Tägliche Meditationen

Tägliche Meditationen

Sonntag 22. November 2009 bis Samstag 28. November 2009

Vierunddreißigste Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC und P. Edward McIlmail LC

Eine Frage des Königtums Sonntag
Die reichste Gabe Montag
Warum so niedergeschlagen? Dienstag
Katholischer Glaube, der etwas kostet Mittwoch
Schlimme Zeiten Donnerstag
Das Reich ist nahe Freitag
Bereit oder nicht bereit? Samstag


Eine Frage des Königtums

22. November 2009

Christkönigssonntag

P. Edward Hopkins LC

Joh 18,33b-37
Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, ich glaube, dass du die Wahrheit selbst bist; dass du die Grundlage für jedes moralische Urteil bist. Ich vertraue darauf, dass du dich wirklich um mich kümmerst und mir die Fähigkeit gibst, die Bedürfnisse anderer zu erkennen. Ich liebe dich, Herr, und ich will dir das jetzt mit meinem Wunsch zu beten zeigen.

Bitte:  Mache deine Wahrheit zu meinem Leben, Herr!

1. Meine eigenen Fragen stellen. Wir bilden uns jeden Tag unzählige Urteile. Oft basieren sie mehr darauf, was andere gesagt haben, als darauf, was wir wissen. Es wird uns oft gesagt, was wir denken sollen: von den Massenmedien, der Regierung und sogar von Kollegen. Das Urteil von Pilatus basierte darauf, was andere gesagt hatten. Seine Frage an Jesus war die eines Beamten; nicht eines Menschen der ehrlich nach der Wahrheit sucht. Jesus spürte diese Schwäche und konfrontierte ihn damit. Pilatus’ Entschuldigung war, dass er kein Jude war und die Hoffnung der Juden somit nicht verstehen konnte. Ich selbst werde eines Tages danach gerichtet werden wie ich gerichtet habe. Wie fair, wie ehrlich und wie wirklich interessiert bin ich an anderen? Behandle ich sie so, als ob sie mir wirklich etwas bedeuteten?

2. Jesus steht über dieser Welt. Die von Pilatus in Worten ausgedrückten Gedanken und die Anschuldigungen der Sanhedrin gegen Jesus stammen von dieser Welt. Es ist eine Welt, in der einmal angeklagte Menschen bereits gerichtet sind; in der die meisten Urteile verborgen bleiben und doch durch Handlungen und Unterlassungen Rufmord für den betroffenen Menschen bedeuten; eine Welt, in der das, „was andere von mir denken“, am wichtigsten ist. Das ist nicht der Weg Jesu, und diese Denkweise kann ihn auch nicht im Entferntesten beurteilen. Er muss sich vor Gott allein rechtfertigen, so wie er allein lebt, um seinem Vater zu gefallen. Gehöre ich zu Gott oder zu dieser Welt? Wie sehr hält mich diese Welt gefangen? Wie weit ist mein Verhalten von ihren Urteilen beeinflusst?

3. Zum Königtum der Wahrheit gehören. Was relativ ist kann niemals das Absolute beurteilen, genausowenig wie die sich ändernden Jahreszeiten die menschliche Natur festlegen. Nur das Urteil einer absoluten Macht, und somit Gott allein, kann wirkliche Werte für alle festsetzen. Schon vor seiner Wahl zum Papst nannte Kardinal Joseph Ratzinger die Überbewertung subjektiver, persönlicher Werte eine „Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und deren letztes Ziel einzig in dem eigenen Ich und seinen Wünschen besteht“ (Kardinal Ratzinger, Predigt vom 18. April 2005). In der gleichen Predigt stellte er dieser relativistischen „Wahrheit“ die Freundschaft mit Christus gegenüber. Wirkliche Freundschaft mit Christus ist das einzige Licht, das uns führen kann. Das setzt voraus, dass wir ihr alles andere, von dem wir glauben, dass es uns führen könnte, unterordnen: unser Ich, unsere eigenen Gefühle und unsere egoistischen Wünsche. Seine Wege, Liebe und Wahrheit verdrängen jede Selbstsucht. Zu welchem Königtum gehöre ich?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, du bist mein König und dein Königtum ist die Wahrheit. Forme meinen Verstand, dass ich alles danach beurteile, wie es zu dir in Beziehung steht. Forme mein Herz, damit ich alle Menschen im Licht deiner Liebe sehe und einschätze. Befreie mich von den Täuschungen des Stolzes, der Menschenfurcht und der Eigenliebe. Ich möchte, dass allein deine Liebe in meinem Herzen regiert!

