Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 9. Mai 2010 bis Samstag 15. Mai 2010

Sechste Woche in der Osterzeit

P. Alex Yeung LC und P. John Doyle LC

Ein heiliger Tempel Gottes Sonntag
Zeugen des Geistes Montag
Der Trost des Heiligen Geistes Dienstag
Nichts als die Wahrheit Mittwoch
Ein feierlicher Abschied Donnerstag
Vertrautheit mit Gott Freitag
Vertrauen in des Vaters Liebe Samstag


Ein heiliger Tempel Gottes

9. Mai 2010

Sechster Sonntag in der Osterzeit

P. Alex Yeung LC

Joh 14,23-29
Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heilger Geist, wohne du in mir!

1. Ein kaltes Herz aus Stein. Wir besitzen keine Schriften unseres Herrn. Das einzige Mal, wo wir ihn etwas schreiben sehen, ist da, als er mit seinem Finger etwas in den Sand schreibt (s. Joh 8,6). Als aber sein Finger in den Sand schrieb, hinterließ er auch Spuren in den verhärteten Herzen der ihn Umstehenden. Sie ließen die Steine fallen, mit denen sie die Ehebrecherin töten wollten. Irgendwie symbolisieren diese Steine die Härte ihrer Herzen. Sie ließen die Steine fallen, weil ihre Herzen weich geworden waren. Im Alten Testament sehen wir, wie Moses mit einer Steintafel, die das Gesetz Gottes, die Zehn Gebote enthalten, vom Berg heruntersteigt. Christus ist gekommen, um unsere Herzen aus Stein aufzubrechen und das Gesetz der Liebe in sie zu schreiben. Christus will, dass wir ihm ein unbeschriebenes Blatt hinhalten, damit er in unsere Herzen schreiben kann, was er will.

2. Das Versprechen Christi. Es macht uns Angst, wenn wir erfahren, dass ein geliebter Mensch für unbestimmte Zeit von uns geht. Denken wir an die Soldaten, die in den Krieg ziehen. Wie schwer muss es für die Frau und die Kinder sein, mit der Einsamkeit und der Ungewissheit zu leben. Ein guter Soldat wird ihnen aber versichern, dass er wieder kommen wird, und er ist zuversichtlich, dass sie stark sein werden und ein rechtschaffenes Leben führen werden. Wie schwer muss es für die Apostel gewesen sein, als Christus ihnen sagte, dass er sie verlassen werde. Sie hatten alles hinter sich gelassen, um ihm nachzufolgen, und jetzt schien es so, dass sie allein zurückbleiben würden. Christus wusste, welcher Druck auf ihren Herzen lastete und so versicherte er ihnen, dass er sie verlassen muss, damit er und der Vater den Heiligen Geist in ihre Herzen senden können. Der Heilige Geist erleuchtet auch unsere Herzen, so wie er die Herzen der Apostel erleuchtet hat.

3. Eine traurige Heimkehr? Christus ist der Prinz des Friedens. Er wollte den Aposteln neuen Mut machen, die durch Angst und Traurigkeit niedergeschlagen waren. Christus sagt ihnen, und er sagt es auch uns, dass sie sich freuen sollen, dass er heimkehrt. Christus will, dass wir uns nicht nur über seine Heimkehr zum Vater freuen sollen, sondern auch darüber, dass er und der Vater in uns wohnen werden, wenn wir seine Worte bewahren werden. Sie werden in unseren Herzen Wohnung nehmen. Er will, dass wir dem Heiligen Geist vertrauen, der unser Denken erleuchten wird und uns die Kraft geben wird, die Lehren Christi wahrhaft zu leben. Wie offen bin ich für das Wirken des Heiligen Geistes in meiner Seele? Was hindert mich daran, ihn in meiner Seele zu bemerken? Muss ich mich mehr von den Dingen dieses Lebens loslösen, damit meine Freundschaft mit meinem Herrn und Schöpfer wachsen kann?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich will auf dein Wort vertrauen – auf das Wirken des Heiligen Geistes in meinem Herzen. Hilf mir, alle Angst fallen zu lassen, die meine Gedanken und Handlungen nur lähmt. Ich öffne mein Herz, damit du, Heiligste Dreifaltigkeit, in mir wohnen kannst. Das verleiht mir übernatürliche Freude, eine Freude, die die Welt weder geben noch wegnehmen kann.

