Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 28. März 2010 bis Samstag 3. April 2010

Karwoche

P. Christopher Scroggin LC, P. James Swanson LC und P. Alex Yeung LC

Unsere tiefste Sehnsucht Sonntag
Blinde Führer Montag
Die Fehler des Petrus Dienstag
Den Verräter entlarven Mittwoch
Gekommen, um zu dienen, nicht um bedient zu werden Donnerstag
Einladung zur Vertrautheit Freitag
Jesus am falschen Ort suchen Samstag


Unsere tiefste Sehnsucht

28. März 2010

Palmsonntag

P. Christopher Scroggin LC

Lk 23,1-49
Daraufhin erhob sich die ganze Versammlung und man führte Jesus zu Pilatus. Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor; sie sagten: Wir haben festgestellt, dass dieser Mensch unser Volk verführt, es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen, und behauptet, er sei der Messias und König. Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es. Da sagte Pilatus zu den Hohenpriestern und zum Volk: Ich finde nicht, dass dieser Mensch eines Verbrechens schuldig ist. Sie aber blieben hartnäckig und sagten: Er wiegelt das Volk auf und verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land von Galiläa bis hierher. Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. Und als er erfuhr, dass Jesus aus dem Gebiet des Herodes komme, ließ er ihn zu Herodes bringen, der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war. Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, mit ihm zusammenzutreffen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein Wunder von ihm zu sehen. Er stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, die dabeistanden, erhoben schwere Beschuldigungen gegen ihn. Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung. Er trieb seinen Spott mit Jesus, ließ ihm ein Prunkgewand umhängen und schickte ihn so zu Pilatus zurück. An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen. Pilatus rief die Hohenpriester und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen und sagte zu ihnen: Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht und behauptet, er wiegle das Volk auf. Ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört und habe keine der Anklagen, die ihr gegen diesen Menschen vorgebracht habt, bestätigt gefunden, auch Herodes nicht, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Ihr seht also: Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht. Daher will ich ihn nur auspeitschen lassen und dann werde ich ihn freilassen. Da schrieen sie alle miteinander: Weg mit ihm; lass den Barabbas frei! Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs in der Stadt und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Pilatus aber redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus freilassen. Doch sie schrieen: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Zum dritten Mal sagte er zu ihnen: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen und dann werde ich ihn freilassen. Sie aber schrieen und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen, und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch: Pilatus entschied, dass ihre Forderung erfüllt werden solle. Er ließ den Mann frei, der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß und den sie gefordert hatten. Jesus aber lieferte er ihnen aus, wie sie es verlangten.

Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage. Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden? Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt. Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch. Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen betroffen weg. Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung, auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren und die alles mit ansahen.

Einführendes Gebet:   Himmlischer Vater, ich erhebe meine Augen voll Vertrauen zu dir, wenn wir nun in die heiligste Woche des Jahres eintreten, um deinen geliebten Sohn auf seinem Weg nach Golgota zu begleiten, wo er uns erlöst hat. Gib uns die übernatürliche Sichtweise des Glaubens, damit wir in unseren Schwierigkeiten und Prüfungen Wege erkennen, die uns helfen, unser Leben nach dem Leben deines Sohnes auszurichten. Ich bin bereit, Herr, von dir zu lernen und dich nachzuahmen.

Bitte:  Herr Jesus, gewähre mir die Gnade, dich in deinem Leiden mit größerer Liebe zu begleiten.

1. Die Suche nach dem Glück. Der Mensch schätzt die Freiheit über alles. Es gibt aber etwas, was ihm noch mehr bedeutet und ohne das Existenz und sogar Freiheit ohne Wert und sogar schmerzvoll sein können: Glücklich sein. Einer der größten Widersprüche im Leben des Menschen ist es, dass er zwar nach Freiheit verlangt, gleichzeitig aber auch ein Sklave sein will; nicht ein Sklave in dem Sinn, dass ihm die Freiheit verweigert wird, sondern in dem Sinn, dass er nach etwas verlangt, das er anbeten kann, das sein Herz berührt, das seine Kraft fordert und das seine Gefühle bestimmt. Er will zwar frei sein, zwischen den verschiedenen Formen von Glück wählen zu können, er will aber nicht frei sein vom Glück an sich. Er will ein Sklave des Glücks sein.