Vorsatz:   Diese Woche will ich jede Verurteilung unterlassen, die allein darauf gründet, was andere gesagt und gehört haben. Ich will stattdessen für diese Menschen beten, im Falle von Zweifel und Unsicherheit von ihrer Unschuld ausgehen und sie der Obhut unseres Herrn anvertrauen.


Die reichste Gabe

23. November 2009

Montag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Kolumban, Abt und hl. Klemens, Papst

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,1-4
Jesus blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten. Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen hineinwarf. Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.

Einführendes Gebet:   Lieber Jesus, ich glaube, dass du mich mit dem Leben und einem lebendigen Glauben gesegnet hast, damit ich dir diese Zeit und dieses Gebet widmen kann. Ich danke dir dafür. Ich liebe dich und schenke dir alles, was ich bin und habe, mit dem festen Wunsch, ein frohes Geschenk für dich zu werden.

Bitte:  Herr, lehre mich, mit frohem Herzen alles zu teilen, was ich empfangen habe.

1. Einige wohlhabende Leute. Jesus saß vor dem Opferkasten. Was sah Jesus, als er um sich schaute? Er sah mehr, als wir sehen. Er sah in die Herzen hinein. Reichtum hält uns oft in Begehrlichkeiten gefangen und versklavt uns mit den Sorgen, die er mit sich bringt. Jesus sah, dass viele Menschen nur den Pflichtteil gaben, was für sie nicht schwierig war und nur wenig schmerzte. Dieser Akt der Erfüllung einer – zumindest als solche von ihnen verstandenen - Pflicht Gott gegenüber, machte sie selbstzufrieden. Manche waren sogar stolz darüber, was sie gegeben hatten. Und doch war dies kein Akt der Selbsthingabe. Sie gaben mit gewohnheitsmäßiger Gleichgültigkeit. Ihrer Gabe fehlte die Liebe. Was sieht Jesus in meinem Herzen? Gebe ich Jesus großzügig mein ganzes Selbst, wenn ich ihn auf dem Altar sehe? Gebe ich ihm großzügig alles, was ich bin und habe, wenn ich zu ihm bete? Verrichte ich meine Arbeit aus Liebe zu ihm und zu seiner Ehre?

2. Eine arme Witwe. Nur Jesus konnte erkennen, dass diese Witwe nun ganz von ihrer Familie oder von Freunden abhängig war. Sie gab mehr, weil sie sich selbst ganz Gott übergab. Gibt es denn irgendetwas, das wir Gott geben können, das er uns nicht schon zuvor gegeben hat? Wir können Gott unsere vertrauensvolle Hingabe schenken. Die Witwe gab Gott mit Vertrauen, weil sie wusste, dass Gott auch weiterhin für sie sorgen würde. Sie hatte keinen anderen Wunsch, als mit ihm zusammen zu sein und von ihm bereichert zu werden. Ihr Geben war heiter und dem Willen Gottes ergeben, nicht verzweifelnd, sondern voller Hoffnung. Ihre Hoffnung war die eines Menschen, der in seinem Innersten weiß, wie sehr Gott ihn liebt. Wie oft vertraue und verlasse ich mich auf ihn, besonders dann, wenn andere Sicherheiten zu schwinden drohen?

3. Mein ganzes Leben hingeben. Für Jesus ist es von großer Bedeutung, „wie“ wir geben, und nicht nur, „was“ wir geben. Was wir haben – unsere Besitztümer und das, was wir uns in gewisser Weise zu Eigen gemacht haben – ist nicht für uns allein gedacht. Wir haben sie, damit wir sie weitergeben können. Und wir sollten sie Gott zurückgeben, denn sie gehören ihm. Wir schenken sie weiter, um unsere Liebe zu Gott zum Ausdruck zu bringen. Ich gebe mein Leben hin, wenn ich gewissenhaft arbeite, Nächstenliebe übe, bete oder aus Liebe zu Christus Opfer bringe. Alle diese Taten kann ich, wenn sie nicht schon von vorne herein als Opfergabe an Christus gedacht waren, gedanklich in der heiligen Messe auf die Patene legen, damit sie zusammen mit den Hostien bei der Wandlung verwandelt werden. Schenke ich ihm mein ganzes Leben?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, mache mich aufmerksam für alles, was du für mich bist, und lass mich alles erkennen, was du mir geschenkt hast. Ich möchte nie aufhören, dir zu danken, indem ich mich ganz dir hingebe. Du lädst mich immer von Neuem ein, großzügiger zu sein, öfter und mit mehr Liebe zu geben. Öffne mein Herz, Herr, für dein Werk!