Vorsatz:   Ich will heute jemandem helfen, der einsam ist und ihm oder ihr die Zuversicht vermitteln, dass du immer bei uns bleiben wirst.


Zeugen des Geistes

10. Mai 2010

Montag der sechsten Woche in der Osterzeit

P. John Doyle LC

Joh 15,26-16,4a
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Herr und Gott, hilf mir, als echter Bekenner Christi zu leben.

1. Zeuge Christi. Es gibt Menschen, die ihre Vorstellungen, die nicht der Lehre Christi entsprechen, damit rechtfertigen, dass sie angeblich vom Heiligen Geist kämen. Eine sorgfältige Betrachtung des heutigen Evangeliums zeigt, dass dies niemals in Gottes Plan liegen kann. Der Heilige Geist liegt weder im Zwiespalt mit der Botschaft Christi, noch ist er Urheber einen Heilsplans, der sich von der Kirche Christi unterscheidet. Der Heilige Geist ist der Geist Christi und der des Vaters. Die Absicht seines Kommens liegt darin, Christus zu bezeugen. Jede echte Inspiration des Heiligen Geistes bringt uns zur größeren Treue zur Wahrheit. Beachte ich das Drängen des Heiligen Geistes zur größeren Treue gegenüber meinen Pflichten als Christ?

2. Zeugen im Geiste. Unser Glaube ist keineswegs eine statische Angelegenheit. Wie auch die ersten Jünger Christi seine Predigten, Wunder und persönliche Liebe erfuhren, so entdecken auch alle ernsthaften Christen die Gegenwart Christi durch ihre täglichen Erfahrungen. Dies gilt besonders für das Sakrament der Buße und der Eucharistie. Jesus ist immer bei uns, und seine Vergebung und Nähe sind der Ursprung unseres Glücks. Der Heilige Geist gibt uns durch die Gnade der Taufe die Kraft, das zu bezeugen, was wir so großmütig erhalten haben. Nehme ich meine Berufung als Christ so ernst, dass ich Zeugnis für die Liebe Christi ablege? Ist mir klar, dass ich zuallererst Zeugnis durch ein wahrhaftig christliches Leben geben muss? Erinnere ich mich bei dieser - vielleicht manchmal entmutigenden - Aufgabe daran, dass ich mich in diesen Belangen vor allem auf den Heiligen Geist als „Geschäftspartner“ verlassen sollte?

3. Treue inmitten von Widerstand. Christus teilt den um ihn beim Letzten Abendmahl versammelten Jüngern mit, dass das Bekenntnis zu ihm nicht immer auf Anerkennung stoßen wird. Widerstand zu erfahren, scheint wesentlich zum Christsein zu gehören. Tief verwurzelte und unerschrockene Anhängerschaft für Christus und die Stimme des Gewissens war nie mit einem populären Zeitgeist vereinbar. Es ist einfach so, dass Christen nicht dazu berufen sind, sich anzupassen, sondern herauszuragen. Dies hat natürlich - wie auch im Leben unseres Herrn - unvermeidliche Folgen. Das Schöne daran ist, dass uns ein endgültiger Sieg versprochen worden ist. Christus geht uns voran, und der Heilige Geist steht uns zur Seite.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, es war noch nie leicht, authentisch Zeugnis für dich abzulegen. Lehre mich, nicht auf meine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, sondern durch die Treue zu den Inspirationen des Heiligen Geistes an geistiger Kraft und innerer Stimmigkeit zu wachsen.

