stärke zu antworten. Ich habe deine Stimme gehört und antworte dir jetzt.

Vorsatz:   Ich will heute meine Berufung im Leben besser leben und besonders eine Pflicht erfüllen, die ich normalerweise umgehe.


Die Säulen der Kirche

29. Juni 2010

Hochfest der Apostel Petrus und Paulus

P. Edward McIlmail LC

Mt 16,13-19
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Einführendes Gebet:   Jesus, ich glaube an dich. Ich glaube, dass du in diese Welt gekommen bist, um durch dein Leiden und Sterben mir die Chance zur ewigen Erlösung zu geben. In diesem Gebet möchte ich dir näher kommen. Möge diese Zeit, die ich mit dir verbringe, ein Ausdruck meiner Liebe sein.

Bitte:  Hilf mir, Herr, in eine innigere persönliche Beziehung zu dir einzutreten.

1. Identitätskrise. Jesus ist nicht daran interessiert, was „andere“ über ihn denken. Er möchte wissen, was ich von ihm denke. Die Prüfung jeder Beziehung ist die Antwort auf die Frage, wie verantwortlich die Menschen füreinander sind. Irgendwann wird sich eine junge Frau fragen, wie ernsthaft es ihr Geliebter mit ihr meint. Nach ein paar Unterrichtswochen möchte der Professor wissen, wie ernst die Studenten ihr Studium nehmen. Ebenso macht sich unser Herr Gedanken über uns. Was bedeutet Christus für mich? Ist er nur eine Darstellung auf einem Heiligenbild? Ein unscharf wahrgenommener Wohltäter der Vergangenheit? Oder hat er wirklich einen Platz in meinem Leben? Er ist schließlich die zweite Person der Dreifaltigkeit, die in die Welt gekommen ist, um uns zu retten. Wie wirkt sich diese Wahrheit auf meinen Glauben aus?

2. Himmlische Offenbarung. Petrus bezeugt, dass Jesus der Christus ist, der Messias. Und Jesus entgegnet ihm, dass dieses Wissen nicht von der Welt kommt. Es kommt von Gott, dem Vater. Jesus als den Christus zu erkennen, heißt zu glauben. Die ganze Geschichte hindurch haben Zweifler versucht, Jesus zu erforschen, indem sie ihren Verstand und die Methoden der Forschung anwendeten. Aber seit wann versuchen wir, eine Person in ihrer Ganzheit mit dem Verstand zu erfassen? Eine andere Person kennen zu lernen, kann oftmals persönlichen Kontakt mit ihr erfordern und vor allem, ihr oder ihm zuzuhören. Versuche ich, auf Jesus im Gebet und in der Heiligen Schrift zu hören? Oder versuche ich bloß, ihn zu „auszufragen“?

3. Binden und Lösen. Schlüssel waren ein Symbol für Autorität. Unser Herr hatte alle Vollmacht auf der Erde (vgl. Mt 28,18 und Mk 2,10). Autorität haben heißt auch, delegieren zu können; so gab Jesus Petrus, als dem ersten Papst, die Macht, zu binden und zu lösen; das bedeutet, Richtlinien innerhalb der Kirche zu erlassen. Ein Kind, das einer zulässigen Anordnung der Mutter nicht gehorcht, begeht eine Sünde. Warum? Nicht weil die Mutter Gott ist, sondern weil die Mutter von Gott das Recht dazu hat. Autorität, in diesem Fall die päpstliche Autorität, besteht nicht darin, Strafen zu verhängen, sondern vielmehr im Dienen. Die einzigartige Autorität des Papstes gibt uns eine sichere Führung in moralischen Fragen. Der Papst hat keine Macht, Grundsätze der Moral aufzustellen, sondern eher vorhandene Grundsätze verbindlich auszulegen. Wie gut kenne ich die päpstliche Lehre? Bemühe ich mich zu verstehen, warum er lehrt wie er lehrt? Wenn ein Problem aufkommt, ziehe ich die kirchliche Lehre zu Rate? „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab“ (Lk 10,16).

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, meinen Glauben als Ausdruck meiner persönlichen Freundschaft mit dir zu lieben. Bewahre mich davor, dass ich in meinem Glauben nachlasse. Gewähre mir eine erneute Wertschätzung des Geschenkes der päpstlichen Autorität.

Vorsatz:   Ich will einige Abschnitte des katholischen Katechismus lesen, zum Beispiel einige über das Papsttum (KKK 880-887, 895, 1559).