Vorsatz:   Ich will eine Liste machen, was ich diese Woche für Jesus tun kann und es ihm im Gebet aufopfern. Am Sonntag während der Gabenbereitung will ich dann voller Glauben und Liebe all die Opfer, die ich während der Woche gebracht habe, gedanklich auf die Patene legen als ein wahres Geschenk für ihn.


Warum so niedergeschlagen?

24. November 2009

Dienstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Andreas Dung-Lac und Gefährten

P. Edward McIlmail LC

Lk 21,5-11
Als einige darüber sprachen, daß der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, daß es beginnt? Er antwortete: Gebt acht, daß man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, laßt euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muß als erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere. Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen, und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich danke dir für die Zeit, die ich mit dir verbringen darf. Sie ist eine der wenigen stillen Momente meines Tages. Deine Gegenwart bestärkt mich, dass ich den täglichen Versuchungen nicht allein widerstehen muss. Du bist meine Stärke und mein Frieden. Ich wünsche mir, in deiner Liebe zu bleiben.

Bitte:  Jesus, hilf mir, die Hoffnung trotz der Krisen in meinem Leben zu bewahren.

1. Der Tempel in Jerusalem. Für die Juden war der Tempel in Jerusalem der Mittelpunkt des religiösen und kulturellen Lebens. In ihm befand sich das Allerheiligste, das Heiligtum, das einst die Bundeslade aufgenommem hatte. Das Volk war auf den Tempel stolz, aber Jesus warnt es, dass der Tag kommen wird, an dem er zerstört werden wird (wie tatsächlich im Jahre 70 geschehen). Aber das Ende des Tempels wird nicht das Ende der Religion sein. Jesus selbst wird bei uns bleiben, wie er bis heute in der heiligen Eucharistie bei uns ist. Egal was sonst noch vergeht – unser Haus, unser Büro, unsere Schule – Christus bleibt. Erfüllt mich dieser Glaube mit Zuversicht?

2. Lass dich nicht in die Irre führen. Jesus beantwortet die Frage, wann der Tempel zerstört werden wird, nicht unmittelbar. Vielmehr versucht er das Augenmerk seiner Zuhörer darauf zu lenken, was wirklich wichtig ist, nämlich ihr Glaube. Unser Herr warnt sie davor, nicht auf die falschen Leute zu hören. Auf wen hören wir im Verlauf eines Tages? Wessen Stimme ist in unserem Radio oder Fernsehen zu hören? Auf wen hören wir wirklich Tag für Tag? Auf weltgewandte Talkmaster? Auf die „Experten“ in den Nachrichtenmedien? Auf Fernseh-Gurus? Jesus warnt uns, dass die Menschen, auf die wir hören, unser Leben beeinflussen können – auch unser ewiges Leben. Beurteile ich deshalb die Stimmen, auf die ich höre, gewissenhaft?

3. Habt keine Angst. Tsunamis, Überschwemmungen, Terroranschläge, Krieg, Abtreibung, Euthanasie – ist die Welt heute schöner als zur Zeit Jesu? Unserem Herrn waren schlechte Nachrichten nicht unbekannt. Er wusste vom Einsturz des Turms in Schiloach, wodurch 18 Menschen getötet worden waren (vgl. Lk 13,4) – und er wusste, was ihn am Karfreitag erwartete. Dennoch blieb er voller Hoffnung und förderte das Beste im Menschen. Wie seine Jünger müssen auch wir Zeugen der Hoffnung sein. Wir müssen Licht in das Leben unserer Mitmenschen bringen. Noch wichtiger ist es, dass wir sie daran erinnern, dass Gott am Ende siegen wird. „Am Ende hat Gott und nicht der Teufel das letzte Wort“, sagte Papst Johannes Paul II. bei seiner Generalaudienz am 17. Oktober 2001, „Gott triumphiert über die feindlichen Mächte, auch wenn sie groß und unbesiegbar zu sein scheinen.“

Gespräch mit Christus:  Herr, mein Verstand weiß, dass du am Ende siegen wirst. Wenn nur mein Herz das auch glauben möchte! Schenke mir diese Gnade. Gib, dass mein Leben diesen Optimismus immer zum Ausdruck bringt.