2. Persönliche Erfüllung. Es gibt zwei Wege, wie man auf diesen Hunger der Seele und diesen Durst des Herzens antworten kann: den Weg der Welt und den Weg Christi. Bevor wir uns den Freuden der Welt hingeben, scheinen sie begehrenswert zu sein und es scheint, dass sie uns all das geben, was wir brauchen, um glücklich zu sein. Wenn wir sie aber besitzen, enttäuschen sie uns, und manchmal ekeln sie uns sogar an. Das Gegenteil trifft auf die Freuden, die Christus uns anbietet, zu. Bevor wir sie besitzen, sind sie schwierig, unattraktiv, manchmal sogar abstoßend. Wenn wir sie aber besitzen, stellen sie uns zufrieden und werden zu dem, wonach sich unser Herz schon immer gesehnt hat.

3. Komm, folge mir. Das, was die Welt uns als Erfolg verkaufen will, ist in Wirklichkeit Misserfolg und Unglück. Und das, was die Welt uns als Misserfolg und Niederlage vorführt, ist in Wirklichkeit Erfolg und Sieg. Diese Wirklichkeit spielt sich in dieser Woche des Leidens unseres Herrn vor unseren Augen ab. Jesus ist das Glück, nach dem wir verlangen und er ist die Antwort auf all unsere Wünsche. Sein Weg ist der Weg des Kreuzes, und darum müssen wir, die wir ihm nachfolgen wollen, auf dem gleichen Weg gehen. Jesus versichert uns, dass die Armen nicht immer arm sein werden; dass der Gekreuzigte nicht für immer am Kreuz hängen wird; dass der Arme reich sein wird; dass der Niedrige erhöht werden wird; dass jene, die unter Tränen säen, voll Freude ernten werden; dass jene, die trauern, getröstet werden; und dass jene, die mit Christus leiden, mit ihm herrschen werden. Mit den Worten des Dichters Francis Thomson sagt Christus zu uns: „Alles, was ich von dir wegnahm, tat ich nicht, um dir zu schaden, sondern damit du es in meinen Armen suchst: Steh auf, nimm meine Hand und komm!“

Gespräch mit Christus:  Jesus, komm und sei du der König meines Herzens. In dieser Woche deines Leidens soll meine Liebe zu dir wachsen, damit ich das, was du für mich getan hast, immer mehr schätzen lerne. Gib mir deine Gnade, damit ich dir treu nachfolgen kann und stärke mich, damit ich mein Kreuz in Liebe und Großmut auf mich nehmen kann.

Vorsatz:   Ich will den Herrn in der heiligsten Eucharistie besuchen und dort meinen Wunsch erneuern, ihm ganz zu gehören.


Blinde Führer

29. März 2010

Montag der Karwoche

P. James Swanson LC

Joh 12,1-11
Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch. Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg nach Kalvaria begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geiselung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Frieden und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte:  Herr, schenke mir den Glauben an die Auferstehung der Toten.

1. Gewollte Blindheit. Jesus wirkt eines seiner überzeugendsten Wunder – ein sicheres Zeichen dafür, dass er von Gott gesandt ist: Er erweckt einen Mann von den Toten. Die Hohenpriester können dieses Wunder nicht leugnen. Dieses Wunder ereignete sich nicht im entfernten Galiläa, sondern in Bethanien, ganz in der Nähe von Jerusalem. Lazarus wohnte dort. Jeder, der ihn sehen wollte, konnte ihn und Jesus dort besuchen. Die Hohenpriester wollen Jesus trotzdem nicht als Messias annehmen. Sie lehnen ihn weiter ab. Ihre Ablehnung ist total. Sie sollten in der Lage sein, in diesem Wunder die göttliche Macht zu erkennen, aber sie weigern sich, das zu akzeptieren. Und weil ihnen nichts einfällt, womit sie die Leute überzeugen können, dass er nicht der Messias ist, beschließen sie, Jesus und Lazarus umzubringen. Manchmal bringt die Gemeinschaft mit Jesus schwere Folgen mit sich. Welche Ironie zeigt sich hier: jemand soll getötet werden, weil er von den Toten erweckt wurde!