Macht über Besessene

30. Juni 2010

Mittwoch der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Otto, Bischof von Bamberg, Glaubensbote

P. Steven Liscinsky LC

Mt 8,28-34
Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet von Gadara, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeiführte. Sofort begannen sie zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen? In einiger Entfernung weidete gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde! Er sagte zu ihnen: Geht! Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. Und die ganze Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um. Die Hirten flohen, liefen in die Stadt und erzählten dort alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war. Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

Einführendes Gebet:   Herr, ich glaube, dass du in mir gegenwärtig bist. Ich möchte heute in deiner Nähe sein und alles durch das Prisma des Glaubens sehen. Ich möchte meine Hoffnung und meine Zuversicht auf dich setzen. Du wirst mir all die Gnaden geben, die ich heute brauche. Ich muss dich nur darum bitten. Ich möchte dich von ganzem Herzen lieben, besonders durch die Nächstenliebe, indem ich mich allen, denen ich heute begegne, zuwende, sodass ich ihnen deine Liebe näher bringen kann.

Bitte:  Herr, hilf mir, das Böse der Sünde in meinem Leben zu besiegen.

1. Die Sünde trennt uns von Gott. Wir haben alle im Katechismus gelernt, dass wir durch die schwere Sünde die heiligmachende Gnade verlieren und so von Gott getrennt sind. Dieses Evangelium verdeutlicht diese Trennung dadurch, dass die zwei besessenen Männer von Christus Abstand halten und wollen, dass er sie in Ruhe lässt. Unsere Sünde, ob schwere Sünde oder lässliche Sünde, drängt Gott aus unserem Leben heraus. Es ist so, als ob wir ihm sagen, dass wir ihn nicht brauchen, dass wir ihn nicht in unserem Leben haben wollen. Habe ich die Sünde willentlich in meinem Leben akzeptiert und Gott dadurch von mir ferngehalten? Vielleicht auch nur auf geringfügige Weise?

2. Die Sünde zerstört Beziehungen. Natürlich hat das Böse, von dem die Männer besessen waren, ihren Beziehungen zu ihren Nächsten geschadet. Sie konnten nicht länger Teil ihrer Gesellschaft sein, sondern mussten abseits der Gesellschaft leben. Jede Sünde ist auf eine bestimmte Art eine „soziale Sünde“, weil sie soziale Folgen hat. Sogar unsere persönlichsten Sünden – in unseren Gedanken – verletzen den mystischen Leib der Kirche und haben folglich eine Auswirkung auf andere. Die Sünden, die andere sehen, sind noch größer, weil sie einen Skandal hervorrufen und andere zur Sünde verführen könnten. Christus lädt uns ein, die Sünde abzulehnen. Schließen wir uns ihm an und vertreiben den Teufel aus unserem Alltagsleben.

3. Die Sünde schadet auch uns. Das Böse, das wir tun, schadet uns selbst am meisten. Die Besessenen verletzten und schnitten sich oft selbst. Die physischen Verletzungen ihres Körpers deuten auf einen tieferen geistlichen Konflikt hin. Unsere Seelen sind für Gott geschaffen, und so ist eine Trennung von ihm wirklich „herzzerreißend“. Die Sünde vermeidet es, ihr hässliches Gesicht zu zeigen, aber nachdem wir sie begangen haben, fängt unser Gewissen an, uns Sorgen zu machen. Dann merken wir, dass unsere falsche Entscheidung uns von dem Einen getrennt hat, zu dem unsere Natur sich hingezogen fühlt. Wir fühlen den Schmerz der Trennung und des Risses, der uns innerlich zerreißt.

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, die Sünde aus meinem Leben zu verbannen. Ich brauche deine Hilfe, weil ich es nicht alleine schaffe. Genau wie die Besessenen, die sich danach sehnten, von ihrer Qual befreit zu werden, sehne ich mich danach, die Sünde in meinem Leben zu besiegen. So oft bin ich von meinen Leidenschaften oder den Versuchungen des Teufels überwältigt. Gib mir die Kraft, die ich brauche, Herr.

Vorsatz:   Ich werde Christus versprechen, dass ich heute eine besondere Sünde oder eine Unvollkommenheit ablehnen werde, in die ich normalerweise oft falle.