Vorsatz:   Ich will heute öffentlich ein Zeichen meines Glaubens geben.


Der Trost des Heiligen Geistes

11. Mai 2010

Dienstag der sechsten Woche in der Osterzeit

P. John Doyle LC

Joh 16,5-11
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen und aufdecken, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist; Sünde: dass sie nicht an mich glauben; Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Herr, hilf mir, das Glück und den Trost des Heiligen Geistes zu erfahren.

1. Traurigkeit ist Teil unseres Lebens. Als das baldige Opfer Jesu näher kam, waren die Apostel von Verwirrung und Kummer überwältigt. „Wer wird ihn verraten?” – „Warum geht er?” – „Was werden wir ohne ihn tun?” Solche Fragen, begründet in der Sorge um ihren Meister und Freund, wurden hin- und hergeflüstert. Um ihm nachzufolgen, haben sie alles aufgegeben. Jesus bemüht sich, sie zu trösten, obwohl er selber großen Kummer hat. Im Leben eines jeden Pilgers fehlt auch der Kummer nicht. Wie Christus, sind auch wir Christen wie Verbannte in einem fremden Land. Unsere Freude und unsere Hoffnung entspringt der Vision des Glaubens, der uns befähigt, in die Fußstapfen unseres Herrn zu treten. Sein Opfer und sein Sieg geben unseren täglichen Prüfungen einen Sinn.

2. Die Gegenwart des Fürsprechers. Wir sind berufen, in vertrauter Freundschaft mit dem Heiligen Geist zu leben, dem „süßen Gast unserer Seele”. Jesus hat uns bei unserer Taufe den Heiligen Geist geschenkt, der „Architekt“ unserer Heiligkeit sein soll, und der, während wir die Wiederkehr Christi erwarten, uns trösten und stärken soll. Keiner würde bei einem Gerichtsprozess gerne alleine und ohne Rechtsberatung sein; so sollten auch wir nicht versuchen, die Tortur im Kampf gegen die Sünde ohne die Hilfe des Fürsprechers Christi bestehen zu wollen. Ist mir bewusst, dass der Heilige Geist auf sanfte Art in meiner Seele gegenwärtig ist? Bin ich aufmerksam und folgsam gegenüber seinen Inspirationen und seinem Wirken?

3. Das Gute ist Sieger über das Böse. Nichts beunruhigt uns so sehr, wie wenn „der Böse” siegt. Ob es nun in einem Film oder im wirklichen Leben geschieht, irgendwie ist es dem Universum eingeschrieben, dass das Gute gewinnen soll. Oft scheint das Böse die Oberhand zu haben, aber noch immer hat eine höhere Macht eingegriffen, durch die eine Tyrannei und Diktatur nach der anderen zerbrach. Auch in unserer heutigen Zeit, in der das Leben der Schwächsten sehr gering bewertet wird, gibt es das Böse im Überfluss. Christus jedoch erinnert uns daran, dass der Heilige Geist tätig ist. Zu allen Zeiten erneuert der Heilige Geist das Angesicht der Erde, verwandelt die Herzen und lässt aus Bösem Gutes entstehen. Bin ich angesichts des Bösen zu pessimistisch oder habe ich den Optimismus eines Christen? Vertraue ich dem Wirken des Heiligen Geistes?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, du bist von uns zum Vater gegangen, und doch bist du immer noch, durch das Wirken des Heiligen Geistes, bei uns. Hilf mir, Kraft und Trost zu finden, während ich mich bemühe, seiner Führung zu folgen.

Vorsatz:   Ich will heute einen Moment der Stille halten, um dem Heiligen Geist für sein Wirken in der Welt und in meinem Leben zu danken.