2. Verhärtet nicht euer Herz. Eigentlich hätten die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer Jesus als Messias anerkennen sollen. Sie kannten die Schriften am besten. Sie hätten am ehesten den Messias ersehnen sollen. Sie hätten erkennen müssen, dass Jesus alles tat, was über den Messias geschrieben war. Aber abgesehen von wenigen Ausnahmen (Nikodemus, Josef von Arimatäa) versagen sie und erkennen ihn nicht als Messias an. Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Gottes Pläne und sein Wirken bleiben dem rein rationalistischen Denken verschlossen, weil dieses selbst im Bereich des Geistigen wissenschaftlich nachprüfbare Beweise fordert. Bemühe ich mich, meinen Verstand und mein Herz Gottes Wegen zu öffnen oder verlange ich Beweise von ihm? Oft scheint das Kreuz in unserem Leben keinen Sinn zu haben. Aber eines Tages werden wir es verstehen, indem wir es zuerst annehmen und tragen.

3. Stolz und Neid können uns zu Fall bringen. Das Problem der Pharisäer ist ihr Stolz. Sie meinen, dass sie alles durchschauen. Sie sind der Meinung (weil sie nicht wollen, dass es wahr ist), dass Jesus nicht der Messias sein kann. Er passt nicht in ihre Vorstellungen und sie sind nicht bereit, sich zu ändern – sie wollen nicht ihre Meinung überprüfen, ob sie vielleicht falsch ist. Sie sind sich so sicher, dass sie recht haben, dass sie dabei übersehen, dass Jesus die Schrift erfüllt. Sie gehen sogar so weit, dass sie die Auferweckung des Lazarus von den Toten nicht wahrhaben wollen! Sie klammern sich an die schwächsten Vorwände, um ihn zu diskreditieren: „Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt“ (Lk 7,39); „Lies doch nach: Der Prophet kommt nicht aus Galiläa“ (Joh 7,52). Gott passt sich nicht unseren Plänen und Ideen an. Er erwartet von uns, dass wir uns ihm anpassen.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, es fällt mir so schwer, zu glauben. Ich sollte mir bewusst sein, wie viel Gutes du schon in meinem Leben getan hast. Hilf mir, mit unerschütterlichem Glauben an dich zu glauben, mit einem Glauben wie die Menschen ihn hatten, die deine Auferweckung des Lazarus miterleben durften.

Vorsatz:   Heute will ich mein vergangenes Leben betrachten und mir alles, was Christus für mich schon getan hat, von Neuem bewusst machen, damit mein Glauben und mein Vertrauen in Christus tiefer wird.


Die Fehler des Petrus

30. März 2010

Dienstag der Karwoche

P. James Swanson LC

Joh 13,21-33,36-38
In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten. Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald! Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.

Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen. Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben. Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg nach Kalvaria begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geiselung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Frieden und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte:  Herr, hilf mir, die Fallen des Stolzes zu sehen und zu vermeiden.

1. Auf Christi Liebe vertrauen. Petrus liebt Jesus. Jesus ist sein bester Freund. Petrus würde alles für ihn tun. Wie uns, so beunruhigt auch Petrus der Gedanke, dass er von Jesus getrennt werden könnte. Er fühlt die Stärke seiner Liebe und zögert nicht, zu verkünden, dass er bereit ist, für Jesus zu sterben. Er meint es ernst. In derselben Nacht wird er im Garten von Getsemani sein Schwert ziehen und sich ganz allein einer Kohorte professioneller Soldaten gegenüberstellen. Mit einem mächtigen Schlag wird er das Ohr des Dieners des Hohenpriesters abschlagen. Er liebt Jesus wirklich und ist bereit, für Jesus Opfer zu bringen. Aber wie bei uns, so fehlt auch Petrus immer noch etwas. Zuweilen mag ich mich so bereit fühlen, alles aus Liebe zu Christus auf mich zu nehmen. Aber sobald etwas auf mich zukommt, erfahre ich meine Schwachheit. Angesichts meines Versagens verliere ich immer wieder den Mut.