Das Erbarmen Christi ergründen

1. Juli 2010

Donnerstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis

P. Jeffery Bowker LC

Mt 9,1-8
Jesus stieg in das Boot, fuhr über den See und kam in seine Stadt. Da brachte man auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lästert Gott. Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Und der Mann stand auf und ging heim. Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme zu dir in dieser Betrachtung und bin bereit, das zu tun, was du von mir verlangst. Ich selbst will oft den einfachen und bequemen Weg nehmen, aber ich weiß, dass der Weg eines Christen durch das enge Tor führt. Du bist der Grund, warum ich den einfachen Weg verlasse, um den Auftrag der Liebe vollkommener erfüllen zu können. Ich bin bereit, die Bedeutung deines Aufrufs zur Nachfolge zu lernen.

Bitte:  Herr, schenke mir die Gnade, deine Barmherzigkeit tiefer zu erfahren.

1. Das Gelähmtsein. Für den heiligen Hiernoymus ist körperliches Gelähmtsein ein Bild für die Unfähigkeit des Menschen, aus eigener Kraft zu Gott zurückzukehren. Es bedeutet, dass der Mensch sich nicht selbst retten kann, dass er sich nicht aus sich heraus mit Gott versöhnen kann. Das Gelähmtsein bezieht sich hier mehr auf den Zustand der Seelen der Pharisäer als auf den Zustand des Mannes auf der Bahre. Christus sah den Stillstand in den Herzen der Pharisäer. Sie wollten Gott in eine Schachtel legen und sich entsprechend ihrer Bedürfnisse seiner bedienen. Auch wir sind wie die Pharisäer oft in unserer Routine gefangen. Wir geben uns mit unserem geistlichen Leben, so wie es gerade ist, zufrieden und haben es nicht gern, auf das Bitten Gottes um mehr Glauben, Vertrauen und Nächstenliebe zu hören. Für Seelen, die nach Heiligkeit streben, ist Christus immer neu; immer wieder ruft Gott sie zu mehr auf, und als Resultat davon dürfen sie Christus immer wieder von neuem erfahren. Ihre Liebe wird niemals schal, weil sie sich niemals dem verweigern, was Gott mit ihnen tun will.

2. Das einzige Problem ist die Sünde. Der Gelähmte und seine Begleiter machen sich nur über das körperliche Gelähmtsein Sorgen. Das steht bei Christus aber nicht an erster Stelle. Was zuerst zählt, ist der Zustand der Seele des Menschen. Für Gott stehen nicht die Probleme im Vordergrund. Manchmal lässt er Probleme zu, um uns zu heilen und uns in Beziehung zu ihm treten zu lassen: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Im Leben geht es vor allem um die Heiligkeit und um die Überwindung des größten Hindernisses auf dem Weg zur Heiligkeit: die Sünde. Was uns am tiefsten verletzen kann, sind die Hindernisse der Sünde und ein egoistischer Lebensstil.

3. Auf Gottes Antworten warten. Die Pause zwischen den Worten: „Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“ und der Heilung des Gelähmtseins riefen anfangs vielleicht bei denen, die mit dem Wirken Christi noch nicht vertraut waren, Enttäuschung hervor. Aus diesem Warten heraus kommt aber unsere Antwort zu Gott, und hier sollen wir unseren Teil im Erlösungsplan erfüllen. Wenn wir die Wünsche unserer Kinder immer sofort stillen, berauben wir die liebende Stütze elterlichen Handelns seiner wahren Bedeutung. Um zu christlicher Reife zu gelangen, müssen wir die Tugenden des Glaubens und Vertrauens bilden. Heilung zu suchen muss mehr innerhalb von Gottes Plan und nach seinem Willen geschehen, als aus unserem selbstsüchtigen Wunsch nach Erleichterung. Das braucht Zeit. Selbst in dieser Pause, in der dunklen Nacht des Glaubens, geschieht etwas. Wir werden gewandelt, noch während das Wunder dabei ist, zu geschehen. Der Befehl, aufzustehen, bestätigt oder macht etwas sichtbar, was schon in der Seele des Gelähmten geschehen ist: durch Glauben und Vertrauen herrscht nun Christus in seiner Seele.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich weiß, dass ich allein durch dich aufstehen soll, weil du allein die Sünde in mir überwinden kannst. Wie der heilige Paulus bemühe ich mich, den guten Kampf zu kämpfen, gestärkt durch deine Gnade und dein Erbarmen. Hilf mir, jede Schwierigkeit als neue Gelegenheit anzunehmen, mein Herz zu reinigen und meine Seele zu heiligen.