Nichts als die Wahrheit

12. Mai 2010

Mittwoch der sechsten Woche in der Osterzeit
Hl. Nereus und Achilleus, Märtyrer und hl. Pankratius, Märtyrer

P. John Doyle LC

Joh 16,12-15
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Herr, erlaube mir, aufrichtig und wahrhaftig dein zu sein.

1. Meine Wahrheit vor Gott. Jesus erzählt den Aposteln, dass er ihnen noch viel zu sagen hat, aber es scheint so, als ob sie noch nicht bereit wären, die Wahrheit zu akzeptieren. Sie waren nicht bereit anzuerkennen, dass sie alle beim Anblick des Kreuzes in kürzester Zeit fliehen und ihn ganz allein lassen würden. Auch ich tue mir vielleicht schwer, mir ein realistisches Bild meiner Beziehung mit Christus oder des Zustandes meiner Seele zu machen und auch anzuerkennen. Vielleicht rechtfertige ich mich und meine Gleichgültigkeit mit diversen psychologischen Begründungen. Vielleicht überzeuge ich mich selbst davon, dass es doch gar nicht so schlecht um mich steht. Möglicherweise baue ich nach außen eine hervorragende Fassade auf, welche aber mit wenig echter innerer Überzeugung und Aufrichtigkeit ausgestattet ist.

2. Billige Täuschungen. In unserer, auf den Konsum hin orientierten Welt, gelten erste Eindrücke oft mehr als das Gute oder das Böse in einer Sache. Meinungsumfragen setzen die Norm für recht und unrecht und eine falsche Auffassung von Toleranz ist ein rundum höchst geschätztes Ideal. Da die Wahrheit ja als eine Beleidigung aufgefasst werden könnte, wird sie in eine ansprechendere Form verpackt. Keiner dieser Versuche des „Geistes dieser Welt” kann jedoch am Ende erfolgreich sein, genauso wie auch die größte Finsternis selbst den kleinsten Lichtstrahl nicht aufhalten kann. Der Heilige Geist ist in der Welt am Werk und verkündet in der Tiefe der menschlichen Seele laut und deutlich die Wahrheit. Nur die Wahrheit – die von Christus kommt – hat die Macht, dem menschlichen Herzen wahren Frieden und Freude zu bringen, nämlich dann wenn sich alle Illusionen als ebensolche erwiesen haben.

3. Die Wahrheit leben. Als Christen müssen wir uns vor dem Geist der Unaufrichtigkeit hüten. Keiner, der außerhalb der Wahrheit lebt, kann den Anspruch stellen, ein Jünger Christi zu sein. Kleine Verfälschungen in unserem Leben können nur zerstörerisch auf das Wirken des „Geistes der Wahrheit” in unserer Seele wirken. Unser Heiland sprach sich gegen nichts so klar aus, wie gegen die verlogene Gerechtigkeit der Führer seiner Zeit. Wie oft habe ich in letzter Zeit gewisse Dinge gemacht, nur um von anderen gelobt zu werden? Was habe ich Gutes getan, von dem nur Gott etwas weiß? Bin ich fähig, fest zu meinen Überzeugungen zu stehen, selbst wenn ich falsch verstanden oder verspottet werde?

Gespräch mit Christus:  Jesus, das Beispiel deines Lebens und Todes ist das einer vollkommenen Ehrlichkeit. Gib mir durch den Geist der Wahrheit die Kraft, in allem was ich vor Gott und den Menschen tue, aufrichtig zu sein.

Vorsatz:   Ich will bei nächster Gelegenheit in der Beichte alle Unaufrichtigkeiten meines Lebens beichten.


Ein feierlicher Abschied

13. Mai 2010

Christi Himmelfahrt

P. Alex Yeung LC

Lk 24,46-53
Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Herr, hilf mir, dich zu loben und deine Botschaft überall zu verbreiten.