2. Falsche Entscheidungen treffen. Wir wissen, dass Petrus eine schlechte Entscheidung treffen kann, weil er es in der Vergangenheit oft genug getan hat. Kurz nachdem er zum Anführer der Apostel erklärt worden ist, rät er Jesus, den Plan des Vaters aufzugeben, einen Plan, der beinhaltet, nach Jerusalem zu gehen, um zu leiden und zu sterben. Jesus reagiert stark und lehnt diesen Vorschlag völlig ab: Niemand darf sich zwischen ihn und den Willen des Vaters stellen. Petrus hat einen großen Fehler begangen, und Jesus sagt das deutlich: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23). Und dies war nur ein Fehler unter vielen; das Evangelium zählt mehr auf. Dass Petrus uns trotzdem so sympathisch ist liegt darin, dass er uns so sehr gleicht. Wir machen jeden Tag viele Fehler. Wie Petrus denken wir nicht an den Willen Gottes, sondern an unseren eigenen Willen . Aber wie wir wissen, wird Petrus es am Ende schaffen, demütig zu werden und dem Herrn treu zu dienen.

3. Situationen falsch einschätzen. Petrus ist selbstgefällig. Er denkt, dass er die Situation versteht. Alles geht gut. Die Menschen haben Jesus endlich als den Messias ausgerufen. Die Hohepriester, Schriftgelehrten und Pharisäer sind erzürnt, aber machtlos. Sie versuchen, Jesus infrage zu stellen und ihn vorzuführen, werden aber immer von Jesus übertroffen. Es scheint, als ob es nicht mehr lange dauern könne, bis Jesus alle überzeugt hat, dass er der Messias sei, und dass von da an alles klar sei. Petrus ist dabei, blind für die wahre Einschätzung der Situation zu werden, aber er merkt es nicht. Der einzige Ausweg für ihn wäre es, das zu tun, was Jesus von ihm will, aber er erkennt das nicht. Trotz seines Respekts für Jesus ist er doch sicher, dass er weiß, was für ihn das Beste ist. Bin ich davon überzeugt, dass mein Leben im Gebet und in der Einheit mit Gott wurzeln muss?

Gespräch mit Christus:  Lieber Herr, wie Petrus bin auch ich oft gefallen. Es lag jedesmal daran, dass ich auf mich vertraut habe statt auf dich. Hilf mir, auf deine Eingebungen und deine innere Stimme im Gebet zu hören. Ich werde nur durch die Haltung der Demut verhindern können, zukünftig zu fallen. Bitte hilf mir, die Tugend der Demut zu erlangen, Herr.

Vorsatz:   Ich werde heute alles, was ich tue, mit einem Gebet anfangen und die Früchte für Gott aufopfern. Nach jeder Aktivität werde ich Christus, meinem Freund, für all seine Hilfe danken. Ich werde ihm meinen Erfolg anbieten und ihn bitten, mir mein Versagen zu vergeben.


Den Verräter entlarven

31. März 2010

Mittwoch der Karwoche

P. James Swanson LC

Mt 26,14-25
Einer der Zwölf namens Judas Iskariot ging zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern. Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg nach Kalvaria begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geiselung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Frieden und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte:  Herr Jesus, hilf mir, fest in meinem Glauben zu stehen.

1. Einer der Zwölf soll ein Verräter sein? Wir meinen oft, dass Judas verschieden gewesen sein muss, schlechter als die anderen Jünger. Wenn das gestimmt hätte, hätte jeder sofort ihn verdächtigt, als Jesus sagte: „Einer von euch wird mich verraten.“ Sie hätten vermutet: „Es muss Judas sein. Er war schon immer böse. Er ist fähig, Jesus zu verraten. Ich verstehe nicht, warum Jesus ihn ausgewählt hat.“ Doch Judas schien sich nicht so offensichtlich von ihnen zu unterscheiden. Sonst hätten sie ihn ja sofort verdächtigt. Jeder von uns kann ein Judas werden, nach und nach, indem wir unsere Prinzipien immer mehr aufgeben, zuerst in den kleinen Dingen, und dann auch in wichtigen Angelegenheiten. Im christlichen Leben braucht es immer eine gesunde Spannung zwischen dem Vorwärtsstreben und der Wachsamkeit. Wer in den kleinen Dingen treu ist, ist es auch in den Großen.