Vorsatz:   Heute will ich daran denken, alle vorschnellen und verurteilenden Gedanken über andere zu vermeiden. So kann ich in meinem Herzen die barmherzige Haltung des Herzens Christi bewahren.


Sich nach Erbarmen sehnen

2. Juli 2010

Freitag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Maria Heimsuchung

P. Jeffery Bowker LC

Mt 9,9-13
Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme zu dir in dieser Betrachtung und bin bereit, das zu tun, was du von mir verlangst. Ich selbst will oft den einfachen und bequemen Weg nehmen, aber ich weiß, dass der Weg eines Christen durch das enge Tor führt. Du bist der Grund, warum ich den einfachen Weg verlasse, um den Auftrag der Liebe vollkommener erfüllen zu können. Ich bin bereit, die Bedeutung deines Aufrufs zur Nachfolge zu lernen.

Bitte:  Herr, schenk mir die Gnade eines demütigen und zerknirschten Herzens.

1. Eine Frage, um das Gewissen zu beruhigen. Die Pharisäer wollen ihre Stellung sichern. In ihren Augen ist die Religion nicht eine Suche nach Wahrheit, sondern ein Weg, um ihr Gewissen zu beruhigen unter dem Deckmantel des Gesetzes, welches wenig Forderungen an sie stellt. Sie sind nicht bereit, die „Babynahrung“ des alten Gesetzes zu lassen und an dem „Steak“ der wahren Heiligkeit zu kauen. Es ist einfach, zur „Babynahrung“ zurückzukehren und sich an die Zeiten zu erinnern, als Gott wenig von mir verlangte, um ein falsches Gefühl der Sicherheit zu bewahren. So ein Verhalten ist für einen ehrlichen Menschen aber, der jeden Tag von neuem die bittere Erfahrung macht, wie er wirklich vor Gott ist, niemals ausreichend. Gott erwartet viel von ihm, aber die Gnade des Herrn gibt ihm die Kraft, sich ihm zu überlassen. Ich muss in meinem Leben die Bereiche finden, wo ich mich selbst rechtfertige, weniger als das zu geben, was Christus von mir verlangt.

2. Er sucht ein demütiges und zerknirschtes Herz. Wie wählt Gott die Seelen aus, denen er sich mit seiner tröstenden Gegenwart nähert? „In übergroßem Erbarmen, Gott unser Retter, bist du Sündern und Zöllnern begegnet. Wo sonst sollte dein Licht scheinen, wenn nicht auf die, die im Dunkeln saßen? Ehre sei dir!“ (Irenäus, Anthologion, 1:1390). Christus zieht es zu jenen, denen seine Gnade etwas bedeutet, zu jenen, in denen er fruchtbaren Boden für seine Einladung zur Heiligkeit vorfindet. Ein großes religiöses Wissen zieht seine Aufmerksamkeit nicht an, sondern ein zerknirschtes Herz, das bereit ist, sich seiner Gnade zu überlassen, und in diesem Herzen will er wohnen.

3. Der Sünder muss die Vergebung suchen. Eine demütige Haltung hilft uns, Gottes Erbarmen niemals für selbstverständlich zu halten. Eines Tages sieht Bruder Elias den heiligen Franziskus, wie dieser darüber weint, dass er ein so schrecklicher Sünder sei. Bruder Elias fragte ihn überrascht, wie er so etwas denken könnte. Franziskus wies auf die vielen Gnaden hin, die er schon erhalten hatte und meinte dann, dass ein anderer Mensch, der so viele Gnaden wie er erhalten hätte, schon ein viel heiligerer Mann geworden wäre als er (Crowley, A Day With the Lord, p. 146). So sind die Heiligen – niemals zufrieden mit sich selbst, sich immer bewusst, wie sehr sie Gott und sein Erbarmen brauchen. Was Christus braucht, um mich zu einem Heiligen zu machen ist ein Herz, das bereit ist, sich zu ändern und sich ganz auf seine Gnade gründet und weniger auf eigene Erfolgsrezepte.

Gespräch mit Christus:  Herr, ich bitte dich, mich in all meiner Schwachheit anzunehmen, damit ich mein künftiges Wachsen in der Gnade vertrauensvoller auf dein Erbarmen gründe. Lass mich in den Himmel eintreten, wie es die heilige Theresa vom Kinde Jesu wünschte: „mit leeren Händen.“ Aller Ruhm und Sieg steht allein dir zu. Ich danke dir, dass du mich erwählt hast aus Liebe zu mir.