1. Erwählt, um Zeuge zu sein. Welch schöne Szene. Unser Herr litt, starb, stand am dritten Tag von den Toten auf und verbrachte dann 40 Tage zusammen mit den Aposteln und Jüngern. Jetzt, bevor er in den Himmel auffährt, hinterlässt er seiner Kirche diese Botschaft der Liebe, des Erbarmens und der Vergebung. Die Apostel erfuhren das Erbarmen unseres Herrn. Jetzt gibt er ihnen den Auftrag, in die Welt hinauszugehen und die Vergebung der Sünden in der Macht des heiligsten aller Namen zu verkünden: „Jesus“. Weil die Apostel Christus so verkündigt haben, wie er es ihnen aufgetragen hatte, darum sind auch wir heute Nutznießer des Erbarmens unseres Herrn. Wir haben es in unseren Herzen erfahren. Auch wir sollen Zeugen der Werke unseres Herrn Jesus Christus sein.

2. Umkleidet mit heiliger Macht. Wir wissen, dass ein Apfelsamen zu einem großen Apfelbaum wird und viele Äpfel viele Jahre lang produziert, wenn er die richtige Nahrung bekommt. Wir wissen das aus Erfahrung. Gott machte den Apfelsamen und er gab ihm die Macht, ein Apfelbaum zu werden. Jetzt sagt Christus den Aposteln, dass er sie mit der Macht von oben ausstatten werde, dass sie mit etwas gesegnet werden würden, das die menschliche Natur und Macht bei weitem überschreiten würde. Sie würden die Macht erhalten, Frucht im Überfluss für das Reich Christi zu bringen. Zweitausend Jahre später stattet Christus immer noch Menschen mit dieser Macht von oben aus: mit den Gaben des Heiligen Geistes, die wir empfangen haben, als wir getauft wurden und in noch größerem Maß, als wir gefirmt wurden. Durch das Gebet beginnen wir mit übernatürlicher Sicht die Person zu sehen, die wir werden können und die Frucht, die wir bringen können.

3. Zeugen voller Freude im Herzen. Die Apostel waren traurig und entmutigt, als der Herr ihnen sagte, dass er sie verlassen würde. Jetzt waren sie voll Staunen und Lob. Die Schuppen waren von ihren Augen gefallen. Der Schatten des Kreuzes rief keine Furcht mehr in ihren Herzen hervor. Christus hat die Sünde und den Tod besiegt, und sie sind Zeugen davon, denn sie haben es in ihrem eigenen Leben erfahren. In der vergangenen Fastenzeit haben wir den Herrn während seines Leidens und seines Todes begleitet. Wir waren dann Zeugen seiner Auferstehung. Jetzt sehen wir, wie er in den Himmel auffährt. Wie die Apostel, stehen auch wir voll Staunen da über so einen wunderbaren Gott, dass wir uns gedrängt fühlen, ihn Tag und Nacht zu loben. Diese Haltung geht Hand in Hand mit dem Auftrag, seine Liebe allen Menschen zu verkünden.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich möchte für den Heiligen Geist eine heilige Wohnstatt sein. Dein Geschenk an mich ist dein Geist der Wahrheit und der Liebe. Du nährst mich mit den Dingen des Himmels. Möge ich kleiner werden, damit du in mir größer werden kannst.

Vorsatz:   Ich will heute gut über andere sprechen und jede Neigung, über andere zu urteilen oder schlecht über sie zu sprechen, abwehren.


Vertrautheit mit Gott

14. Mai 2010

Freitag der sechsten Woche in der Osterzeit
Hl. Matthias, Apostel

P. John Doyle LC

Joh 15,9-17
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, dein Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen.