Vorsatz:   Ich will ein kleines Opfer bringen oder ein Gebet aufopfern für jemanden, der heute leiden muss.


Katholischer Glaube, der etwas kostet

25. November 2009

Mittwoch der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Katharina von Alexandria

P. Edward McIlmail LC

Lk 21,12-19
Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. Nehmt euch fest vor, nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so daß alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Einführendes Gebet:   Jesus, mein Erlöser, danke für einen weiteren Tag und eine weitere Chance, mit deiner Gnade in der Heiligkeit zu wachsen. Ich liebe dich und möchte dich zum wahren Mittelpunkt meiner Gedanken, Sehnsüchte und Taten machen.

Bitte:  Herr, hilf mir die Schwierigkeiten zu überwinden, die ich täglich mit der Ausübung meines Glaubens habe.

1. Verfolgung. Widerstand in der Welt ist der Preis, den wir bezahlen, um Christus nachzufolgen. Ohne Fleiß kein Preis. Warum sollte uns das überraschen? Wenn es leicht wäre, das Evangelium zu leben, würden alle Menschen Heilige sein. Aber das Evangelium ist anspruchsvoll. Es reibt sich an unserer gefallenen menschlichen Natur. Es fordert uns heraus – und macht uns sogar unbeliebt. Warum? Weil die Menschen, die Gutes tun, ein Stachel der Ermahnung sind für jene, die nicht nach dem Evangelium leben. Es sollte uns nicht überraschen, dass unsere Nachbarn auf uns herabschauen, weil wir so viele Kinder haben. Oder dass der Chef uns bei der Beförderung übergeht, weil wir während der letzten Weihnachtsspendenaktion nichts für die Pro-Abtreibungsbewegung spenden wollten. Ist mir klar, dass man als wahrer Christ verfolgt wird?

2. Keine Verteidigung. Wenn Christus uns sagt, wir sollen unsere Verteidigung nicht vorbereiten, meint er nicht, dass wir uns zurücklehnen und nichts tun sollen. Vielmehr will er, dass wir unsere Talente für das Reich Gottes nutzen. Christus lädt uns ein darauf zu vertrauen, dass am Ende der Sieg des Guten über das Böse ihm gehört. Gott hat seine Zeit und seinen Ort für alles. Wir sind berufen, beim Aufbau seines Reiches mitzuarbeiten – in unseren Familien, unseren Büros, unseren Schulen, unseren Gemeinschaften. Wie baue ich das Reich Gottes in meinem Lebensumfeld auf?

3. Weisheit von oben. „Ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben…“ Wenn wir im Gebet und im Handeln Christus nahe bleiben, übernimmt er unser Leben Schritt für Schritt. Und das ist gut. Unser Egoismus verschwindet. Unser Herz wird weiter. Wir sterben uns selbst. „Er muss wachsen; ich muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Aber wir müssen uns selbst fragen: Glaube ich wirklich an das Evangelium? Glaube ich stark genug daran, um Christi Worte zu gebrauchen, wenn ich Nichtgläubigen um mich herum antworten muss? Wie oft gebe ich mich in der Öffentlichkeit als Christ zu erkennen?

Gespräch mit Christus:  Herr, du weißt, dass es nicht leicht ist, als dein Freund angesehen zu werden. Die Leute lachen über uns – oder wir tun ihnen leid. Sie verstehen nicht, woher wir kommen. Hilf mir, etwas von der Einsamkeit zu verstehen, die du gefühlt haben musst, als du dich gegen die Maßstäbe der Welt gewandt hast. Hilf mir, dir treu zu sein, koste es, was es wolle.