2. Bin ich es? Alle Apostel fragen: „Bin ich es?” Warum? Wollte vielleicht jeder von ihnen ihn verraten? Nein, aber sie befanden sich in einer gefährlichen Lage. Die Pharisäer hatten beschlossen, Jesus umzubringen. Die Apostel wussten das. Darum waren sie alle für eine Weile nach Jericho gegangen. Jerusalem war zu gefährlich. Sie konnten sich alle denken, dass sie am nächsten Tag, wenn sie mit Jesus in den Tempel gingen, im Trubel der Menge gepackt werden und mit dem Tod bedroht werden könnten, um zu verraten, wo Jesus in der Nacht gefunden werden kann. Was würden sie dann sagen? Würde ich Jesus verraten, wenn mein eigenes Leben in Gefahr wäre? Aus diesem Grund fragen sie: „Bin ich es?“ Wenn es ernst wird, was kommt dann in meinem Leben zuerst? Käme ich jemals auf den Gedanken, Jesus für etwas anderes zu verkaufen?

3. Wachsamkeit des Herzens. Judas hatte alles besessen, um ein großer Apostel zu werden. Jesus hat ihn wegen seiner Qualitäten ausgewählt. Gott legt niemals im Voraus das Verderben einer Person fest. Was war also mit ihm geschehen? Irgendwann hat er aufgehört, seine Freundschaft mit Christus zu pflegen. Manchen fällt hier vielleicht die Rede Jesu über das Brot des Lebens im sechsten Kapitel des Johannes ein. Judas konnte vielleicht nicht akzeptieren, dass er den Leib und das Blut Jesu essen sollte. Jesus hatte nicht recht und musste darum ein falscher Messias sein. In Johannes 6,64 lesen wir, dass Jesus wusste, wer sein Verräter sein würde. In Johannes 6,67 gibt Jesus Judas eine Chance, die Gruppe zu verlassen und ein gerechter Mann zu bleiben. Er bleibt aber und wird so zu einem Heuchler – ein „Teufel“ mit den Worten Jesu – und beginnt den Weg, der ihn zum Verrat führen wird. Wir wissen, dass unser Glaube das kostbarste Geschenk ist, das wir von Gott empfangen haben. Sind wir wachsam und geben unserem Glauben Nahrung, damit er wächst und stärker wird?

Gespräch mit Christus:  Herr, ich habe dich so oft verraten, auch dann, wenn ich beim Essen in einem Restaurant nicht den Mut hatte, vor dem Essen zu beten, aus Angst, als frommer Katholik erkannt zu werden. Dein Leiden und Tod mögen mir helfen, den Mut zu haben, meine Überzeugungen immer zu leben.

Vorsatz:   Heute will ich die Forderungen meines Glaubens erfüllen und offen zu meinem Glauben stehen. Ich will Christus nicht verraten, auch nicht in den kleinen Dingen.


Gekommen, um zu dienen, nicht um bedient zu werden

1. April 2010

Gründonnerstag

P. Alex Yeung LC

Joh 13,1-15
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich möchte dich auf deinem Weg nach Kalvaria begleiten. Je mehr ich dich betrachte, wie du übersät mit Wunden nach der Geiselung am Kreuz hängst, umso mehr werde ich in deiner Liebe bleiben und mein Tun auf der Wahrheit gründen können. Ich weiß, dass du mich mit ewiger Liebe liebst: Du hast es auf dem Holz des Kreuzes bewiesen. Darum will ich nun auf deine Liebe mit Dankbarkeit, Frieden und dem festen Entschluss antworten, deine Liebe den Menschen weiterzugeben.

Bitte:  Herr, schenke mir die Gnade äußerster Beharrlichkeit im Glauben.