1. Die größte Liebe. Jesus macht einen eindrucksvollen Vergleich: er bezeichnet die Liebe für seine Jünger als ebenbürtig mit der enormen Liebe des Vaters für ihn. Schon bevor die Welt geschaffen wurde, waren Vater und Sohn eingetaucht in eine grenzenlose, gegenseitige Liebe. Der Heilige Geist ist die Verbindung dieses Liebesbundes. Diese Vertrautheit und Selbsthingabe in der Einheit der heiligen Dreifaltigkeit lässt sich mit keiner menschlichen Liebe vergleichen, und doch sagt unser Herr seinen Jüngern, dass er sie in gleicher Weise liebt. Ist mir bewusst, wie sehr mein Heiland mich liebt? Erfüllt mich die vom Kreuz herab bezeugte Wahrheit der persönlichen Liebe Christi mit Ehrfrucht und führt sie mich zu einer wachsenden, großherzigen Antwort in meinem geistigen Leben?

2. Der größte Schatz. Die Umstände und der Zeitpunkt, die Jesus gewählt hat, um seine Jünger als Freunde zu bezeichnen, unterstreichen die Echtheit dieser Bezeichnung. Jesus ist nur wenige Stunden davon entfernt, von denen, die er nun als Freunde bezeichnet, alleine gelassen und verraten zu werden. Unser Herr ist dennoch so von Liebe bewegt, dass er über den Verrat seiner Anhänger hinweg auf den Sieg schaut, den er für sie gewinnen wird. Jesus bietet auch mir seine Freundschaft an. Er lädt mich dazu ein „in seiner Liebe zu bleiben”. Ich bin nicht zum Zuschauer berufen sondern dazu, das Glück zu entdecken, welches das Leben in seiner Gemeinschaft bringt. Dem „Gekreuzigten” nachzufolgen wird immer anspruchsvoll sein, dennoch ist seine Freundschaft ein Schatz, der bei weitem die Last des Kreuzes überwiegt.

3. Geschrieben in unser Herz. Die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, die Jesus auf uns, seine Freunde, so großzügig ausweitet, sollte in uns die Frucht der Liebe wachsen lassen. Die ersten Christen haben das Liebesgebot Christi sehr ernst genommen. Es war ihr Hauptmerkmal. Es unterschied sie von den Völkern, unter denen sie lebten. Es war die magnetische Kraft, die so viele anzog, sich ihnen anzuschließen. Das Liebesgebot ist die logische Folge unseres eigenen persönlichen Wertes als von Gott geliebte Wesen. Wenn Jesus meine Brüder und Schwestern so sehr liebte, dass er sein Leben für sie hingab, kann es dann irgendeine Ausrede für mich geben, ihnen nicht ebenso Respekt und Achtung entgegenzubringen? Die Nächstenliebe ist das Kennzeichen für jeden wahren Christen. Wie kann ich Christi Liebesgebot besser leben, beginnend in meiner eigenen Familie?

Gespräch mit Christus:  Jesus, ich bete darum, dass ich nie aufhöre, über die Tiefe deiner persönlichen Liebe für mich erstaunt zu sein. Du nennst mich deinen Freund, obwohl ich nicht immer den Anforderungen dieser Berufung genüge getan habe. Ich will dir ein besserer und wahrer Freund sein.

Vorsatz:   Ich will heute einem Familienmitglied eine einfache Geste der Freundlichkeit erweisen.


Vertrauen in des Vaters Liebe

15. Mai 2010

Samstag der sechsten Woche in der Osterzeit

P. John Doyle LC

Joh 16,23b-28
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben. Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist.

Dies habe ich in verhüllter Rede zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in verhüllter Rede zu euch spreche, sondern euch offen den Vater verkünden werde. An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.

Einführendes Gebet:   Herr, zu Beginn dieses Gebets gebe ich mich ganz dir hin: meine Gedanken, Wünsche, Entscheidungen, Handlungen, Hoffnungen, Ängste, Schwächen, mein Versagen und die kleinen Erfolge. Ich öffne dir mein ganzes Sein und bin mir bewusst, dass du schon alles weißt. Ich weiß, dass du mir dein Erbarmen schenkst und dass dein von Liebe erfüllter Blick die Macht hat, mich zu heilen.