Vorsatz:   Ich werde in einem Gespräch oder einem Email eine Zeile aus Christi Weisheit aus dem Evangelium benutzen.


Schlimme Zeiten

26. November 2009

Donnerstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Konrad und hl. Gebhard, Bischöfe von Konstanz

P. Edward McIlmail LC

Lk 21,20-28
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwüstet wird. Dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer in der Stadt ist, soll sie verlassen, und wer auf dem Land ist, soll nicht in die Stadt gehen. Denn das sind die Tage der Vergeltung, an denen alles in Erfüllung gehen soll, was in der Schrift steht. Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird über das Land hereinbrechen: Der Zorn Gottes wird über dieses Volk kommen. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen.

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.

Einführendes Gebet:   Jesus mein Retter, ich danke dir für diesen neuen Tag und die neue Chance, mit deiner Hilfe heiliger zu werden. Ich liebe dich und will dich zum wahren Mittelpunkt meiner Gedanken, Wünsche und Handlungen machen.

Bitte:  Herr, verleih mir einen gesunden, aber realistischen christlichen Optimismus.

1. Zerstörung vor Augen. Was für ein düsteres Evangelium! Von Armeen ist die Rede, von Katastrophen und tobenden Meeresfluten. Jesus spricht von der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) und zeichnet Endzeitbilder. Heutzutage denken wir an Kriege, Tsunamis und Überflutungen und fragen uns, warum es auf der Welt manchmal so schrecklich zugeht. Warum kann das Leben nicht einfacher sein? Warum leiden so viele unschuldige Menschen? Ach, unser Herr hat die gleichen Fragen gestellt. All das Übel, das wir sehen, kommt von der Ursünde, von Adams Fall. Gott wollte all dies Leid nicht – aber er lässt es zu. Er lässt es zu, weil er unsere Freiheit respektiert. Er lässt es auch zu, weil er weiß, dass er etwas Gutes daraus machen kann. Wie gebrauche ich meine Freiheit? Ist mein Glaube an Christus stark genug, um optimistisch zu bleiben?

2. Unter den Füßen zertreten. Der Fall Jerusalems bedeutete nicht, dass Gott die Welt aufgegeben hatte. Zwar würde der Tempel nicht mehr das religiöse Zentrum sein; viemehr würde es ein neues Zentrum geben: Christus, wahrhaft anwesend in der heiligen Eucharistie. Der Tabernakel würde das neue Zentrum der Aufmerksamkeit sein. Wie gering ist doch die Zahl derer, die das begreifen! Nach 2000 Jahren ist Jesus noch immer demütig und lässt sich in einem Tabernakel aufbewahren. Verhalte ich mich dementsprechend in der Kirche? Kleide ich mich dementsprechend zum Kirchgang? Betrete ich die Kirche in einem dementsprechenden Zustand des Herzens und des Geistes?

3. Das Heil vor Augen. Wenn wir Christus treu nachfolgen, haben wir die beste Gewähr dafür, dass unser Leben einen Sinn hat. Christus wird am Ende unseres Lebens alles mit Sinn erfüllen. Alle unsere Bemühungen, das Evangelium zu leben, werden es wert gewesen sein. Am jüngsten Tag mögen wir vieles bereuen, aber niemals werden wir bereuen, was wir für Christus getan haben. Lassen wir uns stets von dieser Erkenntnis leiten? Leben wir jeden Tag als wenn es unser letzter wäre? Was gibt es in meinem Leben, dessen ich mich am jüngsten Tag schämen müsste? Warum befreie ich mich nicht jetzt sofort davon?

Gespräch mit Christus:  Herr, hilf mir, die Angelegenheiten meines täglichen Lebens an der Ewigkeit zu messen. Lass mich die Dinge mit deinen Augen sehen. Lass mich erkennen, was wirklich wertvoll ist und was überflüssig. Und hilf mir entsprechend zu handeln.

Vorsatz:   Ich will mich erneut bemühen, mich von meinem größten Laster zu befreien.


Das Reich ist nahe

27. November 2009

Freitag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,29-33
Jesus gebrauchte einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen Bäume an: Sobald ihr merkt, daß sie Blätter treiben, wisst ihr, daß der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube an dich und an das Reich, das du in mir und durch mich aufbauen willst. Ich glaube an den Wert meiner Opfer und Anstrengungen, die ich mit deinem Opfer am Kreuz vereinige. Ich hoffe, dass ich in den Himmel gelange, wenn du sagst, dass die Zeit dafür gekommen ist. Ich möchte mich für die verausgaben, die ich am meisten lieben soll.