1. Der Beweis seiner unerschütterlichen Liebe. „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ Trotz der Schwierigkeiten, denen er gegenüberstand, litt Jesus im Alter von dreiunddreißig Jahren nicht an einer Midlife-Crisis. Er wusste, wer er war, woher er kam und wohin er ging. Er kannte die Prüfungen, die bald seinen sterblichen Körper vernichten würden. Sie würden dazu dienen, seine Liebe zu beweisen. „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.“ Liebe erträgt alles. Liebe kann sogar die schlimmsten Situationen zum Guten wenden. Liebe erlöst. Gerade der Verrat an seiner Freundschaft lässt ihn die Aufrichtigkeit seiner eigenen Freundschaft unter Beweis stellen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“

2. Christi Liebe annehmen. Jesus hat nicht um „Erlaubnis“ gebeten, demütig zu sein und zu dienen. Die Frage des Petrus, „du, Herr, willst mir die Füße waschen?“, ist nicht als eine wirkliche Nachfrage zu verstehen, sondern eher als eine kritische Bemerkung zu dem, was Jesus zu tun beabsichtigte. Brauchen Demut und Liebe unsere „Erlaubnis“? Die Frage lautet: wer ist demütig genug, um die Liebe eines anderen zu empfangen? Bin ich demütig genug, um Jesu Liebe zu mir zu empfangen? Jesu Demut und Nächstenliebe wirken reinigend. Und tatsächlich muss gerade die Einstellung, „niemals sollst du mir die Füße waschen“, weggewaschen werden. Nur die Armen im Geist, die, die ein reines Herz haben, und die, die wie die Kinder sind, werden in das Himmelreich eingehen: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“. Dann soll Christus mich reinwaschen entsprechend seinem gnadenreichen Beispiel. Sonst werde ich meinen Anteil an ihm verlieren. Doch wenn er mich durch sein Wort reingewaschen hat, dann muss ich nur noch meine Füße sauber halten.

3. Die wertvolle Lehre. Wenn ich ein Jünger bin, muss ich sorgfältig das verstehen und annehmen wollen, was er mir durch sein Beispiel beibringen will. Jesus fragt: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Wenn überhaupt, dann könnte der Meister von seinem Diener verlangen, dass er ihm die Füße wäscht und nicht umgekehrt. Jesus ist der Herr und Meister, er ist der gute Lehrer. Ich bin sein Jünger. Dennoch hat er seine Autorität nicht demonstriert, indem er Gehorsam durch Machtausübung einforderte, sondern eher dadurch, dass er die Macht der Tugend offenbarte: Demut und Nächstenliebe – und deren Fähigkeit, zu lehren und zu überzeugen. „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“ Er hat uns sein Vorbild zum Nachahmen gegeben, so dass ich ebenso handeln kann. Wessen Füße soll ich waschen?

Gespräch mit Christus:  Herr, fahre fort, mich durch dein Wort zu läutern, damit ich als rein befunden werden kann. Gewähre mir die Demut und Nächstenliebe, damit ich deine Tugenden nachahmen kann. Ich möchte lernen, die Füße der anderen zu waschen, darum gib mir die Gnade, mich nicht weiter zu sträuben und das Gute zu tun, ohne mich darum zu sorgen, wie andere darauf reagieren könnten.

Vorsatz:   Heute werde ich mich selbst demütigen, um jemandem in Not zu dienen, besonders jemandem, dem gegenüber ich Widerwillen verspürt habe.


Einladung zur Vertrautheit

2. April 2010

Karfreitag

P. David Daly LC

Joh 18,1-19
Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. Auch Judas, der Verräter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?

Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein. Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? Danach schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohenpriester Kajaphas. Simon Petrus aber stand am Feuer und wärmte sich. Sie sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Nein. Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, der Karfreitag ist der Tag, an welchem du die Sünde durch deinen Tod am Kreuz besiegt hast. Du hast gezeigt, dass dein Erbarmen nicht zerstört werden kann. Je mehr du verspottet und angegriffen wurdest, umso größer war die Vergebung, die aus deinem heiligsten Herzen kam. Danke, Herr, für das demütige, große Geschenk deiner selbst inmitten so schweren Leidens. Ich möchte dir heute in deinem Leiden ganz nahe sein. Ich möchte dich immer mehr erkennen und dir immer mehr nachfolgen, alle Tage meines Lebens.