Bitte:  Vater, hilf mir, auf dich zu vertrauen.

1. Bittet, und ihr werdet empfangen. Als Kind war ich Fremden gegenüber oft extrem schüchtern. Ich erinnere mich, dass mich mein Vater einmal bat, ein Paket mit Lebensmitteln zum Pfarrbüro zu bringen. Es war sein Beitrag zur Pfarrsammlung für die Armen. Ich war starr vor Angst. Endlich konnte ich mich zum Läuten überwinden, ließ daraufhin sofort das Paket fallen und rannte weg. Gelegentlich erleben wir vor dem Gebet die gleichen Ängste und Unsicherheiten. Wir sind uns nicht so sicher, ob Gott, inmitten seiner Sorgen für das Universum, es wohl gütig aufnimmt, ob wir ihn vielleicht „stören” und ob er unser Gebet auch anhört. Im Grunde genommen müssen wir uns daran erinnern, wie sehr es Gott liebt, dass wir ihn bitten, und wir müssen vertrauen, wenn wir etwas Gutes für uns oder andere erbitten, dass Gott es uns mit Sicherheit gewährt.

2. Gottes Selbstoffenbarung. Die Sprache ist ein Instrument der Verständigung. Sie hat, wie jedes Ausdrucksmittel, ihre Grenzen. Die Sprache ist aber wirklich am Ende, wenn sie versucht, Realitäten auszudrücken, von denen die Menschen keine klare Vorstellungen haben. Die Macht Gottes, seine ehrfurchtgebietende Majestät und sein Sein, sind weit jenseits der Reichweite unseres begrenzten Begreifens. Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, wird zur Brücke zwischen Gott, den er in vertrauter Weise kennt, und unserer menschlichen Sprache. Jesus benutzt die angemessensten Begriffe, die für Gott möglich sind – wie Vater -, aber er erinnert uns auch daran, dass er in Bildern spricht. Er verspricht, uns eines Tages alles deutlich zu sagen und uns ihm sogar vorzustellen. Ist das meine größte Hoffnung? Wäre ich jetzt in diesem Moment bereit, dem Vater vorgestellt zu werden?

3. Der Vater selbst liebt euch. Unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., erinnert uns an die Liebe des Vaters: „In der Tat: Niemand hat Gott gesehen, so wie er in sich ist. Und trotzdem ist Gott nicht gänzlich unsichtbar, nicht einfach unzugänglich geblieben. Gott hat uns zuerst geliebt, sagt der zitierte Johannesbrief (1 Joh 4,10), und diese Liebe ist unter uns erschienen, sichtbar geworden dadurch, dass ‚er seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben’ (ebd.). Gott hat sich sichtbar gemacht: in Jesus können wir den Vater anschauen (vgl. Joh 14,9). In der Tat gibt es eine vielfältige Sichtbarkeit Gottes. In der Geschichte der Liebe, die uns die Bibel erzählt, geht er uns entgegen, wirbt um uns, bis hin zum letzten Abendmahl, bis hin zu dem am Kreuz durchbohrten Herzen, bis hin zu den Erscheinungen des Auferstandenen und seinen Großtaten, mit denen er durch das Wirken der Apostel die entstehende Kirche auf ihren Weg geführt hat” (Deus Caritas Est Gott ist die Liebe, 25. Dezember 2005, Nr. 17).

Gespräch mit Christus:  Jesus, du hast die unermessliche Liebe offenbart, die der Vater für alle Menschen hat, indem du dich gänzlich für uns hingegeben hast. Hilf mir, nie deine Liebe für mich zu bezweifeln. Hilf mir, deiner Liebe zu entsprechen, durch Treue zu deinem Willen und Übung wirklicher Nächstenliebe.

Vorsatz:   Ich will heute ein Gesätz des Rosenkranzes für Missionare beten, die den Menschen Gottes Liebe verkünden.