Bitte:  Dein Reich komme, jetzt und für immer!

1. Seht selber! Jesus beantwortet im heutigen Evangelium die ängstliche Frage der Jünger nach dem „Wann“ und nach den „Zeichen“, welche das Ende ankündigen. Er nennt einige Zeichen, die dem Fall Jerusalems und dem Kommen des Menschensohns „auf den Wolken“ vorausgehen werden. Diese Zeichen werden offensichtlich sein, so wie das Kommen des Sommers deutlich zu erkennen ist. Wir sollten uns also nicht so sehr darauf fixieren, das „Wann“ herauszufinden. Wir sollten uns darauf konzentrieren, das Reich Gottes hier und heute zu erkennen und zu leben. Wie schnell sind wir durch das abgelenkt, was um uns herum geschieht, und wie schwierig ist es, das Reich Gottes und die Ansprüche, die es an unser Herz und an unsere Beziehungen zu den Menschen in unserem Leben stellt, immer im Bewusstsein zu tragen. Welche Anstrengungen unternehme ich, um die Ansprüche des Reiches Gottes in meinem Leben zu entdecken und zu erkennen?

2. Das Reich Gottes wird kommen. Jesus hat viele Bilder verwendet, um das Reich Gottes zu beschreiben. Wie das Senfkorn ist es am Anfang schwer zu erkennen. Es fängt winzig an und wächst langsam. Es wird aber kommen, und so sollte unser tägliches Gebet sein: „Dein Reich komme!“ Dabei müssen wir einer sehr realen Versuchung widerstehen. Nahezu unbewusst erwarten wir ein weltliches Reich, das zu unseren Lebzeiten kommt. Wir arbeiten und beten, als ob wir bald unser Ziel erreicht hätten und von unseren geistlichen Bemühungen ausruhen könnten. Dies führt dazu, dass wir aufgrund der geringen Fortschritte beim Gebet und bei den Tugenden entmutigt sind, wie auch von den Problemen um uns herum. Nein, wir müssen in der Hoffnung leben, mit wachsendem Vertrauen vorwärts gehen, dass der Herr sein Reich zur Erfüllung bringen wird, in uns und in der Welt, und zwar dann, wenn die Zeit reif dafür ist. Welches Reich suche ich?

3. Meine Worte werden nicht vergehen. Eine andere Versuchung in der Erwartung des Reiches besteht darin, angesichts der Prüfungen, durch die wir hindurch gehen müssen, zu verzweifeln. In den Worten der heiligen Theresa von Ávila aber heißt es: „Alles vergeht, Gott allein bleibt bestehen.“ Nichts von dem, was wir erleiden, wird übrig bleiben, wenn das Reich kommt. Und doch sind diese „Prüfungen“ die wertvollsten und stärksten Mittel, das Reich Gottes im Leben anderer herbeizuführen, besonders in denen, die sich verirrt haben, aber auch in unserer eigenen Seele. Wir sollten die Mittel des Reiches Gottes benutzen, Prüfungen mit Glauben und mit Liebe durchleiden, denn das gibt ihnen einen ewigen Wert. Wir sollten keine Gelegenheit versäumen, wodurch wir Gnaden erlangen und das kommende Reich aufbauen können. Denn am Ende wird nur das übrigbleiben, was wir für Gott und unsere Brüder und Schwestern getan haben.

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, schenke mir einen größeren Glauben und das Vertrauen, dass jedes Kreuz und jede Last, so klein und unbedeutend sie auch sein mögen, ein Mittel sind, dir meine Liebe zu schenken. Ich will mit dir dein Reich aufbauen. Hilf mir, immer das zu erkennen und zu tun, was du von mir erwartest.

Vorsatz:   Ich will heute bei einer Mahlzeit auf etwas verzichten und das für jemanden aufopfern, der Hilfe braucht.


Bereit oder nicht bereit?