Bitte:  Herr, überzeuge mein Herz, dass du wirklich aus Liebe zu mir persönlich gestorben bist.

1. Mächtige Worte. „Ich BIN“. Diese mächtigen Worte sagte Christus zu den Soldaten, die gekommen waren, um ihn im Garten Getsemani gefangen zu nehmen. Diese Worte hatte Gott benutzt, als er Moses am Berg Sinai seinen Namen geoffenbart hat. Es sind die Worte, welche die christlichen Denker benutzen, um den Schöpfer aller Dinge zu beschreiben. Es sind die Worte, durch welche Christus seine Gottheit vor den Soldaten bekennt und ausruft. Aus diesem Grund stürzen sie zu Boden. Wenn wir das Leiden Christi betrachten, wollen wir uns an seine Gottheit erinnern. Er ist mein Gott, und er ist mein Retter.

2. Die Verleugnung. „Nein“. Dieses Wort des Petrus steht in starkem Kontrast zu den Worten, mit denen Christus seine Gottheit ausruft. Wir könnten sagen, dass es alles beschreibt, was schwach und zerbrechlich an den Menschen ist, ausgesprochen vom Mund des heiligen Petrus. Im Gegensatz zu Christus im Garten Getsemani steht Petrus am warmen Feuer; nicht Soldaten stellen ihm eine Frage, sondern eine Dienerin. Er leugnet aber, dass er ein Jünger Christi ist; dadurch bestätigt Petrus, dass er schwach ist und die Gnade und das Erbarmen Gottes braucht. Wir sollten uns mit Petrus identifizieren und anerkennen, dass wir das Opfer Christi brauchen. Wann sagen wir, dass wir nicht zu Christus gehören? Wann lassen wir uns von unserer Schwäche herunterziehen? Was muss ich tun, damit ich solche Stürze in meinem Leben vermeide und Christus treuer nachfolge?

3. Aus Liebe zu mir. Das heutige Evangelium stellt die Verleugnung des Petrus und das Todesurteil gegen Jesus gegenüber. Der Tod Christi wäre auch ohne die Verleugnung des Petrus geschehen, aber welche Wirkung hatte sie auf unseren Herrn? Jesus stirbt für Petrus und für alle Menschen, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Daran hat der Unglauben und die mangelnde Liebe des Petrus nichts geändert. Als er umkehrte und wieder glaubte, erkannte er, dass Jesus das alles für ihn getan hat, und von da an verkündete er diese Wahrheit überall. Möge der Herr uns helfen, dass wir erkennen, dass Christus alle unsere Handlungen sieht und dass diese Handlungen ihn entweder trösten oder ihm noch mehr Leiden über so viel Treulosigkeit zufügen. Wir müssen fest daran arbeiten, eine zweite Natur in uns aufzubauen, damit wir in Momenten der Versuchung unser Herz zuerst Jesus zuwenden und daran denken, wieviel Leid wir ihm durch unser Versagen zufügen würden. Dann wird unser Wille die Kraft bekommen, das böse Tun abzuweisen, um so allein unserem Herrn und Erlöser zu gefallen.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, ich habe deine Selbsthingabe aus Liebe zu mir betrachtet und ich bitte dich, mein Herz mit deiner Gnade zu erfüllen, dass ich dich immer mehr erkenne und liebe. Meine Untreue und Schwäche hat zu deinem schweren Leiden beigetragen. Du hast all das aus Liebe zu mir und zu jedem einzelnen Menschen getan. Danke, Herr.

Vorsatz:   Ich bitte heute um die Gnade, dass ich begreife, dass Christus mich ganz persönlich liebt, gerade wenn ich sein Leiden und seinen Tod betrachte.


Jesus am falschen Ort suchen

3. April 2010

Karsamstag

P. Christopher Scroggin LC

Lk 24,1-12
Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Während sie ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. Da erinnerten sie sich an seine Worte. Und sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern. Es waren Maria Magdalene, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln. Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden dort liegen. Dann ging er nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war.