Vorsatz:   Ich nehme mir vor, in dieser Woche zu beichten, um Gottes Barmherzigkeit zu ehren und mit Eifer ihm zu zeigen, was es mir bedeutet, von ihm erwählt worden zu sein.


Zweifle nicht, sondern glaube

3. Juli 2010

Samstag der dreizehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Thomas, Apostel

P. Robert DeCesare LC

Joh 20,24-29
Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Einführendes Gebet:   Herr, ich danke dir für das Geschenk des Glaubens, das ich in der Taufe empfangen habe. Ich glaube alles, was du offenbart hast, selbst wenn ich erkenne, dass mein Glaube noch so schwach ist. Ich tauche meinen schwachen Glauben in deine überfließende Güte und dein Erbarmen hinein und vertraue ganz auf dich. Ich liebe dich, meinen Herrn und meinen Gott, aus ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzer Kraft und mit allen meinen Gedanken.

Bitte:  Herr, vermehre meinen Glauben!

1. Ich werde nicht glauben! Herr, ich lebe in einer Gesellschaft, die alles wissen will. Wenn es keine Fakten gibt und die Beweise fehlen, glaube ich nicht. Gelegentlich lehne ich selbst dann ab zu glauben, wenn ich Fakten und Beweise vor meinen Augen habe. Ich weiß, Herr, dass der Glaube den Menschen herausfordert, „sein ganzes Sein Gott zu überlassen” (Dei Verbum, Nr. 5). Genau das gelingt Thomas nicht, als die Apostel ihm die aufregende Neuigkeit mitteilen: „Wir haben den Herrn gesehen!” (Joh 20,25). Ihre Nachricht aber entspricht nicht dem, was er weiß. Thomas weiß, dass du gestorben bist. Vielleicht ging er am Samstag sogar zum Grab. Da hätte er die Wache gesehen und möglicherweise bei sich gedacht, dass es unmöglich sei, dich aus dem Grab zu nehmen. Kommen in mir überzeugende Gründe hoch, nicht zu glauben? Und wenn ich das tue, wie kann ich besser darauf mit dem Glauben antworten?

2. Der Sprung des Glaubens. Herr, Thomas schaut dich im Abendmahlsaal an, als du das sagst. Ich erinnere mich an die Worte: „Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor dem himmlischen Vater bekennen” (Mt 10,32). Du lädst Thomas ein, diesen Schritt des Glaubens zu machen: das hinter sich zu lassen, was er weiß und deine Auferstehung anzuerkennen. Er war Zeuge, als du Lazarus von den Toten erweckt hast, und nun lädst du ihn ein, zu glauben, dass du für immer lebst. Du bist der lebendige, wahre Gott. Dort im Abendmahlsaal lädst du mich ein, genauso wie Thomas, an deine lebendige Gegenwart in meinem Leben zu glauben. Herr, ich sehne mich danach, deine Gegenwart in meinem Leben deutlich zu erfahren.

3. Sich allein an Gott festhalten. Herr, ich kann ohne Glauben nicht in den Himmel kommen. Deine Worte weisen darauf hin, was für mich vorbereitet ist, wenn ich bis zum Tod im Glauben ausharre. Ich lebte zwar noch nicht, als du auf der Erde warst, aber im Hinblick auf deine Worte an Thomas habe ich umso mehr Grund, meinen Glauben zu leben und in gleicher Weise wie Thomas zu beten: „Mein Herr und mein Gott!” Herr, du willst, dass ich fest an dich glaube, genauso wie du von Thomas Glauben erwartet hast. Wie groß bist du! „Der Glaube ist eine persönliche Bindung des Menschen an Gott“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 150). Ich will an dir festhalten, mein Herr und mein Gott!

Gespräch mit Christus:  Herr, ich glaube, dass du ein großer Teil meines Lebens sein willst. Du willst der Herr über mein Leben sein. Mein Glaube ist so klein. Hilf mir, meinen Glauben zu vermehren. Gib mir das, was nötig ist, damit er wächst.

Vorsatz:   Ich will während dieses Tages den Abschnitt 150 – 152 im Katechismus der Katholischen Kirche über den Glauben lesen, damit ich dadurch in meinem Glauben an Gott wachsen kann.