28. November 2009

Samstag der vierunddreißigsten Woche im Jahreskreis

P. Edward Hopkins LC

Lk 21,34-36
Jesus sagte zu seinen Jüngeren: Nehmt euch in acht, daß Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Einführendes Gebet:   Herr Jesus, ich glaube an dich und an das Reich, das du in mir und durch mich aufbauen willst. Ich glaube an den Wert meiner Opfer und Anstrengungen, die ich mit deinem Opfer am Kreuz vereinige. Ich hoffe, dass ich in den Himmel gelange, wenn du sagst, dass die Zeit dafür gekommen ist. Ich möchte mich für die verausgaben, die ich am meisten lieben soll.

Bitte:  Herr, richte mein Herz wieder auf, damit ich allein für dich lebe!

1. Schläfrige Herzen. Unser Leben ist eine Zeit der Vorbereitung, nicht nur für eine ewige Freundschaft mit Gott, sondern auch für die Angriffe und Mühseligkeiten, die zuvor kommen müssen. Der geistige Kampf ist real, ob wir davon wissen oder nicht, ob wir es wollen oder nicht. Wir kämpfen jeden Tag und in vielfacher Weise, aber der Kampf wird letztendlich in der Tiefe unserer Herzen gewonnen. All das, was unser Herz einschläfert und uns ein falsches Gefühl der Sicherheit gibt, muss vermieden werden. Es kann schon sein, dass wir uns ohnehin nicht „Rausch und Trunkenheit“ hingeben, aber kann es sein, dass ich mein Glück in weltlichen Dingen suche? Bin ich in meinen Urteilen zu oberflächlich? Lasse ich mich von den materiellen Dingen, meiner Arbeit und meinen Sorgen so sehr einnehmen, dass ich unfähig bin, mich auch genügend meinem geistlichen Leben zu widmen?

2. Jener Tag. Es scheint so, als würde keiner von uns den Prüfungen der Letzten Tage entrinnen können. Für manche wird es unvermutet und schmerzhaft sein, für andere langwierig und schwierig. Wir sind aber alle sterbliche Geschöpfe. Die großen Heiligen waren sich ihres Endes immer bewusst. Die Betrachtung des Todes half ihnen, jeden Tag in Fülle zu leben. Der Tod ist die Tür zu meinem wirklichen Leben. Die Erwartung jenes Tages muss uns nicht die Freude rauben, stattdessen sollte er uns zur Liebe aufrufen. Wie ich mein Leben lebe, bestimmt, wie ich „jenen Tag“ und das ewige Leben bei Gott erleben werde. Wie will ich jenen Tag erleben?

3. Wachsamkeit und Gebet. Jesus hat seine engsten Freunde eingeladen „jenen Tag“ seines Leidens so zu leben: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet“ (Mt 26,41). Die letzten Worte des Vater Unsers sollten einen Widerhall in dem finden, wie wir leben. Wachsamkeit setzt nicht nur ein Bewusstsein der Feinde und der Bedrohungen um uns herum voraus, sondern auch das Wissen um die eigenen Schwächen. Diese sind täglich um uns herum, und so müssen wir jeden Tag darüber wachen, ihren Einfluss einzudämmen. Diese Haltung muss uns wichtig und selbstverständlich sein. Immer aber muss sie uns zu Christus führen, dem wir uns im Gebet voller Vertrauen und Offenheit anvertrauen dürfen. Gebet und Wachsamkeit bedingen sich gegenseitig. Wenn wir nicht das Gebet zur Luft machen, die wir täglich einatmen, werden wir in dieser verschmutzten Welt ersticken. Wieviel Bedeutung gebe ich meinen Gewohnheiten und meinem Gebetsleben?

Gespräch mit Christus:  Herr, lass mich die Dringlichkeit meines Tuns erkennen. Wecke mich aus meiner Schläfrigkeit und Sorglosigkeit. Hilf mir, die Bedrohungen und die Gelegenheiten für ein Leben in der Gnade zu erkennen. Halte mir ständig die wirkliche Bedeutung meines Lebens vor Augen und die begrenzte Zeit, die ich zur Überwindung meiner Schwächen und zum Wachsen in der Liebe habe.

Vorsatz:   Ich will heute für die Seele im Fegefeuer beten, die am meisten abgelenkt und am wenigsten auf „jenen Tag“ ihres Todes vorbereitet war.