Einführendes Gebet:   Himmlischer Vater, ich betrachte das Grab, in dem dein Sohn liegt, der uns bis zum Ende geliebt hat. In der Stille dieses Karsamstags will ich mich besinnen und mich für die Auferstehung vorbereiten. Ich komme zu dir, in der Stille, im Gebet und in geduldiger Erwartung der Morgendämmerung von Ostern. Ich weiß, dass die scheinbare Niederlage in Wirklichkeit der Sieg des Lebens ist. Hilf mir, die Größe deines Todes und deiner Auferstehung zu erfassen.

Bitte:  Jesus, gewähre mir die Gnade, die Herrlichkeit deiner Auferstehung tiefer zu verstehen.

1. Ein Tag mit Maria. Viel ist in den letzten Tagen geschehen. Es wird langsam hell an diesem ruhigen Samstag. Heute ist ein Tag des Wartens mit Maria, um mit ihr in aller Ruhe zu betrachten, um mit ihr an einen einsamen Ort zu gehen und dort den Tod des Herrn an ihrer Hand zu betrachten. Der Karsamstag ist ein Tag der Trauer und ein Tag der Hoffnung. Der Karsamstag soll nicht einfach nur der Tag zwischen dem Karfreitag und dem Ostersonntag sein. Der Karsamstag ist der Tag, an dem wir in aller Ruhe zusammen mit der Muttergottes eine tiefe Betrachtung halten.

2. Die andere Seite der Auferstehung. Von unserem Ausgangspunkt aus können wir leicht vergessen, dass für die Apostel und Jünger des Herrn alles zu Ende sein schien. Jesus war tot. Als Jesus vom Kreuz herab ausrief: „Es ist vollbracht“, da hörte sich das machtvoll und endgültig an. Sie würden seine Stimme nie mehr hören, die Macht seines Redens nie mehr spüren oder seine wunderbaren Taten nie mehr sehen. Für sie gab es im Moment keine Auferstehung, sondern nur Leiden und Tod. Die Frauen bereiteten alles vor, um den Leichnam Jesu zu salben. Wir müssen diesen Tag von der anderen Seite der Auferstehung betrachten.

3. Das Gebet gibt uns die Antworten auf das Leben. Nur wenn sie in aller Stille nachdenken, werden die Apostel erkennen, wie alles zusammenpasst. Jesus hatte ihnen gesagt, was alles mit ihm geschehen würde, die Auferstehung eingeschlossen. Jesus hatte ganz offen darüber mit ihnen gesprochen, jedoch konnten sie ihn noch nicht verstehen. Allein in der Stille dieses Tages, begleitet von Maria, können sie vielleicht verstehen, was Jesus alles zu ihnen gesagt hatte. Dasselbe gilt für uns; wir müssen uns zusammen mit Maria an Jesu Worte erinnern, denn oft sind wir ganz verschlossen. Oft meinen wir, dass wir Jesus kennen und dass wir seine Worte verstanden haben, jedoch sind sie noch nicht in unser Herz eingedrungen. Wir müssen sorgfältig auf das hören, was er uns im Evangelium sagt, damit wir die tiefere Bedeutung seiner Worte erfassen können. Wir müssen das zusammen mit Maria tun, wir müssen ihr erlauben, uns dabei zu helfen.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, die Stille dieses Tages hilft mir, in meinem Herzen all das zu betrachten und darüber nachzudenken, was du in den letzten Tagen für mich vollbracht hast. Ich weiß, dass die Stille des Karsamstags keine Stille der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit ist, sondern die Stille einer großen Erwartung, einer Erwartung, die sich in der überschwänglichen Freude von Ostern erfüllen wird. Ich will mit den heiligen Frauen zu deinem Grab gehen, nicht um deinen Leichnam zu salben, sondern um mich mit den Engeln zu freuen, die ausrufen: „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“

Vorsatz:   Ich will versuchen, mir heute so viel Zeit wie möglich für das Beten in der Stille zu nehmen, um mich gut für die Freude von Ostern vorzubereiten.